OF COMPARATIVE ZOÜLOGY, AT DARVARD COLIECE, CAUBRIBCE, MASS. jFountrctJ ftn pvfbatc suöscrfijtfon, fn 1861. Prom the Library of LOUIS AGASSIZ. No. SITZUNGSBERICHTE UEB KAISKKI.U IIKN' lyDEMIG DER UlSSElCHlFTGi ^/^ MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. ÜREIÜNDVIERZIGSTER BAND. -jfe^s^j^-^-*- WIEN. AUS DER K. K. HOF- UND STAATSDKUCKEREI. IM COMMISSION BEr KARL GEROLD'S SOHN. BUCHHÄNULEK DER KAIS. AKAÜKMIt DER WISSENSCHAKTE>. 1861. SITZUNGSBERICHTE DßH MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHEN CLASSE DEK KAISKRLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. XllII. BA5iD. I. ABTHEIICNG. Jahrgang 1S61. — Heft I bis V. (llit 19 Caffln, 3 lartrn. 1 Snrtjjsdjtiitt n. I profiltaffl.) WIEN. AUS DEK K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. IN CUMMISSIUN BEI KARL OEROLD'S SOHN, BUCHHÄNDLEK DER KAIS. AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. ^ 1861. m. cm. ZNL UtMIY HAXVMB UNIVERSITY I i\ H A L T. Seite I. iiiitzuiig' vom 3. Jänner 186i: Übersicht 3 Beiiss, Über die fossile Gattung Acicularia d'Arch. (Mit 1 Tafel.) 7 II. Sitzung vom 10. Jänner 1861: Übersicht H Emmrich , Ein Beifrag zur Kenntniss der südbayrischen Molasse 13 III. Sitzung vom 17. Jänner 1861: Übersicht 23 Frauenfeld, Bericht über weitere Bearbeitung der Novara-Samm- iungen und F'ortsetzung der Diagnosen neuer Lepidopte- ren von Dr. C. Felder 25 Mauthner, Über die sogenannten Bindegewebskörperchen des centralen Nervensystems 4S IV. Sitzung vom 31. Jänner 1861: Übersicht 55 Pokorny , Untersuchungen über die Torfmoore Ungarns. (Mit 1 Karte.) 57 Kner, Über den Flossenbau der Fische. (Fortsetzung.) . . . 123 V. .Sitzung vom 7. Februar 1861 : Übersicht 153 Hyrtl, Über das epigonale Kiemenorgan der Lutodeira, mit einer Tafel und einer osteologischien Tabelle der Clupeiden Cuvier's 155 Stoliczkciy Über die Gastropoden und Acephalen der Hierlatz- Schichten. (Mit 7 Tafeln.) 157 VI. Sitzung vom 21. Februar 1861: Übersicht 205 Hyrtl, Über anangisciie (gefässlose) Netzhäute 207 VM. Sitzung vom 7. März 1861 : Übersicht 213 Suess, Über die grossen Raubthiere der österreichischen Tertiär- Ablagerungen. (Mit 2 Tafeln.) 217 r. Sonklar, Der grosse Schuttkegel von Wiener-Neustadt. (Mit 1 Karte und einem Durchschnitte.) 233 VIII. Sitzung vom 14. März 1861 : Übersicht 247 Wanket , Beiträge zur österreichischen Grotten-Fauna . (Mit 4 Tafeln.) .... 251 IX. wSitzung vom 21. März 1861: Übersicht 265 VI Seite X. vSit«ung vom 11. April 1861: Übersicht . 267 Diesing, Kleine helinintliologische Miltheilungen 269 Boue, Über die Karst- und Trichterplastik im Allgemeinen . . 283 XI. Sitzung; vom 18. April 1861 : Übersicht 293 Heller, Beiträge zur Crustaceen-Fauna des rothen Meeres. (Erster Theil.) (Mit 4 Tafeln.) 297 XII. Sitzung vom 25. April 1861: Übersicht 375 Andrejevii, Über den feineren Bau der Leber 379 XIII. Sitzung vom 10. Mai 1861: Übersicht 383 Petei's, Geologische und mineralogische Studien aus dem .süd- östlichen Ungarn, insbesondere aus der Umgegend von Rezbanya. (Mit einer geognostischen Karte und einer Profiltafel.) 385 XIV. Sitzung vom 16. Mai 1861: Übersicht 465 Wiesner, Die Blattbögen und ihre Berechnung. (Mit 1 Tafel.) 467 SITZUNGSBERICHTE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. MATHEMATISCH - NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. XLIIl. BAIVD. ERSTE ABTHEILUNG. Enthält die Abhandlungen aus dem Gebiete der Mineralog-ie , Botanik, Zoologie, Anatomie, Geologie und Paläontologie. I. SITZUNG VOM 3. JANNER 1861. Freiherr von Wüllerstorf und Urbair, Commodore in der k. k. österreichischen Kriegsmarine, dankt mit Schreiben vom 22. December 1860 für seine Wahl zum correspondireuden Mit- gliede der Akademie. Eingesendet wurden folgende Abhandlungen: „Über die fossile Gattung Acicularia d'Arch." von Prof. Reuss in Prag. „Über die Eigenschaften einiger bestimmten Integrale" von Dr. A. Winckler in Gratz. « „Bestimmung der Lage eines beliebigen Punktes auf dem Felde nach der als bekannt vorausgesetzten Lage dreier anderer Punkte" von Prof. K. Breymann in Mariabrunn. Der Secretär theilt der Classe mit, dass für die am 30. Mai 18Ö7 ausgeschriebene astronomische Preisfrage: „Es sind möglichst „zahlreiche und möglichst genaue photometrische Bestimmungen „von Fixsternen in solcher Anordnung und Ausdehnung zu liefern, „dass der heutigen Sternkunde dadurch ein bedeutender Fortschritt „erwächst", drei Bewerbungsschriften rechtzeitig, d. i. vor dem 1. Jänner 1861, eingesendet wurden, und zwar: a) Die erste von Berlin mit dem Motto: „Jsi iAsu^spiov elvcct ryj ■yvdi)ix-^ TÖv julA/lovTa (pi'koao(psiv" . b) Die zweite von München mit dem Motto : „Gutta cavat lapidem". c) Die dritte von Speyer mit dem Motto: „Ich messe mit scharfem Maass das Licht aller Sterne des Himmels von der glänzendsten Sonne bis zu dem schwächsten Lichtpunkt". 1» 4 Endlich macht der Secretär eine vorläufige Mittheilung üher das neueste Verfahren von Carre, Eis im Grossen mit sehr geringen Kosten zu erzeugen, die er einem Privatschreihen des Herrn Sections- rathes Ritter von Schwarz in Paris entnimmt. Der Secretär hofft der Classe die Versuche selbst mit einem Originalapparate von Carre, den Herr von Schwarz für denselben zu besorgen so gefällig war, zeigen zu können. Herr Director Kreil liest ein Schreiben des österreichischen Reisenden, Herrn Hauptmanns Karl F r i e s a c h, über dessen Aufenthalt in Süd-Amerika und namentlich über die in Brasilien von ihm aus- geführten magnetischen und geographischen Bestimmungen. Herr Dr. Reitlinger, Assistent am k. k. physikalischen Insti- tute, überreicht eine Abhandking: „Über die Schichtung des elektri- schen Lichtes", nebst einer „vorläufigen Note über die Lichtenberg- schen Figuren in verschiedenen Gasen". Herr Dr. Mach legt eine Abhandlung vor: „Über das Sehen von Lagen und Winkeln durch die Bewegung des Auges. Ein Bei- trag zur Psychophysik". Herr Dr. Adolph Weiss übergibt eine Abhandlung: „Über die Aljiängigkeit der Liniendistanzen im Spectrum des Gases der Unter- salpetersäure von der Dichte desselben". An Druckschriften wurden vorgelegt: Akademie der Wissenschaften, Königl. Preuss,, zu Berlin, Abhand- lungen aus dem Jahre 1859. Berlin, 1860; 4o- — der Wissenschaften, Königl. Bayer., zu München, Sitzungs- berichte 1860, Heft 3. München, 1860; 8«- Annale n der Chemie und Pharmacie, herausgegeben von Fr. Wohl er, J. Lieb ig und Herm. Kopp. N. R. XL. Band, 2. Heft, November. Leipzig und Heidelberg, 1860; 8"- D'Archiac, A., Notice sur la vie et les travaux de P. A. Dufren oy, suivie d'une liste bibliographique de ses pnblications. (Lue ä la Societe geologique de France, danslaseance du 21 mai 1860.) 8"- Astronomical Journal, Nr. 139 & 140. — Vol. VI. Nr. 19 »S: 20. Cambridge, 1860; 4"- Astronomische Nachrichten, Nr. 1284 — 1288. Altona, 1860; 40- Austria, XH. Jahrgang, LI. — LllL Heft. Wien, 1860; 8«- Cosmos, lX\4m>ee, 17^ Vol , 24''— 26^ Livraison. Paris, 1860; 8»- Gazette medicaled'Orient, IV'annee, Nr. 9. Constantiiiople, 1860; 4»- Gese lisch aft,Deutsclie geologische, Zeitschrift. XU. Band, 1. Heft. Mit 7 Tafeln. Berlin, 1860; 8«- — Physikalische zu Berlin, Die Fortschritte der Physik im Jahre 1858. XIV. Jahrgang, 1. und 2. Abtheilung. Berlin, 1860; 8«- — Physikalisch-medizinische, zu Würzburg, Würzburger medizi- nische Zeitschrift. I. Band, 2., 3. und 4. Heft. Würzburg, 1860; 80- — Würzburger naturwissenschaftliche Zeitschrift. 1. Band, 2. Heft. Würzburg, 1860; 8o- Grub er, Wenzel, Die supernumer^ären Brustmuskeln des Menschen. Mit 2 Tafeln. (Memoires de TAcad. Imp. des sc. de St. Peters- bourg. VIP Serie, tome III, Nr. 2.) St. Petersburg, 1860; 4"- Grunert, J. A., Archiv für Mathematik und Physik. XXXV. Thcil. 2. und 3. Heft. Greifswald, 1860; 8«- L'Hyd rotherapi e, Journal des eaux, redige par M. E. Duval. 2™^ annee, fasc. 11. Paris, 1860; 8o- Jahrbuch, Neues, für Pharmacie und verwandte Fächer, heraus- gegeben von G. F. Walz und F. L. Winckler. Band XIV. Heft 4 und 5. Heidelberg, 1860; 8«- Land- und forstwirthschaftliche Zeitung, X. Jahrgang, Nr. 36, XI. Jahrgang, Nr. 1. Wien, 1860 und 1861; kl. 4o- Lotes, Zeitschrift für Naturwissenschaften, X. Jahrgjing, November. Prag, 1860; 8o- Marignac, C, Recherehes chimiques et cristallographiques sur les fluozirconates. (Estrait des Annales de Chimie et de Physique, 3« serie, LX.) 8«- Ministerium, k. k. , des Innern, Das Wasser in und um Wien rücksichtlich seiner Eignung zum Trinken und zu anderen häus- lichen Zwecken. (Nach dem Berichte der vom hohen Ministe- rium des Innern zum Behufe dieser Untersuchung eingesetzten Commission.) Wien, 18G0; So- Mi ttheilu ngen des k. k. Genie-Comite über Gegenstände der Ingenieurs- und Kriegs-Wissenschaften, Jahrgang 1860. V. Band, 4. Heft. Wien, 1860; 8«- — aus Justus Perthes' geogr. Anstalt, 12. Heft. Gotha, 1860; 4'*- Nyst, H., Notice sur deux coquilles nouvelles du genre Crassatelle. — Notice sur quelques Bulimes nouveaux ou peu connus. Avec 6 5 planches. — Description succincte (riiii nouvoau Mollusque mjirin des rives de TEscaut. — Rapport sur 1" decouverte d'ossemens fossiles faite ä Saint-Nicolas, en 18ö9. — Sur des ossemens fossiles trouves dans les environs de Saint-Nicolas. Communieation de M. le doeteiir van Ramdonck — Sur une de- couverte d'ossements fossiles; notice de M. de docteur Scoliy. (Extrait des Bulletins de TAcademie Royale de Belgique.) 8"- — Notice sur une coquille du genre Cyrene extraite du puit arfesien d'Ostende. (Extrait du Bulletin de la Societe Paleon- tologique de Belgique, vol. 1/. 1858 a 1859.) 8*>- Schmarda, Ludwig K., Neue wirbellose Thiere, beobachtet und gesammelt auf einer Reise um die Erde 1853 — 1857. I. Band. Turbellarien, Rotatorien und Anneliden. 2. Hälfte. Mit 22 colo- rirten Kupfertafeln und mehreren hundert Figuren in Holz- schnitt. Leipzig, 1861; ¥■ Societe Paleontologique de Belgique, fondee ä Anvers le 1' Mai 1858, Bulletin. Tome \\ feuilles Nr. 1 ä 5. Anvers, 1860; S«- — geologique de France, Bulletin, 2""" serie, tome XVIP, feuilles 29—44. Paris, 1859 ä 1860; 8«- Society, the Zoological — , of London, Transactions. Vol. I — HL 1835, 1841, 1849. — Vol. IV, part 1 — 6. London, 1850— 1859; 40-— Proceedings. Jahrgang 1830-1838, 1840—1859 und 1860, part 1 & 2. London; 80' — A Liste of the Fellows, annual Subscribers and honorary, foreign and corresponding Members. London, 1858; 8«- — The Charter, By-Laws and Regulations of the Zoolog. Soc. of London, incorporated March 27, 1829. London, 1860; 8'>- Wedl, C, Atlas der pathologischen Histologie des Auges. 2. Lie- ferung. Mit 6 Tafeln. Leipzig, 1860; 4«' Wiener medizinische Wochenschrift, X. Jahrgang, Nr. 50—52. Wien, 1860; ¥■ Wo eben -Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts-Gesellschaft, X. Jahrgang, Nr. 4 und 5. Gratz, 1860; ¥' Zeitschrift für Chemie und Pharmacie, herausgegeben von Dr. E. Erlenmeyer und Dr. G. Le Min st ein, HI. Jahrgang 1860, Heft 21 und 22. Erlangen, 1860; 8»- über die fossile Gattung Aciciilaria d'Arch. Von dem \v. M. Prof. Dr. Aog. Em. Renss. (Mit l Tafel.) Diese Gattung wurde zuerst für einen kaum 3 — 4 Miliim. lan- gen, im Grobicalke von Pisseloupe bei Pavant vorkommenden fossi- len Körper von d'Archiac aufgestellt und in den Memoires de la societe geologique de France V, p. 386, t. 2S, f. 8 beschrieben und abgebildet. Dasselbe that später Michel in in seiner Iconogra- phie zoophytologique p, i76, t. 46, f. 14, wo zugleich Etrechy bei Etampes als Fundort hinzugefügt wird. Beide zählten die eii»zige Species — die A. pavantina ^"kvcXi. — zu den Bryozoen, ohne aber ihre Stellung unter denselben näiier zu bestimmen. Auch Pictet führt sie in der ersten Auflage seines Tratte elementaire de paleontologie unter den ungenügend bekannten Gattungen im Anhange zu den Bryozoen an (Tome IV, }). 281). Orbigny scheint sich zuerst eine abweichende Ansicht über das Wesen der Gattung Acicidaria gebildet zu haben, indem er sie mit Ovtdites Lam. verbindet und die einzige Species als Ovnlites pavantina bezeichnet, ohne jedoch seine Ansicht auf irgend eine Weise zu begründen (Prodrome de paleontologie stratigraph- II, p. 40Ö n. 1292J. Dieselbe wurde von Pictet (Traite elem. de paleont. 2. edit. IV, p. 484) und von Bronn (Lethaea geognostica 3. Aufl. III, pag. 259) adoptirt, von letzterem aber mit einigem Zweifel, da er ein Fragezeichen beifügt und bemerkt, dass der für Ovnlites charakteristischen polaren Öffnungen nirgend Erwähnung geschieht. Eine nähere Untersuchung scheint aber von beiden nicht vorgenommen worden zu sein. 8 R e u s s, In der neuesten Zeit haben auch Parker und Jones Acicu- larla zu den Foraiiiiniteren gezälilt und in die Nahe von Dactylo- pora gestellt, ohne aber bis jetzt eine nähere Begründung ihres Ausspruches geboten zu haben (Annals and mag. of nat. hist. 1860, V, n. 28, p. 293). Ich habe mich vor Kurzem wiederholt mit der näheren Unter- suchung des in Rede stehenden Fossilrestes beschäftigt. Die da- durch gewonnenen Resultate gestalten mir nicht, mich der neueren Ansicht über die Wesenheit desselben anzuschliessen; sie befestig- ten in nnr vielmehr die Überzeugung, welche ich schon früher (in Haidinger's gesammelten naturw. Abh. II, p. 67) ausgesprochen habe, dass Äcicularia eine den Eschareen verwandte Bryozoe sei. Weniger gegründet war die dort ausgesprochene Behauptung, dass A, pavantina auch in den neueren Tertiärschichten des Wiener Beckens sich wieder finde. Zwar erwähnt schon Michelin 1. c. , dass dieselbe auch bei Nussdorf nächst Wien vorkomme. Ich entdeckte denselben Fossil- rest auch, wiewohl selten, im Tegel von Lapugy in Siebenbürgen und im Salztlione von Wieliczka, in grosser Anzahl dagegen im Leithakalke von Kostel in Mähren. Neuere Untersuchungen haben aber dargelhan, dass derselbe wohl ebenfalls der Gattung Äcicularia angehöre, aber eine von der französischen verschiedene Species darstelle. Es gibt daher zwei Arten der genannten Gattung, deren Charaktere ich nun mit wenigen Worten darlegen will. 1. Äcicularia pavantina d'Arch. ist nadeiförmig, am breiteren Ende mehr weniger ausgeschnitten, und endiget, sich langsam ver- schmälernd, am entgegengesetzten Ende in einer einfachen Spitze. In Folge von Zusammendrückung ist der Querschnitt gewöhnlich elliptisch. Die breiteren Seitenflächen sind massig gewölbt und stossen in gerundet-winkligen Rändern zusammen. Doch manchmal wird die Wölbung der Seitenflächen stärker und der Querschnitt beinahe kreisrund. Von einer centralen Höhlung, wie man dieselbe bei Ovulites und Dactylopora wahrnimmt, ist keine Spur vorhanden. Eben so ist am unteren spitzigen Ende kein Zeichen von Anheftung zu entdecken. Die gesammte Oberfläche, mit Ausnahme des etwas zugeschäfrten oberen ausgeschnittenen Randes, ist mit in sehr un- regelmässigen Längs- und eben solchen alternirenden Querreihen stehenden, gedrängten, durch schmale scharfrandige Scheidewände i'ber die fossile iJattiing' Aviiu/an'a d'Aroli. Q gesonderten runden Mündungen von ziemlich gleicher Grösse be- deckt. Auf den Seitinrandern der zusunimengedriickten Formen stehen diese mehr vereinzelt. Sie führen in nicht sehr tiefe Zellen, die in ihrer ganzen Weite ausmünden. Jede derselben ist, wie bei den Eschariden und Celleporiden , nn"t jeder der nebenliegenden durch (inen feinen kurzen Canal verbunden. Die an den entgegen- gesetzten Flächen des Gehäuses liegenden Zellen communiciren jedoch nicht mit einander, sondern sind nach Art der Eschariden durch eine imdurchhohrte mittlere Seheidewand von einander geschieden. Die drehrunden Formen zeigen im Innern eine centrale un- durchbohrte Axe, in welcher man nur hin und wieder kleine unregel- mässige Zellen wahrnimmt, wie sich dies ganz auf dieselbe Weise bei den drehrunden Ästen mancher lebenden und fossilen Eschava- Arten wiederholt. 2. Die zweite Species — Acicularia miocaenica m. — wenn auch in den Hauptzügen mit der vorigen übereinstimmend — weicht davon doch in manchen Kennzeichen ab. Die ebenfalls nadeiförmige Schale verschmälert sich gegen das spitzige Ende hin langsamer und ist am breiteren Ende abgestutzt, aber nicht ausgeschnitten. Zugleich ist die Schale stärker zusammengedrückt; die Seitenflächen zeigen daher keine Wölbung, sondern sind eben oder manchmal sogar etwas eingedrückt, die Seitenränder abgestutzt und deutlich zweikantig. Die viel weniger zahlreichen und verliältnissmässig grösseren Zellen stellen in ziemlich deutlichen alternirenden schrägen Reihen und münden durch etwas verengte, daher entfernter stehende runde Öffnungen aus, welche von sehr ungleicher Grösse sind und von einer sehr flachen ringförmigen Erhabenheit eingefasst werden. An den Seitenrändern der Schale fehlen sie beinahe gänzlich. In Folge des stärkeren Zusammengedrücktseins des Gehäuses tritt die Anord- nung der Zellen in zwei mit der Rückenseite zusammengewachsenen Schichten hier viel deutlicher hervor als bei A. imvantina. Nach der eben gegebenen Schilderung kann es kaum einem Zweifel unterliegen, dass der Bau von Acicularia mit jenem der Eschariden ganz übereinstimmt und dass die genannte Gattung sich von Eschara nur durch die eigenthümliche Gestalt des einfachen, nicht verästelten oder gelappten Polypidoms und durch den Mangel aller Anheftung unterscheidet. Sie würde sich in dieser Beziehung an die Gattung Lanceopora d'Orb, anschllessen. jO '^ 1^ " SS- i'bcr die fossile (>attiiiig .Uicii/uiia d'Arcli, Dagegen weicht der Schalenbau sehr wesentlich von jenem aller Foraminiferen ab; selbst mit Dactylopora und andern Orbitu- liniden, denen sich AcicuJuria zunächst anschliessen müsste, kann ich keine Übereinstimmung iinden. Um so weniger könnte die Rede davon sein , dieselbe mit OindUes zu vereinigen, welche eine glasige fein poröse Schale und eine grosse Centralhöhlung besitzt. Der sicherste Beweis würde freilich dann geliefert werden können, wenn es gelänge, an einer lebenden Species das Thier genauer zu beobachten. Erkläraug der Abbildungen. Fig. 1. Aci'cnlan'a pnvniitina d'Arch. Vergrössert. „ 2. Ein Stück der Oberfläche noch stärker vergrössert. ,, 3. Vergrössorter Querschnitt einer zusammengedrückten Form derselben. ,. 4. Vergrösserter Querschnitt einer beinahe drohrunden Form derselben. „ S. Afintlaria miocaenica m. Vergrössert. „ 6. Ein Stück der Oberfläche, stärker vergrössert. „ 7. Vergrösserter Querschnitt derselben. .. 8. Vergrösserter Verticalschnitt, senkrecht auf beide Zelienschichtcn, um die Communication der Zellen durch Sprossencanäie zu zeigen. l^ciifs. l'rticr (Im- ros.silc Caltiiii» .\ririil,iri,Mr.\i-cli. A\. dickfiot-i otaatcdrucxerei -Silaurig'sb die Ikadd W math iiaturu- H XLfflBd.I.AbthlSei. 11 H. SITZUNG VOM 10. JANNER 1861. Herr Bergrath Fr. Rittor v. Hau er übergibt eine Mittbeiliing des Herrn Prof. Dr. Herrn. Emmrich in Meiningen: „Ein Beitrag zur Kenntniss der siidbayerisehen Molasse". Das c. M., Herr K. Fritsch, legt eine Abhandlung vor: „Resultate mehrjähriger Beobachtungen über die Belaubung und Entlaubung der Bäume und Sträuclier im Wiener botanischen Garten". An Druckschriften wurden vorgelegt: Akademie, König!. Preuss., zu Berlin, Monatsbericht. August, Sep- tember und October 1860. Berlin, 1860; 8"- Astronomische Nachrichten, Nr. 1289. Altena 1861; 4o* Austria, XHI. Jahrgang, I. Heft. Wien, 1861; gr. 8«- Christiania, Universität, Akademische Gelegenheitsschriften aus den Jahren 18ö9 und 1860. Christiania und Throndhjem, 1859 und 1860; Folio, 4o- und 8«- Cosmos, X'' Annee, 18' Volume, 1" Livraison. Paris, 1861; S^- Gesellschaft der Wissenschaften, königl. dänische , Oversigt over det Kgl. danske V^idenskabernes Selskabs Forhandlinger og dets Medlemmers Arbeider i Aaret 18S9. Kjöbenhavn; 8"- Lebert, Hermann, Klinik des acuten Gelenksrheumatisnnis. Erlan- gen, 1860; 8"- Marburg, Universität, Akademische Gelegenheitsschriften aus den Jahren 1859 und 1860. Marburg und Hanau, 1859 und 1860; 4»- und 8»- Santini, Giovanni, Esperimento astronomico eseguito sul Picco di Teneriffa nel 1856 dietro sanzione dei Lord-Commissarj de! 12 Ammiragliato di Londia dal Professore C. Piazzi-Smitb, Pa- dova, 1860; S«- Societe Imperiale des Naturalistes de Moscou, Bulletin. Annee 1860. Nr. III. Avec 5 planehes. Moscou, 1860; So- Society, Royal Geographica!, of London, Proceedings of the, — Vol. IV, Nr. 5. London, 1860; 8«- Wiener medizinische Wochenschrift, XI. Jahrgang, Nr. 1. Wien, 1861; 4"- Emmrich. Ein Beifiiig' /iir Kennliiiss der südhayrischen Molasse. ^J 3 Ein Beitrag zur Kenntniss der südhayrischen Molasse. Von Dr. Hermaun Eiunirich. (Vorgelegt von dem w. M. Bergrath Franz v. Hauer.) In meiner Arbeit über die Molasse von Miesbaeli sprach ich es schon aus, dass die Muschelniolasse des Chiemsee, — die so total abweichend ist, in Gesteinsbesehaffenheit sowohl wie in Petrefacten- führung von der von mir als das tiefste Glied des östlichen Molasse- gebietes erkannten Meeresmolasse im Liegenden der cyrenenreichen Kolilenbildiing — , im Hangenden der Letzteren lagere, und ein junges Glied des südbayrisehen Tertiärgebirges sein dürfte. Früher sprach ich die Vermuthung aus , dass man in ihr ein Äquivalent der Schweizer Muschelmolasse zu suchen habe. In Sandberger's und Gümb el's Abhandlung über das Alter der südbayrischen Molasse ist dieses ausgezeichneten Horizontes gar nicht gedacht, wird da- gegen ebenfalls als jüngere Molasse die des Simsees erwähnt, in welcher ich allerdings ebenfalls die Auster des Waginger Sees auf- fand. Aus der Nähe von Prien führen sie Corbula subpisum wie im Tongr. V. Kl. Spauwen und Pleurotoma denticulata von Dax und Tortona auf und ziehen die dortige Molasse ebenfalls zur oberen Meeresmolasse. Wie freute es mich nun, als ich an der Prien in diesen oberen Schichten die ersten sicheren Spuren von Wiener Schichten auffand, erwiesen durch das nicht seltene Auftreten der Ancillaria glandiformis nwACassis texta, durch ein kleines Exemplar 6ev Pyrula rusticula (was übrigens immerhin noch zweifelhaft sein dürfte, die Erhaltung ist sehr ungünstig), durch Ringicula bucci- nea, Natica glaucinoides , Detitalium elephantinum etc. Und im Liegenden dieser Schichten fand sich dieselbe Muschelmolasse wie ■JA E m m I- i c li. auf Herreiiwüi-th und wie sie als Baustein aus dem Chiemsee heraus- gefischt wird und freilich durch eine mächtige versteinerungsfreie Schiclitenfolge davon getrennt, die kohlenführende Bildung von Nies- berg (St. Florian) ganz der von Miesbach und Peissenberg gleich, im evident Liegenden. Und als Unterstes der ganzen Bildung, als Lie- gendstes, bei Dössdorf die untere Meeresmolasse wie bei Miesbach und Peissenberg. So Hessen sich im Prienthal zwischen der Prien- miihle, wo die Prien in's engere Thal eintritt, bis nach Prien, wo sie zum Chiemsee heraustritt, in evidenter zweifelloser Lagerfolge vier durch Versteinerungen charakterisirte Glieder unterscheiden. 1. Als Tiefstes die untere Meeresmolasse. lu senkrecht aufgerichteten Bänken und dünnen Schichten eines grauen fein- körnigen Sandsteins, getrennt durch blauen Thou, steht sie etwas unterhalb Uössdorf (südlich von Wildenwart) an dem rechten Prienufer an. Auch hier findet sich die Cyprina rotundata (von Herrn Conserv. Schafhäutl, zuerst als Cyprina Morrisü aus der Miesbacher Gegend bestimmt und als Beweis für die brackische Natur dieser Schichten erwähnt) in mächtigen Exemplaren wie an der Laizenach nach Hrn. Gümbel und wie beim Locherbauer. An Grösse steht ihr eine Isocardia nach, von /. cor. specifisch verschieden. Die Turritella, die ich beim Locherbauer so häufig fand, und welche Herr Sandberger als incisa bestimmte, Herr C. Mayer für eine neue Species erklärt, ist hier nicht selten. Häufig Cytherea sulcataria, seltener eine Nucida, welche ich mit iV. Margaritucea verglichen hatte. Warum die Herren Sandberger und Gümbel in ihrer Ab- handlung über das Alter der südbayrischen Molasse in den Sitzungs- berichten der k. Akademie der Wiss. von 1858 diese untere Meeres- molasse nicht als besonderes Glied des südbayrischen Tertiär- gebirges anerkannt haben, begreife ich nicht, da sie doch selbst die Beweise dafür beihrachten, dass dieser 1853 von mir festge- stellte Horizont nicht allein in seiner Lagerung, sondern auch in seiner Versteinerungsführung den Schichten von Alzey entspreche. Was ich damals mitbrachte, war theilweise zu schlecht erhalten, um es sicher zu bestimmen, wie ich denn von der Cyprina nur zwei Steinkerne mitbrachte. Doch erkannte Herr Professor Sandberger unter dem Wenigen was ich alsDuplicat besass und ihm mittheilte die bei VVeinheim vorkommende Panopaea llebertiana (.lahrh. der geolog. Kcichsanstalt 1855, pag. 4;}ä). Wenn Herr Bergmeisler Ein Beitrag zur KtMintitiss der siidi)iiyri.sclieu Molasse. \ 5 G Um bei, wie ich aus einer Correspondenz in Bronn und Leon- hard's Jahrbuch von 1859 ersehe, eine untere, dem Sand von Alzey äquivalente Meeresmolasse als weit verbreiteten Horizont im südlichen Bayern angibt, so kann ich nichts anderes darin erkennen, als diese meine untere Meeresmolasse, die nicht allein überall am Südrand der Molasse, so weit ich sie kenne, auftritt, sondern auch noch in zwei nördlichen Parallelzügen. Ihr östlichstes bekanntes Auftreten ist das am Hochberg beiTraunstein. Die von Herrn Meinhold dort ent- deckte P/e?ena snhcostali quinqueramosa , ramis nt in Conopy q a positis, rena discoccUuIari venas duas discoidales ramumqnc tertium medianmn emittente, ramis reliquis medianis valde appro.vimatis, nt in Melittia, secundo ad ccllulae e.rtiilf^im emisso. AJae posticae anticis multo latiores, vena costali et suhcostali valde approximatis , ramo secmido mediano terlio appro.vimato, ante cellulae extimum Oriente. Pedes tarsis nudis , anlici hreviores, femore tihiaque duplo breriore dense fasciculato pilosis, posteriores femoribus longe pilosistibiisque squamaio -hirsiitis. Abdomen f(:fris) gracile, compressnm, squamatum, fasciculum analem ut in Sesia formatum gerens. Alarnm an/icarum i^enis genus hoc Welittiae Hübn. accedif, ponticanim autem et pnlpis Conopygae^ ab amhahiis autem anteunis ahdomiueque gvae'tU, ut in Sesiis formato, a MeWtt'ia. pedibus insuper, optime differt. 59. Pscudosesia insninris Feld. Alis hyalinis, anticis costa, margine interno, striga transversa limboque externo introrsum inciso nigris, posticis liiura disci margineque omni anguste nigris, frontis lateribus albis, palpis nigris , subtus flavido atomatis, thorace abdomineque nigris, cyaneo atomatis, hoc albido annulato, tarsis anticis flavidis. cf Coli. Felder. — 60. Melittia amboinensis Feld. Alis hyalinis, anticis costa, margine interno, fascia transversa limboque externo glauco partim atomato nigris , collari linca plumbea cincto, thorace subtus cum ptdpis albido squamato, pedibus intermediis et posticis nigris, glauco fasciatis, his supra aurantiaco-, subtus nigra villosis, abdominc supra nigra, aurantiaco annulato, subtus ochraceo. (j^p Coli, Felder. — M. Bombyliformi Cr um., cui valde affinis, minor. und rorlsetzimg der Diagiioseii neuer Lei)iiliiiileien von Di. C. Felder. 20 61. IMacroglo8sa Yennta Feld. Alis hyaUnis, ntgro iienatis, anticarum busi, costn, margine interno Umboque eaietno {ad apicem latiore) , posticarum basi margincque sitpra nigro-fuscis , antennis nigvis , palpis supra nigris, snbtus pallide f'ulvis, Ihorace abdomiiieque clon- gato, squamato supra oc/iraceo-brininets, snbtus cum pedibus' fuU'escenlibus, fasciculu aiiali nigra, ad busin virescente, apice fuli'o. cf Coli. Fdder. — M. fueifonni L., qua terlia parte major, alaruni forma et signatara similis, aldomiiiis vero structiira lange recedens. 62. Macroglossa Pyleue Feld. Alis anticis supra virescenti -brunneis , strigis binis basalibus tribusque discalibus transversis subrectis obsolete fuscis, plaga ante medium alteraque exteriore cano-violaceis, posticis supra luteis, striis duabus basalibus plagaque marginali fuscis, sub- tus brunneis, dimidio basali luteo strigisque tribus discalibus fuscis, capite palpisque supra cinereis, striga fusca , subttis albidis, thorace supra cinerascenti-brunneo, subfus ctimpedibus pallide fuloescentibus , abdomine supra nigrescente, maculis trinis lateralibus fulois, fasciculo anali nigro, apice fulvo. p Coli. Felder. — M. Corytho Boisd. et Sitienae Boisd. ^Y a\k er pro,vi7na, sed minor. 63. Snierinthus ambomicas Feld. Alis cum thorace et abdomine brumieis, anticis subfalcatis, strigis quatuor basalibus, quinta obliqua discali tribusque exterioribus inferius in Sigmatis forma curvatis maculasque binas fuscas amplectentibus nigricantibus , posticis supra maculis totidem analibus fuscis, subtus strigis tribus nigricantibus, antennis dP Coli. Felder. — Proprium constiluii scctionem , halitu et pedibus posticis bicalcaratis Uli S. Quereus h., cujus staturam super at , affinem, palpis et alarinn posticarum venis autem a caeferis etiam gencris sui sectionibus sat discrepa/iieut. 64. Gynaalocera vircscens Feld. Alis anticis nigro-virescentibus, venis dilutius marginatis, posticis plumheo - virescentibus , singulis subtus macula basali san- 30 ^'- Fi'auenfeld. Bericht iiher weitere Bearbeitung' iler Xovara-Sanimluiigen giiinea, posticis ibidem viftis duabus anterioribus maculisque gvossis inter venas atumariis niyris, abdomine nigro, subtiis sanguitieo annulato. cf Coli. Felder. — G. papilionariae Guer. secundum alurum fonitniii affinis, stalura minor. Aphantocephtila Feld. (^äfocvTog, incouspicuus, aefal-n, ccqnit). Caput minimum. Collare bene distinchim. Antennne (pnae) costae dimidium superantes , anguste bipectinatne. Älae elongatae, obtusae, singularum vena discocellulari anguhim acutissimum 7)i(irgini externo aJae opposifum formante, anticae posticis latiores, cellnla discoidali subovata, versus basin valde an- gustata, vena siibcostali quadriramosa (ramo primo et secundo ante, tertio post cellulae extimmn orientibusj, vena disco- celhdari suprema distincta , vc7ia discoidali secunda et ramo tertio mediano nnacum orientibus, ramis binis reliquis nwdianis ab hoc sat remotis. Alae posticae vena costali ad cellulae extimum emissa,ramo primo siibcostali de flexo, secundo a vena discoidali sat remoto. Genus Lycomorphae Harr. (Pyromorpliae Herr. Schaff.) affine, aed cha- ractcribus sitpra dalis distinctissimuni. 65. Aphantocephala 9Ioluccaruiii Feld. Alis nigricantibus, ciliis antetmisque obscurioribus. p Coli. Felder. - Callidrepana Feld. Caput mediocre. Antennae ((S^ris) breves, sat late pectinatae. Lingua brevis. Palpi breviusculi, cuput aequantes. Alae ut in Drepanis formataey anticae vena siibcostali quinquera- mosa, ramo primo et secundo ante cellulae ea'timum orientibus, hoc cum quinto angulato cellulam secundariam sat latam, superius angulum parvum reddenteni formante, ex quo angulo nascitur ramus quartus versus apicem tertium emittens, venu discoidali prima ramo ultimo siibcostali valde approximata, ramo mediano primo in cellulae media Oriente. Venae alarum posticarum etpedes ut in D r ep a n a IIa mtila et ejus uf'finibus. A Drepaiia Lasj)., ciii valde affine, genus hoc praeserliin unlenni.s ri iH-narinn sitbcustuliiini ulurutn andcarinn disjjosifione revedii. und Fortselzung- ilor Diiignoseii nciun' Lepidoptereii von Dr. C.Fe Itler. 3 I 66 Callidrepana saacia Feld. Alis paJlldissime fulvescentibiis , antlcis supra vittis nonmillh an- terior ibiis strigaqne posticaobliqiia brunneis argenteo cäomatis, macula discali brunnea nigro marginatn, antennis pedibusque fulvescentibiis, corpore albido. cf Coli. Fehler. — Drepana argenteola Moore affinis hulc videtnr. 67. Attacus Crameri Feld. d' Plial. Bomb. Attacus Atlas var. Cr am. Pap. Ex. t. 381 C. 382 A. Alis supra rufis, striga basali vice angulata alteraque discali {posticarum acute repando-deiitata) albis, iiigro cinctis, macuUs externis flexiiosis fnlvis obsolet is, margine cervino (posticariim introrsiim linea fusca obsoleta diviso), singiilis. macula discali nigro cincta, in pna magna trigona fenestrata, in(^re autemmulto minore, opacaflavicante, anticarumlunari, posticarum trigona, subtus omnibus multo pallidioribus, briin- nescentibus, striga discali paginae siiperioris albida et latiore. Coli. Felder. — Ah A. Atlante L., cujus perinultas varletates e diversissimis locis ante ine liaheo, non soluni forma fenestvarum , sed etiani signalnris marginalibus constanter difl'ert. Praecl. Cramerus marem t. c. optime figuvavit. 68. Antheraea Rumphii Feld. P Rumph^ Herbarium Amboinense, pars III. pag. 114 t. 7S D. ^) Alis supra saturate liiteis, ocello singiilarum fenestrato subelliptico, antice subtrimcato, ante medium vena discocellulari persecto, annulis tribus coloratis cincto, striga communi exteriore lata purpurea, anticarum obliqua, continua, macula ad costae apicem nigra albaque terminata, posticarum paulum undulata, subarcuata alteraque ante eam obsoleta undata nigra, subtus omnibus pallide fulvescentibiis, strigis tribus communibiis obsoletis , prima ferrngitiea proxime post ocellum, alteris cinereis, corpore luteo, thoracis limbo antico cinereo, postice simim formante. p Coli. Felder.- Gloriosa liaec phalaena ah A. Mylilta Drury el Pernyi Guer.^ quibus major, cliaracterihus supra scrijjlis perbene differt , ex figura autem praecl. Rumphii citata vix recognoscitur. 1) Cf. Moore, Cat. Lep. Ins. of E. J. C. II. p. 386, 387, „one of Ihe earliest noiioes of Ulis Insect (A. Mylitta) or of a species very neurly related to if, is given by the venerable Riunphiiis" etc. 3;^ V. Fra iienf el d. Bericht über weitere Be;irlH'iluiig- der Novara-Sammlungen Elacliyoplitalina F e I d. {ilayOg, minutNn, 6'j>^a\ix6<;, oculus). Caput pari'iim, valdc rctractum. Oculi minimi. Atitennne fPfiaeJ breves, sat lulc pectinatae. L'nigua nulla. Palpim'inuti, caput aequantcs. Alae breciter ciUntae, integerrimue, auticae apice obtiisae, margine externo convexo, vena siihcostali quinque- rnmosa (ramo primo ad cellnlae eaHimum Oriente), vena dis- coidaU secunda fere in medio venae discocellularis arcuatae Oriente, ramis ultimis medianis approximatis , primo remo- tiore, posticae rotimdatae, vena costali ad basin cum sub costali connata, dein costae valde approximata, post hiijus medium desinente, vena subcostuli lange post cellulae irregu- lär Her clausae extimum ramificante , ramo tertio et secundo mediano valde approximatis. Pedes breves , setosi, tibiae posticorum calcaribus duobus apicalibus minutis. Abdomen (Pnae) subrobustum , alis posticis dimidio fere brevins, ano subvilloso. Genus ah oiiiniOns Saturniidis jaiii hahitu discrepaiis , Ociiiarae Walker secundiüu nlarum formain forlasse accedens. 69. Elacliyophtalma tricolor Feld. Alis iitrinqne nigris, anticis fascia abbreviata alba, posticis angulo anali luteo, antennis abdomineque nigris, ano luteo. p Coli. Felder. — Magnitxdo Sericariae Mori L., faeies vero Cnethocainparum vel potius Orgyi darum. 70. Leucoiiia egens Feld. Alis parce squamatis, linea anteciliar i ciliisque brunnescentibus, anticis aciitis, corpore pedibnsque albis. p Coli. Felder. — .4 L. V-nigruni Fabr. nngido superiore cellulae alaruni anti- carum prominente ranioque subcoslali priuio posllcarum ad cellulae exti- mum emissu di/fert, quare seclionem proprium consti/uit. 7 1 . Lcuconia subargentea Feld. Alis dense squamatis, subargenteo- albis, anticis obtiisis, antennis fulvescenlibus, corpore albo, palpis, pedibus anticis tarsisque pedum posteriorum f'ulvis. c^p Coli. Felder. — A praecedenle non sulum forma ularum, sed c/ium aulcnnis lutins et nuOcompresse pectinatin renuipic dincoiduli ularum poslicuruiu raiuo tertio uiediuno mayis appro.vimala recedil , tertium igilur nectionem form nt. und Fortsetzung der Diagnosen neuer l.epido[>leri'n von ür. C. Felder. 33 Aucliyneara Fei d. (a^you, prope, vtOpov, venu). Antennne {cfrisj sat late pectinatae. Palpi dense jubati, caput superantes. Alae integerrhnae, unticae venu subcosiali quin- queramosa, ramo primo in cellidae medio, secuudo ante ejus eci'timum Oriente, hoc cum quarto ad cellulae ex'timum emisso cellulam secundariamdistinctam formante, tertioprope apicem alae a quarto emisso, vena discocellulari in medio evanescente, rena secunda discoidali ramisque duohus ultimis medianis sat approximatis , ramo primo mediano in alae medio Oriente. Alae posticae anticis latiores, vena discocellulari angulum acutissimum in cellulam porrectum formante , ramis duobus subcostalibus proxime post cellulae extimum tinacum orienti- bus, vena discoidali a ramis duobus medianis ultimis unacum Orient ibus sat remota. Tibiae posticae calcaribus quatuor sat longis. Genus Laeliae Steph. valde affine, alaruui aulem oenis medianis diversum. 72. Anchyneura praeusta Feld. Alis albidis, anticis costa extimoque brunnescentibus , supra vitta terminali diffusa fusca. cf Coli. Felder. — Laelia coenosa Hübn., cid facies suhsinnlis , diiplo minor. Caenina Feld. (Nomen proprium.) Antennae ((fris) sat late jicctinatae. Palpi sqnamati, caput duplo superantes. Alae integerrimae, vena discocellulari singidarum angulum parvum formante, anticae vena subcostali quinque- ramosa, ramo primo post cellulae medium, secundo ante ejus extimum Oriente , TTbc cum quinto angulato , ad cellidae ex- timum emisso cellulam secundariam sat latam formante, ex cujus apice nascitur ramus quartus prope apicem alae tertium emittens, vena discoidali prima ramo quinto subcostali et secunda venae medianae valde approxiinata , ramis hujus rectis, aequaliter distantibus, primo paulnm ante alae medium emisso. Alae posticae ramo primo subcostali post cellidae ex- timum Oriente, vena discoidali ramo tertio mediano propiore, quam hie secundo, ramo primo mediano sat remoto. Tibiae posticae calcaribus duobus sat longis. Dasychirae Stepli. (Selcniticae Esp.) affin is , palpis aittcm sat dincrepans. Sit/.b. d. nialliem.-naturw. Cl. XLIll ß(\. I. Abtii. 3 34 *• l*" ""ii ue iifi'lil. Bericht über weitere Beai'l>eilun,!? der Novnra-Sam niiungen 73. CneDiDa lymaiitrioides Feld. Alls brunneo cUiatis, anticis supra saturate brimneis, litura dis~ call lunari albida, posticis ibidem nigricuntibus. cf Coli. Felder. — //ai«V»sLymanti'iae disparis L., secl pltts quam dimidio minor. 74. fispia unicolor Feld. Alis, corpore anteunisque pallide luteis. cT Colt. Felder. — C. punctit'ascia Wo Ik. major. 75. Cispia dichroa Feld. Alis luteis, supra anticis fascia lata discali sinuata cana maculisque marginalibus obscure ferrugineis, posticis ibidem plaga interna obscure ferruginea, subtus unicoloribus. Coli. Felder. — Specimen nostrum outennis ahdomineque caret. Feminam fortasse C unicoloris sisdt. 76. Cispia suffusa Feld. Alis saturate luteis, anticis ^fris supra macula basali atomaria ferruginea, Pnae extus inter venas obscure ferrugineo striatis, posticis hujus utrifique plaga interna obscure ferruginea. Coli. Felder. — Praecedenfe tertia parte minor. 77. Cispia pamila Feld. Alis corporeque pallide luteis, anticis supra saturatioribus, macula interna atomaria ferruginea. cT Coli. Felder. — C. unicolore duplo minor. 78. Earias flaiida Feld. Alis sericeo nitentibus, anticis supra flavidis, posticis ibidem albidis, subtus omnibus albido-flavicantibus , corpore toto flavido. p Coli. Felder. — Slatnra E. Cloranae L. , sea alae latiores ohiusioresqve ^ facies Noctuidarum generia Xautliodis Gue. Tortricoinorpha Feld. Caput mediocre. Antennae filiformes, costac dimidium supcrantes, brevissime ciliatae. Lingua mediocris. Palpi validi, arcuati, capitis verticem duplo supcrantes , articulo tertio aciculari, nudo , secundi dimidium aequante. Alae clongatae, ciliatae, anticae apice obtusae vel subacutae, venu subcostali quinque- ramosa, ramis tribus jrrimoribus ante cellulae e.vtimum orien- tibus , quarto et quinto e trunco communi post illud emissis, venu discoidali secunda a ramis medianis ultimis valde appro- uiiil Forlsetzung der Diagnoseii neuer Le[)iil(i()teren von Dr. C. Felder. 35 ximatis remotiore, pllca submediana bast tantum venae medianae approximata, dein deflexa. Akte posticae anticis latiores, venis novem: venu subcostall longe post celhdae extimum ramificante , venu dlscoididi subcostcdi sat approxi- mata, vena mediana inter ramum primum et tertium plus minusve aiigalata, hoc ideo quasi venam discoidalem sistente. Pedes mdidi, postici vilfosi, calcaribus quatuor tibialibus (internis sat longisj. Abdomen {cfrisj alas posticas dimidio fere superans. Germs kreinä-AYürn (divisioni's Nyctoolidaniin Herr. Schaff.) a Cliloeo- phora Sleph., cum qua leoem liahcl afßiiitatcin , jam venae (liscoidaUs alarian posticaruin positione diversuin. 79. TQrtricouiorpha atrosignata F e I d. Alis brunneis, anticis subacutis, supra litura apicali obsoleta albida, posticis disco intusque hyalinis, supra macula cuneata atra, vena submediana divisa squamisque elatioribus f'or- mala, pedibns flavidis, albo villosis. <^ Coli. Felder. — Eariade Clorana L. paulo minor. 80. Tortricouiorpha affinis Feld. Alis brunneis, anticis subacutis, supra litura apicali fiavida, posticis disco intusque hyalinis. cT Call. Felder. — Praecedenti valde similis, sed alae posticae absqite macula atra. Ambae a congeneribus alarum forma corporeque graciliore recedunt. 81. Tortricouiorpha albifascia Feld. Alis fuscis, anticis fascia exter?ia obliqua iuterrupta alba, subtus diffusa, pedibus albidis, tibiis tarsisque posterioribus fusco variegatis. cf Coli. Felder. — Hujus affines sunt plures species javanicae nondum descriptae. Pentaclonia Feld, (nhrz., quinqiie, xloiv, ramus). Caput mediocre. Antennae filiformes, costae dimidium vix aequantes, distincte ciliatae. Palpi fere ut in To r t r i como rp h a. Alae elongatae, ciliatae, anticae apice obtusae, vena subcostali quinqueramosa, ramis duobus primoribus ante cellulae extimum orientibus, tertio et quarto a qninto post illud emissis, ramis medianis sat remotis, plica submediana venae medianae valde approximata, ante ejus ramificationem subito deflexa et quasi 3* 36 ^- 1'' i"a u t'ii fe 1(1. Beiii'lit iil>ei' weili-re Beailieitiiiig der .Nuvaiii-S;iinmliiii^eii ramum qnartum (seil, pritnum) medianum sistente. Alae posticae anticis pauIo (mgustiores, venis octo : vena siihcostali simplici, vena lUscoidali ei seit approximata, ramis medianis ut in Tortricomorpha. Pedes graciles, postici nudi, cal- caribus qiiatuor tibialibus longis, externis brevioribns. Ab- domen {(Sris) alis posticis fere dlmidio longius. Gt'«ws Nyctcolidarum, a praccedenle ckaracfcribus liicce dalis bene dignos- c eil dum. 82. Pentaclonia uniformis Feld. Alis fuscescenlibus , immaculatis , posticis supra obscurioribiis, p(dpis pedibus et peclore flavescentibm. cf Coli. Felder. — Tortrrcomorpha albifaseia, cul facie siiiülis , quarta parte minor. Cynie Feld. Genus e dlvisionc Lithosiidarum, Dolichae Walk, proximmn, sed palpis Caput superantibus, alis angustioribus, anticarum raruis duobus ultimis medianis sat approximatis , posticarum vena discoidali et ramo tertio mediana e trunculo cominuni post cellulae cxtimum orientibus , tibiis posticis breviits calcaratis abdomineque alas posticas superante distal. 83. Cyme reticalata Feld. Alis pallide ochraceis, anticis fiisco extus ciliatis, fasciis quatuor difformibus cano- brunneis, fusco cinctis, plus minusve ana- stomosa?itibus, corpore toto in utroque sexu ochraceo. Coli. Felder. — Magnitudo üoliches liilaris Walk., cui sigiiatura subsimilis. 84. Cyme sexualis Feld. Alis corporeque pallide testaceo - rufis, anticis ciliis fuscis, supra limbo externo rufescente, pitnctis basalibus fasciisque quatuor cano-fiiscis. cf ^P Coli. Felder. — Praecedente terlia parte major, facie Calligeniae miiiiatae Forst. Mas in pagina superiore alarum posticarum areolam eloiigatam subcostulem , squamis elatioribus virescenli-flavidis formatain , subtus fasciculum pilorum in alarum anticarum margine interno venamque sab costalem posticarum incrassatam praestat. Alae etiam angiistiores , quam in C. reticulata. 85. Cyme efasciata Feld. Alis efascialis , anticis (fris pallide-, pnae laete festaceo-rußs, posticis pallidissime rufescentibus, ciliis corporeque pallide testaceis. Coli. Felder. — Species hacc C. sexual i paulo minor ab l/ac et a C. reticulata ramo pri^^o subcostali alarum anticarum venam costalem haud per- forante rccedii. und K()it-:ot/.iiiig (Um- DiiiS'ioseii iimiei' l.ep ili>|ileit'ii von Or. C. Felder. 37 Tineopsis Feld. Cymae rnlde nffinis , sed nlae hugiores et nngustiores , posticnrn»i ram! mcdinni aeqnnUler et sat longe inter se distanles , tertius et vena diseoi- dntis unaciiin ad cellitlac exlimum Orientes pedesqne validiores et hre- riores. 86. Tiiieopsis saturata Feld. Alis anticis supra luteis, litura basall fasclisque quatuor anastomo- santibus fuscis, posticis fuscis , iitrinque immaculatis, capite palpis thorace pedibus fasciculoque anali luteis. cf Coli. Felder. — Cyme reticulata plus quam tertia parte minor. Color ad Kutanen et Pitanen Walk, speetat, cum quibus generihus haec nultam propiorem affinitatem habet. 87. Bizone impanclata Feld. Alis albis, anticis impunctatis , supra strigis diiabus maculaque apicis rifßs, corpore albo, thorace supra cingulo rufo, fas- ciculoque anali fulvescente. cT Coli. Felder. — A caeleris congeneribus absentia punctorum nigrorum in alis anticis sat differl. Magnitudo et facies omnino B. pucUae H üb n. Physetocncme Feld. CfvariTog, inflatus, Jcvri/xv?, tibia). Caput parvum. Antennae setaceae, crassiusculae, ciliatae, costae dimidium aequantes, triente basali incrassato, villoso. Lingua mediocris. Palpi squamati, minuti, caput aequantes. Alae elongatae, integerrimae, undiqiie (ad costam quoque) ciliatae, ciliis costalibus densioribus et longioribus, anticae cellula valde atigusta, obliqua, costae bitrientem aequante, vena costali rectissima, a costa sat remofa, longe ante ejus medium desinente , vena subcostali triramosa, ramo primo arcuato, post cellulae medium Oriente costaeque post medium desinente, secundo et tertio e trunco communi ad cellulae extimum emisso egredientibus , vena discocellulari intermedia ab- breviata, sola recta, caeteris pcrobliquis, inferiore a venae medianae directione purum declitiante, vena seciinda discoidali ideo quasi ramum quartum media num sistente. Alae posticae vena costali subdefle.va , venae subcostali ante ejus rami- ficationem sat approximata. Pedes validi, tibiis anticis inflatis, posticis sat lotig is , calcaribus quatuor mediocribus munitis. Abdomen (pnae) alas posticas aequans. Nudariae St.cph. nffinis, sed ab omnibus ejus sectionibus alarum anticarum renis, antennarum pednmque formatione distinctissima. 38 V. Frnii enfel rl. Boricht iiher weitere B.'arlu'itiinfr tler Novara-S;niHnliingei> S8. Pliysrtocneine ciliosa Feld. Alis nlhia, pcUncidis, idho cUhttis, linea in omni margine nntica- rnmqiie sfrifjis se.i' macidarum (intermediis abhreviatis, sexta may(jin(di) hrunnescentihus, antennis fdbis. p Coli. Felder. — Nndaria nuindana L., cid valdc ,st'nnlis, paiilo major. 89. Easemia Doicschaili Feld. Alis ntrinque nif/ro-funcis, violncco niicantihiis , anticis dimidio basali plumheo irrorcdis fttscinque ahhrevifda discali in cfre alba, in Pna mirantinca, nno nurnntiaco. Coli. Felder. — Secimdun) rdtrnnn fonnnin K. luptifcrae Boisd. affiiUH, tufijor aiiteiH. 90. Nyctcinera Mencs Fe Id. Alis fiiscis, nnticis macida basali cuneata fasciaqne sinnata discali albis, jmsficis albis, limbo sinuato fusco. rf Coli. Felder. — Affinis N. Agagli Boisd. 91. Nyctemera conflnens Feld. Alis albis, anticarum venis , macidis hibus costalibus limboqiie externo brunneis, confliientibus , hoc albo quinquemacnlato. posticis limbo brunneo, albo bimaculato. cT Coli. Felder. — N. speculari Walk, affinis videlur. 92. Syntomis Ticina Feld. Tota nigra, alarum anticarum plagn bipartita maculisque diiabtis elongatis bipartitis, posiicarmn macnla interna hyalinis, thoracis maculis duabus hnmeralibus abdominisque pluribns lateralibus flavis. Coli. Felder. — S. Imaone Cram., cui valde affinis, terlia parle minor. Ctenandra Feld, (^kzz'k;., pecten, dv-hp-, was). Antennae breves, (fris anguste bipectinatae, pnae subtus bifaric lamellatae, Inmellis basi et apice brevioribns, singulis setam gerentihus. Lingua brevissima. Palpibrevissimi. Alaeelongatae. (fris latiores, anticae vena snbcostali quinqneramosa, ramo primo posf cellnlae e.vtimum Oriente, secundo et tertio a quarto emissis, vena discoidali prima sat remota , secnnda ramo tertio wediano approximata , ramo mediana secundo huic propiore quam primo. Alae posticac venis tantum sex : vena costali et discoidali omnino absentibus, vena subcostali simplici, und Forlsetziiiij; ilci- lliiigiio.-^:«'!! iieiier Le(iii;o|)l('i-i'ii von üi'. C. Felder, 39 rrmn's medianis aeqnicUstantihus, vena mediana primaria inter ramum seeimdum et iertium oblique siirsum directa. Pedes iit in Nadia, paulo auteni robustiores. Abdomen ut in hoc geilere, sed robustius, alis posticis fere duplo longiiis. Genus divifiionis Sjnloniidiinim^ antennis jam bene dlgnoscendum. 