OF COMPARATIVE ZOÜLOGY, AT DARVARD COLIECE, CAUBRIBCE, MASS. jFountrctJ ftn pvfbatc suöscrfijtfon, fn 1861. Prom the Library of LOUIS AGASSIZ. No. SITZUNGSBERICHTE UEB KAISKKI.U IIKN' lyDEMIG DER UlSSElCHlFTGi ^/^ MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. ÜREIÜNDVIERZIGSTER BAND. -jfe^s^j^-^-*- WIEN. AUS DER K. K. HOF- UND STAATSDKUCKEREI. IM COMMISSION BEr KARL GEROLD'S SOHN. BUCHHÄNULEK DER KAIS. AKAÜKMIt DER WISSENSCHAKTE>. 1861. SITZUNGSBERICHTE DßH MATHEMATISCH-NATURWISSENSCHAFTLICHEN CLASSE DEK KAISKRLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. XllII. BA5iD. I. ABTHEIICNG. Jahrgang 1S61. — Heft I bis V. (llit 19 Caffln, 3 lartrn. 1 Snrtjjsdjtiitt n. I profiltaffl.) WIEN. AUS DEK K. K. HOF- UND STAATSDRUCKEREI. IN CUMMISSIUN BEI KARL OEROLD'S SOHN, BUCHHÄNDLEK DER KAIS. AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. ^ 1861. m. cm. ZNL UtMIY HAXVMB UNIVERSITY I i\ H A L T. Seite I. iiiitzuiig' vom 3. Jänner 186i: Übersicht 3 Beiiss, Über die fossile Gattung Acicularia d'Arch. (Mit 1 Tafel.) 7 II. Sitzung vom 10. Jänner 1861: Übersicht H Emmrich , Ein Beifrag zur Kenntniss der südbayrischen Molasse 13 III. Sitzung vom 17. Jänner 1861: Übersicht 23 Frauenfeld, Bericht über weitere Bearbeitung der Novara-Samm- iungen und F'ortsetzung der Diagnosen neuer Lepidopte- ren von Dr. C. Felder 25 Mauthner, Über die sogenannten Bindegewebskörperchen des centralen Nervensystems 4S IV. Sitzung vom 31. Jänner 1861: Übersicht 55 Pokorny , Untersuchungen über die Torfmoore Ungarns. (Mit 1 Karte.) 57 Kner, Über den Flossenbau der Fische. (Fortsetzung.) . . . 123 V. .Sitzung vom 7. Februar 1861 : Übersicht 153 Hyrtl, Über das epigonale Kiemenorgan der Lutodeira, mit einer Tafel und einer osteologischien Tabelle der Clupeiden Cuvier's 155 Stoliczkciy Über die Gastropoden und Acephalen der Hierlatz- Schichten. (Mit 7 Tafeln.) 157 VI. Sitzung vom 21. Februar 1861: Übersicht 205 Hyrtl, Über anangisciie (gefässlose) Netzhäute 207 VM. Sitzung vom 7. März 1861 : Übersicht 213 Suess, Über die grossen Raubthiere der österreichischen Tertiär- Ablagerungen. (Mit 2 Tafeln.) 217 r. Sonklar, Der grosse Schuttkegel von Wiener-Neustadt. (Mit 1 Karte und einem Durchschnitte.) 233 VIII. Sitzung vom 14. März 1861 : Übersicht 247 Wanket , Beiträge zur österreichischen Grotten-Fauna . (Mit 4 Tafeln.) .... 251 IX. wSitzung vom 21. März 1861: Übersicht 265 VI Seite X. vSit«ung vom 11. April 1861: Übersicht . 267 Diesing, Kleine helinintliologische Miltheilungen 269 Boue, Über die Karst- und Trichterplastik im Allgemeinen . . 283 XI. Sitzung; vom 18. April 1861 : Übersicht 293 Heller, Beiträge zur Crustaceen-Fauna des rothen Meeres. (Erster Theil.) (Mit 4 Tafeln.) 297 XII. Sitzung vom 25. April 1861: Übersicht 375 Andrejevii, Über den feineren Bau der Leber 379 XIII. Sitzung vom 10. Mai 1861: Übersicht 383 Petei's, Geologische und mineralogische Studien aus dem .süd- östlichen Ungarn, insbesondere aus der Umgegend von Rezbanya. (Mit einer geognostischen Karte und einer Profiltafel.) 385 XIV. Sitzung vom 16. Mai 1861: Übersicht 465 Wiesner, Die Blattbögen und ihre Berechnung. (Mit 1 Tafel.) 467 SITZUNGSBERICHTE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. MATHEMATISCH - NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. XLIIl. BAIVD. ERSTE ABTHEILUNG. Enthält die Abhandlungen aus dem Gebiete der Mineralog-ie , Botanik, Zoologie, Anatomie, Geologie und Paläontologie. I. SITZUNG VOM 3. JANNER 1861. Freiherr von Wüllerstorf und Urbair, Commodore in der k. k. österreichischen Kriegsmarine, dankt mit Schreiben vom 22. December 1860 für seine Wahl zum correspondireuden Mit- gliede der Akademie. Eingesendet wurden folgende Abhandlungen: „Über die fossile Gattung Acicularia d'Arch." von Prof. Reuss in Prag. „Über die Eigenschaften einiger bestimmten Integrale" von Dr. A. Winckler in Gratz. « „Bestimmung der Lage eines beliebigen Punktes auf dem Felde nach der als bekannt vorausgesetzten Lage dreier anderer Punkte" von Prof. K. Breymann in Mariabrunn. Der Secretär theilt der Classe mit, dass für die am 30. Mai 18Ö7 ausgeschriebene astronomische Preisfrage: „Es sind möglichst „zahlreiche und möglichst genaue photometrische Bestimmungen „von Fixsternen in solcher Anordnung und Ausdehnung zu liefern, „dass der heutigen Sternkunde dadurch ein bedeutender Fortschritt „erwächst", drei Bewerbungsschriften rechtzeitig, d. i. vor dem 1. Jänner 1861, eingesendet wurden, und zwar: a) Die erste von Berlin mit dem Motto: „Jsi iAsu^spiov elvcct ryj ■yvdi)ix-^ TÖv julA/lovTa (pi'koao(psiv" . b) Die zweite von München mit dem Motto : „Gutta cavat lapidem". c) Die dritte von Speyer mit dem Motto: „Ich messe mit scharfem Maass das Licht aller Sterne des Himmels von der glänzendsten Sonne bis zu dem schwächsten Lichtpunkt". 1» 4 Endlich macht der Secretär eine vorläufige Mittheilung üher das neueste Verfahren von Carre, Eis im Grossen mit sehr geringen Kosten zu erzeugen, die er einem Privatschreihen des Herrn Sections- rathes Ritter von Schwarz in Paris entnimmt. Der Secretär hofft der Classe die Versuche selbst mit einem Originalapparate von Carre, den Herr von Schwarz für denselben zu besorgen so gefällig war, zeigen zu können. Herr Director Kreil liest ein Schreiben des österreichischen Reisenden, Herrn Hauptmanns Karl F r i e s a c h, über dessen Aufenthalt in Süd-Amerika und namentlich über die in Brasilien von ihm aus- geführten magnetischen und geographischen Bestimmungen. Herr Dr. Reitlinger, Assistent am k. k. physikalischen Insti- tute, überreicht eine Abhandking: „Über die Schichtung des elektri- schen Lichtes", nebst einer „vorläufigen Note über die Lichtenberg- schen Figuren in verschiedenen Gasen". Herr Dr. Mach legt eine Abhandlung vor: „Über das Sehen von Lagen und Winkeln durch die Bewegung des Auges. Ein Bei- trag zur Psychophysik". Herr Dr. Adolph Weiss übergibt eine Abhandlung: „Über die Aljiängigkeit der Liniendistanzen im Spectrum des Gases der Unter- salpetersäure von der Dichte desselben". An Druckschriften wurden vorgelegt: Akademie der Wissenschaften, Königl. Preuss,, zu Berlin, Abhand- lungen aus dem Jahre 1859. Berlin, 1860; 4o- — der Wissenschaften, Königl. Bayer., zu München, Sitzungs- berichte 1860, Heft 3. München, 1860; 8«- Annale n der Chemie und Pharmacie, herausgegeben von Fr. Wohl er, J. Lieb ig und Herm. Kopp. N. R. XL. Band, 2. Heft, November. Leipzig und Heidelberg, 1860; 8"- D'Archiac, A., Notice sur la vie et les travaux de P. A. Dufren oy, suivie d'une liste bibliographique de ses pnblications. (Lue ä la Societe geologique de France, danslaseance du 21 mai 1860.) 8"- Astronomical Journal, Nr. 139 & 140. — Vol. VI. Nr. 19 »S: 20. Cambridge, 1860; 4"- Astronomische Nachrichten, Nr. 1284 — 1288. Altona, 1860; 40- Austria, XH. Jahrgang, LI. — LllL Heft. Wien, 1860; 8«- Cosmos, lX\4m>ee, 17^ Vol , 24''— 26^ Livraison. Paris, 1860; 8»- Gazette medicaled'Orient, IV'annee, Nr. 9. Constantiiiople, 1860; 4»- Gese lisch aft,Deutsclie geologische, Zeitschrift. XU. Band, 1. Heft. Mit 7 Tafeln. Berlin, 1860; 8«- — Physikalische zu Berlin, Die Fortschritte der Physik im Jahre 1858. XIV. Jahrgang, 1. und 2. Abtheilung. Berlin, 1860; 8«- — Physikalisch-medizinische, zu Würzburg, Würzburger medizi- nische Zeitschrift. I. Band, 2., 3. und 4. Heft. Würzburg, 1860; 80- — Würzburger naturwissenschaftliche Zeitschrift. 1. Band, 2. Heft. Würzburg, 1860; 8o- Grub er, Wenzel, Die supernumer^ären Brustmuskeln des Menschen. Mit 2 Tafeln. (Memoires de TAcad. Imp. des sc. de St. Peters- bourg. VIP Serie, tome III, Nr. 2.) St. Petersburg, 1860; 4"- Grunert, J. A., Archiv für Mathematik und Physik. XXXV. Thcil. 2. und 3. Heft. Greifswald, 1860; 8«- L'Hyd rotherapi e, Journal des eaux, redige par M. E. Duval. 2™^ annee, fasc. 11. Paris, 1860; 8o- Jahrbuch, Neues, für Pharmacie und verwandte Fächer, heraus- gegeben von G. F. Walz und F. L. Winckler. Band XIV. Heft 4 und 5. Heidelberg, 1860; 8«- Land- und forstwirthschaftliche Zeitung, X. Jahrgang, Nr. 36, XI. Jahrgang, Nr. 1. Wien, 1860 und 1861; kl. 4o- Lotes, Zeitschrift für Naturwissenschaften, X. Jahrgjing, November. Prag, 1860; 8o- Marignac, C, Recherehes chimiques et cristallographiques sur les fluozirconates. (Estrait des Annales de Chimie et de Physique, 3« serie, LX.) 8«- Ministerium, k. k. , des Innern, Das Wasser in und um Wien rücksichtlich seiner Eignung zum Trinken und zu anderen häus- lichen Zwecken. (Nach dem Berichte der vom hohen Ministe- rium des Innern zum Behufe dieser Untersuchung eingesetzten Commission.) Wien, 18G0; So- Mi ttheilu ngen des k. k. Genie-Comite über Gegenstände der Ingenieurs- und Kriegs-Wissenschaften, Jahrgang 1860. V. Band, 4. Heft. Wien, 1860; 8«- — aus Justus Perthes' geogr. Anstalt, 12. Heft. Gotha, 1860; 4'*- Nyst, H., Notice sur deux coquilles nouvelles du genre Crassatelle. — Notice sur quelques Bulimes nouveaux ou peu connus. Avec 6 5 planches. — Description succincte (riiii nouvoau Mollusque mjirin des rives de TEscaut. — Rapport sur 1" decouverte d'ossemens fossiles faite ä Saint-Nicolas, en 18ö9. — Sur des ossemens fossiles trouves dans les environs de Saint-Nicolas. Communieation de M. le doeteiir van Ramdonck — Sur une de- couverte d'ossements fossiles; notice de M. de docteur Scoliy. (Extrait des Bulletins de TAcademie Royale de Belgique.) 8"- — Notice sur une coquille du genre Cyrene extraite du puit arfesien d'Ostende. (Extrait du Bulletin de la Societe Paleon- tologique de Belgique, vol. 1/. 1858 a 1859.) 8*>- Schmarda, Ludwig K., Neue wirbellose Thiere, beobachtet und gesammelt auf einer Reise um die Erde 1853 — 1857. I. Band. Turbellarien, Rotatorien und Anneliden. 2. Hälfte. Mit 22 colo- rirten Kupfertafeln und mehreren hundert Figuren in Holz- schnitt. Leipzig, 1861; ¥■ Societe Paleontologique de Belgique, fondee ä Anvers le 1' Mai 1858, Bulletin. Tome \\ feuilles Nr. 1 ä 5. Anvers, 1860; S«- — geologique de France, Bulletin, 2""" serie, tome XVIP, feuilles 29—44. Paris, 1859 ä 1860; 8«- Society, the Zoological — , of London, Transactions. Vol. I — HL 1835, 1841, 1849. — Vol. IV, part 1 — 6. London, 1850— 1859; 40-— Proceedings. Jahrgang 1830-1838, 1840—1859 und 1860, part 1 & 2. London; 80' — A Liste of the Fellows, annual Subscribers and honorary, foreign and corresponding Members. London, 1858; 8«- — The Charter, By-Laws and Regulations of the Zoolog. Soc. of London, incorporated March 27, 1829. London, 1860; 8'>- Wedl, C, Atlas der pathologischen Histologie des Auges. 2. Lie- ferung. Mit 6 Tafeln. Leipzig, 1860; 4«' Wiener medizinische Wochenschrift, X. Jahrgang, Nr. 50—52. Wien, 1860; ¥■ Wo eben -Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts-Gesellschaft, X. Jahrgang, Nr. 4 und 5. Gratz, 1860; ¥' Zeitschrift für Chemie und Pharmacie, herausgegeben von Dr. E. Erlenmeyer und Dr. G. Le Min st ein, HI. Jahrgang 1860, Heft 21 und 22. Erlangen, 1860; 8»- über die fossile Gattung Aciciilaria d'Arch. Von dem \v. M. Prof. Dr. Aog. Em. Renss. (Mit l Tafel.) Diese Gattung wurde zuerst für einen kaum 3 — 4 Miliim. lan- gen, im Grobicalke von Pisseloupe bei Pavant vorkommenden fossi- len Körper von d'Archiac aufgestellt und in den Memoires de la societe geologique de France V, p. 386, t. 2S, f. 8 beschrieben und abgebildet. Dasselbe that später Michel in in seiner Iconogra- phie zoophytologique p, i76, t. 46, f. 14, wo zugleich Etrechy bei Etampes als Fundort hinzugefügt wird. Beide zählten die eii»zige Species — die A. pavantina ^"kvcXi. — zu den Bryozoen, ohne aber ihre Stellung unter denselben näiier zu bestimmen. Auch Pictet führt sie in der ersten Auflage seines Tratte elementaire de paleontologie unter den ungenügend bekannten Gattungen im Anhange zu den Bryozoen an (Tome IV, }). 281). Orbigny scheint sich zuerst eine abweichende Ansicht über das Wesen der Gattung Acicidaria gebildet zu haben, indem er sie mit Ovtdites Lam. verbindet und die einzige Species als Ovnlites pavantina bezeichnet, ohne jedoch seine Ansicht auf irgend eine Weise zu begründen (Prodrome de paleontologie stratigraph- II, p. 40Ö n. 1292J. Dieselbe wurde von Pictet (Traite elem. de paleont. 2. edit. IV, p. 484) und von Bronn (Lethaea geognostica 3. Aufl. III, pag. 259) adoptirt, von letzterem aber mit einigem Zweifel, da er ein Fragezeichen beifügt und bemerkt, dass der für Ovnlites charakteristischen polaren Öffnungen nirgend Erwähnung geschieht. Eine nähere Untersuchung scheint aber von beiden nicht vorgenommen worden zu sein. 8 R e u s s, In der neuesten Zeit haben auch Parker und Jones Acicu- larla zu den Foraiiiiniteren gezälilt und in die Nahe von Dactylo- pora gestellt, ohne aber bis jetzt eine nähere Begründung ihres Ausspruches geboten zu haben (Annals and mag. of nat. hist. 1860, V, n. 28, p. 293). Ich habe mich vor Kurzem wiederholt mit der näheren Unter- suchung des in Rede stehenden Fossilrestes beschäftigt. Die da- durch gewonnenen Resultate gestalten mir nicht, mich der neueren Ansicht über die Wesenheit desselben anzuschliessen; sie befestig- ten in nnr vielmehr die Überzeugung, welche ich schon früher (in Haidinger's gesammelten naturw. Abh. II, p. 67) ausgesprochen habe, dass Äcicularia eine den Eschareen verwandte Bryozoe sei. Weniger gegründet war die dort ausgesprochene Behauptung, dass A, pavantina auch in den neueren Tertiärschichten des Wiener Beckens sich wieder finde. Zwar erwähnt schon Michelin 1. c. , dass dieselbe auch bei Nussdorf nächst Wien vorkomme. Ich entdeckte denselben Fossil- rest auch, wiewohl selten, im Tegel von Lapugy in Siebenbürgen und im Salztlione von Wieliczka, in grosser Anzahl dagegen im Leithakalke von Kostel in Mähren. Neuere Untersuchungen haben aber dargelhan, dass derselbe wohl ebenfalls der Gattung Äcicularia angehöre, aber eine von der französischen verschiedene Species darstelle. Es gibt daher zwei Arten der genannten Gattung, deren Charaktere ich nun mit wenigen Worten darlegen will. 1. Äcicularia pavantina d'Arch. ist nadeiförmig, am breiteren Ende mehr weniger ausgeschnitten, und endiget, sich langsam ver- schmälernd, am entgegengesetzten Ende in einer einfachen Spitze. In Folge von Zusammendrückung ist der Querschnitt gewöhnlich elliptisch. Die breiteren Seitenflächen sind massig gewölbt und stossen in gerundet-winkligen Rändern zusammen. Doch manchmal wird die Wölbung der Seitenflächen stärker und der Querschnitt beinahe kreisrund. Von einer centralen Höhlung, wie man dieselbe bei Ovulites und Dactylopora wahrnimmt, ist keine Spur vorhanden. Eben so ist am unteren spitzigen Ende kein Zeichen von Anheftung zu entdecken. Die gesammte Oberfläche, mit Ausnahme des etwas zugeschäfrten oberen ausgeschnittenen Randes, ist mit in sehr un- regelmässigen Längs- und eben solchen alternirenden Querreihen stehenden, gedrängten, durch schmale scharfrandige Scheidewände i'ber die fossile iJattiing' Aviiu/an'a d'Aroli. Q gesonderten runden Mündungen von ziemlich gleicher Grösse be- deckt. Auf den Seitinrandern der zusunimengedriickten Formen stehen diese mehr vereinzelt. Sie führen in nicht sehr tiefe Zellen, die in ihrer ganzen Weite ausmünden. Jede derselben ist, wie bei den Eschariden und Celleporiden , nn"t jeder der nebenliegenden durch (inen feinen kurzen Canal verbunden. Die an den entgegen- gesetzten Flächen des Gehäuses liegenden Zellen communiciren jedoch nicht mit einander, sondern sind nach Art der Eschariden durch eine imdurchhohrte mittlere Seheidewand von einander geschieden. Die drehrunden Formen zeigen im Innern eine centrale un- durchbohrte Axe, in welcher man nur hin und wieder kleine unregel- mässige Zellen wahrnimmt, wie sich dies ganz auf dieselbe Weise bei den drehrunden Ästen mancher lebenden und fossilen Eschava- Arten wiederholt. 2. Die zweite Species — Acicularia miocaenica m. — wenn auch in den Hauptzügen mit der vorigen übereinstimmend — weicht davon doch in manchen Kennzeichen ab. Die ebenfalls nadeiförmige Schale verschmälert sich gegen das spitzige Ende hin langsamer und ist am breiteren Ende abgestutzt, aber nicht ausgeschnitten. Zugleich ist die Schale stärker zusammengedrückt; die Seitenflächen zeigen daher keine Wölbung, sondern sind eben oder manchmal sogar etwas eingedrückt, die Seitenränder abgestutzt und deutlich zweikantig. Die viel weniger zahlreichen und verliältnissmässig grösseren Zellen stellen in ziemlich deutlichen alternirenden schrägen Reihen und münden durch etwas verengte, daher entfernter stehende runde Öffnungen aus, welche von sehr ungleicher Grösse sind und von einer sehr flachen ringförmigen Erhabenheit eingefasst werden. An den Seitenrändern der Schale fehlen sie beinahe gänzlich. In Folge des stärkeren Zusammengedrücktseins des Gehäuses tritt die Anord- nung der Zellen in zwei mit der Rückenseite zusammengewachsenen Schichten hier viel deutlicher hervor als bei A. imvantina. Nach der eben gegebenen Schilderung kann es kaum einem Zweifel unterliegen, dass der Bau von Acicularia mit jenem der Eschariden ganz übereinstimmt und dass die genannte Gattung sich von Eschara nur durch die eigenthümliche Gestalt des einfachen, nicht verästelten oder gelappten Polypidoms und durch den Mangel aller Anheftung unterscheidet. Sie würde sich in dieser Beziehung an die Gattung Lanceopora d'Orb, anschllessen. jO '^ 1^ " SS- i'bcr die fossile (>attiiiig .Uicii/uiia d'Arcli, Dagegen weicht der Schalenbau sehr wesentlich von jenem aller Foraminiferen ab; selbst mit Dactylopora und andern Orbitu- liniden, denen sich AcicuJuria zunächst anschliessen müsste, kann ich keine Übereinstimmung iinden. Um so weniger könnte die Rede davon sein , dieselbe mit OindUes zu vereinigen, welche eine glasige fein poröse Schale und eine grosse Centralhöhlung besitzt. Der sicherste Beweis würde freilich dann geliefert werden können, wenn es gelänge, an einer lebenden Species das Thier genauer zu beobachten. Erkläraug der Abbildungen. Fig. 1. Aci'cnlan'a pnvniitina d'Arch. Vergrössert. „ 2. Ein Stück der Oberfläche noch stärker vergrössert. ,, 3. Vergrössorter Querschnitt einer zusammengedrückten Form derselben. ,. 4. Vergrösserter Querschnitt einer beinahe drohrunden Form derselben. „ S. Afintlaria miocaenica m. Vergrössert. „ 6. Ein Stück der Oberfläche, stärker vergrössert. „ 7. Vergrösserter Querschnitt derselben. .. 8. Vergrösserter Verticalschnitt, senkrecht auf beide Zelienschichtcn, um die Communication der Zellen durch Sprossencanäie zu zeigen. l^ciifs. l'rticr (Im- ros.silc Caltiiii» .\ririil,iri,Mr.\i-cli. A\. dickfiot-i otaatcdrucxerei -Silaurig'sb die Ikadd W math iiaturu- H XLfflBd.I.AbthlSei. 11 H. SITZUNG VOM 10. JANNER 1861. Herr Bergrath Fr. Rittor v. Hau er übergibt eine Mittbeiliing des Herrn Prof. Dr. Herrn. Emmrich in Meiningen: „Ein Beitrag zur Kenntniss der siidbayerisehen Molasse". Das c. M., Herr K. Fritsch, legt eine Abhandlung vor: „Resultate mehrjähriger Beobachtungen über die Belaubung und Entlaubung der Bäume und Sträuclier im Wiener botanischen Garten". An Druckschriften wurden vorgelegt: Akademie, König!. Preuss., zu Berlin, Monatsbericht. August, Sep- tember und October 1860. Berlin, 1860; 8"- Astronomische Nachrichten, Nr. 1289. Altena 1861; 4o* Austria, XHI. Jahrgang, I. Heft. Wien, 1861; gr. 8«- Christiania, Universität, Akademische Gelegenheitsschriften aus den Jahren 18ö9 und 1860. Christiania und Throndhjem, 1859 und 1860; Folio, 4o- und 8«- Cosmos, X'' Annee, 18' Volume, 1" Livraison. Paris, 1861; S^- Gesellschaft der Wissenschaften, königl. dänische , Oversigt over det Kgl. danske V^idenskabernes Selskabs Forhandlinger og dets Medlemmers Arbeider i Aaret 18S9. Kjöbenhavn; 8"- Lebert, Hermann, Klinik des acuten Gelenksrheumatisnnis. Erlan- gen, 1860; 8"- Marburg, Universität, Akademische Gelegenheitsschriften aus den Jahren 1859 und 1860. Marburg und Hanau, 1859 und 1860; 4»- und 8»- Santini, Giovanni, Esperimento astronomico eseguito sul Picco di Teneriffa nel 1856 dietro sanzione dei Lord-Commissarj de! 12 Ammiragliato di Londia dal Professore C. Piazzi-Smitb, Pa- dova, 1860; S«- Societe Imperiale des Naturalistes de Moscou, Bulletin. Annee 1860. Nr. III. Avec 5 planehes. Moscou, 1860; So- Society, Royal Geographica!, of London, Proceedings of the, — Vol. IV, Nr. 5. London, 1860; 8«- Wiener medizinische Wochenschrift, XI. Jahrgang, Nr. 1. Wien, 1861; 4"- Emmrich. Ein Beifiiig' /iir Kennliiiss der südhayrischen Molasse. ^J 3 Ein Beitrag zur Kenntniss der südhayrischen Molasse. Von Dr. Hermaun Eiunirich. (Vorgelegt von dem w. M. Bergrath Franz v. Hauer.) In meiner Arbeit über die Molasse von Miesbaeli sprach ich es schon aus, dass die Muschelniolasse des Chiemsee, — die so total abweichend ist, in Gesteinsbesehaffenheit sowohl wie in Petrefacten- führung von der von mir als das tiefste Glied des östlichen Molasse- gebietes erkannten Meeresmolasse im Liegenden der cyrenenreichen Kolilenbildiing — , im Hangenden der Letzteren lagere, und ein junges Glied des südbayrisehen Tertiärgebirges sein dürfte. Früher sprach ich die Vermuthung aus , dass man in ihr ein Äquivalent der Schweizer Muschelmolasse zu suchen habe. In Sandberger's und Gümb el's Abhandlung über das Alter der südbayrischen Molasse ist dieses ausgezeichneten Horizontes gar nicht gedacht, wird da- gegen ebenfalls als jüngere Molasse die des Simsees erwähnt, in welcher ich allerdings ebenfalls die Auster des Waginger Sees auf- fand. Aus der Nähe von Prien führen sie Corbula subpisum wie im Tongr. V. Kl. Spauwen und Pleurotoma denticulata von Dax und Tortona auf und ziehen die dortige Molasse ebenfalls zur oberen Meeresmolasse. Wie freute es mich nun, als ich an der Prien in diesen oberen Schichten die ersten sicheren Spuren von Wiener Schichten auffand, erwiesen durch das nicht seltene Auftreten der Ancillaria glandiformis nwACassis texta, durch ein kleines Exemplar 6ev Pyrula rusticula (was übrigens immerhin noch zweifelhaft sein dürfte, die Erhaltung ist sehr ungünstig), durch Ringicula bucci- nea, Natica glaucinoides , Detitalium elephantinum etc. Und im Liegenden dieser Schichten fand sich dieselbe Muschelmolasse wie ■JA E m m I- i c li. auf Herreiiwüi-th und wie sie als Baustein aus dem Chiemsee heraus- gefischt wird und freilich durch eine mächtige versteinerungsfreie Schiclitenfolge davon getrennt, die kohlenführende Bildung von Nies- berg (St. Florian) ganz der von Miesbach und Peissenberg gleich, im evident Liegenden. Und als Unterstes der ganzen Bildung, als Lie- gendstes, bei Dössdorf die untere Meeresmolasse wie bei Miesbach und Peissenberg. So Hessen sich im Prienthal zwischen der Prien- miihle, wo die Prien in's engere Thal eintritt, bis nach Prien, wo sie zum Chiemsee heraustritt, in evidenter zweifelloser Lagerfolge vier durch Versteinerungen charakterisirte Glieder unterscheiden. 1. Als Tiefstes die untere Meeresmolasse. lu senkrecht aufgerichteten Bänken und dünnen Schichten eines grauen fein- körnigen Sandsteins, getrennt durch blauen Thou, steht sie etwas unterhalb Uössdorf (südlich von Wildenwart) an dem rechten Prienufer an. Auch hier findet sich die Cyprina rotundata (von Herrn Conserv. Schafhäutl, zuerst als Cyprina Morrisü aus der Miesbacher Gegend bestimmt und als Beweis für die brackische Natur dieser Schichten erwähnt) in mächtigen Exemplaren wie an der Laizenach nach Hrn. Gümbel und wie beim Locherbauer. An Grösse steht ihr eine Isocardia nach, von /. cor. specifisch verschieden. Die Turritella, die ich beim Locherbauer so häufig fand, und welche Herr Sandberger als incisa bestimmte, Herr C. Mayer für eine neue Species erklärt, ist hier nicht selten. Häufig Cytherea sulcataria, seltener eine Nucida, welche ich mit iV. Margaritucea verglichen hatte. Warum die Herren Sandberger und Gümbel in ihrer Ab- handlung über das Alter der südbayrischen Molasse in den Sitzungs- berichten der k. Akademie der Wiss. von 1858 diese untere Meeres- molasse nicht als besonderes Glied des südbayrischen Tertiär- gebirges anerkannt haben, begreife ich nicht, da sie doch selbst die Beweise dafür beihrachten, dass dieser 1853 von mir festge- stellte Horizont nicht allein in seiner Lagerung, sondern auch in seiner Versteinerungsführung den Schichten von Alzey entspreche. Was ich damals mitbrachte, war theilweise zu schlecht erhalten, um es sicher zu bestimmen, wie ich denn von der Cyprina nur zwei Steinkerne mitbrachte. Doch erkannte Herr Professor Sandberger unter dem Wenigen was ich alsDuplicat besass und ihm mittheilte die bei VVeinheim vorkommende Panopaea llebertiana (.lahrh. der geolog. Kcichsanstalt 1855, pag. 4;}ä). Wenn Herr Bergmeisler Ein Beitrag zur KtMintitiss der siidi)iiyri.sclieu Molasse. \ 5 G Um bei, wie ich aus einer Correspondenz in Bronn und Leon- hard's Jahrbuch von 1859 ersehe, eine untere, dem Sand von Alzey äquivalente Meeresmolasse als weit verbreiteten Horizont im südlichen Bayern angibt, so kann ich nichts anderes darin erkennen, als diese meine untere Meeresmolasse, die nicht allein überall am Südrand der Molasse, so weit ich sie kenne, auftritt, sondern auch noch in zwei nördlichen Parallelzügen. Ihr östlichstes bekanntes Auftreten ist das am Hochberg beiTraunstein. Die von Herrn Meinhold dort ent- deckte P/e?ena snhcostali quinqueramosa , ramis nt in Conopy q a positis, rena discoccUuIari venas duas discoidales ramumqnc tertium medianmn emittente, ramis reliquis medianis valde appro.vimatis, nt in Melittia, secundo ad ccllulae e.rtiilf^im emisso. AJae posticae anticis multo latiores, vena costali et suhcostali valde approximatis , ramo secmido mediano terlio appro.vimato, ante cellulae extimum Oriente. Pedes tarsis nudis , anlici hreviores, femore tihiaque duplo breriore dense fasciculato pilosis, posteriores femoribus longe pilosistibiisque squamaio -hirsiitis. Abdomen f(:fris) gracile, compressnm, squamatum, fasciculum analem ut in Sesia formatum gerens. Alarnm an/icarum i^enis genus hoc Welittiae Hübn. accedif, ponticanim autem et pnlpis Conopygae^ ab amhahiis autem anteunis ahdomiueque gvae'tU, ut in Sesiis formato, a MeWtt'ia. pedibus insuper, optime differt. 59. Pscudosesia insninris Feld. Alis hyalinis, anticis costa, margine interno, striga transversa limboque externo introrsum inciso nigris, posticis liiura disci margineque omni anguste nigris, frontis lateribus albis, palpis nigris , subtus flavido atomatis, thorace abdomineque nigris, cyaneo atomatis, hoc albido annulato, tarsis anticis flavidis. cf Coli. Felder. — 60. Melittia amboinensis Feld. Alis hyalinis, anticis costa, margine interno, fascia transversa limboque externo glauco partim atomato nigris , collari linca plumbea cincto, thorace subtus cum ptdpis albido squamato, pedibus intermediis et posticis nigris, glauco fasciatis, his supra aurantiaco-, subtus nigra villosis, abdominc supra nigra, aurantiaco annulato, subtus ochraceo. (j^p Coli, Felder. — M. Bombyliformi Cr um., cui valde affinis, minor. und rorlsetzimg der Diagiioseii neuer Lei)iiliiiileien von Di. C. Felder. 20 61. IMacroglo8sa Yennta Feld. Alis hyaUnis, ntgro iienatis, anticarum busi, costn, margine interno Umboque eaietno {ad apicem latiore) , posticarum basi margincque sitpra nigro-fuscis , antennis nigvis , palpis supra nigris, snbtus pallide f'ulvis, Ihorace abdomiiieque clon- gato, squamato supra oc/iraceo-brininets, snbtus cum pedibus' fuU'escenlibus, fasciculu aiiali nigra, ad busin virescente, apice fuli'o. cf Coli. Fdder. — M. fueifonni L., qua terlia parte major, alaruni forma et signatara similis, aldomiiiis vero structiira lange recedens. 62. Macroglossa Pyleue Feld. Alis anticis supra virescenti -brunneis , strigis binis basalibus tribusque discalibus transversis subrectis obsolete fuscis, plaga ante medium alteraque exteriore cano-violaceis, posticis supra luteis, striis duabus basalibus plagaque marginali fuscis, sub- tus brunneis, dimidio basali luteo strigisque tribus discalibus fuscis, capite palpisque supra cinereis, striga fusca , subttis albidis, thorace supra cinerascenti-brunneo, subfus ctimpedibus pallide fuloescentibus , abdomine supra nigrescente, maculis trinis lateralibus fulois, fasciculo anali nigro, apice fulvo. p Coli. Felder. — M. Corytho Boisd. et Sitienae Boisd. ^Y a\k er pro,vi7na, sed minor. 63. Snierinthus ambomicas Feld. Alis cum thorace et abdomine brumieis, anticis subfalcatis, strigis quatuor basalibus, quinta obliqua discali tribusque exterioribus inferius in Sigmatis forma curvatis maculasque binas fuscas amplectentibus nigricantibus , posticis supra maculis totidem analibus fuscis, subtus strigis tribus nigricantibus, antennis dP Coli. Felder. — Proprium constiluii scctionem , halitu et pedibus posticis bicalcaratis Uli S. Quereus h., cujus staturam super at , affinem, palpis et alarinn posticarum venis autem a caeferis etiam gencris sui sectionibus sat discrepa/iieut. 64. Gynaalocera vircscens Feld. Alis anticis nigro-virescentibus, venis dilutius marginatis, posticis plumheo - virescentibus , singulis subtus macula basali san- 30 ^'- Fi'auenfeld. Bericht iiher weitere Bearbeitung' iler Xovara-Sanimluiigen giiinea, posticis ibidem viftis duabus anterioribus maculisque gvossis inter venas atumariis niyris, abdomine nigro, subtiis sanguitieo annulato. cf Coli. Felder. — G. papilionariae Guer. secundum alurum fonitniii affinis, stalura minor. Aphantocephtila Feld. (^äfocvTog, incouspicuus, aefal-n, ccqnit). Caput minimum. Collare bene distinchim. Antennne (pnae) costae dimidium superantes , anguste bipectinatne. Älae elongatae, obtusae, singularum vena discocellulari anguhim acutissimum 7)i(irgini externo aJae opposifum formante, anticae posticis latiores, cellnla discoidali subovata, versus basin valde an- gustata, vena siibcostali quadriramosa (ramo primo et secundo ante, tertio post cellulae extimmn orientibusj, vena disco- celhdari suprema distincta , vc7ia discoidali secunda et ramo tertio mediano nnacum orientibus, ramis binis reliquis nwdianis ab hoc sat remotis. Alae posticae vena costali ad cellulae extimum emissa,ramo primo siibcostali de flexo, secundo a vena discoidali sat remoto. Genus Lycomorphae Harr. (Pyromorpliae Herr. Schaff.) affine, aed cha- ractcribus sitpra dalis distinctissimuni. 