93. Ctenaudra naclloidcs Feld. Alis brunneis, anticis cfris maculis quahior, pnäe quinque albidis, posticis cfris sujjra immaculatis, subtus macula exteriore albida, (j'nae macuHs tribus albis f prima interna ma.vima), antennis brunneis, capite palpis thoracisque medio lividis, pedibus abdomineque fuscis, hoc dorso lateribus ventreque livido maculatis. Coli. Felder. — Speeies colore sif/nndirisqire Nacliis, forma aiäem alariim Syntomidibus smilis. Statura illron Nacliae Ancillae L. terlia parte siiperat. 94. Staiiropns Melastomatis Dole seh all in litt. Alis rufescenti- brunneis, supra lunulis marginalibus ferrngineis. anticis ad basin plaga cervina, ferrtigineo cincta, litnra maculaque discalibus elevatis aliisque exterioribns seriatis ferrugineis, posticis in pna basi, in (^re dimidio postico albidis. Coli. Felder. — S. alterno Walk, affinis. 91). Phalaera Aiiiboinae Feld. Alis brunneis, anticis supra basi, intus posticeqne subargenteo atomatis, fasciis permultis luntdaribus nigrescentibus, strigis duabus basalibus tertiaque exteriore plague apicali rufescenti- brunneae extus bisinuatae adhaerente nigris, capite ad ver- ticem flavido plagaque antica thoracis ferrugineis, abdomine supra nigi'o, flavescenti an?iulato, subtus flavescente. p Coli. Felder. — Ph. Sanganae Moore accedere videtur. Ortholoinia Feld. f6p36g, rectus, löjp.cc, 7nargo). Caput sat magnum. Oculi nudi. Antennae setaceae, crassiusculae, costae dimidium aequantes, subtus bifarie lamellatae, lamellis linearibus, magnitudine decrescentibus. Lingua valida, medio- cris. Palpi capite duplo longiores, ascendentes, dense squa- mati , articulo secundo caput superante , incrassato, antice dense jubato-squamoso , tertio secundi dimidium aequante. graciliore, snbacuto. Alae elongatae, cellulis claitsis, costae 40 ^ F rn u e n fe 1 «1. Rerirlit über weitere Hearbeitimg der Novarn-Snmmlungen (limifUum aeqnatitihus, ant'wae marginc costali et interno ferc at'qiirih's Io)ffjifii(finh, rectis. externa pnitluni co)n'exo, vena siibeostafi quinquej'amosn, ramo pn'nio ante cellulae ex'thnum Oriente, secundo et iertio e quarto post cellulae extimum emisso }Wope apicem alae ascendentibus, qninto cum vena (Uscoiclali prima ceUulam secundariam anfjusfissimam formante, vena discoidali secunda in superiore parte ve?iae discocellnlaris Oriente, ramis medianis aequaiiter approximatis. Alae posticae anticis latiores, vena costali in triente siio hasali venae subcostali valde approximata, ramo hnjns secundo post cellulae extimnm venaque discoidali in medio venae discocellnlaris haud angulatae orientibus , ramo secundo et tertio mediana e truncnlo cammuni emissis. Pedes validi, posticorum tibiae calcaribus duabus validis. Abdomen (cfrisj sat amjustum, alas posticas dimidio superans, dorso laferibnsque fascictdatis, fasciculo anali deflexo, farcipato. Inter genern Notodontidanim descripta Anfaea Hü Im. Herr. Schaff, iiuixi- mam adhtic affiniiatem cum nostro habet. Magis aittem affim'a sunt alia plura americana, habitn Noctuidis quihu^dam (Nystalea, Cucullia) valde similia. 96. Ortholoinia inoluccana Feld. Alis cano-brunneis, anticis supra obscurioribus, vialascenti-tinctis, strigis obsoletis fuscis, lituris duabus discalibus, macula parva versus angulum intertium pnnctisque seriatis exterioribus (singulo dilute brunnescenti cinctaj nigris, elcvatis, marginc interno nigra et dilute brunnescenti vario, subtus immaculatis, Costa dilute brunnescente , apice striolis tribns fuscis notata, abdoniitie catio brun?ieo. cT Coli. Felder. — Antaea luturnä Cvixm. plus quam Icrtia parte minor et forma alarum valde aliena. Hypolochma Feld. Caput mediocre. Oculi nudi. Antennae ('cfrisj castae bifrientetn paulum snperantes, setaceae, breviter lamellatae, lamellis longitndine decrescentibus, in triente apicali minimis. Lingua brevis. Palpi squamati, capnt dupla superantes, rectissime assurgentes, articulis distinctissimis, secundo capitis verticem aequante, tertio longo, (ätenuato, subconico. Thorax scapnlis distinctis. Alae breviusculae , integerrimae, anguste ciliatae, anticae ad basin dense elateque squamatae, subtus fasciculo und K()r(.si'(ziiiii^ flor [)i:ij>n()scn nciur Lepiilopteion von Dr. C. Felder. 41 piloruni sat hngorum prope hasin instruciaß, celhila discoidaü minuta angnsta, alae tricntem aequaitte, vena snhcostali quhi- queramosa, ramo primo post cclliilae medium Oriente, secundo et quarto e truneulo communi ante ejus extimum emissis, hoc in medio tertium emittente et cum quinto ad cellidae eoctimum egrediente cellulam secundariam formante, vena discoidali prima ramo ultimo suhcosfali valdc appro.vimata, secunda infra renulae discocellularis medium Oriente, ramis duobns uUimis medianis ab hac et inter se aequaliter distantihns, ramo primo paulo remotiore, longe post celhdae medium emisso. Alae postieae anticis latiores, cellula alae trientem aequante, latiore, vena discocellulari tenui, sed distincte angulata, vena costali in cellulae medio Oriente, ramo primo suhcostali pau- lum ante cellulae extimum ascendente , vena discoidali ramis medianis sat approximata, horum secundo et tertio e trunco commnni post cellulae extimum emissis. Pedes sat longi, validi, squamati, posticorum tihiae calcaribus quatuor longis. Abdomen squamatum, ano fasciculato-pilosum, alas posticas triente superans. Genus Notodontidariini aloriua anticnruni mira sfrucfura et i^enis distinctis- shumn, milli mihi eoc/nito propius aecedens. 97. Hypolochma sericea Feld. Alis corporeque pallidissime cuno-brunneis , sericeo nitentibus, a?iticis supra in dimidio basali squamis multo densioribus cinereis tectis, albido atomatis, fasciaqne angusta recta brunnescente , nigro cincta persectis, subtus unicoloribus, fasciculo pilorum nigro. cf Coli. Felder. — Facies Cymatophoridarum. Magnihtdo Demadis Coryli L., Olli signaUira etiam panliim siiiiilis. 98. Ophideres Caesar Feld. Alis anticis supra saturate ferrugineis , glanco-violascenti variis, vitta lata discali medio subangulata ^ in cfre lunula etiam postica adjecta virescentilms, subtus fuscescentibus , violaceo su/fusis , limbo interna f'asciaque discali abbreviata lutes centibus, posticis utrinque pallide luteis, limbo terminali fusco subtus violaceo tincto. Coli. Felder. — Species venusta, maynitudiiie 0. Proci Cr am., signaturis nlarifin anticaruin 0. Ancillae Crani. similis. 42 ^'- Frau en f L'l <1. Bericht iilier weilcrp Bonrbpiliiiiji der Novara-Sammlimgen 99. Potaniftphora aiiiboinensis Feld. Alis supra fiiscis, (tnticis ferri(f/hien thictis, extus glaucescenti variis, striga obliqua rectissima glaucescente , mucuUs ovdi- nariis distinctis punctisqtie diiobas adjaceidihns brunnes' centibus, posticis supra fascia lata discali abbreviata, pallide cijanca, subtiis omnihiis laetioribus , atiticarum fascia siib- cnii'äta abbreviata , posticarum striya lata discali rix nndn- lata albidis. cf Coli. Felder. — A P. Manila Cram., cui affmissinuufnscia in paginn inferiore alarnm anlicarum et superiore posticarum strigaqiie in harum pngina inferiore vix nndidata mullo latioribxs differt. Facilc eam varielatem loenlem speciei supradictae exisfimnrem , sed ex Amboina ipsa specimina femlnina omnino cum P. Manila ti/pica congruentiu accepi. 100. Potamopliora albata Feld. Alis anticis supra brunneis, plus quam dimidio basali cano tinctis, maculis ordinariis grossis flavidis , macula supra venam sub- mcdianam, litura briinnescente notata strigaque transversa obliqua, extus subconcava fnscis, posticis albis, nndique fusco limbatis , subtus omnibus conculoribus, anlicarum macula discali fasciaque lata abbreviata, posticarum pagina omni (exceptis margine toto interuo limboque externoj albis. cf Coli. Felder. — Nisi, marem et feminam P. Manllae Cram. colore et signu- turis sat inter sc congruere , scirem, haue praecedentis marem putarem 101. Anisonenra sphingoides Feld. Alis amplis , anticis (J'ris fere integerrimis , posticis ejusdem sexus sat profunde sinuatis, regione anali truncatis, omnibus in utroque sexu fuscis , violaceo tinctis, supra strigis tribus communibus perobliquis nigricantibus , rufcscenti-brunneo cinctis, prima discali sccundaque exteriore latiore angulosis, tertia antemarginali repanda, anticis linea concolore distincta fe.vuosa subbasali, macula orbiculari pone haue, uigricante, obsolcta, reniformi in <^re distincta, late rufescenti-brunneo nigroque cincta (cinguli brunnei extimo inferiore flavido) subtus omnibus strigis tribus communibus obscnrioribus, posticis vittis ante venas singulas obscuris. Coli. Felder. — A. Zcu/oroidi -G iie, valde affinis ridetur, sed seeundum hu jus descripdonem colore macutae reniformis, linea iiua lantum ante- marginali distincta paginaque inferiore strigis (in posticis vittis etiamj persecta differt. und Foi'(,se(/.iing der PinijiiostMi neuer Lopidoptcren von Pr C. Felder. 43 102 Patula Cyolops Fohl. A/is nfrliisque sc.vus fusccsauidhiis, nujtra str!(]iis (juatuor eoni- munibns subflcvKOsis, continms, obscurioribus (tertia versus costnm et marginem infernnm nlariim tmticarum fasciolam formnnte) , antlcis macula ocellnri magna, bene orbiculari, sti'iga hcllcina lata continiia ample,va,siibtus maculis ex'terln- ribns in fundo nlgricante inordlnafe dlgestis alüsque obsole- tioribus angustissimis subtrigonis prope marginem albis. Coli. Felder. — Species optima, P. Miieiope L. Cr am. major et colore utriiisque sexus palUdlore, liaiid nitente, forma orbicidari maculne ocel- laris, striffis margini magis approximatis, continuis et haud macularibns, fasciola costali anticarum longiore et aiigustiore , absenlia macularum inter strigas duas ultimas in pagina superiore posticarum macidisqite in pagina inferiore minoribus (submarginalibus miilto anguntiorihus) constanler discedens, nt plurimis idriustjiie insecti speciminibus compa- rnlis persiittsiim mihi habco. 103. Argiva acrotaenia Feld. Alis cfris sttpra afro-fiiscis, pnae brnnneis, atiticis ntriusqne se.vus ntrinque fascia subapicali snbarcuata, a costa fere nsque ad marginem externum extensa, in c^re angustiore Intescente, in pna albido -fluvicante , macula reniformi (in ^re obsoletiore) angusta, inferins bifida, cum striga adjecta helicina (in Pna nsque ad marginem internum posticarum porrecta) ellipsin formante, singulis pnae ntrinque striga discali flexuosa in fundo nigra -fusco maciilaque adjacente flavescenlibus, striga exteriore maculuri refracta fusca. Coli. Felder. — Species affinis A. hieroglyphicae Drury, sed signaturae helicinae fasciolaeqne alarum anticarum latioris forma secundum ptn- rima specimina comparata manifeste diversa. 104. Spirama remota Feld. Alis cfris ntrinque nigro-fuscis, anticarum striga exteriore recta punctisque postpositis nigricantibus, pnae supra carneo- brnnnescentibus, lineis binis communibus submarginalibus fortiter angulosis nigris, anticarum fasciola angulata basali. strigis duabus pone discum, distincte angulosis, siibobliquis, arcuatis, nigrescentilms , tertia externa geminata fusca, posticarum fasciis tribus discalibus iiigro-fuscis (tertia extus late nlbido cincta) strigaque exteriore tenni albida nndiqne late nigra- fusco marginata , subtus omnibus laete testaceis 44 V. Pra II e nft'M. Bericht iilier wcitcip Rcarheidinn^ der Noviira-Sammliingcn etc. 8h'if/is trihns commnnibiisfnsc'is (intermedia muUoangiistioreJ, mnculae reinfarmis (darum anticarum parte dUafata in ntroque sexa orbicnlari, atra, in Pna a strigis dnabns discalibus sat remota. Coli. Felder. — Fetnina hiijus S. Isabellae Gii e. proxinic accedil, sed macu- lae reniformis colore, strigis discalibus anticavum ab illa sal remotis strigarumque in alanim posdcarum pagina sttperiore formalione facile dignoscifiir. 105. Haniodes pallida Feld. Alis jyallide ochraceis, striga communi postica fusca, supra temiissima, anticis graciliter subfalcatis, supra macula orbi- cnlari punctiformi, nigricante, rcniformi distincta, bnmnea, nigrescenti cincta, corpore ochracco. cf Coli. Felder. — H. propitiae Guer. affinis videtur. A d d e n d a: 106. Pamphila Prasias Feld. Alis c^ris supra ferrugineo - fuscis, pnae obscurioribus, utriusque sexus basi ferrugineis , anticartnn fascia submaculari , posti- carum fascia postica in (^rc ferrugineo -fulvis, in Pnaful- vescentibus, subtus omnibiis ferrugineis (cJ'ris saturatioribus) , anticis fascia paginae superioris, in -Jre areola interna, squamis carente , nitida prope basin, jwsticis mncula majori postica, cum fascia anticarum concolore. Coli. Felder. — Statura et forma P. Aiigiadis nieae , cujus feniinam putavi. Non muho autem pos( edilionem primae harinn diagnosum partis , ex Manila plurima specimina et mascnlina et feminina hujns speciei Am- hoinam etiam incolentis recepi. Mrtiilliii L' r. ülier ilii; so;^eii;tuii(oii Hiiulegcweltskörpeiclien elc. 4 l> Über die sogenannten Bindegewehskörperchen des centralen Nervensystems. Von Ludwig maathner. (Alis dem physiologischen Institute der Wiener Uiiiversität.) Nachdem ich in einer früheren, von der kaiserl. Akademie in deren Denkschriften aufgenommenen Arheit i) meine in Betreff der zweifellos nervösen Elemente des centralen Nervensystems gewon- nenen Resultate niedergelegt habe, erlaube ich mir hier einige Bemerkungen über jene Gewebsbestandtheile des Hirns und Rücken- markes zu machen, die zwar in histologischer Hinsicht gehörig erkannt sind, über deren physiologische Bedeutung jedoch bis auf den heutigen Tag die widersprechendsten Ansichten unter den Forschern lierrschen. Unter diesen Bildungen von zweifelhafter Function ver- stehe ich die in der grauen Substanz befindlichen sogenannten Binde- gewehskörperchen. Die den Centralcanal des Rückenmarkes ausklei- denden Epitlielialzellen mit den von ihnen abgehenden Fortsätzen, von welchen einzelne Forscher, wie Stilling^) zu glauben geneigt sind, dass sie nervöse Gebilde seien, sind unbedingt sammt den Fort- sätzen der yia mater dem Stützgewebe des Rückenmarkes beizuzäh- len. Ich war namentlich so glücklich im obersten Theile des Hecht- rückenmarkes von den nach rückwärts gelegenen Epithelialzellen des ') Ein Auszug dieser unter dem Drucke befindlichen Arheit findet sich im 39. Bande der Sitzungsberichtü der kaiserl. Akademie: „Beitrüge zur nüheren Kenntniss der morphologischen Elemente des Nervensystems". ' *) Neue Untersiicliungen über den Bau des Hückenmarkes. I8ä6— .'>9, p. 11. 40 M a u l li II t' r. Üher die sogeiiaiuiteii Centralcanals kolossale Fortsätze abgehen zu sehen, welche, ohne mit irgend weleiien jinderen zelligen Gebilden in Zusammenhiing zu treten, bis an die Peiipherie des Rückenmarkes gelangten und in den Fasern der pia mater untergingen. ßidder und seine Schüler waren es, welche auch jene kleinen zelligen Gebilde, die sich in der grauen Substanz vorfinden und derea anatomische Charaktere hinlänglich bekannf sind, .sarnmt der ganzen grauen Substanz zum Bindegewebe stempelten, ein Vorgang, der wohl nur von wenigen Forschern in seinem ganzen Umfange gebil- ligt und als richtig anerkannt worden ist, indem die einen wie Stil- ling und Jacubowitsch i). jede Berechtigung zur Ausschlies- sung dieser Zellen von wahrem Nervengewebe von sich wiesen, andere aber, wie Virchow^) und Köllikers) einem Theile dieser kleinen zelligen Gebilde ihre Rechte als Nervenzellen zurückgaben, während sie auf der anderen Seite das Vorkommen von Bindegewebs- zellen im centralen Nervensysteme im Allgemeinen nicht in Abrede stellten. Die Beobachtungen nun, welche ich über diese Körperchen bei meinen Untersuchungen über das centrale Nervensystem der niederen Wirbelthiere gemacht habe, drängen zur Annahme hin, dass diese Gebilde in der Tliat (wenigstens bei den von mir untersuchten Thieren) vom Bindegewebe zu trennen und als einem specifischen Gewebe angehorig zu betrachten seien. Allerdings wird man den po- sitiven Beweis für die nervöse Natur dieser Zellen nur dann her- stellen können, wenn man dies durch das Experiment erwiesen oder wenn man den Übergang von Fortsätzen dieser zelligen Gebilde in unzweifelhafte markhaltige Nervenfasern mit Sicherheit erkannt haben wird. Wiewohl ich einen solchen positiven Beweis nicht beibringen kann, indem ein Experimentiren über die Natur dieser Körperchen vorläufig unmöglich ist und ich andererseits nicht so glücklich, wie Stilling *) w;ir, wirkliche Nervenfasernvon ihnen abgehen zu sehen, so sprechen dennoch die von mir beobachteten Thatsachen entschieden dafür, dass diese Zellen Nervenzellen und keine Bindegewebs- körperchen seien. 1) Milttieiluiigeu über die feinere Struetur des Hirns und Küokenniürks, 18j7, S. 10. '^) Celluliirpalhologie S. 2öü. S) llanilluR'li der (iewelielehre, 3. Auflag^e. S. 293. ■»J L. c. |.ii-. 902. l5iii(Ic'ge\veI)!>ltör|)C'rclieii des ceiiti'iik'ii Nerveiisyslenis. >47 Ehe ich zur Dai-Ieguiig dieser Tliatsachen schreite, irniss ich vor Allem für diese zelligeii Gehilde das Recht ihrer Existenz in An- spruch nehmen, ein Recht, das ihnen Stilling geradezu streitig macht, indem er erklärt i). dass„ das, was Ridder und Kupffer für Bindegewehszellen der grauen Substanz halten, nichts anderes sind, als die Kerne von grösseren Zellen." „Den Nucleolus dieser Kerne" fährt Stilling fort „halten B. und K. für den Kern. Das Parenchym der eigentlichen Zelle ist so durchsichtig, dass es an Chromsäure- präparaten und an feinen Abschnitten schwer zu beobachten ist und gewöhnlich nur als ein leerer Raum um den Zellenkern erscheint. An solchen Chromsäurepräparaten aber, die mit Carmin imbibirt sind, ist mit genügender Evidenz zu erkennen, dass die von R. und K. für Rindegewebszellen gehaltenen Theile in der That nur Kerne von Zellen sind." Pag. 902 kommt Stilling auf denselbenAusspruch zurück und sagt hier zugleich, dass „an Carminpräparaten die so- genannten Rindegewebskörper roth gefärbt erscheinen; dass ihre Umgebung, ihre Fortsätze dann deutlicher zu erkennen seien, als an den blos durch Chromsäure gehärteten Präparaten". Nach diese^ Angabe muss ich schliessen, dass Stilling nur die eigentlichen Rinde- gewebskörper (seine Zellenkerne) roth gefärbt, die Umgebung (d. i. Stilling's Zelleninhalt) aber ungefärbt sah. Es besteht nun bei mir kein Zweifel, dass Stilling es hierbei nur mit einem, auf manchen Präparaten um alle zelligen Gebilde (um die grossen Ganglien- zellen sowohl, als um die Rindegewebszellen) auftretenden unge- färbten Hofe zu thun hatte, der durchaus nicht die Redeutung eines Zelleninhaltes besitzt, der vielmehr dadurch zu Stande kommt, dass auf Präparaten, die von einem Rückenmarke, das längere Zeit in Chromsäure gelegen hat, stammen, durch die Wirkung der Chrom- säure der Zelleninhalt verschrumpfte und von der Zellmembran oder sammt dieser von dem umgebenden Gewebe sich zurückzog — daher die farblose Lücke zwischen ihm und dem umgebenden Gewebe zu Stande kam. Ich kann um so weniger daran zweifeln, dass Stilling dieser Täuschung unterlag, als es gerade auf Carmin- präparaten, namentlich vom Rückenmark der Schildkröten und Fische, mit Evidenz ersichtlich ist, dass diese Körper als solche, wie sie Ridder und seine Schüler beschreiben, im Rückenmarke vorkommen. 'j L. c. pag. 871, 48 M n u t h n e r. Ülter die sogenannten Es kann, wie gesagt, über die Existenz dieser Körper kein Zweifel sein, wohl aber darüber, ob es Bindcgewebszellen sind. Wenn die ganze graue Substanz aus Bindegewebe besteht, und wenn diese Zellen Attribute des Bindegewebes sind , so werden sie sieb voraus- sichtlich einigermassen glcichmässig in .der grauen Substanz vertiieilt vorfinden müssen, und dies gibt in der That sowohl Kupffer in seiner Abhandlung über den Bau des Froschrückenmarkes an, als auch später Bidder und Kupffer in ihrem gemeinsamen Bückenmarks- werke. Kupffer sagt i) : „Quae cellulae safis confertim atque aequahilifer per tot am suhstmitiam einer eam diffusae cernimtur, in millo tarnen medullae spinalis loco certa quadam earum disposit ione animadversa". Bei Bidder und K u p f f e r 2) heisst es über diese Körper : „Sie sind ziemlich glcichmässig durch die ganze graue Substanz verbreitet, ohne dass sich ein bestimmtes Gesetz in ihrer Anordnung nachweisen Hesse". Dies ist nicht richtig. Abgesehen davon, dass sich diese Zellen in jenen Theilen der grauen Substanz in geringerer Menge vorfinden müssen, wo die grossen Ganglienkugeln in Masse neben einander liegen, zeigte mir eine aufmerksame Untersuchung, dass diese Körper im Bückenmarke eine ganz ausgezeichnete Anordnung zeigen, ja dass sie da in der grauen Substanz eine ähnliche gruppen- weise Anordnung darbieten können, wie die grossen Ganglienzellen. Ich habe hierüber folgendes gefunden. Zuerst muss ich eine merkwürdige Gruppe dieser Körper aufführen, welche sich in der medalla oblongata des Hechtes vorfindet. Die graue Substanz erstreckt sich hier nach vorn bis an die Peripherie des Bückenmarkes und bildet da zu beiden Seiten des medianen Faserzuges, der sich von der Stelle, wo sich bei höheren Thieren der vordere Sulcus befindet, bis zum eröffneten Centralcanale erstreckt, je eine Insel. In dieser Insel der grauen Substanz , die von zahlreichen markhaltigen Fasern durchsetzt wird, findet man die vielfach eiwähnten sogenannten Bindcgewebszellen, welche in den Vorderhörnern der grauen Sub- stanz und dem davon abgehenden mächtig entwickelten Fasernetze sieb nur vereinzelt vorfinden, in einer grossen Menge, beider- seits symmetrisch in einer s e b r a u f f a Menden Gruppe angeordnet. •) De nieilnlliC spinalis in ranis (extura etc. 1854, pag. 19. '-'_) Untersiiehnngen iiher die Textur des Uiiclvemnaikes. 1837, S, 4ä. Biiidegewehskörpercheu des oeiitiiilen Nervensystems. 49 Diese Gruppe hat jederseits die FoiMii einer Ellipse; die lange Axe derselben steht in ihrei* Verlängerung auf dem medianen Faserzuge senkrecht; sie misst 1/3 Millimeter. Die kurze Axe der Ellipse, mit dem medianen Faserzuge parallel, hat eine Länge von i/g Millimeter. Die Gruppen sind jederseits % Millimeter weit von der Medianraphe entfernt. Ausserdem dass diese Körper diese zwei abgegrenzten Gruppen bilden, sind sie im verlängerten Marke des Hechtes noch in aiilTallen- der Menge, ohne aber eine ähnlich umschriebene Anordnung zu zeigen, hinter jenen Ganglienkugeln angehäuft, die neben dem eröfftieten Centralcanale liegen (die ich aufgefunden 1) und deren merkwürdiges Verhalten gegen Carmin ich beschrieben habe 3). Diese Anordnung- der sogenannten Bindegewebszellen in der medulla oblongatti des Hechtes ist hinreichend, um uns zu überzeu- gen, dass diese Zellen nicht blosse einer ßindegewebssubstanz ange- hörige heterogene Elemente seien. Denn dass im verlängerten Marke des Hechtes an einem ganz umschriebenen und eigenthümlich gele- genen Gebiete eine eigene Art von ßindegewebssubstanz angehäuft sein soll, eine solche nämlich, in welcher sich die Bindegewebs- körperchen in grosser Masse und in eigentliümlicher Anordnung vor- finden, widerspricht um so mehr einer wissenschaftlichen und über- haupt einei" rationellen Anschauung, als in diesen Theilen der grauen Substanz sich keine Ganglienzellen und keine Blutgefässe (abgesehen von den Capillaren) vorfinden, denen allenfalls die graue Substanz zum Stützgewebe dienen könnte. Dieses sehr in die Augen fallende Verhalten der besprochenen Zellengebilde im Hechtmarke veranlasste mich ihr verschiedenes Verhalten in den verschiedenen Theilen der grauen Substanz und vorzüglich auch in den Commissuren näher zu erforschen und ich habe in dieser Hinsicht Beobachtungen am Rückenmarke der Forelle (Salmo fario) gemacht, die mich über die Anordnung dieser kleinen Zellengebilde in demselben Folgendes lehrten: Sie kommen nur einzeln , nicht zusammengehäuft in den seitlichen Flügeln der grauen Substanz- neben grossen und unzweifelhaften Nervenzellen vor. Ebenso finden sie sich nicht massenhaft in jenem Theile der 1) Sit7.niig:sberichfe XXXIV. Band, S. 34. *) Sitzungsherichte XXXIX. Band, S. 386. Sitzb. d. mathem.-naluiw. Cl. XLUI. Bd. I. Abth. oQ M a u t h n e r. Über die sog'enannten grauen Substanz, welche Owsjan niko w der substantia gelatinosa Rolan di der höheren Thiere vergleicht, und die, wie wsj anniko w sehr richtig angiht, im äussern Ansehen eine grosse Ähnlichkeit mit einem gezackten WMxwAAAin (cum arhoris folio crenato) AM'h\Q\e\. i). Eine hemerkcMiswerlhe Verschiedenheil in ihrer Aiiordnung zeigen sie in den drei (von mir^j I)eschriebenen)Cümmissuren. Wäh- rend sie in der vordersten Commissur nur in sehr geringer Menge erscheinen, häuft sich ihre Zahl bereits in der zweiten, unmittelbar vor dem Centralcanale gelegenen Commissur, um ihr Maximum in der dritten, jiinter dem Centralcanale gelegenen, zu erreichen. Es wäre sehr verkehrt, aus dem massenhaften Auftreten dieser Körper in der letztgenannten Commissur auf die bindegewebige Natur derselben zurückschliessen zu woüen, indem diese Commissur einerseits augen- scheinlich aus Fasern derselben Art besteht, wie die unmittelbar vor dem Centralcanale gelegene, und mich andrerseits die Behandlung von Hückenmarksschnitten mit einer Mischung von Salpetersäure und chlorsaurem Kuli lehrte, dass diese F'asern keine Bindegewebsfasern seien, indem sie durch genanntes, alles Ijindegewebe zerstörende Reagens, nur deutlicher hervortreten. Hinter der hinter dem Centralcanale gelegenen Commissur liegt nun im Rückenmarke der Forelle beiderseits an die Medianlinie grenzend eine ähnliche Gruppe der sogenannten Hindegewebskör- perchen, wie ich sie früher im verlängerten Marke des Hechtes beschrieben habe. Diese Gruppen haben einen mit der Medianlinie parallelen Längsduichmesser von 1/7 und einen Qnerdiirchmesser von 1/10 Millimeter. Hinter diesen scharf begrenzten Gruppen ist dem massenhaften Vorkommen der kleinen Zellen plötzlich eine Schranke gesetzt, sie finden sich in der dahinter liegenden grauen Substanz {Suhst. gel. Rol. Ows.) nur einzeln. Bei einer solchen Anctrdnung dieser kleinen zelligen Gebilde in derselben Grundsubstanz, der grauen Substanz nämlich, bleibt der Gedanke ausgeschlossen, dass diese Körper blosse dem Bindegewebe angehörige Zellen seien. 1) Disquisitiones micr. de medull« spiiialis texfiira etc. 1834, pag. 29. Ich kann hiebe! die Bemerkung nicht unterdrücken, dass crena zwar Zacke bedeutet, crenatus aber kein lateinisches Wort ist. •'i) Band XXXIV, S. 33. Bindegewebskörperchen des centralen Nervensystems. J) | Was den Punkt über die ungleichmässige Vertlieihing der Binde- gewebskörper im Rik'kenniai'ke in historischer Hinsieht bclriin, nuiss ich bemerken, dass schon Ousjannikow angii)t, dass diese Zellen sich nicht gh'ichmässig im Rüekenniarke von Petromyzo n vorfin- den i): Qiun cellulw vel telce cellulosce corpuscula, non ublque pari multitud i n e rep e rta, circum cellulas iierveas fihrasque Muellerianas ingenti numero conferta animadvertuntur 2). Kupffer gibt zwar an, dass sich in keinem Tiieile des Frosch- rückenmarkes eine eigentinimliche Anordnung der Bindegewebszellen bemerkbar machet), setzt aber sofort hinzu: nisi qiiod in massa cinerea, qua; ventriculi quarti fundum format , atque in filo termi- nali largior illarum,qvamin reliquis medullae partibus, multitiido exstare videtur. St i Hing sagt bei der Kritik der von Kupffer für die Bindegewebskörperchen angegebenen Charaktere über ihr Vor- kommen*): „Sie kommen ebenfalls (wie die grossen Nervenzellen) überall in der grauen Substanz vor, aber auch bald an der einen, bald an der anderen Stelle vorzugsweise, oder gehäuft oder ausschliess- lich." Eine eigenthümliche Anordnung derselben in dem Marke irgend eines Thieres ist ihm aber nicht bekannt. Kölliker spricht endlich von einem massenhaften Vorkommen gedachter Zellen an einzelnen Stellen des Nervensystems ^). Wenn nun diese Anordnung der vielgenannten Zellen im Rückenmarke der Forelle und in der niedulla ohlongata des Hechtes es mehr als wahrscheinlich machte, dass sie specifische, in den ver- schiedenen Theilen der grauen Substanz verschieden und eigens angeordnete Zellen seien, so wurde dies durch die Untersuchung des Schildkröten-Rückenmarkes zur Gewissheit erhoben. Wenn man einen mit Carmin infiltrirten Querschnitt aus der Dorsal- oder Lumbalanschvvellung des Rückenmarkes von Emys europaea oder Testudo graca unter dem Mikroskope betrachtet, so sieht man zuvörderst, dass die graue Substanz vollkommen aus- gebildete Vorder- und Hinterhörner bildet, wie bei Vögeln und Säugethieren (dass mithin Bidder's und Kupffer 's Ausspruch, ij L. c. pag-. 24. 2) Von Reissner in seiner unten angezogenen Arbeit bestritten. S. 564. 3) L. c. 4) L. c. pag. 898. 5) L. c. pag. 293. 4» o2 M a II t h n c r. Uher die sogenannten dass bei Amphibien (im Allgemeinen) von einem Vorkommen der Hinterliürner kaum die Rede sein kann *) unrichtig ist). Man sieht ferner, dass in den Vorderhöinern sehr grosse (langlienkugeln mit zahlreichen Fortsätzen liegen, dagegen in den Hinterhörnern aus- schliesslich die von Bidder und Kupffer beschriebenen Binde- gewebskorperchen mit einem Durchmesser von yogo — Viso — Vno Millimeter sich finden, während die grossen Ganglienkugeln einen zehnmal grösseren Durchmesser (wenigstens nach einer Richtung hin) darbieten (einen Durchmesser von i/gg — i/i^ Millimeter), und in der Tliat keine Übergangsstufen von den Zellen der einen zu den Zellen der andern Art existiren. Sonderbar! Für jene Thierclassen mit entwickelten Hinterhörnern des Rückenmarkes, M^elche Bidder und Kupffer (so wie Met zier und Schilling) untersuchten, und von welchen sie die Angabe machten, dass sich in den HinterhiJrnern keine grossen und un- zweifelhaften Nervenzellen finden, für das Mark des Menschen, der Säugethiere und Vögel hat sich ihre Angabe nicht bestätigt. Es ist eine ziemlich von allen Forschern übereinstimmend beobachtete Thatsache, dass sich auch in den Hinterhörnern des Rückenmarkes des Menschen, der Säugethiere und Vögel unbestreitbare Nerven- zellen befinden s), und ich selbst habe mich von deren Vorkommen im Hinterhorne des menschlichen und des Kaninchen-Rückenmarkes überzeugt. Für eine Thierclasse aber, welche Bidder und K u p f f e r n i c h t untersuchten, für die Classe der Schildkröten, ist ihre Angabe richtig. Ich habe niemals in dem Hinterhorne des Schildkröten-Rückenmarkes eine grosse Ganglienkugel gesehen. Insoweit würde der Bau des Rückenmarkes der Schildkröten mit dem Schema übereinstimmen, welches Bidder und Kupffer vom Baue des Rückenmarkes überhaupt entwarfen. Macht man aber einen Querschnitt durch einen Theil des Schild- kröten-Rückenmarkes, welcher zwischen den beiden Intumescenzen liegt, so wird man mit Erstaunen bemerken, da sich da weder in den Vorder- noch in den Hinterhörnern eine einzige grosse Gangl ienkugel befindet. Man wird ferner an Schnitten, welche ') I.. i: pag. 64. 2) Siehe S 1 11 1 i n g- , I. e. pag. 848. Bindegewebskörperchen des centralen Nervensystems. 53 gerade in die Bahn der vorderen Nervenwurzel fallen, dieseljje aus der Spitze des Voiderliorns iiervorc^elien sehen in einer Weise, wie ich es hei keiner andern Thierchtsse noch beobachtet habe. Die vordere Nervenwurzel stellt schon innerhalb des Rückenmarkes, während sie durch die weisse Substanz zieht, einen vollkommen gesammelten, sogar von einem Neurileni umgebenen Strang dar, welcher als rotlier Streifen, umgeben vom ungefärbten Marke schon mit freiem Auge sichtbar ist. Mit Bidder und Kupffer müsste man annehmen, dass im Schildkröten-Rückenmarke vordere und hintere Colonnen der grauen Substanz mit Ausnahme der beiden Intumescenzen keine nervösen Elemente enthalten. Man müsste weiter gehen und erklären, dass die aus dem Rückenmarke entspringenden motorischen Nerven mit Ausnahme jener, die aus den Intumescenzen hervorgehen, aus Bindegewebe bestehen, d(Min wiewohl ich den Übergang eines einzelnen Fortsatzes jener problematischen Zellen in eine markhaltige Faser nicht gesehen habe, so erkennt man doch leicht, dass eine grosse Anzahl ihrer Fortsätze in den gesammelten Strang der vorderen Nervenwurzel eingeht, wahrscheinlich um zum Axencylinder zu werden. Die Annahme , dass die Fasern jener motorischen Nervenwurzeln, die nicht aus den Intumescenzen entspringen, von Ganglienzellen stammen, welche in den Intumescenzen liegen und die ihre Fortsätze nach aufwärts und abwärts abschicken, um sie an der Austrittsstelle der einzelnen Nervenwurzelu in dieselben übergehen zu hissen, ist unstatthaft, weil die Zahl der in den Intu- mescenzen liegenden grossen Ganglienzellen nicht hinreichend ist, um mit ihren Fortsätzen die vorderen VV^u'zeln aller Rückeumarks- nerven zu bilden und man andererseits den Verlauf und Querschnitt dieser auf- und absteigenden und in die Nervenwurzeln einbiegen- den Fasern auf Längs- und Querschnitten des Rückenmarkes erkennen müsste. Man muss also die sogenannten Biudegewebszellen , welche in den Vorderhörnern des Schildkröten-Rückenmarkes liegen und deren Fortsätze eine Reihe der vorderen Nervenwurzeln bilden, als Zellen ansehen, denen neben unbekannten Wirkungen auch theihveise eine motorische zukommt. Bei diesem merkwürdigen Grössenunterschiede zwischen den motorischen Kiementen in den Intumescenzen und dem dazwischen gelegenen Theile des Rückenmarkes wird man unwill- 54 M a u t h n e r. Über die sogenannten Bindegewebskörpeicheii etc. kürlicli daran eriiinorf, dass aus den Iiitumescenzen die motorischen Fasern für die Muskeln der vorderen und hinteren Extremitäten ent- springen, dazwischen ai)er die bewegenden Nerven fiir die Rücken- muskeln abgehen, die bei den Schildkröten zum Theile so viel wie keine Wirksamkeit äussern, zum Theile, wie bekannt, in iliror Form eigenthümlich metam()ri)bosirt sind. In den Vürderhürnern des Schildkröten-Rückenmarkes kann man also von einer motorischen Wirkung der viel ])('s[»ro;lienen zelligen Gebilde mit Recht sprechen. Was ihnen aber ausser dieser für Wir- kungen zukommen, welche Bedeutung überhaupt die graue Substanz als solche hat, bleibt vorläufig in tiefes Dunkel gehüllt. Ich kann diesen Gegenstand nicht verlassen, ohne zu erwähnen, dass der ganze Kern des kleinen Gehirns der Fische (Hecht) aus ähnlichen zelligen Gebilden besteht, wie sie in der grauen Substanz des Rückenmarkes vorkommen, zelligen Gebilden mit einem Durch- messer von 1/050 Millimeter. In diesem aus kleinsten Zellen gebildeten centralen Theile des kleinen Gehirns, welciier den weit überwiegenden Theil des ganzen kleinen Gehirns ausmacht, sieht man nur einzelne grössere Gefässstämme, und hie und da einen durchziehenden aus markhaltigen Fasern bestehendin Nervenzug. Diesen ganzen Kern des kleinen Gehirns der Fische für Bindegewebe zu erklären, wird Niemandem in den Sinn kommen. Die specifische Wirkung dieser Zellen im kleinen Gehirne der Fische ist jedoch ebenso dunkel, wie sie es zum grössten Theile im Rückenmarke ist i)- 1) Die Gründe, welche Reissner in seiner mir n.iclifriiglicli ziig;eivoninieneu Arbeit (IJeitrag-e zurKenntniss vom Baue des Rückeninarlies von Petrotiiyzon fluv. L. , Rei- chert's und Dubois' Archiv, 18G0), pag. JJG.^J fiir die bindegewebige Natur un- serer Zellen geltend macht, beziehen sich auf die äussere Ähnlichkeit derselben mit Kernen von augenscheinlich bindegewebiger Natur. Wie wenig beweisend die iius- serliche Übereinstimmung zweier Gebilde für deren Identität ist, kann man sich leicht klar machen, wenn man bedenkt, dass man es einer Zelle als solchen nicht ansehen kann, ob sie-eiue Ganglienzelle oder eine Krebszelle sei ! 55 IV. SITZUNG VOM 31. JÄNNEK 1861 Der Secretär gibt Nachricht vor) dem Ableben des auswiirtigen correspondirendeii Mitgliedes, Herrn Dr. Wilhelm W e r t h e i m, in Paris. Herr Prof. Dr. J. Purkyne dankt mit Schreiben vom 28. Jän- ner I. J. für seine Wahl zum wirklichen Mitgliede der Akademie. Eingesendet wurden folgende Abhandlungen: 1. „Nouvelle theorie sur Torigine et le mouvement des cometes", von Mehemed Ali Efendi, Oberstlieutenant im türkischen Geniecorps, durch das c. M., Freiherrn v. Schlechta. 2. „Beiträge zur österreichischen Grottenfauna", von Herrn Dr. H. Wankel, durch Herrn Regierungsrath, Prof. Hyrtl. 3. „Mineralwasser-Analyse des Bronislawbrunnens in dem Bade- orte Truskawiec auf der Cameralherrschaft Drohobycz in Gali- zien", von Herrn R. Günsberg, Assistenten am chemischen Laboratorium der k. k. technischen Akademie zu Lemberg. 4. „Über die Gesetze der Doppelbrechung", von Herrn Dr. V. von Lang, d.Z. in Paris. Herr Prof. Kn er übergibt die vierte Fortsetzung seiner Abhand- lung: „Über den Flossenbau der Fische". Herr Prof. Brücke legt eine Abhandlung ^,über den Metall- glanz" vor. Herr Director v. Littrow überreicht eine Abhandlung: „Physi- sche Zusammenkünfte der Asteroiden im Jahre 1861 '^ An Druckschriften wurden vorgelegt: Akademie, königl. bayer., zu München, Grenzen und Grenzgebiete der physiologischen Forschung. Festrede von E. H a r 1 e s s. — Ein- leitende Worte zur Feier des allerhöchsten Geburtsfestes Sr. Majestät des Königs Maximilian IL, gesprochen von Just. Freih. V. L i e b i g. — Rede auf Sir Thomas ß a b i n g t o n M a c a u 1 a y. 56 den Essayiston nnd Geschichtschrelber Englands. Vorgetras^^on von Georg Thonuis von Rudliart. — Gedäclitnissrode auf Fried- rich von Tliiei'scli. Vorgetragen von Georg Martin Thomas. — Verzeichniss der Mitglieder der k. h. Akademie der Wissen- schaften. 1860. München, 1860; 4o- Annalen der Chemie und Pharmacie, herausgegeben von Friedr. Wöhler, J. Liebig und Herrn. Kopp. Band. XLI, Heft 1. Leipzig und Heidelberg, 1861; S"- Astronomische Nachrichten, Nr. 1 20 1 und 1 292. Altena, 1 80 1 ; i"- Au Stria, XHI. Jahrgang, III. u. IV. Heft. Wien, 1861 ; 8o- Bauzeitung, Allgemeine, XXV. Jahrgang, 10., II. und 12. Heft sammt Atlas. Wien, 1860; Fol. und 4o- Cosmos, X' Annee, 18' Volume, 3' et 4^ Livraison. Paris, 1861 ; 8o- Flora, oder allgem. botan. Zeit., Nr. 39—48. Regenshurg, 1860; 8»- Gazette med^d'Oiient, IV' Annee, Nr. 10. Constantitiople, 1861; 4<'- Jahrbuch, Neues, für Pharmacie und verwandte Fächer, hei'aus- gegeben von G. F. Walz und F. L. Winckler. Band XIV, Hefl 6. Heidelberg, 1860; So- Land- und forstwirtlischaftliche Zeitung, XI. Jahrgang, Nr 3, Wien, 1861; kl. 4o- Ludwig, K., Lehrbuch der Physiologie des Menschen. II. Band, 2. und 3. Abtheilung. Zweite neu bearbeitete Auflage. Leipzig und Heidelberg, 1860 und 1861 ; 8»- Verein, geognostisch-montanistischer , für Steiermark, X. Bericht. Gratz, 1861; So- Villa, Antonio, Suiroriginedelle perle e suUa possibilita di produrle artificialniente. Belazione. (Extr. dal Politeciiico Fase. 48, Giuguo 1860.)Milano, 1860; So- — Osservazione zoologiche, eseguite durante l'ecclisse parziale di sole de! 18 luglio 1860. (Extr. dagli Attidella Societä Italiana diScienze naturali, Vol. II.) Mil., 1860; So- — Straordinaria apparizione di insetti carnivori. (Extr. dal Giorn. Ing. Arch. ed Agroii. annoVllI.) Milano, 1 860 ; 8o- Wicner mediz. Wochenschrift, XI. Jahrg. Nr. 3 u. 4. Wien, 1861 ; 4o- Wochen-Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts-Gesellschafl. X. Jahrgang, Nr. 7. Gratz. 1861 ; 4o- Zeitschrift des österreichischen Ingenieur-Vereines, XII. Jahr- gang, 10.— 12. Heft. Wien, 1861 ; 4o- P o k o r n y. Uiitersuchung'eii über die Torfmoore Ungarns. 37 Untersuchungen über die Torfmoore Ungarns. Von Dr. Alois Pokorny, k. k. Gymnasiallehrer und Privatdoeentcn ai der Universität lu Wien. (Mit I Tafel.) (Vorgelegt in der Sitzung am 21. Juni 1860.) Einleitung. Eine im Sommer 18S9 mit Unterstützung des hohen k. k. Ge- neralgouvernements in Ofen unternommene Bereisuiig der Torfmoore des ungarischen Tieflandf^s bot Gelegenlieit, über die Lage, Ausdeh- nung, Mächtigkeit und Bescliaffenheit derselben zuverlässige Daten zu erheben und durch Aufnahmen in der Natur und Sammeln von später zu untersuchenden Torfproben die Entstehung und Bildung derselben zu ermitteln. Es handelte sieh hiebe! nicht so sehr um detailiiite Aufnahme einzelner Torflager, als um eine Recognoscirung des ganzen Tietlandes bezüglich des Vorkommens, der Beschaffenheit und des Werthes seiner Sumpfbrennstoffe. Des-shalb schien es angemes- sen, ohne kleine isolirte Torflager, wo sie sich leicht berühren liesseii, von der Untersuchung auszuschliessen, hauptsächlich grössere Moor- terrains und Sumpfgebiete zu bereisen und unter diesen wurden der Hansagsumpf zu vier verschiedenen Malen, die Moore des Platten- see's, der Sar-ret bei Stublweissenburg und am Sär-viz, die Mar- czalsümpfe, ferner im Theissgebiete der Hosszu-ret im Bodrogköz, der Ecsedi-fjäp, der Berettyu-Sarret bei Füszes-Gyarmath, endlich der Alibunaer und Illancaer Morast im Banate einer näheren Unter- suchung unterworfen. Die durch diese Bereisung gewonnene Anschauung genügte, um die Beschaffenheit der im Tieflande vorkommenden Torfmoore d'8 P o k o r n y. im Allgemeinen zu beurtheilen. Über das Vorkommen ähnlicher und anderer Bihliingen giihen werthvolle, zum Theil von Torfftrohen begleitete amtliche Mittheilungen der k. k. Stalthalterei-Ahtheilungen zu Ofen, Pressburg, Ödenhurg, Kaschau und Grosswardein über ihre Verwiiltungsgebiete weitere Aufschlüsse. Endlich haben die Herren Professoren Dr. .1. v. Szabo in Pest und Dr. A. Kerner in Ofen ihre wichtigen Wahrnelinumgen über einzelne ungarische Torfmoore gefalligst zur weiteren Benützung mitgetheilt. Einen Theil der mitgebrachten und eingesendeten Torfproben Hess Herr Professor Dr. A. Schrot ter bereitwilligst im Laborato- rium des k. k. polytechnischen Instituts auf Wasser-, Aschengehalt und Brennkraft untersuchen, wodurch es möglich war, auch die Qualität der ungarischen Torfe zu beurtheilen. Auf diese Weise konnten aus Ungarn, dessen Torfmoore und deren Verhältnisse bisher ganz unbekannt geblieben, 18 grössere Torfterrains von mindestens tausend Joch Ausdehnung und Sl kleinere sporadische Torfuioore in allen Theilen des Landes nach- gewiesen, beschrieben und kartographisch vei'zeichnet werden. Von den meisten derselben sind Torfproben in der Sammlung der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien niedergelegt. Zugleich genügen die gewonnenen allgemeinen Resultate über die Moore des Flachlandes zur Beurtheilung ihrer Bildung und ihres technischen Werthes. Die ungarischen Torfmoore im Allgemeinen. Unter Torfmooren werden hier nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauche Vegetationsformen verstanden, durch welche sich Reste einer Massenvegetation von vorherrschend krautartigen byprophilen Ptlanzen als eine mehr oder minder mächtige Schichte brennbarer Körper anhäufen. Die brennbaren Zersetzungsproducte solcher Moore werden unter dem Collecfivnamen Torf zusammen- gefasst, obgleich sie in ihrem Aussehen, in ihren Eigenschaften und im Werlhe ausserordentlich verschieden sind. Da durch die stete Verwechslung der verschiedenen Torfsorten die Kenntniss und Beurtheilung dieser Brennstoffe sehr schwankend geworden ist. Uiitersiichiingeii über die Torfmoore Ungarns. 59 SO witr CS nöthig, diese zu den Alhivialgebilden gehörigen jüngsten Koliletigesteine einer näheren vergleichenden Untersuchung zu unter- ziehen, um Merkmale zu gewinnen, wodurcii die verschiedenen Körper dieser Gruppe sich untersciieiden. In der Sitzung der k. k. geologischen Reichsanstalt vom 17. April 1860 wurde dieser Ver- such gewagt, eine Eintheilung derselben in vertorfte Pflanzen, eigentliche Torfe, harzige und kohl ige Körper und Halbtorfe vorgeschlagen und eine Charakteristik der österreichi- schen Torfsorten vorgelegt. Auf diese Arbeit gestützt, kann sich vor- liegende Abhandlung auf die Verhältnisse der ungarischen Torfmoore selbst beschränken. Bekanntlich hat die neuere Pflanzengeographie mit immer grösserer Schärfe zwei Hauptformen von Torfmooren unterschieden, welche durch ihre Vegetation, ihre Vegetationsbedingungen, und wie zuletzt von mir nachgewiesen wurde, auch durch ihre Producte differiren. Es sind dies die Hochmoore und ihr Gegensatz, die Flach muore. Die Hochmoore, von Lesquereux auch sup ra-aq uatische Moore, von anderen Holz-, Wald- und Sphagnenmoore ge- nannt, siedeln sich nur auf organischer Unterlage, auf Holzmoder, Heidemoder oder auf Flachmooren an und bedürfen zu ihrer Speisung weiches, von gelösten unorganischen Stofl'en möglichst reines Wasser. Sie wachsen durch die Hygroskopicität der Torfmoore über das Wasserniveau, in der Mitte sich wölbend, heran und bilden leichtere und mitteldichte braune Torfsorten von geringem Aschengehalt. Unter dem Namen Flachmoore begreife ich die als Grün- landsmoore, infraaquatische Moore, Wiesen-, Rasen-, Röhrichtmoore, schwingende Moore und schwimmende Inseln unterschiedenen Moor- formen. Durch ihre ebene Oberfläche, welche nie ein benachbartes Niveau bedeutend überragt und durch ihre Vegetationsdecke, zu deren Speisung hartes Wasser mit reichlich gelösten unoi'ganischen Stoffen genügt, unterscheiden sie sich von den Hochmooren eben so sehr, als durch den Umstand, dass sie unmittelbar auf unorgani- schem Boden auftreten und zuletzt dichtere, braune oder schwarze, stärker zersetzte Torfsorten von grösserem Aschengehalte liefern. Beide Hauptformen der Torfmoore kommen in Ungarn vor und es soll hier zunächst von ihrer Verbreitung und Beschaffenheit da- selbst gehandelt werden. ßO P o k r 11 y. 1. Ungarische Hochmoore. Hochmoore kommen in Ungiirii nur im Karpalhengebirgo vor und gehören meist der Sandsteinzone desseliien an. Siestimmen in jeder Beziehung mit den beicannten mittelcnropäischen und nordischen Hoch- mooren, welche liier im östlichen Theii Europa's ihre äquatoriale Yer- breituMgsgrenze finden, vollkommen überein. Sie erscheinen gewöhn- lich in flachen, muldenförmigen Thälern , sind nach den zahlreichen Holzresten grösstonthoils aus einer Waldvegetation hervorgegangen und reichen, wie die aus den Arvaer Torfmooren ausgegrabenen Thierreste beweisen, in ein hohes Alter zurück. Die ungarischen Hochmoore sind meist von geringer Ausdeh- nung und treten sporadisch auf. Nur im obersten Arva-Thal, dessen Gewässer noch der Waag und Donau zuströmen, während jenseits der fast unmoiklichen Wasserscheide an der galizischen Grenze mit der Dunajpc das Stromgebiet der Weichsel beginnt, ist ein grosses zusammengehöriges Torfterrain gelegen, dessen Flächenraum nach amtlichen Angaben auf 6 — 8 Qnadratmeilen veranschlagt werden muss. Ein grosser Tlieil dieses Terrains ist mit Hochmooren erfüllt, welche durch die eigenthümliche terrassen- luul plateauförmige Ter- raingestaltung in dieser so grossaitigen Entwiekelung begünstigt wurden. Vielleicht gehören auch die Torfmoore von Neu-Walddorf, Bela-Ilokusz und Hunsdorf bei Kesmark in derZips, am östlichen Fuss der Tatrakette gelegen, so wie mehrere der Liptauer Buri (Waldmoore) grösseren zusammenhängenden Torfgebieten an, was erst zu entscheiden ist. Kleine , aber sehr interessante Hocbmoorbildungen in den östlichen Karpathen, im Quellengebiet der Szamos. bat Herr Professor Dr.A. Kern er bei der Bereisung des Biharer Gebirges entdeckt und mir gütigst hierüber Mittheilungen gemacht. Man beobachtet hier das seltene Auftreten von echten Hochmooren im Kalkgebirge, das sich bei näherer Untersuchung dadurch erklärt, dass die Thalsohle aus Sandstein und dem füi- Wasser impiMineahlen Detritus desselben besteht und die Grundlage des gewölbten Hochmoors ein an dem Fuss der Thal wände noch fortvegetirendes Wiesenmoor ist. In der Localität Oncesa unterhalb der Petra-talhariuluj treten die Hoch- moore in der Mitte der von einem Bache durchschnittenen Tbalsohle an beiden Seiten des Baches, wie nebenstehende Skizze zeigt, auf Uiitersiicliunn-en iilier die Torfmoore Ungarns. 6t Es sind echte Hochmoore, stark c^owölbt mit Sphagnen, Eriophornm vaginatam, Scheuchzeria palustris, Empetrum nigriim! Calluna a Kalk, b Sandstein, c Flaclnnoor, d Hochmoor, e Fluss in der Thalsohle. Hochmoor iiu (luRllrngebiete der Szamos. vulgaris (eine Pflanze, die dem ungarischen Tieflande fehlt einen der östlichsten Verhreituiigspunkte hat) u. s. f. Ans Ungarn sind bisher folgende Hochmoore bekannt: a) Grössere Torfterrains. 1. Das Arvaer Moorphiteaii. b) S p r a d i s c 1) e Hochmoore. 2. Cserne (Trencsiii). 3. Verbicz und liier 4. Diibrova ö. Szelnicze 6. Sz. Kerest 7. Trjechov 8. Neu- Walddorf 9. Bela-Piokusz iO. Hunsdorf 11. Oncesa VI. Vale-Gropili (Liptau). (Zips). (Süd-Bihar). 