65. Aphantocephala 9Ioluccaruiii Feld. Alis nigricantibus, ciliis antetmisque obscurioribus. p Coli. Felder. - Callidrepana Feld. Caput mediocre. Antennae ((S^ris) breves, sat late pectinatae. Lingua brevis. Palpi breviusculi, cuput aequantes. Alae ut in Drepanis formataey anticae vena siibcostali quinquera- mosa, ramo primo et secundo ante cellulae ea'timum orientibus, hoc cum quinto angulato cellulam secundariam sat latam, superius angulum parvum reddenteni formante, ex quo angulo nascitur ramus quartus versus apicem tertium emittens, venu discoidali prima ramo ultimo siibcostali valde approximata, ramo mediano primo in cellulae media Oriente. Venae alarum posticarum etpedes ut in D r ep a n a IIa mtila et ejus uf'finibus. A Drepaiia Lasj)., ciii valde affine, genus hoc praeserliin unlenni.s ri iH-narinn sitbcustuliiini ulurutn andcarinn disjjosifione revedii. und Fortselzung- ilor Diiignoseii nciun' Lepidoptereii von Dr. C.Fe Itler. 3 I 66 Callidrepana saacia Feld. Alis paJlldissime fulvescentibiis , antlcis supra vittis nonmillh an- terior ibiis strigaqne posticaobliqiia brunneis argenteo cäomatis, macula discali brunnea nigro marginatn, antennis pedibusque fulvescentibiis, corpore albido. cf Coli. Fehler. — Drepana argenteola Moore affinis hulc videtnr. 67. Attacus Crameri Feld. d' Plial. Bomb. Attacus Atlas var. Cr am. Pap. Ex. t. 381 C. 382 A. Alis supra rufis, striga basali vice angulata alteraque discali {posticarum acute repando-deiitata) albis, iiigro cinctis, macuUs externis flexiiosis fnlvis obsolet is, margine cervino (posticariim introrsiim linea fusca obsoleta diviso), singiilis. macula discali nigro cincta, in pna magna trigona fenestrata, in(^re autemmulto minore, opacaflavicante, anticarumlunari, posticarum trigona, subtus omnibus multo pallidioribus, briin- nescentibus, striga discali paginae siiperioris albida et latiore. Coli. Felder. — Ah A. Atlante L., cujus perinultas varletates e diversissimis locis ante ine liaheo, non soluni forma fenestvarum , sed etiani signalnris marginalibus constanter difl'ert. Praecl. Cramerus marem t. c. optime figuvavit. 68. Antheraea Rumphii Feld. P Rumph^ Herbarium Amboinense, pars III. pag. 114 t. 7S D. ^) Alis supra saturate liiteis, ocello singiilarum fenestrato subelliptico, antice subtrimcato, ante medium vena discocellulari persecto, annulis tribus coloratis cincto, striga communi exteriore lata purpurea, anticarum obliqua, continua, macula ad costae apicem nigra albaque terminata, posticarum paulum undulata, subarcuata alteraque ante eam obsoleta undata nigra, subtus omnibus pallide fulvescentibiis, strigis tribus communibiis obsoletis , prima ferrngitiea proxime post ocellum, alteris cinereis, corpore luteo, thoracis limbo antico cinereo, postice simim formante. p Coli. Felder.- Gloriosa liaec phalaena ah A. Mylilta Drury el Pernyi Guer.^ quibus major, cliaracterihus supra scrijjlis perbene differt , ex figura autem praecl. Rumphii citata vix recognoscitur. 1) Cf. Moore, Cat. Lep. Ins. of E. J. C. II. p. 386, 387, „one of Ihe earliest noiioes of Ulis Insect (A. Mylitta) or of a species very neurly related to if, is given by the venerable Riunphiiis" etc. 3;^ V. Fra iienf el d. Bericht über weitere Be;irlH'iluiig- der Novara-Sammlungen Elacliyoplitalina F e I d. {ilayOg, minutNn, 6'j>^a\ix6<;, oculus). Caput pari'iim, valdc rctractum. Oculi minimi. Atitennne fPfiaeJ breves, sat lulc pectinatae. L'nigua nulla. Palpim'inuti, caput aequantcs. Alae breciter ciUntae, integerrimue, auticae apice obtiisae, margine externo convexo, vena siihcostali quinque- rnmosa (ramo primo ad cellnlae eaHimum Oriente), vena dis- coidaU secunda fere in medio venae discocellularis arcuatae Oriente, ramis ultimis medianis approximatis , primo remo- tiore, posticae rotimdatae, vena costali ad basin cum sub costali connata, dein costae valde approximata, post hiijus medium desinente, vena subcostuli lange post cellulae irregu- lär Her clausae extimum ramificante , ramo tertio et secundo mediano valde approximatis. Pedes breves , setosi, tibiae posticorum calcaribus duobus apicalibus minutis. Abdomen (Pnae) subrobustum , alis posticis dimidio fere brevins, ano subvilloso. Genus ah oiiiniOns Saturniidis jaiii hahitu discrepaiis , Ociiiarae Walker secundiüu nlarum formain forlasse accedens. 69. Elacliyophtalma tricolor Feld. Alis iitrinqne nigris, anticis fascia abbreviata alba, posticis angulo anali luteo, antennis abdomineque nigris, ano luteo. p Coli. Felder. — Magnitxdo Sericariae Mori L., faeies vero Cnethocainparum vel potius Orgyi darum. 70. Leucoiiia egens Feld. Alis parce squamatis, linea anteciliar i ciliisque brunnescentibus, anticis aciitis, corpore pedibnsque albis. p Coli. Felder. — .4 L. V-nigruni Fabr. nngido superiore cellulae alaruni anti- carum prominente ranioque subcoslali priuio posllcarum ad cellulae exti- mum emissu di/fert, quare seclionem proprium consti/uit. 7 1 . Lcuconia subargentea Feld. Alis dense squamatis, subargenteo- albis, anticis obtiisis, antennis fulvescenlibus, corpore albo, palpis, pedibus anticis tarsisque pedum posteriorum f'ulvis. c^p Coli. Felder. — A praecedenle non sulum forma ularum, sed c/ium aulcnnis lutins et nuOcompresse pectinatin renuipic dincoiduli ularum poslicuruiu raiuo tertio uiediuno mayis appro.vimala recedil , tertium igilur nectionem form nt. und Fortsetzung der Diagnosen neuer l.epido[>leri'n von ür. C. Felder. 33 Aucliyneara Fei d. (a^you, prope, vtOpov, venu). Antennne {cfrisj sat late pectinatae. Palpi dense jubati, caput superantes. Alae integerrhnae, unticae venu subcosiali quin- queramosa, ramo primo in cellidae medio, secuudo ante ejus eci'timum Oriente, hoc cum quarto ad cellulae ex'timum emisso cellulam secundariamdistinctam formante, tertioprope apicem alae a quarto emisso, vena discocellulari in medio evanescente, rena secunda discoidali ramisque duohus ultimis medianis sat approximatis , ramo primo mediano in alae medio Oriente. Alae posticae anticis latiores, vena discocellulari angulum acutissimum in cellulam porrectum formante , ramis duobus subcostalibus proxime post cellulae extimum tinacum orienti- bus, vena discoidali a ramis duobus medianis ultimis unacum Orient ibus sat remota. Tibiae posticae calcaribus quatuor sat longis. Genus Laeliae Steph. valde affine, alaruui aulem oenis medianis diversum. 72. Anchyneura praeusta Feld. Alis albidis, anticis costa extimoque brunnescentibus , supra vitta terminali diffusa fusca. cf Coli. Felder. — Laelia coenosa Hübn., cid facies suhsinnlis , diiplo minor. Caenina Feld. (Nomen proprium.) Antennae ((fris) sat late jicctinatae. Palpi sqnamati, caput duplo superantes. Alae integerrimae, vena discocellulari singidarum angulum parvum formante, anticae vena subcostali quinque- ramosa, ramo primo post cellulae medium, secundo ante ejus extimum Oriente , TTbc cum quinto angulato , ad cellidae ex- timum emisso cellulam secundariam sat latam formante, ex cujus apice nascitur ramus quartus prope apicem alae tertium emittens, vena discoidali prima ramo quinto subcostali et secunda venae medianae valde approxiinata , ramis hujus rectis, aequaliter distantibus, primo paulnm ante alae medium emisso. Alae posticae ramo primo subcostali post cellidae ex- timum Oriente, vena discoidali ramo tertio mediano propiore, quam hie secundo, ramo primo mediano sat remoto. Tibiae posticae calcaribus duobus sat longis. Dasychirae Stepli. (Selcniticae Esp.) affin is , palpis aittcm sat dincrepans. Sit/.b. d. nialliem.-naturw. Cl. XLIll ß(\. I. Abtii. 3 34 *• l*" ""ii ue iifi'lil. Bericht über weitere Beai'l>eilun,!? der Novnra-Sam niiungen 73. CneDiDa lymaiitrioides Feld. Alls brunneo cUiatis, anticis supra saturate brimneis, litura dis~ call lunari albida, posticis ibidem nigricuntibus. cf Coli. Felder. — //ai«V»sLymanti'iae disparis L., secl pltts quam dimidio minor. 74. fispia unicolor Feld. Alis, corpore anteunisque pallide luteis. cT Colt. Felder. — C. punctit'ascia Wo Ik. major. 75. Cispia dichroa Feld. Alis luteis, supra anticis fascia lata discali sinuata cana maculisque marginalibus obscure ferrugineis, posticis ibidem plaga interna obscure ferruginea, subtus unicoloribus. Coli. Felder. — Specimen nostrum outennis ahdomineque caret. Feminam fortasse C unicoloris sisdt. 76. Cispia suffusa Feld. Alis saturate luteis, anticis ^fris supra macula basali atomaria ferruginea, Pnae extus inter venas obscure ferrugineo striatis, posticis hujus utrifique plaga interna obscure ferruginea. Coli. Felder. — Praecedenfe tertia parte minor. 77. Cispia pamila Feld. Alis corporeque pallide luteis, anticis supra saturatioribus, macula interna atomaria ferruginea. cT Coli. Felder. — C. unicolore duplo minor. 78. Earias flaiida Feld. Alis sericeo nitentibus, anticis supra flavidis, posticis ibidem albidis, subtus omnibus albido-flavicantibus , corpore toto flavido. p Coli. Felder. — Slatnra E. Cloranae L. , sea alae latiores ohiusioresqve ^ facies Noctuidarum generia Xautliodis Gue. Tortricoinorpha Feld. Caput mediocre. Antennae filiformes, costac dimidium supcrantes, brevissime ciliatae. Lingua mediocris. Palpi validi, arcuati, capitis verticem duplo supcrantes , articulo tertio aciculari, nudo , secundi dimidium aequante. Alae clongatae, ciliatae, anticae apice obtusae vel subacutae, venu subcostali quinque- ramosa, ramis tribus jrrimoribus ante cellulae e.vtimum orien- tibus , quarto et quinto e trunco communi post illud emissis, venu discoidali secunda a ramis medianis ultimis valde appro- uiiil Forlsetzung der Diagnoseii neuer Le[)iil(i()teren von Dr. C. Felder. 35 ximatis remotiore, pllca submediana bast tantum venae medianae approximata, dein deflexa. Akte posticae anticis latiores, venis novem: venu subcostall longe post celhdae extimum ramificante , venu dlscoididi subcostcdi sat approxi- mata, vena mediana inter ramum primum et tertium plus minusve aiigalata, hoc ideo quasi venam discoidalem sistente. Pedes mdidi, postici vilfosi, calcaribus quatuor tibialibus (internis sat longisj. Abdomen {cfrisj alas posticas dimidio fere superans. Germs kreinä-AYürn (divisioni's Nyctoolidaniin Herr. Schaff.) a Cliloeo- phora Sleph., cum qua leoem liahcl afßiiitatcin , jam venae (liscoidaUs alarian posticaruin positione diversuin. 79. TQrtricouiorpha atrosignata F e I d. Alis brunneis, anticis subacutis, supra litura apicali obsoleta albida, posticis disco intusque hyalinis, supra macula cuneata atra, vena submediana divisa squamisque elatioribus f'or- mala, pedibns flavidis, albo villosis. <^ Coli. Felder. — Eariade Clorana L. paulo minor. 80. Tortricouiorpha affinis Feld. Alis brunneis, anticis subacutis, supra litura apicali fiavida, posticis disco intusque hyalinis. cT Call. Felder. — Praecedenti valde similis, sed alae posticae absqite macula atra. Ambae a congeneribus alarum forma corporeque graciliore recedunt. 81. Tortricouiorpha albifascia Feld. Alis fuscis, anticis fascia exter?ia obliqua iuterrupta alba, subtus diffusa, pedibus albidis, tibiis tarsisque posterioribus fusco variegatis. cf Coli. Felder. — Hujus affines sunt plures species javanicae nondum descriptae. Pentaclonia Feld, (nhrz., quinqiie, xloiv, ramus). Caput mediocre. Antennae filiformes, costae dimidium vix aequantes, distincte ciliatae. Palpi fere ut in To r t r i como rp h a. Alae elongatae, ciliatae, anticae apice obtusae, vena subcostali quinqueramosa, ramis duobus primoribus ante cellulae extimum orientibus, tertio et quarto a qninto post illud emissis, ramis medianis sat remotis, plica submediana venae medianae valde approximata, ante ejus ramificationem subito deflexa et quasi 3* 36 ^- 1'' i"a u t'ii fe 1(1. Beiii'lit iil>ei' weili-re Beailieitiiiig der .Nuvaiii-S;iinmliiii^eii ramum qnartum (seil, pritnum) medianum sistente. Alae posticae anticis pauIo (mgustiores, venis octo : vena siihcostali simplici, vena lUscoidali ei seit approximata, ramis medianis ut in Tortricomorpha. Pedes graciles, postici nudi, cal- caribus qiiatuor tibialibus longis, externis brevioribns. Ab- domen {(Sris) alis posticis fere dlmidio longius. Gt'«ws Nyctcolidarum, a praccedenle ckaracfcribus liicce dalis bene dignos- c eil dum. 82. Pentaclonia uniformis Feld. Alis fuscescenlibus , immaculatis , posticis supra obscurioribiis, p(dpis pedibus et peclore flavescentibm. cf Coli. Felder. — Tortrrcomorpha albifaseia, cul facie siiiülis , quarta parte minor. Cynie Feld. Genus e dlvisionc Lithosiidarum, Dolichae Walk, proximmn, sed palpis Caput superantibus, alis angustioribus, anticarum raruis duobus ultimis medianis sat approximatis , posticarum vena discoidali et ramo tertio mediana e trunculo cominuni post cellulae cxtimum orientibus , tibiis posticis breviits calcaratis abdomineque alas posticas superante distal. 83. Cyme reticalata Feld. Alis pallide ochraceis, anticis fiisco extus ciliatis, fasciis quatuor difformibus cano- brunneis, fusco cinctis, plus minusve ana- stomosa?itibus, corpore toto in utroque sexu ochraceo. Coli. Felder. — Magnitudo üoliches liilaris Walk., cui sigiiatura subsimilis. 84. Cyme sexualis Feld. Alis corporeque pallide testaceo - rufis, anticis ciliis fuscis, supra limbo externo rufescente, pitnctis basalibus fasciisque quatuor cano-fiiscis. cf ^P Coli. Felder. — Praecedente terlia parte major, facie Calligeniae miiiiatae Forst. Mas in pagina superiore alarum posticarum areolam eloiigatam subcostulem , squamis elatioribus virescenli-flavidis formatain , subtus fasciculum pilorum in alarum anticarum margine interno venamque sab costalem posticarum incrassatam praestat. Alae etiam angiistiores , quam in C. reticulata. 85. Cyme efasciata Feld. Alis efascialis , anticis (fris pallide-, pnae laete festaceo-rußs, posticis pallidissime rufescentibus, ciliis corporeque pallide testaceis. Coli. Felder. — Species hacc C. sexual i paulo minor ab l/ac et a C. reticulata ramo pri^^o subcostali alarum anticarum venam costalem haud per- forante rccedii. und K()it-:ot/.iiiig (Um- DiiiS'ioseii iimiei' l.ep ili>|ileit'ii von Or. C. Felder. 37 Tineopsis Feld. Cymae rnlde nffinis , sed nlae hugiores et nngustiores , posticnrn»i ram! mcdinni aeqnnUler et sat longe inter se distanles , tertius et vena diseoi- dntis unaciiin ad cellitlac exlimum Orientes pedesqne validiores et hre- riores. 86. Tiiieopsis saturata Feld. Alis anticis supra luteis, litura basall fasclisque quatuor anastomo- santibus fuscis, posticis fuscis , iitrinque immaculatis, capite palpis thorace pedibus fasciculoque anali luteis. cf Coli. Felder. — Cyme reticulata plus quam tertia parte minor. Color ad Kutanen et Pitanen Walk, speetat, cum quibus generihus haec nultam propiorem affinitatem habet. 87. Bizone impanclata Feld. Alis albis, anticis impunctatis , supra strigis diiabus maculaque apicis rifßs, corpore albo, thorace supra cingulo rufo, fas- ciculoque anali fulvescente. cT Coli. Felder. — A caeleris congeneribus absentia punctorum nigrorum in alis anticis sat differl. Magnitudo et facies omnino B. pucUae H üb n. Physetocncme Feld. CfvariTog, inflatus, Jcvri/xv?, tibia). Caput parvum. Antennae setaceae, crassiusculae, ciliatae, costae dimidium aequantes, triente basali incrassato, villoso. Lingua mediocris. Palpi squamati, minuti, caput aequantes. Alae elongatae, integerrimae, undiqiie (ad costam quoque) ciliatae, ciliis costalibus densioribus et longioribus, anticae cellula valde atigusta, obliqua, costae bitrientem aequante, vena costali rectissima, a costa sat remofa, longe ante ejus medium desinente , vena subcostali triramosa, ramo primo arcuato, post cellulae medium Oriente costaeque post medium desinente, secundo et tertio e trunco communi ad cellulae extimum emisso egredientibus , vena discocellulari intermedia ab- breviata, sola recta, caeteris pcrobliquis, inferiore a venae medianae directione purum declitiante, vena seciinda discoidali ideo quasi ramum quartum media num sistente. Alae posticae vena costali subdefle.va , venae subcostali ante ejus rami- ficationem sat approximata. Pedes validi, tibiis anticis inflatis, posticis sat lotig is , calcaribus quatuor mediocribus munitis. Abdomen (pnae) alas posticas aequans. Nudariae St.cph. nffinis, sed ab omnibus ejus sectionibus alarum anticarum renis, antennarum pednmque formatione distinctissima. 38 V. Frnii enfel rl. Boricht iiher weitere B.'arlu'itiinfr tler Novara-S;niHnliingei> S8. Pliysrtocneine ciliosa Feld. Alis nlhia, pcUncidis, idho cUhttis, linea in omni margine nntica- rnmqiie sfrifjis se.i' macidarum (intermediis abhreviatis, sexta may(jin(di) hrunnescentihus, antennis fdbis. p Coli. Felder. — Nndaria nuindana L., cid valdc ,st'nnlis, paiilo major. 89. Easemia Doicschaili Feld. Alis ntrinque nif/ro-funcis, violncco niicantihiis , anticis dimidio basali plumheo irrorcdis fttscinque ahhrevifda discali in cfre alba, in Pna mirantinca, nno nurnntiaco. Coli. Felder. — Secimdun) rdtrnnn fonnnin K. luptifcrae Boisd. affiiUH, tufijor aiiteiH. 90. Nyctcinera Mencs Fe Id. Alis fiiscis, nnticis macida basali cuneata fasciaqne sinnata discali albis, jmsficis albis, limbo sinuato fusco. rf Coli. Felder. — Affinis N. Agagli Boisd. 91. Nyctemera conflnens Feld. Alis albis, anticarum venis , macidis hibus costalibus limboqiie externo brunneis, confliientibus , hoc albo quinquemacnlato. posticis limbo brunneo, albo bimaculato. cT Coli. Felder. — N. speculari Walk, affinis videlur. 92. Syntomis Ticina Feld. Tota nigra, alarum anticarum plagn bipartita maculisque diiabtis elongatis bipartitis, posiicarmn macnla interna hyalinis, thoracis maculis duabus hnmeralibus abdominisque pluribns lateralibus flavis. Coli. Felder. — S. Imaone Cram., cui valde affinis, terlia parle minor. Ctenandra Feld, (^kzz'k;., pecten, dv-hp-, was). Antennae breves, (fris anguste bipectinatae, pnae subtus bifaric lamellatae, Inmellis basi et apice brevioribns, singulis setam gerentihus. Lingua brevissima. Palpibrevissimi. Alaeelongatae. (fris latiores, anticae vena snbcostali quinqneramosa, ramo primo posf cellnlae e.vtimum Oriente, secundo et tertio a quarto emissis, vena discoidali prima sat remota , secnnda ramo tertio wediano approximata , ramo mediana secundo huic propiore quam primo. Alae posticac venis tantum sex : vena costali et discoidali omnino absentibus, vena subcostali simplici, und Forlsetziiiij; ilci- lliiigiio.-^:«'!! iieiier Le(iii;o|)l('i-i'ii von üi'. C. Felder, 39 rrmn's medianis aeqnicUstantihus, vena mediana primaria inter ramum seeimdum et iertium oblique siirsum directa. Pedes iit in Nadia, paulo auteni robustiores. Abdomen ut in hoc geilere, sed robustius, alis posticis fere duplo longiiis. Genus divifiionis Sjnloniidiinim^ antennis jam bene dlgnoscendum. 93. Ctenaudra naclloidcs Feld. Alis brunneis, anticis cfris maculis quahior, pnäe quinque albidis, posticis cfris sujjra immaculatis, subtus macula exteriore albida, (j'nae macuHs tribus albis f prima interna ma.vima), antennis brunneis, capite palpis thoracisque medio lividis, pedibus abdomineque fuscis, hoc dorso lateribus ventreque livido maculatis. Coli. Felder. — Speeies colore sif/nndirisqire Nacliis, forma aiäem alariim Syntomidibus smilis. Statura illron Nacliae Ancillae L. terlia parte siiperat. 94. Staiiropns Melastomatis Dole seh all in litt. Alis rufescenti- brunneis, supra lunulis marginalibus ferrngineis. anticis ad basin plaga cervina, ferrtigineo cincta, litnra maculaque discalibus elevatis aliisque exterioribns seriatis ferrugineis, posticis in pna basi, in (^re dimidio postico albidis. Coli. Felder. — S. alterno Walk, affinis. 91). Phalaera Aiiiboinae Feld. Alis brunneis, anticis supra basi, intus posticeqne subargenteo atomatis, fasciis permultis luntdaribus nigrescentibus, strigis duabus basalibus tertiaque exteriore plague apicali rufescenti- brunneae extus bisinuatae adhaerente nigris, capite ad ver- ticem flavido plagaque antica thoracis ferrugineis, abdomine supra nigi'o, flavescenti an?iulato, subtus flavescente. p Coli. Felder. — Ph. Sanganae Moore accedere videtur. Ortholoinia Feld. f6p36g, rectus, löjp.cc, 7nargo). Caput sat magnum. Oculi nudi. Antennae setaceae, crassiusculae, costae dimidium aequantes, subtus bifarie lamellatae, lamellis linearibus, magnitudine decrescentibus. Lingua valida, medio- cris. Palpi capite duplo longiores, ascendentes, dense squa- mati , articulo secundo caput superante , incrassato, antice dense jubato-squamoso , tertio secundi dimidium aequante. graciliore, snbacuto. Alae elongatae, cellulis claitsis, costae 40 ^ F rn u e n fe 1 «1. Rerirlit über weitere Hearbeitimg der Novarn-Snmmlungen (limifUum aeqnatitihus, ant'wae marginc costali et interno ferc at'qiirih's Io)ffjifii(finh, rectis. externa pnitluni co)n'exo, vena siibeostafi quinquej'amosn, ramo pn'nio ante cellulae ex'thnum Oriente, secundo et iertio e quarto post cellulae extimum emisso }Wope apicem alae ascendentibus, qninto cum vena (Uscoiclali prima ceUulam secundariam anfjusfissimam formante, vena discoidali secunda in superiore parte ve?iae discocellnlaris Oriente, ramis medianis aequaiiter approximatis. Alae posticae anticis latiores, vena costali in triente siio hasali venae subcostali valde approximata, ramo hnjns secundo post cellulae extimnm venaque discoidali in medio venae discocellnlaris haud angulatae orientibus , ramo secundo et tertio mediana e truncnlo cammuni emissis. Pedes validi, posticorum tibiae calcaribus duabus validis. Abdomen (cfrisj sat amjustum, alas posticas dimidio superans, dorso laferibnsque fascictdatis, fasciculo anali deflexo, farcipato. Inter genern Notodontidanim descripta Anfaea Hü Im. Herr. Schaff, iiuixi- mam adhtic affiniiatem cum nostro habet. Magis aittem affim'a sunt alia plura americana, habitn Noctuidis quihu^dam (Nystalea, Cucullia) valde similia. 96. Ortholoinia inoluccana Feld. Alis cano-brunneis, anticis supra obscurioribus, vialascenti-tinctis, strigis obsoletis fuscis, lituris duabus discalibus, macula parva versus angulum intertium pnnctisque seriatis exterioribus (singulo dilute brunnescenti cinctaj nigris, elcvatis, marginc interno nigra et dilute brunnescenti vario, subtus immaculatis, Costa dilute brunnescente , apice striolis tribns fuscis notata, abdoniitie catio brun?ieo. cT Coli. Felder. — Antaea luturnä Cvixm. plus quam Icrtia parte minor et forma alarum valde aliena. Hypolochma Feld. Caput mediocre. Oculi nudi. Antennae ('cfrisj castae bifrientetn paulum snperantes, setaceae, breviter lamellatae, lamellis longitndine decrescentibus, in triente apicali minimis. Lingua brevis. Palpi squamati, capnt dupla superantes, rectissime assurgentes, articulis distinctissimis, secundo capitis verticem aequante, tertio longo, (ätenuato, subconico. Thorax scapnlis distinctis. Alae breviusculae , integerrimae, anguste ciliatae, anticae ad basin dense elateque squamatae, subtus fasciculo und K()r(.si'(ziiiii^ flor [)i:ij>n()scn nciur Lepiilopteion von Dr. C. Felder. 41 piloruni sat hngorum prope hasin instruciaß, celhila discoidaü minuta angnsta, alae tricntem aequaitte, vena snhcostali quhi- queramosa, ramo primo post cclliilae medium Oriente, secundo et quarto e truneulo communi ante ejus extimum emissis, hoc in medio tertium emittente et cum quinto ad cellidae eoctimum egrediente cellulam secundariam formante, vena discoidali prima ramo ultimo suhcosfali valdc appro.vimata, secunda infra renulae discocellularis medium Oriente, ramis duobns uUimis medianis ab hac et inter se aequaliter distantihns, ramo primo paulo remotiore, longe post celhdae medium emisso. Alae postieae anticis latiores, cellula alae trientem aequante, latiore, vena discocellulari tenui, sed distincte angulata, vena costali in cellulae medio Oriente, ramo primo suhcostali pau- lum ante cellulae extimum ascendente , vena discoidali ramis medianis sat approximata, horum secundo et tertio e trunco commnni post cellulae extimum emissis. Pedes sat longi, validi, squamati, posticorum tihiae calcaribus quatuor longis. Abdomen squamatum, ano fasciculato-pilosum, alas posticas triente superans. Genus Notodontidariini aloriua anticnruni mira sfrucfura et i^enis distinctis- shumn, milli mihi eoc/nito propius aecedens. 97. Hypolochma sericea Feld. Alis corporeque pallidissime cuno-brunneis , sericeo nitentibus, a?iticis supra in dimidio basali squamis multo densioribus cinereis tectis, albido atomatis, fasciaqne angusta recta brunnescente , nigro cincta persectis, subtus unicoloribus, fasciculo pilorum nigro. cf Coli. Felder. — Facies Cymatophoridarum. Magnihtdo Demadis Coryli L., Olli signaUira etiam panliim siiiiilis. 98. Ophideres Caesar Feld. Alis anticis supra saturate ferrugineis , glanco-violascenti variis, vitta lata discali medio subangulata ^ in cfre lunula etiam postica adjecta virescentilms, subtus fuscescentibus , violaceo su/fusis , limbo interna f'asciaque discali abbreviata lutes centibus, posticis utrinque pallide luteis, limbo terminali fusco subtus violaceo tincto. Coli. Felder. — Species venusta, maynitudiiie 0. Proci Cr am., signaturis nlarifin anticaruin 0. Ancillae Crani. similis. 42 ^'- Frau en f L'l <1. Bericht iilier weilcrp Bonrbpiliiiiji der Novara-Sammlimgen 99. Potaniftphora aiiiboinensis Feld. Alis supra fiiscis, (tnticis ferri(f/hien thictis, extus glaucescenti variis, striga obliqua rectissima glaucescente , mucuUs ovdi- nariis distinctis punctisqtie diiobas adjaceidihns brunnes' centibus, posticis supra fascia lata discali abbreviata, pallide cijanca, subtiis omnihiis laetioribus , atiticarum fascia siib- cnii'äta abbreviata , posticarum striya lata discali rix nndn- lata albidis. cf Coli. Felder. — A P. Manila Cram., cui affmissinuufnscia in paginn inferiore alarnm anlicarum et superiore posticarum strigaqiie in harum pngina inferiore vix nndidata mullo latioribxs differt. Facilc eam varielatem loenlem speciei supradictae exisfimnrem , sed ex Amboina ipsa specimina femlnina omnino cum P. Manila ti/pica congruentiu accepi. 100. Potamopliora albata Feld. Alis anticis supra brunneis, plus quam dimidio basali cano tinctis, maculis ordinariis grossis flavidis , macula supra venam sub- mcdianam, litura briinnescente notata strigaque transversa obliqua, extus subconcava fnscis, posticis albis, nndique fusco limbatis , subtus omnibus conculoribus, anlicarum macula discali fasciaque lata abbreviata, posticarum pagina omni (exceptis margine toto interuo limboque externoj albis. cf Coli. Felder. — Nisi, marem et feminam P. Manllae Cram. colore et signu- turis sat inter sc congruere , scirem, haue praecedentis marem putarem 101. Anisonenra sphingoides Feld. Alis amplis , anticis (J'ris fere integerrimis , posticis ejusdem sexus sat profunde sinuatis, regione anali truncatis, omnibus in utroque sexu fuscis , violaceo tinctis, supra strigis tribus communibus perobliquis nigricantibus , rufcscenti-brunneo cinctis, prima discali sccundaque exteriore latiore angulosis, tertia antemarginali repanda, anticis linea concolore distincta fe.vuosa subbasali, macula orbiculari pone haue, uigricante, obsolcta, reniformi in <^re distincta, late rufescenti-brunneo nigroque cincta (cinguli brunnei extimo inferiore flavido) subtus omnibus strigis tribus communibus obscnrioribus, posticis vittis ante venas singulas obscuris. Coli. Felder. — A. Zcu/oroidi -G iie, valde affinis ridetur, sed seeundum hu jus descripdonem colore macutae reniformis, linea iiua lantum ante- marginali distincta paginaque inferiore strigis (in posticis vittis etiamj persecta differt. und Foi'(,se(/.iing der PinijiiostMi neuer Lopidoptcren von Pr C. Felder. 43 102 Patula Cyolops Fohl. A/is nfrliisque sc.vus fusccsauidhiis, nujtra str!(]iis (juatuor eoni- munibns subflcvKOsis, continms, obscurioribus (tertia versus costnm et marginem infernnm nlariim tmticarum fasciolam formnnte) , antlcis macula ocellnri magna, bene orbiculari, sti'iga hcllcina lata continiia ample,va,siibtus maculis ex'terln- ribns in fundo nlgricante inordlnafe dlgestis alüsque obsole- tioribus angustissimis subtrigonis prope marginem albis. Coli. Felder. — Species optima, P. Miieiope L. Cr am. major et colore utriiisque sexus palUdlore, liaiid nitente, forma orbicidari maculne ocel- laris, striffis margini magis approximatis, continuis et haud macularibns, fasciola costali anticarum longiore et aiigustiore , absenlia macularum inter strigas duas ultimas in pagina superiore posticarum macidisqite in pagina inferiore minoribus (submarginalibus miilto anguntiorihus) constanler discedens, nt plurimis idriustjiie insecti speciminibus compa- rnlis persiittsiim mihi habco. 103. Argiva acrotaenia Feld. Alis cfris sttpra afro-fiiscis, pnae brnnneis, atiticis ntriusqne se.vus ntrinque fascia subapicali snbarcuata, a costa fere nsque ad marginem externum extensa, in c^re angustiore Intescente, in pna albido -fluvicante , macula reniformi (in ^re obsoletiore) angusta, inferins bifida, cum striga adjecta helicina (in Pna nsque ad marginem internum posticarum porrecta) ellipsin formante, singulis pnae ntrinque striga discali flexuosa in fundo nigra -fusco maciilaque adjacente flavescenlibus, striga exteriore maculuri refracta fusca. Coli. Felder. — Species affinis A. hieroglyphicae Drury, sed signaturae helicinae fasciolaeqne alarum anticarum latioris forma secundum ptn- rima specimina comparata manifeste diversa. 104. Spirama remota Feld. Alis cfris ntrinque nigro-fuscis, anticarum striga exteriore recta punctisque postpositis nigricantibus, pnae supra carneo- brnnnescentibus, lineis binis communibus submarginalibus fortiter angulosis nigris, anticarum fasciola angulata basali. strigis duabus pone discum, distincte angulosis, siibobliquis, arcuatis, nigrescentilms , tertia externa geminata fusca, posticarum fasciis tribus discalibus iiigro-fuscis (tertia extus late nlbido cincta) strigaque exteriore tenni albida nndiqne late nigra- fusco marginata , subtus omnibus laete testaceis 44 V. Pra II e nft'M. Bericht iilier wcitcip Rcarheidinn^ der Noviira-Sammliingcn etc. 8h'if/is trihns commnnibiisfnsc'is (intermedia muUoangiistioreJ, mnculae reinfarmis (darum anticarum parte dUafata in ntroque sexa orbicnlari, atra, in Pna a strigis dnabns discalibus sat remota. Coli. Felder. — Fetnina hiijus S. Isabellae Gii e. proxinic accedil, sed macu- lae reniformis colore, strigis discalibus anticavum ab illa sal remotis strigarumque in alanim posdcarum pagina sttperiore formalione facile dignoscifiir. 