2. Ingarische Flachmoore. Im ungarischen Tieflande kommen nur Fiachmoore vor. Über die jedenfalls nur unbedeutenden Flachmoore der Gebirge, insbe- sondere der Karpatben ist nichts Näheres bekannt. Der Untergrund dieser Moore besteht gewöhnlich aus einem sehr zähen, feinen bläulichgrauen Tbon, seltener aus compactem, scharfkantigem Quarzsand. Biswellen trennt nur eine geringe Schichte impermeablen Thones das Moorbecken von einer wasserdurchlassen- Ö2 Pokorny. de» Schotter- oder Siindscliichte. Die grösston ungarischen Moore i'iihen auf den nii(ch!ife ohne Torf- bildung und zwar theils Röhricht, theils Sumpfwiesen. In grösserer Entfernung jedoch und an tiefei-en Stidlen der Oberfläche, wohin der- gleichen Hochwasser theils überfluthend. theils aus dem permeablen Boden aufsteigend nur in längeren Zwisclienräuuien gelangt, dabei sich klärt und lange Zeit zurückbb ibt, entstehen unter sonst günsti- gen Verhältnissen leicht Torfmoore. Die Quellen, übrigens seltene Erscheinungen im Tiefbuide, treten gewöhnlich am Fusse der Sand- terrains auf und sind durch geringere Temperatur und hölieren Salz- gehalt dei' Moorbildung eher hinderlieh als befördernd. — Bei der ausserordentlich geringen Neigung der Bodenoberfliiehe finden auch die fliessenden Gewässer der Ebene häufig keinen Abfluss und geben dann Veranlassung zur Bildung von Seen, Sümpfen und Mooren. Hieber gehih'en die zablieicheu verschwindenden Flüsschen, soge- nannt(! Moorrinnen, welche in einem Moore ohne Abfluss sich verlieren, während andere grössere Flüsse, nachdem sie in ein \N'assernetz sich ausgebreitet haben, endlich wieder abfliessen. Zu letzteren Moorformen gehören einige der grössten Torfterrains von Ungarn, wie der Särret des Berettyo und der Sebes Koros, der Ecsedi-Läp durch die Kiaszn;i veranlasst, während der Hosszu-ret im Bodiügköz nui" diwch das zurüctkbleibende geklärte Inundations- Untersiiphnng'eii (11)01- die Torfmooro Ungarns. ()3 wassor der Theiss und div*? Bodrocf, der Hansag theils durch die Hoclnvässer des Neiisiodlersees und durch atniosphärischos Wasser nach schiiocreiclien Wint(M'n und in nassen Jaliron, theils aber auch durch die Rahnitz gespeist wird. Eiijjcntlii'unlich ist die Speisung^ des 17 Meilen langen schmalen Sumpfterrains im Pest-Snlter Coinitat zwischen Ocsa und Baja, durcli die Seilivvasser des henachbai-ten Sandplateaus. Die Art der Speisung ist nicht nur für die Torfhildung von grosser Wichtigkeit, sondern nuiss aucli hei der Toi'fgewinnung und bei der Trockenlegung der Sümpfe genau ermittelt und berück- sichtigt werden. Die Mächtigkeit der ungarischen Flaehmoore ist nidil sehr beträchtlich. Zahlreiche Sondirungen in den verschiedensten Tbeilen des ungarischen Tieflandes ergaben in der Regel schon bei 6 — 8 Fuss Tiefe festen Untergrund und nur einmal bei Högyesz in den Marczalsümpfen wurde erst bei 15 Fuss der Untergrund erreicht. Bei älteren Torfmooren, wehdie an der Oberfläche bereits in das Stadium der Moorwiesen übergegangen sind, ist noch von der Mäch- tigkeit die oberste Schichte von 1 — 1 '/o Fuss, die aus Torferde und verwittertem Torf besteht, als Abraum abzuziehen. Bei jüngeren Mooren, die noch als Rohrdecken bestehen, befindet sich unter der lockeren Vegetatioiisdecke eine mehrere Fuss mäclitige Schichte von wässerigem Schlamme. Bei Hochwassern ist selbstverständlich die Mächtigkeit des aufgelockerten und gehobenen Moores etwas bedeu- tender, als bei niederem Wasserstande und in trockenen Jahren. Im Allgemeinen übersteigt daher die abbauwürdige Mächtigkeit der ungarischen Flachmoore, wo sie bereits dichter sind uiul sich gesetzt haben, nicht 5 — 6 Fuss, in den meislen Fällen ist sie sogar viel geringer. P^s hängt die Mächtigkeit mit der geringen Tiefe der ungarischen Sümpfe und Seen, aus welchen die Moore hervorgegan- gen sind, zusammen. Die grösste Tiefe des Neusiedlersees beträgt nur 13 Fuss, die des Plaltensees 18 Fuss; ausgedehnte Suiiipfge- biete wie das Moorbe(!ken bei Kelhely am Plattensee, der Ecsedi Läp, der Berettyo Särret haben an den tiefsten, fiir unergründlich gehaltenen Stellen in 8 — 10 Fuss Tiefe festen Untergrund; ja der ausgedehnte Alibunaer Morast im Banat ist selbst in seinem Innern nur 3 — 4 Fuss tief. Die Entstehung der ungarischen Flachmoore lässt sich in den älteren derartigen Bildungen durch Untersuchung der in ihnen 64 I' () k o r n V. erhaltenen Pflaiizenreste leiclit iiacliweisen. Ältere Torfmoore (Fig. 2), die als solche aiieli ohne inensohliche Kiiiwirkun": ihre Entwickelutiff Fiff. 2. n Muorerde, b schwarzer Torf, c brauner lUchter Torf, (/ brauner eieliler Torf, e Tlion. DiircLscliiiitl ciiifs älteren Flarlimoors. vollständig abgeschlossen hahen, sind oberflächlich mit der Vegetation fruchtbarer \Viesen bedeckt, deren Reste keinen Torf, sondern eine schwarze unverbrennliche Erde bilden helfen. Unter diesen Moor- wiesen liegt eine oft nur einige Zoll, selten einen Fuss oder darüber mächtige Schichte eines schwarzen, dichten Torfes, in welchem sich nur selten Reste von echten Moorpflanzen als Torfbildner erkennen lassen. Doch findet man bisweilen Wurzeln und Wurzelfasern, Rhizome und Blattscheiden, die sich sämmtlich durch ihre kohl- schwarze Färbung auszeichnen und auf Aspidium Thclypteris, Sclrpus maritimus Schoenus nigricans, und ähnliciie Pflanzen hin- deuten. Unter diesem schwarzen Torfe liegt aber ganz allgemein ein brauner Torf, der nach abwärts zu immer lichter gefärbt und leichter ist und der entweder ausschliesslich nur aus den leicht kenntlichen Resten des Schilfrohres besteht oder auch Rasenstöcke, von Riedgräsern eingeschlossen enthält. Der unterste Torf ist von einer lichten, röthlicbbraunen Farbe, breiartig und verbreitet einen penetranten Schwefel- WasserstofTgasgeruch. Hieraus, so wie aus dem Vorkommen von Süsswasserschneckeii, die sich in stehenden Gewässern aufhalten, erhellt, dass ursprüng- lich an der Stelle solcher ungarischer Flachmoore seichte Wasser- ansammlungen bestanden, welche, wie zahlreiche analoge Fälle der ungarischen Sümpfe bekräftigen, zuerst mit untergetauchten Was- serpflanzen, später mit Rohr und Riedgräsern und zuletzt mit Moor- pflanzen sich bedeckten. Ein solches Flachmoor lässt 5 Stadien in seiner Entwickelung unterscheiden, von denen jedoch nur die drei mittleren torfhildend sind. Diese 5 Stadien sind: 1. das Hydrophyten- Uiitersuchungeii über die Torfmoore Ungarns. (J5 nioor, 2. der Rohrwald, 3. die Rohi-wiese, 4. das Wiesenmoor, und 5. die Moorwiese. Die Pflanzen des Hydropliytenmoores verfaulen, ohne zur Torf- bildung beizutragen, das Schilfrohr hingegen niuss als jene Pflanze hervorgehoben werden, aus welcher der grösste Theil des ungari- schen Torfes besteht und welches die gemeinschaftliche Unterlage der ungarischen Flachmoore abgibt. Man überzeugt sich durch Sondirungen in den Rohrwäldern und Rohrwiesen, namentlich in den schwingenden Rohrdecken (sogenannten Lap) sehr leicht von der Wichtigkeit dieses Torfbildners, dessen Reste hier ausschliesslich eine 5 — 6 Fuss mächtige Schichte zu bilden pflegen. In der Rohr- wiese ist das Rohr schon im Aussterben begrifl'en und wird von rasenbildenden Gräsern und Halbgräsern, namentlich Agrostis stolo- nifera und Carex-Arten verdrängt und ersetzt. Bei hinreichender Feuchtigkeit geht die Rohrwiese in ein Wiesenmoor über, womit aber die Torfbildung naturgemäss abschliesst, da das Wiesenmoor nicht die hygroskopischen Mouse des Hochmoores besitzt, welche ein Emporwachsen des Torfmoores über das Wasserniveau bis zu einer bestimmten Grenze ermöglicht. So wie aber selbst das supra- aquatische Hochmoor zuletzt mit dem Auftreten von Flechten seine Entwickeluug als Torfmoor beendigt und in eine Heide übergeht, eben so folgt dem noch torfbildenden Wiesenmoor die Moorwiese als Anfang der Vegetationsformen des trockenen, torflosen Bodens. Die hier gegebene Entwickelungsgeschichte der ungarischen Flachmoore erleidet bisweilen einige Modificationen, In manchen Fällen wird das Rohr durch die isolirten Rasenstöeke der Carex stricta sehr bald verdrängt, und das Röhricht geht in ein sogenanntes Zsombekmoor über. Gewöhnlich ist die torfige Unterlage eines solchen sehr gering; doch siedeln sieh Zsombeks auch mitten in Rohrwäldern auf mächtigen Schilftorflagern an. Die Zsombekmoore gehen nach der Austrocknung gewöhnlich in Wiesen ohne Torfbil- dung über. Ein solches Moor kann daher als Torfmoor nur insoferne betrachtet werden, als die abgestorbenen Rasenstöcke selbst den Brennstoff abgeben. Im Moorgrund gedeiht die Schwarzerle (^Alnus gluthiosaj vor- züglich. Daher treten auch Erlenwälder in verschiedenen Stadien der Moorbildung vicariirend auf. Meistens ist aber dann die Bildung von Torf unterbrochen und auch die Gewinnung des bereits vorhan- Sitzl.. rt. malheni.-iialurw. Cl. XMII. Bd. 1. Ahlli. ä QQ I* o k o I- II y. denen Torfes erschwert oder unmöglich gemacht. Doch sind Erlen- wälder in den ungnrischen Mooren nicht selir häufig, am gross- artigsten im südlichen Theile des Hansäg, im Schurmoor bei St. Georgen nächst Pressburg, bei Ecsed im Ecsedi-Läp. An einigen Stellen des Hansägs, so namenllich am Eichbühl und im Wieselburger Torfstich, werden Hölzer im Torf gefimden. Sie gehören Erlen an und beweisen das Vorhandensein ähnlicher Sumpfwälder an Stellen, wo gegenwärtig Moorwiesen vorkommen. Die näheren Umstände dieser Verwandlung sind noch nicht genügend erkannt. Viele ungarische Moore befinden sich noch in einem jüngeren Stadium ihrer Entwickelung; in den grösseren Moorterrains lassen sich oft sogar alle Stadien derselben mit ihren vicariirenden Formen neben einander beobachten. Für die Praxis dürfte es aber genügen, im ungarischen Tieflande nur drei Hauptfoimen von torflühreiiden Mooren zu unterscheiden, um so mehr, als diese ihrer Eigenthüm- lichkeiten wegen landesübliche Namen erhallen haben. E«; sind dies die schwingenden Rohr decken (Läp), woliin die torfführenden Rohrwälder, Rohrwiesen und zum Theil Wiesenmoore gehören, ferner die eigentlichen Wiesen moore mit den sie bisweilen be- deckenden Moorwiesen (Sär-retje) und endlieh die Zsombek- m r e. Man trifft diese Moore bald in grösseren beckenförmigen Ver- tiefungen des Terrains, welche Seen oder seeartige Sümpfe von meilenweiter Erstreckung enthielten; oder sie sind in schmalen flachen Thalrinnen der Länge nach in unmerklichen terrassenförmigen Abstufungen vertheilt; oder sie treten endlich sporadisch in den Mulden eines wellenförmigen, gewöhnlich sandigen Terrains auf. Man kann daher in dieser Beziehung Moorbecken, Moorthäler und Moor m u 1 d e n unterscheiden. DieM r b e c k e n des ungarischenTieflandes liegen theils an Seen theils an Flüssen. Im erstem Falle waren es selbständige Seen, die nur zur Zeit der Hochwässer mit dem Hauptsec communicirten, oder förm- liche Seebuchten, die sich allmählich mit Vegetationsmasse anfüllten und sodann trennten. Besonders lehrreich sind in dieser Beziehung die beiden am südlichen Ufer des Plattensees gelegenen Moorbecken. Da das östliche Moorbecken bei Kethely durch eine Landbarre schon seit Langem vom Plattensee schärfer getrennt und durch den Haupt- canal hinreichend entwässert ist , so konnte die Moorbildnng hier Uiilei-suchuiigeii ülier die TorfinDoie Uiig'arns. 67 weiter sich entwickeln , als in dem untern Theil des Moorbeekens von Keszthely, welches noch jetzt einen offenen See bildet, der mit dem Plattensee durch die Brücke bei Fennek zusammenhängt. Die beiden Moorbecken des Hansag am östlichen Ufer des Neusiedler- sees waren ursprünglich in einer ähnlichen Verbindung nut letzterem, während jetzt schon seit Langem diese Verbindung wenigstens in trockenen Jahren ganz aufgehört hat. Die an Flüssen gelegenen Moorbeckeii waren seefi»:mige Wasseransammlungen, durch den Mangel des Gefälles entstanden, in welchen sich der Fluss verlor, um erst am entgegengesetzten Ende von Neuem gleichsam zu entspringen. Man sieht dies noch an den Moorbecken des ßerettyo; sonst sind solche Moorbecken durch Canäle ganz trocken gelegt, wie der Sär-ret bei Stuhlweissen- burg, oder Avemgstens der Abfluss geregelt, wie au der Kraszna im Eesedi-Läp. Von diesen Moorbecken, welche durch das Verschwinden eines Flusses und sein Auflösen in ein Wassernetz gebildet wurden, sindjeneMoorbecken zu unterscheiden, die durch Überstauungswasser gespeist werden, wie der Hosszuret im Bodrog-köz oder der Sebes- Körös-Sär-ret. Die Torflager solcher Moorbeckeii beginnen stets mit der Lap- bildung, welche an vielen Stellen lange Zeit hindurch stationär bleibt, während sie an anderen Punkten durch die Abnahme des Wassers in Wiesenmoor oder Zsombekmoor übergeht. Im Allgemeinen sind die tiefsten und wasserreichsten Stellen in derEntwickeluug am weitesten zurück; während die an den Flüssen und Canälen gelegenen Thei.'e durch Überschlemmung oder auch durch Austrocknung die Stadien der Flachmoorbüdung schneller durchlaufen. Dazu kommt noch, dass die Moorbecken in der Regel mit Bodenanschwellungen und Erbe- bungen versehen sind, von denen aus ebenfalls ein Fortschreiten der Möorstadien ausgeht. Zur bessern Versinnlichung der Läpbildung möge beifolgender Durchschnitt des ersten Läps in dem Canal des Berettyo-Sär-ret zwischen Füszes-Gyarmath und Nagy-Bäjom (Fig. 3) dienen. Dieser Lap ist vom Canal durchschnitten; der feste Untergrund aus Thon wird in dem ganzen und gedehnten Moorbecken constant erst in 8 Fuss Tiefe erreicht. Oberhalb desselben befindet sich eine 2 Fuss mächtige dünnflüssige Schlammschichte mit spärlichen Hohrwurzeln, über welcher sich die (i Fuss mächtisfe Rohrdecke erhebt. Auf dieser 68 P o k o r II y. Rohrdecke hat sich inselförmig eine dichtere Rasendecke von Gräsern angesiedelt, die durch Abmähen in ihrem compacten Wachsthum Fia:. 3. w//////////////////////y////////////////v/s a Canal, /> sclnviniinondp Insel, c Rolirwiese, d Rohrwalil, e Rolirdecke, /"Schlamm, g fester Thon. Diirrlisclinilt eines Läps bei Fiiszes-Gyarmath. noch hefördei't wird. Diese Grasrasendecke bildet nun eine sogenannte schwimmende Insel, den ersten Anfang eines sich immer mehr aus- breitenden Wiesenmoors. Das Rohr des ursprünglichen und benach- barten Rohrwaldes ist auf denselben noch nicht gänzlich verschwun- den. Es treibt noch hie und da kin-ze Halme, kommt aber liier nicht mehr zur Blüthe und wird gemäht als Heu verwendet. Fi-. 4. A, .w^1#- n Craszna-Canal, h Hutweide, c Zsombi'k, rf dctto mit Rolir, e Erlenwald, fMoorthon, g Halbtorf und Wiesentorf, k Scbilftorf, i Thon-Unterg-ruud. Darchschnitt des Ecscdi-Läps bei Ecscd. Die Wirkung einer Üherschleiiimung durc'h Inundationswasser auf die fortschreitende Moorentwiekeluug lässt sich namentlich au Canälcn, die häufig trübes Wasser führen, beobachten. An dem Kraszna-Canal bei Ecsed (Fig. 4.), der in einem etwas erhöhten Ter- rain eingeschnitten ist, kann liian beiderseits ausgedehnte Hutwei- den beobachten mit einer mächtigen Schichte von schwarzen Moor- Untersiichiingen über die Torfmoore Ung'arns. ß9 tlion , unter welchem in einiger Entfernung vom Ciin-.il Torf liegt. Die Hutweide geht, je weiter man vom Canal sich entfernt, anmählieh in ein Zsombekmoor über, weiches zuletzt noch Reste eines aus- sterbenden Rohrwaldes aufweist. Hinter dem Zsombekmoor tritt ein Erlensumpfwald, der, wie die Sonde lehrt, gleich dem Zsombekmoor auf einem Lager von Schilftorf ruht, während die oberflächliche Schichte aus einer erdigen Mischung von Halbtorf und Wiesentorf besteht. Ähnliche Vorkommnisse am Rande der Moorbecken und um die inselförmigen Bodenanschwellungen im Innern der Moore sind ziemlich allgemein verbreitet. Die Moorbecken enthalten die ausgedehntesten und wichtigsten Torflager des ungarischen Tieflandes. Sie verdienen desshalb zu- nächst eine genaue auf Vermessungen und Sondirungen gegründete Aufnahme. Eine solche ist um so nothwendiger, als in einem Moor- Terrain von mehreren Quadratmeilen selbstverständlich alle ange- führten Stadien der Moorentwickelung und selbst weite torfFreie Stellen vorkommen. Am ergiebigsten sind jene Stellen, wo die Moorentwickeiung ihren natürlichen Abschluss in den Moorwiesen erhalten hat. Hier findet man die dichtesten und in gewisser Beziehung reifsten Torfsorten, Aber auch mächtigere Läpbildungen und Zsom- bekmoore können lohnende Ausbeute an Brennstoft' gewähren , wie noch später dargestellt werden soll. Bisher sind aus dem ungarischen Tieflande folgende mit Flach- mooren erfüllte Becken bekannt: 1. Hansag östliches Becken (mit den Torfstichen Ottohof und Wieselburg). 2. Hansäg westliches Becken (mit dem Torfstich St. Johann). 3. Sär-ret bei Stuhlweissenburg. 4. Moorbecken bei Keszthely (Zaia). 5. Moorbecken bei Kethely (Somogy). 6. Berettyö Sär-ret mocsarok "\ 7. Bekeser Sär-ret \ um Füszes-Gyarmath. 8. Sebes Koros Sär-ret mocsarok) 9. Ecsedi-L;ip (Szäthmär). 10. Hosszu-ret (Zemplin). Zu i]en grössten Moorterrains gehört noch das 17 Meilen lange schmale Sumpfgebiet des Pest-Solter Comitates. welches jedoch durch seine Lage und Beschaffenheit vielleicht richtiger den Moor- 70 P o k o r n V. thälern beigezählt werden sollte, du es in einem verlassenen Fluss- beet der Donau vorzukommen scheint. Manche Moorhceken, wie das hei Sünicgh (Zalaer Comitat) sind durch Cultur und Brand ihres Torfgeiialtes schon verlustig, ein Schicksal, welches den Sar-iet bei Stuiihveissenhurg zum Theile auch schon trilTt. Von anderen muth- niasslichcn Moorbecken fehlen nähere Untersuchungen. Die Moorthäler treten nach den bisherigen Wahrnehmungen blos in dem wellenförmigen Terrain am rechten Donauufer auf. Hier kommen hauptsächlich im Löss schmale flache Thalrinnen vor, welche, nur durch eine geringe Bodcnanschwcllung getrennt, häufig parallel laufen, einen geringen Fall haben, dadurch locale stehende \^'asscransammlungen veranlassen und Moorltildungen begünstigen. Ein ausgezeichnetes Beispiel dieser Art hietet der aus dem Sar-ret bei Stuhlvveissenburg entspringende Sär-viz, welcher an mehreren Punkten seines jetzt regulirten Laufes, als bei Szabad Balhyän, Kaloz, Hatvan und Örs dergleichen locale Torfbildungen aufweist. Doch sind auch hier letztere durch die geringe Breite deT Thalrinne, durch Brand und Überschlemmungen, so wie durch a Malom-esiUor, b Haiiptcanal, c Löss, d blauer Letten, e Wiesenmoore. SÄr-r(5t bei HiUvAii. sogenannte Inseln wesentlich beeinträchtigt. Bei Hätvän z. B. befindet sich (Fig. 5) in etwas erhöhtem Terrain (Löss) einerseits der Mühl- canal (Malom-csätor), andererseits der Hauptableitungscanal einge- schnitten. In der Mitte der Thalrinne geht aber überdies noch eine freilich nur unbedeutend über das Terrain sich erhebende Lössinsel durch, welche die beiden Torflager der Thalrinne trennt. Beide sind bereits im Stadium der Moorwiese angelangt und unbedeutend, da in dem am Mühlcanal gelegenen schon in S Fuss Tiefe der feste Untergrund (ein blauer Letten) erreicht wird, während das andere am Hauptcanal gelegene, ofTenbar durch Brand zerstörte Lager gar nur 3 Fuss tief ist. Untersuchungen über die Torfmoore Ungarns. IJ' |i Die Müorthüler, welche ilireii ursprünglichen Zustund noch nicht durch Ableitungscanäle verloren haben, wie zum Tlieile die Marczal- sümpfe, zeigen dieselben verschiedenen Entwickelungsstadien, wie die Moorbecken. Auch hier ist vorherrschend die Lapbildung, welche den übrigen Moorbildungen vorangeht. Zu den bisher bekannten Moorthälern gehören folgende Fiuss- gebiete: 1. Der Marczalfluss (Veszprem und Zaia). 2. Sar-viz bei Pöjöske] 3. Zalafluss ( (ZaIa). 4. Keszthelybach ^ H. Sarviz (Stuhl weissenburg). 6. Kapos (Tolna). Während Moorbecken und Moorthäler zusammenhängende Systeme von Moor- und Torfbildungen sind, findet man im ganzen ungarischen Tieflande sporadische Flachmoore von sehr verschieden- artiger Ausdehnung und Beschaffenheit. Die grösseren derselben nähern sich den Moorbecken und die zahlreichen verschwindenden Flüsschen erinnern, wo sie mit Moorbildungen verbunden sind, als Moorrinnen an die eben beschriebenen Moorthäler, Am häufigsten jedoch treten die sporadischen Flachmoore ohne Zusammenhang mit fliessenden oder stehenden Gewässern in eigenen Moormulden, namentlich im Sandterrain auf. Die nähere Untersuchung lehrt, dass auch in einem solchen Fall die Thalmulde von einer impermeablen Bodensehichte bedeckt ist, welche sich aus dem hier sammelnden und nicht wieder abfliessenden Wasser absetzt. In dem geklärten Wasser siedelt sich auch hier zuerst das Röhricht an. Zumeist geht dasselbe aber nicht in \\ iesen- moor, sondern durch das baldige Verdunsten des Wassers in ein Zsom- bekmoor über. Dabei ist die Mächtigkeit des Moors in der Regel nicht bedeutend. Beifolgende Skizze (Fig. 6) macht die Bildung eines solchen Zsombekmoors aus dem Sandterrain zwischen Debreczin und Nagy-Käroly anschaulich. In einer grossen Mulde zwischen Nyir-Bel- tek und Lugos (im Szaboicser Comitat) wird die Einförmigkeit des sterilsten Flugsandes, der beträchtliche von jeder Vegetation ent- blösste Hügel bildet, durch eine üppige und ausgedehnte Moorent- wickelung unterbrochen. Eine Sandwelle theilt die Mulde in zwei von Zsombekmooren ausgefüllte Theile, der Rand des Moores, in eine 72 P o k o r n y. lockere friiclilhare Moorerde übergehend, wird als Feld zum Aiihau benutzt, während zwuschen den Zsombeks bei hiiireicheuder Troeken- Fiff. 6. n Sand, b Thon, c Moorerdc, d Halbtorf, e Zsoinke'k, /"Mais, g Pteris. Zsomb^kmoorc im Sandterrain bei Nyir-B6ll^){. legung des Moors Vieh weidet und die Sonde lehrt, dass unter den Zsombeks eine 3 — 4 Fuss mächtige Schichte von Halhtorf liegt, welche selbst wieder auf einer Lettenschichte ruht. An der breitesten Stelle der Mulde laufen sogar drei solche Zsombekmoore parallel. In der Mitte der Fiugsandhügel haben sich Büsche von Adlerfarn (^Pte- ris aqiiilinaj n\s einzige auffallende Vegetation derselben angesiedelt. Zur bequemen Übersicht folgt nun hier eine Aufzählung der sporadischen Fl ach moore des ungarischen Tieflandes nach den bisherigen Erfahrungen. Diese Aufzählung ist voraussichtlich noch sehr unvollständig, da die Zahl der kleineren Moore, namentlich der Zsombekmoore, eine sehr grosse ist. Auch wurden schon hier einige zu unbedeutende oder an grössere Moorgebiete sich anschliessende Flachmoore mit Stillschweigen übergangen, oder mehrere kleinere benachbarte zusammengefasst. Sporadische Flachinoore in Fngarn. I. Röhricht- ii n d Wi e s e n m o o r e. i. Schurmoor (Presshurg), 2. ßöös (Insel Schutt). 3. Laah (Pressburg). 4. Szap (Comorn). 5. Eos ,D ,>, > (Raab). 6. Kajärj '^ ^ 7. Nagy-Kanisza (Zala). 8. Füred-Tihany) . 9. Szigligeth ) ^'^"^^' Untersiicliuiigeii über dio Torfmoore ITiiy^arns. 73 10. Köveskalla (Z;.!;*). 11. Rnkosfeld (Pest- Pills). 12. Nagy-Köros (Pest-Solt). 13. Dinnyes (Stuhlvvelssenburg). 14. Bakta (Heves). 15. Kanyapta Sumpf (Aba-uj-Torna). 16. Sarkozi CSzathmar). 17. Mikola ' ^ ^ 18. Hertnek (Saros). 19. Sandorf / ,„ .\ > (Banat). 20. Urmenyhazaj 21. ? Ghymes (Unter-Neutra). 22. ? NeiihäusI (Unter-Neutra). 23. ? Sassin (Ober-Neutra). 24. ? Trstye (Trencsin). 25. ? Szernye Sumpf (Beregh-Ugocsa). 26. ? Dar da (Baranya). 27. ? Güsslng ( ^ü- 1 ^ '^ > (Eisenburg). 28. ? Vasvär j ^ ^^ 29. ? Bares ) .^ . > (SomogY). 30. ? Darany ) "^ ^^^ 31. ? Pauliscb (Banat). II. Zsombekmoore. 32. Puszta Gubacs (Pest-Solt). 33. Tisza Ugh (Szolnok). 34. Csath (Borsod). 35. Puszta Sz. Laszlo (Jaziglen). 36. Nagy-Kallo ] 37. Nylregybaza) (Szaboles). 38. Nyir-Belfek ) 39. ? Edeleny (Borsod). 40. ? Er Mihalyfalva (Nord-Bibar). Die mit einem Fragezeicben (?) bezeiebneten Flacbmoore sind als Torfmoore bisber zweifelbaft. Der Torf der ungariscben Flacbmoore ist sebr mannigfaltig. Wenn man alle brennbaren Reste von Sumpfpflanzen, die sieb daselbst 74 k () r II V. iuihäuferi, dazurot'liiiet , so d.irf niiin kciiiou Anstand iicliinen, nucli die Eingangs erwälmten vertorften Pflanzen als solchen zu bezeich- nen. Zu den letzteren gehören aber in Ungarn vorzugsweise die isolirten Torfrasenstöcke, weiche den landesüblichen Namen Zsoin- bek führen und die zusammenhängenden Torfrasendecken, welche das Schilfrohr in den sogenannten Laps bildet. iJie vertorften Pflanzen schwinden beim Trocknen nur un- bedeutend, höchstens um ein Dritlheil ihres frühern Volumei»s und ver- ändern sich dabei nur wem'g. Sie haben, wo sie nicht mit Erde oder Schlamm verunreinigt sind, ein sehr geringes specifisches Gewicht. So wurde das Gewicht eines Zsombeks von Stublweissenburg = 0-1 1 gefunden. Das Gewicht einer schwingenden Rasendenke (Insel) im Berettyö-Sariet bei Füszes-Gyarmath ergab im Mittel von 3 Proben 0-19 und eine Pi'ohe aus dem Ecsedi-Lap 0-16. Die chemischeAnalyse, welche Hr. Prof. Schrott er imLabora- torium des k. k. polytechnischen Instituts von Herrn E. Teirich ausführen liess, kaim annähernd den ßrennwerth der ungarischen Zsombek und La'p beurtheilen helfen. Diese Analyse lieferte folgende Resultate: Zsombek von Stublweissenburg Torfrasendecke (Lap) von Füsies Gyarniatb Specifisches Gewicht 011 9-26 28-43 2238 6 23-21 0-19 13-19 11-26 2396- 6 21-87 Wassergehalt in 0/^ Aschengehalt in "o c . . . Heizkraft in Wärmeeinheiten Äquivalent einer Klafter 30zölligen Fichten- holzes in W. Centnern Zsombek und Lap gehören daher zu den leicbtesten, lockersten Brennstotfen, welche, wenn sie ziemlich rein von erdigen Beimen- gungen sind, an Heizkraft den bessern leichtern Torfsorten des ungarischen Tieflandes sich nähern. Die Zsombeks haben in luft- trockenem Zustande weniger Wassergelialt als die Läps, welch letztere hingegen in der Regel reiner von Mineralheimengungen sind. Die sehr geringe Dichte dieser beiden Brennstolfe beeinträchtigt ihre Verwendbarkeit. Uiitersiichung'eii üher di.' Torfmoore Uiigiirns. 75 Der eigentliche Torf zeichnet sieh dadurch vor den Torf- rasen aus, dass er eine bei-eits starker zersetzte, im frischen Zustande plastisclie Masse bildet, welche beim Trocknen bedeutend schwindet. Die ungarischen Flachmoore enthalten zweierlei Torfsorten: einen braunen leichten Torf, der fast nur aus den Resten von Schilfrohr zusammengesetzt ist und desslialb Schilftorf genannt werden kann, und einen schwarzen dichtem Torf, der oberflächlich vor- kommt und aus einer Wit'senmoor- Vegetation hervorgeht; man kann ihn Wi es e nto rf nennen. Die Volumsverminderung des frischen Torfes beim Trocknen ist sehr wiclitig zur annähernden Bestimmung des in einem Torflager von gegebenen Dimensionen enthaltenen Torfquantums. In dieser Bezie- hung liegen sehr genaue Beobachtungen über den ungarischen Torf vor, welch Hr. Friedrich Egerer, Verwalter im Baron wSina^ sehen Torfstich zu Ottohof, auf meine Veranlassung gemacht hat. In diesem Torfstich wurden genau übereinander liegende Torf- stücke, welche einen Durchschnitt des Torflagers darstellten, aus- gehoben und sowohl im nassen als im lufttrockenen Zustande einer sorgfältigen Messung und Wägung unterworfen. Zugleich wurde aus einem ähnlichen Durchschnitt eine auf gewöhnliche Weise gebaggerte und eine stärker mit Wasser vermischte und zertheilte Torfmasse (aufgelöster oder Maschineutorf) erzeugt. Bei der Lufttrocknung ergab sich folgende Volumsverminderung: Von lOOVoliimth frischen Torfes Ijlieben verschwanden 1. (oberste) Schictite, schwarzer Wiesentorf 2. Schichte 27.7 25-7 269 23-4 40-6 28-8 23-6 13-9 72-3 74-3 73-1 76-6 S9-4 71-2 76-4 86-1 3. Schichte 4. Schichte . . • 5. (unterste) Schichte, röthlicher stinlicnder Schilftorf Im Mittel der Stichtoif des Torflagers . . Gebag-gerter Torf oo . - - . . Aufgelöster Torf Man sieht hieraus , dass beim ungarischen Torf im Durchschnitt der Stichtorf auf weniger als ein Drittheil (28-8o/o), der Baggertorf 76 I' o k o r n v. iuif weniger ;ils '/^ (s:feiiauer 23-6«/o) und der aufgelöste Torf auf weniger als 1/7 (genauer 13-9''/(,) des ursiininglichen Volumens schwindet. Die unteren Schichten des Lagers schwinden mehr, und nur die unterste, mit Mineraltheilen stärker vermengte macht eine Ausnahme davon. Da es sich heim Torfbetrieb häufig um die Förderung grosser Massen frischen Torfes handelt, so ist es nicht unwichtig, das Gewicht desselben zu kennen und zugleich das Wasserquantum zu erfahren, welches bei der Lufttrocknung vordunsten muss. Das Gewicht des frischen Torfes erhielt bei der Fjufttrocknung folgende Verluste: Von |I»0 GcHiehtsth. fiisclien Torfes Speeitiselies (_io- wiebt «les lufl- tiuekeiKM.ToiiVs blieben versibwaiiden 1. (oberste) Schiclite scliwar- • zer Wiesentorf 31 7 68-3 1-05 2. Schichte 21-9 78-1 ü-78 3. Schichte 11) -5 80- S 0-96 4. Schichte 16-7 83-3 0-67 5. (unterste Schichte) röthli- cher stinkender Schilftorf 170 83-0 0-41 Im Mittel des Stichtorfs des Lagers 21-4 78-6 0-67 Gebaggerter Torf .... 21 3 78-7 1-08 Aufgelöster Torf 22-S 77-5 1-16 Diese Tabelle lehrt, dass der ungarische Stichtorf im Durch- schnitt lufttrocken, nur fast 1/5 (21-4Yo) des ursprünglichen Ge- wichtes besitzt, daher Y5 des Gewichtes als Wasser verdunsten müssen. Der Baggertorf zeigt nahezu dasselbe Verhältniss, der auf- gelöste Torf ist sogar etwas trockener als der Baggertorf. Übrigens nimmt der Wassergehalt (die Nässe) der Torfsorten wie voraus- sichtlich mit der Tiefe regelmässig zu , so dass von den untersten Schichten beiläufig nur i/g tles ursprünglichen Gewichtsquantums übrig bleibt , während bei der obersten Schichte 1/3 des Gewichtes sich erhält. Ebenso regelmässig nimmt aber bei den ungarischen Torfen das specifische Gewicht mit der Tiefe ab, so zwar, dass die untersten llnfersucliungeii iilier (Uc Torfmoore Ungarns. 77 Scliic'litoii im lufttrockenen Zuslaiule ^^/^nvA so leicht sind, als die obei-fliichlichen. VViilireiul sich die mittlere Dichte des Stichtorfs auf 0-67 ergibt, hat der Baggertorf 1-08 und der geschlemmte Torf li6 nach einer andern Probe sogar 1-27 specifisches Gewicht. Jedoch muss bemerkt werden, dass obige von einem Punkte des Torfstiches zu Ottohof entnonwiietien Daten nicht vollkommen mass- gebend für alle ungarischen Flachmoortorfe sind. Sie gelten nur für die dichteren, schweren Sorten, da dies gerade eine Stelle ist, wo wie die chemische Analyse herausstellte, ungewöhnlich viel Mineral- theile dem Torfe beigemengt waren , wodurch das Gewicht sich etwas höher stellt. Überhaupt dürfte dies der Fall bei allen unga- rischen Torfen sein, deren Gewicht im lufttrockenen Zustande über 0-6 steigt. Es sind dies ältere dichtere Torfe, die sich oberflächlich schon im Stadium der Moorwiesen befinden und durchschnittlich eine schwarze Farbe haben. Was den Brennwerth dieser dichteren Torfsorten aus den ungarischen Flachmooren betrilTt, so ergibt sich dieser aus folgenden Analysen : 1. Ottoliof Stichtorf oberste Sciiiclite 2. OttohofStichtorfunterste Sctiictite 3. Ottohof aufgelöster Torf 4. Alter Torfstich im Schur- Moor Specifi- sches Gewicht Wasser- gehalt in Vo Asche in o/o 110 15-06 21-43 0-60 9d9 32-99 1-27 13-90 24-21 ? 9- 4 32-00 Heizkraft in Wärine- Einlieiten 2116-0 206Ö-4 2187-3 1380 Äquivalent einer Klafter 30 zölligen Fichtenholzes in W. Centner 24-76 25-38 23-96 33-17 1 und 3 nach der Analyse des Herrn E. Teirieh im Luboratorium des k. k. polytechnischen Institutes, 2 nach der Analyse des Herrn .1. Wiesner, ebenda, 4 nach einer Analyse des Herrn Dr. A. Bauer. Die beiden Torfsorten 2 und 4 kiinnen wegen ihres hohen Aschengehaltes nur mehr als Halbtorf betrachtet werden. Die leichteren braunen Torfsorten der ungarischen Flachmoore haben meist ein specifisches Gewicht zwischen 0-2 — 0-5 und einen geringern Aschengehalt Hieher gehören beispielsweise 78 I* o k (I r II y. Specifisches Gewicht: Torf von Sf. Johiinn im Hansac^ 0-23 „ „ der P. Sari bei Kethely 0-25 „ „ „ Eszterliazy'schen Herrschaft Süttör 0-41 Trockener Torf von Santlorf bei Ilanea im Banat 0'43 „ „ S/äp 0-46 Den leichtesten Torf fand ich im [{abnitz-Canale an einer Stelle (ugrado) zwischen Pnszta-Föhlszigeth und den Kiraly-to. Er bildet im Wasser aufsteigende, dieSchillYahrt bisweilen hemmende Massen und besteht nur aus feinen unverwesten Fasern des Schilfes. Getrocknet hat dieses lockere Fasergewerhe nur ein Gewicht von 009, also weniger selbst als die lockersten Zsomheks. Dieser Torf ist jedoch eine rein locale Bildung, welche dadurcili entsteht, dass das rasch tliessende Wasser hier ein Torflager durchströmt, und dessen untere Schichten, welche Schilftorf von 0*4 — 0*6 Gewicht besitzen, auswäscht. Die chemische Analyse der leichteren Torfsorten des ungarischen Flachlandes ergab folgende Resultate: Spcoifi- sches Gewicht Wasser- gehalt Asche 14 63 17i9 14-7Ö 16 öl 11- 3 17- 3 11- 3 lä. Heizkraft inWärmeeiü- heiten Äquivaleot einer Klafter 30 zoUigeu Fichtenholzes in W. C. 1. Torf vom Wieselburger Torfstich 2. Torf vom Torfstich zu St. Johann 3. Torf von der Rustenwiese im Schurmoor 1. Probe . 4. Torf von der Rustenwiese im Schurmoor 2. Probe . 0-2.3 0-23 2302-3 2380-5 2390 2392 22-76 22-02 21-93 21-91 1. nach der Analyse des Herrn E. Tei rieli im Laboratorium des k. k. polytechni- schen Institutes; 3. und 4. nach einer Analyse des Herrn Dr. A. Bauer. Nach diesen Daten liegt die Heizkraft der ungarischen Flach- moortorfe, der Zsombek und Lap (wenn man vom Halbtorf mit mehr als 30»/o Asche absieht) zwischen 2100 und 2400 Wärmeeinheiten; der Wassergehalt schwankt von 9 — 15%; der Aschengehalt von 11 — 28%. Die leichteren Sorten stehen über der Mitte der Heizkraft Uiitersiichiingeii über die Torfmoore ITngarns. "J^ (22S0 Wärmeeinheiten); die (lichteren Sorten unter denselben. D» aber beide Sorten gewöhnlich in demselben Torflager vorzukommen pflegen, so ist diese mittlere HeizkraCt als die im grossen Durchschnitt geltende anzusehen. Der Torf der ungarischen Flachmoore gehört demnach, ver- glichen mit dem Torf der Hochmoore, welcher bei sehr unbedeuten- dem Aschengehalt eine Heizkraft bis 3180 Wärmeeinheiten liefert, zu den geringeren Torfsorten. Dies darf jedoch nicht hindern, seinen wahren Werth als BrennslotF da anzuerkennen, wo er in grosser Quantität vorkommt und billig herzustellen ist. Welche Quantitäten von diesem BrennstotT in dem brennstofTarmen Tietlande Ungarns auf- gespeichert sind, erhellt aus folgender Betrachtung: Ein Wiener Joch Zsombekmoor zu 1600 Q Klafter enthält, ohne Rücksicht auf den tortigen Untergrund, wenn auch nur 1/5 des Areals mit Zsombeks erfüllt ist und diese zu 24 Zoll Höhe angenom- men werden, bei obiger Dichte der leichten lockern Sorten von 0-11 und ohne Rücksichtnahme auf das jedenfalls unbedeutende Schwinden derselben beim Trocknen mindestens 1429-40 Centner BrennstofF von etwa 2260 Wärmeeinheiten, also ein Äquivalent von 61-5 Klaftern SOzölligen Fichtenholzes, Ein Wiener Joch Läpbildung (schwingende Rohr- und Rasen- decke) enthält bei 3 Fuss Tiefe und einer Volumsveränderung von 1/3 durch das Trocknen, ferner bei der geringen Dichte von 0*19 im lufttrockenen Zustande mindestens 12344-83 Centner Brennstoff, welche bei einer Heizkraft von etwa 2400 Wärmeeinheiten ein Äqui- valent von S65-2 Klaftern 30zöliigen Fichtenholzes abgeben. Ein Wiener Joch eigentliches Torfmoor, den ungarischen Fiach- mooren angehörig, liefert bei einer Mächtigkeit von 3 Fuss abbauwür- digen Torfes, und bei einer Volumsverminderung von mehr als 2/3 (genauer 71 -20/0) durch das Trocknen, ferner bei der mittleren Dichte von 067 im lufttrockenen Zustande mindestens 18809-61 Cent- ner Torf, der zur mittlem Heizkraft der ungarischen Flachmoortorfe, von 2250 Wärmeeinheiten ein Äquivalent von 8075 Klaftern 30 zöl- ligen Fichtenholzes abgiht. Für jeden Fuss Mächtigkeit berechnet sich das Torfqnantum bei einem solchen Torfmoor auf 6269*87 Cent- ner Torf. Bei den leichteren Torfsorten, deren mittlere Dichte 0-4 beträgt, liefert jeder Fuss Mächtigkeit bei einem Joch 3735*93 Cent- ner Torf, jedoch von höhere^' Heizkraft. ^Q I' (> k n r II y. Nach diesen Anhaltspunkten lüst-t sich leiclit der Werth eines hestinimten Torfnioors schätzen. Es mag hier nur noch erinnert wer- den, dass wie der specielle Theil näher nachweist, in deui Berettyo Särret die der jjfräflich Bhuikenstein'schen Familie angeliörige Läp- bildung allein über 11.000 Joche beträgt und dass der Flächenraum der Torfmoore des Hansägs auf mindestens 22.000 Wiener Joch geschätzt werden muss. Es gibt aber in Uugarn 18 grössere Torfterrains von 1000 und mehr Joch Ausdehnung und bei 50 kleinere Torflager, so weit die bisherigen Untersuchungen reichen. Was nun dieAusbeute der ungarischen Flachmoortorfe anlangt, so lassen sich im Allgemeinen nur wenige Andeutungen geben, da die Localverhältnisse allein die Rentabilität eines derartigen Unter- nehmens entscheiden können. Doch wird die Torfgewinnung allenthalben dringend zu empfehlen sein, wo grössere Tortlager durch Entwässerungs- odei- Schutzbauten ausgetrocknet und anderen Culturformen zugeführt werden, weil sonst der Torf rasch seine Eigenschaften als Brennstoff einbüsst, verwittert und somit nutzlos verloren geht. In den meisten Fällen sollte desshalh die Entsumpfung des Landes mit der Torfgewinnung gleichzeitig vorgenommen werden , so wie letztere dazu beitragen kömite, die Austrocknung grösserer Moorterrains an sich lohnend zu machen, und noch überdies beträchtliche Landstrecken für eine höhere Cultur (als Erlenwald, Feld oder Wiese) zu gewinnen. Auf eine Neubildung oder Regener i rung des Torfes in den ausgebeuteten P'lachmooren des ungarischen Tieflandes ist, wenn man auf den Nutzen von Grund und Boden allein sieht, nicht zu rechnen. Obgleich nämlich alle Stadien der Moorbilduug in den grösseren Sumpfgehieten sich beobachten lassen, so fehlt es an jedem einigermassen verlässlichen Anhaltspunkte, die zu ihrer Entwickelung nöthige Zeit festzustellen. Geologisch sind die ungarischen Flach- moortorfe gewiss sehr junge Bildungen und ihre Entwickelungs- geschichte lehrt, dass sie bei ihrer geringen Mächtigkeit in nicht zu langer Zeit das ursprünglich vorhandene Wasser ausfüllen, ohne über dessen Niveau sich beträchtlich erheben zu können. Andererseits liegen keine Erfahrungen aus Einschlüssen oder direclen Beobach- tungen vor, wie gross diese Zeit selbst ist. Wie lange ein bestimmtes Stadium, wie z. B. die Läpbildung währen muss, um ein Wasser- becken von bestimmter Tiefe zu füllen, ist desshalb gänzlich ungewiss. Untersuchungen über die Torfmoore Ungarns. q\ Es ist wahrscheinlich, dass die Röhrichtmoore unter Umständen sehr lange stationär bleiben, bis sie in Wiesenmoore übergehen. Meistens ist es künstliche Entwässerung, welche diesen Übergang beschleu- nigt. Da im ungarischen Tieflande erst in neuester Zeit Torf gesto- chen wird, so liegen auch keine genügende Erfahrungen aus Torf- stichen vor. Die ältesten Stiche im Baron Sina'schen Torfstiche bei Ottohof im Flansäggebiete sind 12 Jahre alt. Sie sind n\it Rohr- hochwald bedeckt, der einzelne offene Wasserstellen liat und in einer Tiefe von 4 — 5 Fuss im sandig thonigen Untergrund wurzelt. Doch ist bei weitem noch nicht die ganze Tiefe mit Rohrwurzeln erfüllt und es ist nicht abzusehen, wie lange der Rohrhochwald bei unver- ändertem Wasserstande an dieser Stelle sich erhalten wird. Da die Rohrwurzelstöcke nur sehr locker den Raum erfüllen, so ist die Masse des in diesem Zeiträume gebildeten Brennstoffes jedenfalls sehr gering. Viel wichtiger als rascher Torfbiklner tritt hier in diesen Torfstichen ein Riedgras (Carex paludosaj auf, welches in einem lOjälirigen Stiche 20 Zoll tiefe Rasenstöcke bildete, deren dichtes Wurzelgeflecht mit angeschwemmten Moortheilchen innig gemengt eine frischem Fasertorfe täuschend ähnliche Schichte bildete. Die Verwachsung der Torfstiche erfolgt im Allgemeinen ziemlich rasch, so dass im vierten Jahre bereits der ganze Stich mit Schilf und Ried- gräsern bedeckt ist. Alles dies sind aber erst Vorbereitungen zur künftigen Torfbildung und man kann noch nicht daraus entnehmen, in welchem Zeiträume sich wirklicher, hinreichend zersetzter und dichter Torf bildet. Es wird desshalb vom praktischen Standpunkte aus räthlicher erscheinen, die ausgebeuteten Torfgründe in Cultur- formen zu verwandeln, welche einen sichern Ertrag in kürzerer Zeit versprechen. Wo der Grund sieh nicht hinreicbend entwässern lässt, ist die Anlage von Erlenwäldern, die vortrefFiich gedeilien, vor Allem zu empfehlen; in massig feuchtem Morgrund sind Wiesen, in trocke- nem Felder einzuführen. Der Torf der ungarischen Flachmoore eignet sich am besten zur Gewinnung durch Baggern oder bei grösserem Betriebe zur Erzeugung eines aus einer breiartigen Masse durch das natürliche Schwinden beim Trocknen entstandenen Masehinentorfes i)- I^''^ 1) Vgl. über Torfg-ewinnung und Torfveredlung. (Wiener Zeitung, 1860, vom 20. und 21. März.) Sitzb. d. mathera.-naturw. Cl. XLHI. Bd. f. Abth. 6 32 P o k o r n y. Compressionsverfahren erscheint für die dichteren erdigen Torfsorten, zu denen der ungarische Torf gehört, minder passend; so wie über- haupt kostsj)icIigcre Gewinnungsmethoden bei dem oben nachgewie- senen geringen Brennwertli desselben sicli riiclit lohnen. Bezüglich i\e\' Verwendung des ungarischen Torfes ist hier nocli zu erwähnen, dass er besonders reich an Destillationsproducten ist und in dieser Hinsicht vielseitige Anwendung gestattet. Es muss jedoch der Praxis überlassen bleiben das Nähere über die rationellsten und ergiebigsten Methoden der Gewinnung und Verwendung des ungarischen Torfes unter besonderen Localverhältnissen aufzufinden. Hier war es nur die Aufgabe, auf das Vorhandensein grosser Vorräthe von Brennstoff, zum Theil im brennstoffärmsten Theil des Landes aufmerksam zu machen, die Eigenschaften desselben und seine Verbreitung darzulegen und hiedurch zur Verwendung eines sonst nutzlos verschwindenden Brenn- materials aufzumuntern. Die ungarischen Torfmoore im Besonderen. 1. Pressburger Comitat. aj Moor Schur bei St. Georgen i). Lage. Südöstlich von St. Georgen am Fusse der Karpathen in einer Niederung, welche westlich an die Pressburg- Tirnauer Eisenbahn , nördlich an den nach Slavisch - Eisgrub führenden Weg, östlich an die beiden PallfVy'sehen Meierhöfe und südlich an das Gebiet von Weinern grenzt. Der gesammte Moorbodencomplex wird auf 968Katastraljoche geschätzt und führt den Namen Schurwald. Bewässerung. Mehrere Bächlein des Gebirges ergiessen sich an der Westseite des Sumpfes, in welchem sie sich verlieren und an der Ostseite als Schwarzwasser abfliessen. Die dunkle Farbe des letztern rührt hier, wie in allen Mooren, unstreitig von den aufgelösten Humuskörpern des Torfes her. Untergrund. Im westlichen Theil ein grünlicher Lehm mit Glimmer und Quarztheilchen, aus der Verwitterung des benachbarten •) Koi-nluiber, das Moor „Schur" ■ hei St. Georgen in den Verhandiiing'en des Vereines für Naturkunde in Pressbiirg 18:>8, 2. Heft, pag. 29— :$«. — Amtliche Mittheilung'en vom Biirg-ermcisfer der k. Freistadt St. fieorcren. Untersuchungen über die Torfmoore Ungarns. 83 feldspathreichen Granits entstanden. Im östlichen Theil wahrschein- lich Kiesboden oder Schotterlagen. Culturart. Der grösste Theil des Terrains ist mit einem schönen Niederwald von Schwarzerlen bedeckt. Im nordöstlichen Theile findet man Wiesen mit sauren Gräsern (Rustenwiese). Torf. Die durchschnittliche Tiefgründig-keit des Moorbodens im Walde wird auf 4 Fuss geschätzt. Der Erlen-Sumpfwald hat demnach hier, wahrscheinlich wie an ähnlichen Orten eine ziemlich mächtige Unterlage von brennbarer Moorsubstanz oder Torf. Eigent- licher Torf wird jedoch nur an zwei Orten ausserhalb des Waldes angegeben: in dem alten Torfstich in der Nähe des nördlicher ge- legenen PalfFy'schen Meierhofes und auf der sogenannten Rusten- wiese. Der in den dreissiger Jahren eröffnete Torfstich ist gegen- wärtig bereits wieder aufgelassen. Auf der Rustenwiese ist das St. Georger Schwefelbad etablirt, wobei das an Schwefelwasser- stoff reiche Torfwasser benützt wird. Die Ausdehnung dieses Torf- lagers wird auf 4 — 6 Joch geschätzt, die durchschnittliche Mäch- tigkeit auf 3 Fuss, doch wurde in der Mitte auf 6 Fuss noch nicht der Untergrund erreicht. Analysen. Torf vom alten Torfstich nach Dr. Bauer enthält 9-4 Procent Wasser, 32 Procent Asche und hat nach Berthier's Methode einen Brennwerth von 1S80 Wärmeeinheiten. Es wären demnach erst 33 Centner desselben das Äquivalent einer Klafter dreissigzölligen Fichtenholzes. Die analysirte Probe war offenbar nur Halbtorf. Zwei Proben vom Torf der Rustenwiese ergaben: die eine 11 -30/0 Wasser 17-3Vo Asche, 2390 Wärmeeinheiten, oder 22 Ctr. Torf als Äquivalent einer Klafter dreissigzölligen Fichtenholzes, und die andere 11 'So/o Wasser, 15% Asche und 2392 Wärmeeinheiten. h) Moor zwischen Laab und Zankendorf i). Zwei Meilen nördlich von Marchegg, am westlichen Abhänge der Karpathen, dem Stromgebiete der March angehörig. VAn Torf- lager von circa SO Jochen Ausdehnung, welches die Gutsinhabung in Stampfen ohne bedeutende Resultate zu erzielen, im Jahre 1836 eröffnete, bis im Jahre 1846 der Torf sich selbst entzündete und 1) Amtlicher Bericht des Stulilrichteramles Pressliur; 84 P o k o 1- II y. ausbrannte. Gegenwärtig befindet sich eine Wiese mit üppigem Gras- wuchs daselbst. cj Moore auf der grossen Insel Schutt*). Im Stuhlriehteramtsbezirk Szerdahely kommen südlich von Szerdaliely, namentlich in den Gemeinden Värbony und Böüs aus- gedehnte Torflager vor. Das grösste derselben liegt in der Gemeinde Varbony, umfasst beiläufig 400 Joch und liegt in einer Sumpf- niederuiig, dem sogenannten Rudasto an der Hoos-Värbonyer Strasse nördlich von Böös. Es soll 5 — 6 Fuss mächtig und den gi'össten Theil des .hihrcs mit Wasser bedeckt sein. Die Moorsiimpfe der Gemeinde ßöüs werden auf 300 Jocli geschätzt, sind jedoch weniger reichhaltig als vorige. Das gleichfiills auf der Insel Schutt befindliche Torflager von Szäp gehört zum Comorner Comitat (s. dasselbe). 3. Ober-Neatraer Comitat. Hier wird im Szenitzer Stuhlbezirke Torf vermutliet, weil im Jahre 1857 im Burer Walde in der Illawina auf der k. k. Familien- herrschaft Sa SS in (Säsvär) in Folge eines Waldbrandes, der 5 Joch verwüstete, der Boden noch nach 7 Wochen derartig heiss war, dass dünne Holzstücke auf 4 — 5 Fuss in die Erde gebracht, sich bedeutend erhitzten und aus den so entstandenen ÖfTnungen Rauch aufstieg, was auf einen ziemlich tief eindringenden Erdbrand hindeutet. In der Tliat ist der grosse Burer Wald, dessen nördlichster Theil nur das Ober-Neutraer Comitat bei Szenicz, Sandorf und Sassin berührt, durch seine Lage am westlichen Fusse derKarpathen, also eigentlich bereits in derMarchniederung, vollkonmien zur Moorbildung geeignet. 3. Inter-Neutraer Comitat. Nach dem amtlichen Bericht des Comitats-Physicus Dr. Joseph von Nagy kommen hier Torfmoore vor. ay Kleinere Moore in den muldenförmigen Vertiefungen des Gebirges bei Ghymess (nordöstlich von Neutra, vielleicht Hoch- moore). by Ausgedehntere Moore in der Ebene bei Jardoshedgy gegen Neuhäusl. Wahrscheinlich Flachmoore, dem Flussffebiete der ') Ainllieher -üericlit des Stulilrieliteramles Szerdahely. Untersuchungen über die Torfmoore Ung-arns. 85 Neiifra angehön'g und mit den Moorsümpfen der untern Waag bis in die Gegend von Coniorn sich erstreckend. 4. Comorner Comitat. Torflager bei Szäp. Am linken Donauufer, an der Grenze des Pressburger Comita- tes , südlich von Böös gelegen. Dieses sehr interessante Torflager wurde von dem k. k. Strom-Assistenten Karl von Bobics gelegentlich der Skarpirung der Donaiuifer entdeckt und eine Beschreibung des- selben sammt einer Torfprobe eingesendet. Das Lager, welches auf der grossen Insel Schutt liegt und mit jenen bei Böös und Varbony gelegenen eine ähnliche Entstehung gehabt haben dürfte, wurde am Donauufer in einer Länge von 110 Klaftern verfolgt; es scheint sich von Südwest gegen Ostnord zu erstrecken, doch ist seine weitere Ausdehnung unbekannt. Bei klei- nem Wasserslande wurde an mehreren Stellen mit abgemessenen 5 Fuss die Mächtigkeit noch nicht erreicht. Dieses Torflager ist mit einem 6 Fuss tiefen, durch die Donau- ergiessungen abgelagerten Schlammgrunde überdeckt. Es gehört daher jedenfalls einer früheren Bildung an. Der Torf ist nach der eingesendeten Probe vorzüglich. Er ist sehr dicht, von dunkelbrauner Farbe, fest, zeigt beim Zerschneiden lebiiaften Wachsglanz und dürfte, Avas der Bericht des Herrn von Bobics niciit ausdrücklich erwähnt, schon an seiner ursprünglichen Lagerstätte, in einem ziemlich trockenen Zustande sich befinden. Diese schätzenswerthen Eigenschaften erhielt das Torflager durch die mächtige Schlammdecke, welche dasselbe bedeckte und den Torf verdichtete, die Gewinnung des letztern aber nicht lohnend macht. Herr von Bobies bemerkt noch, dass bei der Canalisirung der Insel Schutt an mehreren Stellen Torflager von 1 — 2 Fuss Mächtigkeit, jedoch von geringer Ausdehnung und minderer Qualität vorgefunden worden sind. Moor- und Torfbildungen gingen und gehen daher auf der Insel Schutt häufig in Niederungen vor sich, die ohne schlammigen Überfluthungen ausgesetzt zu sein, hinreichende Wasserzufuhr durch Durchsickerung erlangen, um durch längere oder kürzere Zeit das Gedeihen massenhafter Sumpfvegetationen zu ermöglichen und deren Reste aufzuhäufen. 36 P k o I- II y. 5. Trcntschincr Coiuitat*). a) Kill Torfmoor von uiigefülir 10 Joch beider OrtscliaftCserne, eine Meile nördlich von Czacza in der Nähe des Jitblonka-Passes an der schlesischen Grenze. (Wahrscheinlich ein Hochmoor.) b) Ein anderes in der Gemeinde Trstye, z\\ei Meilen nord- östlich von Illawa. (Fhu-hmoor?) 6. Arva-Taroczer Coniitat -). Das oberste Arva-Thal ist in meilenMeiter Erstreckung mit Hochmooren erfüllt, namentlich in dem Gebiete, welches nördlich von den Ortsclraften Jablonka, Pekelnik, Chisne, Lipnicza, östlich von dem galizischen Czarny-Dunajecz, von Hladovka, Suchahora, südlich von Trsztena, westlicli von Also- und Felsö-Usztya, Slanicza, Klin, ßobrow und Zubrohlava eingeschlossen wird. Dieses Torfgebiet, welches auf beiläufig 6 Quadratmeilen ver- anschlagt werden kann, erstreckt sich über die uiimerklii'he Wasser- scheide der Karpathen östlich nach Galizien in die Thäler der Duna- jec. Es umfasst einen grossen Theil des Flusslaufes der schwarzen Arva und der Szlanna (Szlanicza) und liegt in dem grossen Gebirgs- zuge des Wiener Sandsteines in einer mittleren Höhe der Thaisohlen oder vielmehr Gebirgsterrassen von 18 — 2500 Fuss. Die Moore dieses Gebietes sind echte Hochmoore mit einer ausserordenlich kümiiierliclien Vegetation von Moosen, Flechten, Heidelbeeren und andern kleinern Sträuchern. Ihre Mächtigkeit wird auf 6 — 9 Fuss angegeben. Der Torf selbst ist nach den eingesendeten Proben von vorzüglicher Qualität, theils leichter reiner Moostorf, theils dunkelbrauner sogenannter Specktorf. Eigenthümlich ist es jedoch, dass in manchen Gegenden, wie in den Mooren von Naineszto nicht der Torf, sondern die zahlreichen in demselben vergrabenen Baumstämme zum Brennen benutzt werden. Im Allgemeinen ist die Verwerthung dieser ausgedehnten Torfgründe eine verhältnissmässig sehr geringe, was sich theilweise aus dem Überfluss an Holz und Braunkohlen erklärt. Ausser zum Brennen, wozu man den Torf in 1) Amtliclier Bei'icht der Coniitats-üehörde. 2) Nach den aiuUichen Berieliteii des k. k.-Bezirks- Wundarztes W. Jeit teles inThiirdos- sin, des k. k. ße/.irks- und (Jericlitsarztes Dr. Josef H am m e fs <;li ini d in Unlei- kuhin uikI des k. k. Be/.irksarztes Or. Miklositi^a in Na'ines/.to. Untersuchung'en über die Torfmoore Ungarns. 8*7 primitivster Weise sticht und trocknet, wird derselbe, noch mit Thier- mist vermischt, zum Düngen des sterilen Bodens verwendet. Die nähere Luge und eigentliche Ausdehnung der einzelnen Moore ist unbekannt. Nur bei Nameszto werden von Dr. Miklosiiza zwei Torflager im Hotter der Gemeinden Szlanieza und Klin ange- geben , wovon das eine zwischen ßobrow und Zubrohlawa auf IS Joch, das zweite zwischen Nameszto und Klin auf 4 — 5 Joch, die Tiefe beider auf eine Klafter geschätzt wird. Da diese Gegend bereits von Seite der k. k. geologischen Reichs- anstalt aufgenommen ist, so stehen nähere und sichere Angaben über dieses grosse Moorgebiet in baldiger Aussiclit. (Vergl. S. 60.) 7. Liptaacr Comitat. Nach einer amtlichen Mittheilung der k. k. Comitatsbehörde kommen hier im Stuhlbezirke Sz. Miklos und zwar in den Gemeinden Verbicz (in der Nähe von Sz. Miklos, südlich an der Waag), Stroujan Sz. Kerest (2 Meilen südwestlich), Trjechow, Dubrowa (1 Meile südlich von Sz. Miklos) und namentlich in Proszek (bei Szelnicze nordwestlich von Sz. Miklus) Torfmoore vor, über deren weitere Beschaflenheit noch nichts bekannt ist, deren nähere Untersuchung, namentlich der Torfmoore in Proszek aber sehr erwünscht wäre. Sie sind auch unter dem Namen der Borisümpfe bekannt. Anmerkung. Aus dem Barser, Houther, Neograder und Sohler Comitate so wie aus den Stuhlbezirken Sz. Marlon und Znyo-Varallya im Arvaer Comitate sind von Seite der Behörden negative Resultate bezüglich des Vorkommens von Torfmooren eingelangt. b. Wieselburger, Ödeuburger und Raaber Comitat '). aj Der H a n s ä g - S u m p f . An der Grenze dieser drei Comitate ist das Sumpfterrain des Hansag oder llanysag gelegen. In seiner von West nach Ost sich erstreckenden Längsachse von dem Ufer des Nensiedlersee be lllmltz bis in die Nähe von Leyden und Sz. Miklos an der Raaber Bahn misst dieser Sumpf ö'/j Meile und in seiner grössten Breiten- ausdehnung von Norden nach Süden (etwa von VVüst-Sommerein 1) Nach ämtlichen ;\litthei!iing-en dei- k. k. Statthalterei-Abtheiinng- Ödeniiurg- und eige- nen Bereisungen. 88 P o k o r n y. oder Andau bis Piiszt;i Oszli bei Kapiivär) 2i/s Meile. Nach einer altern aber sehr genauen Karte ij des Hansags beträgt der Flächen- raum des ganzen Sumpfes beiläufig SS.üOO Joch oder bei 9 Quadrat- meilen und selbst nach der neuesten General- und Administrativkarte von Ungarn lässt sich der Sumpf nicht unter 66.800 Joch oder bei- läufig Q^/o Quadratmeilen abschätzen. Der grösste (nördliche) Theil gehört dem Wieselburger Comitat, der südliche Theil dem üdenburger Comitat. Im Osten grenzt der Hansag-Sumpf auch an das Raaber Comitat. Die Grenzen des Hansags sind im Norden das Tegelgebiet von Ilimitz, Apethlan, Pammaggen und Tadteri, sodann die Strasse, die von Tadten bis St. Johann führt; hier biegt die Nordgrenze bedeutend südlich ab, und verläuft zuletzt südlich vom Prädium Kaiserwiese gegen den Hirschbrunnen am Zannegger Wald und den Wieselburger Torfstich. Im Osten wird der Hansag vom Ottohof, dem Gebiete von Puszta Bormasz und Reti begrenzt. Im Süden bildet die Rabnifz über Kapy, Bö-Särkany, Ascalag bis zur P. Földszigeth die Grenze. Von hier dehnt sich das Sumpfgebiet über die Rabnitz bis nach Oszli, P. Ontes und durch den ganzen grossen Kapuvarer Erlenwald bis gegen Agyagos, Szergeni und Sütttör aus. Die Westgrenze bildet der Neu- siedlersee. Com municationen. Der Hansäg kann zu Wagen nur an zwei Punkten der Quere nach, d. h. von Norden nach Süden durchschnitten werden. Zuerst an dem berühmten über eine Meile langen Damm, welchen die Fürsten Eszterhazy von ihrem Stammschloss Eszterhäza nach Pammaggen aufführen Hessen. Dieser Damm gewährt selbst bei hohem Wasserstande einen sicliern Übergang und es führt auch die Verbindungsstrasse von Ödenburg nach Wieselburg am östlichen Ufer des Neusiedlersees über denselben. Eine zweite Verbindung zu Wagen ist bei günstigem Wasserstande zwischen St. Johann und Bö-Särkäny durch die sogenannte Moorrinne möglich. Weit zugänglicher wird das Innere des Hansag durch die grösseren Canäle, deren Schiffbarkeit freilieh sehr vom jeweiligen Wasserstande abhängig ist. Von grösster Wichtigkeit ist die durchaus schiffbare 6— 8 Fuss tiefe Rabnitz (Klein-Raab), welche den Kapuvarer 1) Unter dem Titel : die Gegend von Neusiedlersee bis an die Raab und die Donau in UüKarn mit den Entwürfen zurEntwiisseruna: des Hansa'ffund des Neusiedlcrsees 1826. Untersuchungen über die Torfmoore Ungarns. 3Q ErleriAvald östlich von Kapuvar herabkommend durchschneidet und sich im Walde mit der westlicher herahgelangenden Repze, welche zugleich das Abzugswasser des Eszterhazycaiials und bei Hochwasser Zuflüsse vom Neusiedlersee mit aufnimmt, vereinigt. Der Lauf dieser Flüsse ist gegenwärtig auf weite Strecken hin vollkommen regulirt und dadurch eine vorzügliche Wasserstrasse zum Holztransport nach Raab geschaffen. Von den übrigen Canälen ist nur der grosse Canal vom Torfstich in Ottohof zur Zuckerfabrik Sz. Miklos an der Raaber Rahn und der grosse Haupt-Entwässerungscaiial Nr. 1 in der Mitte des Hansag-Sumpfes von Westen nach Osten verlaufend, schiffbar. Doch hängt bei der schon weit fortgeschrittenen Entwässerung des Sumpfes die Schiffbarkeit des letztern in seinem obersten Theile bei Pamhaggen ganz vom Wasserstande ab. In dem trockenen Sommer des Jahres 18S9 konnte der ganze Hansäg nach allen Richtungen trockenen Fusses durchschritten werden, und nur die Canäle und einzelne mit Rohrwald bewachsene Stellen setzten dieser Art des Durchwanderns unüberwindliche Hin- dernisse entgegen. Bodengestaltung und R ewässerung. Obgleich der Han- sag als der tiefsten Niederung des oberungarischen Beckens ange- hörig, nur sehr wenig über das Niveau des Neusiedlersees (welches zu 61° = 366' über der Meeresfläche angenommen wird) sich erhebt, so ist doch keineswegs seine Oberfläche als vollkommen eben zu betrachten. Abgesehen von der geringen Senkung des ganzen Ter- rains in der Richtung des Hauptcanals und der Rabnitz, welche den Wässern den Abzug gestattet, kommen hier, wie in allen grossen ungarischen Sumpfgebieten, Anschwellungen des Bodens vor, welche trotz ihrer unbedeutenden Erhebung, die in der Regel einige Fuss nicht überschreitet, aus dem eigetitlichen Sumpfterrain und selbst aus den gelegentlich der Hochwässer entstebenden Inundationen merklich hervorragen und bei ihrer oft beträchtlichen Ausdehnung den ununter- brochenen Zusammenhang des Morastes aufheben. Die genaue Kenntniss dieser Rodenerhebungen würde den ange- gebenen Flächenraum des Hansäg-Morastes bedeutend reduciren. Doch berücksichtigen die vorliegenden Karten dieselben noch so wem'g und ungenau, dass nicht einmal eine beiläufige Abschätzung ihrer Ausdehnung möglich ist. Da diese Rodenerhebungen so unbedeutend sind, dass man ihr Vorhandensein meist erst aus der veränderten 90 P o k o r n y. Culturform (Wiese, Hutvveido), die plötzlich im Sumpfe auftritt, erkennt, so ist die Vernachlässigung dieser Torraingestaltung von Seite der Cartographen leicht erklärlich, obwohl diese Erhebungen von ausnehmender Wichtigkeit für das Sumpfgebiet sind und hier eine sehr scharf geschiedene Höhenregion bilden, welche die Beschaffenheit und Benützbarkeit des Terrains gänzlich ändert. Diese Bodenerhebungen heissen im Hansaggebiete ßühle; in anderen Sumpfgebieten werden sie Inseln (szigeth) oder Hügel (halom) genannt. Diese ßühle bestehen theils aus Salzboden (Szikes hier Zick genannt), wie z. B. die Felberhöhe bei Andau, theils aus Thongrund, wie in den meisten Fällen, bisweilen auch aus Schotter (wie z. B. der Eichbühl an der Grenze des Leydner und St. Johantiser Territoriums). Eine ganze Reihe solcher Buhle, so wie überhaupt eine (freilich sehr geringe) ßodenansehwellung erstreckt sich in der Richtung von St. Johann nach Bö-Särkany und theilt den Hansäg in zwei gesonderte Moorbecken von ungleicher Ausdehnung. Das kleinere östliche Moorbecken liegt in dem Viereck zwischen Wieselburg, St. Johann, Bö-Särkäny und Leyden. Es umgibt den Zanecker Sumpfwald und erstreckt sich nördlich vom Wieselburger Torfstich, umfasst östlich die ausgedehnte Leydner Moorwiese und den Torfstich bei Ottohof, geht südlich bis an die Rabnitz in der Nähe von Reti und Kapi und ist westlich von oberwähnter Bodenerhebung, namentlich vom Plum- penbühl beim St. Johannser Wald, vom Flug-, Eich- und Spitzbühl begrenzt. Theilweise setzt sich dieses östliche Moorbecken noch in den Niederungen zwischen genannten Buhlen fort. Die Buhle ent- halten gewöhnlich Ziehbrunnen für das weidende Vieh. In dieses Moorbecken wurden die in der Übersichtskarte des erzherzoglichen Gutes Ungarisch Altenburg (1852 von Herrn Ingenieur C. Markovics herausgegeben) uiiter No. V und VI verzeichneten Canäle geschnitten, um die Entwässerung des nördlichen, zum erzherzoglichen Gute Ungarisch Altenburg gehörigen Theiles zu bewerkstelligen. Hier im Wieselburger Hotter ist auch, etwa eine Meile südlich von Wiesel- burg, der erzherzogliche Torfstich eröffnet. Südlieh von diesem und allseitig von Torfmooren umgeben liegt der grosse Zaneker Sumpf- wald, von welchem sodann der mächtigste Theil des ganzen Moor- beckens sich südlich bis zur Rabnitz ausdehnt. In dem südöstlichen Theil des Moorbeckens liegt der Baron Sina'sche Torfstich bei Otto- Untersuchungen über die Torfmoore Ungarns. 91 hof, von wo ein grosser Canal bis zur Zuckerfabrik Sz. Miklos an die Eisenbahn führt. Das zweite westliche Mo erb ecken ist ungleich grösser und umfasst das Terrain , welches beiläufig von dem Viereck St. Johann, Bö-Särkany, P. Oszli und Taaden eingeschlossen wird. Doch gehört eigentlich auch der grosse Kapuvarer Erlenwald und das Inun- dafionsgeiiiet bis in die Gegend von Süttör und Kapuvar auch noch hieher. Seine nähere Begrenzung ist folgende : Südlich von St. Johann liegen eine Reihe von Buhlen, die mit den früher erwähnten nur eben etwas westlicher sich gegen Bö-Särkäny hinziehen. Es sind der Wali Bühl, Budits Bühl, Schwanenbühl, Veigl Bühl und der Zanter Riegel. Auch der St. Johannser Wald liegt höher und trocken, während der östliche St. Peter und der westliche Moorwald sumpfig sind. Zum Theil zwischen den genannten Buhlen zieht sieh ein ehemaliger Zufluss der Rabnitz , die Moorrinne, jetzt durch den Canal Nr. II ersetzt und entwässert hindurch. Das eigentliche Moor- und Torf- terrain beginnt aber erst beim Canal Nr. III, der den sehr charak- teristischen Zanter Riegel durchschneidet und den Torfstich bei St. Johann berührt. Von hier erstreckt sich nun ein ungeheures gleichförmiges Torfterrain durch den St. Johannser, Andauer und Taadener Hotter bis zum Lobler See, welcher auf einer Boden- erhebung liegt. Die Nordgrenze des gegenwärtigen Sumpfes ist überall bedeu- tend zurückgewichen. Man erkennt die Spuren in den geringen Nie- derungen überall leicht an den abgestorbenen Rasenstöcken (Zsom- bek). Auch ragen hie und da merkliche Buhle wie z. B. die Felber- hühe bei Andau hervor. Eine Eigenthümlicbkeit sind ferner in diesem nördlichen Theile die zahlreichen Wasserbecken, welche jedoch gleichfalls im Verschwinden begrifTen sind, wie der Gareis - See, Dorfsee, Taadenmarsch und die Rundlacke. Letztere ist gegen- wärtig mit einer dichten Rasendecke völlig geschlossen, der Boden schwingend, in einer Tiefe von 2' noch sehr wässerig und mit feinem Moorschlamm erfüllt. Aus der Tiefe dringt starker Geruch nach Schwefelwasserstoff. Die Oberfläche der Rundlacke liegt 3 Fuss tiefer eingesunken unter dem das kreisrunde Becken umgebenden Moorterrain. Die Sondirung ergab in der Lacke selbst nur feinen Moorschlamm, keinen Torf. Westlich vom Lobler See gegen Pam- maggen erstrecken sich an der Nordseite des Hauptcanals nur Zsom- 92 P o k o r n y. bek-Moore, trockene Hutweidon und selbst schon Felder an Stellen, wo noch vor 30 — 40 Jaliren Höliric-Iit stand. An der Südseite des Haupt- canals befindet sich aber jetzt noch Röhricht und Rohrwiesen und zuletzt höchst ausgedehnte Zsombek-Moore bis zumEszterhazy-Dannn. Dieser kann als die Westgrenze des hier beschriebenen Moorbeckens betrachtet werden. Jenseits des Dammes bis zum Nensiedlorsee, nördlich bis Illmitz und Apethlan, südlich bis Schrollen (Sarröd) dehnt sich in der Niederung das ausgedehnte Röhricht ans, welches in den letzten zwei Jahren der Schauplatz der Verwüstungen der Zug- und Wanderheuschrecken war. Auf dem grossentheils gegen- wärtig trockenenTegelgrunde dieses Terrains wurde keinTorf beob- achtet, wesshalb dieser Thei! des Hansags hier nicht weiter zu betrachten ist. Die Südgrenze des eigentlichen Moorbeckens geht bis in die Nähe von Süttör, Szergeny und Agyagos. Auch der ganze grosse Erlenwald steht auf Moorgrund bis zur Puszta Öntes und Oszli. Öst- lich vom Erlenwald setzt sich das Moorterrain bis zur Puszta Föld- szigeth fort, dann macht aber die Rabnitz die Südgrenze bis Rösär- kany für dieses Moorbecken, sowie im östlichen Becken des Hansags bei Kapi und Reti. Der natürliche Zufluss der Gewässer in dieses westliche Moor- becken des Hansags erfolgt hauptsächlich von Süden durch die bedeutenden W^assermengen, welche die Rabnitz bei Kapuvär, so wie die weiter westlich fliessende Repze bei Szergeny, endlich die Ikva unterhalb Endred dem Sumpfgebiete zuführt. Auch das Hochwasser des Neusiedlersees dringt in seltenen Fällen jouseits des Eszterhazy- dammes. Gegenwärtig ist durch die Regulirung der Rabnitz und Repze, so wie für den nördlichen Theil des Sumpfgehietes durch den Hauptentwässerungscanal Nr. 1 (Fö csatorna) die vollständigere und raschere Ableitung der Gewässer in solchem Grade bereits erzielt worden, dass grosse Theile des Sumpfes, namentlich die nördlich vom Hauptcanal liegenden, bleibend trocken gelegt sind und auch sonst nur bei Hochwässern Inundationen eintreten. Durch diese Canalisi- rung, so wie durch die Trockenheit der letzten Jahre ist sogar der mit so vielen Sagen geschmückte Königs -See (Kiraly-tn) in dem an der regulirten Rabnitz gelegenen Theil völlig ausgetrocknet. Cultur fo rmen. Durch die seit 30 Jahren ausgeführten Ent- wässerungsanstalten hat die Oberfläche des Sumpfgebietes sich so Untersucliiingen über die Torfmoore Unfjarns. 93 bedeutend geändert, dass sie nur wenig den Schilderungen aus früheren Zeilen gleicht. Eigentlich unzugängliche Stellen gibt es, wenigstens bei niedrigem Wasserstande, fast gar nicht mehr und in Folge dieser leichtern Zugänglichkeit und der eingetretenen grössern Trockenheit hat sich auch die Benützbarkeit des Bodens allenthalben gesteigert. Während am Nordrande der Ackerbau immer weiter um sich greift, hat das Röhricht, welches ehedem die einzige Nutzung im Innern des Sumpfes bot, allenthalben besserem Graswuchs weichen müssen, wie dies die weit ausgedehnten Wiesen im Leydener, Wieselburger, St. Johanner Hotter und überhaupt im ganzen nörd- lichen Theile des Haiisäg beweisen. Die fruchtbiirslen Wiesen liegen hier überall auf Torfgrund , welcher gegenwärtig eben nur mehr so viel Feuchtigkeit besitzt, um den üppigen Graswuchs zu befördern. Die trockenen Stellen der Buhle, so wie die Zsombek-Moore werden als Hutweiden benützt. Noch gibt es im Gebiete des Hansags ausgedeiinte Wälder, unter welchen der den südlichsten Theil des Sumpfes einnehmende fürstlich Eszterhäzy'sche grosse Erlenwald der wichtigste ist. Es ist dies ein Hochwald von Schwarzerlen (^Alnus glutinosa) und Birken (Betula alba) gebildet. Auch der kleine Erlenwald bei Puszta Föld- Szigeth und der grosse Seewald am Königsee enthalten hochstäm- mige Bäume von Erlen. Sonst liegen noch im Sumpfterrain der Moorwald in der Moorrinne, der St. Peter- Wald und der Zanegger Wald , welcher letztere der bedeutendste ist und hauptsächlich Pappeln (^Populus trenmla und canescensj , aber auch Eichen und mancherlei Mischholz enthält. Der übrige Theil des wilden Hansags, so weit er nicht Wiesenland oder Röhricht ist, wird oft von kleinen Buschweiden (^SalLv cinerea und repens) auf weite Strecken hin bedeckt. Eigenthümlich sind noch einige Erlenwäldchen, die als Niederholz betrieben, nur durch Stockausschlag sich verjüngen. Torf. Im Hansäg sind bisher nur an drei Punkten eigentliche Torfstiche (überhaupt die einzigen im ganzen ungarischen Tiefland) erölTnet. Der grösste Torfstich beflndet sieh bei Ottohof im Leydener Hotter und gehört zur Baron Sina'schen Herrschaft Sz. Miklös. Die beiden anderen Torfstiche gehören zum erzherzogliehen Gute Unga- risch-Altenburg; und zwar liegt der grössere davon am Nordrande des Zanegger Waldes in der Nähe des Hirschbrunnens (Szarvasküt) 94 '* " •' " '" " y« bei Wieselhurg , der kleinere über bei St. Johann, zwischen dein Schwanen-Bühl und Zanler Riegel. Der Torfstich des Herrn Bar o n Sina von Ottoliofbei Sz. Miklos im Leidener Hansag umfasst in seiner gegenwärtigen Begrenzung einen Flächenrauni von 600 Joch Torfboden. Er wurde 1849 erüfTnet. befindet sich aber erst unter der Verwaltung des Herrn Friedrich E gerer in einem regelrechten Betrieb. Zur Heguli- rung des Wasserstandes so wie zum Transport des Torfes ist ein System von Canälen angelegt, welche einerseits mit dem zur Zucker- fabrik Sz. Miklos führenden grossen SchifTlahrtscanal , andererseits mit dem Herzogscanal und der Rabnitz communiciren. Durch diese Canäle lässt sich der Wasserstand im Torfstich während des Betriebes im Sommer beliebig senken, während des Winters zur gehörigen Durchfeuchtung des Grundes aber heben. Das Terrain bildet ein von Canälen begrenztes und durch- zogenes Rechteck, in welchem in regelmässigen Abständen zuerst die sogenannten Materialgruben und sodann an diese anschliessend, die eigentlichen Stiche (Formen) eröffnet werden. Der angrenzende Plan dient zum Trockenfeld, der Materialgraben zur Aufnahme des Abraums. Im Torfstich zu Ottohof wurde bis 1859 nur gewöhnlicher Bagger- und Stichtorf erzeugt und an der Luft getrocknet. In den Jahren 1854 — 1856 betrug die jährliche Ausbeute 100.000 Cent- ner, steigerte sich jedoch später auf 5 — 600.000 Centner. Die Mächtigkeit dos Torflagers beträgt durchschnittlich 5 Fuss, die grösste Tiefe 7 Fuss. Der Untergrund ist ein bläulicher Thon oder auch Sand. Der Torf ist in seiner obersten Schichte schwarz, erdig, plastisch, beim Trocknen bedeutend schwindend und dicht; er wird hier Pechtorf genannt. Nach abwärts wird er immer lichter, zeigt deutliche Zusammensetzung aus Pflanzentheilen, namentlich aus flachen, papierartig zusammengedrückten Resten von Schilf und hat getrocknet ein geringeres Volumen und Gewicht als der obere Torf. Man nennt ihn hier auch braunen und rothen Fasertorf, letzteren wegen seines üblen Geruches nach Schwefel wasserstttff auch ironisch Vanilletorf. Über die Eigenschaften und den Brennwerth dieser Torf- sorten ist ohnehin im allgemeinen Theil (S. 75 — 78) gehandelt worden. Die ausgebeuteten Stiche sind zum Theil mit Schwarzerlen und Weiden bepflanzt, grösstentheils aber sich selbst überlassen wor- üiitersiichting-en iil)er dii! Torfmoore Ung'ains. 95 den. Im letzteren Falle bedecken sie sieh bereits im 4. Jahr mit üppig wucherndem Schilfrohr und Riedgräsern, deren Reste neue Torfschichteii zu bilden im Stande sind. Doch sind die hier erölTne- ten Stiche noch zu jung, um bereits eine wirkliche Regeiierirung von Torf bemerken zu lassen. Die bisherigen Ausfüllungen mit Pflanzentheilen , unter welchen besonders die Wurzcistöcke eines Riedgrases (Care.v ydlndosa) , das in 10 .Jaliren ein dichtes \N'ur- zelgeflecht von 20 Zoll Höhe hildete, hervorzuheben sind, können höchstotis als vertorfte Pflanzen erst betrachtet und verwendet wer- den. Inwiefern eine Benützung derselben als Brennstoff lohnend wäre, und zu einer etwaigen Cultur der torfbildenden Pflanzen füh- ren könnte, muss künftigen Versuchen und Beobachtungen vorbehal- ten bleiben. Der Torfstich im Wie sei burger Hotter, welcher gegenwärtig durch die erzherzogliche Verwaltung ausgenützt wird, ist vom Orte selbst 3/4 Meilen in südlicher Richtung entfernt. Das Torflager umfasst 250 Joch und liegt am nordöstlichen Ende des Hansags. Trotz der Entwässerungscanäle erzeugt schon jedes mittlere Hochwasser der Donau und Rabnitz in diesem Torf- lager Aufstauchwasser, welches über die Grasnarbe steigt und die Torfgewinnung erschwert. Es wird hier hauptsächlich Stichtorf erzeugt und nur wenig gebaggert. Die Erzeugung betrug : 18S4 iSS.») i8S6 Stichtorf . . 3,154.500 5,146.500 7,063.400 Baggertorf . 298.080 580.500 489.000 Zusammen . . 3,452.580 5,727.000 7,552.400 Stück Torfziegel , von denen circa 1300 Stück als Äquivalent einer Klafter weichen Holzes von 3 Fuss Länge gelten. Der Kostenpreis pr. Tausend stellte sich durchschnittlich auf 1 fl. 26 kr. C. M. Gegen- wärtig werden circa 10 Millionen Torfziegeln erzeugt, und theils in der Zuckerfabrik, theils in der Ziegelei von Wieselburg verwendet. Die Mächtigkeit des Torfes ist hier verschieden und wechselt von 2 — 5 Fuss Tiefe. In den anstossenden Zanegger Wiesen, be- sonders in dem südlichen Theile des Zanegger Waldes ist der Torf stellenweise über eine Klafter mächtig. Über Eigensciiaften und Brennkraft dieses Torfes vgl. S. 78. 96 P o k o r n y. Der ei-zli er 7,0 Pouche Torfstich bei St. Johann liegt 1/3 Meile südlich von St. Johann und gehört in seiner Ausdehnung von 80 Jochen dein nördlichen Rande des llansags an. Er ist seit 1843 im Betriehe und gegenwärtig bereits fast völlig erschöpft. Der brauchbare Torf ist hier nur 18 — 36 Zoll mächtig. (Vgl. S. 78.) Versuchsweise ist auch auf den fürstlich Eszterhax y 'scheu Herrschaften SüttÖr und Kapuvar in den hiezu gehörigen Theilen des Hany Torf von vorzüglicher Qualität gestochen worden. Nach einer amtlichen Mittheilung der fürstlichen Güterdirection zu Eisensfadt erstreckt sich dieses Torflager über den grössten Theil des beiläufig 9000 — 10.000 Joch beiragenden herrschaftlichen Hany's und besteht aus 2 Schichten, von welchen die oberste I1/3 bis 3 Fuss mächtige als gut ausgebildet , die untei e 4 — 6 Zoll starke als schwammig und unreif geschildert wird. Unstreitig besteht hier wie im ganzen Hansag die untere Schichte nur aus Schilfresten (Lap), welche überall einen lichteren aus Fasern und Blättern zu- sammengesetzten Torf geben , der aber ebenso verarbeitet und ver- werthet \verden kann, wie der oben liegende amorphe Torf der Wie- senmoore. Noch wird erwähnt, dass das Wasser wegen Mangels an Gefäll nicht abgeleitet werden kann , was die vollständige Ausbeute hindert und die Wiederurbarmachung der ausgetorften Stellen un- möglich macht. Jedoch dürfte auch dieses Hinderniss nicht unüber- windlich sein und die ausgebeuteten Stellen Hessen sich, wenn auch nicht unmittelbar in Felder und Wiesen , so doch in Culturen von den hier vortrefflich gedeihenden und nutzbringenden Erlenwäldern umwandeln. Was nun den Umfung des eigentlichen Torfterrains im ganzen Hansäg betrifft , so muss das kleinere östliche Moorbeckeu auf mindestens 6600 Joch geschätzt werden, wovon auf den Torf- stich bei Ottohof und den Leydener Holter etwa 4000 Joch, auf den erzherzoglicben Anlheil, namenllich auf das Torfmoor westlich vom Zanegger Wald , am Canal Nr. VI etwa 1600 Joch, dann auf das Torfterrain südlich vom Eichbübl etwa 1000 Joch kommen. Das grosse östliche Moorbecken hat in seinem nördlichen erzherzog- lichen Antheile zwischen dem den Zanter Riegel durchschneidenden Canal Nr. 111, dem Hauptcanal, Lobler See, Garreis-See und der Felberhöhe allein schon mindestens SOOO Joch, während der Torf- grund im südlich vom Hauptcanal gelegenen Theile nicht unter Uiitersucliiingeii iilier die Torfmoüie Ungarns. 97 10.000 Joch angenommen werden kann. Hiebei sind die Erletiwälder nnd hlosscn Rolirsünipfe mit llalhtoif nicht eingerechnet. Nach dieser massigen Schätzung beträgt das Torfterrain des Hansägs bei 22 Tausend Joch. Nimmt man die mittlere Mächtigkeit nur zu 3 Fuss, so ergibt sich hieraus eine Masse von 17,600.000 Kubikklaftern gewinnbaren Torfes , welcher selbst bei Annahme einer mittleren Reduction auf 28*6 Procent, = -^ des ursprüng- lichen Volumens, wie sie durch genaue Versuche gefunden Murde, noch immer 5,033.600 Kubikklafter trockenen Torfes gibt, was bei einem specifischen Gewicht von 0-678 für eine Kubikklafter luft- trockenen Torfes 8024-8 Pfund und daher für das ganze Quantum eine Masse von 404,935.829 Centnern liefert. bj Andere Torfmoore im Raab er Comitat. An der Moorrinne, welche westlich von Martinsberg von Nagy Ecs bis gt'gen Asszonyfä sich erstreckt, werden einer ämtlichen Mit- theilung zu F'olge in den Gemeinden Ecs und Ravazd kleine Torfmoore angegeben. Ebenso in der i^/-, Meile von Ravazd westlicher gelege- nen Gemeinde Kajär, hier wahrscheinlich an der Moorrinne von Kis-Pecz in der Nähe der daselbst befindlichen Mühle. 9. Veszpremer Comitat. Im Vespremer Comitat liegen zwei grössere Complexe von Torflagern; an der nord\\ estlichen Grenze des Comitats die Mar- czalsümpfe, an der südöstlichen zwischen Palota und Üsi der Anfang des Sär-ret-Sumpfgebietes, welches zusannnenhängend im Stuhl- weissenburger Comitat behandelt werden soll. Am Marczalfl usse werden hier in den Gemeinden Külsö- Vath, Egerallya, Adorjänhäza, Gergely, Marczaltö, Also- und P'elso- Görszöny Torflager angegeben. Nach eigenen Untersuchungen sind im ganzen Marczalfluss- gebiete die tiefsten Stellen theils mit Torf, theils mit anderen Moor- producten erfüllt. Die einzelnen Parcellen sind jedoch oft weit von einander getreimt und von keiner beträchtlichen Ausdehnung, da die grössten nach einer oberflächlichen Schätzung nur hundert Joch umfassen. Auch hier liegt der Torf gewöhnlich unter fruchtbaren Moorwiesen, selbst unter Hutweiden. Gleich bei Marczaltö in südwestlicher Richtung gegen Egyhäzas-Keszo befindet sieb eine Sitzb. d. inatheni.-natui-vv. Cl. XLUl. Bd. I. Abtli. 7 98 P o k o 1 n y. ausgedehnte Wiese, wo die Sonde erst in 8 — 11 Fuss Tiefe den s;indigcn Untorgrund erreichte und wo durchschnittlich 5 Fnss guter Torf anzunehmen ist. Hingegen wurde in der Rlclitung gegen Gör- szöny, so wie hei diesen Orten ;tn anscheinend sehr günstigen Localitüten nur Moorwiesen ohne Torfhihlung bemerkt. Der Torf ist daher entweder hier durch spätere Überschlernmungen ziemlich tief vergraben, oder das täuschende Aussehen der schwarzen Moorerde hat die Angabe von Torf veranlasst. Überhaupt deutet die weite Ver- breitung der schwärzesten mit Wasserschnecken vermischten Moor- erde in der Gegend von Acsad eine grosse Ausdehimng der Rloore in der Umgebung des Tapolcza-Baches in früherer Zeit. Ein grosses Torflager liegt in der Thalmulde bei Högyesz in südwestlicher Richtung gegen Szergeny, wahrscheinlich aber auch nördlich gegen Szelmczeje Puszta sich foi'tsetzend. Die Sonde erreichte an manchen Stellen seihst bei 12 Fuss noch keinen Unter- grund. Durch Gräben ist ein Theil des Torflagers, das theils als Wiese, theils als Hutweide benützt wird, aufgedeckt. Der Torf ist leicht, faseiig und von lichtbrauner Farbe. Bei Szergeny ist die sumpfige Thalmulde von einem Damm durchschnitten, über welchen die Strasse nach Vinar führt. Theils Rohrwiesen, theils Rohrwälder bedecken hier das Torfmoor, welches sich hier olfenbar noch in einem jüngeren Entwicklungsstadium befin- det, als die am unteren Lauf des Warczal betindlichen, namentlich das bei Högyesz. Diese Rohrformation erstreckt sich bis Külsö- Vath. Ganz ähnlich sind dann die Verhältnisse bei Adorjanhaza und Egerallya. 10. Zalacr Coniitat. In diesem auTorfuiooren reichen Comitale ziehen sich iniNorden die torfhältigen Marczal sümpfe bis in die Gegend von Sümeg. Hier breitet sich im Südwesten des Marktes eine weite Moorebene aus, welche aber gegenwärtig schon ganz trocken gelegt und in fruchtbare Äcker umgewandelt ist. Doch dürften noch hie niid da Torfparcellen mit Moorerde abwechselnd anzutreflen sein. Nach einer amtüclien Miltheilung werden in diesem Sumpfge- biete in den Gemeinden Csab Rendek, Rigacs, Megyes, Szegvar und am Kigyos viz in den Gemeinden Sarosd und Galsa Torfmoore von beiläufig 88 Joch Ausdehnung angegeben. Olfenbar ist letztere Untei'sueliungen iilier die Torfmoore Uiig'ariis. yiy Angabe zu niedrig; da die ganze Gegend, so z.B. auch beiHany am Kigyos moorig ist und kleine Zsombeknioore seihst in dem wellen- förmigen Terrain gegen Devecser in ehemaligen Wasseransamm- lungen allenthalben vorkommen. Ausser den Marczal-Torfmooren, deren Wässer nach Norden und zuletzt in die Raab tliessen, besitzt das Zaiaer Comitat noch ähnliche Systeme von kleinen Torfmooren an Bächen, welche ihr Wasser theils dem Plattensee, theils dem Murflusse zusenden, so namentlich am Szee (Szea oder Sar?) viz zwischen Zaia Eger- szeg und Nagy Kapornak und am Zalafluss, südlich von Szt. Groth- Mezövaros liegen. Die grössten Torflager des Comitats liegen jedoch am Platten-See. Die Torfmoore der erwähnten Bäche sind noch wenig bekannt. Wahrscheinlich sind alle tieferen Stellen der seichten Thalmulden mit Torf und Moorproducten erfüllt. Bisher werden nur im Paesaur Stnhlbezirke Torflager in den Gemeinden Pölöske, Szt. Andras, Bucsa, Szt. Tämas, Sandorhaza und Hetes in einem Gesammtum- fange von 1270 Joch angegeben. Auch in der Gemeinde Gross- Kanisza findet man am Kaniszaflusse Torfmoore von unbekannter Ausdehnung. Ganz ähnlich ist die Thalmulde des unteren Zaiaflusses süd- lich von Szt. Groth-Mezövaros bis zu seinem Einfluss in das Moor- becken von Balaton Hidveg , so wie des mit ihm parallel nur durch einen schmalen und niedrigen Bergrücken getrennten Baches bei Keszthely reich an Torf. Hier finden sich in den Gemeinden Zala, Sz. Läszlo und Gyülevecz Torflager von 139 Joch und in den Gemeinden Karmäcs, Vindornya-Fok, Vindornya-Lak, Szanto, Tomaj und Keszthely Torflager von 3S46 Joch Ausdehnung. Nordwestlich von Keszthely, etwa i/o Meile liegt in einer Moormulde das Warmbad Heviz. Der Grund des reinen Wassers ist mit feinem Moorschlamm erfüllt, so dass das Bad ebenfalls zugleich als Moorbad benützt wer- den könnte. Überhaupt finden sich in ungarischen Mooren aufstei- gende bald wärmere, bald kältere Quellen nicht seifen, deren Wasser mit den in diesen Torflagern überall verbreiteten Zersetzungsgasen geschwängert ist. Doch wird ausser bei Keszthely nur noch im Schurmoor bei Pressbnrg eine nützliche Anwendung zu Bädern gemacht. Dieses Warn)bad ist von einem mächtigen Torflager um- geben, dessen guter Torf bisher noch nicht benützt wird. 7* 100 P o k o r n y. Die Tor fm ore des Plattensees liegen Iheils am Rande des Sees, tlieüs in eigenen geschlossenen Becken. Solche Haiulnioore sind in der Regel sclmial, ^egeri das Wasser einen R(ilir,mirlel, gegen das Land zn {Vnchtbare Wiesen bildend. Im Zalaci- Comitat kann man sie am westlichen Ufer des Plütten- sees hei Bala ton-Fü r ed , enlwiekelter jedoch in der nöidliclien ßuci)t der Halbinsel Tihany, in den Gemeinden Aszofö und Tihany beobachten. Ihr U/nfang wird hier nnr auf etwa 10 Joch geschätzt. Die Sonde ergah an der Grenze des Rolirw aldes, so weit nämlich noch gemäht wird, eine 3 Fuss mächlige Schichte von Rohruurzcln (Lap), darunter Schlamm und in 5 Fuss Tiefe bereits festen Thon- grund. In den schöneti Moorwiesen gegen Aszofij liegt jedoch bis 5 Fuss niäclitiger erdiger Torf. Der kleine von Rohr umgürtete See in dem Krater bei Tihany zeigt in der Umgehung ziendich tief Moorerde, aber keinen Torf. In dem interessanten Becken von Tapolcza, aus welchem die Berge von Szigliget und der Sz. György hegy inselartig sich erheben, werden in den Gemeinden Szigliget und Hegymagas Torf- lager von 200 Joch Ausdehnung angegeben. Ebenso sind bei Köveskalla, llenye und Sz. Bekalla kleinere Torfmoore er- wähnt. Die grössten Torf- und Moorbecken des Plattensees befinden sich am südlichen Ufer desselben. Es sind zwei völlig von einander geschiedene Becken, von denen das eine südlich von Keszthely gele- gene noch zum Zalaer Comitat gehört, während das östlichere Becken bei Kethely in der Somogy liegt. Das M r b e c k e n von Keszthely ist im Norden von der Strasse nach Csali, im Westen von der Fortsetzung derselben über Sarmellek, Egenföld , Balaton Hidveg nach Balaton Magyaröd, im Südosten von der h^isenbahn, die vom Plattensee bei Balaton Bereny über Vörs, Fönyed gegen Kis Komarom geht, endlich im Nordosten von der Strasse, die von Keszthely über Fenek nach Kethely führt, begrenzt. Alle diese Strassenzüge sind nämlich am Rande des sum- pfigen Moorbeckens in bereits erhöhtem Teriain angelegt. Durch die Bodenanschwellung zwischen Keszthely, Puszta Uj major und Fenek, ist dieses Becken vom Plattensee völlig geschie- den, mit dem es gegenwärtig nnr durch die Dammbrücke bei Fenek selbst zusammenhängt. UnlersiK'hiingoii iiticr die Torfmoore Ungarns. 101 Gespeist wird (l;\s Moorbeckeii vorzüglich diircli die; Zuflüsse (los Hiiclies, der vom W;u'ml)ad Heviz lierahkomint, dann vom Sz. AiaLu.sei' Dacli, von dem Zalafluss, der liei Balaton-Hidveg ein- iriüiidet und von dem von Süilen her längs der Comitatsgrenze sich erstreckenden Halar-arok hei Fiiszta Kapolna. In seiner ganzen ursprünglichen Ausdehnung umfasst dieses Moorhecken bei 11.000 Jocli oder über eine Quadratmeile. Ein gros- ser Tlieil im Innern ist noch eine otlfene Wasserfläche, die eine Fort- setzung des Plattensees bildet. Die nördliche moorige Niederung, welche sich von Csali bis zu diesem Wasserbecken erstreckt, ist durch Canalisirung grösstentheils trocken gelegt, ebenso die Moor- fläche, welche südlich bis gegen P. Kapolna und Balaton Magyarod sich ausdehnt. Die Torflager der Gemeinde Balaton Magyarod werden allein auf 2000 Joch geschätzt. Eine nähere Untersuchung ergab in den Wiesen bei Csali nur Moortlion; hingegen bei Sarmeliek beiindet sich da, wo die Kraut- äcker beginnen, 6 Fuss tief guter Torf in weiter Ausdehnung. Hinter dem bei der P. Libuj gelegenen Eichenwäldchen kommt man zunächst in ein Zsombekmoor, wo der torfige Untergrund kaum 3 Fuss beträgt. Verfolgt man von Balaton Hidveg den Zalafluss bis in das Innerste des Moorbeckens, so findet man allenthalben mehr oder minder mächtige Torflager. In den hohen und dichten Rohrwäldern daselbst zeigt die Sonde, dass hier überall mindestens 4 — 6 Fuss tief, Schilftorf (Läp) liegt. An den Orten, wo gemäht wird, ist das Ver- bältniss noch günstiger; am günstigsten aber in einzelnen Moorwie- sen, die an der Obei-fläche vortreffliches Heu liefern und auf einer Unterlage von 9 Fuss tiefen guten Torf ruhen. Diese Moorwiesen grenzen am rechten Zaia-Ufer gleich unmittelbar an den Rohrwald an; hingegen am linken Ufer ist die Lapbildung vorherrschend. Auch im Innern des Wasserbeckens (Balaton) liegen grosse Rohrinseln, der Kerek-Lap und Lik von ähnlicher Beschaffenheit. Diese sumpfige Moorniederung zieht sich südlich, abwechselnd mit thonigen Anschlemmungen bis zur P. Kapolna, wo ein Streifen Erlenwald auftritt und endigt beiläufig an der Stelle wo der Eisen- bahndamm den Hatar-ärok überschreitet. Die Eisenbahn hält sich bereits in höherem Terrain und durchschneidet nur hie und da kleine Zsombekmoore . wie zwischen Fönyed und Vors. Der östliche Theil des Moorgebietes beginnt tnit Rohr, welches in festem Thongrund ^ 02 I' o k o r n y. wurzelt, ohne Tori' zu Itildeii. Docli fiiuleii sich aueli hier gegen Feniiyek locale Bihlungen von Zsoinhckmooren. Der (jesiinimtunifiing der im Zaiaer Cornifale vorkoinrnenden 'rorfinoore heträgt nach einer aintliclien Schätzung 72öG Joch, eine Ausdehnung, welclic in der Wirklichkeit gcnviss viel hedeulendi'r isl. 11. Somogyer Coniitat. Hier liegt zunächst das zweite grosse Moor hecke n hei Kel h el y am südlichen Ufer des Plattensees. Es ist durcl-i einen schmalen Streifen erhöhten Landes vom Plattensee völlig geschieden und hat zalih-eiche olVene Wassei^tlächen (Spiegeln) in seinem Innern. Es erstreckt sich nördlich von Balaton-Keresztnr his zur Pnszla Fonyod, südlich his zur P. Sari hei Kethely , ferner östlich his Tot S/,. Pal und Fkizsak. Im Westen wird es von den Bergrücken des Biuo-hegy , im Osten von den Höhen zwischen P. Fonyod und Lengyeltoti begrenzt. In dieser Ausdehnung umfasst dieses Moorbecken mindestens 20.000 Joch oder 2 Quadratmeilen. Ein Torflager von vorzüglicher Qualität befindet sich im Be- sitze des Grafen Hiinyady bei der P. Sari in einem Umfange von ungefähr 17.00 Joch und 3 — 6 Fuss mächtig. Nach den einge- sendeten Proben gehört der Torf zu den besten Sorten, die im un- garischen Tieflande angetroffen werden. Übrigens enthält nach einer Becognoscirung längs des Nagy-Canals auch der nördliche Tlieil des Moorheckens zwischen Balaton- Keresztur und P. Fony()d aus- gedehnte bis 6 Fuss mächtige Torflager, welche hie und da durch thonige Bodenanschwellungen unterbrochen sind. Diese Moore sind obernächlich meist mit Zsombek bewachsen und dienen als Hutweiden. Der südliche Tlieil des Moorbeckens ist fioch sehr wässerig. Die zahlreichen grossen olfenen Wasserlachen sind blos mit Wasser- pflanzen, die keinen Torf bilden, bedeckt. Ihre Tiefe beträgt 2 i)is 4 Fuss Wasser , darunter 2 Fuss Schlamm. Diese Wasserlachen werden von BohrwäUlern umgeben, die auf einer bis 4 Fuss mäch- tigen Schichte von Bohrwurzeln (La|)) ruhen. Es zeigt sich daher auch hier die Erscheinung, dass die gegenwärtig bereits trockenen Bänder des Moores den besten und meisten Torf besitzen. Ausser diesem grossen Moorbecken findet man an den Ufern des Plattensees in der Somogy nur kleine Böhrichtmoore am Rande des Sees, -SO bei Boglär , Leile und ÖsziUl. Untersuchungen über die Torfmoore Ungarns. 103 Noch wer(l(>n im Somogyer Comitat sehr ausgedehnto Torfmoore in den Goinoinden IJarcs und Daraiiy aiiiiegebeii, abt-r als unreif bezeicliiiet. Eine nähere Untcrsiichung könnte allein darthiin, in wiefern diese Nachrichten gegründet sind, da sonst über diese Torf- lager nichts bekannt ist, die grossen Diausümpfe für Torfbildung im Allgemeinen als günstig erscheinen, und über die Qualität und Ver- wendbarkeit des in Ungarn fast ganz unbekannten Torfes leicht unrichtige Ansichten entstehen können. 13. Toluacr Comitat. In den längs des Ka pos -'Canales gelegenen Thalwiesen ent- stehen durch die von Bauern und Hirten gemachten Feuer nicht selten Hoderibrände, woraus auf das Vorhandensein von Torf daselbst ge- schlossen wird. Wahrscheinlich ist hier ein ähnliches Moorthal wie am Sär viz im Stuhlweissenburger Comitate. 13. Baranyacr Comitat. Im Dardaer Bezirke existiren kleine Turflager an der Donau, welche bis jetzt nicht für betriebswürdig gehalten wurden. 14. Eisenborgep Comitat. Ans diesem Comitate sind keine Turflager bekannt. Nur in den Bezirken Nemet Ujvär, Güssing und Vasvar (Eisenburg) wird deren Vorhandensein vermuthet, wesshalb weitere bezügliche Nach- forschungen eingeleitet wurden. 15. Pest-Piliser Comitat 9- In der tiächsten Nähe der Stadt Pest liegen eim'ge kleine Torf- lager am Bakosbache und in dessen Nähe, ja selbst im Stadtwäld- chen, wo die Mächtigkeit bis 6 Fuss angegeben und die Qualität als vorzüglich bezeichnet wird. In den Jahren 1842 — 1843 bat der Bildhauer Ferenczy Torf aus dieser Gegend zum Schmelzen von Statuenbronzc nu't Vortheil verwendet. Herr Prof. Dr. .1. v. Szabo bat diese Torflager, die in einer Längenau>delinung von etwa einer Meile hie und da vorkommen, auf seiner geologischen Karte von Pest angedeutet und im Texte beschrieben. Durch Prof. Dr. A. Ker- •) Dieses und ilie folgenden Comitate des eliemaligen Pest-Ofner Vimu allungsgebietes sind nacl) amtliclieri QiieUen, eigenen Bereisungen und den .Alitttieilungen der Herren Prof. Dr. A Kerner in Ofen und Hr. .1. v. S z a h ö in Fest beschrieben. I 04 P o k o r n y. ner ist das Torflati^ei' in der Niihc des Gartons von Dr. Polya an der Waitzner Eisenbahn näiier bekannt worden. Es gleicht gänzlich den Wiesenmooren bei Moosbrunri nächst Wien und ist noch nicht ganz ausgebeutet worden. Die Näiio einer grossen Stadt dürfte die gänz- hclie Ausbeutung dieser kleinen Torfhiger lohnend machen und ich verweise hiehei auf den allgemeinen Theil, der über die Auffindung und Benützung solcher Torfe handelt. Die Moorbildung im Rakosfelde war in früheren Zeiten weit ausgedehnter , als gegen^^ artig , wie die weite Verbreitung der schwarzen mit Süsswasscrschnecken vermischten Monrerde beweist. Ein grosser Theil des gebildeten Torfes ist durch Austrockuuug und Urbarmachung wieder verloren gegangen, ohne benützt worden zusein. 16. Pest-Solter Comitat. Am westlichen Abhang der Sandhügel und des Sandplateaus, welclie als die letzten Ausläufer des Cserhät-Gebirges nach Süden die Wasserscheide zwischen der Donau und Theiss bilden, liegt eine grosse Anzahl von mitunter bedeutenden Torflagern, welche von dem Wasser des saudigen Hochterrains gespeist werden und meistens den sogenannten Zsombekmooren angehören, die in Ungarn nirgends so grossartig auftreten, wie hier. Man kann sie von Ocsa, ihrem nördlichsten Punkt in einer Längenausdehnung von 17 — 18 Meilen, bis an die Grenze des Banates bei Baja verfolgen. Die Breite dieses Sumpfgebietes, des P est-SoI ter M oorterrains, ist varia- bel, durchschnittlich 1000 Klafter. Einzelne solche Torfmoore finden sich übrigens hier wie im ganzen ungarischen Tieflande in den Mulden des Sandterrains zer- streut vor, so z. B. schon das von Kerner bei der Puszta Gubacs nächst Soroksär beobachtete und jetzt trocken gelegte Zsombekmoor. Das erwähnte grosse Sumpfgebiet aber erstreckt sich nach Prof. Szaho in nordsüdlicher Richtung durch die Hotter folgender Ort- schaften: Ocsa, Sari, Adacs, Peszer, Kun-Szent-Miklos, Szahad- szälläs, Fülöpszälläs, Akasztö, Szont kiiäly, Kalocsa, Keczel, Czä- szartöltes, Hajos, Nadudvar, Sükösd, Csanäd, Szentistvän (bei Baja) bis zur Donau. In den nördlicheren Ortschaften nennt man die Torf- lager Turjäny, in dem südlichen Örieg. Nach einer amtlichen Mitlheilung wird der Flächenraum der Öriegmoräste im Kalocsaer Stuhlbezirk allein auf 18.000 Joch Untersuchungen über die Torfmoore Ungarns. lOö berechnet. Im Kis Köröser Stiililbezirke werdon in der Gemeinde Akaszto 37 Joch, in Acs und Ökerdi l)ei Akasztu gegen 1000 Joch und in Izsak Torflager von unbestimmter Ausdehnung angegeben. Die eingesendeten Proben von Aes-Ükerdi sind theils blosse unver- brennliche Mooreide, Iheiis Zsombek -Torf, zu welchem letzteren aucii die Proben von Akaszto und Izsak gehören. Unstreitig enthalten die ausgedehnten Moräste daselbst auch bessere Torfsorten, welche aus Unkenntniss bisher nicht bemerkt und benutzt worden sind. Jedoch scheinen grosse mächtige und zusammenhängende Torflager diesem Sumpfgebiete zu fehlen. Noch wird im Pest-Soiter Cornitat im Nagy-Köröser Hotter auf der Hutweide daselbst ein mehrere Joch grosses Torflager, Szur- dok genannt, augegeben. Die eingesendete Probe ist Wiesentorf von guter Qualität. Nähere Angaben fehlen. 17. Stuhlweissenburger Comitat. Iii diesem Comitate treten die Moore theils ;im Velenczer See, theils im sogenannten Sar-ret bei Stubiweissenburg auf. Der Velenczer See (Velencze To), dessen Oberfläciie nach der Generalkarte auf beiläufig eine halbe Quadratmeile geschätzt werden muss, ist ganz mit einerMenge von Bohrinseln bedeckt, die grössten- theils nur durch schmale Canäle von einander getrennt sind. Nach Süden setzt sieb der See bei Puszta Dinnye's als moorige Niederung weit gegen Seregelyes fort. Die Piobrinseln bestehen, wie nähere Untersuchungen gelehrt haben, aus compacten 4 — 51/3 Fuss tiefen Massen von Hohrwurzeln, welche scharf begrenzt mauerförmig vom Grunde des seichten Wassers bis über die Oberfläche desselben emporragen. Selbstverständlich bilden diese Massen einen brerm- baren Körper, eine Art Torf, welcher nach erfolgter Aiistrocknung des Sees leicht gewonnen werden könnte. Es ist aber schon an einem andern Orte 1) hingewiesen worden, dass der unfruchtbare Boden des Sees, aus Tlion und grobem festen Sand bestehend, welcher selbst das Bohr zwingt eigentbümliche Wachsthumsverhältnisse an- zunehmen, eine gänzliche Austrocknung des fisch- und vogelreichen Sees, wie sie beabsichtigt wird, kaum als lohnend erscheinen lässt. Die moorigen Niederungen bei Dinnyes gegen Seregelyes sind ^) S. Wiener Zeitung vom II. Februar 1860, |>. 608. 106 Pokoriiy. noch nicht iijiher iintorsiiclit , (hiiften ahor Torf von giilcr Qualität enthalten. Der Sar-ret be i S tn h 1 wei ssenbiirfj^ hestcht ans einem grossen jetzt trocken gelegten Moorhecken und hängt mit einer hin- gen, ahcr sclimalcn Heilie von kloinen Mooren znsammen, welche längs (le.s Sar-viz-Canals angetrotfen weiden. Muthmas>lich setzt sich diesesSystem längs der ganzen Thalmulde desSar-viz his in'sTolnaer Coniitat bei Szegzärd und his zum Einfluss des Sar-viz in die Donau bei Batla fort. Namentlich ist die Donauinsel Ozsäki Tö und die angienzeiide Gegend einer nähereu Untersuchung zu emprehlen. Mir ist nur der eigentliche Sär-ret bis in die Gegend von Egres an der Grenze des Tolnaer Comitates aus eigener Anschauung be- kannt, wobei der Vorstand des Sar-iet-Canalvereines , Herr Gral Ferdinand Zioliy mich freundliclist begleitete. Das grosse Moorbecken bei Stuliiweissenhtn-g beginnt an den Mauern der Stadt und erstreckt sich in seiner Längenausdehnung westlich bis nacli Palota und Ösi im Veszprimer Comitate. Im Süden wird es von den Ortschatten Sar Ladany, Kis Keszi und Sar Szt. Mi- haly begrenzt. In dieser Ausdelinung umfasst es einen F'läcbenraum von beinahe 2 Quadratmeilen. Seine Zuflüsse kommen aus dem Ba- konyer Wald, theils aus der Gegend von Moor, Iheils von Veszprim. Während der Sar-ret in früheren Zeiten ein tbeilweise unzugäng- licher Sumpf war und mau noch jetzt beim Ökeritö-to die Stelle zeigt, wo König Mathias fischte, ist derselbe durch die Canalisirung fast ganz trocken gelegt. Ein Theil in der Nähe der Stadt ist in Ackerland umgewandelt, wozu die schwarze, mit zahlreichen Süss- wasserschnecken verun'schte Moorerde ^ich vorti'etTlich eignet. Der grösste Theil des Sär-rets wird aber als Wiesenland beniilzt. Man suchte hier, ähnlich wie im Laibacher Morast, den 'rorfhodeii durch Abbrennen fruchtbarer zu machen, und dies dürfte der (irund sein, warum der Torf hier verhältnissmässig nicht mächtig und sehr ungleich vertheilt gefunden wird. Sehr viel trägt hiezu die natür- licbe Unebenheit des Bodens bei, welche Vei anlassung zur Bildung zaldreicher sogenannter Inseln, Anschwellungen des thonigen Unter- grundes, gibt. Endlich ist noch zu erwähnen, dass gegenwärtig bei Hochwasser die trüben, schlanunigen Flutiien der Canäle das Land weit und breit mit einem weissen Schlamm bedecken, welcher zu den sterilsten Bodenarten gehört, so dass nur die zähesten Moor- Untprsiidiiingeii über die Torfmoore Uiiffarns. 