105. Haniodes pallida Feld. Alis jyallide ochraceis, striga communi postica fusca, supra temiissima, anticis graciliter subfalcatis, supra macula orbi- cnlari punctiformi, nigricante, rcniformi distincta, bnmnea, nigrescenti cincta, corpore ochracco. cf Coli. Felder. — H. propitiae Guer. affinis videtur. A d d e n d a: 106. Pamphila Prasias Feld. Alis c^ris supra ferrugineo - fuscis, pnae obscurioribus, utriusque sexus basi ferrugineis , anticartnn fascia submaculari , posti- carum fascia postica in (^rc ferrugineo -fulvis, in Pnaful- vescentibus, subtus omnibiis ferrugineis (cJ'ris saturatioribus) , anticis fascia paginae superioris, in -Jre areola interna, squamis carente , nitida prope basin, jwsticis mncula majori postica, cum fascia anticarum concolore. Coli. Felder. — Statura et forma P. Aiigiadis nieae , cujus feniinam putavi. Non muho autem pos( edilionem primae harinn diagnosum partis , ex Manila plurima specimina et mascnlina et feminina hujns speciei Am- hoinam etiam incolentis recepi. Mrtiilliii L' r. ülier ilii; so;^eii;tuii(oii Hiiulegcweltskörpeiclien elc. 4 l> Über die sogenannten Bindegewehskörperchen des centralen Nervensystems. Von Ludwig maathner. (Alis dem physiologischen Institute der Wiener Uiiiversität.) Nachdem ich in einer früheren, von der kaiserl. Akademie in deren Denkschriften aufgenommenen Arheit i) meine in Betreff der zweifellos nervösen Elemente des centralen Nervensystems gewon- nenen Resultate niedergelegt habe, erlaube ich mir hier einige Bemerkungen über jene Gewebsbestandtheile des Hirns und Rücken- markes zu machen, die zwar in histologischer Hinsicht gehörig erkannt sind, über deren physiologische Bedeutung jedoch bis auf den heutigen Tag die widersprechendsten Ansichten unter den Forschern lierrschen. Unter diesen Bildungen von zweifelhafter Function ver- stehe ich die in der grauen Substanz befindlichen sogenannten Binde- gewehskörperchen. Die den Centralcanal des Rückenmarkes ausklei- denden Epitlielialzellen mit den von ihnen abgehenden Fortsätzen, von welchen einzelne Forscher, wie Stilling^) zu glauben geneigt sind, dass sie nervöse Gebilde seien, sind unbedingt sammt den Fort- sätzen der yia mater dem Stützgewebe des Rückenmarkes beizuzäh- len. Ich war namentlich so glücklich im obersten Theile des Hecht- rückenmarkes von den nach rückwärts gelegenen Epithelialzellen des ') Ein Auszug dieser unter dem Drucke befindlichen Arheit findet sich im 39. Bande der Sitzungsberichtü der kaiserl. Akademie: „Beitrüge zur nüheren Kenntniss der morphologischen Elemente des Nervensystems". ' *) Neue Untersiicliungen über den Bau des Hückenmarkes. I8ä6— .'>9, p. 11. 40 M a u l li II t' r. Üher die sogeiiaiuiteii Centralcanals kolossale Fortsätze abgehen zu sehen, welche, ohne mit irgend weleiien jinderen zelligen Gebilden in Zusammenhiing zu treten, bis an die Peiipherie des Rückenmarkes gelangten und in den Fasern der pia mater untergingen. ßidder und seine Schüler waren es, welche auch jene kleinen zelligen Gebilde, die sich in der grauen Substanz vorfinden und derea anatomische Charaktere hinlänglich bekannf sind, .sarnmt der ganzen grauen Substanz zum Bindegewebe stempelten, ein Vorgang, der wohl nur von wenigen Forschern in seinem ganzen Umfange gebil- ligt und als richtig anerkannt worden ist, indem die einen wie Stil- ling und Jacubowitsch i). jede Berechtigung zur Ausschlies- sung dieser Zellen von wahrem Nervengewebe von sich wiesen, andere aber, wie Virchow^) und Köllikers) einem Theile dieser kleinen zelligen Gebilde ihre Rechte als Nervenzellen zurückgaben, während sie auf der anderen Seite das Vorkommen von Bindegewebs- zellen im centralen Nervensysteme im Allgemeinen nicht in Abrede stellten. Die Beobachtungen nun, welche ich über diese Körperchen bei meinen Untersuchungen über das centrale Nervensystem der niederen Wirbelthiere gemacht habe, drängen zur Annahme hin, dass diese Gebilde in der Tliat (wenigstens bei den von mir untersuchten Thieren) vom Bindegewebe zu trennen und als einem specifischen Gewebe angehorig zu betrachten seien. Allerdings wird man den po- sitiven Beweis für die nervöse Natur dieser Zellen nur dann her- stellen können, wenn man dies durch das Experiment erwiesen oder wenn man den Übergang von Fortsätzen dieser zelligen Gebilde in unzweifelhafte markhaltige Nervenfasern mit Sicherheit erkannt haben wird. Wiewohl ich einen solchen positiven Beweis nicht beibringen kann, indem ein Experimentiren über die Natur dieser Körperchen vorläufig unmöglich ist und ich andererseits nicht so glücklich, wie Stilling *) w;ir, wirkliche Nervenfasernvon ihnen abgehen zu sehen, so sprechen dennoch die von mir beobachteten Thatsachen entschieden dafür, dass diese Zellen Nervenzellen und keine Bindegewebs- körperchen seien. 1) Milttieiluiigeu über die feinere Struetur des Hirns und Küokenniürks, 18j7, S. 10. '^) Celluliirpalhologie S. 2öü. S) llanilluR'li der (iewelielehre, 3. Auflag^e. S. 293. ■»J L. c. |.ii-. 902. l5iii(Ic'ge\veI)!>ltör|)C'rclieii des ceiiti'iik'ii Nerveiisyslenis. >47 Ehe ich zur Dai-Ieguiig dieser Tliatsachen schreite, irniss ich vor Allem für diese zelligeii Gehilde das Recht ihrer Existenz in An- spruch nehmen, ein Recht, das ihnen Stilling geradezu streitig macht, indem er erklärt i). dass„ das, was Ridder und Kupffer für Bindegewehszellen der grauen Substanz halten, nichts anderes sind, als die Kerne von grösseren Zellen." „Den Nucleolus dieser Kerne" fährt Stilling fort „halten B. und K. für den Kern. Das Parenchym der eigentlichen Zelle ist so durchsichtig, dass es an Chromsäure- präparaten und an feinen Abschnitten schwer zu beobachten ist und gewöhnlich nur als ein leerer Raum um den Zellenkern erscheint. An solchen Chromsäurepräparaten aber, die mit Carmin imbibirt sind, ist mit genügender Evidenz zu erkennen, dass die von R. und K. für Rindegewebszellen gehaltenen Theile in der That nur Kerne von Zellen sind." Pag. 902 kommt Stilling auf denselbenAusspruch zurück und sagt hier zugleich, dass „an Carminpräparaten die so- genannten Rindegewebskörper roth gefärbt erscheinen; dass ihre Umgebung, ihre Fortsätze dann deutlicher zu erkennen seien, als an den blos durch Chromsäure gehärteten Präparaten". Nach diese^ Angabe muss ich schliessen, dass Stilling nur die eigentlichen Rinde- gewebskörper (seine Zellenkerne) roth gefärbt, die Umgebung (d. i. Stilling's Zelleninhalt) aber ungefärbt sah. Es besteht nun bei mir kein Zweifel, dass Stilling es hierbei nur mit einem, auf manchen Präparaten um alle zelligen Gebilde (um die grossen Ganglien- zellen sowohl, als um die Rindegewebszellen) auftretenden unge- färbten Hofe zu thun hatte, der durchaus nicht die Redeutung eines Zelleninhaltes besitzt, der vielmehr dadurch zu Stande kommt, dass auf Präparaten, die von einem Rückenmarke, das längere Zeit in Chromsäure gelegen hat, stammen, durch die Wirkung der Chrom- säure der Zelleninhalt verschrumpfte und von der Zellmembran oder sammt dieser von dem umgebenden Gewebe sich zurückzog — daher die farblose Lücke zwischen ihm und dem umgebenden Gewebe zu Stande kam. Ich kann um so weniger daran zweifeln, dass Stilling dieser Täuschung unterlag, als es gerade auf Carmin- präparaten, namentlich vom Rückenmark der Schildkröten und Fische, mit Evidenz ersichtlich ist, dass diese Körper als solche, wie sie Ridder und seine Schüler beschreiben, im Rückenmarke vorkommen. 'j L. c. pag. 871, 48 M n u t h n e r. Ülter die sogenannten Es kann, wie gesagt, über die Existenz dieser Körper kein Zweifel sein, wohl aber darüber, ob es Bindcgewebszellen sind. Wenn die ganze graue Substanz aus Bindegewebe besteht, und wenn diese Zellen Attribute des Bindegewebes sind , so werden sie sieb voraus- sichtlich einigermassen glcichmässig in .der grauen Substanz vertiieilt vorfinden müssen, und dies gibt in der That sowohl Kupffer in seiner Abhandlung über den Bau des Froschrückenmarkes an, als auch später Bidder und Kupffer in ihrem gemeinsamen Bückenmarks- werke. Kupffer sagt i) : „Quae cellulae safis confertim atque aequahilifer per tot am suhstmitiam einer eam diffusae cernimtur, in millo tarnen medullae spinalis loco certa quadam earum disposit ione animadversa". Bei Bidder und K u p f f e r 2) heisst es über diese Körper : „Sie sind ziemlich glcichmässig durch die ganze graue Substanz verbreitet, ohne dass sich ein bestimmtes Gesetz in ihrer Anordnung nachweisen Hesse". Dies ist nicht richtig. Abgesehen davon, dass sich diese Zellen in jenen Theilen der grauen Substanz in geringerer Menge vorfinden müssen, wo die grossen Ganglienkugeln in Masse neben einander liegen, zeigte mir eine aufmerksame Untersuchung, dass diese Körper im Bückenmarke eine ganz ausgezeichnete Anordnung zeigen, ja dass sie da in der grauen Substanz eine ähnliche gruppen- weise Anordnung darbieten können, wie die grossen Ganglienzellen. Ich habe hierüber folgendes gefunden. Zuerst muss ich eine merkwürdige Gruppe dieser Körper aufführen, welche sich in der medalla oblongata des Hechtes vorfindet. Die graue Substanz erstreckt sich hier nach vorn bis an die Peripherie des Bückenmarkes und bildet da zu beiden Seiten des medianen Faserzuges, der sich von der Stelle, wo sich bei höheren Thieren der vordere Sulcus befindet, bis zum eröffneten Centralcanale erstreckt, je eine Insel. In dieser Insel der grauen Substanz , die von zahlreichen markhaltigen Fasern durchsetzt wird, findet man die vielfach eiwähnten sogenannten Bindcgewebszellen, welche in den Vorderhörnern der grauen Sub- stanz und dem davon abgehenden mächtig entwickelten Fasernetze sieb nur vereinzelt vorfinden, in einer grossen Menge, beider- seits symmetrisch in einer s e b r a u f f a Menden Gruppe angeordnet. •) De nieilnlliC spinalis in ranis (extura etc. 1854, pag. 19. '-'_) Untersiiehnngen iiher die Textur des Uiiclvemnaikes. 1837, S, 4ä. Biiidegewehskörpercheu des oeiitiiilen Nervensystems. 49 Diese Gruppe hat jederseits die FoiMii einer Ellipse; die lange Axe derselben steht in ihrei* Verlängerung auf dem medianen Faserzuge senkrecht; sie misst 1/3 Millimeter. Die kurze Axe der Ellipse, mit dem medianen Faserzuge parallel, hat eine Länge von i/g Millimeter. Die Gruppen sind jederseits % Millimeter weit von der Medianraphe entfernt. Ausserdem dass diese Körper diese zwei abgegrenzten Gruppen bilden, sind sie im verlängerten Marke des Hechtes noch in aiilTallen- der Menge, ohne aber eine ähnlich umschriebene Anordnung zu zeigen, hinter jenen Ganglienkugeln angehäuft, die neben dem eröfftieten Centralcanale liegen (die ich aufgefunden 1) und deren merkwürdiges Verhalten gegen Carmin ich beschrieben habe 3). Diese Anordnung- der sogenannten Bindegewebszellen in der medulla oblongatti des Hechtes ist hinreichend, um uns zu überzeu- gen, dass diese Zellen nicht blosse einer ßindegewebssubstanz ange- hörige heterogene Elemente seien. Denn dass im verlängerten Marke des Hechtes an einem ganz umschriebenen und eigenthümlich gele- genen Gebiete eine eigene Art von ßindegewebssubstanz angehäuft sein soll, eine solche nämlich, in welcher sich die Bindegewebs- körperchen in grosser Masse und in eigentliümlicher Anordnung vor- finden, widerspricht um so mehr einer wissenschaftlichen und über- haupt einei" rationellen Anschauung, als in diesen Theilen der grauen Substanz sich keine Ganglienzellen und keine Blutgefässe (abgesehen von den Capillaren) vorfinden, denen allenfalls die graue Substanz zum Stützgewebe dienen könnte. Dieses sehr in die Augen fallende Verhalten der besprochenen Zellengebilde im Hechtmarke veranlasste mich ihr verschiedenes Verhalten in den verschiedenen Theilen der grauen Substanz und vorzüglich auch in den Commissuren näher zu erforschen und ich habe in dieser Hinsicht Beobachtungen am Rückenmarke der Forelle (Salmo fario) gemacht, die mich über die Anordnung dieser kleinen Zellengebilde in demselben Folgendes lehrten: Sie kommen nur einzeln , nicht zusammengehäuft in den seitlichen Flügeln der grauen Substanz- neben grossen und unzweifelhaften Nervenzellen vor. Ebenso finden sie sich nicht massenhaft in jenem Theile der 1) Sit7.niig:sberichfe XXXIV. Band, S. 34. *) Sitzungsherichte XXXIX. Band, S. 386. Sitzb. d. mathem.-naluiw. Cl. XLUI. Bd. I. Abth. oQ M a u t h n e r. Über die sog'enannten grauen Substanz, welche Owsjan niko w der substantia gelatinosa Rolan di der höheren Thiere vergleicht, und die, wie wsj anniko w sehr richtig angiht, im äussern Ansehen eine grosse Ähnlichkeit mit einem gezackten WMxwAAAin (cum arhoris folio crenato) AM'h\Q\e\. i). Eine hemerkcMiswerlhe Verschiedenheil in ihrer Aiiordnung zeigen sie in den drei (von mir^j I)eschriebenen)Cümmissuren. Wäh- rend sie in der vordersten Commissur nur in sehr geringer Menge erscheinen, häuft sich ihre Zahl bereits in der zweiten, unmittelbar vor dem Centralcanale gelegenen Commissur, um ihr Maximum in der dritten, jiinter dem Centralcanale gelegenen, zu erreichen. Es wäre sehr verkehrt, aus dem massenhaften Auftreten dieser Körper in der letztgenannten Commissur auf die bindegewebige Natur derselben zurückschliessen zu woüen, indem diese Commissur einerseits augen- scheinlich aus Fasern derselben Art besteht, wie die unmittelbar vor dem Centralcanale gelegene, und mich andrerseits die Behandlung von Hückenmarksschnitten mit einer Mischung von Salpetersäure und chlorsaurem Kuli lehrte, dass diese F'asern keine Bindegewebsfasern seien, indem sie durch genanntes, alles Ijindegewebe zerstörende Reagens, nur deutlicher hervortreten. Hinter der hinter dem Centralcanale gelegenen Commissur liegt nun im Rückenmarke der Forelle beiderseits an die Medianlinie grenzend eine ähnliche Gruppe der sogenannten Hindegewebskör- perchen, wie ich sie früher im verlängerten Marke des Hechtes beschrieben habe. Diese Gruppen haben einen mit der Medianlinie parallelen Längsduichmesser von 1/7 und einen Qnerdiirchmesser von 1/10 Millimeter. Hinter diesen scharf begrenzten Gruppen ist dem massenhaften Vorkommen der kleinen Zellen plötzlich eine Schranke gesetzt, sie finden sich in der dahinter liegenden grauen Substanz {Suhst. gel. Rol. Ows.) nur einzeln. Bei einer solchen Anctrdnung dieser kleinen zelligen Gebilde in derselben Grundsubstanz, der grauen Substanz nämlich, bleibt der Gedanke ausgeschlossen, dass diese Körper blosse dem Bindegewebe angehörige Zellen seien. 1) Disquisitiones micr. de medull« spiiialis texfiira etc. 1834, pag. 29. Ich kann hiebe! die Bemerkung nicht unterdrücken, dass crena zwar Zacke bedeutet, crenatus aber kein lateinisches Wort ist. •'i) Band XXXIV, S. 33. Bindegewebskörperchen des centralen Nervensystems. J) | Was den Punkt über die ungleichmässige Vertlieihing der Binde- gewebskörper im Rik'kenniai'ke in historischer Hinsieht bclriin, nuiss ich bemerken, dass schon Ousjannikow angii)t, dass diese Zellen sich nicht gh'ichmässig im Rüekenniarke von Petromyzo n vorfin- den i): Qiun cellulw vel telce cellulosce corpuscula, non ublque pari multitud i n e rep e rta, circum cellulas iierveas fihrasque Muellerianas ingenti numero conferta animadvertuntur 2). Kupffer gibt zwar an, dass sich in keinem Tiieile des Frosch- rückenmarkes eine eigentinimliche Anordnung der Bindegewebszellen bemerkbar machet), setzt aber sofort hinzu: nisi qiiod in massa cinerea, qua; ventriculi quarti fundum format , atque in filo termi- nali largior illarum,qvamin reliquis medullae partibus, multitiido exstare videtur. St i Hing sagt bei der Kritik der von Kupffer für die Bindegewebskörperchen angegebenen Charaktere über ihr Vor- kommen*): „Sie kommen ebenfalls (wie die grossen Nervenzellen) überall in der grauen Substanz vor, aber auch bald an der einen, bald an der anderen Stelle vorzugsweise, oder gehäuft oder ausschliess- lich." Eine eigenthümliche Anordnung derselben in dem Marke irgend eines Thieres ist ihm aber nicht bekannt. Kölliker spricht endlich von einem massenhaften Vorkommen gedachter Zellen an einzelnen Stellen des Nervensystems ^). Wenn nun diese Anordnung der vielgenannten Zellen im Rückenmarke der Forelle und in der niedulla ohlongata des Hechtes es mehr als wahrscheinlich machte, dass sie specifische, in den ver- schiedenen Theilen der grauen Substanz verschieden und eigens angeordnete Zellen seien, so wurde dies durch die Untersuchung des Schildkröten-Rückenmarkes zur Gewissheit erhoben. Wenn man einen mit Carmin infiltrirten Querschnitt aus der Dorsal- oder Lumbalanschvvellung des Rückenmarkes von Emys europaea oder Testudo graca unter dem Mikroskope betrachtet, so sieht man zuvörderst, dass die graue Substanz vollkommen aus- gebildete Vorder- und Hinterhörner bildet, wie bei Vögeln und Säugethieren (dass mithin Bidder's und Kupffer 's Ausspruch, ij L. c. pag-. 24. 2) Von Reissner in seiner unten angezogenen Arbeit bestritten. S. 564. 3) L. c. 4) L. c. pag. 898. 5) L. c. pag. 293. 4» o2 M a II t h n c r. Uher die sogenannten dass bei Amphibien (im Allgemeinen) von einem Vorkommen der Hinterliürner kaum die Rede sein kann *) unrichtig ist). Man sieht ferner, dass in den Vorderhöinern sehr grosse (langlienkugeln mit zahlreichen Fortsätzen liegen, dagegen in den Hinterhörnern aus- schliesslich die von Bidder und Kupffer beschriebenen Binde- gewebskorperchen mit einem Durchmesser von yogo — Viso — Vno Millimeter sich finden, während die grossen Ganglienkugeln einen zehnmal grösseren Durchmesser (wenigstens nach einer Richtung hin) darbieten (einen Durchmesser von i/gg — i/i^ Millimeter), und in der Tliat keine Übergangsstufen von den Zellen der einen zu den Zellen der andern Art existiren. Sonderbar! Für jene Thierclassen mit entwickelten Hinterhörnern des Rückenmarkes, M^elche Bidder und Kupffer (so wie Met zier und Schilling) untersuchten, und von welchen sie die Angabe machten, dass sich in den HinterhiJrnern keine grossen und un- zweifelhaften Nervenzellen finden, für das Mark des Menschen, der Säugethiere und Vögel hat sich ihre Angabe nicht bestätigt. Es ist eine ziemlich von allen Forschern übereinstimmend beobachtete Thatsache, dass sich auch in den Hinterhörnern des Rückenmarkes des Menschen, der Säugethiere und Vögel unbestreitbare Nerven- zellen befinden s), und ich selbst habe mich von deren Vorkommen im Hinterhorne des menschlichen und des Kaninchen-Rückenmarkes überzeugt. Für eine Thierclasse aber, welche Bidder und K u p f f e r n i c h t untersuchten, für die Classe der Schildkröten, ist ihre Angabe richtig. Ich habe niemals in dem Hinterhorne des Schildkröten-Rückenmarkes eine grosse Ganglienkugel gesehen. Insoweit würde der Bau des Rückenmarkes der Schildkröten mit dem Schema übereinstimmen, welches Bidder und Kupffer vom Baue des Rückenmarkes überhaupt entwarfen. Macht man aber einen Querschnitt durch einen Theil des Schild- kröten-Rückenmarkes, welcher zwischen den beiden Intumescenzen liegt, so wird man mit Erstaunen bemerken, da sich da weder in den Vorder- noch in den Hinterhörnern eine einzige grosse Gangl ienkugel befindet. Man wird ferner an Schnitten, welche ') I.. i: pag. 64. 2) Siehe S 1 11 1 i n g- , I. e. pag. 848. Bindegewebskörperchen des centralen Nervensystems. 53 gerade in die Bahn der vorderen Nervenwurzel fallen, dieseljje aus der Spitze des Voiderliorns iiervorc^elien sehen in einer Weise, wie ich es hei keiner andern Thierchtsse noch beobachtet habe. Die vordere Nervenwurzel stellt schon innerhalb des Rückenmarkes, während sie durch die weisse Substanz zieht, einen vollkommen gesammelten, sogar von einem Neurileni umgebenen Strang dar, welcher als rotlier Streifen, umgeben vom ungefärbten Marke schon mit freiem Auge sichtbar ist. Mit Bidder und Kupffer müsste man annehmen, dass im Schildkröten-Rückenmarke vordere und hintere Colonnen der grauen Substanz mit Ausnahme der beiden Intumescenzen keine nervösen Elemente enthalten. Man müsste weiter gehen und erklären, dass die aus dem Rückenmarke entspringenden motorischen Nerven mit Ausnahme jener, die aus den Intumescenzen hervorgehen, aus Bindegewebe bestehen, d(Min wiewohl ich den Übergang eines einzelnen Fortsatzes jener problematischen Zellen in eine markhaltige Faser nicht gesehen habe, so erkennt man doch leicht, dass eine grosse Anzahl ihrer Fortsätze in den gesammelten Strang der vorderen Nervenwurzel eingeht, wahrscheinlich um zum Axencylinder zu werden. Die Annahme , dass die Fasern jener motorischen Nervenwurzeln, die nicht aus den Intumescenzen entspringen, von Ganglienzellen stammen, welche in den Intumescenzen liegen und die ihre Fortsätze nach aufwärts und abwärts abschicken, um sie an der Austrittsstelle der einzelnen Nervenwurzelu in dieselben übergehen zu hissen, ist unstatthaft, weil die Zahl der in den Intu- mescenzen liegenden grossen Ganglienzellen nicht hinreichend ist, um mit ihren Fortsätzen die vorderen VV^u'zeln aller Rückeumarks- nerven zu bilden und man andererseits den Verlauf und Querschnitt dieser auf- und absteigenden und in die Nervenwurzeln einbiegen- den Fasern auf Längs- und Querschnitten des Rückenmarkes erkennen müsste. Man muss also die sogenannten Biudegewebszellen , welche in den Vorderhörnern des Schildkröten-Rückenmarkes liegen und deren Fortsätze eine Reihe der vorderen Nervenwurzeln bilden, als Zellen ansehen, denen neben unbekannten Wirkungen auch theihveise eine motorische zukommt. Bei diesem merkwürdigen Grössenunterschiede zwischen den motorischen Kiementen in den Intumescenzen und dem dazwischen gelegenen Theile des Rückenmarkes wird man unwill- 54 M a u t h n e r. Über die sogenannten Bindegewebskörpeicheii etc. kürlicli daran eriiinorf, dass aus den Iiitumescenzen die motorischen Fasern für die Muskeln der vorderen und hinteren Extremitäten ent- springen, dazwischen ai)er die bewegenden Nerven fiir die Rücken- muskeln abgehen, die bei den Schildkröten zum Theile so viel wie keine Wirksamkeit äussern, zum Theile, wie bekannt, in iliror Form eigenthümlich metam()ri)bosirt sind. In den Vürderhürnern des Schildkröten-Rückenmarkes kann man also von einer motorischen Wirkung der viel ])('s[»ro;lienen zelligen Gebilde mit Recht sprechen. Was ihnen aber ausser dieser für Wir- kungen zukommen, welche Bedeutung überhaupt die graue Substanz als solche hat, bleibt vorläufig in tiefes Dunkel gehüllt. Ich kann diesen Gegenstand nicht verlassen, ohne zu erwähnen, dass der ganze Kern des kleinen Gehirns der Fische (Hecht) aus ähnlichen zelligen Gebilden besteht, wie sie in der grauen Substanz des Rückenmarkes vorkommen, zelligen Gebilden mit einem Durch- messer von 1/050 Millimeter. In diesem aus kleinsten Zellen gebildeten centralen Theile des kleinen Gehirns, welciier den weit überwiegenden Theil des ganzen kleinen Gehirns ausmacht, sieht man nur einzelne grössere Gefässstämme, und hie und da einen durchziehenden aus markhaltigen Fasern bestehendin Nervenzug. Diesen ganzen Kern des kleinen Gehirns der Fische für Bindegewebe zu erklären, wird Niemandem in den Sinn kommen. Die specifische Wirkung dieser Zellen im kleinen Gehirne der Fische ist jedoch ebenso dunkel, wie sie es zum grössten Theile im Rückenmarke ist i)- 1) Die Gründe, welche Reissner in seiner mir n.iclifriiglicli ziig;eivoninieneu Arbeit (IJeitrag-e zurKenntniss vom Baue des Rückeninarlies von Petrotiiyzon fluv. L. , Rei- chert's und Dubois' Archiv, 18G0), pag. JJG.^J fiir die bindegewebige Natur un- serer Zellen geltend macht, beziehen sich auf die äussere Ähnlichkeit derselben mit Kernen von augenscheinlich bindegewebiger Natur. Wie wenig beweisend die iius- serliche Übereinstimmung zweier Gebilde für deren Identität ist, kann man sich leicht klar machen, wenn man bedenkt, dass man es einer Zelle als solchen nicht ansehen kann, ob sie-eiue Ganglienzelle oder eine Krebszelle sei ! 55 IV. SITZUNG VOM 31. JÄNNEK 1861 Der Secretär gibt Nachricht vor) dem Ableben des auswiirtigen correspondirendeii Mitgliedes, Herrn Dr. Wilhelm W e r t h e i m, in Paris. Herr Prof. Dr. J. Purkyne dankt mit Schreiben vom 28. Jän- ner I. J. für seine Wahl zum wirklichen Mitgliede der Akademie. Eingesendet wurden folgende Abhandlungen: 1. „Nouvelle theorie sur Torigine et le mouvement des cometes", von Mehemed Ali Efendi, Oberstlieutenant im türkischen Geniecorps, durch das c. M., Freiherrn v. Schlechta. 2. „Beiträge zur österreichischen Grottenfauna", von Herrn Dr. H. Wankel, durch Herrn Regierungsrath, Prof. Hyrtl. 3. „Mineralwasser-Analyse des Bronislawbrunnens in dem Bade- orte Truskawiec auf der Cameralherrschaft Drohobycz in Gali- zien", von Herrn R. Günsberg, Assistenten am chemischen Laboratorium der k. k. technischen Akademie zu Lemberg. 4. „Über die Gesetze der Doppelbrechung", von Herrn Dr. V. von Lang, d.Z. in Paris. Herr Prof. Kn er übergibt die vierte Fortsetzung seiner Abhand- lung: „Über den Flossenbau der Fische". Herr Prof. Brücke legt eine Abhandlung ^,über den Metall- glanz" vor. Herr Director v. Littrow überreicht eine Abhandlung: „Physi- sche Zusammenkünfte der Asteroiden im Jahre 1861 '^ An Druckschriften wurden vorgelegt: Akademie, königl. bayer., zu München, Grenzen und Grenzgebiete der physiologischen Forschung. Festrede von E. H a r 1 e s s. — Ein- leitende Worte zur Feier des allerhöchsten Geburtsfestes Sr. Majestät des Königs Maximilian IL, gesprochen von Just. Freih. V. L i e b i g. — Rede auf Sir Thomas ß a b i n g t o n M a c a u 1 a y. 56 den Essayiston nnd Geschichtschrelber Englands. Vorgetras^^on von Georg Thonuis von Rudliart. — Gedäclitnissrode auf Fried- rich von Tliiei'scli. Vorgetragen von Georg Martin Thomas. — Verzeichniss der Mitglieder der k. h. Akademie der Wissen- schaften. 1860. München, 1860; 4o- Annalen der Chemie und Pharmacie, herausgegeben von Friedr. Wöhler, J. Liebig und Herrn. Kopp. Band. XLI, Heft 1. Leipzig und Heidelberg, 1861; S"- Astronomische Nachrichten, Nr. 1 20 1 und 1 292. Altena, 1 80 1 ; i"- Au Stria, XHI. Jahrgang, III. u. IV. Heft. Wien, 1861 ; 8o- Bauzeitung, Allgemeine, XXV. Jahrgang, 10., II. und 12. Heft sammt Atlas. Wien, 1860; Fol. und 4o- Cosmos, X' Annee, 18' Volume, 3' et 4^ Livraison. Paris, 1861 ; 8o- Flora, oder allgem. botan. Zeit., Nr. 39—48. Regenshurg, 1860; 8»- Gazette med^d'Oiient, IV' Annee, Nr. 10. Constantitiople, 1861; 4<'- Jahrbuch, Neues, für Pharmacie und verwandte Fächer, hei'aus- gegeben von G. F. Walz und F. L. Winckler. Band XIV, Hefl 6. Heidelberg, 1860; So- Land- und forstwirtlischaftliche Zeitung, XI. Jahrgang, Nr 3, Wien, 1861; kl. 4o- Ludwig, K., Lehrbuch der Physiologie des Menschen. II. Band, 2. und 3. Abtheilung. Zweite neu bearbeitete Auflage. Leipzig und Heidelberg, 1860 und 1861 ; 8»- Verein, geognostisch-montanistischer , für Steiermark, X. Bericht. Gratz, 1861; So- Villa, Antonio, Suiroriginedelle perle e suUa possibilita di produrle artificialniente. Belazione. (Extr. dal Politeciiico Fase. 48, Giuguo 1860.)Milano, 1860; So- — Osservazione zoologiche, eseguite durante l'ecclisse parziale di sole de! 18 luglio 1860. (Extr. dagli Attidella Societä Italiana diScienze naturali, Vol. II.) Mil., 1860; So- — Straordinaria apparizione di insetti carnivori. (Extr. dal Giorn. Ing. Arch. ed Agroii. annoVllI.) Milano, 1 860 ; 8o- Wicner mediz. Wochenschrift, XI. Jahrg. Nr. 3 u. 4. Wien, 1861 ; 4o- Wochen-Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts-Gesellschafl. X. Jahrgang, Nr. 7. Gratz. 1861 ; 4o- Zeitschrift des österreichischen Ingenieur-Vereines, XII. Jahr- gang, 10.— 12. Heft. Wien, 1861 ; 4o- P o k o r n y. Uiitersuchung'eii über die Torfmoore Ungarns. 37 Untersuchungen über die Torfmoore Ungarns. Von Dr. Alois Pokorny, k. k. Gymnasiallehrer und Privatdoeentcn ai der Universität lu Wien. (Mit I Tafel.) (Vorgelegt in der Sitzung am 21. Juni 1860.) Einleitung. Eine im Sommer 18S9 mit Unterstützung des hohen k. k. Ge- neralgouvernements in Ofen unternommene Bereisuiig der Torfmoore des ungarischen Tieflandf^s bot Gelegenlieit, über die Lage, Ausdeh- nung, Mächtigkeit und Bescliaffenheit derselben zuverlässige Daten zu erheben und durch Aufnahmen in der Natur und Sammeln von später zu untersuchenden Torfproben die Entstehung und Bildung derselben zu ermitteln. Es handelte sieh hiebe! nicht so sehr um detailiiite Aufnahme einzelner Torflager, als um eine Recognoscirung des ganzen Tietlandes bezüglich des Vorkommens, der Beschaffenheit und des Werthes seiner Sumpfbrennstoffe. Des-shalb schien es angemes- sen, ohne kleine isolirte Torflager, wo sie sich leicht berühren liesseii, von der Untersuchung auszuschliessen, hauptsächlich grössere Moor- terrains und Sumpfgebiete zu bereisen und unter diesen wurden der Hansagsumpf zu vier verschiedenen Malen, die Moore des Platten- see's, der Sar-ret bei Stublweissenburg und am Sär-viz, die Mar- czalsümpfe, ferner im Theissgebiete der Hosszu-ret im Bodrogköz, der Ecsedi-fjäp, der Berettyu-Sarret bei Füszes-Gyarmath, endlich der Alibunaer und Illancaer Morast im Banate einer näheren Unter- suchung unterworfen. Die durch diese Bereisung gewonnene Anschauung genügte, um die Beschaffenheit der im Tieflande vorkommenden Torfmoore d'8 P o k o r n y. im Allgemeinen zu beurtheilen. Über das Vorkommen ähnlicher und anderer Bihliingen giihen werthvolle, zum Theil von Torfftrohen begleitete amtliche Mittheilungen der k. k. Stalthalterei-Ahtheilungen zu Ofen, Pressburg, Ödenhurg, Kaschau und Grosswardein über ihre Verwiiltungsgebiete weitere Aufschlüsse. Endlich haben die Herren Professoren Dr. .1. v. Szabo in Pest und Dr. A. Kerner in Ofen ihre wichtigen Wahrnelinumgen über einzelne ungarische Torfmoore gefalligst zur weiteren Benützung mitgetheilt. Einen Theil der mitgebrachten und eingesendeten Torfproben Hess Herr Professor Dr. A. Schrot ter bereitwilligst im Laborato- rium des k. k. polytechnischen Instituts auf Wasser-, Aschengehalt und Brennkraft untersuchen, wodurch es möglich war, auch die Qualität der ungarischen Torfe zu beurtheilen. Auf diese Weise konnten aus Ungarn, dessen Torfmoore und deren Verhältnisse bisher ganz unbekannt geblieben, 18 grössere Torfterrains von mindestens tausend Joch Ausdehnung und Sl kleinere sporadische Torfuioore in allen Theilen des Landes nach- gewiesen, beschrieben und kartographisch vei'zeichnet werden. Von den meisten derselben sind Torfproben in der Sammlung der k. k. zoologisch-botanischen Gesellschaft in Wien niedergelegt. Zugleich genügen die gewonnenen allgemeinen Resultate über die Moore des Flachlandes zur Beurtheilung ihrer Bildung und ihres technischen Werthes. Die ungarischen Torfmoore im Allgemeinen. Unter Torfmooren werden hier nach dem gewöhnlichen Sprachgebrauche Vegetationsformen verstanden, durch welche sich Reste einer Massenvegetation von vorherrschend krautartigen byprophilen Ptlanzen als eine mehr oder minder mächtige Schichte brennbarer Körper anhäufen. Die brennbaren Zersetzungsproducte solcher Moore werden unter dem Collecfivnamen Torf zusammen- gefasst, obgleich sie in ihrem Aussehen, in ihren Eigenschaften und im Werlhe ausserordentlich verschieden sind. Da durch die stete Verwechslung der verschiedenen Torfsorten die Kenntniss und Beurtheilung dieser Brennstoffe sehr schwankend geworden ist. Uiitersiichiingeii über die Torfmoore Ungarns. 