107 pHiiiizen (eine Art Riedgras, Cladlum Mariscus) eine soielie Über- sciileiiiniuiig aushalten, wäiirend auch sonst keine neuen Pflanzen an diesem Boden sich ansiedeln. Eine Recognoscirnng dieses Moorbeckens von Szent Mihaly aus ergab in den westlicheren und südlicheren Theilen ausgedehnte Strecken, welclie noch gegenwärtig 5 — ^6 Fuss Torf von guter Qualiljit besitzen. Das abgebrannte Terrain in nördlicher und östlicher Kicbtung liegt auffallend tiefer und hat nirgends mehr als 2 höchslens 3 Fuss Torf, ist daher kaum abbauwürdig, und dies um so weniger, als es zum grossen Theile auch überschlennnt ist. Nur eine sehr specielle Auf- nahme mit zahlreichen Sondirungen verbunden, könnte die noch gegenwärtig vorhündenen abbauwürdigen Torflager genauer bt-zeich- nen und es wäre um so dringender, sie bald einer Benülzung als Brennstoff zuzuführen, als sonst der ungarische Torf, wenn er lange trocken gelegt ist, leicht sich in eine bröckelige, erdige unbrennbare Masse verwandelt. Sowohl die Eisenbahn, welche nach Moor geht, als auch jene, welche nachKanizsa führt, durchschneidet den Rand des grossen Stuhl- weissenburger Moorbeckens. An der ersteren kann man in den Gräben, welche den Eisenbahndamm begleiten, sehr schön die Bildung der Inseln beobachten. Sie bestehen hier aus einem Sand, der durch ein kalkiges Bindemiltel verbunden ist und sind mit 1 — 2 Fuss schwar- zer Moorerde bedeckt, während auf den tiefern Stellen ein Torflager ruht, das die Gräben mit braunem Torfwasser erfüllt. Am Eisenbahndamm, der nach Kanisza führt, ist beiSzabad Bat- tyän ein schmales aber langes und wie es scheint sehr gleichförmiges Torflager durchschnitten, welches mindestens 5 Fuss guten Torf enthält. In der Wiese oberhalb des Schlossgartens vonSzabäd Bathyan ist der Torf unbedeutend nur 2 — 3 Fuss mächtig. In der Tbalmulde des S är - viz - Canals kommt der Torf nur parcellenweise hie und da in Lagern von 100 — 120 Joch und von sehr verschiedener Mächtigkeit und Qualität vor. Im Allgemeinen liegt er nicht an dem im böhern Terrain angelegten Särviz-Canale, sondern westlich am Malom Csator (Mühlcanal). So wird in der Wiese bei der Mühle zu Kaloz 3 — 6 Fuss tief Torf angetroffen, während bei Kis-Hörcsök eine Letteninsel durchgeht. Bei Hätvän wird die seichte Toi'fmulde durch eine Insel unterbrochen; auch ist hier in der Nähe des Hauptcanals durch Brand der Boden gesenkt. (Vgl. S. 70.) Südlich 108 •''>!< " '• " y. von ()rs findet man zwischen (Umi holden Canälen wieder Strecken, wo der Torf li — 7 Fuss rniichtiü;' ist. 18. Szolnoker Coiiü at> In der Niilie von Tisza-Ugh (siidlicli von Szohiok) entdeckte Herr Prof. Szaho ein Torfmoor von etwa 200 Joch Flächenraum. Es bihlet sich fortihmernd am Fusse eines ausgedehnten Sandph\teaus und ist nur mit niederen Siim|)f|iflanzen bedeckt. 19. Heveser Coinitat. Aus diesem Comitat sind keine Torfmoore bekannt. Nui- bei dem Dorfe Hakta (westlich von Erhui) wurden von Prof. Szabo bereits im Gebirge zwei durch einen schmalen Sandrücken getrennte Teiche beobachtet, von denen der kleinere mit Sumpfpflanzen filzarlig schon so dicht bewachsen war, dass die Decke einen Menschen trug. In 2 Fuss Tiefe strömt Wasser hervor, in 4 Fuss Tiefe wurde die untere Grenze der Mächtigkeit nocli nicht erreicht. 30. Borsoder Comitat. Nach einer amtlichen Mittheilung sind hier Im Csather Stnlil- bezirk an der Theiss Turfmoore in den Gemeinden Tisza Kürth und Nemcs Bik (nordöstlich von Csäth) und in den Gemeinden Baba, Papi und Igriczi (nördlich von Csäth), ferner in der Gemeinde Csäth seihst. Die eingesendete Probe stammte aus einem Zsombekmoor, welche also hier vertreten sind. Im Stuhlhezirk F^deleny werden im Gebirge östlich und nord- östlich von Edeleny in den Gemeinden Damak , llegymeg und Lak Torfmoore aufgeführt. Die eingesendelen Proben bestanden jedoch nur aus einem stark eisenhaltigen Fjehni, welcher mit Pllanzenwur- zeln durchzogen war. Das Vorkommen ist daher zweifelhaft. 21. JaKiglcn und Hninaiiicn. Im Stuhlbezirke Kelegyhäza soll nach einer amtlichen Mittheihing bei der Puszta Sz. Läszlo (2 Meilen südwestlieh von Felegy- häza) ein Tortlager vorkommen. Da diese Gegend zu den Sandplateaus gehört, so ist das Vorkommen von Zsombekmooren daselbst sehr wahrscheinlich. Untersuchungen über die Torfmoore Uufiarns. 1 QQ In Gross-Ktimanien hat sich die HofTiiung in dem ausgedehnten Siuiipfyohiet des llortohagy Sarrel ci-gii-bigc Toi-flagor anfzuliiiden, nicht bestätigt. Die Eisenbahn durchschneidet zwischen Karezag und Püspök Ladiiny einen Thcil fies Moores aber weder nördlich gegen Sz. Agota im Berecz-Feneker Morast und bei Asszonyszalliis, noch südlich im sogenannten Kun-Lapos und dessen Umgebung sind eigentliclie Torflager zu linden. Fiibenso wenig hat eine Excnrsion von Kis-Uj- szallas nordiJsth'cli in die ehemaligen Siimpfniederungen von Gyalpar und Hallas zur Entdeckung von Tortlagern geführt. Es konmit hier allenthal!)en höcbstens zur Bildung' von Halbtorf der aus Rohrwurzeln besteht, reichlich mit Schlamm gemengt an manclien Stellen 1 — 1 y„ Fuss mächtig ist und eben noch brennt, ohne aber pyrotechnisch nur einig ermassen namhaften Nutzeffect zu gestatten. Das schlannnige Innndationswasser, womit diese Moore zeitweilig (zuletzt bei der grossen Überschwemmung 18S5) gespeist werden, und der starke Salzgehalt des zähen Lehmbodens sind hier das Haupthinderniss der Torfbildung. Bei Kis-Uj -Szallas waren die Gründe nach Angabe des Herrn Apothekers Hollemann 1836 ebenso trocken und als Äcker bestellt, wie 1859; die in der Zwischenzeit bestandene Überschwemmung bewirkte jedoch nur die Bildung von niedrigen Rohr-Zsombeks in dem zähen festen Boden und seichten schlammigen Wasser. Aus dem Graner und Csongrader Comitate sind bisher keine Torfmoore bekannt geworden. 22. B^kes-Csanäder, Nord- and Süd-Biharer Comitat. aj Das Särret Sumpfgebiet. Das grösste Sumpfgebiet Ungarns, an den drei Flüssen Horto- bagy, Berettyo und Sebes Koros gelegen und mit dem allgemeinen Namen Särret bezeiclinet, umfasst einen Flächenraum von beiläufig 30 Quadratmeilen. Es gehört zum Theil auch Gross- Kumanien an und wurde desshalb hier schon erwähnt. Der südwestliche Theil liegt im Bekes- Csanäder Comitat (Stuhlbezirk Szeghalom); der nordöstliche Theil im Nord-Biharei- Comitat (Sluhlbezirk Püspök- Ladany) und der südöstliche im Süd-Biharer Comitat und zwar in den Stuhlbezirken Mezo Kcreszies und Szalonta. Gegenwärtig ist jedoch ein grosser Theil dieses Sumpfgebietes durch die Theissregulirung und durch die Eindämmung und Canalisirung des Berettyo und der j 1 P o k o r 11 y. Körösflüsse vor neuen liminlationen geschützt und dadurch trocken gelegt. Durch geringe BodtMianscluvelkingen wird dieses Sunijifgehiet in drei grosse gesonderte Moorhecken getheilt, in deren Centruni Füszes Gyarmath liegt. Der neue Berettyo Ableitungscaual zwischen Bakonyszeg und Szeghiilom trennt das südöstliche Moorhecken, Sebes Koros Siirret Mocsarok genannt und die von l^'üszes Gyarmath über die Puszten Csefan, Ilarang, Ösveny und Bucsa nordwestlici» sich «M'streckende Bodenerhebung trennt das nördliche Moorhecken. den Berettyo Sarret Mocsai'ok, von dem grossen siidwestlidien Moorbecken, Mcichos zwischen Füszes Gyarmath und Tui- keve liegt, keinen besonderen Namen führt, im Innern sehr unzugänglich und unbekannt ist, dabei eine Längenausdelinung von mindestens 4 Meilen besitzt. Durch geringe Bodenerhebungen, welche sich ferner in der Richtung von Szerep nach Puszta Bucsa und Puszta Ecseg hinziehen, werden die Sär retje hei Püspök Ladtiny und die Hortobagysümpfe bei Karezag und Kis Ujszallas von den genannten drei Moorbecken geschieden, mit welchen sie nur durch sogenannte Er, alte mit Rohr erfüllte P'lussbeete und einzelne kleinere mit Bohr bewachsene Sumpfstellen (Läpos) zusammenhängen. In diesen findet man nur Halbtorf oder Zsombek. Die grossen Moorbecken jedoch haben als die tiefsten Stellen des Terrains bleibende Wasseransammlungen, welche mit einer torf- bildenden Moorvegetation erfüllt sind. Diese besteht aus schwingen- den Decken von Rohrwurzelti , Lap oder Lupös, die zum Thcil schon die ganze Mächtigkeit des Moorbeckens ausfüllen und an der Ober- fläche mähhai-e Wiesen enthalten unil dadurch eine festere Unterlage abgeben. Man nennt sie desshalb Inseln und da sie bei Hochwasser merklicii gehohen werden, hält man sie für schwimmend, welcher Ausdruck jedoch nicht verleiten darf an eine hoi'izontale Foi'thewe- gung derselben zu denken. Eiine solche N'errücknng ist nur in sehr wasserreichen Moorbecken und auch hier nur bei verliältnissmässig kleinen Partien der Moordecke möglich. Diese im klaren braunen Moorwasser sich bildende schwingende Decke oder Läp gibt im trockenen Zustande einen sehr guten reinen aber lockeren und schwammigen Torf. Nach einer aus dem Berettyo Sarret Mocsarok zwischen Füszes Gyarmath und Nagy Bäjom mit- Uiitersiiehiiiigeu iiliei- die Torfmoore Ungarns. 111 geiiomineiipu im Liiboratorium des k. k. polytechnischen Institutes in Wien iiiialysiiten Probe hiit dieser Torf nur 13"2 Pereent Wasser und 11-3 Asche hei einer lleizkraft von 2396 Wärmeeinheiten. Er gehört daher xu den besten Torfsorten des ungarischen Tieflandes. Hiebei ist zu bemerken, dass nicht nur die erwähnten Insehi oder mähbaren Wiesen, sondern überhaupt die ganze llohrmasse des Moorbeckens denselben Torf, jedocli in einem nocli mehr aufgelockerten Zustande entliält. Sehr häufig wird derselbe dalu^r als unreif bezeichnet, da er noch aus den wenig veränderten Hesten der Rohrwurzeln besteht. Über die Mittel denselben zu verdichten muss hier auf den allge- meinen Theil verwiesen werden, (Vgl. S. 74.) Das Moorbecken des Berettyö Sarret Mocsarok, welches nördlich von Füszes Gyarmath liegt, ist am genauesten be- kannt und auch durch den Canal, der nach Nagy Bajom führt, am leichtesten zugänglich. Längs dieses Canals zeigt das Moorbecken die grösste Gleich- förmigkeit in einer Breitenausdebnungvon 1 1/3 Meile. Zahlreiche Son- dirungen sowohl auf den schwingenden Inseln (Lap), (vergl. S. 68), als auch im Röhricht ergaben erst in einer Tiefe von 8 Fuss festen thonigen Untergrund. Die Torf- und Rohrdecke darf durchschnittlich auf S — 6 Fuss veranschlagt M'erden. Darunter befinden sich 2 bis 3 Fuss schlammiger Grund. Unter den Inseln ist die Torfdecke dichter als im Röhricht, im Allgemeinen aber auch hier noch sehr locker. Die schwebenden Inseln sind genau vermessen und auf Prof. Szabö's Tbeisskarte eingetragen. Die grössten, wie der Katalap, Földläp haben 50 — 60, loch, die kleineren, wie der Hamuläp, Csukalap, Furjan u. s. f. etwa 30 Joch Fläche. Ohne Zweifel vergrössern sich diese als Wiese benutzten Strecken allmählich und durch eine Senkung des Wasserspiegels würde das ganze Moorbecken ein ähnliches Aus- sehen erhalten und dabei der bereits gebildete Scliilftorf sich ver- dichten. Die in diesem Moorbecken vor sich gehende Torfbildimg ist nämlich in jenem Stadium begriflen, in welchem der Rohrwald das Becken schon ziemlich ausgefüllt hat und nun in Wiesenmoor, welches auch noch und zwar besseren compacteren Torf bildet, übergebt. Die grosse Ausdehnung dieses Moorbeckens und seine Lage mitten im baumlosen Fhichlande in der Nähe der drei Theisseisen- bahnen lässt dasselbe als besonders wichtig erscheinen. Der Antheil 112 P o k o r n y. der gräflich Blankenstein'sclien Faiiiilio heträgt allein 1 1 .088 Jocli. Die grosse Gieichfünnigkeit desseli)en spricht für eine weitere Aiis- deiinuDg in die benachharten Gemoindehotter. Gegen Bajom, etwa Ya Meile vor diesem Orte ninunt die Mäcchtigkeit allmählich ah. Das braune, aber reine und durchsichtige Moorwasser tnibl sich, der Torf geht in Halbtorf iiber und zuletzt hört im schlammigen Sumpf jede Torlbiidung auf. Die Ausbeutung dieses Moorbeckens würde vor Allem eine (nicht zu bedeutende) Senkung des Wasserspiegels und die hiedurch hervorgerufene Überführung und mohrjährige Benützung des Ter- rains als \\'iesenland bedürfen. Nach erfolgter Ausbeutung wäre die Anlage von Erlenwäldern in dem noch immer feuchten Grunde drin- gend zu empfehlen. Wird dieses Moorbecken ohne Entwässerung sich selbst überlassen, so wird es in einem längeren Zeitraum von selbst in ein \Viesenmoor übergehen und eine um so grössere Masse von Torf sich aufspeichern. Durch piölzliches und gänzliches Ent- wässern aber wird die Torfbildung unterbrochen und es miisste der trocken gewordene Torf bald unmittelbar als Brennstoff ver- wendet werden, weil er sonst leicht verwittert und in eine erdige Masse sich verwandelt. Solche trocken gelegte Torfmassen, die unmittelbar zur Verwendung als Brennmaterial benutzt werden können, hat Herr Professor Szabö auch wirklich am Berettyo in der Nähe von Bakonyszeg entdeckt. Hier konnnt zwischen dem Dorf und Fluss an einer Stelle, welche Lapkaszällo (Läpwiese) heisst, ein Torflager von mehreren Joch Ausdehnung und einer Mächtigkeit von mindestens 6 Fuss vor. Der Torf ist vortrefflich, nur an einigen Stellen durch schwarze schlammige Erdschichten unterbrochen. Ehedem wuchs Rohr an dieser Localität; durch die Canalisirung des Berettyo wurde diese trocken gelegt und verwandelte sich in einen Wiesengrund. In der Nähe befindet sich ein zweites trockenes Torf- lager, aber nur 1 Fuss mächtig. An einer andern Stelle, welche mit dem Namen eges (Brand) bezeichnet wird, sah Professor Szabd eine durch ziegelmeblartige Torfasche ausgefüllte Vertiefung, welche von dem Brande eines Torflagers im Jahre 1836 herrührte. Diese Thatsachen beweisen, dass auch der nördliche Band des Beretlyu Sarret mit Torfbildungen erfüllt sei, welche durch die Ent- sumpfung des Terrains zum Theil schon trocken gelegt sind. Ahn- liche Bildungen, so wie noch vegetirende Läp kommen mit grosser Uiitersiichiiiig'cii üher ilie Torfmoore Ungarns. 113 Wahrscheinlichkeit auch noch in dem Hotter der Gemeinden Rabe, Bäjom, Udviir, Szerep uud Piispök Ladany vor. Das zweite Mo orbecken im Südosten von Füszes-Gyarmath, der Sebes Koros Sär-ret Mocsarok ist wahrscheinlicli noch ergiebiger an Torf. Das Centrum des Beckens liegt zwischen den Ortschaften Csökniö, Komädi und Vesztö. Von letzterem Orte aus besuchte Prof. Szabo dasselbe und fand hier in der Gegend vonTo- sziget (specieller „a koesagos Paldan") einen Lap (schwebende Insel) von etwa 600 Joch Ausdehnung. Man benützt diesen Läp als Wiese und Hutweide und Canäle erlauben eine leichte Verbindung. Es wurden Toifproben bis aus einer Tiefe von 4 Fuss gesammelt; wie gewöhnlich bestanden die unteren Torfschichten nur aus Rohr- wurzeln. Die Mächtigkeit muss sehr bedeutend sein, da man mit einer 2 Klafter langen Stange den festen Untergrund noch nicht erreichte. Ausser diesem grossen Lap gibt es noch mehrere kleinere im Sar-ret der Sebes Koros. — Von der Gemeinde Csökmö wurden Proben eingesendet, die aus einem Zsombekmoor herrühren. Das un benannte Moorbecken im Westen von Füszes- Gyarmath, das man seiner Lage nach Bekeser Stir-ret nennen könnte, ist wahrscheinlich ebenfalls mit Lapbildungen erfüllt. Es ist ganz mit Rohr bewachsen und selbst in der nächsten Umgebung unbekannt und als unzugänglich geschildert, so dass es mir nicht gelang, von Norden in das Innere einzudringen. Herr Prof. Szabo hat von der Puszta Ecseg , also von der Westseite aus, in Gesell- schaft des Herrn Apothekers Bollemann die Gegend „Kep" genannt, besucht und bestätigt die Identität der hiesigen Moorbildung mit jener im nordöstlichen Särret-Gebiete. b) Andere Moore dieser 3 Comitate. Im Nord-Biharer Comitate soll nach einer amtlichen Mittheilung im Hotter der Gemeinde E r-Mihälyfalva (Stuhlbezirk Dioszeg), etwa 6 Meilen östlich von Debreczin ein ziemlich ausgedehntes 1 '/, Fuss mächtiges Torflager vorkommen. Die eingesendete Probe besteht aber nur aus eisenhaltigem Lehm, der von Pflanzenwurzeln durchzogen ist, daher das Vorkommen des Torflagers zweifelhaft erscheint. Doch dürften Zsombekmoore in dieser Sandgegend hie und da zu finden sein. Durch die gefällige Mittheilung des Herrn Prof. Dr. A. Kerner in Ofen sind im Süd-Biharer Comitate mehrere Hochmoore von Sitzb. d. matheni.-iiüturw. Cl. XLIII. Bd. I. Ahtli. 8 I I ;^ I' O U O r II T. gössen» wissenschaftlichen Interesse an der Grenze von Siebenbürgen im Queliengebiete des Szamos beiiannt geworden. Unterhalb der Petra-talhariuliij bei Oncesa liegen in einem von Kalkgebirgen gebildeten Thale drei kleine echte Hochmoore auf der aus Sandstein gebildeten Thalsohle, jedes einige Joch im Flächenraum. Ein grös- seres Hochmoor von 20 — 30 Joch Ausdehnung liegt in Valea Gro- pili, ebenfalls im Quellengebiet der Szamos. (Vergl. S. 61.) 23. Szabolczcr Coniitat. Nach eingesendeten Proben kommen im Amtsgebiete des Nagy- K Ji 1 1 e r und N y i r e g y h a z a e r Stuhlrichteramtes Torfmoore vor, die theils Zsombektorf, theils bessere Sorten von Rohrtorf enthalten. Über ihre nähere Lage, Ausdehnung und Mächtigkeit ist nichts bekannt. Das grosse Sandgebiet dieses Comitates besitzt in muldenför- migen Vertiefungen zahlreiche zum Theile sehr ausgedehnte Zsoni- bekmoore. Auf dem Wege von Debreczin nach Nagy-Käroly finden sich die grössten derselben zwischen Lugos und Nyir-Beltek, und zwar zwischen Hügelreihen, die von dem sterilsten Flugsande gebil- det werden. (Vergl. S. 71.) Inwiefern das grosse Sumpfgebiet des Stuhlbezirkes Kis-Värda . an der Theiss torfhältig ist, ist unbekannt. Die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, dass es ähnlich dem gegenüberliegenden Hosszü-Ret reich an ergiebigen Torflagern ist. 24. Szathmurer Couütat. Hier liegt in der Nähe von Nagy-Käroly an der Kraszna der grosse Ecseder Sumpf (Ecsedi-Läp), welcher nach der General- karte gegenwärtig noch 4 Quadratmeilen bedeckt. Er soll erst in verhältnissmässig neuerer Zeit durch die Überschwemmungen der Kraszna an einer Stelle entstanden sein, wo früher mehrere Dörfer gestanden sind und viele Sagen von versunkenen Kirchen und Schlös- sern knüpfen sich an diese Gegend. Der Sumpf wird in Kürze bei der Regulirung der Szamos durch Canalisirung der Kraszna trocken gelegt werden. Er wird dann nicht nur der Cultur zugeführt, sondern auch bezüglich seiner Torflagci- ausgebeutet werden können, während er jetzt nur Rohr, etwas Erlenholz, Fische und Wild liefert. Der Ecsedi-Läp , welcher bei höherem Wasserstand ausser- ordentlich schwer zugänglich ist, wird jetzt von der Kraszna, welche Uiifprsiieliiiiig-eii über dio Torfmoore Ungarns. 1 1 I> bei Kis-Majteiiy eintiilt und bei Ecsed den Sumpf verlässt, gespeist und durcb ihr trübes Wasser tbeiivveise verscblemmt. Parallel mit der Kraszna gebt ein Canal am nordöstlicben Rande des Sumpfes in der Richtung von Bagos nacb Tyukod und Ecsed. Diese Wasserwege werden aufboren, wenn, wie projeetirt, die Kraszna von Kis-Majteny nordwestlich bei Sälyi in die Szamos geleitet wird. Die Überführung des Terrains aus dem gegenwärtigen Robrwald in Wiesenland wird die näcbste Folge dieser Ableitung sein. Hier, wie in allen grösseren Sumpfgebieten treten mitten im Sumpfe öfters kleine Hügel auf, welche bisweilen nur 2 — 3 Fuss über den höchsten Wasserstand bervorragen und nur einige Quadrat- klafter Oberfliicbe baberi, wäbrend sie in anderen Fällen bedeutend grösser sind. Sie besteben hier meist aus Sand, seltener aus Thon und sind oftenbar Fortsetzungen des bügeligen Terrains der Umge- bung. Auf einem solchen Hügel findet man Reste von Ziegeln zwischen Ecsed und Väliaj (Sär-var genannt), als Spuren eines ehedem hier bestandenen Gebäudes und der Hügel selbst dient als Getreidefeld. Bei Kaplony werden dergleichen kleine Hügel zu Ausflügen und Ruhe- plätzen mitten im Sumpfe benützt. Was nun den Torf anlangt, so ist dieser sehr ungleichförmig im Sumpfe vertheilt. Beträchtliche Strecken sind gänzlich torflos; an anderen ist der Torf durcb Überscblemmung tbeils verdeckt, theils verunreinigt. Doch gibt es auch weite Flächen, die einen ergiebigen und regelmässigen Abbau gestatten \a ürden. Im Allgemeinen ist die nördliche Seite des Sumpfes ergiebiger an Torf, als die südliche. Unmittelbar bei Ecsed, auf der Strasse nach Tyukod ist der Moorgrund mit Thon überwiegend vermengt und wird als Hutweide benützt. Verfolgt man den Kraszna-Canal stromaufwärts, so beginnt erst an der Grenze des Tyukoder Hotters das eigentliche Torfterrain in der Art, dass zunächst am Canal nur schwarzer Moortbon, in eini- ger Entfernung Zsombekmoore und noch weiter vom Canal entfernt Schilfmoore und Erlenwälder auftreten, (Vgl. S. 68.) In beiden letzteren geht der Torf 5 — 6 Fuss tief und in 8 Fuss Tiefe wird erst der thonige Untergrund gefunden. Das Innere des Laps besteht hier abwechselnd aus Erlenwald, Rohrwald und Zsombek. Erst gegen Tyukod beginnen einzelne Rolirwiesen (Lap). Die Sonde ergab auch hier bis in eine Tiefe von 6 Fuss rötblichen, übelriechenden Scbilftorf und erst in 8 Fuss Tiefe den thonigen Untergrund. In den trockengelegten Moor- I 1 (5 P o k o r n y. gründen bei Tviikod werden aussorordeullicli üppige Culturen auf Torfboden gezogen. Aucli am Rande des Sumpfes zwiseben Ecsed und Vallaj, in der Gegend des Sar-vi'tr gibt es mitten im Robre einzelne mäbbare Wiesen (Ldp), vvelcbe sebr übereinstimmend 3 Fuss dicbten braunen und dar- unter nocb 3 Fuss rötblicben lockeren Scbilftorf zeigten. Hier sowie in den daselbst befindlicben für unergründlicb geltenden Wassertüm- peln, die durch kalte aufsteigende Quellen bervorgebracbt werden, findet man ebenfalls in 8 Fuss Tiefe festen Tbongrund. Bei Börvelly ist der Lap am Rande sebr wässerig; 'die stark scbwingende Decke ist an den abgemabten Stellen etwa 3 Fuss tief, darunter bis in 6 Fuss schlammiges Wasser. Mutbmasslicb mag zu diesen Verbältnissen der hohe Wasserstand Ende Juli 1859 beige- tragen baben. Jedenfalls ist aber bier die Torfdecke beträchtlich dünner als beim Sar-var und an anderen Orten. Bei Kalmänd, Kaplony und Domabida ist der Rand des Ecseder Sumpfes weitbin torflos. Man kann in den Canäleti ziemlich tief bis zu dem grossen Hügel Onaj-balom vordringen, man findet aber nur ausgedehnte mit Mannagrütze (Glyceria spectahilis) und Rohr be- wachsene seichte Scblammsümpfe, die zum Tbeile gemäht werden. Ausser dem Ecsedi-Läp w^erden noch in den Gemarkungen der Gemeinden Särköz, Ujlak (4 Meilen nordwestlich von Szathmär- Nemetby), Mikola, Egri und Adorjan (erstere westlich, letzteres nördlich von Särköz) Torfmoore angegeben. Aus dem Arader Comitate sind keine Torfmoore bekannt. 25. Beregh-Fgocsaer Coinitat. Nach einer amtlichen Mittbeilung sollen liier Torfmoore nur im Kaszönyer Stuhlbezirke, hier aber in solcher Ausdehnung vorkommen, dass sie beinahe den zehnten Theil dieses 12-1 Quadratmeilen um- fassenden Stublbezirkes einnehmen. Offenbar sind bier die ausge- dehnten Sümpfe am Szer ny e-Flusse im Norden des Stuhlbezirkes gemeint. Die eingeschickten Proben bestanden jedoch nur aus Moor- thon und Halbtorf, daher das Vorkommen von eigentlichen Torflagern daselbst zweifelhaft bleibt. Der im Beregbszaszer Stubibezirk (2 Mei- len südlich von Munkacs) gelegene grosse Szernye- Sumpf am Fusse des Gebirges scheint für Torfbildungen ungleich geeigneter zu sein. Es ist jedoch hierüber nichts näheres bekannt. Untersuchmijjeii über die Torfmoore Uiig^arns. 117 Ü6. Zoiiipliuor Coinitat. In diesem Comitate kommt im sogeirannten Bodrogköz (in dem Landstriche zwischen dem Bodrog und der Theiss) ein ausgedehntes Sumpfgebiet, der Hossz u-ret vor, welches nach der Generalkarte einen Flächenraum von mindestens 5 Quadratmeilen einnimmt. Ge- speist wird dieses Sumpfgebiet von den Hochwässern des Bodrog und der Theiss. Da aber gegenwärlig die beiden Flüsse hier schon eingedämmt sind und dadurch das Inundationswasser seit mehreren Jahren abgehalten wird, so ist der grösste Theil des Bodrog-köz bereits trocken gelegt und der Cultur zugeführt. Nur im tiefsten Theil kommt in südöstlicher Richtung, der Theiss näher gelegen, noch jetzt echte Moorbildung vor, dürfte aber, wenn künftige Inundationen wirklich abgehalten werden, bald nur auf einen sehr beschränkten Raum sich zurückziehen. So weit im ßodrog-k(3z das trübe, schlammige Inundationswasser reichte und bald durch Verdunstung oder Abfluss sich wieder verlor, findet man nur schwarze Moorerde und Moorthon, aber keinen Torf. Man sieht dies sehr deutlich auf der ganzen Strecke z\\ ischen Säros- patak und Luka, wo selbst in den Wiesen nur zäher Moorthon, frei- lich oft mehrere Fuss tief mit Pflanzenwurzeln durchzogen auftritt. Erst östlich von Luka gegen Käräd beginnt das eigentliche Moor- gebiet, wohin das Wasser entweder nur filtrirt durchsickert oder wo es permanent nach Überschwemmungen zurückbleibt und daher Zeit hat sich zu klären. Dieses Terrain hat eine sehr grosse Anzahl von offenen Wasserspiegeln oder Teichen (tö), die freilich jetzt rasch abnehmen. Ebenso zahlreich sind kleine niedere Sandhügel (Homok), mitten im Sumpf als Felder benutzt. Dazwischen breiten sich Röh- richt (Nadas) und feuchte Wiesen (Läp) aus, unter denen 3 — 6 Fuss tief Torf, zum Theil von sehr guter Qualität liegt. Zwischen Luka und Kärad beginnt das Torfterrain erst hinter dem Het-Ieanytö mit einzelnen Röhrichten und Lapos von geringer Ausdehnung. Später (beiläufig im zweiten Drittel der Entfernung zwischen beiden Orten) tritt ein zusammenhängendes grösseres Torfterrain auf, aus welchem nur einige Hügel, wie der Molnarhomok, derNagy-und Kis-Homok inselartig emporragen. Dasselbe reicht mit ö — 6 Fuss Mächtigkeit bis zum Nagy-to bei Käräd , wo ausseror- dentlich üppige Culturen von Tabak, Kraut, Sonnenblumen, Mais und 1 1 O I' o k o r II y. Kürbis in dcM- Jiufgeschürften , hrauiieii, leichten Torferdc iliren Anfang nehmen. Der südüstliche Rand des Sumpfgebietes zwischen Karad und Czigand ist wieder torflos und schlammig. Von Czygand nordwest- lich gegen das Innere des Hosszuret, gelangt man zunächst in immer weiter fortschreitende CiiUiiren, die an der Grenze noch in Halbtorf angelegt sind. Hirse, Sonnenblumen, Hafer und später Weizen, Mais und Bohnen werden mit gutem Erfolge gebaut. Dringt man noch weiter gegen Karcsa vor, so kommt man wieder in ein eigentliches Moorterrain, welches hier aber viel schmäler und trockener, als bei Kärad ist. Im Csaki-Lap gab die Sonde 6 Fuss, sonst nicht über 4 Fuss tiefen Torf, der theilweise durch Schlammschichten unterbrochen ist. Gegen Paczin und Karcza liegen grosse Zsombek-Moore, deren halbtorfiger Untergrund höchstens 2 Fuss tief geht. Die Zsombek- Moore sind auf der iVordseite des Hosszü-ret überhaupt sehr stark entwickelt, wie man von dem Horosztos-Hügel aus, der eine schöne Übersicht des ganzen Moorterrains gewährt, sich überzeugen kann, während sie gegen die Theiss zu fehlen. Im Ganzen dürfte das eigentliche Torfterrain des Hosszü-ret, die Teiche und Hügel eingeschlossen, auf mindestens eine Quadrat- meile zu schätzen sein. Der Torf ist in Folge der Austrocknung schon ziemlich dicht, daher die Mächtigkeit im Allgemeineti nicht so bedeutend, wie in anderen wässerigen Mooren; bei fortschreitender Austrocknung und Cultur aber wird der Torf durch Umackerung des Bodens an vielen Orten bald ganz verschwinden, indem er sich durch Verwitterung in unverbrennliche Moorerde verwandelt. 37. Saroser Comitat. Nach einer amtlichen Mittheilung des Herrn Baron Kloch- Korniss kommt auf dem Hertnecker Terrain 2Meilen südöstlich von Bartfeld in einer herrschaftlichen Wiese von 5 Joch Torf bis l) Fuss mächtig vor. Der Umstand, dass in diesem Torfmoore Quellen mit SchwefelwasserstofI", in den unteren Schichten zahlreiciie Con- chylien und an der Oberfläche der Mangel eigentlicher Torfpflanzen hervorgehoben wird, deutet darauf hin, dass es ein Wiesenmoor ist. Der Torf wird als Dünger verwendet. Untersuchungen über die Torfmoore Ungarns. j j {) 38. Zipscr Comitnt. Aus diesem Comitate sind vorziiglielie Proben eines erdigen dunkelbraunen Torfes, wie er in Hocbmooren vorzukommen pflegt, jedoch ohne nähere Angabe der örtlichen Verhältnisse eingesendet worden. Diese Proben stammen aus der Gegend von Käsmark und zwar von Neu-Walddorf (I1/3 Meile westlich von Käsmark), von Bela Rokusz (l'/i Meile nordwestlich) und von Hunsdorf (Y^ Meilen südwestlich von Käsmark). Diese ganze Gegend liegt bereits im Gebiete des nach Galizien fliessenden Poprad, am östlichen Abhänge der Tatra und am Fusse der Loninitzer Spitze. Auch werden nach einer münd- lichen Mittheilung des Prof. Jermy in Kis-Uj-Szälläs Hochmoore von einer Stunde Längenausdelinung am Fusse des Stösschens 1 1/2 Meile nordwestlich von Käsmark im Thale gelegen angegeben, welche wahrscheinlich mit den von Bela-Rokusz identisch sind. Überhaupt scheint hier am östlichen Fusse des Tatragebirges ein grösseres Torfinoorgebiet dem grossen Moorplateau in der obern Arva analog aufzutreten. 29. Aba-oj-Tornaer Comitat. Drei Meilen südwestlich von Kaschau liegt der Kanyapta- Sumpf, in welchem und in dessen Nähe Torflager vorkommen. Nach einer Mittheilung des Szepsier k. k. Stuhlrichteramts werden in den Gemeinden Szepsi, Makraucz, Csecs (beide 1 Meile östlich), Pany (IVa Meile nordöstlich), ßodollo (1/3 Meile südlich), Janok(l Meile südlich) und Buzita (2 Meilen südöstlich von Szepsi) Torflager an- gegeben, welche bei dem Holzreichthum der Gegend keine Verwen- dung finden und gelegenheitlich durch Hirtenfeuer entzündet werden. Über ihre Mächtigkeit und Ausdehnung ist nichts Näheres bekannt. Der k. k. Bezirksarzt Herr Dr. Julius Fränkel hat befriedigende Ver- suche über die Brauchbarkeit dieses Torfes angestellt und Proben eingesendet, welche einem schwarzen, erdigen Torf mit viel Aschen- gehalt , wie er in den ungarischen Flachmooren vorzukommen pflegt, angehören und gehörig gebaggert und mit Stroh gemengt, sehr haltbare Ziegel bilden. Anmerkunn;. Aus dein Gömörcr, Unghvaer und Marniaroser Comitat sind keine Torfmoore bekannt. 120 P o k o r n T. 30. Temeser Banat. Ein Besuch des grossen Alil)uiiarer Morastes hat nicht die UofT- nnng bestätigt, welche der Sumpf, vermöge seiner Ausdehnung und Lage hinsichtlich des Vorkommens von Torflagern zu erwecken geeignet ist. Die trüben Wässer, die den Morast speisen und die geringe Tiefe des ganzen Morastbeckens, welche an den tiefsten Stellen 4 — S Fuss nicht übersteigt , sind die Hauptursachen, dass es hier nur zur Bildung eines sehr schwarzen, mit Humus- körpern der verwesten Sumpfpflanzen stark vermengten Moorthones, nicht aber zur Bildung von Torf und brennbaren Moorproducten kam. Nur der innerste Tlieil des Morastbeckens ist gegenwärtig noch mit Böhricht bedeckt, welches hier aber keine schwingenden Decken (Lap) bildet, sondern unmittelbar in dem zähen Untergrunde aus Thon wurzelt und dichte, bis über das Wasser-Niveau reichende stark verschlämmte Massen bildet, die bei etwaiger völliger Aus- trocknung als fast unbrauchbarer Halbtorf erscheinen würden. Dieses Röhricht ist von einem mit niederen Sumpfgräsern bewachsenen völlig torflosen Sumpfgürtel umgeben, der bei niederem Wasser- stande wie der ganze Sumpf durchwatet werden kann. Der grösste Theil des Morastes ist aber als Wiese oder Feld oder Weingarten der Cultur übergeben. Bei der Begehung und Umgehung des Alibunarer Morastes wurde jedoch in Erfahrung gebracht, dass der in nordwestlicher Richtung davon befindliche nun ganz trocken gelegte Illancaer Morast torf- hältig sei. In der l'hat befindet sich hier bei Sandorf in der Rich- tung gegen Illanca ein trockenes Torflager unter einer ganz trockenen Wiese. Es ist grösstentheils ausgebeutet und zum Theil durch Erd- brände und Umackerung zerstört. Zur Zeit meiner Anwesenheit brannte eben ein Theil desselben ab, eine 18 Zoll tiefe Aschendecke zurücklassend. Der unter dem Rasen der Wiese liegende Torf ist aber selbst nicht über 2 Fuss mächtig. Er gleicht manchen Sorten von blätteriger Braunkohle und kann unmittelbar zum Brennen ver- wendet werden. Es sind noch einige Parcellen solcher Torfe, jede von einigen Jochen Ausdehnung, in dieser Gegend vorhanden. Ahn- liche Bildungen sollen auch bei Ürmenyha z a, ja selbst zwischen UiilersucliuiigL'ii iiher die Torfmoore Uiii^ariis. 121 Paulischund Vlajküvec an der Ostseite des Alibunarer Morastes vorkommen. Von anderen Torflagern aus der serbischen Wojwodina oder dem Temeser Banate ist nichts Näheres bekannt. Übersicht des Inhaltes. Seit« Einleitung S* Die ungarischen Torfmoore im Allgemeinen S8 1. Ungarische Hoelimoore 60 2. Ungarisclie Flaclunoore "1 Untergrund Speisung 62 Mächtigkeit 63 Entstehung • • Moorheclien 66 Moortliiiler • 70 Moormiiiden '1 Übersicht der sporadiselien Flachnioore 72 Torf der ungarischen Flaclimoore 73 Vertorfte Pflanzen 74 Eigentlicher Torf 75 Ausbeute und Neubildung des Torfes 80 I>ie ungarischen Torfmoore im Besonderen 82 i. Pressburger Comitat — a) Moor Schur bei St. Georgen — h) Moor zwischen Laab und Zankendorf 83 c) Moore auf der grossen Insel Schutt 84 2. Oher-Neutraer Comitat — 3. Unfer-Neutraer Comitat — 4. Comorner Comitat 8S 5. Trentschiner Comitat 86 6. Arva-Turoczer Comitat — 7. Liptauer Comitat 87 8. Wieselhurger, Ödenhurger und Raaber Comitat — a) der Hanszäg-Sumpf — hj andere Torfmoore im Raaber Comitate 97 9. Veszprimer Comitat — 10. Zalaer Comitat 98 li. Somogyer Comitat 102 12. Tolnaer Comitat 103 13. Daranyaer Comitat — 14. Eiseiiburger Comitat — 13. Pest-Piliser Comitat — 16. Pest-Solter Comitat i04 17. Stuhlweissenburger Comitat lOS 18. Szolnoker Comitat 108 19. Heveser Comitat • — 20. Borsoder Comitat — 21. Jaszigien und Kumanien • — 22. Bekes-Csanäder, Nord- und Süd-Biharer Comitat 109 a) das Sär-ret-Sumpfgebiet — h) andere Moore dieser 3 Comitate 113 23. Szabolczer Comitat 114 122 l'okoi'iiy. Uiitersiicluiiig'on iihei- die Torfmoore riifjanis Si-ite 24. Szallimärer Comitat il4 2ö. Beiciifh-Ugocsaer Comitat 1IG 26. Zein])liner Comitat 117 27. Saroser Comitat HS 28. Zipser Comitat 119 29. Abanjioinaer Comitat 30. Temcser lianat 120 Alphabetisches Verzeichni.s.«» der in der Kurte eingetragenen Torfni oore Ungarns. (Die in Klammern eing-eschlossenen Nummern beziehen sich auf die Karte.) Arvaer Moorplateau (1) 86 Bakta (Hevcs) (43) 118 ? Bares (Somogy) (58) 103 Bekeser Särret (9) 113 Bela-Rokusz (Zips) (26) 119 Berettvo Särret Mocsarok (53) . . 111 Böös (Presshuro-, Ins. Schutt) (31) 84 Csdth (Borsod) (63) 108 Cserne (Trencsin) ( 19) 86 ? Darany (Somogv) (.59) 103 ? Darda"(Baranya) (55) — Dinnyes (Stuiilwci.sscnl)urg) (42)105 Dubrova (Liptau) (21) 87 Ecs (Raab) (34) 97 Ecsedi-Läp (Szatlimar) (10) 114 ? Edeienv (Borsod) (68) 107 ? Er Mihalyfalva (Nord-Bihar)(69)113 Füred-Tihany (Zala) (37) 100 ? Ghymes (Unter-Neutra) (50) . . 84 ? Güssing (Nemet-Ujva'r, Eisen- biir 11 J IJ, Tri Sp,.u ' 19 (jcrnt /r/rr Otrllf l üubrv ( ■» 1 rin, r / / Irin ti r 1 h. r tl u Trjtfl 1 ] 1 11 III rr. l-lii.Uuio.nr liRchriililulVirsriillUM '. Sehurmuor iPreßbitrg i BnisiFi-rßhura Jus .Miil ' Lttitli iFrrfjtliurffi ! ./in/! iComern i :.,du R„ul, .17 Fürrd Tihii. .1.! Si„,l„,Hl, il> h'övcA.,W, I 'II' Jlulrosfrld .frsl Pilif , 11 .V„yy Kätdt , tril Seil i •II Di'inijcsiSttü\ln'r\fatnhurtj I ■I.; Biikui .Brnrjr, 'i'i Iiiinijiifitu SumiiS Milirla ( ■'"•""••'"■ 17 Urrliirk ,(am i .-,llTjl„imis'ri,l,r.yrulra , ■:i Jfriiltriimhrnlrr.yriilni , .-.:' .lii/slli lObtrXrtilm . .;.! 'Tr.,lijr iTrrnisiii i ■Hl 'J\eriit/r .i'ampf'Bfretjh l'iic ,i.l fDnrihi iBantntjn I JA 'öi'ifiiny tJi'e'met Ijv .'il ' Västnir ' Eisrnhnnj jS 'Biiriw ] ,, Ml ■Biirim,, I •'"""■.'/.'/ l/l> 'fnuhsclt >Ltinitt / lt. Z.s-filiiLfUinuorr dl fiittln liiilmri iTr.,! .MI , i>! Ti..') ■ErMlhnUjfidnii ,.Vrri/ Bihn ißUmbiirgl ^.fp„niili.^ ähnlicher Zähne. Wesentlich stimmen hiermit überein "^P^ auch Osphromenus, Spirobranchus, TricJiopus {striatusj und Betta. Die Gattung Ophicephalns weicht hingegen, wie Fig. 41 Fig. 41. ^^" Oph. striatus zeigt, auch in Form und Bezahnung <^., ^ der untern Schlundknochen bedeutend ab, die in letzter ^^^M^^ Reihe viel längere und stärkere, compresse Zähne W^ tragen. — Die Unterschiede der einzelnen Gattungen in Betreff der Bezahnung des Mundes und der Bewaffnung der Deckel- stücke übergehe ich hier, da ich nur bereits Bekanntes wiederholen müsste. — Die Labyrinthfische stimmen hingegen meist noch in folgenden Punkten (ausser den verschiedenen Vorrichtungen, die man unter dem Namen „Labyrinthe" zusammenfasst) überein. Erstlich fehlt ihnen eine fransige Nebenkieme und namentlich bei Anabas stellt diese einen schmalen dreiseitigen Drüsenlappen vor, dessgleichen ist sie drüsig bei Spirobranchus; bei Polya- canthus stehen dagegen kurze Fransen tief unten, gerade über dem vorderen Ende des ersten Kiemenbogens, auch Ctenopoma ') Wie sich die seiir diiiiiieii Slaclielii bei lietla verhalten, veiina^' ich zuloige des über den Flossenbau der Fische. 139 zeigt eine Spur von solchen. Zweitens erstreckt sich die Schwimm- blase über die Bauchhöiile hinaus, meist bis gegen das Ende des Schwanzes, jedoch in abweichender Weise. Bei Anabus reicht sie, in einen Zipfel auslaufend, jederseits bis unter den letzten Wirbel und liegt in einer Höhlung eingeschlossen, welche längs der unteren Dornfortsätze dadurch zu Stande kommt, dass rippenähnliche, von den Apophysen abgehende Knochen, zwischen denen sich eine dünne verbindende Haut ausspannt, gleichsam eine Kapsel um die Schwimm- blase bilden und zugleich eine Scheidewand von den darüber liegenden seitlichen Muskeln. Diese, von den unteren Dornfortsätzen abgehenden Rippen verhindern ohne Zweifel, dass die Schwimmblase durch die Schwanzmuskeln nicht so leicht comprimirt werden kann. Ganz gleich verhält sich auch Trichopus und (wie sich mindestens nach Valen- ciennes' Angaben schliessen lässt) Colisa. Bei den anderen von mir nicht näher untersuchten Gattungen sieht man die weit zurück- reichende Schwimmblase schon bei der Seitenansicht eines solchen Fisches durchschimmern. Auch bei Ophicephalus reicht die Schwimm- blase bis nahe zur Caudalbasis, wird aber hier von Rippen geschützt, die von den untern, sich nicht in Dornfortsätze vereinigenden ßogen- schenkeln der Schwanzwirbel selbst abgehen i)- — Bei Macropodus und Spirobranclms soll eine Schwimmblase gänzlich fehlen? Was die Schuppen anbelangt, so schliessen sich die meisten Gattungen den Pomacentrinen an, doch unter mancherlei Über- gängen und Modificationen. Bei Anubas sind die derben, festsitzen- den Schuppen mehr kurz bewimpert als gezähnt zu nennen und an der Obertläche körin'g rauh; bei Osphromeiius, Spirobranchns und Polyaca7ithus werden die grösseren gegen den Rücken zu bereits echt ctenoide, während sie dagegen am Bauche nur fein bewimpert und am Kopfe ganzrandig sind; Trichopus, dessen lange Anale wie bei Squamipennen fast bis zu den Strahlenspitzen beschuppt ist, besitzt durchwegs (auch am Kopfe) nur ctenoide Schuppen, so auch Betta. Die Seitenlinie mündet mit weiten aufgesetzten Röhrchen und bricht bei Anabas unter den letzten Dorsalsfacheln ab, setzt sich aber so- gleich in halber Höhe des Schwanzes bis zur Caudale fort; ebenfalls schlechten Erhaltungszustandes meiner überdies kleinen Kxemiihire nicht anzu- geben. 1) In ähnlicher Weise setzt sich die Scliwiinniblase unter dein Schwanzstiele bei Epi- cyrltts u. a. Characinen fort. 140 K n p r. unterbrochen ist die Seitenlinie bei Helostoma, Spirobi'anchus, Ctenopoma und Polyacnnthus. Bei Ospliromemis verläuft sie gerad- linig und ununterbrochen fort, letzteres findet auch bei Trichopus Statt. — Die Gattung Ophicephuhis weicht hingegen auch durch Form und Structur der Schuppen des Rumpfes wesentlich ab und erinnert vielmehr an manche Gobien. Sie bilden am freien glatt- Fig.42. rand igen Ende einen gothischen Spitzbogen und sind mit den Rändern parallelen groben Leisten daselbst besetzt, die öfters (z. B. bei Oph. planiceps) körnig rauh erscheinen. Der Rand des festsitzenden Endes ist geradlinig und fein gekerbt, zufolge paralleler gegen das Centrum laufender Furchen; ausserdem zeigen die Schuppen sehr zarte concentrische Streifung und sind zwar im strengen Sinne des Wortes nicht cykloide, aber auch nicht ctenoide zu nennen. (Fig. 42 von Oph. striafus etwas vergrössert.) Die grossen, den Scheitel bedeckenden Schuppen sind am freien Ende mit noch gröberen Leisten geziert, die aber nicht in Spitz- bogen sich vereinigen, sondern wellige Krümmungen machen; durch diese verschiedene Structur ist sogleich die erste Schiippenreihe des Vorderrückens von der letzten des Hinterkopfes zu erkennen. — Die Seitenlinie mündet durch lange aufgesetzte Röhrchen, die aber besonders gegen den Kopf zu auf jeder Schuppe eine blasige Auf- treibung bilden; die Kopfcanäle münden in ziemlichen Abständen gewöhnlich durch ein Paar grosser Poren; am Vordeckel und Unter- kiefer sind sie nahezu in gleichen Entfernungen zu Gruppen von 3 — 4 oder öfters, wie bei Oph. planiceps zu 5 — 8 neben einander angebracht.) Labroidei. Die Labroiden stimmen bezüglich der Flossen alle darin über- ein, dass keine derselben heteracanth ist, die meisten sind entschie- den homacanth, bei einigen bleiben jedoch die Stacheln so dünn und biegsam, dass sie sich hierin den einf;ichstrahligen oder h a p 1 o p t e r e n Fischen annähern. Was zunächst die typische Galtung Labnis an- belangt, so sind die Stacheln völlig symmetrisch, an der vorderen Seite abgerundet und an der hinteren von einer Längsfurche durch- zogen, in welcher sich die derbe Flossenhaut festsetzt. Von da, wo diese aufhört, erscheint aber die Hinterseite des Stachels bis zur Spitze rinnen- oder löfl'elarlig cüncav(sie nimmt sich fast wie eine zu- gespitzte Feder aus), eine derart charakteristische Form, dass sieallein über den Flossenbau der Fische. 141 genügt, um blos bei Ansicht eines solchen Stachels sagen zu dürfen, dass der Fisch, dem dieser angehörte, nur ein Liibroid sein konnte. Der Hohlraum im Innern des Stacliels ist meist sehr deuth'ch, da gewöhnlich die bräunliche Bildungspulpa desselben durchschimmert. Der Stachel wird auf dem Fiossenträger durch ein starkes Band be- festigt, welches von einem kleinen isolirbaren vorderen Schaltstücke ab- und durch das weite Loch an der Basis des Stacliels hindurch- geht, um das hintere sich erhebende Ende des Trägers zu erreichen. (Fig. 43 n das obere Ende eines Stachels von Lahr. Fig. 43. trimacidatus, von hinten, 43 b der Träger mit dem den Stachel festhaltenden Ligamente.) — Ein zweites für die Stachelflossen der Labroiden bezeichnendes Merkmal besteht in der dichten Umhüllung derselben von Körper- liaut und in dem von der Hinterseite der Stacheln oben a b abstehenden Lappen, welcher jedoch nicht einfach häutig ist, sondern meist mehrere primäre Fasern und Hornstreifen enthält, wodurch diese Lappen einigermassen an die Fähnchen von Polypterus er- innern. In allen wesentlichen Punkten mit Labrus stimmen überein: Cossyphus, Crenilabrus. Ctenolabrus. Coricus, Tuiitoga, Cheilinus, Epibidiis, Anampses und viele Arten Julis und Halic/ioeres. Bei einigen der letzteren werden aber die Stacheln so zart, dass sie biegsam sind, auch verliert sich die in die löffelförmige Vertiefung übergehende Längsfurche an der Rückseite und die Spitze des Stachels erscheint drehrund, doch heftet sich noch das mit Faser- strahlen durchzogene charakteristische Fähnchen an, und der Stachel ist mit dem Träger noch in gleicher Weise verbunden, wie bei den übrigen Labroiden. Eben so verhalten sich die allerdings meist steifen Stacheln bei Xoraciila (und XiricIitJiys), denen aber bei einigen Arten zartere und biegsamere vorausgehen. Noch ähnlicher den einfaclien Strahlen werden die dünnen biegsamen Stacheln bei Clieilio, die man geradezu als malacanthe bezeichnen könnte. Sie unterscheiden sich nebst dem Mangel jeder Spur von Gliederung wesentlich von den Gliederstrahlen nur durch ihr Gelenkende und die Verbindung mit dem Träger. Diese erfolgt nämlich ebenfalls mittelst eines Bandes, welches das runde Loch an der Stachelbasis durchsetzt und über welchem ein kleiner Höcker vorspringt, während bei den Gliederstrahlen die seitlichen Hälften gegen das Gelenk zu allmählich divergiren und eine mehr minder lange dreieckige Öfl'nung 1 42 K n e r. zwischen sich frei h»ssen, über welcher kein Höcker liegt und die Treiinnngsfurche der seitlichen Hälften des Strahles auch au der Vorderseite sichtbar bleibt. (Fig. 44 a Stachel von Ch. hemichrysos Fig. 44. von vorne, b von der Seite, c Basis eines Gliederstrahles von vorne.} — Was endlich die Stacheln von Scarns (und CulIyodo)i) betrifl't, so enden diese nicht blos in biegsame, sondern geradezu häutige Spitzen, welche statt der bei anderen Labroiden hinten abstehender Fähnchen, selbst von Fasern oder Hornstreifen durch- setzt sind 1). Bezüglich des Gelenktheiles und der Verbindung mit den Trägern stimmen sie mit den vorigen überein und unterscheiden sich in beiderlei Hinsiclit wesentlich von den Gliederstrahlen. (Fig. 45 a Basis eines Stachels von vorne, b von Fig. 45. der Seite, c das vor ihm liegende Schalt- stück des Trägers, auf welchem das den Stachel festhaltende und durchbohrende Band sich anheftet; d Gelenkende eines Gliederstrahles von vorne; e von der j_^>.^ *w Seite;/'beiderseits steil abgedachtesSchalt- c h f e stück, welches sich in die dreieckige Ein- buchtung zwischen den Gelenkhöckern des Gliederstrahles einschiebt und selben in seiner Lage festhält.) Die gliederstrahligen Flossen zeigen mitunter einige Eigen- heiten bezüglich der Theilung. Gewöhnlich ist die Gliederung ein- fach quer und die Theilung der Strahlen namentlich in der Caudale und den Brusttlossen eine mehrfach gabelige. Bei Cheilio hemichry- sos geht aber letztere nicht weiter als bis zur doppelten Dichotomie und bei Cheilio aurahis bestehen auffallender Weise sämmtliche Strahlen nur aus wenigen aber langen Gliedern, und in der Rücken- und Afterflosse bleiben mit Ausnahme der letzten Strahlen alle übrigen ungetheilt und die der Caudale sind blos einfach gabelig ge- spalten 2). Bei Julis, Halichoeres und Äiiampses theilen sich die 1) Man könnte sie so zu sagen, unfertige Stacheln niMinen, deren elementare Bestand- theUe an der Spitze noch gesondert und sichtl)ar bleiben. 2) Das eine vorliegende Exemplar ist allerdings ein jiinsjes von nur 3 Zoll Länge und es dürfte vielleicht die Gliederung und Theilung der Strahlen häufig erst mit den: Alter iiinehmen und ebenso ein Ausdruck der Weiterbilihiiig sein als oft anderseits das Verschwinden der Gliederung durch Verschmelzung der Glieder in continuirliche Üher «len Flosscnbau der Fische. 143 Gliederstrahlen der Dorsale und Anale sämmtlich blos anderthalbmal, d. h. der vordere Gabelast nicht mehr, der hintere jedoch abermals ein- oder selbst zweimal; die Endstrahlen der Caudale sind polytom, die inneren dreifach gespalten. Bei Nooacnla (pentadactyla) finde ich alle Strahlen der Rücken- und Aftertlosse, mit Ausnahme der letzten, wieder ungetheilt. Die Scariden stimmen bezüglich der Theilung der Dorsal- und Analstrahlen dagegen im Wesentlichen mit Julis überein i)- PoinacentrinI s. Ctenolabroidei. Die dieser Familie eingereihten Gattungen können auch in An- betracht ihres Flossenbaues mit Recht Verwandte der Labroiden genannt werden; sie sind ausgezeichnet liomacantheFischeund so- wohl der Bau ihrer Stacheln als auch deren Verbindung mit den Trägern bleibt sich bei allen Gattungen wesentlich gleich. Der Unterschied besteht nur darin, dass an der Rückenseite der Stacheln die mediane Längsfurche, in welcher 6\e Membrana propria radioruni sich festsetzt, bis gegen die Spitze gleich schmal bleibt und nicht wie bei Labroiden sich zu einer löffelartigen Vertiefung ausbreitet; auch fehlt daselbst ein Fähnchen. Der Stachel zeigt übrigens einen bis nahe zur Spitze reichenden Hohlraum im Innern, der theilweise von bräunlicher oder röthlicher Masse ausgefüllt ist, aber mit dem die Basis des Stachels durchdringenden Loche nicht communicirt. In dieses Loch greift eine verhältnissmässig lange Spitze ein, welche vom Hinterrande eines kleinen vom Träger isolirten Schaltstückes sich fortsetzt und fast bis an den Höcker reicht, in welchen der Strahlenträger sich hinter dem Stachelloche erhebt; ein dieses Loch durchsetzendes Ligament konnte ich hier, wenigstens j-^g^ 46. bei Poniacentrus , nicht wahrnehmen. (Fig. 46 a Schaltstück mit der eingreifenden Spitze; b Gelenk- theil eines Stachels von Glyphisodon 7 — fasciatus, & von vorne; c von der Seite. Jederseits über dem Loche « Knochenplatten z. B. bei alten Siluroiden. Characinen ii. A. als Folge einer im Alter vorschreitenden Verkalkung und Rückbildung erscheint. Für diese Verniuthung sprechen auch noch andere Tliatsachen, wie z. B. bei Cottus, in dessen Biustflossen das Verhaltniss und die .\nzahl der einfachen und getheilten Strahlen ebenfalls nicht constant bleibt. 1) In Betreu' anderweitiger Verhältnisse, die für die Systematik von Belang sein können, verweise ich auf meinen Aufsat/.: „Über die Charakteristik der Labroiden-' in den Silzb. der kais. Akademie 1860, Märzheft. 