59 SO witr CS nöthig, diese zu den Alhivialgebilden gehörigen jüngsten Koliletigesteine einer näheren vergleichenden Untersuchung zu unter- ziehen, um Merkmale zu gewinnen, wodurcii die verschiedenen Körper dieser Gruppe sich untersciieiden. In der Sitzung der k. k. geologischen Reichsanstalt vom 17. April 1860 wurde dieser Ver- such gewagt, eine Eintheilung derselben in vertorfte Pflanzen, eigentliche Torfe, harzige und kohl ige Körper und Halbtorfe vorgeschlagen und eine Charakteristik der österreichi- schen Torfsorten vorgelegt. Auf diese Arbeit gestützt, kann sich vor- liegende Abhandlung auf die Verhältnisse der ungarischen Torfmoore selbst beschränken. Bekanntlich hat die neuere Pflanzengeographie mit immer grösserer Schärfe zwei Hauptformen von Torfmooren unterschieden, welche durch ihre Vegetation, ihre Vegetationsbedingungen, und wie zuletzt von mir nachgewiesen wurde, auch durch ihre Producte differiren. Es sind dies die Hochmoore und ihr Gegensatz, die Flach muore. Die Hochmoore, von Lesquereux auch sup ra-aq uatische Moore, von anderen Holz-, Wald- und Sphagnenmoore ge- nannt, siedeln sich nur auf organischer Unterlage, auf Holzmoder, Heidemoder oder auf Flachmooren an und bedürfen zu ihrer Speisung weiches, von gelösten unorganischen Stofl'en möglichst reines Wasser. Sie wachsen durch die Hygroskopicität der Torfmoore über das Wasserniveau, in der Mitte sich wölbend, heran und bilden leichtere und mitteldichte braune Torfsorten von geringem Aschengehalt. Unter dem Namen Flachmoore begreife ich die als Grün- landsmoore, infraaquatische Moore, Wiesen-, Rasen-, Röhrichtmoore, schwingende Moore und schwimmende Inseln unterschiedenen Moor- formen. Durch ihre ebene Oberfläche, welche nie ein benachbartes Niveau bedeutend überragt und durch ihre Vegetationsdecke, zu deren Speisung hartes Wasser mit reichlich gelösten unoi'ganischen Stoffen genügt, unterscheiden sie sich von den Hochmooren eben so sehr, als durch den Umstand, dass sie unmittelbar auf unorgani- schem Boden auftreten und zuletzt dichtere, braune oder schwarze, stärker zersetzte Torfsorten von grösserem Aschengehalte liefern. Beide Hauptformen der Torfmoore kommen in Ungarn vor und es soll hier zunächst von ihrer Verbreitung und Beschaffenheit da- selbst gehandelt werden. ßO P o k r 11 y. 1. Ungarische Hochmoore. Hochmoore kommen in Ungiirii nur im Karpalhengebirgo vor und gehören meist der Sandsteinzone desseliien an. Siestimmen in jeder Beziehung mit den beicannten mittelcnropäischen und nordischen Hoch- mooren, welche liier im östlichen Theii Europa's ihre äquatoriale Yer- breituMgsgrenze finden, vollkommen überein. Sie erscheinen gewöhn- lich in flachen, muldenförmigen Thälern , sind nach den zahlreichen Holzresten grösstonthoils aus einer Waldvegetation hervorgegangen und reichen, wie die aus den Arvaer Torfmooren ausgegrabenen Thierreste beweisen, in ein hohes Alter zurück. Die ungarischen Hochmoore sind meist von geringer Ausdeh- nung und treten sporadisch auf. Nur im obersten Arva-Thal, dessen Gewässer noch der Waag und Donau zuströmen, während jenseits der fast unmoiklichen Wasserscheide an der galizischen Grenze mit der Dunajpc das Stromgebiet der Weichsel beginnt, ist ein grosses zusammengehöriges Torfterrain gelegen, dessen Flächenraum nach amtlichen Angaben auf 6 — 8 Qnadratmeilen veranschlagt werden muss. Ein grosser Tlieil dieses Terrains ist mit Hochmooren erfüllt, welche durch die eigenthümliche terrassen- luul plateauförmige Ter- raingestaltung in dieser so grossaitigen Entwiekelung begünstigt wurden. Vielleicht gehören auch die Torfmoore von Neu-Walddorf, Bela-Ilokusz und Hunsdorf bei Kesmark in derZips, am östlichen Fuss der Tatrakette gelegen, so wie mehrere der Liptauer Buri (Waldmoore) grösseren zusammenhängenden Torfgebieten an, was erst zu entscheiden ist. Kleine , aber sehr interessante Hocbmoorbildungen in den östlichen Karpathen, im Quellengebiet der Szamos. bat Herr Professor Dr.A. Kern er bei der Bereisung des Biharer Gebirges entdeckt und mir gütigst hierüber Mittheilungen gemacht. Man beobachtet hier das seltene Auftreten von echten Hochmooren im Kalkgebirge, das sich bei näherer Untersuchung dadurch erklärt, dass die Thalsohle aus Sandstein und dem füi- Wasser impiMineahlen Detritus desselben besteht und die Grundlage des gewölbten Hochmoors ein an dem Fuss der Thal wände noch fortvegetirendes Wiesenmoor ist. In der Localität Oncesa unterhalb der Petra-talhariuluj treten die Hoch- moore in der Mitte der von einem Bache durchschnittenen Tbalsohle an beiden Seiten des Baches, wie nebenstehende Skizze zeigt, auf Uiitersiicliunn-en iilier die Torfmoore Ungarns. 6t Es sind echte Hochmoore, stark c^owölbt mit Sphagnen, Eriophornm vaginatam, Scheuchzeria palustris, Empetrum nigriim! Calluna a Kalk, b Sandstein, c Flaclnnoor, d Hochmoor, e Fluss in der Thalsohle. Hochmoor iiu (luRllrngebiete der Szamos. vulgaris (eine Pflanze, die dem ungarischen Tieflande fehlt einen der östlichsten Verhreituiigspunkte hat) u. s. f. Ans Ungarn sind bisher folgende Hochmoore bekannt: a) Grössere Torfterrains. 1. Das Arvaer Moorphiteaii. b) S p r a d i s c 1) e Hochmoore. 2. Cserne (Trencsiii). 3. Verbicz und liier 4. Diibrova ö. Szelnicze 6. Sz. Kerest 7. Trjechov 8. Neu- Walddorf 9. Bela-Piokusz iO. Hunsdorf 11. Oncesa VI. Vale-Gropili (Liptau). (Zips). (Süd-Bihar). 2. Ingarische Flachmoore. Im ungarischen Tieflande kommen nur Fiachmoore vor. Über die jedenfalls nur unbedeutenden Flachmoore der Gebirge, insbe- sondere der Karpatben ist nichts Näheres bekannt. Der Untergrund dieser Moore besteht gewöhnlich aus einem sehr zähen, feinen bläulichgrauen Tbon, seltener aus compactem, scharfkantigem Quarzsand. Biswellen trennt nur eine geringe Schichte impermeablen Thones das Moorbecken von einer wasserdurchlassen- Ö2 Pokorny. de» Schotter- oder Siindscliichte. Die grösston ungarischen Moore i'iihen auf den nii(ch!ife ohne Torf- bildung und zwar theils Röhricht, theils Sumpfwiesen. In grösserer Entfernung jedoch und an tiefei-en Stidlen der Oberfläche, wohin der- gleichen Hochwasser theils überfluthend. theils aus dem permeablen Boden aufsteigend nur in längeren Zwisclienräuuien gelangt, dabei sich klärt und lange Zeit zurückbb ibt, entstehen unter sonst günsti- gen Verhältnissen leicht Torfmoore. Die Quellen, übrigens seltene Erscheinungen im Tiefbuide, treten gewöhnlich am Fusse der Sand- terrains auf und sind durch geringere Temperatur und hölieren Salz- gehalt dei' Moorbildung eher hinderlieh als befördernd. — Bei der ausserordentlich geringen Neigung der Bodenoberfliiehe finden auch die fliessenden Gewässer der Ebene häufig keinen Abfluss und geben dann Veranlassung zur Bildung von Seen, Sümpfen und Mooren. Hieber gehih'en die zablieicheu verschwindenden Flüsschen, soge- nannt(! Moorrinnen, welche in einem Moore ohne Abfluss sich verlieren, während andere grössere Flüsse, nachdem sie in ein \N'assernetz sich ausgebreitet haben, endlich wieder abfliessen. Zu letzteren Moorformen gehören einige der grössten Torfterrains von Ungarn, wie der Särret des Berettyo und der Sebes Koros, der Ecsedi-Läp durch die Kiaszn;i veranlasst, während der Hosszu-ret im Bodiügköz nui" diwch das zurüctkbleibende geklärte Inundations- Untersiiphnng'eii (11)01- die Torfmooro Ungarns. ()3 wassor der Theiss und div*? Bodrocf, der Hansag theils durch die Hoclnvässer des Neiisiodlersees und durch atniosphärischos Wasser nach schiiocreiclien Wint(M'n und in nassen Jaliron, theils aber auch durch die Rahnitz gespeist wird. Eiijjcntlii'unlich ist die Speisung^ des 17 Meilen langen schmalen Sumpfterrains im Pest-Snlter Coinitat zwischen Ocsa und Baja, durcli die Seilivvasser des henachbai-ten Sandplateaus. Die Art der Speisung ist nicht nur für die Torfhildung von grosser Wichtigkeit, sondern nuiss aucli hei der Toi'fgewinnung und bei der Trockenlegung der Sümpfe genau ermittelt und berück- sichtigt werden. Die Mächtigkeit der ungarischen Flaehmoore ist nidil sehr beträchtlich. Zahlreiche Sondirungen in den verschiedensten Tbeilen des ungarischen Tieflandes ergaben in der Regel schon bei 6 — 8 Fuss Tiefe festen Untergrund und nur einmal bei Högyesz in den Marczalsümpfen wurde erst bei 15 Fuss der Untergrund erreicht. Bei älteren Torfmooren, wehdie an der Oberfläche bereits in das Stadium der Moorwiesen übergegangen sind, ist noch von der Mäch- tigkeit die oberste Schichte von 1 — 1 '/o Fuss, die aus Torferde und verwittertem Torf besteht, als Abraum abzuziehen. Bei jüngeren Mooren, die noch als Rohrdecken bestehen, befindet sich unter der lockeren Vegetatioiisdecke eine mehrere Fuss mäclitige Schichte von wässerigem Schlamme. Bei Hochwassern ist selbstverständlich die Mächtigkeit des aufgelockerten und gehobenen Moores etwas bedeu- tender, als bei niederem Wasserstande und in trockenen Jahren. Im Allgemeinen übersteigt daher die abbauwürdige Mächtigkeit der ungarischen Flachmoore, wo sie bereits dichter sind uiul sich gesetzt haben, nicht 5 — 6 Fuss, in den meislen Fällen ist sie sogar viel geringer. P^s hängt die Mächtigkeit mit der geringen Tiefe der ungarischen Sümpfe und Seen, aus welchen die Moore hervorgegan- gen sind, zusammen. Die grösste Tiefe des Neusiedlersees beträgt nur 13 Fuss, die des Plaltensees 18 Fuss; ausgedehnte Suiiipfge- biete wie das Moorbe(!ken bei Kelhely am Plattensee, der Ecsedi Läp, der Berettyo Särret haben an den tiefsten, fiir unergründlich gehaltenen Stellen in 8 — 10 Fuss Tiefe festen Untergrund; ja der ausgedehnte Alibunaer Morast im Banat ist selbst in seinem Innern nur 3 — 4 Fuss tief. Die Entstehung der ungarischen Flachmoore lässt sich in den älteren derartigen Bildungen durch Untersuchung der in ihnen 64 I' () k o r n V. erhaltenen Pflaiizenreste leiclit iiacliweisen. Ältere Torfmoore (Fig. 2), die als solche aiieli ohne inensohliche Kiiiwirkun": ihre Entwickelutiff Fiff. 2. n Muorerde, b schwarzer Torf, c brauner lUchter Torf, (/ brauner eieliler Torf, e Tlion. DiircLscliiiitl ciiifs älteren Flarlimoors. vollständig abgeschlossen hahen, sind oberflächlich mit der Vegetation fruchtbarer \Viesen bedeckt, deren Reste keinen Torf, sondern eine schwarze unverbrennliche Erde bilden helfen. Unter diesen Moor- wiesen liegt eine oft nur einige Zoll, selten einen Fuss oder darüber mächtige Schichte eines schwarzen, dichten Torfes, in welchem sich nur selten Reste von echten Moorpflanzen als Torfbildner erkennen lassen. Doch findet man bisweilen Wurzeln und Wurzelfasern, Rhizome und Blattscheiden, die sich sämmtlich durch ihre kohl- schwarze Färbung auszeichnen und auf Aspidium Thclypteris, Sclrpus maritimus Schoenus nigricans, und ähnliciie Pflanzen hin- deuten. Unter diesem schwarzen Torfe liegt aber ganz allgemein ein brauner Torf, der nach abwärts zu immer lichter gefärbt und leichter ist und der entweder ausschliesslich nur aus den leicht kenntlichen Resten des Schilfrohres besteht oder auch Rasenstöcke, von Riedgräsern eingeschlossen enthält. Der unterste Torf ist von einer lichten, röthlicbbraunen Farbe, breiartig und verbreitet einen penetranten Schwefel- WasserstofTgasgeruch. Hieraus, so wie aus dem Vorkommen von Süsswasserschneckeii, die sich in stehenden Gewässern aufhalten, erhellt, dass ursprüng- lich an der Stelle solcher ungarischer Flachmoore seichte Wasser- ansammlungen bestanden, welche, wie zahlreiche analoge Fälle der ungarischen Sümpfe bekräftigen, zuerst mit untergetauchten Was- serpflanzen, später mit Rohr und Riedgräsern und zuletzt mit Moor- pflanzen sich bedeckten. Ein solches Flachmoor lässt 5 Stadien in seiner Entwickelung unterscheiden, von denen jedoch nur die drei mittleren torfhildend sind. Diese 5 Stadien sind: 1. das Hydrophyten- Uiitersuchungeii über die Torfmoore Ungarns. (J5 nioor, 2. der Rohrwald, 3. die Rohi-wiese, 4. das Wiesenmoor, und 5. die Moorwiese. Die Pflanzen des Hydropliytenmoores verfaulen, ohne zur Torf- bildung beizutragen, das Schilfrohr hingegen niuss als jene Pflanze hervorgehoben werden, aus welcher der grösste Theil des ungari- schen Torfes besteht und welches die gemeinschaftliche Unterlage der ungarischen Flachmoore abgibt. Man überzeugt sich durch Sondirungen in den Rohrwäldern und Rohrwiesen, namentlich in den schwingenden Rohrdecken (sogenannten Lap) sehr leicht von der Wichtigkeit dieses Torfbildners, dessen Reste hier ausschliesslich eine 5 — 6 Fuss mächtige Schichte zu bilden pflegen. In der Rohr- wiese ist das Rohr schon im Aussterben begrifl'en und wird von rasenbildenden Gräsern und Halbgräsern, namentlich Agrostis stolo- nifera und Carex-Arten verdrängt und ersetzt. Bei hinreichender Feuchtigkeit geht die Rohrwiese in ein Wiesenmoor über, womit aber die Torfbildung naturgemäss abschliesst, da das Wiesenmoor nicht die hygroskopischen Mouse des Hochmoores besitzt, welche ein Emporwachsen des Torfmoores über das Wasserniveau bis zu einer bestimmten Grenze ermöglicht. So wie aber selbst das supra- aquatische Hochmoor zuletzt mit dem Auftreten von Flechten seine Entwickeluug als Torfmoor beendigt und in eine Heide übergeht, eben so folgt dem noch torfbildenden Wiesenmoor die Moorwiese als Anfang der Vegetationsformen des trockenen, torflosen Bodens. Die hier gegebene Entwickelungsgeschichte der ungarischen Flachmoore erleidet bisweilen einige Modificationen, In manchen Fällen wird das Rohr durch die isolirten Rasenstöeke der Carex stricta sehr bald verdrängt, und das Röhricht geht in ein sogenanntes Zsombekmoor über. Gewöhnlich ist die torfige Unterlage eines solchen sehr gering; doch siedeln sieh Zsombeks auch mitten in Rohrwäldern auf mächtigen Schilftorflagern an. Die Zsombekmoore gehen nach der Austrocknung gewöhnlich in Wiesen ohne Torfbil- dung über. Ein solches Moor kann daher als Torfmoor nur insoferne betrachtet werden, als die abgestorbenen Rasenstöcke selbst den Brennstoff abgeben. Im Moorgrund gedeiht die Schwarzerle (^Alnus gluthiosaj vor- züglich. Daher treten auch Erlenwälder in verschiedenen Stadien der Moorbildung vicariirend auf. Meistens ist aber dann die Bildung von Torf unterbrochen und auch die Gewinnung des bereits vorhan- Sitzl.. rt. malheni.-iialurw. Cl. XMII. Bd. 1. Ahlli. ä QQ I* o k o I- II y. denen Torfes erschwert oder unmöglich gemacht. Doch sind Erlen- wälder in den ungnrischen Mooren nicht selir häufig, am gross- artigsten im südlichen Theile des Hansäg, im Schurmoor bei St. Georgen nächst Pressburg, bei Ecsed im Ecsedi-Läp. An einigen Stellen des Hansägs, so namenllich am Eichbühl und im Wieselburger Torfstich, werden Hölzer im Torf gefimden. Sie gehören Erlen an und beweisen das Vorhandensein ähnlicher Sumpfwälder an Stellen, wo gegenwärtig Moorwiesen vorkommen. Die näheren Umstände dieser Verwandlung sind noch nicht genügend erkannt. Viele ungarische Moore befinden sich noch in einem jüngeren Stadium ihrer Entwickelung; in den grösseren Moorterrains lassen sich oft sogar alle Stadien derselben mit ihren vicariirenden Formen neben einander beobachten. Für die Praxis dürfte es aber genügen, im ungarischen Tieflande nur drei Hauptfoimen von torflühreiiden Mooren zu unterscheiden, um so mehr, als diese ihrer Eigenthüm- lichkeiten wegen landesübliche Namen erhallen haben. E«; sind dies die schwingenden Rohr decken (Läp), woliin die torfführenden Rohrwälder, Rohrwiesen und zum Theil Wiesenmoore gehören, ferner die eigentlichen Wiesen moore mit den sie bisweilen be- deckenden Moorwiesen (Sär-retje) und endlieh die Zsombek- m r e. Man trifft diese Moore bald in grösseren beckenförmigen Ver- tiefungen des Terrains, welche Seen oder seeartige Sümpfe von meilenweiter Erstreckung enthielten; oder sie sind in schmalen flachen Thalrinnen der Länge nach in unmerklichen terrassenförmigen Abstufungen vertheilt; oder sie treten endlich sporadisch in den Mulden eines wellenförmigen, gewöhnlich sandigen Terrains auf. Man kann daher in dieser Beziehung Moorbecken, Moorthäler und Moor m u 1 d e n unterscheiden. DieM r b e c k e n des ungarischenTieflandes liegen theils an Seen theils an Flüssen. Im erstem Falle waren es selbständige Seen, die nur zur Zeit der Hochwässer mit dem Hauptsec communicirten, oder förm- liche Seebuchten, die sich allmählich mit Vegetationsmasse anfüllten und sodann trennten. Besonders lehrreich sind in dieser Beziehung die beiden am südlichen Ufer des Plattensees gelegenen Moorbecken. Da das östliche Moorbecken bei Kethely durch eine Landbarre schon seit Langem vom Plattensee schärfer getrennt und durch den Haupt- canal hinreichend entwässert ist , so konnte die Moorbildnng hier Uiilei-suchuiigeii ülier die TorfinDoie Uiig'arns. 67 weiter sich entwickeln , als in dem untern Theil des Moorbeekens von Keszthely, welches noch jetzt einen offenen See bildet, der mit dem Plattensee durch die Brücke bei Fennek zusammenhängt. Die beiden Moorbecken des Hansag am östlichen Ufer des Neusiedler- sees waren ursprünglich in einer ähnlichen Verbindung nut letzterem, während jetzt schon seit Langem diese Verbindung wenigstens in trockenen Jahren ganz aufgehört hat. Die an Flüssen gelegenen Moorbeckeii waren seefi»:mige Wasseransammlungen, durch den Mangel des Gefälles entstanden, in welchen sich der Fluss verlor, um erst am entgegengesetzten Ende von Neuem gleichsam zu entspringen. Man sieht dies noch an den Moorbecken des ßerettyo; sonst sind solche Moorbecken durch Canäle ganz trocken gelegt, wie der Sär-ret bei Stuhlweissen- burg, oder Avemgstens der Abfluss geregelt, wie au der Kraszna im Eesedi-Läp. Von diesen Moorbecken, welche durch das Verschwinden eines Flusses und sein Auflösen in ein Wassernetz gebildet wurden, sindjeneMoorbecken zu unterscheiden, die durch Überstauungswasser gespeist werden, wie der Hosszuret im Bodrog-köz oder der Sebes- Körös-Sär-ret. Die Torflager solcher Moorbeckeii beginnen stets mit der Lap- bildung, welche an vielen Stellen lange Zeit hindurch stationär bleibt, während sie an anderen Punkten durch die Abnahme des Wassers in Wiesenmoor oder Zsombekmoor übergeht. Im Allgemeinen sind die tiefsten und wasserreichsten Stellen in derEntwickeluug am weitesten zurück; während die an den Flüssen und Canälen gelegenen Thei.'e durch Überschlemmung oder auch durch Austrocknung die Stadien der Flachmoorbüdung schneller durchlaufen. Dazu kommt noch, dass die Moorbecken in der Regel mit Bodenanschwellungen und Erbe- bungen versehen sind, von denen aus ebenfalls ein Fortschreiten der Möorstadien ausgeht. Zur bessern Versinnlichung der Läpbildung möge beifolgender Durchschnitt des ersten Läps in dem Canal des Berettyo-Sär-ret zwischen Füszes-Gyarmath und Nagy-Bäjom (Fig. 3) dienen. Dieser Lap ist vom Canal durchschnitten; der feste Untergrund aus Thon wird in dem ganzen und gedehnten Moorbecken constant erst in 8 Fuss Tiefe erreicht. Oberhalb desselben befindet sich eine 2 Fuss mächtige dünnflüssige Schlammschichte mit spärlichen Hohrwurzeln, über welcher sich die (i Fuss mächtisfe Rohrdecke erhebt. Auf dieser 68 P o k o r II y. Rohrdecke hat sich inselförmig eine dichtere Rasendecke von Gräsern angesiedelt, die durch Abmähen in ihrem compacten Wachsthum Fia:. 3. w//////////////////////y////////////////v/s a Canal, /> sclnviniinondp Insel, c Rolirwiese, d Rohrwalil, e Rolirdecke, /"Schlamm, g fester Thon. Diirrlisclinilt eines Läps bei Fiiszes-Gyarmath. noch hefördei't wird. Diese Grasrasendecke bildet nun eine sogenannte schwimmende Insel, den ersten Anfang eines sich immer mehr aus- breitenden Wiesenmoors. Das Rohr des ursprünglichen und benach- barten Rohrwaldes ist auf denselben noch nicht gänzlich verschwun- den. Es treibt noch hie und da kin-ze Halme, kommt aber liier nicht mehr zur Blüthe und wird gemäht als Heu verwendet. Fi-. 4. A, .w^1#- n Craszna-Canal, h Hutweide, c Zsombi'k, rf dctto mit Rolir, e Erlenwald, fMoorthon, g Halbtorf und Wiesentorf, k Scbilftorf, i Thon-Unterg-ruud. Darchschnitt des Ecscdi-Läps bei Ecscd. Die Wirkung einer Üherschleiiimung durc'h Inundationswasser auf die fortschreitende Moorentwiekeluug lässt sich namentlich au Canälcn, die häufig trübes Wasser führen, beobachten. An dem Kraszna-Canal bei Ecsed (Fig. 4.), der in einem etwas erhöhten Ter- rain eingeschnitten ist, kann liian beiderseits ausgedehnte Hutwei- den beobachten mit einer mächtigen Schichte von schwarzen Moor- Untersiichiingen über die Torfmoore Ung'arns. ß9 tlion , unter welchem in einiger Entfernung vom Ciin-.il Torf liegt. Die Hutweide geht, je weiter man vom Canal sich entfernt, anmählieh in ein Zsombekmoor über, weiches zuletzt noch Reste eines aus- sterbenden Rohrwaldes aufweist. Hinter dem Zsombekmoor tritt ein Erlensumpfwald, der, wie die Sonde lehrt, gleich dem Zsombekmoor auf einem Lager von Schilftorf ruht, während die oberflächliche Schichte aus einer erdigen Mischung von Halbtorf und Wiesentorf besteht. Ähnliche Vorkommnisse am Rande der Moorbecken und um die inselförmigen Bodenanschwellungen im Innern der Moore sind ziemlich allgemein verbreitet. Die Moorbecken enthalten die ausgedehntesten und wichtigsten Torflager des ungarischen Tieflandes. Sie verdienen desshalb zu- nächst eine genaue auf Vermessungen und Sondirungen gegründete Aufnahme. Eine solche ist um so nothwendiger, als in einem Moor- Terrain von mehreren Quadratmeilen selbstverständlich alle ange- führten Stadien der Moorentwickelung und selbst weite torfFreie Stellen vorkommen. Am ergiebigsten sind jene Stellen, wo die Moorentwickeiung ihren natürlichen Abschluss in den Moorwiesen erhalten hat. Hier findet man die dichtesten und in gewisser Beziehung reifsten Torfsorten, Aber auch mächtigere Läpbildungen und Zsom- bekmoore können lohnende Ausbeute an Brennstoft' gewähren , wie noch später dargestellt werden soll. Bisher sind aus dem ungarischen Tieflande folgende mit Flach- mooren erfüllte Becken bekannt: 1. Hansag östliches Becken (mit den Torfstichen Ottohof und Wieselburg). 2. Hansäg westliches Becken (mit dem Torfstich St. Johann). 3. Sär-ret bei Stuhlweissenburg. 4. Moorbecken bei Keszthely (Zaia). 5. Moorbecken bei Kethely (Somogy). 6. Berettyö Sär-ret mocsarok "\ 7. Bekeser Sär-ret \ um Füszes-Gyarmath. 8. Sebes Koros Sär-ret mocsarok) 9. Ecsedi-L;ip (Szäthmär). 10. Hosszu-ret (Zemplin). Zu i]en grössten Moorterrains gehört noch das 17 Meilen lange schmale Sumpfgebiet des Pest-Solter Comitates. welches jedoch durch seine Lage und Beschaffenheit vielleicht richtiger den Moor- 70 P o k o r n V. thälern beigezählt werden sollte, du es in einem verlassenen Fluss- beet der Donau vorzukommen scheint. Manche Moorhceken, wie das hei Sünicgh (Zalaer Comitat) sind durch Cultur und Brand ihres Torfgeiialtes schon verlustig, ein Schicksal, welches den Sar-iet bei Stuiihveissenhurg zum Theile auch schon trilTt. Von anderen muth- niasslichcn Moorbecken fehlen nähere Untersuchungen. Die Moorthäler treten nach den bisherigen Wahrnehmungen blos in dem wellenförmigen Terrain am rechten Donauufer auf. Hier kommen hauptsächlich im Löss schmale flache Thalrinnen vor, welche, nur durch eine geringe Bodcnanschwcllung getrennt, häufig parallel laufen, einen geringen Fall haben, dadurch locale stehende \^'asscransammlungen veranlassen und Moorltildungen begünstigen. Ein ausgezeichnetes Beispiel dieser Art hietet der aus dem Sar-ret bei Stuhlvveissenburg entspringende Sär-viz, welcher an mehreren Punkten seines jetzt regulirten Laufes, als bei Szabad Balhyän, Kaloz, Hatvan und Örs dergleichen locale Torfbildungen aufweist. Doch sind auch hier letztere durch die geringe Breite deT Thalrinne, durch Brand und Überschlemmungen, so wie durch a Malom-esiUor, b Haiiptcanal, c Löss, d blauer Letten, e Wiesenmoore. SÄr-r(5t bei HiUvAii. sogenannte Inseln wesentlich beeinträchtigt. Bei Hätvän z. B. befindet sich (Fig. 5) in etwas erhöhtem Terrain (Löss) einerseits der Mühl- canal (Malom-csätor), andererseits der Hauptableitungscanal einge- schnitten. In der Mitte der Thalrinne geht aber überdies noch eine freilich nur unbedeutend über das Terrain sich erhebende Lössinsel durch, welche die beiden Torflager der Thalrinne trennt. Beide sind bereits im Stadium der Moorwiese angelangt und unbedeutend, da in dem am Mühlcanal gelegenen schon in S Fuss Tiefe der feste Untergrund (ein blauer Letten) erreicht wird, während das andere am Hauptcanal gelegene, ofTenbar durch Brand zerstörte Lager gar nur 3 Fuss tief ist. Untersuchungen über die Torfmoore Ungarns. IJ' |i Die Müorthüler, welche ilireii ursprünglichen Zustund noch nicht durch Ableitungscanäle verloren haben, wie zum Tlieile die Marczal- sümpfe, zeigen dieselben verschiedenen Entwickelungsstadien, wie die Moorbecken. Auch hier ist vorherrschend die Lapbildung, welche den übrigen Moorbildungen vorangeht. Zu den bisher bekannten Moorthälern gehören folgende Fiuss- gebiete: 1. Der Marczalfluss (Veszprem und Zaia). 2. Sar-viz bei Pöjöske] 3. Zalafluss ( (ZaIa). 4. Keszthelybach ^ H. Sarviz (Stuhl weissenburg). 6. Kapos (Tolna). Während Moorbecken und Moorthäler zusammenhängende Systeme von Moor- und Torfbildungen sind, findet man im ganzen ungarischen Tieflande sporadische Flachmoore von sehr verschieden- artiger Ausdehnung und Beschaffenheit. Die grösseren derselben nähern sich den Moorbecken und die zahlreichen verschwindenden Flüsschen erinnern, wo sie mit Moorbildungen verbunden sind, als Moorrinnen an die eben beschriebenen Moorthäler, Am häufigsten jedoch treten die sporadischen Flachmoore ohne Zusammenhang mit fliessenden oder stehenden Gewässern in eigenen Moormulden, namentlich im Sandterrain auf. Die nähere Untersuchung lehrt, dass auch in einem solchen Fall die Thalmulde von einer impermeablen Bodensehichte bedeckt ist, welche sich aus dem hier sammelnden und nicht wieder abfliessenden Wasser absetzt. In dem geklärten Wasser siedelt sich auch hier zuerst das Röhricht an. Zumeist geht dasselbe aber nicht in \\ iesen- moor, sondern durch das baldige Verdunsten des Wassers in ein Zsom- bekmoor über. Dabei ist die Mächtigkeit des Moors in der Regel nicht bedeutend. Beifolgende Skizze (Fig. 6) macht die Bildung eines solchen Zsombekmoors aus dem Sandterrain zwischen Debreczin und Nagy-Käroly anschaulich. In einer grossen Mulde zwischen Nyir-Bel- tek und Lugos (im Szaboicser Comitat) wird die Einförmigkeit des sterilsten Flugsandes, der beträchtliche von jeder Vegetation ent- blösste Hügel bildet, durch eine üppige und ausgedehnte Moorent- wickelung unterbrochen. Eine Sandwelle theilt die Mulde in zwei von Zsombekmooren ausgefüllte Theile, der Rand des Moores, in eine 72 P o k o r n y. lockere friiclilhare Moorerde übergehend, wird als Feld zum Aiihau benutzt, während zwuschen den Zsombeks bei hiiireicheuder Troeken- Fiff. 6. n Sand, b Thon, c Moorerdc, d Halbtorf, e Zsoinke'k, /"Mais, g Pteris. Zsomb^kmoorc im Sandterrain bei Nyir-B6ll^){. legung des Moors Vieh weidet und die Sonde lehrt, dass unter den Zsombeks eine 3 — 4 Fuss mächtige Schichte von Halhtorf liegt, welche selbst wieder auf einer Lettenschichte ruht. An der breitesten Stelle der Mulde laufen sogar drei solche Zsombekmoore parallel. In der Mitte der Fiugsandhügel haben sich Büsche von Adlerfarn (^Pte- ris aqiiilinaj n\s einzige auffallende Vegetation derselben angesiedelt. Zur bequemen Übersicht folgt nun hier eine Aufzählung der sporadischen Fl ach moore des ungarischen Tieflandes nach den bisherigen Erfahrungen. Diese Aufzählung ist voraussichtlich noch sehr unvollständig, da die Zahl der kleineren Moore, namentlich der Zsombekmoore, eine sehr grosse ist. Auch wurden schon hier einige zu unbedeutende oder an grössere Moorgebiete sich anschliessende Flachmoore mit Stillschweigen übergangen, oder mehrere kleinere benachbarte zusammengefasst. Sporadische Flachinoore in Fngarn. I. Röhricht- ii n d Wi e s e n m o o r e. i. Schurmoor (Presshurg), 2. ßöös (Insel Schutt). 3. Laah (Pressburg). 4. Szap (Comorn). 5. Eos ,D ,>, > (Raab). 6. Kajärj '^ ^ 7. Nagy-Kanisza (Zala). 8. Füred-Tihany) . 9. Szigligeth ) ^'^"^^' Untersiicliuiigeii über dio Torfmoore ITiiy^arns. 73 10. Köveskalla (Z;.!;*). 11. Rnkosfeld (Pest- Pills). 12. Nagy-Köros (Pest-Solt). 13. Dinnyes (Stuhlvvelssenburg). 14. Bakta (Heves). 15. Kanyapta Sumpf (Aba-uj-Torna). 16. Sarkozi CSzathmar). 17. Mikola ' ^ ^ 18. Hertnek (Saros). 19. Sandorf / ,„ .\ > (Banat). 20. Urmenyhazaj 21. ? Ghymes (Unter-Neutra). 22. ? NeiihäusI (Unter-Neutra). 23. ? Sassin (Ober-Neutra). 24. ? Trstye (Trencsin). 25. ? Szernye Sumpf (Beregh-Ugocsa). 26. ? Dar da (Baranya). 27. ? Güsslng ( ^ü- 1 ^ '^ > (Eisenburg). 28. ? Vasvär j ^ ^^ 29. ? Bares ) .^ . > (SomogY). 30. ? Darany ) "^ ^^^ 31. ? Pauliscb (Banat). II. Zsombekmoore. 32. Puszta Gubacs (Pest-Solt). 33. Tisza Ugh (Szolnok). 34. Csath (Borsod). 35. Puszta Sz. Laszlo (Jaziglen). 36. Nagy-Kallo ] 37. Nylregybaza) (Szaboles). 