144 K n e r. tritt ander Vorderseite des Stachels ein Knorren vor, und seitlich ist eine Furche daselbst sichtbar, sodass es scheint, als trete zu den einen hinteren seitlichen Hälften dieser Stacheln auch noch ein vorderes Belegstück hinzu.) — Bezüglich der gliedcrstrahligen Flossen Helen mir keine erwähnenswerthen Eigenheiten auf. Untersucht wurden nebst den bereits genannten Gattungen noch Heliases, Amphiprion, Premtias und Etroplua. Was die Seh luridknochen anbelangt, so erweisen sich zwar alle als pharyngognath im strengsten Sinne, da die untern in ein einfaches Stück ohne Spur einer Nath oder Trennungsfurche ver- schmolzen sind, doch ist die Form und Grösse desselben nicht blos nach den Gattungen, sondern selbst öfters nach den Arten verschieden, und ich glaube einige der auffallenderen Unterschiede hier angeben zu dürfen. Bei Glyphisodo7i stellt das Os pharyng. inf. ein fast gleichseitiges Dreieck vor, dicht mit Zähnen besetzt, von denen öfters nur die der letzten Reihe die Benennung von Heclielzähnen verdienen, während dagegen die weiter vorne und in der Mitte stehenden dicker sind und nach rückwärts in eine stumpfe Spitze Fig. 47. sich erheben, wie dies bei Glyph. 7 — fasciatus der Fall ist, dessen Schlundknochen Fig. 47 in etwas vergrössertem Maasse zeigt *). Verhält- nissmässig längere und spitzere Zähne besitzen hingegen Glyph- rahti, bengalensis und coclesti- nus; bei Glyph. trifasciatiis , woselbst der Schlundknochen am kleinsten ist, sind alle Zähne nahezu gleich hoch und enden in gerade Spitzen; ebenso verhält sich Heliases. Bei Pomacentrtis bildet aber der untere Schlundknochen zwei hohe und schmale bogenförmige Leisten, die nur eine Doppelreihe von Spitzzähnen tragen und blos in der Mittellinie, wo sie verwachsen sind, kommen mehr als zwei Fig. 48. Reilien hinter einander zu stehen, wie Fig. 48 zeigt. "^^^y,!-^ Amphiprion, Premnas und Etroplus seliliessen sich ^'' hingegen in Form und Bezahnung des Schlundknochens wieder an Glyphisodon an. — In Betreff der Bezahnung des Mundes hebe ich nur die Gattung Pomaceiitrus\\ev\o\' , um eine *) Fast geiüiii mit diesem stimmen Sclilundliiiochpn überein, ilie ich unter den verfallenen Uesten einer yän/.lieh veriniy^luckten Zusendini-j von kalii'ornisclieii Fischen vorland, und die ohne Zweifel einem Uolconolen au^ehörten. Ül)er ilen Flo.ss( nbau der Fische. 145 irrige Angabe zu berichligen, welche sich hieiiiher in der IJist. des po/ssows vorliudel. Ks hoisst nämlich diiselhst: „nne seule rangee des dents serres"' und von den Seilenzähnen des Unlerkiefers wird bemerkt, dass sie „?/« cchancrure'' besitzen; auf pl. 134 sind zwei solcher Zäiine von Pom. fasciatus dargestellt; von denen der eine zwei, der andere drei Einkerbungen zeigt. Dies beruht jedoch auf Täuschung; es steht nämlich in beiden Kiefern eine Doppelreihe stumpfspilzer Zahne, von denen aber die hintere kürzere Zähne ent- hält und so fest an der vorderen Heihe anliegt, dass kein Zwischen- raum bleibt. Beide Reihen stehen überdies alternirend, so dass von vorne angesehen die Täuschung sehr nahe liegt, als wäre nur eine einfache Reihe dreikerbiger Zähne vorhanden. Alle von mir unter- suchten Arten stimmen in dieser Hinsicht überein und sind nur darin verschieden, dass bei einigen die Zähne zweiter Reihe spitz, bei anderen, z. B. Pom. katunko Blk. gleich den vorderen geradlinig ab- gestutzt sind. — Die Rechenzähne der Kiemenbögen sind bei allen Gattungen von massiger Länge und keiner fehlt eine gut aus- gebildete fransige Nebenkieme. (Erwähnung verdienen noch die Beschupp ung und das System der Seiten- und Kopfcanäle. Die Schuppen sind zwar allermeist ctenoid, und das freie Ende trägt mehrere Reihen allmäh- lich gegen den Rand sich mehr ausbildender Zähnchen, doch sind diese oft erst unter der Loupe erkennbar und die Schuppen erschei- nen nicht selten ganzrandig. Namentlich ist dies bei Premnas der Fall und zwar an der vorderen Körperhälfte, erst hinter dieser wer- den sie ctenoid, und dies zunächst die Schuppen längs der Seiten- linie, am Schwänze hingegen alle ringsum. Dieser schon mit freiem Auge wahrnehmbare Unterschied in den Schuppen tritt besonders unter dem Mikroskope sehr auHallend hei-vor. £'^?-ojü/«s besitzt gleicli- falls ganzrandige Schuppen, deren freie Oberfläche aber rauh gekiJrnt erscheint. — Die stets unterbrochene Seitenlinie mündet gewöhnlich durch einfache aufgesetzte Röhrchen (selten senden diese, wie z. ß. bei Glyph. ruhti radiäre Nebenzweige ausj; unterhalb der Stelle, wo sie abbricht, setzt sie sich in halber Schwanzhöhe noch bis zur Caudale fort, mündet jedoch daselbst ohne aufgesetzte Röhrchen, nur durch einfache Poren an den einzelnen Schuppen, so namentlich bei Pomacentrus und Amphiprion. Bei diesen beiden Gattungen zeigen auch die Kopfcanäle eine eigenthümliche Verzweigung, besonders Silzb. (l.mittlieni.-niiturw. CI.XLUI.ßd. !. Abtli. 10 146 K n e r. vom Hinterhaupte bis zur Stirngegeud uud am Suborbitalriiige. Zwi- schen den Selun»[)en tieten daselbst Hauthippeti vor, die von kurzen parallelen oder schw ach radiären Endröhi'chen der Hauptästc durch- setzt sind, wodurch es bei tlüchtigcr Betraclilung scheint, als lägen hier stark ctenoide Schuppen; auch die nackte Schnauze vor den Augen ist mit rundlichen Foren diciit übersäet.) Cliromides und Pscudocliromidcs. Die mit Recht von den vorhergehenden Pharyngognatlien zu- folge ilirer blos durch Nath vereinigten unteren Schlundknochen und des Mangels fransiger Nebenkiemen getrennten Chromiden sind zwar sämnitlich Stachelflosser, nur wenige jedoch homacanth, die jneisten heteracantli. Zu ersteren gehören Chromis (^casfanea), Cichlannd Crenicichla^ zu letzteren hingegen Acara, Heros, Uarti, Chaetobranchus, Geop/uigus und Chromis (nilotica) i)- Bei ersteren verhalten sich die Stacheln völlig wie bei den typischen Lahroiden und auch ihre Verbindung mit den Trägern ist die gleiche; bei letz- teren hingegen sind sie in der Weise heteracanth, wie bt^i Chaefodofi u. dgl. Die meisten, aber insbesondere die bomacanthen Chromiden, welche durch gestreckte Totalgestalt und Mundbildung den Lahroi- den zunächst stehen, theilen mit diesen auch das Merkmal der von den Stacheln abstehenden, mit Faserstrahlen durchwebten Haut- lappen oder Fähnchen und die lölTelartige Vertiefung der Stachel- spitze über denselben 2). Was die gegliederten Flossen anbelangt, so glaube ich hervorheben zu dürfen, dass gerade die so häufig fadig verlängerten Strahlen der Rücken- und Afterflosse durch ihre Thei- lung auffallen, die stets nur einfach bleibt, über bereits vor halber Strahlenlänge erfolgt, so dass die alsbald divergirenden langen Gabelzweige mit ihren Spitzen noch über die Flossenhaut hinaus- reichen. Die Strahlen der Caudale sind mindestens dreimal gabiig getheilt. ') Chromin casfaiwa und nilotica erweisen sicli »iicli in anderen Beziehungen so ver- schieden, d:iss sie nichl rii<>li('h in einer (ialtung^ lieisaninien i)leihen küntiteii. ^) nie Asymuielrie dei- Staclieln diiifle niiliinlcr erst mit d<'ni Aller ziiiieliinen, l)ei kleinen lixeniplaren von Moros \.\\h\ Acara, die ich dureli v. Ts c li u d i's fiiilc erhielt, ist sie mindestens kanni lieincrkhar, während alle grösseren Exemplare dieser Gattungen ausgezeichnet lieloracaalh sind. über «Ion Flossonliiiu dor Fisclip. 147 Fig. 49. (Die unteren Schhindknochen bilden hei allen Chroniiden lu>rt an einander iiec^ende, meist durch Nath vereinigte Dreiecke von ver- schiedener Gestalt und Grösse, deren Zähne fast alle bei Lahroiden Yorkommenden Formen wiederholen. Nur um zum Behüte der Ver- gleichung ein Beispiel zu geben, füge ich hier in Fig. 49 die Abbildung der unteren Schlundknochen von Acarn in vergrösser- tem Maasse bei und verweise übrigens auf HeckeTs Abhandlung über die Chroniiden im II. Bande der Annalen des Wiener Mu- seums 1840 1)- — 1^'e Schuitpen verhalten sich wie bei der Mehrzahl der Pomacen- trinen, sie sind mehr bewimpert als ctenoid zu nennen, sehr häufig ersclieinen sie ganzrandig und können bei obei-flächlicher Betrachtung leicht für cykloide gelten, von denen sie jedoch ihre Siructur ausschliesst und der Umstand, dass die weichen feinen Wimpern des freien Bandes nicht seilen zu steiferen Zälinehen werden und auch die Oberfläche der Schuppen körnig rauh sich aus- nimmt. — Die wie bei Pomacentrinen unterbrochene Seitenlinie mündet auch am Schwanztheile allermeist durch aufgesetzte einfache Böhrchen.) Die Pseudochr om iden unterscheiden sich von den vorigen so vielfach und wesentlich, dass sie allen Anspruch haben, von ihnen als eigene Familie gesondert zu werden 2). Ich konnte jedoch bis- her nur die beiden Gattungen Pseudochromis und Cichlops einer näheren Prüfung unterziehen. In Betreff der Flossenstrahlen sind beide kaum mehr Stachelflosser zu nennen und stehen jedenfalls hart an der Grenze zwischen acantho- und arthopteren F'ischen. 1) Daselbst werden auch die Gattungen Plerophytlum und Symphysodon besehrieben, die jedoch meines Eraciitens nicht bei den Chroniiden zu belassen sind, wie ich deainächst nachzuweisen beabsichtige, bei welcher Gelegenheit icii auch meine Ansieht über die Stellung der im Anhang zu obiger Abhandlung beschriebenen Gattung Monocirrhus (bisher noch ein Unicum) auszus|>rechen gedenke. ■■ä) Canestrini gibt in seiner eben erschienenen Abhandlung: zur Charakteristik und Systematik der Anabatinen (Verhandl. der k. k zool. bot. Gesellsch. in Wien 1860, Nov.) eine tabellarische Übersieht der natürlichen Reihenfolge einiger den Anabatinen zunächst verwandten Familien und stellt daselbst die Chromiden zwischen die Poma- centrinen und Anahaliuen, ohne aber aulFallender Weise der Pseudoehromiden irgend- wie zu gedenken. 10» 148 ?< n e r. Wälireiitl die Chi'onuden in der Rücken- und Afterflosse ziemlich zahlreiclie und gut ausgebildete Stacheln l)esitzen, sind liier nur die ersten 2—3 Strahlen der Rücken- und Aftei'flosse ungegliedert und können insoferne für homocanthe gelten , als ihre Verbindung mit dem Träger im Wesentlichen die gleiche wie bei Stacheln ist, doch sind sie zart und viel kürzer als die folgenden Gliederstrahlen. Von diesen sind bei Pseudochromis die meisten fadig verlängert und un- getheilt , nur die letzteren sowohl in der Ddrsule als Anale gabelig gespalten; bei Ciclilops hingegen llieilt sich gleich der erste Glie- derstrahl gabelig und auch die folgenden sind theils einfach, theils 1 i/a"'*'l gabelig getheilt und zwar ist der hintere Gabelzweig ge- wöhnlich etwas verlängert. Bezüglich der Basis verhalten sich die Gliederstrahlefi, wie dies bei Scarus dargestellt \ 51- zwar auch asynmielrisch, jedoch von keinem Loche durchbohrt und stellt daher nicht mehr wie ein Stachel mit dem Träger in Verbindung (Fig. öl 6). Die ein- zigen zwei ungegliederten Strahlen, welclie die After- flosse enthält, verdienen noch weniger den Namen von Stacheln; sie bestehen der ganzen Länge nach aus deutlich getrennt bleibenden, völlig symmetrischen Hälften, die sich auch am Gelenkende nicht durch ein Querstück vereinigen, so dass daselbst kein abge- schlossenes Loch entsteht (Fig. 51 c). Die gliederstrahligen Flossen sind von beschuppter Körperhaut dicht überkleidet; die Theilung der Strahlen ist mindestens doppelt diehotom oder geradezu polytom, die Endstrahlen der Caudale sind in gebrochener Querlinie , öfters fast stufenförmig gegliedert. — Sowolil im Fiossenbau, wie in anderen Beziehungen schliessen sieh im Mugil an iWeGnitung Ccstrus, Nestis und Dajaus, nur ist bei letzter der erste Strahl der zweiten Dorsale ebenfalls ein Stachel, und bei Cestrus der letzte der ersten Dorsale verlängert. \öllig den gleichen Bau wie die beiden ersten Anal- strahlen bei Mugil zeigen sämmtliche sogenannte Stacheln von Atherina und der ihr nahe stellenden californisehen Gattung Athe- rinopsis, sie sind einfache Strahlen (anarihropter) und vielleicht nur als Übergangsglied zu gegliederten anzusehen. Sie bestehen aus völlig symmetrischen Hälften, deren mediane Trennuiigsfurcbe deut- lich sichtbar bleibt, sind gegen die Spitze weieh und biegsam und verhalten sich an ihrer Ba^iis wie der in Fig. c abgebildete Anal- strabl \oi\ Mugil. In der Afterflosse bei Atherina ist bereits der zweite Strahl gegliedert, aber noch ungetheilt, bei Atherinopsis sind hin- gegen alle gegliedert, gleich jenen der 2. Dorsale, und einfach oder 150 K » •■ '•• doppelt dicholoni. Die Strahlen der paarigen Flossen und der Caudale sind vielfach gelheilt, die Ghedcruiiy der letzteren ist fast stufenförmig. (Den mehrfachen Übereinstimmungen der Mugiliden und Athr- rinen, die sich namentlich durch die so hoch eingelenktcn Brnst- tlussen, das Vorhandensein von zwei gesonderten Dorsalen, den breiten Kopf und fUieken, wie auch durch schwache Bezahnung der Kiefer kund geben, stehen andere für die Systematik nicht minder wichtige Unterschiede entgegen, von denen ich folgende hier hervor- hebe. Bezeichnend für Mugil sind: die ganz eigenthümliche Mund- bildung, die äusserst schwache oder niangelnde Bezahnung, das charakteristische, meist nach den Arten verschiedene vordere Suborbitalstück, die stark gewölbltMi Deckelstücke, die merkwürdige Bildung der Schlundknochen und die so dicht wie die Kiemenblätter stehenden und ähidich aussehenden Rechenzähne der Ki( inenbogen ; endlich noch von inneren Merkmalen: der stark musculöse Vormagen und die kurzen aber weiten Appendices pyloricoe. — Atherina zeichnet sieh hingegen aus: durch weit vorstreckbaren Zwischen- kiefer, Zähne am Vomer, mit kürzeren Spitz- oder längeren Ilecliel- zähnen besetzte, obere und untere Schhindknochcn und durch abweichende Rechenzähne, die am ersten Kiemenbogen lange schmale Blätter, an den folgenden rauhe spitze Hocker vorstellen. — Atherinopsis iiält fast die Mitte zwischen beiden, der Mund ist nicht vorstreckbar. Zwischen- und Unterkiefer tragen aber schmale Binden kurzer krummer Spitzzähne, der Gavmien ist zahnlos, Scheitel und Stirn beschuppt (wie bei Mugil), Schlundknochen und Rechenzähne verhalten sich wie bei Atherina. — Die stets weichen Schuppen sind zwar meistens nicht wirklich ctenoid (^Dajmis allein aus- genommen), aber auch bei Mtigil und Atherinopsis nicht ganzrandig, sondern eingekerbt oder bewimpert. Nur Atherina besitzt ganz- randige Schu[)pen, die jedoch eine eigenthümliche Form und Structur zeigen, indem das festsitzende breitere Ende statt mit Radien wie gewöhnlich, mit dem Rande parallelen groben Querstreifen geziert ist, die erst gegen das Centrum verschwinden (Fig. J>2 von Ath. ^^ ^c^hepsetus, vergrössert). — Alle drei Gattungen besitzen eine fransige Nebenkieme, die aber bei Atherina am |1]| grössten und bei Atherinopsis am kleinsten und leicht zu über- sehen ist. Allen endlich mangelt eine deutliche, die Schuppen durchbrechende Seitenlinie und es wird vielmehr jede Schuppenreihe Üher den Flosseiiliau der Fische. lol in der Höhe hie und da von ein i)is zw ei düniieu Röin-chen durehselzt, namentlich hei Atherbwpsis und Mugil ; der Verlauf der Kopfcanäle ist wie gewöhnlich; der suhoibitale Ast mündet hei Mugil an jeder Schuppe meist mit zwei Rölirclien.) Bezüglich der so äusserst interessanten Gattung Telragomirus, von der sich leider in den hiesigen Museen bisher nur ein einziges Exemplar vorfand, kann ich zunächst mein Befremden nicht unter- drücken, dass selbe noch in der Ilistoire des poissons den Mugiloiden angereiht wurde, von denen sie ohne Zweifel durch eine noch grössere Kluft als von den Scomberoiden getrennt ist. Ich beschränke mich jedoch hier vorläufig nur auf folgende Angaben. Die gesonderten, die Stelle der ersten Dorsale einnehmenden Stacheln sind insoferne betcracanlh, als abwechselnd die rechte oder linke Hälfte mehr vor- tritt. Doch sind sie nicht ausgebildete oder fertige Stacheln zu nennen, da ihr Gelcnkenile dem widerspricht; es fehlt nämlich daselbst das penetrirendeLoch, und diese der Länge nach tief gefurchten Staclieln gewähren überhaupt das Ansehen , als gingen sie nur aus der Ver- schmelzung einzelner faseriger Strahlenelemente hervor. Die Strahlen der übrigen Flossen erinnern an jene der Gattungen Xiphias, Tliy)inns uudCybiimi; sie sind vielfach getheilte faserähnliche Strahlen, die theils keine, theils nur spärliche und kaum bemerkbare Gliederung zeigen (mit Ausnahme der deutlich gegliederten Hauptstrahlen der Caudale). — Dieser Flossenbau allein schon schliesst die Gattung von den Mugiloiden geradezu aus, weniger scharf allerdings von den Scombroiden und Notacanthinen. Doch stehen einer etwa zu ver- suchenden Vereinigung mit einer dieser Fatnilien andere nicht minder wiclitige Bedenken entgegen. Die auffallende Höhe und Form des Unterkiefers macht Riss o's Idee, diesen Fisch anfänglich als „Chn7ios" zu bezeichnen, begreiflich, wenn gleich die Bezahnung desselben völlig abweichend ist, und eher noch an den Gyrntiarchtis des Nils erinnert. Fasst man die Beschuppung in's Auge, so mahnt die Lagerung der Schuppen in der That völlig an jene so vieler Ganoiden, doch schliesst die ganz abweichende Befestigung, wie auch die Structur derselben (Fig. 53) jeden Gedanken an eine nähere Verwandtschaft mit Ganoiden an sich schon aus, abgesehen davon, dass die bis zu „. _„ . . , . Flg. 53. Ende knöcherne Wirbelsäule gerade hier in seltener Weise -^^ geradlinig ausläuft. — Wenn ich schliesslich noch des Vor- |^3 handenseins einer grossen fransigen Nebenkieme und des Ver- \^^ 152 K 11 e I". Über den Flossenhau der Fische. laufes der Kopfcanäle, namentlich des mit zahlreichen gedrängt stehenden Poren mündenden SnboihiliiliLstes gedenke, so iilaiihe ich in Kürze die vielfache Coinltinalion von Merkmalen geniigend ange- dciitt't zu haben, zufolge deren die systematische Stellung dieser Gattung so äusserst schwierig ist, dass keine, die sie bisher fand, völlig befriedigend erscheint, und ich meinerseits ebenfalls nicht im Stande bin ihr einen gesicherten Platz anzuweisen. SITZUNGSBERICHTE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. MATHEMATISCH - NATURWISSENSCHAFTLICHE CL ASSE. XLIII. BA^D. ERSTE ARTHEILUNG. Enthält die Abhandlungen aus dem Gebiete der Mineralogie, Botanik, Zoologie, Anatomie, Geologie und Paläontologie. 11 153 V. SITZUNG VOM 7. FEHRUAR 1861. Das liohe k. k. Staats-Ministerinm übermittelt mit Znsclii-ift vom 31. Jänner 1. J., Z. -^, eine von Dr. D. J. Co st er in holländischer Sprache veröffentlichte Broschüre, über die Gefährlichkeit der Mischung von Schirling mit Aniskörnern. Das Mitglied des Institut de France, Herr J. B. Biot, dankt mit Schreiben vom 3. Februar 1. J. für seine Wahl zum aus- wärtigen Ehrenmitgliede; dessgleichen sind von den Herren, Prof Dr. J. Czermak und Dr. M. Hörn es, Director des k. k. Hof-. Mineralien-Cabinetes, für ihre Wahl zu correspondirenden Mitglie- dern der Akademie Dankschreiben eingelangt. Herr Hofrath W. Haidinger macht folgende Mittheilungen: „1. Das Doppelmeteor von Elmira und New Haven ; 2. der Meteor- steinfall von Parnallee bei Madura in Hindostan; 3. vorläufige Nach- richten über Vorbereitungen zu einem zweiten meteorologischen See- und Land-Congress; 4. der Fortgang der Reise des Herrn Th. Y. H engl in". Herr Regierungsrath Prof. Hyrtl überreicht eine Abhandlung: „Über das epigonale Kiemenorgan von Lutodeira Chanos". Dieselbe wird in den Denkschriften erscheinen. An Druckschriften wurden vorgelegt: Astronomische Nachrichten, Nr. 1293. Altona, 1861; 4»- Au Stria, XHI. Jahrgang. V. Heft. Wien, 1861; 8o- Biot, J. B., Etudes sur l'astronomie indienne. (Extr. du Journal des savants.) 18S9;4o- — Translation of the Sürya -Siddhänta etc. Traduction du Surya-Siddhänta, traite classique de l'astro- nomie indienne, avec des notes et un appendice par le Rev. 11* 154 E. B. li II i'5j;ess, iiiiciiMi inissiuuiiaire haptiste daiis l'Iiule, avec l'assistance du Comite de puhlication de la Societe Orientale d'Ameriqiie. (Extrait du Journal des savants.) Paris, 1861; 40* — Introiluction aux reclierclies de mecanique cliiinique, daiis lesquelles la liiiniere polarisee estemployee auxiliairement comme reactif. (Extr. des Annaies de Cliiniie et de Physique, 3"' Serie, t. o9.) Paris; 8o- Cos mos, X^ Annee, 18" Volume, ti" Livraison. Paris, 1861; 8"- Coster, D. J., Het Versehil tussehen de Anijsplant en de gevlekte Seheerling, voor Oningewijden in de Plantkunde beschreven. Met 2 gekleurde Steendrukplaten. Amsterdam, 1860; 8»- Duval, Emile, La medecine contemporaine. (3""' serie de THydrothe- rapie.) IIP Annee, Nr. 2 & 3. Paris, 1861; 8o- Istituto, R., Lombaido di scienze, lettere ed arti, Atti. Vul. II. Fase. IV, V & VI. Milano, 1860; 4o- — I. R., Veneto di scienze, lettere ed arti, Atti, TomoVP, serie 3% disp. 1" & 2\ Venezia, 1860—1861; 8o- Land- und forstwirtlischaftliche Zeitung, XL Jahrgang, Nr. 4. Wien, 1861; kl. 4o- 155 Über das epigonale Kiemenorfian der Liitodeira, mit einer Tafel und einer osteologischen Tabelle der Clupeiden Cuviera. Von dem w. M. Professor J. Hyrtl. Die kurze Abhandlung, welche ich der kaiserl. Akademie zur Verüffentlichung in den Denkschriften übergebe, enthält die genaue Beschreibung eines accessorischen Athmungsorganes der Lutodeirn, welclies ich als Kiemen sc h necke benenne. Die flüchtigen Worte ,1. Müller'si) haben die Natur dieses Organes nicht aufgeklärt. Im Gegeiitheile legten sie demselben die Bedeutung einer doppelblätterigen Kieme bei, indem die doppelte Kammreihe an der äusseren Wand des schneckenähnlich gekiümmten Organes verkannt, und für eine doppelte Reihe von Kiemenblättchen genommen wurde, während sie als Verlängerung der an der oberen Fläche der unteren Schlundkiefer, und des unteren Segmentes des vierten Kiemenbogens, aufsitzenden, feinen und langgezähnten Kämme etwas für die Athmung ganz Unwesentliches ist. Die Abhandlung weist nach, dass das epigonale Kiemenorgan derLutodeira in Form und Bau, somit auch in Verrichtung, wesentlich mit jenen accessorischen Kiemenorganen übereinstimmt, welche der Verfasser bei einigen Gattungen echter Clupeen gefunden, und in den akademischen Denkschriften, 10. Band, pag. 47 sq. beschrieben und abgebildet hat. Das Organ ist eine respiratorisclic Kiemenschnecke, d. i. ein 1 I/o mal Spiral aufgedrehter, iiäutig musculöser Gang, gestützt von ■>) Raii und Grenzen der Ganoiden, pag'. 74 iiiid 7a. löß J- " y '■ t I. Cher das epig-onale Kiemenorgan der A^forfc/ra. einer dreieckigen Knochenplatte ;im oberen Segment des vierten Kiemenbogens, mit einem respiratorischen Gefässnetz versehen, wel- ches schwarzes Blut vom Herzen erhält, und rothes zur Aorten- wurzel sendet, und überdies noch vom Viigus mit ansehnlichen Plexus ausgestattet wird. Das Vorkommen der Stützplatte am oberen Segment des vier- ten Kiemenbogens bei einigen Characinen, deren Skelete mit jenem der Lutodeira verglichen wurden , macht es sehr wahrscheinlich, dass die Kiemenschnecke auch dieser, den Clupeen so nahe ver- wandten Familie nicht fremd ist, und scheinen es vorzugsweise die Genera Proc/illodus und Citkarhms zu sein, welche sie besitzen. Fernere, bisher unerwähnt gebliebene Eigenthümlichkeiten der Lutodeira-Ki^vciQn sind folgende: 1. Jede Kiemenspalte wird durch ein, die mittleren Gelenke je zweier Kiemenbogen verbindendes Band, in eine obere und untere Spalte abgelheilt. Je zwei Kiemenbogen können somit nur soweit von einander entfernt werden , als es die Breite dieses sehr kurzen Ban- des erlaubt. 2. Die auf der concaven Seite der Kiemenbogen aufsitzenden, biserialen, langen Hornfäden (Kiemenrechen) schliessen, von je zwei Kiemenbogen, so an ihren Spitzen zusammen (durch wahre und innige Verwachsung), dass jede Kiemenspalte, gegen die Rachenhöhle zu, wie durch ein feines Visir überbrückt erscheint, welches selbst die feinsten Gemengtheilchen des die Kiemenspalten passirenden Wasser- strahles aufzufangen und zurückzuhalten vermag. Eine osteologische Tabelle über die Cuvier'sche Ordnung der Chipeaceen (welche noch etliche, seither ausgeschiedene Characinen- geschlechter enthält) bildet eine kleine Zugabe des kurzen Aufsatzes. Diese Tabelle wird, wenn auch nicht dem Zoologen, doch gewiss dem Anatomen gelegentlich gute Dienste leisten. Stoliezliü. ÜI)Pr Jle Gasiropodon iiiid Acppliiilpn der llierlatz-ScliiflidMi. 157 Über die Gastropoden und Acepitalen der Hierhdz-Schicliten. Von Fcrdinaud Stoliczka. (Mit 7 Tafeln.) (Vorgelegt in der Sitzung vom 5. Juli 1860.) Man pflegt mit dem Namen Hierlatz-Schichten verschie- dene, aber immer licht gefärbte Kalksteine zu bezeichnen, die im Gebiete der österreichischen Alpen dem Dachsteinkalke (Salz- kammergut) oder den Kössener Schichten (Tirol) aufgelagert sind, ihren Namen erhielten sie von dem südlich von Hallstatt gelegenen 63ol Fuss hohen Berge Hierlatz, dessen Petrefacten-Reichthum zuerst im Jahre 1850 durch Prof. Simony i) bekannt geworden ist. Seither wurden diese Schichten von unseren Geologen an vielen Theilen der Alpen und Ungarns beobachtet und ihre Lagerungsverhältnisse und organischen Einschlüsse mehrfach erwähnt. 1851 beobachtete Bergrath M. Lipoids) die Hierlatz-Schich- ten in der Form von grauen, seltener rölhlichen Kalken, auf der Gratzalpe bei Aussee aufgelagert dem Dachsteinkalk und über- lagert von Adnether Schichten. Herr Lipoid bezeichnete sie vor- läufig als ,,Kalke mit Cassianer Petrefacten"; von ihm sind auch alle die in dieser Arbeit von der Gratzalpe angeführten Versteine- rungen gesammelt worden. Aber schon im Jahre darauf erklärte Herr Prof. Suess s) nach einer vorläufigen Untersuchung der Brachiopoden die Ablagerungen am Hierlatz, Gratzalpe, Schafberg und zwischen dem Schladininger Joch und Donnerkogel für gleich- zeitige Bildungen, welche dem mittleren oder oberen Lias gleich- *) .lahrbueh der k. k. geolog. Reichsaiistalf. \\. |>. ß.W. 2) r. d. III, p. IM. 3) r. d. II, p. 171. 158 Stoliczka. zustellen seien. Zugleich wies er auf einige wenige Arten hin, welche dieselbei» mit den Klaus -Schichten gernein haben sollten. Trotzdem meinte 1852 Herr Bergrath Lipoid *), dass die Hierlatz- Schichten noch von Isocardien führenden Schichten — Daclistein- kalk mit Megalodoii triqueter W n\L — überlagert werden. Ihre Parallelisirung mit den Starhemberg-Schichten, als echten Einlage- rungen im Dachsteinkalk, hat sich später als unrichtig erwiesen 2). In demselben Jahre beschrieb Prof. Reuss s) die ersten zwei Ga- slropoden ans den Hierlatz-Schichten, Euomphalus orbis und Eu. excavatus ; er bezeichnete sie ebenfalls als dem Lias angehörig. Im Jaiire 1803 lieferte Dr. M. Hörnes eine umfassendere Bearbeitung dieser Thiergruppe in F. v. Hauer's „Gliederung der Trias-, Lias- und Juragebilde der nordöstlichen Alpen" *) und wies mit Bestimmtheit die Identität mehrerer Arten mit denen aus dem mittleren Lias von Fonlaine-Etoupe-four nach. Hrn. Dr. Hörnes' Untersuchungen bestätigten vollständig jene, welche F. v. Hauer an den Cephalopoden gemacht hatte und von Hauer unterschied nun die Hierlatz-Schichten mit den Adnether Schichten und dem Flecken- mergel als oberen Lias im Gegensatze zum Dachsteinkalk, Starhem- berg- und Kössener Schichten als unteren Lias. Durch die Bearbeitung von Dr. Hörnes ist die Zahl der Gastropoden auf 25 gehoben worden. Bald darauf veröfTentlichte Dr. Schafhäutl^) ein Verzeich- niss von 5 Acephalen und 13 Gastropoden vom Hierlatz. Es sind darunter meist schon durch die früheren Arbeiten bekannt gewor- dene Formen, bis auf einige neue Arten, deren Beschreibung und Abbildung jedoch so kurz und unklar ist, dass sie eine Verglei- chung nur äusserst schwer zulassen. Selbst nach der Sammlung des Herrn Hofrathes Fischer aus München, welche Herr Schafhäutl ebenfalls benutzte, war es mir mit einer einzigen Ausnahme nicht möglich, die Arten des Verfassers mit Sicherheit auszumitteln. Herr Schafhäutl reiht die Hierlatz -Schichten in die Gruppe seiner Alpen-Oolithe ein. 1) Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanst. Hl, p. 93. 2) r. ,i. |v. 18S3, p. 730. -) D un- ke r's Paläontogr. Bd. III, p. 113. 4) Jahrb. IV. p. 7ö2— 764. *) Bionirs Jahrb. i8ö4, p. 346—548. über die Giistropoden und Aceidialen der Hierlatz-Seliiehteii. 159 In den folgenden Jahren beobachtete diese Schichten Dr. Pe- tei-si) ;ui der Kukowa Spica (8000) und am TrigKiw (9037 Fuss) in Krain, Dr. A. Pich 1er (e. d. 1856, p. 733) an der Ostseite des Sonnenwendjoches gegenüber von Brixiegg, M. Lipoid (e. d. 1857, p. 219) in Oberkrain am Hochplateau der Jelouza und des Ratitouz, F. V. Hauer (e. d. 1857, p. 801) südlich von Vils und an dem Seferspitz zwischen Vils und Höfen in Tirol, D. Stur (e. d. 1858, p. 342) im Gebiete des Isonzothales. Am ausführlichsten sind die Lagerungsverhältnisse der Hierlatz- Schichten an der typischen Localität selbst, — am Dacbsteinplateau von Prof. Suess 2) geschildert worden. Die Kalke sind hier in hohem Grade krystallinisch , weiss, stellenweise mit rotligefärbten eingelagerten Partien. Am Hierlatz kommen Bänke vor, welche nur ein Agglomerat von Muschelschalen sind. Diese Schichten erlangen hier eine Gesammtmächtigkeit von etwa 150 — 200 Fuss, bilden jedoch keineswegs eine zusammenhängende Decke über den Dach- steinkalk, sondern nur die Gipfel einzelner Berge. Sie sind durch viele und bedeutende Verwerfungen in isolirte Partien geschieden worden und liegen desshalb in verschiedener Höhe. Am Hierlatz beträgt dieselbe 6351 Fuss, am Wege zwischen dem Ochsenkogel und Niederkreuz steigt sie auf 7800 Fuss. Fasst man nun die ganze Verbreitung der Hierlatz-Schichten zu- sammen, so sieht man sie sowohl am nördlichen als südlichen Ab- hänge der österreichischen Alpen vertreten; ausserdem sind sie in neuester Zeit von unseren Geologen auch in Ungarn beobachtet worden. Es sind hier wie auch in den baierischen Alpen s) nur Kalkablagerungen, währen-d die ihnen entsprechenden Schichten in Schwaben meist Mergel und Thone (Lias 7 und d von Prof. Quen- stedt) sind. In der Normandie sind es lichte Mergel. In Vorarl- berg scheinen diese Schichten zu fehlen. Was nun die organischen Einschlüsse der Hierlatz-Schichten betrifft, so ist bis jetzt nur an drei Localiläten im Salzkammergut ») .lahrb. d. k. k. geol. Reichsanst. VIF. 18Ö6, p. 686. -) F. V. Hauer, Geolog. Durchschnitt von Passau bis Duino. Sitzung-sberichte der kais. Akad. Bd. XXV, 1857, p. 306. 3) Schlag'in twei t, Neue Untersuchung'. Phys. Geograph, d. Alpen, 1834, p. 339 und Prof. Suess, Jahrb. d. k. k. geolog. Reichsanst. 1856, p. 379 und Gueinbel e. d. 1837, p. 147. 160 S t o I i c /. k a. (Hierlatz bei Hallstatt, Gratzalpe hei Aussee und Schafberg hei Isciil) eine grössere Menge von Petrefacten gesammelt worden. Es tritt uns aber hier eine Mannigfaltigkeit von Formen entgegen, wie sie kaum eine andere Lias-Kauna erreicht. Mit Ausnahme von zwei Arten grosser Cidariten und seltenen Fisch- und Saurierresten sind es aber fast durchaus Mollusken, welche man hier findet. Von letzteren haben bereits die Cephalo- poden an Heriii von Hauer *) einen trefflichen Bearbeiter gefunden; die Brachiopoden werden von Prof. Suess beschrieben werden. Die Aufgabe dieser Schrift soll es sein, die übrigen Molluskenreste dieser Ablagerungen zu schildern und so das Bild dieser reichhalti- gen Fauna zu vervollständigen. Durch die früheren Arbeiten wurde die Zahl sicher bestimmter Gastropoden auf 25 Arten gebracht, in Bezug auf die Acephalen war nichts geschehen. Fortgesetzte Aufsammlungen von Seiten der k. k. geologischen Beichsanstalt, des k. k. Hof-Mineralien-Cabinetes und des Hrn. Hofrathes Fischer aus München haben das Material sehr gehoben; namentlich hat das Mineralien-Cabinet noch in letzter Zeit eigene Sammhingen an der bis jetzt am wenigsten bekannten Lücalität, am Schafberge, anstellen lassen. Hierdurch wurde es mir möglich im Nachfolgenden 72 Arten 2^ zu beschreiben, von denen 54 auf die Gastropoden , 17 auf die Acephalen entfallen ; am Schlüsse ist die Beschreibung des einzigen Anneliden, einer Ser- jmla, beigefügt. Was den allgemeinen Charakter der Gastropoden anbelangt, so ist es auffallend, dass unter 54 Arten nur eine einzige: Alaria Fischeri, zu den Canaliferen gehört, während alle anderen eine ganzrandige Mündung besitzen. Eine Vergleiciiung dieser Fossilien mit ausseralpinen Vor- kommnissen bestätigt die schon von Dr. M. Hörn es ausgespro- chene grosse Übereinstimmung derselben mit einer weit entlegenen Gegend der Normandie. Die grosse Ähnlichkeit der Fauna der Hierlatz-Schichten mit jener des mittleren Lias vonFontaine-Etoupe- four ist gewiss eine höchst aufl'allende Erscheinung. 1) Cephalopoden des Lias der Alpen. Denksehrifleii der k. Akademie, Bd. XI, 18ö6. ^) Die Gesainintsumme dürfte jedenfalls die Zahl 80 erreichen, da mehr als 8 Arten we|j:eii sehr sclileclitcr Krlialliing' einer s|i;it(M<'ii lieinheilun'i vorbehalten wurden. über die Gastropoden und Acephalen der Ilierlalz-Sehiohten. 161 Zählt man von den liier angeführten 72 Arten 48 ausser den Alpon noch gar nicht hekannte ab, so bleiben 24 Arten übrig, von denen 18 sich als identisch mit denen des mittleren Lias der Nor- mandie, 12 mit denen in Süddeutschland herausstellen; von diesen kommen G Arten in den Alpen, Süddeutschland und Frankreich vor. Einige darunter sind höchst charakteristische Arten des mittleren Lias, wie z. B. Chemnitzia luidulata, TrocJius ejmlus, T. late- umbilicatns, T. Cupido, Pitonellus conicus, Pleurotomaria cx- pansa, PL intermedia, Pecten amaltheiis , Lima Deslongchampsi u. a. m. Aber auch unter den als neu angeführten Arten zeigen einige eine so grosse Ähnlichkeit mit solchen aus den liasischen Ablage- rungen anderer Länder und besonders der Normandie, dass man sie als vicarirende Formen betrachten kann, so zum Beispiel: in den Alpen: j ausser den Alpen: Chemnitzia striata t ! Turritella elongnfa So w. , „ fistulosa, i „ inaequicinda Münst., Trochus plectus, | Trochus Cirrns Ovh., „ trinodosus, \ „ trimonilis Orb., „ gramiliferns, „ Normanianus Orb., „ Averniis, : Turbo Nireus Ovh., Rotella macrostoina, \ Delphimda reflexilabrnm Orb., Pecten subreticidatus, i Pecten reticidatus Sc\i\o\.h., „ verticillus „ textorius Münst. u. s. w. Namentlich hat die Sippe Discolielix mehrere mit Fontaine- Etoupe-four auflallend ähnliche Arten aufzuweisen, die jedoch d'Orbigny noch nicht kannte und welche einer speciellen Bear- beitung von Hrn. Eng. Deslongchamps entgegensehen. Wirft man ausserdem einen Blick auf das Art -Vorkommen an den drei in der Schlusstabelle angegebenen Localitäten in Osterreich, so bemerkt man leicht, dass gerade jene Arten, welche an allen drei Orten vorkommen, gewöhnlich auch ausser den Alpen gefunden worden sind, oder dass sie dort wenigstens durch sehr ähnliche vertreten werden, die sich vielleicht durch unmittelbare Yerglei- chung mit Original-Exemplaren als identisch erweisen würden, wie 162 S t o I i c z k a. solche Fälle nur zu oft vorkommen. Beispiele hiervon liefern: Trochiis latilabrus, T. cupido, Rotella macrostoma , Discohelix orbis, PL heliciformis , PI. anglica, PL princeps, Clienmitzia undalata u. A. Überhaupt zeigt diese Fauna eine weitaus grössere Übereinstimmung mit ausseralpinen Vorkommnissen, als sie bei irgend einer älteren unserer secundären Ablagerungen in den Alpen zu finden ist. Schon im Jahre 1856 meinte Prof. Suess ') , es lägen noch nicht hinreichende Daten vor, um zu entscheiden, ob man die Hierlatz- Schichten als eine abgesonderte Ablagerung des Lias oder als eine locale Abänderung der Adnether Schichten betrachten solle. Aus den Gastropoden und Acephalen lässt sich da ebenfalls kein sicherer Schluss ziehen, weil dieselben, wie auch die Brachiopoden, in den Adnetlier-Schichten ungemein selten sind. Bis jetzt sind nur PL ex- paiisa, PL princeps und PL anglica bei Eiizesfeld gefunden worden. Es sind dies aber gerade Arten, welche in ähnlichen Formen durch den ganzen Lias wiederkehren und desshalb eine sichere Abgren- zung nur äusserst schwer und zweifelhaft zulassen; sie sind aber unzweifelhaft mit den Arten vom Hierlatz ident. Nach Herrn F. v. Hauer 2) haben die Hierlafz-Schichten unter 21 Arten von Cephalopoden 10 mit den Adnether gemeinschaftlich. Gewiss ist daher, dass beide Ablagerungen einander sehr verwandt sind , wofür auch die Lagerungsverhältnisse der letzteren am Dach- steinkalk oder den Kössener Schichten sprechen. Ausserdem kommt es nicht selten vor, dass, wo die eine Ablagerung auftritt, die andere fehlt. Das Material zu dieser Arbeit stellten mir die k. k. geologische Reiehsanstalt und das k. k. Hof-Mineralien-Cabinet zu Gebote, wo sich auch die Original-Exemplare fast ohne Ausnahme belinden. Die Beschreibungen sind im Locale und mit Benützung der Mitteides k. k. Hof-Mineralien-Cabinets entworfen. Namentlich konnte ich eine reiche Sammlung von Petrefacten aus dem mittleren Lias der Normandie, welche Hr. E. Deslongchamps eingesendet hat, zu Rathe ziehen. Ja ich kann sagen, dass es nur hierdurch möglich war, die Identität der Fauna zweier so weit entlegener Gegenden ') .lühilmch Vn. p. 380. ~) Cephalopoden der nordöstl. Alpen. Üenkscliriflen der U. Akad. XI. 183G, p. 78. Ül)er die (iasti'Diioden tiiiil Aceplialeii der llieil:it/.-Scliicliteii. 163 festzustellen. Ich sehe es daher für meine Pth'cht an, hier den Lei- tern genannter Anstalten: Hrn. Hofrath Dr. W. Haidinger und Dr. M. Hörn es meinen verhindlichsten Dank auszusprechen. Ebenso sehr fühle ich mich zum iierzlichsten Danke verpflichtet gegen meinen hochverehrten Lehrer Prof. E. Suess, der mich stets durch Rath unterstützt und die ganze Arbeit geleitet hat. I. Gastropoden. Chcmnitzia undalata Benz. sp. Taf. I, Fig. 1. 1832. Turrltclla undulata Benz, Zielen, Petrefacten Württemb. pag-. 43, t. 32, f. 2. — 1836. Tiirritclla triplicuta Römer, Oolith , pag-. 1S4. — {^äl. Chcmnitzia tiiiditlata und Periniana d'Orb., Pal. franc. terr. jur. toin. If, p. 3ö, pl. 237 u. p. 36, pl. 243. — Scalaria liasica Quenstedt, Handbuch t. 33, f. 27 und Opp el, Jahresh. mittl. Lias III. t. 13, f. 14. — 1833. Chcmnitzia Periniana (Hörn es), I. e. p. 737. — i8.')4. Chcmnitzia lumilata SchafhäutI, Leonhard und Bronn's Jahrbuch p. 347, t. 8, f. 13. — 18S6. Turritella undulata (Que nst.) Jura, p. 133, t. 19, f. 14, nicht f. 13. — Chcmn. id. Oppel, Juraf. p. 169. Das fast pfriemenforniige Gehäuse besteht aus 8 — 12 schwach gewölbten Umgängen mit sanft gebogenen Querrippen und feinen Spiralfurehen. Von ersteren kommen auf jeden Umgang 13 — 20, von letzteren meist 15. Längs der Basis jeder AVindung zeigt sich ein etwas stärkerer Spiraireifen , der an der Sehlusswindung einen deutlichen Kiel bildet. Die obersten zwei Windungen sind glatt. Manchmal ist die Schale dünner und dann nehmen sowohl die Querrippen an Stärke als auch die Spiralfurchen an Deutlichkeit ab. Die Mündung ist länglich-eiförmig, nach oben zugespitzt. Der äussere Mundrand ist scharf, der innere bedeckt als dünne Lamelle die ziendich weit vortretende Spindel. An der Basis sind die conceiitrischen Streifen meist etwas stärker als an der übrigen Oberfläche der Schale. Der Gewindewinkel beträgt fast immer 12 Grad. Von den vielen verwandten Arten, wie Ch. Bmigieriana Orb. (pl. 237), Tiirr. muricala Sow. (Quenstedt, Jura p. 38o, t. ij2, f. 5) und anderen unterscheidet sich diese Species durch ihre zweifache Verzierung und den Constanten Ge winde winkel. Sehr häufig am Hierlatz, selten am Schafberg bei Ischl, ausserdem im mittleren Lias von Breitenbach, Reutlingen, Weidbach, Heiningen, Aalen, (Zieten); Fontaine-Etoupe-four, Chalon sur Saone (Saone et Loire, Orbigny) im Lias y *on Schwaben (Quenstedt). Chenmitzla Saessi Stol. Taf. I, Fig. 2. Das Gewinde ist verlängert kegelförmig, gewöhnlich aus 10 becherförmigen Umgängen zusammengesetzt, die durch einen Kiel an der Basis von einander 164 S t l i c i k a. getrennt werden. Die zwei obersten Windungen sind glatt, die übrigen mit zahlreichen — 20 — 24 — schief von links nach rechts stehenden Rippen be- deckt, über welche am unteren Theil ein mehr oder weniger deutlicher Streif lauft, der jedoch meist nur in einzelnen Knötchen an den Rippen erhalten ist oder auch ganz fehlt. Die Schlusswindung ist gekielt, die Rasis Spiral gestreift, die Mündung ahgeriindet, nach oben zugespitzt. Der Gewiiidowinkol beträgt 20 Grad. Der Hauptunterschied zwischen dieser Art und der Ch, midntataB anz sp. liegt darin, dass erstere selbst bei gleicher Zahl der Umgiinge nie die Grösse der lelzteren erreicht, weil die Höhe jeder Windung fast nur die Hälfte ihrer Rreitt: beträgt, während sich bei Ch. undidala beide Dimensionen ziemlich gleich bleiben; ferner sind bei Ch. Sitessi Aie Querrippen zahlreicher und die Spiral- l'urchen fehlen ganz. Eine ähnliche Art beschreibt Münster als Melanin anniUala (Goldfuss p. HO, t. 198, f. 2) und Ouenstedt bildet in seinem Jura (iSö8, t. 19) meh- rere nicht näher bestimmte Stücke von Gaslropodenschalen aus dem Lias y ab, von denen namentlich Fig. 9 der Hierlatzer Art am nächsten verwandt zu sein scheint. Chetnniizia Suessi kommt sehr selten am Hierlatz vor. Aus dem mittleren Lias von Fontaine-Etoupe-four besitzt das k. k. Hof-Mineralien-Cabinet zwei Stücke. Chcuinitzia Hierlatzensis Stol. Taf. 1, Fig. 3. Das Gehäuse besteht aus zahlreichen, schwach gewölbten Umgängen _, die mit je 20—24 gebogenen, stärkeren Querrippen bedeckt sind und ausserdem mit sehr vielen Querstrelfen. Längs den beiden Näthen, so wie auch in der Mitte ist jede Windung etwas schmäler. Die stärkste Convexität befindet sich etwas unter der Mitte, und daselbst so wie in einiger Entfernung nach oben und unten befinden sich Reihen kleiner Knötchen an den stärkeren Querrippen, die vielleicht übriggebliebene Reste von Spiralstreifen sind. Der Gewindewinkel beträgt 10 Grad. Sehr selten am Hierlatz. Chcmnitzia multicostata Stol. Taf. I, Fig. 4. Die Schale ist spifz-4iiBgelförmig, die 10—12 Umgänge fast eben und durch einen Kiel an der Rasis von einander getrennt. Schiefe, von links nach rechts stehende Querrippen — 40 — SO an einem Umgange — bedecken die ganze Schale und lösen den Kiel an der Schlusswindung in einzelne, obwohl nur undeutliche Körner auf. Die Basis ist gewölbt und mit sehr zahlreichen Spiral- furchen versehen. Die Höhe jedes Umganges beträgt nur einen Drittheil der Breite. Die Mün- dung ist eiförmig und wird nach unten ziemlich breit. Der Gewindewinkcl beträgt 22 Grad. Sehr selten am Hierlatz. Von Chemnitiia Ä/c's«/ unterscheidet sich diese Art durch niedere Umgänge und viel zahlreichere Querrippen. Ülier die (iastropoileii iimi Auo|)lialcii iler Flierlutz-Schiclitcn. j 65 Cliemnitzia tupgida Stol. Taf. I, Fig. 5. Das tliurmföriiii'oi) Ch. striata Hörn es. Wiens Tei tiärmollusken I. Bd. ibö6, p. 541, t. 43. |()6 S t o 1 i c i k a. nur eine Breite von 3 Millim. an der Basis; diese ist dicht spiralgestreift. Die Mündung ist langiich-eiförmig. Der Gewindewinkel wechselt zwischen 5 und 7 Grad. Am Hierlatz kommt diese Art nicht sehr häufig vor, noch seltener aber am Schafberg, daselbst jedoch von bedeutender Grösse. Eine ganz ähnliche Sculptur besitzt Cerithium tortile Des long. (Mem, soc. Linn. de Normandie 1838, VII, pl. 9, f. 1^) von Fontaine-Ktoupe-four, so wie Turr. opalina Quenstedt (Jura 1858, p. 326, t. 44, f. iä). Turr. elongata Sow. (Zieten, p. 43, t. 32, f. S) unterscheidet sich nur durch etwas grösseren Gewindewinkel und geringere Zahl von Spiralstreifen an jedem Umgange. Sie kommt im Liasschiefer von Stuifenberg vor. Cheninitzia crenata Stol. Taf. I, Fig. 8. Das verlängerte Gewinde besteht aus 10 convexen Umgängen, deren Höhe zur Breite sich wie 3 : 7 verhält. Die ganze Sehale ist mit sehr zahlreichen feinen F'urchen bedeckt, über welche an den obersten Windungen schwache Querrippen verlaufen, so dass an den Durchkreuzungsstellen Knötchen ent- stehen. Zu oberst an der Nath befindet sich ein etwas stärkerer Spiralstreifen. Der Gewindewinkel beträgt 2S Grad. Sehr selten am Schafberge bei Ischl. Chemoitzia fistulosa Stol. Taf. I, Fig. 9. Das pfriemenförmige Gewinde setzen zahlreiche Umgänge zusammen, die durch tiefe Näthe von einander getrennt werden. Die Windungen sind fast so hoch als breit und jede derselben wird durch einen starken Kiel in zwei unter einem stumpfen Winkel zusammenstossende, ebene Hälften getheilt. Zwei gleich gebildete Kiele befinden sich auch längs den Näthen, und einer in der Mitte der unteren Hälfte jedes Umganges. Sonst bemerkt man an der glatten Schale ziemlich breite Zuwachsstreifen. Diese stehen am oberen Theile von links nach rechts, am unteren aber von rechts nach links, so dass sie die stärkste Krümmung an dem mittleren Kiel erleiden. Eine abgesonderte halbmondförmige Krümmung von Zuwachsstreifen an dem mittleren Kiel, die an die Sippe Murchisonia erinnern würde, ist jedoch nicht wahrnehmbar. Sandberger (Verst. d. Rhein. Schicht. 1850— I8S6, p. 203, t. 24, f. 18) beschreibt eine ganz ähnliche Form als Plcurotomaria Ncrinea Sandb. und vermulhet die Spaltdecke zwischen den zwei mittleren Kielen. Bei der Art vom Hierlatz könnte sie nur an dem mittleren Kiel liegen , denn unterhalb sind die Zuwachsstreifen nicht mehr unterbrochen. An der Basis befinden sich 3 oder 4 Spiralreifen. Die Mündung ist viel breiter als es gewöhnlich bei Chemnitzien vorkommt. Die Spindel ist glatt. Der Gewindewinkel beträgt 5 Grad. Diese Art kommt sehr selten am Hierlalz vor und zugleich mit ihr noch eine andere viel schlankere Form, deren Umgänge eben und mit zahlreichen über die Gastropoden und Acephalen der Hierl.itz-Schichten. 167 Körnerreihen geziert sind. Die wenigen Bruchstücke lassen jedoch keine wei- tere Destimmung zu; nur hat sich aus einem LängsschliflFe ergeben, dass es keine Ncrinea sei, obzvvar sie in der äusseren Form mit dieser Sippe sehr viel gemein hat. Sehr verwandt mit Chemnitzia fistiilosa ist Turr. inaequicincta Münst. (Goldf. p. 100, t. 196, f. 9) aus dem Lias von Pretzfcld, bei welcher der Gewindewinkel ein wenig grösser ist und an der unteren Hälfte jeder Windung sich vier Spiralreifen befinden. Chemnitzia margaritacea Stol. Taf. I, Fig. 10. Die Schale ist thurmförmig verlängert und besteht aus zahlreichen, kan- tigen Umgängen, welche durch tiefe Näthe von einander getrennt sind. An der unteren Hälfte jeder Windung befinden sich fast immer 4 gekörnte Spiral- streifen, mit denen oft schwächere abwechsein. Die obere Hälfte ist mit Spiral- und schiefen Querstreifen bedeckt, welche an den Durchkreuzungspunkten schwache Knötchen bilden. Öfters verliert sich die Sfreifung und man bemerkt blos zwei oder drei Reihen von Körnern; oder es verschwinden auch diese, in welchem Falle der obere Theil der Umgänge glatt ist und dem von Trochus Cupido Orb. ähnlich sieht. Diese Änderung in der Sculptur findet bald an den oberen, bald an den unteren Windungen Statt, so dass sie nur von dem zufälli- gen Erhaltungszustand abzuhängen scheint. Am längsten erhält sich gewöhn- lich eine Körnerreihe längs der oberen Nath. Die Basis ist stark gewölbt und mit sehr dicht stehenden, ungleich starken Spiralstreifen bedeckt. Die Mündung ist fast rund, nach oben nur wenig zuge- spitzt. Der Gewindewinkel beträgt 12 — 15 Grad. Selten am Hierlatz. Diese Art entfernt sich durch die eigenthümliche Bildung der Schale eben so sehr von Turritclla als durch die stark abgerundete Mündung von Chem- nitzia. Ich habe sie daher auch nur vorläufig hieher gestellt, da die wenigen Bruchstücke, welche mir vorliegen, nicht hinreichend scheinen, um die Sache festzustellen. Bezüglich der Form und Sculptur stimmt sie am meisten mit Turritella Ponti G oldf. (p. 103, t. 196, f. 2) aus dem Übergangskalk der Eifel überein. Schafhäutl führt (Leonhard u. Bronn's Jahrb. 18S4, p. S47) vom Hierlatz Turritella s?tb ff ramilata und subornata Sehn ih. an, deren kurze Dia- gnosen aber auf keines der mir vorliegenden Exemplare passen. Tpochos epulus Orb. Taf. I, Fig. 11. 18Ö2. Trochus epxlus Orbigny, I. e. p. 2ö3, pl. 307; 18ö3. Hörnes, 1. c. p. 738. Die Schale ist kegelförmig, aus 10 oder 12 glatten und ebenen Um- gängen zusammengesetzt, deren Höhe zur Breite sich wie 1:4 verhält. Die Schlusswindung ist an der Peripherie der Basis ziemlich scharf; die Basis selbst ist entweder fluch oder sehr sehwach gewölbt, nur in der Spindelgegend ist eine constante Vertiefung, aber kein Nabel vorhanden. Die obersten Windungen Sitzl). d. miillKMi.-niitursv. Cl. XMII. Bd. I. Ahlli. 