38. Nyir-Belfek ) 39. ? Edeleny (Borsod). 40. ? Er Mihalyfalva (Nord-Bibar). Die mit einem Fragezeicben (?) bezeiebneten Flacbmoore sind als Torfmoore bisber zweifelbaft. Der Torf der ungariscben Flacbmoore ist sebr mannigfaltig. Wenn man alle brennbaren Reste von Sumpfpflanzen, die sieb daselbst 74 k () r II V. iuihäuferi, dazurot'liiiet , so d.irf niiin kciiiou Anstand iicliinen, nucli die Eingangs erwälmten vertorften Pflanzen als solchen zu bezeich- nen. Zu den letzteren gehören aber in Ungarn vorzugsweise die isolirten Torfrasenstöcke, weiche den landesüblichen Namen Zsoin- bek führen und die zusammenhängenden Torfrasendecken, welche das Schilfrohr in den sogenannten Laps bildet. iJie vertorften Pflanzen schwinden beim Trocknen nur un- bedeutend, höchstens um ein Dritlheil ihres frühern Volumei»s und ver- ändern sich dabei nur wem'g. Sie haben, wo sie nicht mit Erde oder Schlamm verunreinigt sind, ein sehr geringes specifisches Gewicht. So wurde das Gewicht eines Zsombeks von Stublweissenburg = 0-1 1 gefunden. Das Gewicht einer schwingenden Rasendenke (Insel) im Berettyö-Sariet bei Füszes-Gyarmath ergab im Mittel von 3 Proben 0-19 und eine Pi'ohe aus dem Ecsedi-Lap 0-16. Die chemischeAnalyse, welche Hr. Prof. Schrott er imLabora- torium des k. k. polytechnischen Instituts von Herrn E. Teirich ausführen liess, kaim annähernd den ßrennwerth der ungarischen Zsombek und La'p beurtheilen helfen. Diese Analyse lieferte folgende Resultate: Zsombek von Stublweissenburg Torfrasendecke (Lap) von Füsies Gyarniatb Specifisches Gewicht 011 9-26 28-43 2238 6 23-21 0-19 13-19 11-26 2396- 6 21-87 Wassergehalt in 0/^ Aschengehalt in "o c . . . Heizkraft in Wärmeeinheiten Äquivalent einer Klafter 30zölligen Fichten- holzes in W. Centnern Zsombek und Lap gehören daher zu den leicbtesten, lockersten Brennstotfen, welche, wenn sie ziemlich rein von erdigen Beimen- gungen sind, an Heizkraft den bessern leichtern Torfsorten des ungarischen Tieflandes sich nähern. Die Zsombeks haben in luft- trockenem Zustande weniger Wassergelialt als die Läps, welch letztere hingegen in der Regel reiner von Mineralheimengungen sind. Die sehr geringe Dichte dieser beiden Brennstolfe beeinträchtigt ihre Verwendbarkeit. Uiitersiichung'eii üher di.' Torfmoore Uiigiirns. 75 Der eigentliche Torf zeichnet sieh dadurch vor den Torf- rasen aus, dass er eine bei-eits starker zersetzte, im frischen Zustande plastisclie Masse bildet, welche beim Trocknen bedeutend schwindet. Die ungarischen Flachmoore enthalten zweierlei Torfsorten: einen braunen leichten Torf, der fast nur aus den Resten von Schilfrohr zusammengesetzt ist und desslialb Schilftorf genannt werden kann, und einen schwarzen dichtem Torf, der oberflächlich vor- kommt und aus einer Wit'senmoor- Vegetation hervorgeht; man kann ihn Wi es e nto rf nennen. Die Volumsverminderung des frischen Torfes beim Trocknen ist sehr wiclitig zur annähernden Bestimmung des in einem Torflager von gegebenen Dimensionen enthaltenen Torfquantums. In dieser Bezie- hung liegen sehr genaue Beobachtungen über den ungarischen Torf vor, welch Hr. Friedrich Egerer, Verwalter im Baron wSina^ sehen Torfstich zu Ottohof, auf meine Veranlassung gemacht hat. In diesem Torfstich wurden genau übereinander liegende Torf- stücke, welche einen Durchschnitt des Torflagers darstellten, aus- gehoben und sowohl im nassen als im lufttrockenen Zustande einer sorgfältigen Messung und Wägung unterworfen. Zugleich wurde aus einem ähnlichen Durchschnitt eine auf gewöhnliche Weise gebaggerte und eine stärker mit Wasser vermischte und zertheilte Torfmasse (aufgelöster oder Maschineutorf) erzeugt. Bei der Lufttrocknung ergab sich folgende Volumsverminderung: Von lOOVoliimth frischen Torfes Ijlieben verschwanden 1. (oberste) Schictite, schwarzer Wiesentorf 2. Schichte 27.7 25-7 269 23-4 40-6 28-8 23-6 13-9 72-3 74-3 73-1 76-6 S9-4 71-2 76-4 86-1 3. Schichte 4. Schichte . . • 5. (unterste) Schichte, röthlicher stinlicnder Schilftorf Im Mittel der Stichtoif des Torflagers . . Gebag-gerter Torf oo . - - . . Aufgelöster Torf Man sieht hieraus , dass beim ungarischen Torf im Durchschnitt der Stichtorf auf weniger als ein Drittheil (28-8o/o), der Baggertorf 76 I' o k o r n v. iuif weniger ;ils '/^ (s:feiiauer 23-6«/o) und der aufgelöste Torf auf weniger als 1/7 (genauer 13-9''/(,) des ursiininglichen Volumens schwindet. Die unteren Schichten des Lagers schwinden mehr, und nur die unterste, mit Mineraltheilen stärker vermengte macht eine Ausnahme davon. Da es sich heim Torfbetrieb häufig um die Förderung grosser Massen frischen Torfes handelt, so ist es nicht unwichtig, das Gewicht desselben zu kennen und zugleich das Wasserquantum zu erfahren, welches bei der Lufttrocknung vordunsten muss. Das Gewicht des frischen Torfes erhielt bei der Fjufttrocknung folgende Verluste: Von |I»0 GcHiehtsth. fiisclien Torfes Speeitiselies (_io- wiebt «les lufl- tiuekeiKM.ToiiVs blieben versibwaiiden 1. (oberste) Schiclite scliwar- • zer Wiesentorf 31 7 68-3 1-05 2. Schichte 21-9 78-1 ü-78 3. Schichte 11) -5 80- S 0-96 4. Schichte 16-7 83-3 0-67 5. (unterste Schichte) röthli- cher stinkender Schilftorf 170 83-0 0-41 Im Mittel des Stichtorfs des Lagers 21-4 78-6 0-67 Gebaggerter Torf .... 21 3 78-7 1-08 Aufgelöster Torf 22-S 77-5 1-16 Diese Tabelle lehrt, dass der ungarische Stichtorf im Durch- schnitt lufttrocken, nur fast 1/5 (21-4Yo) des ursprünglichen Ge- wichtes besitzt, daher Y5 des Gewichtes als Wasser verdunsten müssen. Der Baggertorf zeigt nahezu dasselbe Verhältniss, der auf- gelöste Torf ist sogar etwas trockener als der Baggertorf. Übrigens nimmt der Wassergehalt (die Nässe) der Torfsorten wie voraus- sichtlich mit der Tiefe regelmässig zu , so dass von den untersten Schichten beiläufig nur i/g tles ursprünglichen Gewichtsquantums übrig bleibt , während bei der obersten Schichte 1/3 des Gewichtes sich erhält. Ebenso regelmässig nimmt aber bei den ungarischen Torfen das specifische Gewicht mit der Tiefe ab, so zwar, dass die untersten llnfersucliungeii iilier (Uc Torfmoore Ungarns. 77 Scliic'litoii im lufttrockenen Zuslaiule ^^/^nvA so leicht sind, als die obei-fliichlichen. VViilireiul sich die mittlere Dichte des Stichtorfs auf 0-67 ergibt, hat der Baggertorf 1-08 und der geschlemmte Torf li6 nach einer andern Probe sogar 1-27 specifisches Gewicht. Jedoch muss bemerkt werden, dass obige von einem Punkte des Torfstiches zu Ottohof entnonwiietien Daten nicht vollkommen mass- gebend für alle ungarischen Flachmoortorfe sind. Sie gelten nur für die dichteren, schweren Sorten, da dies gerade eine Stelle ist, wo wie die chemische Analyse herausstellte, ungewöhnlich viel Mineral- theile dem Torfe beigemengt waren , wodurch das Gewicht sich etwas höher stellt. Überhaupt dürfte dies der Fall bei allen unga- rischen Torfen sein, deren Gewicht im lufttrockenen Zustande über 0-6 steigt. Es sind dies ältere dichtere Torfe, die sich oberflächlich schon im Stadium der Moorwiesen befinden und durchschnittlich eine schwarze Farbe haben. Was den Brennwerth dieser dichteren Torfsorten aus den ungarischen Flachmooren betrilTt, so ergibt sich dieser aus folgenden Analysen : 1. Ottoliof Stichtorf oberste Sciiiclite 2. OttohofStichtorfunterste Sctiictite 3. Ottohof aufgelöster Torf 4. Alter Torfstich im Schur- Moor Specifi- sches Gewicht Wasser- gehalt in Vo Asche in o/o 110 15-06 21-43 0-60 9d9 32-99 1-27 13-90 24-21 ? 9- 4 32-00 Heizkraft in Wärine- Einlieiten 2116-0 206Ö-4 2187-3 1380 Äquivalent einer Klafter 30 zölligen Fichtenholzes in W. Centner 24-76 25-38 23-96 33-17 1 und 3 nach der Analyse des Herrn E. Teirieh im Luboratorium des k. k. polytechnischen Institutes, 2 nach der Analyse des Herrn .1. Wiesner, ebenda, 4 nach einer Analyse des Herrn Dr. A. Bauer. Die beiden Torfsorten 2 und 4 kiinnen wegen ihres hohen Aschengehaltes nur mehr als Halbtorf betrachtet werden. Die leichteren braunen Torfsorten der ungarischen Flachmoore haben meist ein specifisches Gewicht zwischen 0-2 — 0-5 und einen geringern Aschengehalt Hieher gehören beispielsweise 78 I* o k (I r II y. Specifisches Gewicht: Torf von Sf. Johiinn im Hansac^ 0-23 „ „ der P. Sari bei Kethely 0-25 „ „ „ Eszterliazy'schen Herrschaft Süttör 0-41 Trockener Torf von Santlorf bei Ilanea im Banat 0'43 „ „ S/äp 0-46 Den leichtesten Torf fand ich im [{abnitz-Canale an einer Stelle (ugrado) zwischen Pnszta-Föhlszigeth und den Kiraly-to. Er bildet im Wasser aufsteigende, dieSchillYahrt bisweilen hemmende Massen und besteht nur aus feinen unverwesten Fasern des Schilfes. Getrocknet hat dieses lockere Fasergewerhe nur ein Gewicht von 009, also weniger selbst als die lockersten Zsomheks. Dieser Torf ist jedoch eine rein locale Bildung, welche dadurcili entsteht, dass das rasch tliessende Wasser hier ein Torflager durchströmt, und dessen untere Schichten, welche Schilftorf von 0*4 — 0*6 Gewicht besitzen, auswäscht. Die chemische Analyse der leichteren Torfsorten des ungarischen Flachlandes ergab folgende Resultate: Spcoifi- sches Gewicht Wasser- gehalt Asche 14 63 17i9 14-7Ö 16 öl 11- 3 17- 3 11- 3 lä. Heizkraft inWärmeeiü- heiten Äquivaleot einer Klafter 30 zoUigeu Fichtenholzes in W. C. 1. Torf vom Wieselburger Torfstich 2. Torf vom Torfstich zu St. Johann 3. Torf von der Rustenwiese im Schurmoor 1. Probe . 4. Torf von der Rustenwiese im Schurmoor 2. Probe . 0-2.3 0-23 2302-3 2380-5 2390 2392 22-76 22-02 21-93 21-91 1. nach der Analyse des Herrn E. Tei rieli im Laboratorium des k. k. polytechni- schen Institutes; 3. und 4. nach einer Analyse des Herrn Dr. A. Bauer. Nach diesen Daten liegt die Heizkraft der ungarischen Flach- moortorfe, der Zsombek und Lap (wenn man vom Halbtorf mit mehr als 30»/o Asche absieht) zwischen 2100 und 2400 Wärmeeinheiten; der Wassergehalt schwankt von 9 — 15%; der Aschengehalt von 11 — 28%. Die leichteren Sorten stehen über der Mitte der Heizkraft Uiitersiichiingeii über die Torfmoore ITngarns. "J^ (22S0 Wärmeeinheiten); die (lichteren Sorten unter denselben. D» aber beide Sorten gewöhnlich in demselben Torflager vorzukommen pflegen, so ist diese mittlere HeizkraCt als die im grossen Durchschnitt geltende anzusehen. Der Torf der ungarischen Flachmoore gehört demnach, ver- glichen mit dem Torf der Hochmoore, welcher bei sehr unbedeuten- dem Aschengehalt eine Heizkraft bis 3180 Wärmeeinheiten liefert, zu den geringeren Torfsorten. Dies darf jedoch nicht hindern, seinen wahren Werth als BrennslotF da anzuerkennen, wo er in grosser Quantität vorkommt und billig herzustellen ist. Welche Quantitäten von diesem BrennstotT in dem brennstofTarmen Tietlande Ungarns auf- gespeichert sind, erhellt aus folgender Betrachtung: Ein Wiener Joch Zsombekmoor zu 1600 Q Klafter enthält, ohne Rücksicht auf den tortigen Untergrund, wenn auch nur 1/5 des Areals mit Zsombeks erfüllt ist und diese zu 24 Zoll Höhe angenom- men werden, bei obiger Dichte der leichten lockern Sorten von 0-11 und ohne Rücksichtnahme auf das jedenfalls unbedeutende Schwinden derselben beim Trocknen mindestens 1429-40 Centner BrennstofF von etwa 2260 Wärmeeinheiten, also ein Äquivalent von 61-5 Klaftern SOzölligen Fichtenholzes, Ein Wiener Joch Läpbildung (schwingende Rohr- und Rasen- decke) enthält bei 3 Fuss Tiefe und einer Volumsveränderung von 1/3 durch das Trocknen, ferner bei der geringen Dichte von 0*19 im lufttrockenen Zustande mindestens 12344-83 Centner Brennstoff, welche bei einer Heizkraft von etwa 2400 Wärmeeinheiten ein Äqui- valent von S65-2 Klaftern 30zöliigen Fichtenholzes abgeben. Ein Wiener Joch eigentliches Torfmoor, den ungarischen Fiach- mooren angehörig, liefert bei einer Mächtigkeit von 3 Fuss abbauwür- digen Torfes, und bei einer Volumsverminderung von mehr als 2/3 (genauer 71 -20/0) durch das Trocknen, ferner bei der mittleren Dichte von 067 im lufttrockenen Zustande mindestens 18809-61 Cent- ner Torf, der zur mittlem Heizkraft der ungarischen Flachmoortorfe, von 2250 Wärmeeinheiten ein Äquivalent von 8075 Klaftern 30 zöl- ligen Fichtenholzes abgiht. Für jeden Fuss Mächtigkeit berechnet sich das Torfqnantum bei einem solchen Torfmoor auf 6269*87 Cent- ner Torf. Bei den leichteren Torfsorten, deren mittlere Dichte 0-4 beträgt, liefert jeder Fuss Mächtigkeit bei einem Joch 3735*93 Cent- ner Torf, jedoch von höhere^' Heizkraft. ^Q I' (> k n r II y. Nach diesen Anhaltspunkten lüst-t sich leiclit der Werth eines hestinimten Torfnioors schätzen. Es mag hier nur noch erinnert wer- den, dass wie der specielle Theil näher nachweist, in deui Berettyo Särret die der jjfräflich Bhuikenstein'schen Familie angeliörige Läp- bildung allein über 11.000 Joche beträgt und dass der Flächenraum der Torfmoore des Hansägs auf mindestens 22.000 Wiener Joch geschätzt werden muss. Es gibt aber in Uugarn 18 grössere Torfterrains von 1000 und mehr Joch Ausdehnung und bei 50 kleinere Torflager, so weit die bisherigen Untersuchungen reichen. Was nun dieAusbeute der ungarischen Flachmoortorfe anlangt, so lassen sich im Allgemeinen nur wenige Andeutungen geben, da die Localverhältnisse allein die Rentabilität eines derartigen Unter- nehmens entscheiden können. Doch wird die Torfgewinnung allenthalben dringend zu empfehlen sein, wo grössere Tortlager durch Entwässerungs- odei- Schutzbauten ausgetrocknet und anderen Culturformen zugeführt werden, weil sonst der Torf rasch seine Eigenschaften als Brennstoff einbüsst, verwittert und somit nutzlos verloren geht. In den meisten Fällen sollte desshalh die Entsumpfung des Landes mit der Torfgewinnung gleichzeitig vorgenommen werden , so wie letztere dazu beitragen kömite, die Austrocknung grösserer Moorterrains an sich lohnend zu machen, und noch überdies beträchtliche Landstrecken für eine höhere Cultur (als Erlenwald, Feld oder Wiese) zu gewinnen. Auf eine Neubildung oder Regener i rung des Torfes in den ausgebeuteten P'lachmooren des ungarischen Tieflandes ist, wenn man auf den Nutzen von Grund und Boden allein sieht, nicht zu rechnen. Obgleich nämlich alle Stadien der Moorbilduug in den grösseren Sumpfgehieten sich beobachten lassen, so fehlt es an jedem einigermassen verlässlichen Anhaltspunkte, die zu ihrer Entwickelung nöthige Zeit festzustellen. Geologisch sind die ungarischen Flach- moortorfe gewiss sehr junge Bildungen und ihre Entwickelungs- geschichte lehrt, dass sie bei ihrer geringen Mächtigkeit in nicht zu langer Zeit das ursprünglich vorhandene Wasser ausfüllen, ohne über dessen Niveau sich beträchtlich erheben zu können. Andererseits liegen keine Erfahrungen aus Einschlüssen oder direclen Beobach- tungen vor, wie gross diese Zeit selbst ist. Wie lange ein bestimmtes Stadium, wie z. B. die Läpbildung währen muss, um ein Wasser- becken von bestimmter Tiefe zu füllen, ist desshalb gänzlich ungewiss. Untersuchungen über die Torfmoore Ungarns. q\ Es ist wahrscheinlich, dass die Röhrichtmoore unter Umständen sehr lange stationär bleiben, bis sie in Wiesenmoore übergehen. Meistens ist es künstliche Entwässerung, welche diesen Übergang beschleu- nigt. Da im ungarischen Tieflande erst in neuester Zeit Torf gesto- chen wird, so liegen auch keine genügende Erfahrungen aus Torf- stichen vor. Die ältesten Stiche im Baron Sina'schen Torfstiche bei Ottohof im Flansäggebiete sind 12 Jahre alt. Sie sind n\it Rohr- hochwald bedeckt, der einzelne offene Wasserstellen liat und in einer Tiefe von 4 — 5 Fuss im sandig thonigen Untergrund wurzelt. Doch ist bei weitem noch nicht die ganze Tiefe mit Rohrwurzeln erfüllt und es ist nicht abzusehen, wie lange der Rohrhochwald bei unver- ändertem Wasserstande an dieser Stelle sich erhalten wird. Da die Rohrwurzelstöcke nur sehr locker den Raum erfüllen, so ist die Masse des in diesem Zeiträume gebildeten Brennstoffes jedenfalls sehr gering. Viel wichtiger als rascher Torfbiklner tritt hier in diesen Torfstichen ein Riedgras (Carex paludosaj auf, welches in einem lOjälirigen Stiche 20 Zoll tiefe Rasenstöcke bildete, deren dichtes Wurzelgeflecht mit angeschwemmten Moortheilchen innig gemengt eine frischem Fasertorfe täuschend ähnliche Schichte bildete. Die Verwachsung der Torfstiche erfolgt im Allgemeinen ziemlich rasch, so dass im vierten Jahre bereits der ganze Stich mit Schilf und Ried- gräsern bedeckt ist. Alles dies sind aber erst Vorbereitungen zur künftigen Torfbildung und man kann noch nicht daraus entnehmen, in welchem Zeiträume sich wirklicher, hinreichend zersetzter und dichter Torf bildet. Es wird desshalb vom praktischen Standpunkte aus räthlicher erscheinen, die ausgebeuteten Torfgründe in Cultur- formen zu verwandeln, welche einen sichern Ertrag in kürzerer Zeit versprechen. Wo der Grund sieh nicht hinreicbend entwässern lässt, ist die Anlage von Erlenwäldern, die vortrefFiich gedeilien, vor Allem zu empfehlen; in massig feuchtem Morgrund sind Wiesen, in trocke- nem Felder einzuführen. Der Torf der ungarischen Flachmoore eignet sich am besten zur Gewinnung durch Baggern oder bei grösserem Betriebe zur Erzeugung eines aus einer breiartigen Masse durch das natürliche Schwinden beim Trocknen entstandenen Masehinentorfes i)- I^''^ 1) Vgl. über Torfg-ewinnung und Torfveredlung. (Wiener Zeitung, 1860, vom 20. und 21. März.) Sitzb. d. mathera.-naturw. Cl. XLHI. Bd. f. Abth. 6 32 P o k o r n y. Compressionsverfahren erscheint für die dichteren erdigen Torfsorten, zu denen der ungarische Torf gehört, minder passend; so wie über- haupt kostsj)icIigcre Gewinnungsmethoden bei dem oben nachgewie- senen geringen Brennwertli desselben sicli riiclit lohnen. Bezüglich i\e\' Verwendung des ungarischen Torfes ist hier nocli zu erwähnen, dass er besonders reich an Destillationsproducten ist und in dieser Hinsicht vielseitige Anwendung gestattet. Es muss jedoch der Praxis überlassen bleiben das Nähere über die rationellsten und ergiebigsten Methoden der Gewinnung und Verwendung des ungarischen Torfes unter besonderen Localverhältnissen aufzufinden. Hier war es nur die Aufgabe, auf das Vorhandensein grosser Vorräthe von Brennstoff, zum Theil im brennstoffärmsten Theil des Landes aufmerksam zu machen, die Eigenschaften desselben und seine Verbreitung darzulegen und hiedurch zur Verwendung eines sonst nutzlos verschwindenden Brenn- materials aufzumuntern. Die ungarischen Torfmoore im Besonderen. 1. Pressburger Comitat. aj Moor Schur bei St. Georgen i). Lage. Südöstlich von St. Georgen am Fusse der Karpathen in einer Niederung, welche westlich an die Pressburg- Tirnauer Eisenbahn , nördlich an den nach Slavisch - Eisgrub führenden Weg, östlich an die beiden PallfVy'sehen Meierhöfe und südlich an das Gebiet von Weinern grenzt. Der gesammte Moorbodencomplex wird auf 968Katastraljoche geschätzt und führt den Namen Schurwald. Bewässerung. Mehrere Bächlein des Gebirges ergiessen sich an der Westseite des Sumpfes, in welchem sie sich verlieren und an der Ostseite als Schwarzwasser abfliessen. Die dunkle Farbe des letztern rührt hier, wie in allen Mooren, unstreitig von den aufgelösten Humuskörpern des Torfes her. Untergrund. Im westlichen Theil ein grünlicher Lehm mit Glimmer und Quarztheilchen, aus der Verwitterung des benachbarten •) Koi-nluiber, das Moor „Schur" ■ hei St. Georgen in den Verhandiiing'en des Vereines für Naturkunde in Pressbiirg 18:>8, 2. Heft, pag. 29— :$«. — Amtliche Mittheilung'en vom Biirg-ermcisfer der k. Freistadt St. fieorcren. Untersuchungen über die Torfmoore Ungarns. 83 feldspathreichen Granits entstanden. Im östlichen Theil wahrschein- lich Kiesboden oder Schotterlagen. Culturart. Der grösste Theil des Terrains ist mit einem schönen Niederwald von Schwarzerlen bedeckt. Im nordöstlichen Theile findet man Wiesen mit sauren Gräsern (Rustenwiese). Torf. Die durchschnittliche Tiefgründig-keit des Moorbodens im Walde wird auf 4 Fuss geschätzt. Der Erlen-Sumpfwald hat demnach hier, wahrscheinlich wie an ähnlichen Orten eine ziemlich mächtige Unterlage von brennbarer Moorsubstanz oder Torf. Eigent- licher Torf wird jedoch nur an zwei Orten ausserhalb des Waldes angegeben: in dem alten Torfstich in der Nähe des nördlicher ge- legenen PalfFy'schen Meierhofes und auf der sogenannten Rusten- wiese. Der in den dreissiger Jahren eröffnete Torfstich ist gegen- wärtig bereits wieder aufgelassen. Auf der Rustenwiese ist das St. Georger Schwefelbad etablirt, wobei das an Schwefelwasser- stoff reiche Torfwasser benützt wird. Die Ausdehnung dieses Torf- lagers wird auf 4 — 6 Joch geschätzt, die durchschnittliche Mäch- tigkeit auf 3 Fuss, doch wurde in der Mitte auf 6 Fuss noch nicht der Untergrund erreicht. Analysen. Torf vom alten Torfstich nach Dr. Bauer enthält 9-4 Procent Wasser, 32 Procent Asche und hat nach Berthier's Methode einen Brennwerth von 1S80 Wärmeeinheiten. Es wären demnach erst 33 Centner desselben das Äquivalent einer Klafter dreissigzölligen Fichtenholzes. Die analysirte Probe war offenbar nur Halbtorf. Zwei Proben vom Torf der Rustenwiese ergaben: die eine 11 -30/0 Wasser 17-3Vo Asche, 2390 Wärmeeinheiten, oder 22 Ctr. Torf als Äquivalent einer Klafter dreissigzölligen Fichtenholzes, und die andere 11 'So/o Wasser, 15% Asche und 2392 Wärmeeinheiten. h) Moor zwischen Laab und Zankendorf i). Zwei Meilen nördlich von Marchegg, am westlichen Abhänge der Karpathen, dem Stromgebiete der March angehörig. VAn Torf- lager von circa SO Jochen Ausdehnung, welches die Gutsinhabung in Stampfen ohne bedeutende Resultate zu erzielen, im Jahre 1836 eröffnete, bis im Jahre 1846 der Torf sich selbst entzündete und 1) Amtlicher Bericht des Stulilrichteramles Pressliur; 84 P o k o 1- II y. ausbrannte. Gegenwärtig befindet sich eine Wiese mit üppigem Gras- wuchs daselbst. cj Moore auf der grossen Insel Schutt*). Im Stuhlriehteramtsbezirk Szerdahely kommen südlich von Szerdaliely, namentlich in den Gemeinden Värbony und Böüs aus- gedehnte Torflager vor. Das grösste derselben liegt in der Gemeinde Varbony, umfasst beiläufig 400 Joch und liegt in einer Sumpf- niederuiig, dem sogenannten Rudasto an der Hoos-Värbonyer Strasse nördlich von Böös. Es soll 5 — 6 Fuss mächtig und den gi'össten Theil des .hihrcs mit Wasser bedeckt sein. Die Moorsiimpfe der Gemeinde ßöüs werden auf 300 Jocli geschätzt, sind jedoch weniger reichhaltig als vorige. Das gleichfiills auf der Insel Schutt befindliche Torflager von Szäp gehört zum Comorner Comitat (s. dasselbe). 3. Ober-Neatraer Comitat. Hier wird im Szenitzer Stuhlbezirke Torf vermutliet, weil im Jahre 1857 im Burer Walde in der Illawina auf der k. k. Familien- herrschaft Sa SS in (Säsvär) in Folge eines Waldbrandes, der 5 Joch verwüstete, der Boden noch nach 7 Wochen derartig heiss war, dass dünne Holzstücke auf 4 — 5 Fuss in die Erde gebracht, sich bedeutend erhitzten und aus den so entstandenen ÖfTnungen Rauch aufstieg, was auf einen ziemlich tief eindringenden Erdbrand hindeutet. In der Tliat ist der grosse Burer Wald, dessen nördlichster Theil nur das Ober-Neutraer Comitat bei Szenicz, Sandorf und Sassin berührt, durch seine Lage am westlichen Fusse derKarpathen, also eigentlich bereits in derMarchniederung, vollkonmien zur Moorbildung geeignet. 3. Inter-Neutraer Comitat. Nach dem amtlichen Bericht des Comitats-Physicus Dr. Joseph von Nagy kommen hier Torfmoore vor. ay Kleinere Moore in den muldenförmigen Vertiefungen des Gebirges bei Ghymess (nordöstlich von Neutra, vielleicht Hoch- moore). by Ausgedehntere Moore in der Ebene bei Jardoshedgy gegen Neuhäusl. Wahrscheinlich Flachmoore, dem Flussffebiete der ') Ainllieher -üericlit des Stulilrieliteramles Szerdahely. Untersuchungen über die Torfmoore Ung-arns. 85 Neiifra angehön'g und mit den Moorsümpfen der untern Waag bis in die Gegend von Coniorn sich erstreckend. 4. Comorner Comitat. Torflager bei Szäp. Am linken Donauufer, an der Grenze des Pressburger Comita- tes , südlich von Böös gelegen. Dieses sehr interessante Torflager wurde von dem k. k. Strom-Assistenten Karl von Bobics gelegentlich der Skarpirung der Donaiuifer entdeckt und eine Beschreibung des- selben sammt einer Torfprobe eingesendet. Das Lager, welches auf der grossen Insel Schutt liegt und mit jenen bei Böös und Varbony gelegenen eine ähnliche Entstehung gehabt haben dürfte, wurde am Donauufer in einer Länge von 110 Klaftern verfolgt; es scheint sich von Südwest gegen Ostnord zu erstrecken, doch ist seine weitere Ausdehnung unbekannt. Bei klei- nem Wasserslande wurde an mehreren Stellen mit abgemessenen 5 Fuss die Mächtigkeit noch nicht erreicht. Dieses Torflager ist mit einem 6 Fuss tiefen, durch die Donau- ergiessungen abgelagerten Schlammgrunde überdeckt. Es gehört daher jedenfalls einer früheren Bildung an. Der Torf ist nach der eingesendeten Probe vorzüglich. Er ist sehr dicht, von dunkelbrauner Farbe, fest, zeigt beim Zerschneiden lebiiaften Wachsglanz und dürfte, Avas der Bericht des Herrn von Bobics niciit ausdrücklich erwähnt, schon an seiner ursprünglichen Lagerstätte, in einem ziemlich trockenen Zustande sich befinden. Diese schätzenswerthen Eigenschaften erhielt das Torflager durch die mächtige Schlammdecke, welche dasselbe bedeckte und den Torf verdichtete, die Gewinnung des letztern aber nicht lohnend macht. Herr von Bobies bemerkt noch, dass bei der Canalisirung der Insel Schutt an mehreren Stellen Torflager von 1 — 2 Fuss Mächtigkeit, jedoch von geringer Ausdehnung und minderer Qualität vorgefunden worden sind. Moor- und Torfbildungen gingen und gehen daher auf der Insel Schutt häufig in Niederungen vor sich, die ohne schlammigen Überfluthungen ausgesetzt zu sein, hinreichende Wasserzufuhr durch Durchsickerung erlangen, um durch längere oder kürzere Zeit das Gedeihen massenhafter Sumpfvegetationen zu ermöglichen und deren Reste aufzuhäufen. 36 P k o I- II y. 5. Trcntschincr Coiuitat*). a) Kill Torfmoor von uiigefülir 10 Joch beider OrtscliaftCserne, eine Meile nördlich von Czacza in der Nähe des Jitblonka-Passes an der schlesischen Grenze. (Wahrscheinlich ein Hochmoor.) b) Ein anderes in der Gemeinde Trstye, z\\ei Meilen nord- östlich von Illawa. (Fhu-hmoor?) 6. Arva-Taroczer Coniitat -). Das oberste Arva-Thal ist in meilenMeiter Erstreckung mit Hochmooren erfüllt, namentlich in dem Gebiete, welches nördlich von den Ortsclraften Jablonka, Pekelnik, Chisne, Lipnicza, östlich von dem galizischen Czarny-Dunajecz, von Hladovka, Suchahora, südlich von Trsztena, westlicli von Also- und Felsö-Usztya, Slanicza, Klin, ßobrow und Zubrohlava eingeschlossen wird. Dieses Torfgebiet, welches auf beiläufig 6 Quadratmeilen ver- anschlagt werden kann, erstreckt sich über die uiimerklii'he Wasser- scheide der Karpathen östlich nach Galizien in die Thäler der Duna- jec. Es umfasst einen grossen Theil des Flusslaufes der schwarzen Arva und der Szlanna (Szlanicza) und liegt in dem grossen Gebirgs- zuge des Wiener Sandsteines in einer mittleren Höhe der Thaisohlen oder vielmehr Gebirgsterrassen von 18 — 2500 Fuss. Die Moore dieses Gebietes sind echte Hochmoore mit einer ausserordenlich kümiiierliclien Vegetation von Moosen, Flechten, Heidelbeeren und andern kleinern Sträuchern. Ihre Mächtigkeit wird auf 6 — 9 Fuss angegeben. Der Torf selbst ist nach den eingesendeten Proben von vorzüglicher Qualität, theils leichter reiner Moostorf, theils dunkelbrauner sogenannter Specktorf. Eigenthümlich ist es jedoch, dass in manchen Gegenden, wie in den Mooren von Naineszto nicht der Torf, sondern die zahlreichen in demselben vergrabenen Baumstämme zum Brennen benutzt werden. Im Allgemeinen ist die Verwerthung dieser ausgedehnten Torfgründe eine verhältnissmässig sehr geringe, was sich theilweise aus dem Überfluss an Holz und Braunkohlen erklärt. Ausser zum Brennen, wozu man den Torf in 1) Amtliclier Bei'icht der Coniitats-üehörde. 2) Nach den aiuUichen Berieliteii des k. k.-Bezirks- Wundarztes W. Jeit teles inThiirdos- sin, des k. k. ße/.irks- und (Jericlitsarztes Dr. Josef H am m e fs <;li ini d in Unlei- kuhin uikI des k. k. Be/.irksarztes Or. Miklositi^a in Na'ines/.to. Untersuchung'en über die Torfmoore Ungarns. 8*7 primitivster Weise sticht und trocknet, wird derselbe, noch mit Thier- mist vermischt, zum Düngen des sterilen Bodens verwendet. Die nähere Luge und eigentliche Ausdehnung der einzelnen Moore ist unbekannt. Nur bei Nameszto werden von Dr. Miklosiiza zwei Torflager im Hotter der Gemeinden Szlanieza und Klin ange- geben , wovon das eine zwischen ßobrow und Zubrohlawa auf IS Joch, das zweite zwischen Nameszto und Klin auf 4 — 5 Joch, die Tiefe beider auf eine Klafter geschätzt wird. Da diese Gegend bereits von Seite der k. k. geologischen Reichs- anstalt aufgenommen ist, so stehen nähere und sichere Angaben über dieses grosse Moorgebiet in baldiger Aussiclit. (Vergl. S. 60.) 7. Liptaacr Comitat. Nach einer amtlichen Mittheilung der k. k. Comitatsbehörde kommen hier im Stuhlbezirke Sz. Miklos und zwar in den Gemeinden Verbicz (in der Nähe von Sz. Miklos, südlich an der Waag), Stroujan Sz. Kerest (2 Meilen südwestlich), Trjechow, Dubrowa (1 Meile südlich von Sz. Miklos) und namentlich in Proszek (bei Szelnicze nordwestlich von Sz. Miklus) Torfmoore vor, über deren weitere Beschaflenheit noch nichts bekannt ist, deren nähere Untersuchung, namentlich der Torfmoore in Proszek aber sehr erwünscht wäre. Sie sind auch unter dem Namen der Borisümpfe bekannt. Anmerkung. Aus dem Barser, Houther, Neograder und Sohler Comitate so wie aus den Stuhlbezirken Sz. Marlon und Znyo-Varallya im Arvaer Comitate sind von Seite der Behörden negative Resultate bezüglich des Vorkommens von Torfmooren eingelangt. b. Wieselburger, Ödeuburger und Raaber Comitat '). aj Der H a n s ä g - S u m p f . An der Grenze dieser drei Comitate ist das Sumpfterrain des Hansag oder llanysag gelegen. In seiner von West nach Ost sich erstreckenden Längsachse von dem Ufer des Nensiedlersee be lllmltz bis in die Nähe von Leyden und Sz. Miklos an der Raaber Bahn misst dieser Sumpf ö'/j Meile und in seiner grössten Breiten- ausdehnung von Norden nach Süden (etwa von VVüst-Sommerein 1) Nach ämtlichen ;\litthei!iing-en dei- k. k. Statthalterei-Abtheiinng- Ödeniiurg- und eige- nen Bereisungen. 