12 108 S t (. I i c /. k a. sind jjewöliiilii'li in eini- zit/.enfüimi<;re Spilzc :ius<^e/of^en. Die Mündung' ist iiicdertjfdriic'kt viersoitif^, i'lwa um die Hälfte liroitcr als hoch. Der Oewiiide- winkol wecii.st'lt zwischen 33 und 4d Grad. Häufig am Hicrlalz, selten auf der Gratzalpe; ausserdem im mittleren Lias von Fontaine-Etoupe-four. Vom Schafbei-ff iietjt ein Stück von 24 Millim. Höhe und 17 Millim. Breite an der Basis vor, stimiiil aber in allen (ihrigen Merkmalen mit lien Exemplaren vom llierlatz iiherein. Vorliegende liesehreihung passt besonders auf die urs|»rüng!ieheOrbi gn y- sche Art, wie sie nur selten am Hierlalz vorkommt und zwar lediglieh in kleinen Exemplaren oder Bruchstücken. In Fig. 11 « ist ein Stück abgebildet, das längs den Nätben einen schwachen abgerundeten Kiel hat, so dass die Umgänge concav sind; bei Fig. 116 löst sich der obere Kiel an den höheren Windungen in schwache Körner auf, während die unteren vollkommen eben sind, Fig. 11 c ist ein grösseres Exemplar, bei dem die einzelnen Windungen gewölbt sind, so dass man allmähliche Übergänge zu stufenförmig abgesetzten Windungen findet, die sich von Trochns Acteon Orb. (1. e. pl. 306) nicht unterscheiden. In demselben Masse als die Umgänge, wird auch die Basis etwas gewölbt, deren Mitte aber stets mehr oder weniger vertieft ist. Trochns minimus Schafhäutl (Leonhard u. Bronn's Jahrb. 1834, p. 548) dürfte sieh auf eine abgebrochene Spitze von T. epulus Orb. beziehen. Es ist merkwürdig, dass in den Hallstätter Schichten eine ganz ähnliche Art, Troihus stroOiliforrnis Hörn es (Denkschriften d. k. Akad. d. Wissensch. zu Wien, XII. Bd. Ic^SO), vorkommt, welche sich nur durch flachere spiral- gestreifte Basis unterscheidet. Eben so kommt hier eine andere noch unbe- schriebene Art, die von Trocktis carinifer Hörn, ebenfalls nur durch concen- trische Streifung an der Basis verschieden ist. Diese Arten sind somit mit Beeht als vicarirende anzusehen. Trochas laeviuscaius 8 toi. Taf. II, Fig. VI, Die Schale ist kegelförmig, gewöhnlich aus 9 schwach gewölbten Umgän- gen zusammengesetzt, deren Höhe zur Breite sich beiläulig wie 1:4 verhält. Die Schlusswindung ist abgerundet, die Basis gewölbt. Die ganze Schale ist glatt und ungenabelt. Der Gewindewinkel beträgt 50 Grad. Die abgerundet vierseitige Mündung steht schief zur Axe des Gehäuses. Ziendich selten am Schafberg bei Ischl. Trochns ejjii/its unterscheidet sich stets durch ein viel höheres und schmä- leres Gewinde und viel (laciiere Basis. T. Ajax Orb. und T. Acis Orb. (I. e. 307 u. ;)13) iTaben viel höhere Windungen; ebenso auch Troch. nudus Goldf. p. 54, t. 180. Die Exemplare vom Schafberg stimmen vidlsländig mit der Abbildung des Trochns von Quenstedt (Jura t. 24, f. 9) aus dem Lias aK Stul. T.if. I, Fig. 10. Die Schule ist klein, kegelförmig und besteht aus 12 — 14 ebenen Windungen. Jeder Umgang wird von zwei scharfen Kielen begrenzt, von denen der obere sich nn den höheren Windungen in einzelne Körner auflöst. Durch diese Kiele erscheinen dann die Umgänge concav. Die Schlusswindung ist gekielt, die Basis schwach gewölbt und in der Mitte ein wenig vertieft. Die ganze Schale ist sonst glatt und ungenabelt. Die Mündung ist niedergedrückt vierseitig, etwas breiter als hoch. Der Gewindewinke! beträgt 2a Grad. Sehr selten auf der Gratzalpe. Dieser kleine Troc/iiis unterscheidet sich von T. carinifer durch seinen doppelten Kiel und n der IlierlaU-Scliielileii. 1 T 1 Trocims Aegion Orb. (I. c. p. 255, pl. 307) aus dem mittleren Lias von Coutard bei Saint-Amand hat eine ähnliche Ornamentik aber einen grösseren Windungswinkel und keinen oder wenigstens einen hei weitem nicht so starken Kiel längs der Basis jeder Windung. Ein einziges Exemplar von der Gratzalpe. Trochus plcctns Stol. T;if. 1, Fi^^ 19. Das kegelförmige Gewinde setzen 12 sehr niedrige und ebene Umgänge zusammen. Die Spitze des Gehäuses ist wie bei Trochus epnlus Orb. zitzen- förmig ausgezogen. An jeder Windung befinden sieh drei Reihen stumpfer Knoten. Die oberste Reihe trägt die stärksten Knoten und ist gewöhnlich durch eine feine Furche von den zwei unteren getrennt. Bei diesen letzteren stehen die Knoten schief unter einander und fliessen sowohl unter sich als auch mit den Knoten der obersten Reihe öfters zusammen, so dass an der Schlusswin- dung nur starke Rippen zu sehen sind. Die Basis ist flach und glatt, oder nur sehr fein spiral gestreift. Die Schale ist ungenabelt, die Mündung niedergedrückt vierseitig, noch einmal so breit als hoch. Der Gewindewinkel beträgt 45 Grad. Von dieser Art liegt mir nur ein einziges Exemplar vom Hierlatz vor, das bezüglich der Ornamentik grosse Ähnlichkeit mit Trochus Cirrus Orb. aus dem mittleren Lias von Landes (Calvados) zeigt. Bei diesem ist jedoch die unterste Knotenreihe die stärkste, die Schale genabelt und die Furchen zwischen den einzelnen Reihen viel tiefer. Von Trochus monilifer Sow. (Zieten, Petref. Württemberg t. 34, f. 4) dürfte jedoch die Orbig ny'sche Art nicht verschieden sein. Trochus atteuuatas Stol. Tat". II, Fig. 1. Das Gehäuse besteht aus 8 — 10 ebenen Umgängen, die ein glatter Spiralstreifen an der Basis jeder Windung von einander trennt. Über diesem befinden sich drei Reihen mehr weniger stumpfer Knötchen, von denen die unterste am stärksten auftritt, wodurch die einzelnen Umgänge zum Theile übergreifend erscheinen. Die Schale ist ungenabelt und die Mündung schief vierseitig. An der Basis bemerkt man nur eine undeutliche feine Spiralstreifung; sie ist gegen die Peri- pherie zu von einem stärkeren Reifen abgegrenzt und hierdurch schwach rinnen- förmig ausgehöhlt. Der Gewindewinkel beträgt 20 Grad. Diese Art kommt sehr selten am Hierlatz vor. Orbigny beschreibt von Fontaine-Etoupe-four mehrere auffallend ähn- liche Species, wie namentlich Trochus Gca Orb. und Trochus Normanianus Orb. Beide besitzen jedoch einen tiefen Nabel und dürften nicht wesentlich von einander verschieden sein. 1 72 S t o 1 i c z k a. Trochos grannlifcrus Stol. Taf. II, Fig. 2 — 4. Die Schale ist verlängert kegelförmig und zählt gewöhnlich 8 fast ebene Umgänge. An jeder Windung befinden sich vier Spiralreihen abgerundeter Körner, die an der Schlusswindung etwas weiter auseinander rücken und durch schief stehende Querrippen mit einander verbunden werden. Öfters schieben sich an den unteren Umgängen mehrere Körnerreihen ein, wobei alle bedeutend an Stärke abnehmen, so dass sie am letzten Umgänge oft nur die Stärke der Zuwachsstreifen besitzen. Selten werden die Windungen etwas mehr gewölbt, und in diesem Falle ist die Ornamentirung viel schwächer. Die Basis ist schwach gewölbt, conccntrisch gestreift und ungenabejt; die Mündung schief vierseitig. Der Gewindewinkel wechselt zwischen 30 und 3ö Grad. Häufig am Hierlatz. Bei der grossen Veränderlichkeit in der Schalensculptur erwähne ich vorzüglich eine sehr seltene Varietät dieser Art, die in Fig. 3 abgebildet ist. Die Umgänge sind eben und an ihrer Basis ein runder Kiel, über welchem sich eine starke Körnerreihe befindet, hierauf zwei sehr schwach, dann wieder eine etwas stärkere und endlich eine Doppelreihe, bei der die Körner je zwei schief unter einander stehen und zu länglichen Wülsten zusammengeflossen sind. Nur an der Schlusswindung ist eine Trennung der zwei Knotenreihen durch eine feine Furche angedeutet. Sämmtliche Stücke vom Hierlatz gleichen noch am meisten dem Trochns Emylius Orb. (1. e. Tab. 309) von Fontaine-Etoupe-four, der sich durch viel tiefere Näthe und einen grösseren Gewindewinkel unterscheidet, wie ich mich durch Vergleichung mit einem Originalstücke aus Frankreich überzeugte. Trochus Rneri Sto!. Taf. II, Fig. 5. Das Gehäuse ist verlängert kegelförmig, viel höher als breit. Die Umgänge sind schwach gewölbt, mit zahlreichen (bis 10) Spiralstreifen bedeckt. Die Schlusswindung ist durch einen stärkeren Reif, der sich längs der unteren Nath hinaufzieht, gekielt. Die Basis ist convex und spiralgestreift, die Mündung schief vierseitig, die Innenlippe flach und durch eine Furche von der Schale getrennt. Der Gewindcwinkel beträgt 36 Grad. Selten auf der Gratzalpe. Trochns Avernos Stol. Taf. II, Fig. 6. Das breit kegelförmige und zugespitzte Gewinde zählt gewöhnlich 7 schwach gewölbte Umgänge. Die ganze Schale ist mit zahlreichen, abwechselnd starken Spiralstreifen bedeckt, von denen der unterste Streif an jedem Umgänge am stärksten auftritt und an der Schlusswindung einen Kiel bildet. Die Basis ist gewölbt und ebenfalls Spiral gestreift. Die Mündung ist abgerundet, schief vier- seitig, nach oben zugespitzt. Der rechte Mundrand ist scharf, die Sj)indel glatt und bei ihrer Verlängerung etwas umgebogen. Ein Nabel fehlt. Der Gewinde- winkel beträgt 52 Grad. über die Gastroiniden uii s Note siir tc (jenre Eiirijr/iix, Bulletin (tc In nnc. IVorm. ISßO. Ül»er die Giistropotlen und Aeeplialeii der Ilierliitz-Scliiehteii. 177 Die Mündung ist rund und hat eine sehr schiefe Lage zur Axc. Die Innen- lippc logt sieh als eine dünne Lamelle an die Schale. Ein Nahe! fehlt. Der Gewindcwinkel hotriigt 50 Grad. Häufig am Schafherg. Diese schöne Art hat einige Ähnlichkeit mit Turbo Bertholeli Orb. (1. c. p. 337, pl. 328) aus dem oberen Lias von Verpillere (Isere); die Umgänge sind jedoch bei diesem viel weniger gewölbt und haben je zwei unter einander stehende Knoten in der Blitto und einen Kiel längs der Basis. Jedenfalls gehören aber beide, so wie einige andere Arten bei Orbigny, Goldfuss u. A. in eine abgesonderte Gruppe der Trochiden, mit linksgewun- dener Schale , die in dieser Beziehung sieh zunächst an die Sippe Cirrus Sow. anreiht, welcher ich auch diese Art beigefügt hätte, wenn die Knoten nicht gleichmässig stark verdickt wären oder wenn irgend eine Störung in der Ornamentik bemerkbar wäre, was doch vorhanden sein sollte, falls OiVnungen an den Knoten später geschlossen sind und vernarbt wären. Denn solche ver- narbte Öffnungen sind zum Beispiel bei Haliotis stets sehr gut zu erkennen. Phasiaaella (orbinata Stol. Taf. III, Fig. 1, 2. Die Schale ist verlängert kegelförmig, aus sechs bis acht fast ebenen Umgängen zusammengesetzt, von denen die Schlusswindung beinahe die Hälfte der ganzen Höhe beträgt. Der letzte Umgang ist gerundet, die Mündung läng- lich eiförmig, nach oben zugespitzt, die Aussenlippe scharf, die Innenlippe sehr dünn. Ein Nabel ist nicht vorhanden. Der Gewindewinkel wechselt zwischen 30 und 3S Grad. Die Basis ist sehr fein spiralgestreift. Diese Art kommt am Hierlatz häufig, seltener auf der Gratzalpe vor. Die Exemplare von letzterer Localität sind meist etwas kleiner; einige von ihnen zeigen an der Schlusswindung einen schwachen Kiel, wodurch sich die Mün- dung der einiger Trochus-Kvl^n eng anschliesst, so dass in der That die generische Bestimmung bei derlei Formen grossen Schwierigkeiten unterliegt. Eine sehr ähnliche Art beschreibt Dunker (Paläontogr. L Bd., p. 107, t. 13, f. 10) als Pnliidina Krmtsseana aus dem Lias von Halberstadt. loxoneina Haidingeri Stol. Taf. III, Fig. 3. Das schmale, verlängerte Gehäuse zählt gewöhnlich acht massig ge- wölbte Umgänge mit an den Näthen angedrückter Schale, welche nur die für dieses Genus charakteristischen, S-förmig gebogenen Zuwachsstreifen erkennen lässt. Die Schlusswindung ist abgerundet, die Basis gewölbt und ungenabelt, die Mündung ganzrandig, die Aussenlippe nach aussen zugesehärft, die Innenlippe ziemlich stark und abgeplattet, die Spindel glatt. Der Gewinde- winkel beträgt 20 Grad. Sehr selten am Hierlafz. Einige auflallend ähnliche Formen kommen im Lias von Halberstadt vor, welche Dunker n\s Paludina S7ibulata und solidula beschreibt (Paläout. L Bd. p. 108, t. 13, f. 8 n. 0). 178 S t o I i c z k a. Orljigny kennt von der Sippe Laxonemn Phil lips gegen achtzig Arten, die er sänmitlich auf die älteren Etagen mit Einschluss der 7>-/ös heschränkt. Obwohl seitdem zu dieser Sippe namentlich aus der Trias mehrere Arten hinzugekommen sind, so kann es doch kaum einem Zweifel unterliegen, dass sie bis in die jurasischen Ablagerungen hinaufreicht; wie man sich leicht aus den Abbildungen hei Dunker, Quenstedt, Buvignier u. A. über- zeugen kann. Pitonillos conicQS Orb. Taf. III, ¥\g. 4. 1852. Pitonellus eoniciis r b i g n y, I. c. p. 304, \>\. 321. * Die Schale ist spitz kegelförmig, gewöhnlich aus sieben convexen Umgän- gen zusammengesetzt , die sich nach oben viel stärker verschmälern als nach unten, so dass die stärkste Convexität unter die Mitte jeder Windung zu liegen kommt. Das ganze Gehäuse ist mit feinen Spiralfurchen bedeckt, die jedoch meist nur an der Basis und längs den Näthen sichtbar sind. Die Schluss- windung ist gekielt, die Basis nur in der Nähe der Peripherie gewölbt, indem ein zweiter Kiel die schüsseiförmig vertiefte Mitte derselben abgrenzt. Die Mündung ist rund. Die Spindel ist sehr stark und bildet eine Fort- setzung, welche mit einer knopfförmigen Verdickung endet. Die schüssei- förmige Vertiefung in der Mitte setzt sich als ein kurzer Canal zwischen der Spindel und der Innenlippe fort. Ein Nabel ist nur an Steinkernen sichtbar, wenn die callose Spindel entfernt ist. Der Gewindewinkel beträgt meist 60 Grad. Häufig am Hierlatz; Fontaine-Etoupe-four und May. Durch unmittelbare Vergleichung der Hierlatzer Art mit der französi- schen überzeugte ich mich davon, dass beide Arten vollkommen identisch sind. Orbigny zeichnet die knopfförmige Verdickung der Spindel als unmit- telbar der Basis aufliegend, die zugleich den Raum zwischen der Innenlippe und der Spindel ausfüllen soll; es kann dieser Irrthum nur darauf beruhen, dass das abgebildete Stück diese Stelle vom Gestein verdeckt hatte. Auch der Mangel der spiralen Furchung erklärt sich aus dem Erhaltungszustand, denn Spuren davon habe ich seihst an den Exemplaren von May beobachtet. Diese Art unterscheidet sich sowohl durch das hohe Gewinde als durch die abstehende Verdickung der Spindel von Vitonillus Montf. , als dessen typische Form Bronn die Rotelin nana Graleloiip (Conchyliologie fossile des terr. tert. du bass. de l'Adour.) anführt, während Hermannsen seine Bedenken gegen die Richtigkeit der Sippe Pilonillus ausspricht. Ich bin nicht in der Lage eine genaue Vergleichung der liasischen Formen mit lebenden anzustellen, glaube jedoch, dass sie beide eigene Gruppen bilden müssen. RotcIIa inacrostoma Stol. Taf. III, Fig. 5. 1853. Dclphinula reßcxUaljrum Hörn es, I. c. \\. 739. Die Schale besteht aus vier schnirkelförmig eingerollten, niedergedrückten Umgängen, deren QuersohniH ein Beclifcck mit ahgeriindefon Ecken gibt. An über die Gastropodcn und Acephalen der Ilierlatz-Sehichten. 179 der glatten Oberfläche nimmt man nur feine wellenförmige Zuwaclisstreifen wahr. Die Spindel ist sehr stark, so dass Steinkerne einen weiten Nabel be- sitzen, der jedoch bei vollständig erhaltener Sciiale fehlt, wodurch sich diese Art wesentlich von Delphinula Lam. unterscheidet. Die Mündung ist niedergedrückt vierseitig, nach aussen etwas breiter, gegen die Spindel zu mit einer Einbuchtung. Die Aussenlippe breitet sich stark aus, ist aber nie zurückgeschlagen wie hc\ Delphinula reflexilabrumOvh. (1. e. p. 3i7, pl. 323) aus dem Liasien von Fontaine-Etoupe-four. Letztere unterscheidet sich ferner durch ihre abgerundete Mündung, convexe Umgänge und höheres Gewinde; auch sie ist ungenabelt. Am Hierlatz kommt Rolella macrostoma häufig vor, etwas seltener auf der Gratzalpe. Eine nahe verwandte, wenn nicht identische Form bildet Oppel (Mittlerer Lias von Schwaben 18S3, t. 3, f. 11) als Margarita sp. Leach. aus dem oberen Lias Y von Hinterweiler ab. Neritopsis laevis Stol. Taf. III, Fig. 6. Das Gehäuse ist halbkugelförniig, aus vier convexen in einander gescho- benen Umgängen bestehend. Die Schale ist glatt und man bemerkt blos feine Zuvvacbsstreifen. Ein Nabel fehlt. Die Mündung ist rund, die Aussenlippe nach unten etwas vorgezogen und scharf, die Innenlippe sehr dünn. Die Spindel besitzt eine gleichmässige Einbiegung und ist glatt. Sehr selten am Hierlatz. Neritopsis elegantissima Hörn. Tnf 111, Fit». 7 (I. c. 1853, p. 763). 1834. Nalicella tiiba S e h a f h ä u 1 1 , L e o n h. und |{ r o ii n's Jahrb. p. 546, t. 8, f. 1 u. 2. Das Gehäuse ist länglich halbkugelförniig und besteht aus drei runden, an Grösse sehr rasch zunehmenden Windungen, in deren Mitte die glatten Em- bryonal-Umgänge liegen. Die Mündung ist fast kreisförmig mit einem seichten Canal am oberen Theile. Die Aussenlippe ist sehr scharf und breitet sich gewöhnlich flügelartig aus. Bei fortschreitendem Wachsthum der Schale bleibt der äusserste Rand stehen und bildet scharfe, gebogene Querrippen. Allmählich werden diese Rippen abgebrochen und abgerieben und die übriggebliebenen Mundwülste erscheinen nun aus zwei in der Mitte durch eine Furche getrenn- ten Hälften zusammengesetzt. In seltenen Fällen breitet sich der äussere Mundrand nicht so stark aus und dann sind auch die Rippen viel schwächer. Die Innenlippe ist glatt und bedeckt als eine sehr dünne Lamelle den kleinen Nabel stets vollständig. Die Spindel ist bei ihrem ganzen V'erlaufe an dem inneren Mundrand gleichmässig eingebogen, während sieh bei den ter- tiären Nerilopsis-Ai'ten ein starker Ausschnitt in der Mitte befindet, wesshall> man für erstere Formen den späteren Namen iVfl/ice//a S w a i n s. annahm. Beide Sippen unterscheiden sich nicht wesentlich von einander. 180 S t o I i c /. k a. Die ganze Schale ist ausserdem mit abwecliselnd stärkeren und schwä- cheren Spiralstreifen bedeckt, wodurch sich diese Art eng an Neritopsis He- bertana Orb. (I. c. p. 221, pl, 300) aus dem mittleren Lias von Fontaine- Etoupe-four anschliesst. Bei dieser sind jedoch die Streifen etwas weiter aus- einander und bilden an den Querrippen scharfe, spitzige Knoten, auch ist bei ihr ein schwacher unbedeckter Nabel stets vorhanden. Neritopsis elegantissiina gehört zu den häufigsten Vorkommnissen am Hierhitz und auf der Gratzalj)^ Discohelix D u n k. Die Sippe Discohelix wurde von Dunker im Jahre 1848 (Paläontograph. I. Bd. p. 132) für scheibenförmige, auf beiden Seiten gleiehmässig vertiefte Gastropodensehalen mit vierseiligen, vollkommen evolutcn Umgängen vorge- schlagen. Orhigny stellte die hierher gehörigen Formen zu Strapnrohis Montf. 1810, während fast alle anderen Conchiliologen dafür den Namen £'«/o??iy;Äö/«s Sow. 1814 annahmen, weil Sowerby zuerst sein Genus sicher charakteri- sirte. Goldfuss (Petref Germ, pars II) beschreibt sie i\]s Euompha/us , und seitdem sind viele dieser Sippe angehörige Arten unter Planorbis , Adeorhis, Solarium u. a. beschrieben worden. Sie stammen zum grössten Theile aus der Secundärformation. Auch Prof. Reuss glaubt zwei Arten vom Hierlatz, welche er in den Palaeonlographicis III. Bd., p. 114 so vortrefflich beschreibt, nicht von Eiwmphalus trennen zu dürfen, indem er sehr richtig bemerkt, dass die Schale nicht beiderseits gleiehmässig vertieft ist. Man kann in der That namentlich an Steinkernen ein sehr schwaches Aufsteigen der innersten Win- dungen in den meisten Fällen heobachten, wodurch es auch oft allein möglich wird zu bestimmen, ob ein Gehäuse links oder rechts gewunden ist. Dunker gab nun (Paläont. HI. Bd.) seinen Namen selbst wieder auf. Ich halte jedoch nicht so sehr die Lage als vielmehr die Form der Umgänge für charak- teristisch. Denn vergleicht man die rb ign y'schen Arten (Pal. franc. terr. jur.pl. 322 — o23j bezüglich ihrer Gesammtform in der Reihe Straparoliis sub- aciptalis, Sapplio, sinister, pulchcllus Orb. und St. tubemi/osiifi Thor ent. , so findet man einen allmählichen Übergang von hiconcaven zu planconcaven und von diesen zu convcx concavcn Gehäusen, ohne dass man wesentliche Verände- rungen im Bau der Schale bemerken würde. Die Umgänge bleiben vierseitig und legen sich mit der Innenfläche so aneinander an, dass sie beiderseits alle in ihrer ganzen Breite sichtbar bleiben. Bei dem ursprünglichen Genus Eiiom- pltalun sind die Bindungen nie von so constantor Form. Der wesentlichste Charakter dieser Sippe scheint mir jedoch in dem Waehsthum der Schale zu liegen, mit dem natürlich auch die Gestalt der Mündung zusammenhängt. Denn nur ein verschiedenes Waehsthum setzt auch ein von Eiioniplutlun in der Organisation abweichond gebautes Thier voraus. Bei allen Iixem|)larcii vom Hierlalz bemerkt man an der Bückenfläche sichelförmig noch rückwärts gebogene Zuwaehsslreifen, welclien eine Ein- Ülicr |Mi.lfii iiii.l Ac.'i)li:ik'ii .ler Hierlat/.-SeliicIitt'ii. |83 gehl, dass flie Schale links |,n>\viiiul('ii ist. Die Wiiidtingeii (9 — 10) sind vier- seitig, nach innen etwas schmäler und fast eben so breit als hoch. Seltener iibertrifl't die Höhe die Breite um die Ilulfte. Die gekörnelten Kiele, welche die Rückenfläche begrenzen, liegen Spiralfedern gleich, an der Oberfläche ein- gerollt. Die einzelnen Knötchen stehen auf der Schlusswindung entweder dicht neben einander (Fig. 8 c) oder schnüren sich zu einem vollständigen Kiel ab (Fig. 8rf) oder sie rücken daselbst weiter auseinander und bilden spitze Zacken, an welchen sich die Spiralstreifen wellenförmig auf und ab biegen (Eiiompfialiis ovnalus Hörn.^ Fig. 9 u. 10. Von den schnurförmigen Kielen bis zu einzelnen Zacken tinden sich all- niählige Übergänge, so dass offenbar beide Species einer einzigen angehören, da die Form der Gehäuse sich vollkommen gleich bleibt. Die Spiralstreifen sind gewöhnlich an den beiden concaven Seiten etwas schwächer als an der fast ebenen Rückenfläche. Ihre Zahl und Stärke ist je- doch grossen Veränderungen unterworfen. Das schwächere Auftreten oder fast gänzliche Verschwinden der Streifen rührt oft von dem Ablösen einer oder mehrerer Lagen der Schale her. Die Mündung ist nur zun) Thcile an einem Exemplar erhalten; sie ist wie der Querschnitt eines Umganges vierseitig, etwas erweitert. Der rechte Mund- rand ist an der Rückenfläche eingebuchtet, die Ecken der Kiele sind deutlich vorstehend und nach aufwärts gebogen. Der obere und untere Theil der Aussenlippe ist, den Zuwachsstreifen entsprechend, sanft ausgeschweift. Sehr häutig am Hierlalz, sehr selten auf der Gratzalpe und am Schafberg. Dunker (Paläontogr. 111. Bd. pag. 116) meint, dass sein Üiscohellx cal- culiforinis aus dem Lias vom Heinberge vielleicht mit der Hierlatzer Art iden- tisch ist. DIscohelix reticolata Stol. Tuf. III, Fig. 11. Die Form des Gehäuses ist kreisrund und an beiden Seiten gleichmässig, seicht schüsseiförmig verlieft, so dass man an den wenigen vorliegenden Exemplaren nicht zu entscheiden vermag, welche die obere Fläche und welche die Nabelseite ist und somit auch, ob das Gehäuse links oder rechts gewun- den ist. Die acht Umgänge sind vierseitig und umfassen einander vollständig, sie sind etwas breiter als höher. An der oberen und unteren Fläche sind die Zu- wachsstreifen schwach «förmig gebogen und nach vorne gerichtet; gegen die Kanten werden sie etwas stärker, so dass eine gekörnte Nuth die Umgänge von einander trennt. An der Rückenfläche sind sie schwach nach rückwärts gebo- gen und werden hier von beinahe gleich starken Spiralstreifen durchkreuzt, wodurch die Schale netzförmig gegittert erscheint (Fig. 11 r). Die Mündurg ist vierseitig, sehr schief zur Axe, mit dem Ausschnitt am rechten Mundrand , die Innenlippe ist sehr dünn. Sehr selten am Hierlatz und Schafberg bei Ischl. Sittb. a.inall.eiii.-iiHtiirw.CI.Xl.lli.H.i. I. Al.tlr. 13 184 S I o I i z k a. Discokelk excavata Reuss sp. Ttif. III, Fig. 12. 1832. Euomphalus excuvalus Reuss ( Paliiuiilogr. Il[. |i. IIa, t. 1(5, i.'l), — 1833 id. II ö r II e s . I. C-. p. 7Ü0. — 18.34. Euoinji/i. rvtundatus S c li a f h ii u t I. (Jahrb. von Leonharil u. It r o n n, p. 347.) Das Gehäuse ist scheibenförmig, rechtsgewunden, auf der Nabelseite tiefer ausgehöhlt. Die Umgänge sind vierseitig mit schwach gerundeten äusseren Kan- ten; ihre Breite verhält sich zur Höhe wie 1:2. Die stärkste Convexität der Rückenfläche liegt etwas über der Mitte gegen die weniger vertiefte obere Fläche und die Zuw;tchsstreifen sind auch daselbst am stärksten einwärts gebogen. Die einzelnen Umgänge sind durch einen knotigen Kiel von einander getrennt. Die Knoten rücken besonders an der Schlusswindung ziemlich weit auseinander oder werden fast ganz unkenntlich, wenn sich eine oder mehrere Lagen der Sehale ablösen. Die Mündung ist vierseitig und erweitert sieh etwas, so dass sie fast eben so breit als hoch ist. Eine Anfbiegung des äusseren Mundrandes konnte bei dieser Species nicht beobachtet werden. Der Ausschnitt ist jedoch vorhanden. Das Verliältniss der Höhe zum Durchmesser der Schale beträgt gewöhnlich \ : 2"5; die Exemplare erreichen nie die Grösse des D. orbis. Von diesem unter- scheidet sich D. excaiHita durch geringere Grösse, höhere Windungen, Mangel an Spiralstreifen und den gewölbten Rücken. Diese Art kommt sehr häufig am Hierlatz, seltener auf der Gralzulpe vor. Dlscohelix Renssi Hörn. sj). Taf. III, Fig. 13, 14. 1833. Enomphahis Ecussii Hörn es, I. e. p. 760. Die Schale ist abgerundet fünfseitig, rechtsgewunden, an der Nabelseite etwas stärker vertieft und wenig schmäler. Die grössten Exemplare haben nur einen Durchmesser von 20 Millim. bei einer Höhe von 6 Miliim. Das Verhält- niss der Breite zur Höhe jeder Windung ist 1 : 2. Die Zuwachsstreifen sind an dem schwach gewölbten Rücken einwärts gebogen. An der oberen und unteren Fläche lauft von jedem Knötchen des Kieles, neben mehreren feineren, ein etwas stärkerer, schwach * förmig gebo- gener Streifen. Die ganze Schale ist mit Spiralstreifcn bedeckt, welche an den concaven Flächen etwas entfernter stehen und durch Kreuzung mit den Zuwachsstreifen der Schale ein gegittertes Ausseben versebafien (Fig. 14 c). Manchmal fehlen die Spiralstreifen ganis, ohne dass einzelne Lagen der Schale abgelöst wären; vielleicht deutet dies auf einen Geschiecbtsuntersehied hin, denn die beiden Gehäuse stimmen sonst so vollständig überein, dass sie ohne Zweifel nur einer Art angehören. In der Jugend (Fig. 13) ist das Gehäuse abgerundet und man bemerkt nur fünf schwach gebogene Furchen an der Peripherie; allmählich werden diese Furchen tiefer, indem sich der daranstossemle Theil der Schale bedeutend erhebt, und gegen die nächste Furche wieder sinkt, hiedurch erlangt das Gehäuse eine fünfsi>i(ige Form, welche einem Pentacrinitenstiel nicht unähnlich Ulu'r die Gaslioiiodeii iiiid Acei>hnli'ii der Hierliüz-Sühifliteii. 185 ist (Fig. 14 rt). Wenn die Furchen das pei-iodische Waclistluim der Schale an- deuten, so folgt, dass die Mündung vor ihrem Ende eingeschnürt und hierauf -erweitert war, es würde dies ein zweites Beispiel einer Aiifhiegung des äusseren Mundrandes sein. Die Innenlippe stellt eine ziemlich starke, glatte Lamelle dar. Selten am Hierlatz und auf der Gratzalpe. Discohelix spinicosta Stol. Taf. III, Fig. 15. Das Gehäuse ist scheibenförmig, rechts gewunden. Die obere Seite ist ilach, d»e untere hat einen breiten, stufenförmig verengten Naitel. Die einzelnen Umgänge sind im Querschnitte quadratisch und so an einander gelegt, dass sie von oben und unten in ihrer ganzen Breite sichtbar sind. Die Zuwachsstreifen sind ziemlich stark, an der Rückenfläche einwärts gebogen (Fig. 15 d und 6). Zwischen je sechs oder sieben feineren Streifen liegt an der oberen und unteren Seite ein stärkerer, der sich an der Peripherie bei- derseits zu spitzen Knoten verlängert (Fig. IS c). DieNäthe sind ausgezackt. Da dieZuwachsstreifen denselben Verlauf haben wie bei den anderen Disco/ielix, so unterliegt es keinem Zweifel , dass auch diese Species in dieselbe Gruppe gehört. Spiralstreifen sind nicht bemerkbar. Sehr selten am Hierlatz. Durch die vollkommen vierseitigen Windungen, dem Mangel an Spiral- streifen und durch schwächere aber spitzere Knoten unterscheidet sich diese Species von Straparolus Sappho Orb. aus dem Oxfordien von Trouville (Cal- vados) (1. c. p. 313. pl. 323). Pleurotoniaria expansa Sow. sp. Taf. III, Fig. 16. 1821. Uelicina expunsa u. solarioides Sowerby, t. 273, f. 1 —4. — 1840. Ziet., Pelref. Württembergs, t. 33;— 1843. Rotellu id. Goldf. \>. 102, t. 193.— 1848. Pleurotomuria suturalis D e s I o n g c h a in p s , Pleurotomaires p. 147, pl. 17, f. 3. Mem. de la soc. Linn. de Normandie. — 18o3. Pleurotomat ia c.vpansa Hörn., I. c. p. 762; — id. C h a p u i s et D e \v a I q u e , Descript. d. foss. d. Louxbg. p. 97, t. 13, f . 3 ; — id. Orb. I. c. pl. 3Ö2; — 1836. id. p p I. Jniaf. p. 172; — 1838. id Q u e n s t. Jura, p. 193. Das kreiseiförmige Gewinde wird von sechs Umgängen gebildet, an deren Peripherie sich ein mehr oder weniger starker Kiel befindet, der das Band trägt. Der Spalt ist nicht tief. Die obere Fläche der Umgänge ist meist schwach gewölbt oder eben, die Basis ist convex. Die Mündung ist abgerundet, fast quadratisch, die Schale vollkommen glatt, der Nabel wird von einer starken Callosität bedeckt. Häufig am Hierlatz, nach DesI o n geh amps im Liasien von Landes, Curcy, Fontaine-Ktoupe-four, Saint-Amand (Cher); nach Chapuis und Dewalque im Lias von Jamoigne und Strassen, nach Zielen im Lias- schiefer von Boll und Schlatt, nachOppel häufig im ganzen mittleren Lias von Schwaben. Er fand sie auch in dem Maristone von Yorksliire. Oppel trennt mit Recht diese Art von der PI. polita Sow. sp. aus dem unteren Lias, welche kein wulstförmigcs-Band besitzt. Die Hierlatzer Vorkomm- 13» j 86 S t o I i o / k :.. nisse gehören jener glatten und niederen Varietät mit an der Oberfläche schwach convexen Umgängen an, welche im Chapuis und Dewalque abgebildet ist. Sie sind vollkommen identisch mit denen von Etoiipe-four und May, au denen die Sj)iriilstreifen auch selten erhalten sind, während sie bei den schwä- bischen Exemplaren meist deutlieb auftreten. PI. rotcllaeformis aus dem unteren Lias wird im mittleren Lias durch PL heliciformis, PI. polita durch PL expansa vertreten. Jedenfalls ist das ein auf- fallende.s Beispiel von echt vicarirenden Formen. PIcurotonini'ia heliciformis Deslon^. Taf. HI, Fig. 17.* 1848. Plcurofoinariii heticiformis D e s I o n g' c h a in p s, Pleurot. p. 149. pl. 17. f. 2. - 1853 id. C/iap.et Dew. p. 00, pl. XII, f. 13 1), c; 1836 id. ü p p e 1, Juraf. p. 172. — 18S3. l'leurotonuiiia roleüaefonnis O r I) i g ii y, I. c. p. 40Ü. pl. 348; — id. H ö r n 8 s, 1. c. p. 762. Das Gehäuse ist niedrig, kreiselförnMg gewunden und besteht gewöhnlich nur aus vier deutlichen Windungen, an deren äusserster Peripherie das breite Band sieh befindet. Die Kanten, welche die Spaltdecke begrenzen, sind zwar scharf, aber die Umgänge im Ganzen niedergedrückt abgerundet. Die Sehale ist vollständig glatt und selbst die Zuwaclisstreifen sind meist undeutlich sichtbar. Die Mündung ist abgerundet, viel breiter als hoch. Der rechte Mund- rand ist an der Unterseife ziemlich stark und trägt in der Mitte etwa einen liefen Spalt. Die Innenlippe bedeckt als eine massig starke Callosiiät den Nabel, der nur an Steinkernen sichtbar ist. Die Schale ist fast an beiden Seiten gleich stark gewölbt. An einem k^xemplare, welches da^. k. k. Hof-Mine- ralien-Cabinet derGüte des Hrn. D eslongchamps verdankt.sind an der oberen Fläclie noch die Farben erhalten; es sind unregelmässige, braunrothe Flecken. Diese Art kommt am Hierlatz häufig vor, seltener am Sehafberg, ausser- dem im mittleren Lias von Fontaine-Etoupe-four, Chalon-sur-Saone (Saöne et Loire), Jamoigne und Hinterweiler bei Tübingen. An letzterem Fundorte in Schwaben liegt sie naeli Oppel an der Grenze zwischen Davöi- und Margari- tatusschichten. Oppel (Juraforml. p. 172) und Ter quem (Memoires d. I. soe. geol. d. France X. ser. t. V. 1855, p. 273} liaben mit Beeht die untere liassiscbe Art PL rotcUaefovDiiN Dunker, Paläont. Bd. I. p. 111. t. 13. f 12) von der aus dem mittleren Lias getrennt. Denn erstere ist stets viel höher und schmäler. — Gewiss ist, dass die Vorkommnisse am Hierlatz mit den französischen voll- kommen identisch sind. Pleurotomnria foveolata De.slong. Taf. IV, Fig. 1. 1848. I'leurotoinuria foveolutu I) e s I o(len und Aeephalen der Hierlutz-Sohichteii. 18T eben oder sch\v;\cli ooncav. Zwischen Iteiden liegt die enge Spaltdecke mit zwei oder drei Spiralstreilen versehen." Über dem Bande stehen die Zuwachs- streifen schief von links nach reelils nnd sind stärker als an der übrigen Schale, welche ganz mit Spiralstreifen bedeckt ist. Die Streifung der Schale ist i'iberhaupt sehr veränderlich; manciinial treten einige Spiralslreifcn, nament- lich an den beiden Kielen, stärker auf, ein anderes Mal verschwinden sie fast ganz wie PI. foveolala car. suhlurrila D eslongc hanip s, pl. 15. f. 3 a. Die Basis ist stark gewölbt, die Mündung abgerundet vierseitig. Kin Nabel ist nur selten vorhanden. Der Gewindewinkel beträgt 68 — 70 Grad. Ziemlich selten am Hierlatz und auf der Gratzalpe ; ausserdem im mitt- leren Lias von Fontaine-Etoupe-four. Die Arten vom Hierlatz haben eine ziemlich stark verdickte Spindel, die an der Basis eine knopfförmige Verdickung trägt. Bei älteren Exemplaren ist entweder diescVerdickung ausgefallen oder es ist wirklich ein schwacher Nabel vorhanden. Weder D e sl on geh a mps noch rbigny erwähnt bei den fran- zösischen Arten eines Nabels. Die verdickte Spindel tindet sich aber auch bei ihnen vor, wie ich mich an den Originalstücken von Fontaine-Etoupe-four, welche das k. k. Hof-Mineralien-Cabinet Herrn Deslongchamps verdankt, überzeugte. Der Nabel ist somit dann nur an Steinkernen vorhanden. Hinsichtlich der mehr oder weniger verlängerten Form und der Orna- mentik wechseln die Hierlafzer Arten gerade in ähnlicher Weise, wie sie Deslongchamps angibt, daher er sie auch mit Recht blos als sechs Varie- täten unterschied, welche rbigny in seinem Prodrome zu sieben eigenen Arten erhob, die er in seiner Paleonlologie franfaise auf fünf reducirte. Pleurotomaria Uierlatzensis Hörn. Taf. IV, Fi), oder es sind starke Knoten, über welche 2 — 7 Spiralstreifen verlaufen (Fig. 9). Unter der Knoten- reihe befinden sich 1 — 3 Streifen jederseits der Spaltdecke. Liings der Basis jeder Windung läuft wenigstens ein stärkerer wellenförmiger Reif (Fig. 8 4. Patclla inaeqiticosfuta Scliafhäutl, Leonhard u. Bronn's Jalirb. p. S46. Die Schale ist breit kegelförmig mit excentrischcm nach vorne gekrümmtem Wirbel, von welchem starke Rippen ausstrahlen, die mit schwächeren abwech- seln; letztere reichen nicht bis zum Wirbel. Feine Querstreifen bedecken die ganze Schale (Fig. 3 a, Seitenansicht). Die Vorderseite ist stärker gewölbt und an ihr stehen die Radialrippen etwas weiter aus einander. In der Mittellinie dieser Fläche läuft eine elliptische Furche, deren Mitte von der Athemröhre durchbrochen wird. Von dieser geht dann eine scharfe Rippe bis an das Perisom (Fig. 3 b, ein Steinkern). Bei vollständig erhaltener Schale ist eine einfache sehr schmale Spalte vorhanden. Die hintere Seite ist etwas grösser und ein wenig concav. Die Mündung ist oval, mit gekerbtem Rande (Fig. 3 c, innere Ansicht). Ziemlich selten am Hierlatz und auf der Gratzalpe. Alaria Fischeri 8 toi. Taf. VI, Fig. 4. Das spindelförmige Gehäuse besteht aus etwa 10 convexen Umgängen, in deren Mitte sich eine Reihe von Knötchen befindet, von denen meist 20 auf einn Windung kommen. Die ganze Schale ist mit zahlreichen Spiralstreifen und 194 S t o I i c z k ». bogenCörmigen Zuwachsünien bedeckt. DieSehlusswindung breilet sich in einen Flügel aus, der jedoch hei den wenigen vorliegenden Stücken zum Theil abge- brochen ist. Der Canal ist dünn, schwach nach aussen gebogen und erreicht etwas mehr als ein Hrittel der Grösse der Schale; auch dieser ist bei keinem Exemplare vollständig erhallen. Der Gewindewinkel beträgt 20 Grad. Überhaupt hat diese Art eine grosse Ähnliehkeil mit Plerocera Dealong- champai Orb. (pl. 430, f. ü) aus dem Bajocien. Selten am Schal'berge und am llierialz. IL A c e p h a 1 e n. Cypricardia Partschi Stol. Tat". VI, Kig. 5. Das Gehäuse ist ai)gerundet parallelopipedisch, gleichklappig. Jede Klappe ist ziemlieh stark gewölbt, mit 10 — 16 breiten, durch tiefe Furchen getrenn- ten, concentrischen Umgürtungen, die an der Vorder- und Hinlerseite sehr schmal werden und am Wirbel meist ganz verschwinden. Ausserdem sind auf diesen Gürteln noch zarte Anwachsstreifen sichtbar. Die Wirbel sind stark nach vorne und unten gekrümmt. Die Lunula ist massig vertieft, verkehrt birnförmig, die Area lang aber sehr schmal und von einer scharfen Kante begrenzt. Die Schlosstläche ist halbmondförmig gebogen, die rechte Klappe trägt hinter dem Wirbel einen massig starken Zahn, für welchen sich in der linken eine entsprechende Grube befindet. Das Ligament liegt innerlich auf der hinteren Schlossfläche in einer schmalen Furche am Rande. Der vordere Muskeleindruck ist etwas kleiner, abgerundet und tiefer, der hintere grösser und weniger tief. Der Manteleindruck besitzt keine Ausbuch- tung. Der Rand der Schale ist gezähnelt (Fig. 5 c) und dies ist der einzige Grund, warum ich diese Art nicht der Sippe Cnrdinia zugezählt habe. Ziemlich häufig am Hierlatz. Einige Stücke, welche das k. k. Hof-Mineralien-Cabinet aus demOolithvon Moutiers undFeuguerolles besitzt, stimmenmit jenen vom Hierlatz fast vollständig überein. Eben so verwandt \&tAs1arte e.vcavafa und stihcarinata bei Goldfuss. Bei keinen von diesen Arten ist Jedoch der Wirbel so stark nach vorn gebogen. Auf diese Art oder auf Opis clathrata kann man den SchafhäutTschen Namen Ci/theruia itnhricata (hocardla Partsclii?) (Leonhard u. Bronn's .lahrb. 18.t4, p. 54()) beziehen. Nach den Originalstücken in der Sammlung des Hrn. Hofrathes Fischer zu urtheilen, hat dieser Autor beide Arten unter dem angeführten Namen begrifl'en. Opis clathrata Stol. Taf. VI, Fig. G. Die Schale ist herzförmig, sehr stark, gleichklappig, mit 12 — 24 breiten concentrischen Gürteln , welche durch tiefe feingezähnelte Furchen von ein- über die Gasti-opodi'u iiiid Ace|)liiilen der Hi«ilalz;-ScliicliteM. j t)i> ander getrennt sind. üieseZiilinelungderFurclien wird durch feine Hadialstreifen hervorjfebraclit, die sieh an den einzelnen Gürteln nicht entsprechen (Fig. i'tf'). Uie Wirbel sind stark nach vorne gekrümmt und eingebogen. Die vordere Abda- chung ist viel steiler als die hintere und die Lunula sehr tief. Die ümgürtungcn setzen sich an die Lunula und Area ununterbrochen fort, werden aber an diesen Flächen viel schmäler. Keine von den beiden Flächen ist äusserlicb durch eine Kante abgegrenzt. Man sieht nur in einiger Kntlernung von der l>nnula an der Innenfläche der Sehale eine mehr oder weniger tiefe !{inne vom Wirbel gegen den Rand laufen, wo dann am Steinkerne eine vorspringende Kante auftritt; ein wesentliches Merkmal dieser Sippe. Die rechte Klappe trägt etwas rückwärts unter dem Wirbel einen dicken Zahn und zwei nebenstehende tiruben, in welche zwei Zähne der linken Klappe hineinpassen; der vordere von diesen ist viel stärker als der hintere. Sowohl die Zähne als die Gruben stehen schief gegen die Längsaxe der Muschel. Das liigament liegt auf der hinteren, spitz auslaufenden Schlossfläche in einer feinen Furche am Rande. Das Ferisom ist fein gezähnelt. Der vordere Muskeleindruck ist viel tieferund kleiner als der hinlere; neben letzterem befinden sich nach innen und oben noch einige kleinere Eindrücke; beide zeigen concentrische Furchen. Der Manteleindruck besitzt keine Ausbuchtung. Sehr häufig am Hierlatz. Area a^iculina Schafliäutl. Taf. VI, Fig. 8 (I. c. p. Ö46). Das Gehäuse ist abgerundet, schief vierseitig, mehr als einmal so lang als hoch. Die Wirbel sind weit nach vorne gerückt, stark eingebogen und an der hinteren Seite mit einem abgerundeten Kiele versehen, wodurch sie besonders gegen die Spitze zu flachgedrückt erscheinen. Der vordere Flügel ist kurz, der hintere sehr gross. Die Sehale ist mit deutlichen Zuwachs- und sehr feinen Radialstreifen bedeckt. Das Bandfeld reicht bis unter die Wirbel hinauf, ist fein linirt und durch starke Leisten von der Schale abgegrenzt. Zähne sind an dem stets beschädigten Schlosse der wenigen Exemplare, welche mir vorliegen, nicht sichtbar; man bemerkt jedoch an einem Sieinkcrne einige schief stehende Leisten an dem hinteren Flügel, wie solclie bei Mucrodon vorkommen, das sich aber von Area nicht wesentlich unterscheiden dürfte. Selten am Hierlatz. Ich fand den vom Herrn Schafliäutl eigenhändig geschriebenen Namen lici einigen Stücken aus der k. k. geologischen Reichsanstalt und dies bewog mich, die treffend gewählte Benennung dieser Art beizubehalten. Ciiciillaea Münsteri Z\el. (Q uensted t, Jura 1858, p. 150 u. 185. t. 18 u. 23) aus dem Lias y und o von Schwaben ist sehr verwandt, aber viel höher und kürzer. Area solcosa StoL Taf. VI, Fig. 7. Die Schale ist länglich trapezoidisch , gegen vorn niedriger und massig gewölbt. Die Wirbel reichen weit nuch vorne und von ihnen lauft schief nach 196 S t o 1 i e i k a. Iiiiileii eine hn-ife nber selir flaelie Rinne. Die Anwachsstreifen sind besonders in der Nälic der Periplierie deiitlieli; sie werden von einer feinen etwas wellen- förniijjen Riidinistreifun^ l^ekreiizt. D.is Schloss ist sehr lang mit zaiilreichen kleinen Zälmen, welche namentlich gegen das hintere Ende in schiefe oder horizontale Leisten übergehen. Das Bandfeld ist fein, horizontal linirf. Ziemlich häutig am Hierlatz, selten am Schafberge. Area caprina Stol. Taf. VI, Fig. 9. Die Sehale ist schief trapezoidal, stark gewölbt, mit eingebogenen und ziemlich weit von einander entfernten Wirbeln, welche sehr weit nach vorne zu stehen kommen. Der hintere Flügel ist sehr gross und oft sogar etwas aus- gehölilt. Vom Wirbel läuft an der Vorderseite eine schwach vertiefte Rinne gegen das l'erisom. Der Schlossrand ist gerade, mit einem schmalen linirteii Bandfeld und abgerundeten Enden. Die ganze Schale ist mit concentri- schen Streifen bedeckt, welche durch fein punktirte Furchen getrennt werden. Diese Punktirung wird durch eine feine, wellenförmige Radialstreifung hervorgebracht, die auf der Höhe der concentriscben Streifen abgerieben ist (Fig.9i'>). Diese Art kommt am Hierlatz, Gratzalpe und am Schafberge vor, doch überall ziemlich selten. Die Exemplare vom Hieriatz sind meist etwas kleiner, kürzer und stärker gewölbt, so dass sie dev Area liiieata Goldfuss p. 147, t. 123 vom Lindenerberge sehr ähnlich sehen; doch fehlt dieser die charakte- ristische pjinsenkung vom Wirbel herab. Es ist möglich, dass sich auf diese Art, namentlich auf die kleinen Stücke vom Hierlatz, der Name Nuciila trigonclla Schafhäutl bezieht. Pecten subreticulatus Stol. Taf. VI, Fig. I, 2. 181)4. Pecten reticuhitus S e li a f h ä u 1 1 , I c. p. 546. Die Schale ist breit oval, fast gleichseitig, die linke Klappe stärker ge- wölbt, die vordere Abdachung ist sanft gebogen, die hintere etwas kürzer und gerade. Vom Wirbel strahlen zahlreiche Rippen aus, die mit schwächeren ab- wechseln, welche letzteren nicht bis zum Wirbel reichen. Ausser diesen ist die Schale mit concentriscben Streifen bedeckt und es bildet sich ein ziemlich weit- maschiges Gitternetz (Fig. 2 6), wie es bei P. rcltciilutus Goldfuss p. 43, t. 89, f. 2 aus dem Muschelkalk von Bayreuth vorkommt. Die Ohren sind ungleich gross, mit radialen und concentriscben Streifen; das hintere ist viel kleiner und schief abgestutzt, das vordere ist an der Deckelklappe mit einem tiefen Aus- schnitt für den Austritt des Byssus versehen. Sehr häufig am Hierlalz und auf der Gratzalpe. Pecten reüoulalus Schlot h e i m unterscheidet sich durch Mangel jeder Streifuiig an den Ohren und durch stärker gewölbfe Wirbel. i'lier die riaslruiioileii iiiid A('e|>lialeii der Ilierlatz-Sohicliteii. 197 Pecten Rollei Stol. Taf. VI, Fig. 5, G. Üie Soliale ist abgerundet, etwas höher als lang. Beide Klappen sind fast gleichmüssig gewölbt, mit starken concentrischen Wülsten, welche gegen die Peripherie breiter und niedriger werden. Vom Wirbel gehen radienartig Rippen aus, die von concentrischen, etwas schwächeren Streifen durchsetzt werden; zwischen denen sieh dicht an einander feine und schief stehende Leistchen (Fig. b) befinden, so dass die Sehale eine vierfache Ornamentirung zeigt. Die Ohren sind ungleich gross und durch doppelte Streifung gegittert. Das vordere grössere Ohr ist an der linken Klappe sanft ausgebucbtet, an der rechten besitzt es einen tiefen Ausschnitt für den Austritt des Byssus. Sehr selten am Hierlatz, sehr häufig am Schaf berge. Diese Art hat die grösste Ähnlichkeit mit Pecten culifovinis Hörn es (Denkschr. IX. Bd., p. .^3, t. 2, f. 20) aus den Hallstätter Schichten; dieser ist jedoch etwas schmäler, flacher und die Ohren sind im Verhältnisse zur Grösse der Schale viel kleiner. Ferner sind die radialen und die concentrischen Streifen gleich stark. Pecteu verticlilus Stol. Taf. VJ, Fig. 3, 4. Die Schale ist schief, abgerundet; die linke Klappe ist viel stärker gewölbt und zwar liegt die stärkste Convexität nahe an der vorderen Abdachung. Die Oberfläche ist mit zahlreichen Radialrippen von abwechselnder Stärke und con- centrischen Streifen bedeckt. Die Ohren sind ungleich gross und ebenfalls gegittert. Häufig am Hierlatz, selten auf der Gratzalpe und am Schafberge. Die Exemplare vom Hierlalz zeigen grosse Ähnlichkeit mit Pecten textoriiif Schloth. = P. subtextovius Münst., Goldfuss t. 89—90 und P. texturatus Münst. et Goldf. t. 90, f. 2 aus dem Lias von Amberg und Altdorf. Beide scheinen jedoch viel weniger gewölbt zu sein; ersterer ist viel weniger schief, letzterem mangeln die Rippen an den Ohren. Es wäre wohl möglich, dass sich Übergänge zwischen diesen Formen finden und sie würden dann alle mit der ursprünglichen Art von Schlot heim zu vereinigen sein. Von P. subretictdatus unterscheidet sich diese Art durch die stärker gewölbte Schale und eine viel dichtere Streifung (Fig. 4 b). Pecten palosus Stol. Taf. VI, Fig. 8. Die Schale ist spatenförmig , fast gleichseitig, etwa ein Fünflei höher als lang, schwach gewölbt, mit spitz auslaufenden Wirbeln, von welchen gegen 20 feine Rippen ausstrahlen. Ausserdem sind nur feine Zuwachsstreifen be- merkbar. L);is vordere Ohr ist etwas grösser, mit einer seichten Ausbuchtung das hintere kleiner und schliesst sich erst an eine wulstförmige Aufbiegung der Schale an. Beide Ohren sind glatt. Sehr selten am Hierlatz und auf der Gratzalpe. 198 S t o I i c 7. k a. Pectcn HiiiHltheos Oppel. Tat'. VI, Fig. 7. 18r>3. Oi)|>el, VVürtl.g. Jaliresb. X. Jaliig;. \>. 77, t. 4, f. 9. nie Schale ist last kreisrund und sehr schwach gewölbt. Vom Wirbel strahlen (gegen \'i — 20) ontternt siehende I{ii)pen aus, die gegen die Peripherie an Sliirke zunehmen und von selir zalilieiclien und äusserst feinen und eoncen- trischen Streifen durchschnitten werden. Am Wirbel so wie an den fast gleich grossen Oliren ist diese Streifung viel undeutlicher. Beide Ohren sind durch schwache Leisten von der Schale gesondert. Itie vordere Leiste ist von einer Furche begleitet. Diese Art wurde bisher nur in einigen Kxenijtlaren auf der Gralzalpe vor- gefunden, von denen keines das abgebildete an Grösse übertrifft; sie kommt daselbst hauptsächlich mit Amiu. hrevispimi, A.cylindricus u. A. vor. Auch im Lias 5 von Breitenbach, woher Hr. Oppel diese Art beschrieb, ist sie selten: es erwähnt der Herr Verfasser auch die Leiste an der rechten Seite zwischen der Schale und dem Ohre. Pecten umalthevn kommt in Schwaben mMAni. amul- iheus gigas und helerophyllus vor. Ausser diesen fünf Arten kommt am Hierlatz noch ein gewölbter Ptr/^/i mit entfernt stehenden Radialrippen vor, welcher einige Älmliehkeit mit Pecten tumidvs Hartmann (Zieten, t. 52, f. 1) aus Obergamma von Metzingen zeigt; doch lässt das einzige Bruchstück keine sichere Bestimmung zu. Avicula ioaequivalvis Sow. Taf. VI, Fig. 9. 1819. Avicula inaequivalvis Sow., Min. coiicli. t. 244, f. 2;— 1829. Phillips, id. Geol. Yoik.II.edit. pl. 14, f.4;— 1830. Ziel., id. , Wärt. t. 35, f. 2; — 183(J. Uoeriier, id. Ool. p. 86 ; — 1838. Gold f. t. 1 18, f. 1 ; — ISUS. Ar. sinemiiriennis C h a p. De w 1 q., I.c.pl.24, i.i; — Moiiolin inaeijiiira/ri.'iO i>i>\.\r\H\. Liast.4,f. 13;— 1836. Q ue iis t., id. Jura p. 49,79, 109;— Monotis interluci'iyuta g ii e ns t., Jura p. 149, 1. 18. f. 29 u. p. 239. — Avicula siuernuriensis Oppl. Jura p. 102. Die Schale ist schief eiförmig mit weit nach vorn reichendem und ein- gebogenem Wirbel. Von demselben huifen 10 — 14 Radiitlrippen, zwischen welchen sich meist (> successive feinere Kadialstreifen helinden, die durch Zu- wachsstreifen unterbrochen werden. Das hintere Ohr ist viel länger als das vordere; an beiden liegen blos die feineren Radialstreifen. Das hintere Ohr geht in eine mehr oder weniger starke Spitze aus. Von dieser weit verbreiteten Art haben sich bis jetzt nur drei Exemplare auf der Gratzalpe gefunden, von denen das grösste 40 Millim. lang ist; sie stimmen aber vollständig mit denen aus dem unteren und mittleren Lias von Deutschland, England und Frankreich. Ganz dieselbe Art kommt in denKössener Schichten vor. Ausserdem liegt von Gratzalpe ein unvollständiges Exemplar einer kleinen, glatten Avicula vor, welche in P^orm ganz ähnlich sieht der Plicatiila oxynoti Quensledt, Jura p. 112, t. 13, f. 29 aus Lias jS. über Jie Gastropoilen und Acophalen der Ilierlatz-Schicliten. 