88 P o k o r n y. oder Andau bis Piiszt;i Oszli bei Kapiivär) 2i/s Meile. Nach einer altern aber sehr genauen Karte ij des Hansags beträgt der Flächen- raum des ganzen Sumpfes beiläufig SS.üOO Joch oder bei 9 Quadrat- meilen und selbst nach der neuesten General- und Administrativkarte von Ungarn lässt sich der Sumpf nicht unter 66.800 Joch oder bei- läufig Q^/o Quadratmeilen abschätzen. Der grösste (nördliche) Theil gehört dem Wieselburger Comitat, der südliche Theil dem üdenburger Comitat. Im Osten grenzt der Hansag-Sumpf auch an das Raaber Comitat. Die Grenzen des Hansags sind im Norden das Tegelgebiet von Ilimitz, Apethlan, Pammaggen und Tadteri, sodann die Strasse, die von Tadten bis St. Johann führt; hier biegt die Nordgrenze bedeutend südlich ab, und verläuft zuletzt südlich vom Prädium Kaiserwiese gegen den Hirschbrunnen am Zannegger Wald und den Wieselburger Torfstich. Im Osten wird der Hansag vom Ottohof, dem Gebiete von Puszta Bormasz und Reti begrenzt. Im Süden bildet die Rabnifz über Kapy, Bö-Särkany, Ascalag bis zur P. Földszigeth die Grenze. Von hier dehnt sich das Sumpfgebiet über die Rabnitz bis nach Oszli, P. Ontes und durch den ganzen grossen Kapuvarer Erlenwald bis gegen Agyagos, Szergeni und Sütttör aus. Die Westgrenze bildet der Neu- siedlersee. Com municationen. Der Hansäg kann zu Wagen nur an zwei Punkten der Quere nach, d. h. von Norden nach Süden durchschnitten werden. Zuerst an dem berühmten über eine Meile langen Damm, welchen die Fürsten Eszterhazy von ihrem Stammschloss Eszterhäza nach Pammaggen aufführen Hessen. Dieser Damm gewährt selbst bei hohem Wasserstande einen sicliern Übergang und es führt auch die Verbindungsstrasse von Ödenburg nach Wieselburg am östlichen Ufer des Neusiedlersees über denselben. Eine zweite Verbindung zu Wagen ist bei günstigem Wasserstande zwischen St. Johann und Bö-Särkäny durch die sogenannte Moorrinne möglich. Weit zugänglicher wird das Innere des Hansag durch die grösseren Canäle, deren Schiffbarkeit freilieh sehr vom jeweiligen Wasserstande abhängig ist. Von grösster Wichtigkeit ist die durchaus schiffbare 6— 8 Fuss tiefe Rabnitz (Klein-Raab), welche den Kapuvarer 1) Unter dem Titel : die Gegend von Neusiedlersee bis an die Raab und die Donau in UüKarn mit den Entwürfen zurEntwiisseruna: des Hansa'ffund des Neusiedlcrsees 1826. Untersuchungen über die Torfmoore Ungarns. 3Q ErleriAvald östlich von Kapuvar herabkommend durchschneidet und sich im Walde mit der westlicher herahgelangenden Repze, welche zugleich das Abzugswasser des Eszterhazycaiials und bei Hochwasser Zuflüsse vom Neusiedlersee mit aufnimmt, vereinigt. Der Lauf dieser Flüsse ist gegenwärtig auf weite Strecken hin vollkommen regulirt und dadurch eine vorzügliche Wasserstrasse zum Holztransport nach Raab geschaffen. Von den übrigen Canälen ist nur der grosse Canal vom Torfstich in Ottohof zur Zuckerfabrik Sz. Miklos an der Raaber Rahn und der grosse Haupt-Entwässerungscaiial Nr. 1 in der Mitte des Hansag-Sumpfes von Westen nach Osten verlaufend, schiffbar. Doch hängt bei der schon weit fortgeschrittenen Entwässerung des Sumpfes die Schiffbarkeit des letztern in seinem obersten Theile bei Pamhaggen ganz vom Wasserstande ab. In dem trockenen Sommer des Jahres 18S9 konnte der ganze Hansäg nach allen Richtungen trockenen Fusses durchschritten werden, und nur die Canäle und einzelne mit Rohrwald bewachsene Stellen setzten dieser Art des Durchwanderns unüberwindliche Hin- dernisse entgegen. Bodengestaltung und R ewässerung. Obgleich der Han- sag als der tiefsten Niederung des oberungarischen Beckens ange- hörig, nur sehr wenig über das Niveau des Neusiedlersees (welches zu 61° = 366' über der Meeresfläche angenommen wird) sich erhebt, so ist doch keineswegs seine Oberfläche als vollkommen eben zu betrachten. Abgesehen von der geringen Senkung des ganzen Ter- rains in der Richtung des Hauptcanals und der Rabnitz, welche den Wässern den Abzug gestattet, kommen hier, wie in allen grossen ungarischen Sumpfgebieten, Anschwellungen des Bodens vor, welche trotz ihrer unbedeutenden Erhebung, die in der Regel einige Fuss nicht überschreitet, aus dem eigetitlichen Sumpfterrain und selbst aus den gelegentlich der Hochwässer entstebenden Inundationen merklich hervorragen und bei ihrer oft beträchtlichen Ausdehnung den ununter- brochenen Zusammenhang des Morastes aufheben. Die genaue Kenntniss dieser Rodenerhebungen würde den ange- gebenen Flächenraum des Hansäg-Morastes bedeutend reduciren. Doch berücksichtigen die vorliegenden Karten dieselben noch so wem'g und ungenau, dass nicht einmal eine beiläufige Abschätzung ihrer Ausdehnung möglich ist. Da diese Rodenerhebungen so unbedeutend sind, dass man ihr Vorhandensein meist erst aus der veränderten 90 P o k o r n y. Culturform (Wiese, Hutvveido), die plötzlich im Sumpfe auftritt, erkennt, so ist die Vernachlässigung dieser Torraingestaltung von Seite der Cartographen leicht erklärlich, obwohl diese Erhebungen von ausnehmender Wichtigkeit für das Sumpfgebiet sind und hier eine sehr scharf geschiedene Höhenregion bilden, welche die Beschaffenheit und Benützbarkeit des Terrains gänzlich ändert. Diese Bodenerhebungen heissen im Hansaggebiete ßühle; in anderen Sumpfgebieten werden sie Inseln (szigeth) oder Hügel (halom) genannt. Diese ßühle bestehen theils aus Salzboden (Szikes hier Zick genannt), wie z. B. die Felberhöhe bei Andau, theils aus Thongrund, wie in den meisten Fällen, bisweilen auch aus Schotter (wie z. B. der Eichbühl an der Grenze des Leydner und St. Johantiser Territoriums). Eine ganze Reihe solcher Buhle, so wie überhaupt eine (freilich sehr geringe) ßodenansehwellung erstreckt sich in der Richtung von St. Johann nach Bö-Särkany und theilt den Hansäg in zwei gesonderte Moorbecken von ungleicher Ausdehnung. Das kleinere östliche Moorbecken liegt in dem Viereck zwischen Wieselburg, St. Johann, Bö-Särkäny und Leyden. Es umgibt den Zanecker Sumpfwald und erstreckt sich nördlich vom Wieselburger Torfstich, umfasst östlich die ausgedehnte Leydner Moorwiese und den Torfstich bei Ottohof, geht südlich bis an die Rabnitz in der Nähe von Reti und Kapi und ist westlich von oberwähnter Bodenerhebung, namentlich vom Plum- penbühl beim St. Johannser Wald, vom Flug-, Eich- und Spitzbühl begrenzt. Theilweise setzt sich dieses östliche Moorbecken noch in den Niederungen zwischen genannten Buhlen fort. Die Buhle ent- halten gewöhnlich Ziehbrunnen für das weidende Vieh. In dieses Moorbecken wurden die in der Übersichtskarte des erzherzoglichen Gutes Ungarisch Altenburg (1852 von Herrn Ingenieur C. Markovics herausgegeben) uiiter No. V und VI verzeichneten Canäle geschnitten, um die Entwässerung des nördlichen, zum erzherzoglichen Gute Ungarisch Altenburg gehörigen Theiles zu bewerkstelligen. Hier im Wieselburger Hotter ist auch, etwa eine Meile südlich von Wiesel- burg, der erzherzogliche Torfstich eröffnet. Südlieh von diesem und allseitig von Torfmooren umgeben liegt der grosse Zaneker Sumpf- wald, von welchem sodann der mächtigste Theil des ganzen Moor- beckens sich südlich bis zur Rabnitz ausdehnt. In dem südöstlichen Theil des Moorbeckens liegt der Baron Sina'sche Torfstich bei Otto- Untersuchungen über die Torfmoore Ungarns. 91 hof, von wo ein grosser Canal bis zur Zuckerfabrik Sz. Miklos an die Eisenbahn führt. Das zweite westliche Mo erb ecken ist ungleich grösser und umfasst das Terrain , welches beiläufig von dem Viereck St. Johann, Bö-Särkany, P. Oszli und Taaden eingeschlossen wird. Doch gehört eigentlich auch der grosse Kapuvarer Erlenwald und das Inun- dafionsgeiiiet bis in die Gegend von Süttör und Kapuvar auch noch hieher. Seine nähere Begrenzung ist folgende : Südlich von St. Johann liegen eine Reihe von Buhlen, die mit den früher erwähnten nur eben etwas westlicher sich gegen Bö-Särkäny hinziehen. Es sind der Wali Bühl, Budits Bühl, Schwanenbühl, Veigl Bühl und der Zanter Riegel. Auch der St. Johannser Wald liegt höher und trocken, während der östliche St. Peter und der westliche Moorwald sumpfig sind. Zum Theil zwischen den genannten Buhlen zieht sieh ein ehemaliger Zufluss der Rabnitz , die Moorrinne, jetzt durch den Canal Nr. II ersetzt und entwässert hindurch. Das eigentliche Moor- und Torf- terrain beginnt aber erst beim Canal Nr. III, der den sehr charak- teristischen Zanter Riegel durchschneidet und den Torfstich bei St. Johann berührt. Von hier erstreckt sich nun ein ungeheures gleichförmiges Torfterrain durch den St. Johannser, Andauer und Taadener Hotter bis zum Lobler See, welcher auf einer Boden- erhebung liegt. Die Nordgrenze des gegenwärtigen Sumpfes ist überall bedeu- tend zurückgewichen. Man erkennt die Spuren in den geringen Nie- derungen überall leicht an den abgestorbenen Rasenstöcken (Zsom- bek). Auch ragen hie und da merkliche Buhle wie z. B. die Felber- hühe bei Andau hervor. Eine Eigenthümlicbkeit sind ferner in diesem nördlichen Theile die zahlreichen Wasserbecken, welche jedoch gleichfalls im Verschwinden begrifTen sind, wie der Gareis - See, Dorfsee, Taadenmarsch und die Rundlacke. Letztere ist gegen- wärtig mit einer dichten Rasendecke völlig geschlossen, der Boden schwingend, in einer Tiefe von 2' noch sehr wässerig und mit feinem Moorschlamm erfüllt. Aus der Tiefe dringt starker Geruch nach Schwefelwasserstoff. Die Oberfläche der Rundlacke liegt 3 Fuss tiefer eingesunken unter dem das kreisrunde Becken umgebenden Moorterrain. Die Sondirung ergab in der Lacke selbst nur feinen Moorschlamm, keinen Torf. Westlich vom Lobler See gegen Pam- maggen erstrecken sich an der Nordseite des Hauptcanals nur Zsom- 92 P o k o r n y. bek-Moore, trockene Hutweidon und selbst schon Felder an Stellen, wo noch vor 30 — 40 Jaliren Höliric-Iit stand. An der Südseite des Haupt- canals befindet sich aber jetzt noch Röhricht und Rohrwiesen und zuletzt höchst ausgedehnte Zsombek-Moore bis zumEszterhazy-Dannn. Dieser kann als die Westgrenze des hier beschriebenen Moorbeckens betrachtet werden. Jenseits des Dammes bis zum Nensiedlorsee, nördlich bis Illmitz und Apethlan, südlich bis Schrollen (Sarröd) dehnt sich in der Niederung das ausgedehnte Röhricht ans, welches in den letzten zwei Jahren der Schauplatz der Verwüstungen der Zug- und Wanderheuschrecken war. Auf dem grossentheils gegen- wärtig trockenenTegelgrunde dieses Terrains wurde keinTorf beob- achtet, wesshalb dieser Thei! des Hansags hier nicht weiter zu betrachten ist. Die Südgrenze des eigentlichen Moorbeckens geht bis in die Nähe von Süttör, Szergeny und Agyagos. Auch der ganze grosse Erlenwald steht auf Moorgrund bis zur Puszta Öntes und Oszli. Öst- lich vom Erlenwald setzt sich das Moorterrain bis zur Puszta Föld- szigeth fort, dann macht aber die Rabnitz die Südgrenze bis Rösär- kany für dieses Moorbecken, sowie im östlichen Becken des Hansags bei Kapi und Reti. Der natürliche Zufluss der Gewässer in dieses westliche Moor- becken des Hansags erfolgt hauptsächlich von Süden durch die bedeutenden W^assermengen, welche die Rabnitz bei Kapuvär, so wie die weiter westlich fliessende Repze bei Szergeny, endlich die Ikva unterhalb Endred dem Sumpfgebiete zuführt. Auch das Hochwasser des Neusiedlersees dringt in seltenen Fällen jouseits des Eszterhazy- dammes. Gegenwärtig ist durch die Regulirung der Rabnitz und Repze, so wie für den nördlichen Theil des Sumpfgehietes durch den Hauptentwässerungscanal Nr. 1 (Fö csatorna) die vollständigere und raschere Ableitung der Gewässer in solchem Grade bereits erzielt worden, dass grosse Theile des Sumpfes, namentlich die nördlich vom Hauptcanal liegenden, bleibend trocken gelegt sind und auch sonst nur bei Hochwässern Inundationen eintreten. Durch diese Canalisi- rung, so wie durch die Trockenheit der letzten Jahre ist sogar der mit so vielen Sagen geschmückte Königs -See (Kiraly-tn) in dem an der regulirten Rabnitz gelegenen Theil völlig ausgetrocknet. Cultur fo rmen. Durch die seit 30 Jahren ausgeführten Ent- wässerungsanstalten hat die Oberfläche des Sumpfgebietes sich so Untersucliiingen über die Torfmoore Unfjarns. 93 bedeutend geändert, dass sie nur wenig den Schilderungen aus früheren Zeilen gleicht. Eigentlich unzugängliche Stellen gibt es, wenigstens bei niedrigem Wasserstande, fast gar nicht mehr und in Folge dieser leichtern Zugänglichkeit und der eingetretenen grössern Trockenheit hat sich auch die Benützbarkeit des Bodens allenthalben gesteigert. Während am Nordrande der Ackerbau immer weiter um sich greift, hat das Röhricht, welches ehedem die einzige Nutzung im Innern des Sumpfes bot, allenthalben besserem Graswuchs weichen müssen, wie dies die weit ausgedehnten Wiesen im Leydener, Wieselburger, St. Johanner Hotter und überhaupt im ganzen nörd- lichen Theile des Haiisäg beweisen. Die fruchtbiirslen Wiesen liegen hier überall auf Torfgrund , welcher gegenwärtig eben nur mehr so viel Feuchtigkeit besitzt, um den üppigen Graswuchs zu befördern. Die trockenen Stellen der Buhle, so wie die Zsombek-Moore werden als Hutweiden benützt. Noch gibt es im Gebiete des Hansags ausgedeiinte Wälder, unter welchen der den südlichsten Theil des Sumpfes einnehmende fürstlich Eszterhäzy'sche grosse Erlenwald der wichtigste ist. Es ist dies ein Hochwald von Schwarzerlen (^Alnus glutinosa) und Birken (Betula alba) gebildet. Auch der kleine Erlenwald bei Puszta Föld- Szigeth und der grosse Seewald am Königsee enthalten hochstäm- mige Bäume von Erlen. Sonst liegen noch im Sumpfterrain der Moorwald in der Moorrinne, der St. Peter- Wald und der Zanegger Wald , welcher letztere der bedeutendste ist und hauptsächlich Pappeln (^Populus trenmla und canescensj , aber auch Eichen und mancherlei Mischholz enthält. Der übrige Theil des wilden Hansags, so weit er nicht Wiesenland oder Röhricht ist, wird oft von kleinen Buschweiden (^SalLv cinerea und repens) auf weite Strecken hin bedeckt. Eigenthümlich sind noch einige Erlenwäldchen, die als Niederholz betrieben, nur durch Stockausschlag sich verjüngen. Torf. Im Hansäg sind bisher nur an drei Punkten eigentliche Torfstiche (überhaupt die einzigen im ganzen ungarischen Tiefland) erölTnet. Der grösste Torfstich beflndet sieh bei Ottohof im Leydener Hotter und gehört zur Baron Sina'schen Herrschaft Sz. Miklös. Die beiden anderen Torfstiche gehören zum erzherzogliehen Gute Unga- risch-Altenburg; und zwar liegt der grössere davon am Nordrande des Zanegger Waldes in der Nähe des Hirschbrunnens (Szarvasküt) 94 '* " •' " '" " y« bei Wieselhurg , der kleinere über bei St. Johann, zwischen dein Schwanen-Bühl und Zanler Riegel. Der Torfstich des Herrn Bar o n Sina von Ottoliofbei Sz. Miklos im Leidener Hansag umfasst in seiner gegenwärtigen Begrenzung einen Flächenrauni von 600 Joch Torfboden. Er wurde 1849 erüfTnet. befindet sich aber erst unter der Verwaltung des Herrn Friedrich E gerer in einem regelrechten Betrieb. Zur Heguli- rung des Wasserstandes so wie zum Transport des Torfes ist ein System von Canälen angelegt, welche einerseits mit dem zur Zucker- fabrik Sz. Miklos führenden grossen SchifTlahrtscanal , andererseits mit dem Herzogscanal und der Rabnitz communiciren. Durch diese Canäle lässt sich der Wasserstand im Torfstich während des Betriebes im Sommer beliebig senken, während des Winters zur gehörigen Durchfeuchtung des Grundes aber heben. Das Terrain bildet ein von Canälen begrenztes und durch- zogenes Rechteck, in welchem in regelmässigen Abständen zuerst die sogenannten Materialgruben und sodann an diese anschliessend, die eigentlichen Stiche (Formen) eröffnet werden. Der angrenzende Plan dient zum Trockenfeld, der Materialgraben zur Aufnahme des Abraums. Im Torfstich zu Ottohof wurde bis 1859 nur gewöhnlicher Bagger- und Stichtorf erzeugt und an der Luft getrocknet. In den Jahren 1854 — 1856 betrug die jährliche Ausbeute 100.000 Cent- ner, steigerte sich jedoch später auf 5 — 600.000 Centner. Die Mächtigkeit dos Torflagers beträgt durchschnittlich 5 Fuss, die grösste Tiefe 7 Fuss. Der Untergrund ist ein bläulicher Thon oder auch Sand. Der Torf ist in seiner obersten Schichte schwarz, erdig, plastisch, beim Trocknen bedeutend schwindend und dicht; er wird hier Pechtorf genannt. Nach abwärts wird er immer lichter, zeigt deutliche Zusammensetzung aus Pflanzentheilen, namentlich aus flachen, papierartig zusammengedrückten Resten von Schilf und hat getrocknet ein geringeres Volumen und Gewicht als der obere Torf. Man nennt ihn hier auch braunen und rothen Fasertorf, letzteren wegen seines üblen Geruches nach Schwefel wasserstttff auch ironisch Vanilletorf. Über die Eigenschaften und den Brennwerth dieser Torf- sorten ist ohnehin im allgemeinen Theil (S. 75 — 78) gehandelt worden. Die ausgebeuteten Stiche sind zum Theil mit Schwarzerlen und Weiden bepflanzt, grösstentheils aber sich selbst überlassen wor- üiitersiichting-en iil)er dii! Torfmoore Ung'ains. 95 den. Im letzteren Falle bedecken sie sieh bereits im 4. Jahr mit üppig wucherndem Schilfrohr und Riedgräsern, deren Reste neue Torfschichteii zu bilden im Stande sind. Doch sind die hier erölTne- ten Stiche noch zu jung, um bereits eine wirkliche Regeiierirung von Torf bemerken zu lassen. Die bisherigen Ausfüllungen mit Pflanzentheilen , unter welchen besonders die Wurzcistöcke eines Riedgrases (Care.v ydlndosa) , das in 10 .Jaliren ein dichtes \N'ur- zelgeflecht von 20 Zoll Höhe hildete, hervorzuheben sind, können höchstotis als vertorfte Pflanzen erst betrachtet und verwendet wer- den. Inwiefern eine Benützung derselben als Brennstoff lohnend wäre, und zu einer etwaigen Cultur der torfbildenden Pflanzen füh- ren könnte, muss künftigen Versuchen und Beobachtungen vorbehal- ten bleiben. Der Torfstich im Wie sei burger Hotter, welcher gegenwärtig durch die erzherzogliche Verwaltung ausgenützt wird, ist vom Orte selbst 3/4 Meilen in südlicher Richtung entfernt. Das Torflager umfasst 250 Joch und liegt am nordöstlichen Ende des Hansags. Trotz der Entwässerungscanäle erzeugt schon jedes mittlere Hochwasser der Donau und Rabnitz in diesem Torf- lager Aufstauchwasser, welches über die Grasnarbe steigt und die Torfgewinnung erschwert. Es wird hier hauptsächlich Stichtorf erzeugt und nur wenig gebaggert. Die Erzeugung betrug : 18S4 iSS.») i8S6 Stichtorf . . 3,154.500 5,146.500 7,063.400 Baggertorf . 298.080 580.500 489.000 Zusammen . . 3,452.580 5,727.000 7,552.400 Stück Torfziegel , von denen circa 1300 Stück als Äquivalent einer Klafter weichen Holzes von 3 Fuss Länge gelten. Der Kostenpreis pr. Tausend stellte sich durchschnittlich auf 1 fl. 26 kr. C. M. Gegen- wärtig werden circa 10 Millionen Torfziegeln erzeugt, und theils in der Zuckerfabrik, theils in der Ziegelei von Wieselburg verwendet. Die Mächtigkeit des Torfes ist hier verschieden und wechselt von 2 — 5 Fuss Tiefe. In den anstossenden Zanegger Wiesen, be- sonders in dem südlichen Theile des Zanegger Waldes ist der Torf stellenweise über eine Klafter mächtig. Über Eigensciiaften und Brennkraft dieses Torfes vgl. S. 78. 96 P o k o r n y. Der ei-zli er 7,0 Pouche Torfstich bei St. Johann liegt 1/3 Meile südlich von St. Johann und gehört in seiner Ausdehnung von 80 Jochen dein nördlichen Rande des llansags an. Er ist seit 1843 im Betriehe und gegenwärtig bereits fast völlig erschöpft. Der brauchbare Torf ist hier nur 18 — 36 Zoll mächtig. (Vgl. S. 78.) Versuchsweise ist auch auf den fürstlich Eszterhax y 'scheu Herrschaften SüttÖr und Kapuvar in den hiezu gehörigen Theilen des Hany Torf von vorzüglicher Qualität gestochen worden. Nach einer amtlichen Mittheilung der fürstlichen Güterdirection zu Eisensfadt erstreckt sich dieses Torflager über den grössten Theil des beiläufig 9000 — 10.000 Joch beiragenden herrschaftlichen Hany's und besteht aus 2 Schichten, von welchen die oberste I1/3 bis 3 Fuss mächtige als gut ausgebildet , die untei e 4 — 6 Zoll starke als schwammig und unreif geschildert wird. Unstreitig besteht hier wie im ganzen Hansag die untere Schichte nur aus Schilfresten (Lap), welche überall einen lichteren aus Fasern und Blättern zu- sammengesetzten Torf geben , der aber ebenso verarbeitet und ver- werthet \verden kann, wie der oben liegende amorphe Torf der Wie- senmoore. Noch wird erwähnt, dass das Wasser wegen Mangels an Gefäll nicht abgeleitet werden kann , was die vollständige Ausbeute hindert und die Wiederurbarmachung der ausgetorften Stellen un- möglich macht. Jedoch dürfte auch dieses Hinderniss nicht unüber- windlich sein und die ausgebeuteten Stellen Hessen sich, wenn auch nicht unmittelbar in Felder und Wiesen , so doch in Culturen von den hier vortrefflich gedeihenden und nutzbringenden Erlenwäldern umwandeln. Was nun den Umfung des eigentlichen Torfterrains im ganzen Hansäg betrifft , so muss das kleinere östliche Moorbeckeu auf mindestens 6600 Joch geschätzt werden, wovon auf den Torf- stich bei Ottohof und den Leydener Holter etwa 4000 Joch, auf den erzherzoglicben Anlheil, namenllich auf das Torfmoor westlich vom Zanegger Wald , am Canal Nr. VI etwa 1600 Joch, dann auf das Torfterrain südlich vom Eichbübl etwa 1000 Joch kommen. Das grosse östliche Moorbecken hat in seinem nördlichen erzherzog- lichen Antheile zwischen dem den Zanter Riegel durchschneidenden Canal Nr. 111, dem Hauptcanal, Lobler See, Garreis-See und der Felberhöhe allein schon mindestens SOOO Joch, während der Torf- grund im südlich vom Hauptcanal gelegenen Theile nicht unter Uiitersucliiingeii iilier die Torfmoüie Ungarns. 97 10.000 Joch angenommen werden kann. Hiebei sind die Erletiwälder nnd hlosscn Rolirsünipfe mit llalhtoif nicht eingerechnet. Nach dieser massigen Schätzung beträgt das Torfterrain des Hansägs bei 22 Tausend Joch. Nimmt man die mittlere Mächtigkeit nur zu 3 Fuss, so ergibt sich hieraus eine Masse von 17,600.000 Kubikklaftern gewinnbaren Torfes , welcher selbst bei Annahme einer mittleren Reduction auf 28*6 Procent, = -^ des ursprüng- lichen Volumens, wie sie durch genaue Versuche gefunden Murde, noch immer 5,033.600 Kubikklafter trockenen Torfes gibt, was bei einem specifischen Gewicht von 0-678 für eine Kubikklafter luft- trockenen Torfes 8024-8 Pfund und daher für das ganze Quantum eine Masse von 404,935.829 Centnern liefert. bj Andere Torfmoore im Raab er Comitat. An der Moorrinne, welche westlich von Martinsberg von Nagy Ecs bis gt'gen Asszonyfä sich erstreckt, werden einer ämtlichen Mit- theilung zu F'olge in den Gemeinden Ecs und Ravazd kleine Torfmoore angegeben. Ebenso in der i^/-, Meile von Ravazd westlicher gelege- nen Gemeinde Kajär, hier wahrscheinlich an der Moorrinne von Kis-Pecz in der Nähe der daselbst befindlichen Mühle. 9. Veszpremer Comitat. Im Vespremer Comitat liegen zwei grössere Complexe von Torflagern; an der nord\\ estlichen Grenze des Comitats die Mar- czalsümpfe, an der südöstlichen zwischen Palota und Üsi der Anfang des Sär-ret-Sumpfgebietes, welches zusannnenhängend im Stuhl- weissenburger Comitat behandelt werden soll. Am Marczalfl usse werden hier in den Gemeinden Külsö- Vath, Egerallya, Adorjänhäza, Gergely, Marczaltö, Also- und P'elso- Görszöny Torflager angegeben. Nach eigenen Untersuchungen sind im ganzen Marczalfluss- gebiete die tiefsten Stellen theils mit Torf, theils mit anderen Moor- producten erfüllt. Die einzelnen Parcellen sind jedoch oft weit von einander getreimt und von keiner beträchtlichen Ausdehnung, da die grössten nach einer oberflächlichen Schätzung nur hundert Joch umfassen. Auch hier liegt der Torf gewöhnlich unter fruchtbaren Moorwiesen, selbst unter Hutweiden. Gleich bei Marczaltö in südwestlicher Richtung gegen Egyhäzas-Keszo befindet sieb eine Sitzb. d. inatheni.-natui-vv. Cl. XLUl. Bd. I. Abtli. 7 98 P o k o 1 n y. ausgedehnte Wiese, wo die Sonde erst in 8 — 11 Fuss Tiefe den s;indigcn Untorgrund erreichte und wo durchschnittlich 5 Fnss guter Torf anzunehmen ist. Hingegen wurde in der Rlclitung gegen Gör- szöny, so wie hei diesen Orten ;tn anscheinend sehr günstigen Localitüten nur Moorwiesen ohne Torfhihlung bemerkt. Der Torf ist daher entweder hier durch spätere Überschlernmungen ziemlich tief vergraben, oder das täuschende Aussehen der schwarzen Moorerde hat die Angabe von Torf veranlasst. Überhaupt deutet die weite Ver- breitung der schwärzesten mit Wasserschnecken vermischten Moor- erde in der Gegend von Acsad eine grosse Ausdehimng der Rloore in der Umgebung des Tapolcza-Baches in früherer Zeit. Ein grosses Torflager liegt in der Thalmulde bei Högyesz in südwestlicher Richtung gegen Szergeny, wahrscheinlich aber auch nördlich gegen Szelmczeje Puszta sich foi'tsetzend. Die Sonde erreichte an manchen Stellen seihst bei 12 Fuss noch keinen Unter- grund. Durch Gräben ist ein Theil des Torflagers, das theils als Wiese, theils als Hutweide benützt wird, aufgedeckt. Der Torf ist leicht, faseiig und von lichtbrauner Farbe. Bei Szergeny ist die sumpfige Thalmulde von einem Damm durchschnitten, über welchen die Strasse nach Vinar führt. Theils Rohrwiesen, theils Rohrwälder bedecken hier das Torfmoor, welches sich hier olfenbar noch in einem jüngeren Entwicklungsstadium befin- det, als die am unteren Lauf des Warczal betindlichen, namentlich das bei Högyesz. Diese Rohrformation erstreckt sich bis Külsö- Vath. Ganz ähnlich sind dann die Verhältnisse bei Adorjanhaza und Egerallya. 10. Zalacr Coniitat. In diesem auTorfuiooren reichen Comitale ziehen sich iniNorden die torfhältigen Marczal sümpfe bis in die Gegend von Sümeg. Hier breitet sich im Südwesten des Marktes eine weite Moorebene aus, welche aber gegenwärtig schon ganz trocken gelegt und in fruchtbare Äcker umgewandelt ist. Doch dürften noch hie niid da Torfparcellen mit Moorerde abwechselnd anzutreflen sein. Nach einer amtüclien Miltheilung werden in diesem Sumpfge- biete in den Gemeinden Csab Rendek, Rigacs, Megyes, Szegvar und am Kigyos viz in den Gemeinden Sarosd und Galsa Torfmoore von beiläufig 88 Joch Ausdehnung angegeben. Olfenbar ist letztere Untei'sueliungen iilier die Torfmoore Uiig'ariis. yiy Angabe zu niedrig; da die ganze Gegend, so z.B. auch beiHany am Kigyos moorig ist und kleine Zsombeknioore seihst in dem wellen- förmigen Terrain gegen Devecser in ehemaligen Wasseransamm- lungen allenthalben vorkommen. Ausser den Marczal-Torfmooren, deren Wässer nach Norden und zuletzt in die Raab tliessen, besitzt das Zaiaer Comitat noch ähnliche Systeme von kleinen Torfmooren an Bächen, welche ihr Wasser theils dem Plattensee, theils dem Murflusse zusenden, so namentlich am Szee (Szea oder Sar?) viz zwischen Zaia Eger- szeg und Nagy Kapornak und am Zalafluss, südlich von Szt. Groth- Mezövaros liegen. Die grössten Torflager des Comitats liegen jedoch am Platten-See. Die Torfmoore der erwähnten Bäche sind noch wenig bekannt. Wahrscheinlich sind alle tieferen Stellen der seichten Thalmulden mit Torf und Moorproducten erfüllt. Bisher werden nur im Paesaur Stnhlbezirke Torflager in den Gemeinden Pölöske, Szt. Andras, Bucsa, Szt. Tämas, Sandorhaza und Hetes in einem Gesammtum- fange von 1270 Joch angegeben. Auch in der Gemeinde Gross- Kanisza findet man am Kaniszaflusse Torfmoore von unbekannter Ausdehnung. Ganz ähnlich ist die Thalmulde des unteren Zaiaflusses süd- lich von Szt. Groth-Mezövaros bis zu seinem Einfluss in das Moor- becken von Balaton Hidveg , so wie des mit ihm parallel nur durch einen schmalen und niedrigen Bergrücken getrennten Baches bei Keszthely reich an Torf. Hier finden sich in den Gemeinden Zala, Sz. Läszlo und Gyülevecz Torflager von 139 Joch und in den Gemeinden Karmäcs, Vindornya-Fok, Vindornya-Lak, Szanto, Tomaj und Keszthely Torflager von 3S46 Joch Ausdehnung. Nordwestlich von Keszthely, etwa i/o Meile liegt in einer Moormulde das Warmbad Heviz. Der Grund des reinen Wassers ist mit feinem Moorschlamm erfüllt, so dass das Bad ebenfalls zugleich als Moorbad benützt wer- den könnte. Überhaupt finden sich in ungarischen Mooren aufstei- gende bald wärmere, bald kältere Quellen nicht seifen, deren Wasser mit den in diesen Torflagern überall verbreiteten Zersetzungsgasen geschwängert ist. Doch wird ausser bei Keszthely nur noch im Schurmoor bei Pressbnrg eine nützliche Anwendung zu Bädern gemacht. Dieses Warn)bad ist von einem mächtigen Torflager um- geben, dessen guter Torf bisher noch nicht benützt wird. 7* 100 P o k o r n y. Die Tor fm ore des Plattensees liegen Iheils am Rande des Sees, tlieüs in eigenen geschlossenen Becken. Solche Haiulnioore sind in der Regel sclmial, ^egeri das Wasser einen R(ilir,mirlel, gegen das Land zn {Vnchtbare Wiesen bildend. Im Zalaci- Comitat kann man sie am westlichen Ufer des Plütten- sees hei Bala ton-Fü r ed , enlwiekelter jedoch in der nöidliclien ßuci)t der Halbinsel Tihany, in den Gemeinden Aszofö und Tihany beobachten. Ihr U/nfang wird hier nnr auf etwa 10 Joch geschätzt. Die Sonde ergah an der Grenze des Rolirw aldes, so weit nämlich noch gemäht wird, eine 3 Fuss mächlige Schichte von Rohruurzcln (Lap), darunter Schlamm und in 5 Fuss Tiefe bereits festen Thon- grund. In den schöneti Moorwiesen gegen Aszofij liegt jedoch bis 5 Fuss niäclitiger erdiger Torf. Der kleine von Rohr umgürtete See in dem Krater bei Tihany zeigt in der Umgehung ziendich tief Moorerde, aber keinen Torf. In dem interessanten Becken von Tapolcza, aus welchem die Berge von Szigliget und der Sz. György hegy inselartig sich erheben, werden in den Gemeinden Szigliget und Hegymagas Torf- lager von 200 Joch Ausdehnung angegeben. Ebenso sind bei Köveskalla, llenye und Sz. Bekalla kleinere Torfmoore er- wähnt. Die grössten Torf- und Moorbecken des Plattensees befinden sich am südlichen Ufer desselben. Es sind zwei völlig von einander geschiedene Becken, von denen das eine südlich von Keszthely gele- gene noch zum Zalaer Comitat gehört, während das östlichere Becken bei Kethely in der Somogy liegt. Das M r b e c k e n von Keszthely ist im Norden von der Strasse nach Csali, im Westen von der Fortsetzung derselben über Sarmellek, Egenföld , Balaton Hidveg nach Balaton Magyaröd, im Südosten von der h^isenbahn, die vom Plattensee bei Balaton Bereny über Vörs, Fönyed gegen Kis Komarom geht, endlich im Nordosten von der Strasse, die von Keszthely über Fenek nach Kethely führt, begrenzt. Alle diese Strassenzüge sind nämlich am Rande des sum- pfigen Moorbeckens in bereits erhöhtem Teriain angelegt. Durch die Bodenanschwellung zwischen Keszthely, Puszta Uj major und Fenek, ist dieses Becken vom Plattensee völlig geschie- den, mit dem es gegenwärtig nnr durch die Dammbrücke bei Fenek selbst zusammenhängt. UnlersiK'hiingoii iiticr die Torfmoore Ungarns. 