100 Lima Deslougcliampsi Sttil. Taf. YII, V\g. 1 a — h. DieScIialo ist fast Iialhkreisförinig, ziemlicli stark gewölbt, mit coiiceii- Irisclieii Anwachslinien und feinen Radialstrcifen, welche durch erstere oft eine schwache woilenförniige Biegung erleiden und an wohl erliallenen Exemplaren besonders gegen die Vorder- und Hinlorseite zu deutlich auftreten. Die Ohren sind ungleich gross, die Wirbel stark gewölbt, übergreifend und meist glatt. Die Lunula Pst tief und von einer abgerundeten Kante abgegrenzt, die nach unten scliwiieher wird. Die Schlossplatte bildet ein niedriges, ungleichseitiges Dreieck, welches in der Rielitung des hinteren grösseren Ohres verschoben ist. Die Ligamentgrube ist tief und nach rückwärts gerichtet. Häufig am Hierlatz. Nach den von Herrn Deslongchamps eingesendeten Stücken kommt diese Art etwas grösser im mittleren Lias zu Fontaine-Eloupe- four vor. Lima i)leheia Chap. et Dewalque, 1. c. pl. 28, f. 1 aus dem Lias von Jamoigne hat eine viel gröbere Radialstreil'ung, ist jedoch im Übrigen sehr verwandt. Überhaupt ist es nicht leicht, alle diese Formen, zu denen auch einige bei Goldfuss gehören, von L. gigantea Desh. zu unterscheiden. Lima scrobiculata Stol. Taf. VI, Fig. 10 a — c. Die Schale ist fast eben so hoch als breit und massig gewölbt. Von dem zugespitzten und ein wenig über die Schlosslinie vortretenden Wirbel gehen radienurtig sehr zahlreiche und feine Leistchen aus, welche von eben so feinen concentrischen Anwachsstreifen durchschnitten werden, wodurch die ganze Oberfläche ein grübchenartiges Aussehen erlangt. In der Nähe des Perisoms liegen die Zuwachsstreifen sehr dicht an einander und es fehlen daher hier die Grübchen. Die Ohren sind klein, ungleich gross. Die Lunula ist ziemlieh tief. Die Schlossplatte besitzt eine tiefe, schief nach hinten stehende Ligamentgrube; sie ist horizontal gefurcht (Fig. 10 ö). Ziemlich häufig am Hierlatz, seltener am Schafberge und auf der Gratzalpe. Lima densicosta Quenst. Taf. VII, Fig. 3 « — h. 18jG. Playiostonia dmnsitosta Quenstedt, Jura p. 148, t. 18, f. 24. Die Schale ist schief eiförmig, bald mehr, bald weniger, aber niemals stark gewölbt. Die Wirbel sind spitz und über den Schlossrand wenig vorstehend. Zahlreiche (gegen 28) abgerundete Rippen mit eben so breiten Zwischenräumen bedecken die ganze Schale, sie werden an den beiden Abdachungen viel schwä- cher und haben zwischen sich keine secundären Rippen. Die Ohren sind un- gleich gross und ebenfalls fein gerippt. Die Area ist schmal , die Lunula sehr wenig vertieft und nach unten spitz verlängert. Selten am Hierlatz, häufiger auf der Gratzalpe. In Schwaben konmit diese Art im Lias 7 vor. Es ist in der That schwer zu entscheiden, wo man diese Form hinstellen soll. Sie ist jedenfalls am näciisten verwandt der L. Ifau^ijuiiiiii l) iiwkev, SÜäIi. d. matlieiii.-iiatiirvv. Cl. XLIII, IM. I. Aljth. 14 200 S l o 1 i c z k a. l'aläont. I. Bd. t. (5, f. 2G, oder vielmehr der L. Huusmanui bei Chapuis et Dewalque, 1. c. p. i95, pl. 27, f. 3, wenigstens stimmt sie mit letzterer in der Gestaltung viel hesser üherein. Die Dunkersche Species, zu welcher auch A'ie Plagiostoma sp. Quenstedt, Jura, p. 47, t. 4, 1'. 4 — 6 aus Lias a zu zählen sein dürfte, gehört in den unteren Lias, und aus diesem Grunde nahm ich die erste sichere Angabe über diese Art bei Quenstedt an. Die Plac/. acidicosta Quenstedt, Jura, t. 18, f. 22 — 23 ist nächst verwandt mit L. falln.r Chapuis et Dewalque, 1. c. pl. 27, f. 4. Auf diese Art dürfte sich vielleicht der Name L. siniplex Schafbiiutl (Leonh. u. Bronu's Jahrb. 18ö4, p. 346) beziehen. Lima Haueri Stol. Taf. VII, Fig. 2. Die massig gewölbte Schale hat eine ovale Form und ist um mehr als die Hälfte höher als lang. Die Wirbel sind schwach gekrümmt, die beiden Ohren wenig in ihrer Grösse verschieden! Die Ligamentgrube bildet ein sehr niedriges Dreieck mit Lnnger Basis. An der vorderen Abdachung fällt die Schale ziemlich rasch ab; nach hinten verflacht sie sich nur allmählich. Vom Wirbel gehen zahl- reiche Rippen aus, die oft wellenförmig gebogen sind , wobei sie nur wenig in ihrer Stärke wechseln. Die Zwischenräume sind nicht überall gleich breit, am breitesten an der am meisten gewölbten Stelle der Schale; sie sind mit sehr feinen Radialstreifen bedeckt. Selten am Hierlatz. Von der weit verbreiteten L/w« //trwa«7u' Vo Uz unterscheidet sich diese Art durch ihre verhältnissmässig grössere Höhe, durch stärkere Wölbung und Mangel an den blätterigen und wulstigen Anwachsstreifen. Es wäre möglich, dass sich zwischen den zahlreichen Abänderungen der L. Hermanni Formen finden, die eine Identificirung beider Arten zulassen. Doch fehlt mir das nöthige Material zur Vergleichung. Carpenteria pectiaiformis Des long. Taf. VI, Fig. 4 a — h (I. c. 1860, p. 130, pl. 19, f. 2— 9). Die Schale ist abgerundet, gewölbt mit ziemlich geradem Schlossrand und stark aufgeblähtem Wirbel. Der ganze Rand ist nach oben umgebogen und mit zahlreichen blätterigen Radialfalten versehen, Fig. 4 a, welche sich gegen die Wölbung der Klappe hin verlieren. Das Perisom ist ausgezackt. Sehr selten am Hierlatz. Ich habe die Hierlatzer Art mit der erst jüngst von Herrn E. Deslong- champs veröffentlichten Art von Fontaine-Etoupe-four nur auf die grosse Ähnlichkeit der äusseren Form und auf die sonst so grosse Übereinstimmung beider Faunen hin identiticirt. Die Radialfalten stehen wohl etwas dicliter an einander als bei den französischen Exemplaren, es gibt jedoch in dieser Beziehung Herr Desiongchamps' keine bestimmte Grenze an. Das Schldss ist bei den alpinen Formen nicht sichtbar. An der Fig. 4 a sieht man jedoch die flügelartige Ausbreitung der Schale beiderseits vom Wirbel, wie es Herr Üi)er die Oastropoilen und .\ce|ilialeii der Hierlatz-Scliiehteii. 201 Deslonn^ch a m ps in Fig. 4, t. 19, I.e. darstellt; an der Fig. \h ist gerade der obere Schlosstheil der Schale weggebrochen oder wenigstens ganz undeut- lich , was mich eben am meisten beweg die Art vom Hierlatz zu identificiren. da ich hier die Anlieftiingsstelle der Schale vermulhe, wie sie Hr. Deslong- chanips an den vielen Stücken zeichnet. Hiiulig im mittleren Lias von Fontaine-Etoupe-lour, sehr selten im oberen Lias von May. Aooiniu numisiiialis Q neust. Taf, VII, Fig. 5 (Jura 1856, p. 311, t. 42, f. 9). Die Scliale ist kreisförmig, an dem Schlossrande sehr wenig abgestutzt, schwach gewölbt mit feinen Zuwachsstreiten und noch feineren Radiallinien. Die Wirbelgegend ist gewöhnlich etwas aufgeblasen. Das einzige gut erhaltene Stück vom Hierlatz zeigt auf einer Seite schiefe Falten; wahrscheinlich war es auf einem gefalteten Gegenstand aufgewachsen. Die von Qu enstedt abgebildete Art aus Lias 'i zeigt zwar keinen aufgeblähten Wirbel und auch die Streifung ist nicht näher angegeben, doch liegen mir ganz ähnliche Stucke auch von der Gratzalpe vor. Es ist überhaupt schwer bei der Masse von ganz ähnlichen .4woH/ c 1 1 e der Giistroiiodeii und Acephtden der Hierlatz-Schichten. Österreich Detilschland Friiiikreicil England llierlat/.- Adnelhei Scliirlitoii Seliiclitei i ^ -1 L i a s T k. t n i. Enzi'sfeld 1 -1 « ZI Chemnilzia nndidnla Benz sp S.h s. , 7 F.E. ,, Siiessi Sto 1 s. F. E. „ Ilierlatzoisifi Sto\. s. s. „ mullicostala S t o 1. . s. s. „ inrgida Stol s. „ acutissima Hörn . 8.h. s. „ striata Hörn s. S.S. „ crenata Stol s. s. „ fistulosa Stoi s. „ margaritacca Stol. s. • Troehus epulus r b. . h. F.E. „ laeviusciil/is Stol.. „ lateiinibiiicalttsOv 1). h. F.E. „ latifus Stol s. s. „ carinifer Hörn,. . . h. . „ Morpheus Stol.. . . s. s. „ Sitnonyi]\övn. ... s.h. „ torosus Stol „ plectus Stol s. s. „ attenuatus Stol... S.S. „ granuliferiis Stoi. h. „ Kiieri Sio\ . „ Avermis Stoi s. s. „ rotulus Stol s. „ aciculus Hörn. ... s.h. s. „ latilahrns S t ol. . . . s.h. h. h. r . ? F. E. ? „ C 1(1)1 do Orb s.h. s. F.E. Eucycliis atpinus Slol. . h. Turbo Orion Orb S.S. Lnd.Chal. s.S. „ Hörnesi Stol . s.h. Ph as ian diu lurh in a tu Stol h. 1 h. • (llier die (iiistropoili ii und Aocplinleii der liiei latz-ScIiicliteil, 203 Ö s ( p r r p i ." li Kpiitsolilitiiil Frailkrpirh England Hierlatx- .Adiictlier- Soliiulitcii Schicliton 1 1 r, ~ Kiizosfelil 1j i fl s Lo.vo/U'iiia II(iidiiii/eri Stol S.S. Piloncllus cotiicus rl). s.h. F.E.-May. Rolella macrostoma St. s.h. s.h. 7? F. E. ? Neritopsis laevis Stol. s. s. • „ eletjfDitissuna Hörn. s.h. s.h. Diticohelix orhis R e ii ss SP s.h. s. s. ?lleinbrg. „ relicitlata Stol. . . s. s. S.S. „ twenvata R e u s s. sp. s.h. h. . • „ lieiissi Hörn s. s. „ spiuicostn Stol.. . , s. s. Pleurotomaria expanna Sow. sp Ii. S. 7 u. F. E. Yorkshire „ lieliciforniis D e s 1. . h. s. . 7 11. fJ F. E. „ foveolata Dcsl. . . s. s. F. E. „ Hierlatzetisis Hörn. s.h. s. S. „ coarclata Stol. . . . . s. „ Biichi Des] s. 7 u. <) F.E.-May Fg. - Eur. „ inU'vinedia M ii n s t. s. s. Bayreuth u.Altclorf F.E. - Fg. . ,. priiiceps K ocli ol Diink h. s. s. Aniberg, ] F. E. Heinberg | „ anglica Sow. sp.. . s. s. s. y.-f) Idurch d. 'ganz. Lias unterer u. mittl.Lias „ Siiessi Hörn h. , s. Trochofoma stnatitm Hörn s. h. Riiniila austriaca H ö r n. s. s. , Alar'ia Fischeri Stol. . s. s. S. , , Cypricardia Partuclii Stol h. Opis clathvata Stol.. . s.h. . Area aviculina S e li f li. s. , „ sulcosa Stol h. S. • • 204 SloliczkH. Ober d. Oastioiiodeii u. Acephali'n il. Hierlatz-SchichtiM». Area caprina Stol. . . Pecteii subreticiila/iis Stol „ Rollei S (o 1 „ verticillus S ( o 1. . . „ palosus Stol „ amalthenn Opp el . .4 vicula in aequ ivalris S o w Lima Dealongchatnpsi Stol ,, scrohiculata Stol.. „ densicost. Q ii e n s t „ Haueri Stol Curpenteria pectiiiifor- mis E. Deslg. . . Anomia mimismalis Q u e n s t Serpula Hierlaliensis Stol Öslerrcicli llierlaU- Sohiolilen s.h. s.S. h. s. s. s.h, Adiietliei- Scliicliteii Drulsililiiiid Fraiikreirli l'jiglaiiil L i a s Kiizesfdil unterer u. niittl.Lias F. E. ? F. E. et May unterer u. niittl.Lias s. = selten; s. s. =^ selir selten; li. — ^ luiuHg-; s. h. z^ sehr häufig. F. E. =^ Fontaine-Etoupe-four: Chal. s. S. .^ Chalon-siir-Saone ; Fg. = Feuguerolles. Slolic/.ka (ia.s!ro|)n(lrn iiriil .\f cphalcii ilcr Kirrl/ilÄSchicIUen. Taf. I /O Cfi-ef/if/itzia /r;. loi/ti/.t ■ 'l'flll riirinifir Hörn . ^for/)/lflls S/o/ . Simon i/i fforn . /oro.ri/.r Stni . /!/. Trorhiis plrrtus Sto/ Sil7,uiij(sb.d W.Akad.dW. nialh naiurw fl.XLin Bd i.Abili. I8fil - ,, ,i H,,,t o>,, •i J-.tK / /"///■/// f///,-;/fi iinrM/rtfi ßrnx t/j // . /?. ^ „ mi///nosf{i/fi , ('//// . /.i. J „ ////•/////// ■ 'i'/of . It ß. ^ (iri//ixsif/iii ffor/i. /j. /. ^ stri/iffi /forn. /r,. X ^ crrna/o S/o/ . //. 9 # fis/H/osd S/ol /x ,SI(»li<"Ak,i .(l.isiroiiiKicri und .\cc|ilialon der llifrlatANchichlcn . Tarn. / 7'roe/ius ofteniifi/i/.? S/o/ A Tror/n/.<( /i.r/rri/iis /forn. :?.//_ , ffrafut/iffri/s S/o/ 9. „ /a/t/a/rrirs S/o/ j. , /t'firri 9fo/ /O//. „ Cti/j/tfo Or/j. /> « .Inrrf/HS S/o/ . /?.. £uri/r/t/s af/ft/ii/s Sto/ 7. „ ro/iz/iix S/n/ /.}. riirbo Orntn Or/> . /^ TiirZ/o Uor/irxi S/o/ . Silzuii»-sb.(l.k..Ak.ad.d.\\'. malh.uaturw Cl.XLÜI BcLl Al.tli I8K1 4 Stolic/.Kii. (Jii,';1 itipodfii null .\c-o|ili;il('ii ilcr llii'rUil'/.srIiicIil i'ii + a. b. T:,r.ni. .i.'N'a,tr.|eei.u.lttl!.. '.. Phasianrlla lurbinatn Stt/I i. Lojcftn^'/rift Vnirl innert' Stol. y Ptio/iil/t/s rftrn'rii^ Orh, " fiolfllii niiirroxlomri Sfn/, Jrr/fo/j,rix Urni.t -Vlo/. \ _, fh ^^iftfi-\'ximfi Hör//. i.-.iz l.k kHof.u Staats äru:Gker ei. ^'_//?. J?t.yrohe//\r o/^h/.r Reti^ir. 6'p. // , /■'■/,, -ti/nJa StoL I'' r.rrr/nrr/ff RrKsr.sp. /■3 /i ,^ fi'ri/Asi' Ht/rn. /•/ Sf/i//rfOSto Stol . /o /'f(u/vht//inr/'/t r.r//i/j/xfl Xom. xp- 17 P/ri//-nl"///or/ii lif//r/fo/-//ii.fPjelq. Sit/.iiM;isl...l K.AkiMliI W iii;illiri;.lin-H-.Cl,\l.lll Bd LAIilli liU;i Stolio7.kii ll!iMlii|iiiilcii 1111(1 Ad'iilcilcli ilfi llii-i lal/.srliicIiliMi. T.riv. Jim r^a i.av ge& -; .:: /. Pleurotnmariu fniunhita Drsli/. 2. . HirrlaHi-nsis Hör ■f. „ rmirrtnf'i Sloh in 7'lr,u„l„m„, .'t .>" Pffi/rotomarta Buthi Dexly. fj ^ inlrrmff/uf Jfu'nst. 7- .9. , iiri'ncr/'x Kiirli e.Mii/iA\ ,„/,r„ Sor„ ../. Sit7,uiiosl>..l.kAk.-.J aW M..iili..iaii.rwA'l.XLlII.ßiL. l.AbÜi.lölll. SUilic/.Ua. li;islr()|(()(lfii luid An'|>li;ilcii dci' llicrl.'il^iSH'liJcliU'n . / ,, T,.rv / f/fi/rofi>iiiii rill A'iiif.ii //■//•//. ''. Tr'or/ii>foiiiii .1/ 11/'/ um l/rrii . :i /iiiiiiilii iiii.v/ri'iirii /fiiiii. i. .l/iiri'ii /■'ixiIhti ÄVi?/ ■>. Clf/iririi i-i/iii Piir/.frlii Xfi)/ f>. Opis i/iil/iriifii .y/iit. /. Arm Aii/rni:' .*'/»/. iV. Jirii fi i>ir/i /i rill S'c/ni/'/i. fl. Arm 111/1/ /IUI ,'.'fii/ Sil y.iin-jsli.il.k .\ 1.1(1 il AV nialli. iialiirw.Cl.XLID.iid. 1,.U)Ül1«()I . 1 I 1 Sfolic'Aka . {laslrojiodcri und .\c('|iliiil(Mi der llicrl.il'/.schiclitc T.if \1. }::V^ ^:cäü^^ ^ii^ /■> 3 '/ ., !Jrr/,rf//„.s- .(/„/ ,c , /jt//ost/j- S/o/ ■J ff „ /if)//r/ S/o/ -9 .tf//f///// /,/f/'ry/////////J/.t Soiv /O /,////// ■s-r/-////ir///fi/f/ Sffj/ . Sil/,iiii^^-sl)(l k.Vk.id A\K iiialli iiatiinv Cl.XLflllid. I.lhlli. USIil. I Slolicstka. Ga.stn»(NMl('ii und .\<'C|»lialc(i der lliprlal/.scliichtcii Taf.VI ^.Ximri /Jrs/ortf/r//(i/ii/j.fi S/r,/ "/ rfir/j/-/i/rr//i per/u/ iformr^t Dfslg. 2. „ J//i>/rri S/,i/ j .lf>o/r/üi 7/iirr/i.r/nii/is Oiiiffisf. 3. „ f/f/fs/rosfft O.itrris/ ß Srr/>u//i //ifr/n/xr/if/x Sto/ Sitxung'sb d.k .\k.nd dW tti.illi ii.ilmw. Tl XLIJlBd. I,.\l)tli. l.M.'l. 20; VI. SITZUNG VOM 21. FEBRUAR 1861. Der Secretär liest eine, von dem c. M. Herrn Director MUdler in Dorpat, eingesendete IMittheilnng: „Üf»er kosmische Bewegungs- gesclnvindigkeiten mit Beziehung auf D op pl er's Hypothese der Entstehung der Farben". Das w. M., Herr Prof. Gottlieb, übersendet eine Mittheilung: „Der Forcherit, ein neues Mineral aus Steiermark", untersucht von Herrn R. M a 1 y. Herr Prof Unger überreicht eine Abhandlung: „Beiträge zur Physiorogie der Pflanzen". Herr Regierungsrath, Prof. Hyrtl, legt eine Abhandlung vor: „Über anangische (gefässlose) Netzhäute". Herr Bergrath Bitter von Hauer übergibt folgende, bereits in der Sitzung vom 7. Februar besprochene Mittlieihingen des Herrn Hofrathes Haidinger: 1. „Das Doppelmeteor von Elrnira und New Haven"; 2. „Der Meteorsteinfall von Parnallee bei Madura in Hindostan" ; 3. „Vorläufige Nachrichten über Vorbereitungen zu einem zweiten meteorologischen See- und Land-Congress"; 4. „Der Fortgang der Reise des Herrn Th. von Heu.glin." Herr Dr. G. Bizio legt eine Abhandlung vor: „Sopra Tolio della camomilla (M. Chamomilla)''. An Druckschriften wurden vorgelegt: Abel, Budolf, Pflanzen-Verzeichniss. Frühjahr 1861. — Sommer 1861. Wien, 1861; So- Akademie, Königl. Preuss., zu Berlin, Monatsbericht. November 1860. Mit 3 Tafeln. Berlin, 1860; So- Ann alen der Chemie und Pharmacie, herausgegeben von Fried. Wühler, J. Lieb ig und H. Kopp. N. R. Band XL, Heft 3. Leipzig und Heidelberg, 1860; 8o- .\nnales des mines. 5" serie, tome XVI, ö'' et 6" livraison de 1859. Paris. 1809; 8o- — Tome XVII, V livraison de 1860. Paris 1860; So- As tronomical Journal, The — , Nr. 141. — Vol. VI, Nr. 21. Cam- bridge, 1860; 4o- Astronomische Nachrichten, Nr. 1294. Altona, 1861 ; 4o Austria, XIII. Jahrgang, VI. und VH. Heft. Wien, 1861; 8o- 206 Uauzeitinig, Allgemeine, XXVI. Jahrgang, 1. Heft sanimt Atlas, Wien, 18G1;'4'> & Folio. Co snios, X" Annee, 18" Volume, ß' & 7" Livraison. Paris, 186t ; 8«- Eilangen, ruiversität. Akademische Gelegenheitsschriften ans den Jahren 18J)9 & 1860. Bamber«. IkM-lin, Erlangen, Leipzig, Neu- biirg und Neustadt, 1859 — 1860; 8o & 4o- Gazette medicale d'Oricnt, IV^ Annee, Nr. 11. Const. 1861; 4o- Gesellschaft, physikalisch-medizinische, zu Wiirzhurg, Würz- burger medizinische Zeitschrift. I. Band, 5. & 6. lieft. Würzburg, 1860; 80- — Würzburger naturwissenscliaflliche Zeitschrift. I. Band, 3. & 4. Heft. Würzburg, 1860; 8o- Greifswald, Universität, Akadenusche Gelegenhoitsscbriften für das Jahr 1860. Greifsvvald, 1860; 8° & 4o- Grüne rt, J. A., Archiv der Mathematik und Physik, XXXV. Theil, 4. Heft. Greifswnld., 1860; So- Halle, Universität, Akademische Gelegenheitsschriften aus dem Jahre 1860. Berlin, Göttingen, Halle, Leipzig & Weimar, 1830: 8«, 4o & Folio. Königsberg, Universität, Akademische Gelegenheitsschriften aus dem Jahre 1860. Königsberg, 1860; 8o & 4ö- Land- und forstwirihschaftiiche Zeitung, XI. Jahrgang, Nr. ö und 6. Wien, 1861; kl. 4«- Lnnd, Universität, Akademische Gelegenheitsschriften aus den Jahren 1859 & 1860. Cbristiania, Kopenhagen, Lund und Upsala, 1859 & 1860; 80 & 4o- Mittheilungen aus J. Perthes' geographischer Anstalt, Jahrgang 1861, HeftL Gotha, 1861; 4o- R'Dstock, Universität, Akademische Gelegenheitssehriften aus den Jahren 1859 & 1860. Rostock, 1 859 & 1860; 8o, 4o & Folio. Thomson, C G. , Skandinaviens Coleoptera. Haftet I. Carabici. (1857,) Tom. II. 1860. Lund, 1857 & 1860; 8o Wiener medizinische Wochenschrift, XI. Jahrgang, Nr. 6 & 7. Wien, 1861;4o- Wochen -Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts- Gesellschaft, X. Jahrgang, Nr. 8. Gratz, 1861; 4o- Zeitschrift für Chemie und Pharmacie, beratisgegeben von E. Erlenmeyer und G. Lewin stein. III. Jahrgang, Heft 23 & 24; IV. Jahrgang, Heft 1. Erlangen, 1860 & 1861 ; So- Zetterstedt, Job. Wilh., Diptera Scandinaviae. Tomus I. — XIV. Lundae, 1842 — 1860; So- Zillner, F. V., Die Pöscblianer oder betenden Bnider in Ober- Osterreich. (Separat- Abdruck aus der allgemeinen Zeiiscbrift für Psychiatrie. 17. B d., 5^ & 6. Heft.) Berlin, 1860; So- — Ein kurzes Vorwort zur Gründung der Gesellschaft fürj Salz- burger Landeskunde. Salzburg, 1860; S»- H y r t I. Über aiiangisclie (gefiisslose) Netzhiiiite. 207 Über anangische ff/i'fäss/o,se) Netzhäute. Von (lern w. M. Prof. Hyrtl. Ich habe nur ein paar Worte über einen neuen anatomischen Fund zu sagen; aber diese Worte enthalten das Ergebniss einer langen Reihe von Wahrnehmungen, welche vom Beginne meiner anatomischen Carriere und von meinen ersten Injections-Versuchen her datiren. Vor Kurzem wurde die Existenz gefässloser Herzen von mir nachgewiesen •). Über einen ähnlichen Fund, aber von weit grösse- rer Ausdehnung, kann ich heute berichten. Er betrifft die Gefäss- losigkeit eines Organes, welches, wie das Herz, ein Gegenstand der sorgfältigsten Detailuntersuchung war — die Netzhaut. Diese Unter- suchungen haben höchst merkwürdige Aufschlüsse über den compli^ cirten Bau der Retina geliefert, das Nächstliegende aber übersehen. Nur die Netzhaut der Säugethiere und des Menschen führt Gefässe; jene der drei übrigen Wir bei thierclassen ist voll- kommen gefässlos. Anatomische Entdeckungen, welche ganze Thierclassen betref- fen, ergeben sich nicht so leicht, wie jene an einzelnen Individuen. Zu letzteren genügt sehr oft ein zufälliger Fund. Den ersteren miiss eine sehr ansehnliche Menge von Einzeluntersiichungen voran- gehen. Dass dem Ausspruche: die Netzhaut der V^ögel, Amphibien und Fische, sei gefässlos, die möglichst grosse Anzahl von Special- untersuchungen von mir zu Grunde gelegt wurde, darf man einem Anatomen glauben, welchem mikroskopische Tnjectionen ein Lieb- lingsthema geworden. Durch 30 Jahre habe ich mich mit diesem Zweige der anatomischen Technik anhaltend und eingehend beschäf- tigt. Im Anfange meiner Arbeiten über Darstellung der Capillar- gefässe, hielt ich die sich immer und immer aufdrängende Gefäss- losigkeit der Netzhaut der drei genannten Thierclassen, für ein meine Injecfionen verfolgendes Missgeschick. Erst später kommt der *J Sitzungsberichte iler kaiseri. Akademie. 1838, Ü3. ßd. 208 Hyrtl. Math daran zu denken, dass eine für alle Classen der Wirbelthiere als geltend angenommene Regel, factisch für drei derselben ungiltig sein könne. Als daher mit der Zunahme meiner Gewandtheit in der Füllung der feinsten Blutgefässe des Auges, die Retina fortan gefässlos blieb, drängte sich nothwendig der Gedanke auf, dass es sieh nicht um misslingendo Injectionen, sondern um Absenz der Blutgefässe in der Netzhaut, um vollkommene Anangie derselben handle. Ich verdoppelte meinen Eifer, aber Tausende von Injectionen gaben immer und immer wieder dasselbe negative Resultat. Lange noch hielt ich mit der VerötTentlicbung dieser Erfahrung zurück. Die Zahl der injicirten Thiere sollte zur möglichsten Grösse anschwellen, um dem endlichen definitiven Ausspruch keine Aus- nahme anhängen zu müssen. Zahlreiche Aufträge um Injectionsprä- parate der Augen liefen in Folge einer, am 20. October, 1859, in der Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie, über den Bezug meiner mikroskopischen Gefäss-Injectionen erschienenen Ankündigung, von aus war tige n Augenärzten und Anatomen an mich ein. Fast alle verlangten unter den bestellten Augenpräparaten injicirte Retinae verschiedener Wirbelthiere. Da ich nur über Injectionen der Netzhaut von Säugethieren und Menschen verfügen konnte, so nahm ich die Augen der übrigen Wirbelthiere mit aller Gründlichkeit und Genauig- keit nochmals vor, vervollständigte die schon zu einer imposanten Höhe gediehene Anzahl meiner Augen- Injectionen durch jene der adriatischen Knorpelfische, und sehe mich, als auch bei diesen keine Spur von Gefässen in der Netzhaut aufzufinden war, veranlasst und berechtigt, die Zurückhaltung nicht länger währen zu lassen, und die Thatsache der vollständigen Gefässlosigkeit der Netzhaut aller Familien und Ordnungen der Fische, Reptilien und Vögel, hiermit vor der kaiserlichen Akademie auszusprechen. Die Gefässlosigkeit der Netzhaut erstreckt sich aber nicht auf den Nervus opticus. Dieser ist von seinem Abgange aus dem Vor- derhirn bis zur Eintrittstelle in den Bulbus gefässhältig; aber ohne eine Arteria centralis einzuschliessen. Seine grösseren Gefässe gehören dem Neurilemma an, und senden nur spärliche und äusserst feine Reiser in die Marksubstanz dieses Nerven. Niemals lässt sich am Querschnitt eines vollkommen injicirten Sehnei'vcn der drei genannten Wirbel thierclassen ein centrales Gefäss erblicken, wie es dem Sehnerv der Säugethicre und des Menschen ausnahmslos zukommt. Ülier iinaiigisclie (f^efüsslose) Netzhäute. 200 Unter diesen Unistäiulen kann ich die Anaiigie der Netzhaut nicht als gewagte Behauptung, sondern niuss ich sie als eine durch- greifende, ausnahmslose Wahrheit hinstellen. Diese Ausnahmslosigkeit mag unbedenklich gelten. Ich habe zwar, wie sich von selbst versteht, nicht alle Species und Genera der Fische, Reptilien und Vögel untersucht; aber aus jeder Ordnung die- ser Classcn die mir zugängliche Anzahl von Individuen verschiede- ner Gilttungen mit gleichem negativen Ergebniss injicirt. Alle Donau- fische, alle Rochen und Haie des adriatischen Meeres, eine grosse Anzahl Amphibien vom Python und Alligator bis zum Laubfrosch, alle Familien der Vögel vom Strauss bis zum Zaunkönig, kamen an die Reihe. So lange Induction und Analogie in der vergleichenden Ana- tomie von Wertli sind, wird auch die Ausnahmslosigkeit der für die Retina gefundenen anatomischen Regel anerkannt werden müssen. Wer aber anderer Meinung ist, der möge für eigene Rechnung Aus- nahmen suchen. Hiezu können ihm folgende praktische Regeln hilf- reiche Dienste leisten. So schwer selbst für den Geübten die Injection des Auges der Säugethiere ist, d;i, um eines vollständigen Erfolges gewiss zu sein, die Einspritzung nicht von der Carotis, sondern von der Ophthal- mica aus vorgenommen werden soll, so leicht gelingt jene der drei übrigen Wirbelthierclassen, wenn man sich an folgende Methode hält. Bei grossen Knorpel- und Knochenfischen suche man die Caro- tis auf, wo sie von der ersten Kiemenvene abgebt. Man fübre zu die- sem Zwecke von den beiden Mundwinkeln aus mit der Knochen- schere zwei Parallelschnitte nach hinten, lang genug, um die Kiemenbogen, und, wenn nöthig, auch den Schultergürtel durchzu- schneiden. Ist der von diesen Schnitten begrenzte und aushebbare Boden der Mund- und Rachenhöhle nach hinten umgelegt, so lüfte man dicht vor dem oberen Segment des ersten Kiemenbogens die leicht abnehmbare Schleimhaut des Gaumens, nahe an der Seiten - wand der Gehirnkapsel, und präparire sie über die Rasis dieser Kap- sel so weit los, bis man in der Medianlinie auf die Vereinigungsstelle der rechten und linken vorderen Kiemenvene stösst. Verfolgt man die erste Kiemenvene der präparirten Seite gegan den ersten Kiemen- bogen hin, so wird man nicht weit zu gehen haben, um auf den Ursprung der Carotis zu stossen , welches Gefäss isolirt gegen das Auge zu injicirt wird. 210 "y"- Mag eine Pseiulobi'iuicliie vüi'liaiiden sein oder iiielit, immor erhält man bei geliöriccer Subtilität der Masse, worüber in meinem HandbiR'he der praktischen Anatomie, Wien, 1860, 6. Hnch, genü- gende Unterweisung zu finden, eine solche Füllung der Augenhäute, dass die Injection durch die Venen zurückkehrt, somit in alle Capil- largefässnetze des Auges eingedrungen ist. Keine Spur von Gefässen in der Retina. Kleinere Fische müssen von der Arteria coeliaca aus rückläu- fig, d. h. gegen die Aorta injicirt werden, mit noch mehr verdünnter Masse, da sie auf ihrem in diesem Falle bedeutend längeren Weg zum Auge, auch mehr von ihrem flüssigen (volatilen) Menstruum verliert. Erfolg derselbe. Bei grossen beschuppten Reptilien (wohin ich noch alle Schild- kröten VOM der Grösse der Eniys, und alle Schlangen von mehr als 2 Fuss Länge rechne) ist an der Schnittfläche des Halses die ein- faciie i) oder doppelte^) Carotis leicht zu finden und isolirt zu inji- ciren. Massiger, fortgesetzter Iiijectionsdruck macht die Masse durch die Jugulares zurückkehren. Retina leer. Bei den kleineren Ophi- diern und Sauriern muss die Aorta abdominalis blossgeiegt und ge- gen den Kopf zu injicirt werden, da die beiden aus dem Herzen entspringenden Aortenbogen nur für ein sehr feines Kaliber der In- jectionsröhrchen Raum haben. Bei den nackten Amphibien Mird der Bulbus arteriosus dicht über dem Herzen, wie zur Injection des ganzen Thieres, behandelt. Selbst dickere Massen kehren alsbald durch alle Venen zurück, da die Capillargefässe dieser Amphibienordnung an W^eite alle übrigen übertreffen." Eine unvollständige Injection des Auges kann desshalb nicht leicht vorkommen. Hat man Ranae oder Bafoucs") gewählt, wird man selbst die schon vor langen Jahren von mir aufgefundenen^) ') Clieloiiier imd Ophidier. ") Saurier. > 3) Aber keine S;ilain.TiHlriiieii. *) Med. .Ialiri)iicher des österr. KaisersUiales, 1838, 13. Band. Präparate injicirter Glas- h.iiite bezogen, schon im Jahre 1833, Retzius und J. Müller von mir. Die erste Injection dieser Haut verleibte ich noch als Student, 1830, dem Wiener anatomischen .Museum ein. — loh (ülire dieses nur an", daQuekett in den Trausactions of Ihe .Microscopical Society, Vol. III, l'art. I. 18ä0, eine Abhandlung publicirte: Observations on tlie Vascnlaridy of the Capsule of tliu Cristaliine Lens, especially tliat of eertain über aiiiia-^isclie (fj-eliisslose) iXetzhiiiite. 211 Capillanietze der Hyaloidea vollständig injicii't vor sich haben, aber eben so gewiss eine anangische Retina'). Von grösseren Vögeln (wohin noch die Taube gehört) werden nur die Carotiden injieirt. Man findet sie, einfach oiler doppelt, tief nnter der auf der vorderen Fläche der Wirbelsäule auflagernden llalsmusculatur, und in der Furche zwischen den unteren Bogenele- menten der Halswirbel gelegen. Man injieirt die doppelten mit einem Gabeltubus. Unerlässlich ist die Verkeilung des Canals der Quer- fortsälze und des Rückgratcanais, da, wenn sie unversorgt gelassen werden, der zur Füllung der Augengefässe nöthige Druck, durch das Ausströmen der Masse aus den Arteriae vertebrules und spinales, sich zu sehr abschwächt. Kleinere Vögel müssen von der Aorta, oder von einer oder beiden Anonymae aus injieirt werden. Sehr leicht regurgitirt eine vollständig gelungene Injection durch die Venen. Alle Augenhäute und das Marsupium der Linse voll, die Retina aber zuversichtlich leer. Ich halte diese kurzen technischen Bemerkungen nicht für über- flüssig. Histologische Untersuchungen, welche, wie jene des Auges, bei grossen Vergrösserungen vorgenommen werden, haben eine Klippe weniger zu fürchten, wenn man sie an injicirten Organen pfle- gen möchte. Wie leicht uninjicirte Gefässe für etwas genommen werden, was sie nicht sind, hat vor Kurzem der Lapsus eines Mikro- logen bewiesen, welcher die auf- und absteigenden, sich kreuzenden Schenkel einer Gefässschlinge , als doppelt contourirte Körperchen eigener Art beschrieb, und die jammerreiche Geschichte der Lymph- drüsenanatomie hat gezeigt, was man alles für Gefässe halten kann, wenn man an uninjicirtenOhjecten auf Entdeckung von Neuigkeiten ausgeht. Die Anangie der Retina macht ihre Ernährung nur durch Imbi- bition möglich. Bei den Vögeln kann das zur Nutrition der Netzhaut- schichten zu verwendende Plasma nur aus den Gefässen der Ruy- schiana kommen, und muss sich durch die Zellen der Pigmentschicht in die Retina imhibiren. Bei den ungeschwänzten Batrachiern und allen Familien derOphidier, bei welchen ich ebenfalls zuerst zeigte, dassdie Reptllia, in welcher er die Gefässe der Hyaloidea (welche er für Kapselgefässe nimmt) zuerst aufgefunden zu haben behaui)tet. 1) Unerwähnt geblieben in jener Schrift, welche den mikroskopischen Bau der Netzhaut des Frosches specieH iit-liandelt : Lersch, de retinae structura muroscupica, Berol. 1840. 2 j 2 H y r l I. Über aiiangische (gefässlose) Netzhäute. Hyaloidea ein höchst oigeiithümlich geformtes Blutgefässnetz besitzt, wird auch dieses zur Kniährmig der hei diesen Thiercn besonders dicken Netzhaut coutribuiren. Auch unter den Knochen- und Knoi-- pelfischen kenne ich kein Genus, dessen Hyaloidea keine Blutgefässe führte. Da ich noch nicht im Reinen bin, in wiefern die Gefass- hältigkeit der Glashaut mit dem Vorhandensein oder dem Mangel einer Pseudobranchie und somit einer Pfortader des Auges (im unrich- tigen Sinne .1. MüUer's) coexistirt, kann ich mich in die Frage über Zu- und Abzug der Blutgefässe der Hyaloidea hier nicht näher einlassen. Es genügt zu erwähnen, dass alle Familien von Fischen durch die- selbe Vascularität der Glashaut sich auszeichnen, wie sie den Batra- chiern und Ophidiern zukommt. Später mehr davon. Mag die Anangie der Netzhaut ihren Grund darin haben, dass die Hervorstülpung der Augen aus der Hirnblase zu einer Zeit Statt hat, wo letztere noch keine Blutgefässe besitzt, oder mag diese Her- vorstülpung an einer Stelle des Augenliirns geschehen, welche gefässlos ist, oder mag selbst die Retina einst Blutgefässe besessen haben, welche in späteren Zeitläuften eingingen, immer ist es schwer, ja, frei gesagt, unmöglich, sich mehr über diese Eigen- thümlichkeit der Netzhaut zu sagen, als dass sie, weit entfernt der Ausdruck eines unvollkommenen Zustandes des Sehorgans zu sein, zur Formirung der Netzhautbilder eher günstig wirken muss, da bei den Säugethiereu die Gefässschichte der Retina, welche den bre- chenden Medien des Auges näher liegt als die nervösen Elemente dieser Membran, ein Gitter über die sensitive Netzhautsphäre breitet, durch dessen Maschen nur das Licht auf letztere gelangen kann. Es mag dieses eine Unvollkommenheit des Sehens bedingen, welcher wir uns nicht bewusst werden, da sie immer fortdauert, welche aber im Vogel-, Reptilien- und Fischauge, der hier mitgetheilten anato- mischen Regel wegen, nicht vorhanden sein kann. Das Gefässnetz der Hyaloidea im Auge der ungeschwänzten Batrachier, der Schlangen und der Fische, ist in einem solchen Grade weitmaschig, dass die durch dasselbe bedungene Beirrung des Weges der Lichtstrahlen zur Retina eine ungleich geringere sein wird , als sie im Säugethier- auge durch das engmaschige Gefässstratum der Netzhaut gegeben ist. Nur die Allantois der Reptilien besitzt ein weitmaschigeres Gefässnetz als die Hyaloidea, SITZUNGSBERICHTE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. MATHEMATISCH - NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. XUII. B4\D. ERSTE ABTHEILUNG. Entliält die Abliandlung-en ans dem Gebiete der Mineralog-ie, Botanik, Zoolog-ie, Anatomie, Geologie und Paläontolog"ie. 15 213 VII. SITZUNG VOM 7. MÄRZ 1861. Prof. Schrötter zeigt Carre's Apparat zur Erzeugung von Eis und erläutert den Gebrauch desselben. Das c. M., Herr Dr. Hornstein, übergibt eine Abhandlung: „Über die Bahn der Concordia" von Herrn R. Sonndorfer. Das e.M. , Herr Prof. Dr. Suess, überreicht eine Abhandlung des k. k. Oberstlieutenants, Herrn K. v. Sonklar, betitelt: „Der grosse Schuttkegel von Wiener-Neustadt". Ferner übergibt Prof. Suess, eine von ihm verfasste Abhand- lung: „Über die grossen Raubthiere der österreichischen Tertiär- Ablagerungen". Herr Dr. G. Tschermak spricht über die Beziehungen zwi- schen der Verbrennungswärme und dem relativen Volumen chemischer Verbindungen. Derselbe legt ferner vor: „Analyse eines dem Hydrophan ähn- lichen Minerals von Theben", und: „Die Krystallformen des schwefel- sauren Hydrokali" (KH SO4). Herr Zenger, Gymnasiallehrer zu Neusohl, überreicht eine Abhandlung: „Theorie der Krystallisation der Grundstoffe". Die königl. physikalisch-ökonomische Gesellschaft zu Königs- berg übersendet das 1. Heft ihrer „Schriften" und wünscht mit der Akademie einen Schriftentausch einzuleiten. An Druckschriften wurden vorgelegt: Accademia Pontilicia de" Niiovi Lincei, Atti. Anno XIII, Sessiouo \\ Roma, 1860; 4o- 214 Akademie tiei" Wissenschaften, König). Schwedische, zu Stock- hohn, Hand Ungar, Ny Följd. 11^ Bandet, 2" Haftet. 18»8; 4o- — Ofversigt af Köngl. Vetenskaps-Akadeniiens Körhandlingar. XVI''* Ärgängen, 1839; S«* — Meteorologiska .lakttagelser i Sverige, af Er. Edlund. P Bandet, 18Ö9. Stockholm, 1860; 4o. — Eugenies Hesa. Zoologi. IV. Stockhohii, 1859; 4o- — Mitgliedervei'zeichniss. Maj 1860; 8'*- — Friesen, Johann Otto von, Ofversigt af Sveriges Ornithologiska Litteratur. Akademisk Afhandling, Stockholm, 1860; 8»' Annalen der Königl. Sternwarte bei München. XII. Band. IMünchen, 1860; So- Annales des mines, ö'"^ serie. Tome XVII, 2* Livraison. Paris, 1860; 8o- Astronomische Nachrichten, Nr. 1295 und 1296. Altena, 1861; 4o- Austria, XIII. Jahrgang, VIII. und IX. Heft. Wien, 1861; 8«- Belloti, C, Risultato delle osservazioni microscopiclie fütte suUe uova di bachi da seta dal settembre 1860 a tutto gennajo 1861. (Estr. dal Nr. 455 del Giornale „La Perseveranza".) Carl, Ph. , Untersuchungen über die thermoelektrischen Ströme. Mit 1 lithogr. Tafel. München, 1860; S»- Cornalia, Emilio, Sui caratteri che presenta il seme sano dei bachi da seta e come qiiesto si possa distinguere dal seme infetto. (Estr. dagli Atti della Societä italiana di scienze natiirali. Vol. n.) Milano, 1860; 8o- Cosmos, X'' Annee, 18* Volume, 8* und 9* Livraison, Paris, 1861 ; 80. Credit minier, Le, Journal des intercts Melallurgiques et Manii- facturiers. l" Annee, Nr. 6, 7 & 8. Paris, 1861; 4«- Gesellschaft, k. k. mähr, schles., zur Beförderung des Acker- baues, der Natur- und Landeskunde in Brunn, Mittheilungen, Jahrgang 1860. Brunn; 4o- — der Wissenschaften, Königl. zu Götlingen, Göttingische ge- lehrte Anzeigen. Band I— III auf das Jahr 1860. Göltingen; 8"- Nachrichten von der Goorg-August-Universität und der König!. Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen. Vom Jahre 1860, Nr. 1—29. Göttingen; 8»- 215 Gesellschaft, k. Ic. zoologisch-botanische, in Wien, Verhandlun- gen. Jahrgang 18G0. X. Baiitl. Mit 13 Tafeln. Wien, 1860; 8«- Graham, J. D., A Lunar Titlal W'ave in Lake Michigan. Philadel- phia, 1860; So- Jahrbuch, Neues, für Pharmacie und verwandte Fächer. Heraus- gegeben von G. F. Walz und F. L. Winckler. Band XV, Heft 1. Heidelberg, 1861; 8o- Land- und forstwirthschaftliche Zeitung, XI. Jahrgang, Nr. 7. W^'en, 1861; Kl. 4o- L i WC z ak, Joseph , Einige Worte in Angelegenheit eines neuent- deckten Grundprincipes für den allgemeinen Gebrauch der bewegenden Kräfte in der praktischen Mechanik. Lemberg, 1861; 80- Löwenthal, Eduard, System und Geschichte des Naturalismus, oder: Neueste Forschungsresultate. I. System des Naturalismus. Leipzig. 1861; So- Mittheilungen aus J. Perthes' geographischer Anstalt. Jahrgang 1861, Heft II. Gotha, 1861; 4o- Sallenave, Traite theorique et pratique sur l'epuisement de l'eco- nomie liumaine, ainsi que sur les nialadies chroniques, qui ont cette origine. Avec un formulaire special. 2* edilion. Bordeaux & Libourne, 1860; So- Schmidt, Gustav, Die Gesetze und die Kräfte der relativen Bewe- gung in der Ebene. Mit Holzschnitten. Wien, 1861 ; 8"- Societe Imperiale des sciences naturelles de Cherbourg, Memoires. Tome VII, 1859. Paris et Cherbourg, 1860; 8o- — de Physique et d'Histoire naturelle de Gencve, Memoires. Tome XV, 2'"'' partie. Geneve et Paris, 1860; 4«- — Royale des sciences de Liege, Memoires. Bruxelles et Paris, 1860; 80- Volpicelli, Paolo, Teorica della compensazione de'pendoli. (Estr. dagli Atti delia accademia de'Nuovi Lincei Tomo XllI ) Roma, 1860; 4o- — Di uno stereoscopio diaframmatico. (Estr. dagli Atti della accademia de' Niiovi Lincei, Sessione IV, dell' Anno IX, del SOaprile 1854.) Roma, 1854; 4o- — Formules electrometriques. Paris; 4o- — ■ Intorno ad Alessandro Barone di Humboldt necro- logico cenno. (Estr. dagli Atti della accademia de' Nuovi Lincei, 216 Sessiüiie 1, delP Aiiiiu XIII. dell 4 liicembi-e 18S9.) Koma, 1860; 40- Wiener niedizinisohe Wochenschrift, XI. .Uhrgang, Nr. 8 und 9. Wien, 1860; 4»- Wo eben -Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts-Geseilschaft. X. Jahrgang, Nr. 9. Gratz, 1861 ; 4"- 217 Über die grossen Rauhthiere der österreichischen Tertiär- Ablagerungen. Von Prof. Eduard Suess. (Mit 2 Tafeln.) Nicht erst seit dem Erscheinen von Darwin 's berühmter Schrift, sondern seit einer langen Reihe von Jahren beschäftigt viele Paläontologen die Frage, ob wohl die wiederholten Verände- rungen im Thierreiche und im Pflanzenreiche durch Veränderungen der äusseren Lebensverhältnisse veranlasst worden seien. Da nun eine Lösung dieser Frage nur in jenen Ablagerungen zu suchen ist, deren Fauna sich bereits der heutigen so weit nähert, dass wir uns von den etwaigen Lebensbedingungen der damaligen Wesen eine genauere Vorstellung machen können, habe ich seit langer Zeit die Materialien zu einer Geschichte der Wiener Tertiärbildungen zu vereinigen gesucht, um nach Baco's Vorschrift „non dispiitando adversarium, sed opere naturam vincere". Meine Aufgabe zerfällt nun in zwei Theile, nämlich in einen stratigraphischen, welcher die Veränderungen behandelt, die in den äusseren physischen Verhältnissen vor sich gegangen sind, und in den paläontologischen, welcher ihren Einfluss auf die jeweiligen lebenden Wesen untersucht. Ich habe bereits Gelegenheit genom- men, mehrere Resultate, welche theils der einen und theils der andern Richtung dieser Arbeiten zufallen, zu veröffentlichen i) und rechne zu den wichtigsten die Trennung des Wiener Beckens in ein alpines und ein ausseralpines, den Nachweis der wiederholten Hebungen, der Gleichzeitigkeit der scheinbar verschiedenen marinen ') Insbesondere in Sitzungsberichte 1860, Bd. XXXIX, S. 138—166. 218 S « e s s. Bildungen von Nussdorf, Grund, Baden ii. s. w., und endlich die rntersc'heidiing mehrerer, von einander verschiedener Faunen von Landsängethieren. Seit jenen Veröffentlichungen ist in beiden Bichtungen weiter gearbeitet worden. Durch die Mittel, welche mir von Seite des k. k. Oberstkämmereranites zu diesem Zwecke zugewiesen wurden, bin ich in den Stand gesetzt worden im Laufe des letzten Sommers die ganze Westküste des Beckens genauer zu bereisen, als dies bisher geschehen ist, und durch Höhenmessungen den Anfang zu einer Tabelle der bathymetrischen Vertheihing unserer tertiären See- thiere zu machen. — Durch gütige Vermittlung des Herrn Hofrathes V, Schwaben au in Ödenburg auf das Vorkommen eines tertiären Knochenbettes zu Baltavär im Eisenburger Comitate aufmerksam gemacht, bin ich von Seite des k. k. Hof-Mineralieii-Cabinetes dahin gesendet worden, und es ist durch lange fortgesetzte Grabungen möglich geworden, hier an einem Punkte, den ich in das Niveau unseres Belvedere-Schotters stelle. Beste von Machairodus cnltri- dens, Hyaena hipparionnm, Dinotherinm, Rhhiocei'os, Sus eryman- thius, Antilope hrevicornis, Helladotherium Duvernoyi, Hippofhe- ritim gracile, kurz die bezeichnendsten Arten der bekannten Fauna von Pikermi in Griechenland aufzufinden. Um so erwünschter musste meinen Arbeiten eine reiche Sen- dung von Knochen aus Pikermi kommen, welche im Laufe dieses Jahres vom Freiherrn von Brenner- Felsach , damals kais. Ge- sandten in Athen, als ein Geschenk an das k. k. Hof-Mineralien- Cabinet gelangt ist. Ich kann im Augenblicke nicht mehr daran zweifeln, dass die Fauna von Pikermi mit meiner zweiten Säugethier- fauna des Wiener Beckens, mit Inzersdorf und dem Belvedere, mit Eppelsheim und dem miochie superieur des Herrn Lartet (Cucu- ron, Vaucluse) übereinstimmt i). Andererseils habe ich durch die Vereinigung zahlreicher Säugethierreste, welche mir von den Vorständen der ülTentlichen Museen und die Gefälligkeit vieler Besitzer von Privatsammlungen anvertraut worden sind, die Überzeugung gewonnen, dass unsere marine Stufe ganz dem miocene nioyen L artet's entspricht, da in derselben z. B. 3Iasiodon anyiistidens, M. taphoides und Änchi- 1) Bullet, soc. geol. 1839, Bd. XVI, S. 476. über die syrosspii Rinihthiore n. 2 I therium Aurelianense neben Listriodon splendens vorkommen. Die- sem selben Niveau aber fallen, wie mich die von Hrn. Prof. Aich- born aus dem Joannoo in Gratz freuiullicbst mitgetbeilten Stücke lehren, die Kohlen von Parscblug, Eibiswald , Wies und Aflenz bei Turnau zu, welche dieselbe Fauna umschliessen. — Ein tieferes Niveau nimmt dann z. B. die Kohle von Zemlye bei Totis unweit Raab ein, welche Äulhrncotherium mngnnm enthält und daher mit Zoveneedo und Cadibona, mit dem miochie inferieur des Herrn Lartet, den Vorkommnissen von Rocbette im Canton Waadt, der Aquitanischen Stufe der Scliweizcr Paläontologen, übereinstimmt. Diese Fauna ist älter als die Bildung des eigentlichen Wiener Beckens. Es ist jedoch meine Absicht nicht, hier diese und noch andere allgemeine Ergebnisse , welche aus der Vergleichung der Land- sängethiere hervorgegangen sind, ausführlicher darzulegen. Bevor dies geschieht, halte ich es füi' nothwendig, die Arten eitizelner der wichtigsten Familien genauer zu bestimmen und abzugrenzen und so für das Studium unserer Säugetbiere wenigstens theilweise eine ähnliche Basis zu scbaffen, wie sie uns für die Seethiere durch die Werke von Hörne s, Reuss, Orbigny u. A. in so ausgezeichneter Weise geboten sind, und beginne sogleich mit den Ranbthieren. Die Individuenzahl der grossen Fleischfresser ist aus begreif- lichen Gründen stets viel geringer als jene der gleichzeitig lebenden Pthiuzenfresser. Daher rührt auch die. Seltenheit fossiler Fleisch- fresser. In den Diluvialablagerungen freilich zählt man die Indivi- duen des Höhlenbären, welche in einer einzigen Höhle begraben sind, auch bei uns zuweilen nach Hunderten, und fast eben so häufig soll in Höhlen des nördlichen Böhmens der Dachs vorkommen. Aus einer einzigen Höhle bei Theissholz im nördlichen Ungarn konnte ich Bär, Wolf, Fuchs, Marder und Hyäne anführen i) 5 eine andere ungarische Höhle zeichnet sich durch ihren Reichthum an Felis spelaca aus. Aber diese Menge von Resten rührt ofTenbar daher, dass hier die einstigen Sehlupfwinkel dieser Thiere zugänglich sind, in denen dieGebeine vieler Generationen aufeinander gehäuft liegen. In dem Löss der Ebenen sind Raubthiere bei weitem seltener, ja ») Jalul). der k. k. geol. lieichsaiist. I8ö8, Veili. S. 147. 220 S " e s ,. alles was ich von Spuren derselben ans dem Löss kenne, beschränkt sich auf einige wenige Bruchstücke. Abgesehen von einer Anzahl loser Zähne, die in den marinen Küstenhildungen von Neudorf getroffen wurden, und M'elche, wie Herr von Meyer schon vor Jahren bemerkte, zwar auf vier ver- schiedene Arten hindeuten, unter denen ein Insectenfresser sein mag, aber zu einer näheren Definition nicht ausreichen, — und ab- gesehen von der vorderen Hälfte des Unterkiefers eines wahrschein- lich zu den Hunden gehörigen Thieres aus der Kohle von Eibiswald in Steiermark, das mir Prof. Aichhorn gütigst mittheilte, — sind mir im Ganzen nur drei Arten tertiärer Raubthiere aus Österreich bekannt, und zwar 3Iachairo(lus cultridens, Hyaenu hipparionmn und Amphicyon intermedius. Die erste und die letzte Art sind bisher nur durch je ein, die Hyäne durch die Reste von zwei Individuen vertreten. Machalrodus cultridens. Taf. I, Fig. 1. l'rsiis cttUfidens Ciiv. , Agnotherlvm anti(piiim und Felis aphanisla Kaup, Machairodiis leouinns Wagn. (Kaup in Leonh. u. Bronn's Jalirb. 1850, S. 270.) Von diesem grossen und furchtbaren Raubthiere ist bisher meines Wissens in Österreich erst ein einziger Rest, nämlich ein oberer Eckzahn, und zwar zu Baltavär gefunden worden. Es stimmt dieser Eckzahn mit den von Eppelsheim und von Pikermi beschrie- benen so vollständig überein, dass ich mich darauf beschränken darf hier eine Eigenthümlichkeit hervorzuheben, welche in den bis- herigen Schilderungen unerwähnt geblieben ist. — Die äussere gezähnelte Kante wird unterhalb des oberen Endes der Krone stark gegen die Innenseite des Zahnes abgelenkt, wie dies auch beim Eckzahne des Mach, latidens in Owen's Figur (^Brit. foss. Mnnwi. p. 180, Fig. 69, reciifs) angedeutet ist. Auf der anderen Seite der Mittellinie stellen sich erst einzelne Wärzchen ein, die sich gegen oben zu einer zweiten gezähnelten Kante vereinigen, endlich bemerkt man weiter oben noch eine leichte Spur von Zähnelung nahe der Mittellinie selbst. Prof. Wagner war so freundlich, auf meine Bitte die Zähne aus Pikermi, welche sich in der Münchner Samm- lung befinden, zu vergleichen, und hat an denselben die nämliche über die giü.sseii Riuihlliicre ik-r .islerr. Teitiiiriil)lrtgeniiigen. 22 1 Erscheinung gefunden. Taf. I, Fig. 1 wird sie besser versinnlichea als Worte. Mach, cultridens ist bisher zu Eppelsheim, Pikermi und im Arnoth«le getroffen worden. Der Zahn von Baltavar befindet sich in der Sammlung des Herrn Hofrathes v. Schwabenau in Üdenburg. Hyaena hipparionuni Gerv. Taf. I, Fig. 2, 3. H. hipparionum Gervais, Zool. Pal. franc. p. 121, t. XII, f. 1, t. XXIV, f. 2—5. H. eximia Roth u. AVagn. Foss. Knoch. 1834, p. 26, T. II, Fig. 6, und Wagner, Neue Beilr. 18Ö7, p. 12, T. III, Fig. 9. Auch von diesem Raubthierc, dem ältesten Vertreter der Sippe Hyaenu, hat bisher nur Baltavar Spuren geliefert; diese bestehen aus zwei Unterkieferhälften, von denen eine sieh im kaiserlichen Mineralien-Cahinefe, die andere in der Sammlung des Herrn von Schwabenau befindet. Ausser diesen beiden Stücken liegt mir aber noch ein merkwürdiges Exemplar vor, den linken Oberkiefer eines jungen und eben im Zahnwechsel begriffenen Individuums darstellend, welches in Pikermi bei Athen gefunden wurde und einen Theil der oben erwähnten, vom Freiherrn von Brenner -Felsach an das kais. Mineralien-Cabinet geschenkten Sammlung ausmacht. Da durch dieses Stück die Identität der H. exijiiia mit H. hippa- rionnm Gerv. so ziemlich ausser Zweifel gestellt und eine genauere Vergleichung mit den lebenden Hyänen und mit H. spelaea möglich wird, will ich dasselbe etwas genauer schildern. Dieser Oberkiefer zeigte, als er in meine Hände kam, nur den vollkommen entwickelten ersten Lückenzahn, eine Strecke weit hinter demselben ein Bruchstück eines stark abgenützten Milch- zahnes und noch weiter hinten sah man eben die Spitze des mitt- leren Zackens des Reisszahnes durch den Kiefer brechen. Es sind nun die im Kiefer steckenden Kronen blossgelegt worden und nur ein Streifen von Knochenmasse bei a an der Innenseite des Reiss- zahnes belassen worden , um die Krümmung des Gaumens zu zeigen. In diesem Augenblicke zeigt das Stück Folgendes: Der erste Lücken zahn, der, wie gesagt, bereits ganz aus dem Kiefer hervorgetreten war und auch bereits die zarten Längs- runzeln durch Abnützung fast ganz verloren hat, welche die Kronenkeime der anderen Zähne bedecken, ist von etwa pyramidaler Gestalt. Eine Kante zieht sich der Länge nach über den ganzen 222 S » e 8 s. Zahn und bildet am Vorderendc einen kleinen deutlichen, am Hinter- ende einen undeutlichen Ansatz. Der Keim des zweiten L ücke nzahnes sitzt etwas schräg im Kiefer, so zwar, dass sein Vorderrand unter einen Theil der starken, pfeilerförmigen Wurzel des ersten Liiekenzahnes liegt. Er ist 10-5 Millim. lang, sein vorderer Ansatz gegen Innen runzelig, mit einem stärkeren Zäpfchen dort, wo er sich an die Innenseite des mittleren Ilauptzackens anschliesst und von wo eine stumpfe Kante gegen die Spitze dieses Hauptzackens hinaufläuft. Der hintere Ansatz besieht aus zwei Zacken und es läuft eine Kante von der Spitze des Hauplzackens über beide der Länge nach bis zum llinterende des Zahnes hi