101 Gespeist wird (l;\s Moorbeckeii vorzüglich diircli die; Zuflüsse (los Hiiclies, der vom W;u'ml)ad Heviz lierahkomint, dann vom Sz. AiaLu.sei' Dacli, von dem Zalafluss, der liei Balaton-Hidveg ein- iriüiidet und von dem von Süilen her längs der Comitatsgrenze sich erstreckenden Halar-arok hei Fiiszta Kapolna. In seiner ganzen ursprünglichen Ausdehnung umfasst dieses Moorhecken bei 11.000 Jocli oder über eine Quadratmeile. Ein gros- ser Tlieil im Innern ist noch eine otlfene Wasserfläche, die eine Fort- setzung des Plattensees bildet. Die nördliche moorige Niederung, welche sich von Csali bis zu diesem Wasserbecken erstreckt, ist durch Canalisirung grösstentheils trocken gelegt, ebenso die Moor- fläche, welche südlich bis gegen P. Kapolna und Balaton Magyarod sich ausdehnt. Die Torflager der Gemeinde Balaton Magyarod werden allein auf 2000 Joch geschätzt. Eine nähere Untersuchung ergab in den Wiesen bei Csali nur Moortlion; hingegen bei Sarmeliek beiindet sich da, wo die Kraut- äcker beginnen, 6 Fuss tief guter Torf in weiter Ausdehnung. Hinter dem bei der P. Libuj gelegenen Eichenwäldchen kommt man zunächst in ein Zsombekmoor, wo der torfige Untergrund kaum 3 Fuss beträgt. Verfolgt man von Balaton Hidveg den Zalafluss bis in das Innerste des Moorbeckens, so findet man allenthalben mehr oder minder mächtige Torflager. In den hohen und dichten Rohrwäldern daselbst zeigt die Sonde, dass hier überall mindestens 4 — 6 Fuss tief, Schilftorf (Läp) liegt. An den Orten, wo gemäht wird, ist das Ver- bältniss noch günstiger; am günstigsten aber in einzelnen Moorwie- sen, die an der Obei-fläche vortreffliches Heu liefern und auf einer Unterlage von 9 Fuss tiefen guten Torf ruhen. Diese Moorwiesen grenzen am rechten Zaia-Ufer gleich unmittelbar an den Rohrwald an; hingegen am linken Ufer ist die Lapbildung vorherrschend. Auch im Innern des Wasserbeckens (Balaton) liegen grosse Rohrinseln, der Kerek-Lap und Lik von ähnlicher Beschaffenheit. Diese sumpfige Moorniederung zieht sich südlich, abwechselnd mit thonigen Anschlemmungen bis zur P. Kapolna, wo ein Streifen Erlenwald auftritt und endigt beiläufig an der Stelle wo der Eisen- bahndamm den Hatar-ärok überschreitet. Die Eisenbahn hält sich bereits in höherem Terrain und durchschneidet nur hie und da kleine Zsombekmoore . wie zwischen Fönyed und Vors. Der östliche Theil des Moorgebietes beginnt tnit Rohr, welches in festem Thongrund ^ 02 I' o k o r n y. wurzelt, ohne Tori' zu Itildeii. Docli fiiuleii sich aueli hier gegen Feniiyek locale Bihlungen von Zsoinhckmooren. Der (jesiinimtunifiing der im Zaiaer Cornifale vorkoinrnenden 'rorfinoore heträgt nach einer aintliclien Schätzung 72öG Joch, eine Ausdehnung, welclic in der Wirklichkeit gcnviss viel hedeulendi'r isl. 11. Somogyer Coniitat. Hier liegt zunächst das zweite grosse Moor hecke n hei Kel h el y am südlichen Ufer des Plattensees. Es ist durcl-i einen schmalen Streifen erhöhten Landes vom Plattensee völlig geschieden und hat zalih-eiche olVene Wassei^tlächen (Spiegeln) in seinem Innern. Es erstreckt sich nördlich von Balaton-Keresztnr his zur Pnszla Fonyod, südlich his zur P. Sari hei Kethely , ferner östlich his Tot S/,. Pal und Fkizsak. Im Westen wird es von den Bergrücken des Biuo-hegy , im Osten von den Höhen zwischen P. Fonyod und Lengyeltoti begrenzt. In dieser Ausdehnung umfasst dieses Moorbecken mindestens 20.000 Joch oder 2 Quadratmeilen. Ein Torflager von vorzüglicher Qualität befindet sich im Be- sitze des Grafen Hiinyady bei der P. Sari in einem Umfange von ungefähr 17.00 Joch und 3 — 6 Fuss mächtig. Nach den einge- sendeten Proben gehört der Torf zu den besten Sorten, die im un- garischen Tieflande angetroffen werden. Übrigens enthält nach einer Becognoscirung längs des Nagy-Canals auch der nördliche Tlieil des Moorheckens zwischen Balaton- Keresztur und P. Fony()d aus- gedehnte bis 6 Fuss mächtige Torflager, welche hie und da durch thonige Bodenanschwellungen unterbrochen sind. Diese Moore sind obernächlich meist mit Zsombek bewachsen und dienen als Hutweiden. Der südliche Tlieil des Moorbeckens ist fioch sehr wässerig. Die zahlreichen grossen olfenen Wasserlachen sind blos mit Wasser- pflanzen, die keinen Torf bilden, bedeckt. Ihre Tiefe beträgt 2 i)is 4 Fuss Wasser , darunter 2 Fuss Schlamm. Diese Wasserlachen werden von BohrwäUlern umgeben, die auf einer bis 4 Fuss mäch- tigen Schichte von Bohrwurzeln (La|)) ruhen. Es zeigt sich daher auch hier die Erscheinung, dass die gegenwärtig bereits trockenen Bänder des Moores den besten und meisten Torf besitzen. Ausser diesem grossen Moorbecken findet man an den Ufern des Plattensees in der Somogy nur kleine Böhrichtmoore am Rande des Sees, -SO bei Boglär , Leile und ÖsziUl. Untersuchungen über die Torfmoore Ungarns. 103 Noch wer(l(>n im Somogyer Comitat sehr ausgedehnto Torfmoore in den Goinoinden IJarcs und Daraiiy aiiiiegebeii, abt-r als unreif bezeicliiiet. Eine nähere Untcrsiichung könnte allein darthiin, in wiefern diese Nachrichten gegründet sind, da sonst über diese Torf- lager nichts bekannt ist, die grossen Diausümpfe für Torfbildung im Allgemeinen als günstig erscheinen, und über die Qualität und Ver- wendbarkeit des in Ungarn fast ganz unbekannten Torfes leicht unrichtige Ansichten entstehen können. 13. Toluacr Comitat. In den längs des Ka pos -'Canales gelegenen Thalwiesen ent- stehen durch die von Bauern und Hirten gemachten Feuer nicht selten Hoderibrände, woraus auf das Vorhandensein von Torf daselbst ge- schlossen wird. Wahrscheinlich ist hier ein ähnliches Moorthal wie am Sär viz im Stuhlweissenburger Comitate. 13. Baranyacr Comitat. Im Dardaer Bezirke existiren kleine Turflager an der Donau, welche bis jetzt nicht für betriebswürdig gehalten wurden. 14. Eisenborgep Comitat. Ans diesem Comitate sind keine Turflager bekannt. Nur in den Bezirken Nemet Ujvär, Güssing und Vasvar (Eisenburg) wird deren Vorhandensein vermuthet, wesshalb weitere bezügliche Nach- forschungen eingeleitet wurden. 15. Pest-Piliser Comitat 9- In der tiächsten Nähe der Stadt Pest liegen eim'ge kleine Torf- lager am Bakosbache und in dessen Nähe, ja selbst im Stadtwäld- chen, wo die Mächtigkeit bis 6 Fuss angegeben und die Qualität als vorzüglich bezeichnet wird. In den Jahren 1842 — 1843 bat der Bildhauer Ferenczy Torf aus dieser Gegend zum Schmelzen von Statuenbronzc nu't Vortheil verwendet. Herr Prof. Dr. .1. v. Szabo bat diese Torflager, die in einer Längenau>delinung von etwa einer Meile hie und da vorkommen, auf seiner geologischen Karte von Pest angedeutet und im Texte beschrieben. Durch Prof. Dr. A. Ker- •) Dieses und ilie folgenden Comitate des eliemaligen Pest-Ofner Vimu allungsgebietes sind nacl) amtliclieri QiieUen, eigenen Bereisungen und den .Alitttieilungen der Herren Prof. Dr. A Kerner in Ofen und Hr. .1. v. S z a h ö in Fest beschrieben. I 04 P o k o r n y. ner ist das Torflati^ei' in der Niihc des Gartons von Dr. Polya an der Waitzner Eisenbahn näiier bekannt worden. Es gleicht gänzlich den Wiesenmooren bei Moosbrunri nächst Wien und ist noch nicht ganz ausgebeutet worden. Die Näiio einer grossen Stadt dürfte die gänz- hclie Ausbeutung dieser kleinen Torfhiger lohnend machen und ich verweise hiehei auf den allgemeinen Theil, der über die Auffindung und Benützung solcher Torfe handelt. Die Moorbildung im Rakosfelde war in früheren Zeiten weit ausgedehnter , als gegen^^ artig , wie die weite Verbreitung der schwarzen mit Süsswasscrschnecken vermischten Monrerde beweist. Ein grosser Theil des gebildeten Torfes ist durch Austrockuuug und Urbarmachung wieder verloren gegangen, ohne benützt worden zusein. 16. Pest-Solter Comitat. Am westlichen Abhang der Sandhügel und des Sandplateaus, welclie als die letzten Ausläufer des Cserhät-Gebirges nach Süden die Wasserscheide zwischen der Donau und Theiss bilden, liegt eine grosse Anzahl von mitunter bedeutenden Torflagern, welche von dem Wasser des saudigen Hochterrains gespeist werden und meistens den sogenannten Zsombekmooren angehören, die in Ungarn nirgends so grossartig auftreten, wie hier. Man kann sie von Ocsa, ihrem nördlichsten Punkt in einer Längenausdehnung von 17 — 18 Meilen, bis an die Grenze des Banates bei Baja verfolgen. Die Breite dieses Sumpfgebietes, des P est-SoI ter M oorterrains, ist varia- bel, durchschnittlich 1000 Klafter. Einzelne solche Torfmoore finden sich übrigens hier wie im ganzen ungarischen Tieflande in den Mulden des Sandterrains zer- streut vor, so z. B. schon das von Kerner bei der Puszta Gubacs nächst Soroksär beobachtete und jetzt trocken gelegte Zsombekmoor. Das erwähnte grosse Sumpfgebiet aber erstreckt sich nach Prof. Szaho in nordsüdlicher Richtung durch die Hotter folgender Ort- schaften: Ocsa, Sari, Adacs, Peszer, Kun-Szent-Miklos, Szahad- szälläs, Fülöpszälläs, Akasztö, Szont kiiäly, Kalocsa, Keczel, Czä- szartöltes, Hajos, Nadudvar, Sükösd, Csanäd, Szentistvän (bei Baja) bis zur Donau. In den nördlicheren Ortschaften nennt man die Torf- lager Turjäny, in dem südlichen Örieg. Nach einer amtlichen Mitlheilung wird der Flächenraum der Öriegmoräste im Kalocsaer Stuhlbezirk allein auf 18.000 Joch Untersuchungen über die Torfmoore Ungarns. lOö berechnet. Im Kis Köröser Stiililbezirke werdon in der Gemeinde Akaszto 37 Joch, in Acs und Ökerdi l)ei Akasztu gegen 1000 Joch und in Izsak Torflager von unbestimmter Ausdehnung angegeben. Die eingesendeten Proben von Aes-Ükerdi sind theils blosse unver- brennliche Mooreide, Iheiis Zsombek -Torf, zu welchem letzteren aucii die Proben von Akaszto und Izsak gehören. Unstreitig enthalten die ausgedehnten Moräste daselbst auch bessere Torfsorten, welche aus Unkenntniss bisher nicht bemerkt und benutzt worden sind. Jedoch scheinen grosse mächtige und zusammenhängende Torflager diesem Sumpfgebiete zu fehlen. Noch wird im Pest-Soiter Cornitat im Nagy-Köröser Hotter auf der Hutweide daselbst ein mehrere Joch grosses Torflager, Szur- dok genannt, augegeben. Die eingesendete Probe ist Wiesentorf von guter Qualität. Nähere Angaben fehlen. 17. Stuhlweissenburger Comitat. Iii diesem Comitate treten die Moore theils ;im Velenczer See, theils im sogenannten Sar-ret bei Stubiweissenburg auf. Der Velenczer See (Velencze To), dessen Oberfläciie nach der Generalkarte auf beiläufig eine halbe Quadratmeile geschätzt werden muss, ist ganz mit einerMenge von Bohrinseln bedeckt, die grössten- theils nur durch schmale Canäle von einander getrennt sind. Nach Süden setzt sieb der See bei Puszta Dinnye's als moorige Niederung weit gegen Seregelyes fort. Die Piobrinseln bestehen, wie nähere Untersuchungen gelehrt haben, aus compacten 4 — 51/3 Fuss tiefen Massen von Hohrwurzeln, welche scharf begrenzt mauerförmig vom Grunde des seichten Wassers bis über die Oberfläche desselben emporragen. Selbstverständlich bilden diese Massen einen brerm- baren Körper, eine Art Torf, welcher nach erfolgter Aiistrocknung des Sees leicht gewonnen werden könnte. Es ist aber schon an einem andern Orte 1) hingewiesen worden, dass der unfruchtbare Boden des Sees, aus Tlion und grobem festen Sand bestehend, welcher selbst das Bohr zwingt eigentbümliche Wachsthumsverhältnisse an- zunehmen, eine gänzliche Austrocknung des fisch- und vogelreichen Sees, wie sie beabsichtigt wird, kaum als lohnend erscheinen lässt. Die moorigen Niederungen bei Dinnyes gegen Seregelyes sind ^) S. Wiener Zeitung vom II. Februar 1860, |>. 608. 106 Pokoriiy. noch nicht iijiher iintorsiiclit , (hiiften ahor Torf von giilcr Qualität enthalten. Der Sar-ret be i S tn h 1 wei ssenbiirfj^ hestcht ans einem grossen jetzt trocken gelegten Moorhecken und hängt mit einer hin- gen, ahcr sclimalcn Heilie von kloinen Mooren znsammen, welche längs (le.s Sar-viz-Canals angetrotfen weiden. Muthmas>lich setzt sich diesesSystem längs der ganzen Thalmulde desSar-viz his in'sTolnaer Coniitat bei Szegzärd und his zum Einfluss des Sar-viz in die Donau bei Batla fort. Namentlich ist die Donauinsel Ozsäki Tö und die angienzeiide Gegend einer nähereu Untersuchung zu emprehlen. Mir ist nur der eigentliche Sär-ret bis in die Gegend von Egres an der Grenze des Tolnaer Comitates aus eigener Anschauung be- kannt, wobei der Vorstand des Sar-iet-Canalvereines , Herr Gral Ferdinand Zioliy mich freundliclist begleitete. Das grosse Moorbecken bei Stuliiweissenhtn-g beginnt an den Mauern der Stadt und erstreckt sich in seiner Längenausdehnung westlich bis nacli Palota und Ösi im Veszprimer Comitate. Im Süden wird es von den Ortschatten Sar Ladany, Kis Keszi und Sar Szt. Mi- haly begrenzt. In dieser Ausdelinung umfasst es einen F'läcbenraum von beinahe 2 Quadratmeilen. Seine Zuflüsse kommen aus dem Ba- konyer Wald, theils aus der Gegend von Moor, Iheils von Veszprim. Während der Sar-ret in früheren Zeiten ein tbeilweise unzugäng- licher Sumpf war und mau noch jetzt beim Ökeritö-to die Stelle zeigt, wo König Mathias fischte, ist derselbe durch die Canalisirung fast ganz trocken gelegt. Ein Theil in der Nähe der Stadt ist in Ackerland umgewandelt, wozu die schwarze, mit zahlreichen Süss- wasserschnecken verun'schte Moorerde ^ich vorti'etTlich eignet. Der grösste Theil des Sär-rets wird aber als Wiesenland beniilzt. Man suchte hier, ähnlich wie im Laibacher Morast, den 'rorfhodeii durch Abbrennen fruchtbarer zu machen, und dies dürfte der (irund sein, warum der Torf hier verhältnissmässig nicht mächtig und sehr ungleich vertheilt gefunden wird. Sehr viel trägt hiezu die natür- licbe Unebenheit des Bodens bei, welche Vei anlassung zur Bildung zaldreicher sogenannter Inseln, Anschwellungen des thonigen Unter- grundes, gibt. Endlich ist noch zu erwähnen, dass gegenwärtig bei Hochwasser die trüben, schlanunigen Flutiien der Canäle das Land weit und breit mit einem weissen Schlamm bedecken, welcher zu den sterilsten Bodenarten gehört, so dass nur die zähesten Moor- Untprsiidiiingeii über die Torfmoore Uiiffarns. 107 pHiiiizen (eine Art Riedgras, Cladlum Mariscus) eine soielie Über- sciileiiiniuiig aushalten, wäiirend auch sonst keine neuen Pflanzen an diesem Boden sich ansiedeln. Eine Recognoscirnng dieses Moorbeckens von Szent Mihaly aus ergab in den westlicheren und südlicheren Theilen ausgedehnte Strecken, welclie noch gegenwärtig 5 — ^6 Fuss Torf von guter Qualiljit besitzen. Das abgebrannte Terrain in nördlicher und östlicher Kicbtung liegt auffallend tiefer und hat nirgends mehr als 2 höchslens 3 Fuss Torf, ist daher kaum abbauwürdig, und dies um so weniger, als es zum grossen Theile auch überschlennnt ist. Nur eine sehr specielle Auf- nahme mit zahlreichen Sondirungen verbunden, könnte die noch gegenwärtig vorhündenen abbauwürdigen Torflager genauer bt-zeich- nen und es wäre um so dringender, sie bald einer Benülzung als Brennstoff zuzuführen, als sonst der ungarische Torf, wenn er lange trocken gelegt ist, leicht sich in eine bröckelige, erdige unbrennbare Masse verwandelt. Sowohl die Eisenbahn, welche nach Moor geht, als auch jene, welche nachKanizsa führt, durchschneidet den Rand des grossen Stuhl- weissenburger Moorbeckens. An der ersteren kann man in den Gräben, welche den Eisenbahndamm begleiten, sehr schön die Bildung der Inseln beobachten. Sie bestehen hier aus einem Sand, der durch ein kalkiges Bindemiltel verbunden ist und sind mit 1 — 2 Fuss schwar- zer Moorerde bedeckt, während auf den tiefern Stellen ein Torflager ruht, das die Gräben mit braunem Torfwasser erfüllt. Am Eisenbahndamm, der nach Kanisza führt, ist beiSzabad Bat- tyän ein schmales aber langes und wie es scheint sehr gleichförmiges Torflager durchschnitten, welches mindestens 5 Fuss guten Torf enthält. In der Wiese oberhalb des Schlossgartens vonSzabäd Bathyan ist der Torf unbedeutend nur 2 — 3 Fuss mächtig. In der Tbalmulde des S är - viz - Canals kommt der Torf nur parcellenweise hie und da in Lagern von 100 — 120 Joch und von sehr verschiedener Mächtigkeit und Qualität vor. Im Allgemeinen liegt er nicht an dem im böhern Terrain angelegten Särviz-Canale, sondern westlich am Malom Csator (Mühlcanal). So wird in der Wiese bei der Mühle zu Kaloz 3 — 6 Fuss tief Torf angetroffen, während bei Kis-Hörcsök eine Letteninsel durchgeht. Bei Hätvän wird die seichte Toi'fmulde durch eine Insel unterbrochen; auch ist hier in der Nähe des Hauptcanals durch Brand der Boden gesenkt. (Vgl. S. 70.) Südlich 108 •''>!< " '• " y. von ()rs findet man zwischen (Umi holden Canälen wieder Strecken, wo der Torf li — 7 Fuss rniichtiü;' ist. 18. Szolnoker Coiiü at> In der Niilie von Tisza-Ugh (siidlicli von Szohiok) entdeckte Herr Prof. Szaho ein Torfmoor von etwa 200 Joch Flächenraum. Es bihlet sich fortihmernd am Fusse eines ausgedehnten Sandph\teaus und ist nur mit niederen Siim|)f|iflanzen bedeckt. 19. Heveser Coinitat. Aus diesem Comitat sind keine Torfmoore bekannt. Nui- bei dem Dorfe Hakta (westlich von Erhui) wurden von Prof. Szabo bereits im Gebirge zwei durch einen schmalen Sandrücken getrennte Teiche beobachtet, von denen der kleinere mit Sumpfpflanzen filzarlig schon so dicht bewachsen war, dass die Decke einen Menschen trug. In 2 Fuss Tiefe strömt Wasser hervor, in 4 Fuss Tiefe wurde die untere Grenze der Mächtigkeit nocli nicht erreicht. 30. Borsoder Comitat. Nach einer amtlichen Mittheilung sind hier Im Csather Stnlil- bezirk an der Theiss Turfmoore in den Gemeinden Tisza Kürth und Nemcs Bik (nordöstlich von Csäth) und in den Gemeinden Baba, Papi und Igriczi (nördlich von Csäth), ferner in der Gemeinde Csäth seihst. Die eingesendete Probe stammte aus einem Zsombekmoor, welche also hier vertreten sind. Im Stuhlhezirk F^deleny werden im Gebirge östlich und nord- östlich von Edeleny in den Gemeinden Damak , llegymeg und Lak Torfmoore aufgeführt. Die eingesendelen Proben bestanden jedoch nur aus einem stark eisenhaltigen Fjehni, welcher mit Pllanzenwur- zeln durchzogen war. Das Vorkommen ist daher zweifelhaft. 21. JaKiglcn und Hninaiiicn. Im Stuhlbezirke Kelegyhäza soll nach einer amtlichen Mittheihing bei der Puszta Sz. Läszlo (2 Meilen südwestlieh von Felegy- häza) ein Tortlager vorkommen. Da diese Gegend zu den Sandplateaus gehört, so ist das Vorkommen von Zsombekmooren daselbst sehr wahrscheinlich. Untersuchungen über die Torfmoore Uufiarns. 1 QQ In Gross-Ktimanien hat sich die HofTiiung in dem ausgedehnten Siuiipfyohiet des llortohagy Sarrel ci-gii-bigc Toi-flagor anfzuliiiden, nicht bestätigt. Die Eisenbahn durchschneidet zwischen Karezag und Püspök Ladiiny einen Thcil fies Moores aber weder nördlich gegen Sz. Agota im Berecz-Feneker Morast und bei Asszonyszalliis, noch südlich im sogenannten Kun-Lapos und dessen Umgebung sind eigentliclie Torflager zu linden. Fiibenso wenig hat eine Excnrsion von Kis-Uj- szallas nordiJsth'cli in die ehemaligen Siimpfniederungen von Gyalpar und Hallas zur Entdeckung von Tortlagern geführt. Es konmit hier allenthal!)en höcbstens zur Bildung' von Halbtorf der aus Rohrwurzeln besteht, reichlich mit Schlamm gemengt an manclien Stellen 1 — 1 y„ Fuss mächtig ist und eben noch brennt, ohne aber pyrotechnisch nur einig ermassen namhaften Nutzeffect zu gestatten. Das schlannnige Innndationswasser, womit diese Moore zeitweilig (zuletzt bei der grossen Überschwemmung 18S5) gespeist werden, und der starke Salzgehalt des zähen Lehmbodens sind hier das Haupthinderniss der Torfbildung. Bei Kis-Uj -Szallas waren die Gründe nach Angabe des Herrn Apothekers Hollemann 1836 ebenso trocken und als Äcker bestellt, wie 1859; die in der Zwischenzeit bestandene Überschwemmung bewirkte jedoch nur die Bildung von niedrigen Rohr-Zsombeks in dem zähen festen Boden und seichten schlammigen Wasser. Aus dem Graner und Csongrader Comitate sind bisher keine Torfmoore bekannt geworden. 22. B^kes-Csanäder, Nord- and Süd-Biharer Comitat. aj Das Särret Sumpfgebiet. Das grösste Sumpfgebiet Ungarns, an den drei Flüssen Horto- bagy, Berettyo und Sebes Koros gelegen und mit dem allgemeinen Namen Särret bezeiclinet, umfasst einen Flächenraum von beiläufig 30 Quadratmeilen. Es gehört zum Theil auch Gross- Kumanien an und wurde desshalb hier schon erwähnt. Der südwestliche Theil liegt im Bekes- Csanäder Comitat (Stuhlbezirk Szeghalom); der nordöstliche Theil im Nord-Biharei- Comitat (Sluhlbezirk Püspök- Ladany) und der südöstliche im Süd-Biharer Comitat und zwar in den Stuhlbezirken Mezo Kcreszies und Szalonta. Gegenwärtig ist jedoch ein grosser Theil dieses Sumpfgebietes durch die Theissregulirung und durch die Eindämmung und Canalisirung des Berettyo und der j 1 P o k o r 11 y. Körösflüsse vor neuen liminlationen geschützt und dadurch trocken gelegt. Durch geringe BodtMianscluvelkingen wird dieses Sunijifgehiet in drei grosse gesonderte Moorhecken getheilt, in deren Centruni Füszes Gyarmath liegt. Der neue Berettyo Ableitungscaual zwischen Bakonyszeg und Szeghiilom trennt das südöstliche Moorhecken, Sebes Koros Siirret Mocsarok genannt und die von l^'üszes Gyarmath über die Puszten Csefan, Ilarang, Ösveny und Bucsa nordwestlici» sich «M'streckende Bodenerhebung trennt das nördliche Moorhecken. den Berettyo Sarret Mocsai'ok, von dem grossen siidwestlidien Moorbecken, Mcichos zwischen Füszes Gyarmath und Tui- keve liegt, keinen besonderen Namen führt, im Innern sehr unzugänglich und unbekannt ist, dabei eine Längenausdelinung von mindestens 4 Meilen besitzt. Durch geringe Bodenerhebungen, welche sich ferner in der Richtung von Szerep nach Puszta Bucsa und Puszta Ecseg hinziehen, werden die Sär retje hei Püspök Ladtiny und die Hortobagysümpfe bei Karezag und Kis Ujszallas von den genannten drei Moorbecken geschieden, mit welchen sie nur durch sogenannte Er, alte mit Rohr erfüllte P'lussbeete und einzelne kleinere mit Bohr bewachsene Sumpfstellen (Läpos) zusammenhängen. In diesen findet man nur Halbtorf oder Zsombek. Die grossen Moorbecken jedoch haben als die tiefsten Stellen des Terrains bleibende Wasseransammlungen, welche mit einer torf- bildenden Moorvegetation erfüllt sind. Diese besteht aus schwingen- den Decken von Rohrwurzelti , Lap oder Lupös, die zum Thcil schon die ganze Mächtigkeit des Moorbeckens ausfüllen und an der Ober- fläche mähhai-e Wiesen enthalten unil dadurch eine festere Unterlage abgeben. Man nennt sie desshalb Inseln und da sie bei Hochwasser merklicii gehohen werden, hält man sie für schwimmend, welcher Ausdruck jedoch nicht verleiten darf an eine hoi'izontale Foi'thewe- gung derselben zu denken. Eiine solche N'errücknng ist nur in sehr wasserreichen Moorbecken und auch hier nur bei verliältnissmässig kleinen Partien der Moordecke möglich. Diese im klaren braunen Moorwasser sich bildende schwingende Decke oder Läp gibt im trockenen Zustande einen sehr guten reinen aber lockeren und schwammigen Torf. Nach einer aus dem Berettyo Sarret Mocsarok zwischen Füszes Gyarmath und Nagy Bäjom mit- Uiitersiiehiiiigeu iiliei- die Torfmoore Ungarns. 111 geiiomineiipu im Liiboratorium des k. k. polytechnischen Institutes in Wien iiiialysiiten Probe hiit dieser Torf nur 13"2 Pereent Wasser und 11-3 Asche hei einer lleizkraft von 2396 Wärmeeinheiten. Er gehört daher xu den besten Torfsorten des ungarischen Tieflandes. Hiebei ist zu bemerken, dass nicht nur die erwähnten Insehi oder mähbaren Wiesen, sondern überhaupt die ganze llohrmasse des Moorbeckens denselben Torf, jedocli in einem nocli mehr aufgelockerten Zustande entliält. Sehr häufig wird derselbe dalu^r als unreif bezeichnet, da er noch aus den wenig veränderten Hesten der Rohrwurzeln besteht. Über die Mittel denselben zu verdichten muss hier auf den allge- meinen Theil verwiesen werden, (Vgl. S. 74.) Das Moorbecken des Berettyö Sarret Mocsarok, welches nördlich von Füszes Gyarmath liegt, ist am genauesten be- kannt und auch durch den Canal, der nach Nagy Bajom führt, am leichtesten zugänglich. Längs dieses Canals zeigt das Moorbecken die grösste Gleich- förmigkeit in einer Breitenausdebnungvon 1 1/3 Meile. Zahlreiche Son- dirungen sowohl auf den schwingenden Inseln (Lap), (vergl. S. 68), als auch im Röhricht ergaben erst in einer Tiefe von 8 Fuss festen thonigen Untergrund. Die Torf- und Rohrdecke darf durchschnittlich auf S — 6 Fuss veranschlagt M'erden. Darunter befinden sich 2 bis 3 Fuss schlammiger Grund. Unter den Inseln ist die Torfdecke dichter als im Röhricht, im Allgemeinen aber auch hier noch sehr locker. Die schwebenden Inseln sind genau vermessen und auf Prof. Szabö's Tbeisskarte eingetragen. Die grössten, wie der Katalap, Földläp haben 50 — 60, loch, die kleineren, wie der Hamuläp, Csukalap, Furjan u. s. f. etwa 30 Joch Fläche. Ohne Zweifel vergrössern sich diese als Wiese benutzten Strecken allmählich und durch eine Senkung des Wasserspiegels würde das ganze Moorbecken ein ähnliches Aus- sehen erhalten und dabei der bereits gebildete Scliilftorf sich ver- dichten. Die in diesem Moorbecken vor sich gehende Torfbildimg ist nämlich in jenem Stadium begriflen, in welchem der Rohrwald das Becken schon ziemlich ausgefüllt hat und nun in Wiesenmoor, welches auch noch und zwar besseren compacteren Torf bildet, übergebt. Die grosse Ausdehnung dieses Moorbeckens und seine Lage mitten im baumlosen Fhichlande in der Nähe der drei Theisseisen- bahnen lässt dasselbe als besonders wichtig erscheinen. Der Antheil 112 P o k o r n y. der gräflich Blankenstein'sclien Faiiiilio heträgt allein 1 1 .088 Jocli. Die grosse Gieichfünnigkeit desseli)en spricht für eine weitere Aiis- deiinuDg in die benachharten Gemoindehotter. Gegen Bajom, etwa Ya Meile vor diesem Orte ninunt die Mäcchtigkeit allmählich ah. Das braune, aber reine und durchsichtige Moorwasser tnibl sich, der Torf geht in Halbtorf iiber und zuletzt hört im schlammigen Sumpf jede Torlbiidung auf. Die Ausbeutung dieses Moorbeckens würde vor Allem eine (nicht zu bedeutende) Senkung des Wasserspiegels und die hiedurch hervorgerufene Überführung und mohrjährige Benützung des Ter- rains als \\'iesenland bedürfen. Nach erfolgter Ausbeutung wäre die Anlage von Erlenwäldern in dem noch immer feuchten Grunde drin- gend zu empfehlen. Wird dieses Moorbecken ohne Entwässerung sich selbst überlassen, so wird es in einem längeren Zeitraum von selbst in ein \Viesenmoor übergehen und eine um so grössere Masse von Torf sich aufspeichern. Durch piölzliches und gänzliches Ent- wässern aber wird die Torfbildung unterbrochen und es miisste der trocken gewordene Torf bald unmittelbar als Brennstoff ver- wendet werden, weil er sonst leicht verwittert und in eine erdige Masse sich verwandelt. Solche trocken gelegte Torfmassen, die unmittelbar zur Verwendung als Brennmaterial benutzt werden können, hat Herr Professor Szabö auch wirklich am Berettyo in der Nähe von Bakonyszeg entdeckt. Hier konnnt zwischen dem Dorf und Fluss an einer Stelle, welche Lapkaszällo (Läpwiese) heisst, ein Torflager von mehreren Joch Ausdehnung und einer Mächtigkeit von mindestens 6 Fuss vor. Der Torf ist vortrefflich, nur an einigen Stellen durch schwarze schlammige Erdschichten unterbrochen. Ehedem wuchs Rohr an dieser Localität; durch die Canalisirung des Berettyo wurde diese trocken gelegt und verwandelte sich in einen Wiesengrund. In der Nähe befindet sich ein zweites trockenes Torf- lager, aber nur 1 Fuss mächtig. An einer andern Stelle, welche mit dem Namen eges (Brand) bezeichnet wird, sah Professor Szabd eine durch ziegelmeblartige Torfasche ausgefüllte Vertiefung, welche von dem Brande eines Torflagers im Jahre 1836 herrührte. Diese Thatsachen beweisen, dass auch der nördliche Band des Beretlyu Sarret mit Torfbildungen erfüllt sei, welche durch die Ent- sumpfung des Terrains zum Theil schon trocken gelegt sind. Ahn- liche Bildungen, so wie noch vegetirende Läp kommen mit grosser Uiitersiichiiiig'cii üher ilie Torfmoore Ungarns. 113 Wahrscheinlichkeit auch noch in dem Hotter der Gemeinden Rabe, Bäjom, Udviir, Szerep uud Piispök Ladany vor. Das zweite Mo orbecken im Südosten von Füszes-Gyarmath, der Sebes Koros Sär-ret Mocsarok ist wahrscheinlicli noch ergiebiger an Torf. Das Centrum des Beckens liegt zwischen den Ortschaften Csökniö, Komädi und Vesztö. Von letzterem Orte aus besuchte Prof. Szabo dasselbe und fand hier in der Gegend vonTo- sziget (specieller „a koesagos Paldan") einen Lap (schwebende Insel) von etwa 600 Joch Ausdehnung. Man benützt diesen Läp als Wiese und Hutweide und Canäle erlauben eine leichte Verbindung. Es wurden Toifproben bis aus einer Tiefe von 4 Fuss gesammelt; wie gewöhnlich bestanden die unteren Torfschichten nur aus Rohr- wurzeln. Die Mächtigkeit muss sehr bedeutend sein, da man mit einer 2 Klafter langen Stange den festen Untergrund noch nicht erreichte. Ausser diesem grossen Lap gibt es noch mehrere kleinere im Sar-ret der Sebes Koros. — Von der Gemeinde Csökmö wurden Proben eingesendet, die aus einem Zsombekmoor herrühren. Das un benannte Moorbecken im Westen von Füszes- Gyarmath, das man seiner Lage nach Bekeser Stir-ret nennen könnte, ist wahrscheinlich ebenfalls mit Lapbildungen erfüllt. Es ist ganz mit Rohr bewachsen und selbst in der nächsten Umgebung unbekannt und als unzugänglich geschildert, so dass es mir nicht gelang, von Norden in das Innere einzudringen. Herr Prof. Szabo hat von der Puszta Ecseg , also von der Westseite aus, in Gesell- schaft des Herrn Apothekers Bollemann die Gegend „Kep" genannt, besucht und bestätigt die Identität der hiesigen Moorbildung mit jener im nordöstlichen Särret-Gebiete. b) Andere Moore dieser 3 Comitate. Im Nord-Biharer Comitate soll nach einer amtlichen Mittheilung im Hotter der Gemeinde E r-Mihälyfalva (Stuhlbezirk Dioszeg), etwa 6 Meilen östlich von Debreczin ein ziemlich ausgedehntes 1 '/, Fuss mächtiges Torflager vorkommen. Die eingesendete Probe besteht aber nur aus eisenhaltigem Lehm, der von Pflanzenwurzeln durchzogen ist, daher das Vorkommen des Torflagers zweifelhaft erscheint. Doch dürften Zsombekmoore in dieser Sandgegend hie und da zu finden sein. Durch die gefällige Mittheilung des Herrn Prof. Dr. A. Kerner in Ofen sind im Süd-Biharer Comitate mehrere Hochmoore von Sitzb. d. matheni.-iiüturw. Cl. XLIII. Bd. I. Ahtli. 8 I I ;^ I' O U O r II T. gössen» wissenschaftlichen Interesse an der Grenze von Siebenbürgen im Queliengebiete des Szamos beiiannt geworden. Unterhalb der Petra-talhariuliij bei Oncesa liegen in einem von Kalkgebirgen gebildeten Thale drei kleine echte Hochmoore auf der aus Sandstein gebildeten Thalsohle, jedes einige Joch im Flächenraum. Ein grös- seres Hochmoor von 20 — 30 Joch Ausdehnung liegt in Valea Gro- pili, ebenfalls im Quellengebiet der Szamos. (Vergl. S. 61.) 23. Szabolczcr Coniitat. Nach eingesendeten Proben kommen im Amtsgebiete des Nagy- K Ji 1 1 e r und N y i r e g y h a z a e r Stuhlrichteramtes Torfmoore vor, die theils Zsombektorf, theils bessere Sorten von Rohrtorf enthalten. Über ihre nähere Lage, Ausdehnung und Mächtigkeit ist nichts bekannt. Das grosse Sandgebiet dieses Comitates besitzt in muldenför- migen Vertiefungen zahlreiche zum Theile sehr ausgedehnte Zsoni- bekmoore. Auf dem Wege von Debreczin nach Nagy-Käroly finden sich die grössten derselben zwischen Lugos und Nyir-Beltek, und zwar zwischen Hügelreihen, die von dem sterilsten Flugsande gebil- det werden. (Vergl. S. 71.) Inwiefern das grosse Sumpfgebiet des Stuhlbezirkes Kis-Värda . an der Theiss torfhältig ist, ist unbekannt. Die Wahrscheinlichkeit spricht dafür, dass es ähnlich dem gegenüberliegenden Hosszü-Ret reich an ergiebigen Torflagern ist. 24. Szathmurer Couütat. Hier liegt in der Nähe von Nagy-Käroly an der Kraszna der grosse Ecseder Sumpf (Ecsedi-Läp), welcher nach der General- karte gegenwärtig noch 4 Quadratmeilen bedeckt. Er soll erst in verhältnissmässig neuerer Zeit durch die Überschwemmungen der Kraszna an einer Stelle entstanden sein, wo früher mehrere Dörfer gestanden sind und viele Sagen von versunkenen Kirchen und Schlös- sern knüpfen sich an diese Gegend. Der Sumpf wird in Kürze bei der Regulirung der Szamos durch Canalisirung der Kraszna trocken gelegt werden. Er wird dann nicht nur der Cultur zugeführt, sondern auch bezüglich seiner Torflagci- ausgebeutet werden können, während er jetzt nur Rohr, etwas Erlenholz, Fische und Wild liefert. Der Ecsedi-Läp , welcher bei höherem Wasserstand ausser- ordentlich schwer zugänglich ist, wird jetzt von der Kraszna, welche Uiifprsiieliiiiig-eii über dio Torfmoore Ungarns. 1 1 I> bei Kis-Majteiiy eintiilt und bei Ecsed den Sumpf verlässt, gespeist und durcb ihr trübes Wasser tbeiivveise verscblemmt. Parallel mit der Kraszna gebt ein Canal am nordöstlicben Rande des Sumpfes in der Richtung von Bagos nacb Tyukod und Ecsed. Diese Wasserwege werden aufboren, wenn, wie projeetirt, die Kraszna von Kis-Majteny nordwestlich bei Sälyi in die Szamos geleitet wird. Die Überführung des Terrains aus dem gegenwärtigen Robrwald in Wiesenland wird die näcbste Folge dieser Ableitung sein. Hier, wie in allen grösseren Sumpfgebieten treten mitten im Sumpfe öfters kleine Hügel auf, welche bisweilen nur 2 — 3 Fuss über den höchsten Wasserstand bervorragen und nur einige Quadrat- klafter Oberfliicbe baberi, wäbrend sie in anderen Fällen bedeutend grösser sind. Sie besteben hier meist aus Sand, seltener aus Thon und sind oftenbar Fortsetzungen des bügeligen Terrains der Umge- bung. Auf einem solchen Hügel findet man Reste von Ziegeln zwischen Ecsed und Väliaj (Sär-var genannt), als Spuren eines ehedem hier bestandenen Gebäudes und der Hügel selbst dient als Getreidefeld. Bei Kaplony werden dergleichen kleine Hügel zu Ausflügen und Ruhe- plätzen mitten im Sumpfe benützt. Was nun den Torf anlangt, so ist dieser sehr ungleichförmig im Sumpfe vertheilt. Beträchtliche Strecken sind gänzlich torflos; an anderen ist der Torf durcb Überscblemmung tbeils verdeckt, theils verunreinigt. Doch gibt es auch weite Flächen, die einen ergiebigen und regelmässigen Abbau gestatten \a ürden. Im Allgemeinen ist die nördliche Seite des Sumpfes ergiebiger an Torf, als die südliche. Unmittelbar bei Ecsed, auf der Strasse nach Tyukod ist der Moorgrund mit Thon überwiegend vermengt und wird als Hutweide benützt. Verfolgt man den Kraszna-Canal stromaufwärts, so beginnt erst an der Grenze des Tyukoder Hotters das eigentliche Torfterrain in der Art, dass zunächst am Canal nur schwarzer Moortbon, in eini- ger Entfernung Zsombekmoore und noch weiter vom Canal entfernt Schilfmoore und Erlenwälder auftreten, (Vgl. S. 68.) In beiden letzteren geht der Torf 5 — 6 Fuss tief und in 8 Fuss Tiefe wird erst der thonige Untergrund gefunden. Das Innere des Laps besteht hier abwechselnd aus Erlenwald, Rohrwald und Zsombek. Erst gegen Tyukod beginnen einzelne Rolirwiesen (Lap). Die Sonde ergab auch hier bis in eine Tiefe von 6 Fuss rötblichen, übelriechenden Scbilftorf und erst in 8 Fuss Tiefe den thonigen Untergrund. In den trockengelegten Moor- I 1 (5 P o k o r n y. gründen bei Tviikod werden aussorordeullicli üppige Culturen auf Torfboden gezogen. Aucli am Rande des Sumpfes zwiseben Ecsed und Vallaj, in der Gegend des Sar-vi'tr gibt es mitten im Robre einzelne mäbbare Wiesen (Ldp), vvelcbe sebr übereinstimmend 3 Fuss dicbten braunen und dar- unter nocb 3 Fuss rötblicben lockeren Scbilftorf zeigten. Hier sowie in den daselbst befindlicben für unergründlicb geltenden Wassertüm- peln, die durch kalte aufsteigende Quellen bervorgebracbt werden, findet man ebenfalls in 8 Fuss Tiefe festen Tbongrund. Bei Börvelly ist der Lap am Rande sebr wässerig; 'die stark scbwingende Decke ist an den abgemabten Stellen etwa 3 Fuss tief, darunter bis in 6 Fuss schlammiges Wasser. Mutbmasslicb mag zu diesen Verbältnissen der hohe Wasserstand Ende Juli 1859 beige- tragen baben. Jedenfalls ist aber bier die Torfdecke beträchtlich dünner als beim Sar-var und an anderen Orten. Bei Kalmänd, Kaplony und Domabida ist der Rand des Ecseder Sumpfes weitbin torflos. Man kann in den Canäleti ziemlich tief bis zu dem grossen Hügel Onaj-balom vordringen, man findet aber nur ausgedehnte mit Mannagrütze (Glyceria spectahilis) und Rohr be- wachsene seichte Scblammsümpfe, die zum Tbeile gemäht werden. Ausser dem Ecsedi-Läp w^erden noch in den Gemarkungen der Gemeinden Särköz, Ujlak (4 Meilen nordwestlich von Szathmär- Nemetby), Mikola, Egri und Adorjan (erstere westlich, letzteres nördlich von Särköz) Torfmoore angegeben. Aus dem Arader Comitate sind keine Torfmoore bekannt. 25. Beregh-Fgocsaer Coinitat. Nach einer amtlichen Mittbeilung sollen liier Torfmoore nur im Kaszönyer Stuhlbezirke, hier aber in solcher Ausdehnung vorkommen, dass sie beinahe den zehnten Theil dieses 12-1 Quadratmeilen um- fassenden Stublbezirkes einnehmen. Offenbar sind bier die ausge- dehnten Sümpfe am Szer ny e-Flusse im Norden des Stuhlbezirkes gemeint. Die eingeschickten Proben bestanden jedoch nur aus Moor- thon und Halbtorf, daher das Vorkommen von eigentlichen Torflagern daselbst zweifelhaft bleibt. Der im Beregbszaszer Stubibezirk (2 Mei- len südlich von Munkacs) gelegene grosse Szernye- Sumpf am Fusse des Gebirges scheint für Torfbildungen ungleich geeigneter zu sein. Es ist jedoch hierüber nichts näheres bekannt. Untersuchmijjeii über die Torfmoore Uiig^arns. 117 Ü6. Zoiiipliuor Coinitat. In diesem Comitate kommt im sogeirannten Bodrogköz (in dem Landstriche zwischen dem Bodrog und der Theiss) ein ausgedehntes Sumpfgebiet, der Hossz u-ret vor, welches nach der Generalkarte einen Flächenraum von mindestens 5 Quadratmeilen einnimmt. Ge- speist wird dieses Sumpfgebiet von den Hochwässern des Bodrog und der Theiss. Da aber gegenwärlig die beiden Flüsse hier schon eingedämmt sind und dadurch das Inundationswasser seit mehreren Jahren abgehalten wird, so ist der grösste Theil des Bodrog-köz bereits trocken gelegt und der Cultur zugeführt. Nur im tiefsten Theil kommt in südöstlicher Richtung, der Theiss näher gelegen, noch jetzt echte Moorbildung vor, dürfte aber, wenn künftige Inundationen wirklich abgehalten werden, bald nur auf einen sehr beschränkten Raum sich zurückziehen. So weit im ßodrog-k(3z das trübe, schlammige Inundationswasser reichte und bald durch Verdunstung oder Abfluss sich wieder verlor, findet man nur schwarze Moorerde und Moorthon, aber keinen Torf. Man sieht dies sehr deutlich auf der ganzen Strecke z\\ ischen Säros- patak und Luka, wo selbst in den Wiesen nur zäher Moorthon, frei- lich oft mehrere Fuss tief mit Pflanzenwurzeln durchzogen auftritt. Erst östlich von Luka gegen Käräd beginnt das eigentliche Moor- gebiet, wohin das Wasser entweder nur filtrirt durchsickert oder wo es permanent nach Überschwemmungen zurückbleibt und daher Zeit hat sich zu klären. Dieses Terrain hat eine sehr grosse Anzahl von offenen Wasserspiegeln oder Teichen (tö), die freilich jetzt rasch abnehmen. Ebenso zahlreich sind kleine niedere Sandhügel (Homok), mitten im Sumpf als Felder benutzt. Dazwischen breiten sich Röh- richt (Nadas) und feuchte Wiesen (Läp) aus, unter denen 3 — 6 Fuss tief Torf, zum Theil von sehr guter Qualität liegt. Zwischen Luka und Kärad beginnt das Torfterrain erst hinter dem Het-Ieanytö mit einzelnen Röhrichten und Lapos von geringer Ausdehnung. Später (beiläufig im zweiten Drittel der Entfernung zwischen beiden Orten) tritt ein zusammenhängendes grösseres Torfterrain auf, aus welchem nur einige Hügel, wie der Molnarhomok, derNagy-und Kis-Homok inselartig emporragen. Dasselbe reicht mit ö — 6 Fuss Mächtigkeit bis zum Nagy-to bei Käräd , wo ausseror- dentlich üppige Culturen von Tabak, Kraut, Sonnenblumen, Mais und 1 1 O I' o k o r II y. Kürbis in dcM- Jiufgeschürften , hrauiieii, leichten Torferdc iliren Anfang nehmen. Der südüstliche Rand des Sumpfgebietes zwischen Karad und Czigand ist wieder torflos und schlammig. Von Czygand nordwest- lich gegen das Innere des Hosszuret, gelangt man zunächst in immer weiter fortschreitende CiiUiiren, die an der Grenze noch in Halbtorf angelegt sind. Hirse, Sonnenblumen, Hafer und später Weizen, Mais und Bohnen werden mit gutem Erfolge gebaut. Dringt man noch weiter gegen Karcsa vor, so kommt man wieder in ein eigentliches Moorterrain, welches hier aber viel schmäler und trockener, als bei Kärad ist. Im Csaki-Lap gab die Sonde 6 Fuss, sonst nicht über 4 Fuss tiefen Torf, der theilweise durch Schlammschichten unterbrochen ist. Gegen Paczin und Karcza liegen grosse Zsombek-Moore, deren halbtorfiger Untergrund höchstens 2 Fuss tief geht. Die Zsombek- Moore sind auf der iVordseite des Hosszü-ret überhaupt sehr stark entwickelt, wie man von dem Horosztos-Hügel aus, der eine schöne Übersicht des ganzen Moorterrains gewährt, sich überzeugen kann, während sie gegen die Theiss zu fehlen. Im Ganzen dürfte das eigentliche Torfterrain des Hosszü-ret, die Teiche und Hügel eingeschlossen, auf mindestens eine Quadrat- meile zu schätzen sein. Der Torf ist in Folge der Austrocknung schon ziemlich dicht, daher die Mächtigkeit im Allgemeineti nicht so bedeutend, wie in anderen wässerigen Mooren; bei fortschreitender Austrocknung und Cultur aber wird der Torf durch Umackerung des Bodens an vielen Orten bald ganz verschwinden, indem er sich durch Verwitterung in unverbrennliche Moorerde verwandelt. 37. Saroser Comitat. Nach einer amtlichen Mittheilung des Herrn Baron Kloch- Korniss kommt auf dem Hertnecker Terrain 2Meilen südöstlich von Bartfeld in einer herrschaftlichen Wiese von 5 Joch Torf bis l) Fuss mächtig vor. Der Umstand, dass in diesem Torfmoore Quellen mit SchwefelwasserstofI", in den unteren Schichten zahlreiciie Con- chylien und an der Oberfläche der Mangel eigentlicher Torfpflanzen hervorgehoben wird, deutet darauf hin, dass es ein Wiesenmoor ist. Der Torf wird als Dünger verwendet. Untersuchungen über die Torfmoore Ungarns. j j {) 38. Zipscr Comitnt. Aus diesem Comitate sind vorziiglielie Proben eines erdigen dunkelbraunen Torfes, wie er in Hocbmooren vorzukommen pflegt, jedoch ohne nähere Angabe der örtlichen Verhältnisse eingesendet worden. Diese Proben stammen aus der Gegend von Käsmark und zwar von Neu-Walddorf (I1/3 Meile westlich von Käsmark), von Bela Rokusz (l'/i Meile nordwestlich) und von Hunsdorf (Y^ Meilen südwestlich von Käsmark). Diese ganze Gegend liegt bereits im Gebiete des nach Galizien fliessenden Poprad, am östlichen Abhänge der Tatra und am Fusse der Loninitzer Spitze. Auch werden nach einer münd- lichen Mittheilung des Prof. Jermy in Kis-Uj-Szälläs Hochmoore von einer Stunde Längenausdelinung am Fusse des Stösschens 1 1/2 Meile nordwestlich von Käsmark im Thale gelegen angegeben, welche wahrscheinlich mit den von Bela-Rokusz identisch sind. Überhaupt scheint hier am östlichen Fusse des Tatragebirges ein grösseres Torfinoorgebiet dem grossen Moorplateau in der obern Arva analog aufzutreten. 29. Aba-oj-Tornaer Comitat. Drei Meilen südwestlich von Kaschau liegt der Kanyapta- Sumpf, in welchem und in dessen Nähe Torflager vorkommen. Nach einer Mittheilung des Szepsier k. k. Stuhlrichteramts werden in den Gemeinden Szepsi, Makraucz, Csecs (beide 1 Meile östlich), Pany (IVa Meile nordöstlich), ßodollo (1/3 Meile südlich), Janok(l Meile südlich) und Buzita (2 Meilen südöstlich von Szepsi) Torflager an- gegeben, welche bei dem Holzreichthum der Gegend keine Verwen- dung finden und gelegenheitlich durch Hirtenfeuer entzündet werden. Über ihre Mächtigkeit und Ausdehnung ist nichts Näheres bekannt. Der k. k. Bezirksarzt Herr Dr. Julius Fränkel hat befriedigende Ver- suche über die Brauchbarkeit dieses Torfes angestellt und Proben eingesendet, welche einem schwarzen, erdigen Torf mit viel Aschen- gehalt , wie er in den ungarischen Flachmooren vorzukommen pflegt, angehören und gehörig gebaggert und mit Stroh gemengt, sehr haltbare Ziegel bilden. Anmerkunn;. Aus dein Gömörcr, Unghvaer und Marniaroser Comitat sind keine Torfmoore bekannt. 120 P o k o r n T. 30. Temeser Banat. Ein Besuch des grossen Alil)uiiarer Morastes hat nicht die UofT- nnng bestätigt, welche der Sumpf, vermöge seiner Ausdehnung und Lage hinsichtlich des Vorkommens von Torflagern zu erwecken geeignet ist. Die trüben Wässer, die den Morast speisen und die geringe Tiefe des ganzen Morastbeckens, welche an den tiefsten Stellen 4 — S Fuss nicht übersteigt , sind die Hauptursachen, dass es hier nur zur Bildung eines sehr schwarzen, mit Humus- körpern der verwesten Sumpfpflanzen stark vermengten Moorthones, nicht aber zur Bildung von Torf und brennbaren Moorproducten kam. Nur der innerste Tlieil des Morastbeckens ist gegenwärtig noch mit Böhricht bedeckt, welches hier aber keine schwingenden Decken (Lap) bildet, sondern unmittelbar in dem zähen Untergrunde aus Thon wurzelt und dichte, bis über das Wasser-Niveau reichende stark verschlämmte Massen bildet, die bei etwaiger völliger Aus- trocknung als fast unbrauchbarer Halbtorf erscheinen würden. Dieses Röhricht ist von einem mit niederen Sumpfgräsern bewachsenen völlig torflosen Sumpfgürtel umgeben, der bei niederem Wasser- stande wie der ganze Sumpf durchwatet werden kann. Der grösste Theil des Morastes ist aber als Wiese oder Feld oder Weingarten der Cultur übergeben. Bei der Begehung und Umgehung des Alibunarer Morastes wurde jedoch in Erfahrung gebracht, dass der in nordwestlicher Richtung davon befindliche nun ganz trocken gelegte Illancaer Morast torf- hältig sei. In der l'hat befindet sich hier bei Sandorf in der Rich- tung gegen Illanca ein trockenes Torflager unter einer ganz trockenen Wiese. Es ist grösstentheils ausgebeutet und zum Theil durch Erd- brände und Umackerung zerstört. Zur Zeit meiner Anwesenheit brannte eben ein Theil desselben ab, eine 18 Zoll tiefe Aschendecke zurücklassend. Der unter dem Rasen der Wiese liegende Torf ist aber selbst nicht über 2 Fuss mächtig. Er gleicht manchen Sorten von blätteriger Braunkohle und kann unmittelbar zum Brennen ver- wendet werden. Es sind noch einige Parcellen solcher Torfe, jede von einigen Jochen Ausdehnung, in dieser Gegend vorhanden. Ahn- liche Bildungen sollen auch bei Ürmenyha z a, ja selbst zwischen UiilersucliuiigL'ii iiher die Torfmoore Uiii^ariis. 121 Paulischund Vlajküvec an der Ostseite des Alibunarer Morastes vorkommen. Von anderen Torflagern aus der serbischen Wojwodina oder dem Temeser Banate ist nichts Näheres bekannt. Übersicht des Inhaltes. Seit« Einleitung S* Die ungarischen Torfmoore im Allgemeinen S8 1. Ungarische Hoelimoore 60 2. Ungarisclie Flaclunoore "1 Untergrund Speisung 62 Mächtigkeit 63 Entstehung • • Moorheclien 66 Moortliiiler • 70 Moormiiiden '1 Übersicht der sporadiselien Flachnioore 72 Torf der ungarischen Flaclimoore 73 Vertorfte Pflanzen 74 Eigentlicher Torf 75 Ausbeute und Neubildung des Torfes 80 I>ie ungarischen Torfmoore im Besonderen 82 i. Pressburger Comitat — a) Moor Schur bei St. Georgen — h) Moor zwischen Laab und Zankendorf 83 c) Moore auf der grossen Insel Schutt 84 2. Oher-Neutraer Comitat — 3. Unfer-Neutraer Comitat — 4. Comorner Comitat 8S 5. Trentschiner Comitat 86 6. Arva-Turoczer Comitat — 7. Liptauer Comitat 87 8. Wieselhurger, Ödenhurger und Raaber Comitat — a) der Hanszäg-Sumpf — hj andere Torfmoore im Raaber Comitate 97 9. Veszprimer Comitat — 10. Zalaer Comitat 98 li. Somogyer Comitat 102 12. Tolnaer Comitat 103 13. Daranyaer Comitat — 14. Eiseiiburger Comitat — 13. Pest-Piliser Comitat — 16. Pest-Solter Comitat i04 17. Stuhlweissenburger Comitat lOS 18. Szolnoker Comitat 108 19. Heveser Comitat • — 20. Borsoder Comitat — 21. Jaszigien und Kumanien • — 22. Bekes-Csanäder, Nord- und Süd-Biharer Comitat 109 a) das Sär-ret-Sumpfgebiet — h) andere Moore dieser 3 Comitate 113 23. Szabolczer Comitat 114 122 l'okoi'iiy. Uiitersiicluiiig'on iihei- die Torfmoore riifjanis Si-ite 24. Szallimärer Comitat il4 2ö. Beiciifh-Ugocsaer Comitat 1IG 26. Zein])liner Comitat 117 27. Saroser Comitat HS 28. Zipser Comitat 119 29. Abanjioinaer Comitat 30. Temcser lianat 120 Alphabetisches Verzeichni.s.«» der in der Kurte eingetragenen Torfni oore Ungarns. (Die in Klammern eing-eschlossenen Nummern beziehen sich auf die Karte.) Arvaer Moorplateau (1) 86 Bakta (Hevcs) (43) 118 ? Bares (Somogy) (58) 103 Bekeser Särret (9) 113 Bela-Rokusz (Zips) (26) 119 Berettvo Särret Mocsarok (53) . . 111 Böös (Presshuro-, Ins. Schutt) (31) 84 Csdth (Borsod) (63) 108 Cserne (Trencsin) ( 19) 86 ? Darany (Somogv) (.59) 103 ? Darda"(Baranya) (55) — Dinnyes (Stuiilwci.sscnl)urg) (42)105 Dubrova (Liptau) (21) 87 Ecs (Raab) (34) 97 Ecsedi-Läp (Szatlimar) (10) 114 ? Edeienv (Borsod) (68) 107 ? Er Mihalyfalva (Nord-Bihar)(69)113 Füred-Tihany (Zala) (37) 100 ? Ghymes (Unter-Neutra) (50) . . 84 ? Güssing (Nemet-Ujva'r, Eisen- biir 11 J IJ, Tri Sp,.u ' 19 (jcrnt /r/rr Otrllf l üubrv ( ■» 1 rin, r / / Irin ti r 1 h. r tl u Trjtfl 1 ] 1 11 III rr. l-lii.Uuio.nr liRchriililulVirsriillUM '. Sehurmuor iPreßbitrg i BnisiFi-rßhura Jus .Miil ' Lttitli iFrrfjtliurffi ! ./in/! iComern i :.,du R„ul, .17 Fürrd Tihii. .1.! Si„,l„,Hl, il> h'övcA.,W, I 'II' Jlulrosfrld .frsl Pilif , 11 .V„yy Kätdt , tril Seil i •II Di'inijcsiSttü\ln'r\fatnhurtj I ■I.; Biikui .Brnrjr, 'i'i Iiiinijiifitu SumiiS Milirla ( ■'"•""••'"■ 17 Urrliirk ,(am i .-,llTjl„imis'ri,l,r.yrulra , ■:i Jfriiltriimhrnlrr.yriilni , .-.:' .lii/slli lObtrXrtilm . .;.! 'Tr.,lijr iTrrnisiii i ■Hl 'J\eriit/r .i'ampf'Bfretjh l'iic ,i.l fDnrihi iBantntjn I JA 'öi'ifiiny tJi'e'met Ijv .'il ' Västnir ' Eisrnhnnj jS 'Biiriw ] ,, Ml ■Biirim,, I •'"""■.'/.'/ l/l> 'fnuhsclt >Ltinitt / lt. Z.s-filiiLfUinuorr dl fiittln liiilmri iTr.,! .MI , i>! Ti..') ■ErMlhnUjfidnii ,.Vrri/ Bihn ißUmbiirgl ^.fp„niili.^ ähnlicher Zähne. Wesentlich stimmen hiermit überein "^P^ auch Osphromenus, Spirobranchus, TricJiopus {striatusj und Betta. Die Gattung Ophicephalns weicht hingegen, wie Fig. 41 Fig. 41. ^^" Oph. striatus zeigt, auch in Form und Bezahnung <^., ^ der untern Schlundknochen bedeutend ab, die in letzter ^^^M^^ Reihe viel längere und stärkere, compresse Zähne W^ tragen. — Die Unterschiede der einzelnen Gattungen in Betreff der Bezahnung des Mundes und der Bewaffnung der Deckel- stücke übergehe ich hier, da ich nur bereits Bekanntes wiederholen müsste. — Die Labyrinthfische stimmen hingegen meist noch in folgenden Punkten (ausser den verschiedenen Vorrichtungen, die man unter dem Namen „Labyrinthe" zusammenfasst) überein. Erstlich fehlt ihnen eine fransige Nebenkieme und namentlich bei Anabas stellt diese einen schmalen dreiseitigen Drüsenlappen vor, dessgleichen ist sie drüsig bei Spirobranchus; bei Polya- canthus stehen dagegen kurze Fransen tief unten, gerade über dem vorderen Ende des ersten Kiemenbogens, auch Ctenopoma ') Wie sich die seiir diiiiiieii Slaclielii bei lietla verhalten, veiina^' ich zuloige des über den Flossenbau der Fische. 139 zeigt eine Spur von solchen. Zweitens erstreckt sich die Schwimm- blase über die Bauchhöiile hinaus, meist bis gegen das Ende des Schwanzes, jedoch in abweichender Weise. Bei Anabus reicht sie, in einen Zipfel auslaufend, jederseits bis unter den letzten Wirbel und liegt in einer Höhlung eingeschlossen, welche längs der unteren Dornfortsätze dadurch zu Stande kommt, dass rippenähnliche, von den Apophysen abgehende Knochen, zwischen denen sich eine dünne verbindende Haut ausspannt, gleichsam eine Kapsel um die Schwimm- blase bilden und zugleich eine Scheidewand von den darüber liegenden seitlichen Muskeln. Diese, von den unteren Dornfortsätzen abgehenden Rippen verhindern ohne Zweifel, dass die Schwimmblase durch die Schwanzmuskeln nicht so leicht comprimirt werden kann. Ganz gleich verhält sich auch Trichopus und (wie sich mindestens nach Valen- ciennes' Angaben schliessen lässt) Colisa. Bei den anderen von mir nicht näher untersuchten Gattungen sieht man die weit zurück- reichende Schwimmblase schon bei der Seitenansicht eines solchen Fisches durchschimmern. Auch bei Ophicephalus reicht die Schwimm- blase bis nahe zur Caudalbasis, wird aber hier von Rippen geschützt, die von den untern, sich nicht in Dornfortsätze vereinigenden ßogen- schenkeln der Schwanzwirbel selbst abgehen i)- — Bei Macropodus und Spirobranclms soll eine Schwimmblase gänzlich fehlen? Was die Schuppen anbelangt, so schliessen sich die meisten Gattungen den Pomacentrinen an, doch unter mancherlei Über- gängen und Modificationen. Bei Anubas sind die derben, festsitzen- den Schuppen mehr kurz bewimpert als gezähnt zu nennen und an der Obertläche körin'g rauh; bei Osphromeiius, Spirobranchns und Polyaca7ithus werden die grösseren gegen den Rücken zu bereits echt ctenoide, während sie dagegen am Bauche nur fein bewimpert und am Kopfe ganzrandig sind; Trichopus, dessen lange Anale wie bei Squamipennen fast bis zu den Strahlenspitzen beschuppt ist, besitzt durchwegs (auch am Kopfe) nur ctenoide Schuppen, so auch Betta. Die Seitenlinie mündet mit weiten aufgesetzten Röhrchen und bricht bei Anabas unter den letzten Dorsalsfacheln ab, setzt sich aber so- gleich in halber Höhe des Schwanzes bis zur Caudale fort; ebenfalls schlechten Erhaltungszustandes meiner überdies kleinen Kxemiihire nicht anzu- geben. 1) In ähnlicher Weise setzt sich die Scliwiinniblase unter dein Schwanzstiele bei Epi- cyrltts u. a. Characinen fort. 140 K n p r. unterbrochen ist die Seitenlinie bei Helostoma, Spirobi'anchus, Ctenopoma und Polyacnnthus. Bei Ospliromemis verläuft sie gerad- linig und ununterbrochen fort, letzteres findet auch bei Trichopus Statt. — Die Gattung Ophicephuhis weicht hingegen auch durch Form und Structur der Schuppen des Rumpfes wesentlich ab und erinnert vielmehr an manche Gobien. Sie bilden am freien glatt- Fig.42. rand igen Ende einen gothischen Spitzbogen und sind mit den Rändern parallelen groben Leisten daselbst besetzt, die öfters (z. B. bei Oph. planiceps) körnig rauh erscheinen. Der Rand des festsitzenden Endes ist geradlinig und fein gekerbt, zufolge paralleler gegen das Centrum laufender Furchen; ausserdem zeigen die Schuppen sehr zarte concentrische Streifung und sind zwar im strengen Sinne des Wortes nicht cykloide, aber auch nicht ctenoide zu nennen. (Fig. 42 von Oph. striafus etwas vergrössert.) Die grossen, den Scheitel bedeckenden Schuppen sind am freien Ende mit noch gröberen Leisten geziert, die aber nicht in Spitz- bogen sich vereinigen, sondern wellige Krümmungen machen; durch diese verschiedene Structur ist sogleich die erste Schiippenreihe des Vorderrückens von der letzten des Hinterkopfes zu erkennen. — Die Seitenlinie mündet durch lange aufgesetzte Röhrchen, die aber besonders gegen den Kopf zu auf jeder Schuppe eine blasige Auf- treibung bilden; die Kopfcanäle münden in ziemlichen Abständen gewöhnlich durch ein Paar grosser Poren; am Vordeckel und Unter- kiefer sind sie nahezu in gleichen Entfernungen zu Gruppen von 3 — 4 oder öfters, wie bei Oph. planiceps zu 5 — 8 neben einander angebracht.) Labroidei. Die Labroiden stimmen bezüglich der Flossen alle darin über- ein, dass keine derselben heteracanth ist, die meisten sind entschie- den homacanth, bei einigen bleiben jedoch die Stacheln so dünn und biegsam, dass sie sich hierin den einf;ichstrahligen oder h a p 1 o p t e r e n Fischen annähern. Was zunächst die typische Galtung Labnis an- belangt, so sind die Stacheln völlig symmetrisch, an der vorderen Seite abgerundet und an der hinteren von einer Längsfurche durch- zogen, in welcher sich die derbe Flossenhaut festsetzt. Von da, wo diese aufhört, erscheint aber die Hinterseite des Stachels bis zur Spitze rinnen- oder löfl'elarlig cüncav(sie nimmt sich fast wie eine zu- gespitzte Feder aus), eine derart charakteristische Form, dass sieallein über den Flossenbau der Fische. 141 genügt, um blos bei Ansicht eines solchen Stachels sagen zu dürfen, dass der Fisch, dem dieser angehörte, nur ein Liibroid sein konnte. Der Hohlraum im Innern des Stacliels ist meist sehr deuth'ch, da gewöhnlich die bräunliche Bildungspulpa desselben durchschimmert. Der Stachel wird auf dem Fiossenträger durch ein starkes Band be- festigt, welches von einem kleinen isolirbaren vorderen Schaltstücke ab- und durch das weite Loch an der Basis des Stacliels hindurch- geht, um das hintere sich erhebende Ende des Trägers zu erreichen. (Fig. 43 n das obere Ende eines Stachels von Lahr. Fig. 43. trimacidatus, von hinten, 43 b der Träger mit dem den Stachel festhaltenden Ligamente.) — Ein zweites für die Stachelflossen der Labroiden bezeichnendes Merkmal besteht in der dichten Umhüllung derselben von Körper- liaut und in dem von der Hinterseite der Stacheln oben a b abstehenden Lappen, welcher jedoch nicht einfach häutig ist, sondern meist mehrere primäre Fasern und Hornstreifen enthält, wodurch diese Lappen einigermassen an die Fähnchen von Polypterus er- innern. In allen wesentlichen Punkten mit Labrus stimmen überein: Cossyphus, Crenilabrus. Ctenolabrus. Coricus, Tuiitoga, Cheilinus, Epibidiis, Anampses und viele Arten Julis und Halic/ioeres. Bei einigen der letzteren werden aber die Stacheln so zart, dass sie biegsam sind, auch verliert sich die in die löffelförmige Vertiefung übergehende Längsfurche an der Rückseite und die Spitze des Stachels erscheint drehrund, doch heftet sich noch das mit Faser- strahlen durchzogene charakteristische Fähnchen an, und der Stachel ist mit dem Träger noch in gleicher Weise verbunden, wie bei den übrigen Labroiden. Eben so verhalten sich die allerdings meist steifen Stacheln bei Xoraciila (und XiricIitJiys), denen aber bei einigen Arten zartere und biegsamere vorausgehen. Noch ähnlicher den einfaclien Strahlen werden die dünnen biegsamen Stacheln bei Clieilio, die man geradezu als malacanthe bezeichnen könnte. Sie unterscheiden sich nebst dem Mangel jeder Spur von Gliederung wesentlich von den Gliederstrahlen nur durch ihr Gelenkende und die Verbindung mit dem Träger. Diese erfolgt nämlich ebenfalls mittelst eines Bandes, welches das runde Loch an der Stachelbasis durchsetzt und über welchem ein kleiner Höcker vorspringt, während bei den Gliederstrahlen die seitlichen Hälften gegen das Gelenk zu allmählich divergiren und eine mehr minder lange dreieckige Öfl'nung 1 42 K n e r. zwischen sich frei h»ssen, über welcher kein Höcker liegt und die Treiinnngsfurche der seitlichen Hälften des Strahles auch au der Vorderseite sichtbar bleibt. (Fig. 44 a Stachel von Ch. hemichrysos Fig. 44. von vorne, b von der Seite, c Basis eines Gliederstrahles von vorne.} — Was endlich die Stacheln von Scarns (und CulIyodo)i) betrifl't, so enden diese nicht blos in biegsame, sondern geradezu häutige Spitzen, welche statt der bei anderen Labroiden hinten abstehender Fähnchen, selbst von Fasern oder Hornstreifen durch- setzt sind 1). Bezüglich des Gelenktheiles und der Verbindung mit den Trägern stimmen sie mit den vorigen überein und unterscheiden sich in beiderlei Hinsiclit wesentlich von den Gliederstrahlen. (Fig. 45 a Basis eines Stachels von vorne, b von Fig. 45. der Seite, c das vor ihm liegende Schalt- stück des Trägers, auf welchem das den Stachel festhaltende und durchbohrende Band sich anheftet; d Gelenkende eines Gliederstrahles von vorne; e von der j_^>.^ *w Seite;/'beiderseits steil abgedachtesSchalt- c h f e stück, welches sich in die dreieckige Ein- buchtung zwischen den Gelenkhöckern des Gliederstrahles einschiebt und selben in seiner Lage festhält.) Die gliederstrahligen Flossen zeigen mitunter einige Eigen- heiten bezüglich der Theilung. Gewöhnlich ist die Gliederung ein- fach quer und die Theilung der Strahlen namentlich in der Caudale und den Brusttlossen eine mehrfach gabelige. Bei Cheilio hemichry- sos geht aber letztere nicht weiter als bis zur doppelten Dichotomie und bei Cheilio aurahis bestehen auffallender Weise sämmtliche Strahlen nur aus wenigen aber langen Gliedern, und in der Rücken- und Afterflosse bleiben mit Ausnahme der letzten Strahlen alle übrigen ungetheilt und die der Caudale sind blos einfach gabelig ge- spalten 2). Bei Julis, Halichoeres und Äiiampses theilen sich die 1) Man könnte sie so zu sagen, unfertige Stacheln niMinen, deren elementare Bestand- theUe an der Spitze noch gesondert und sichtl)ar bleiben. 2) Das eine vorliegende Exemplar ist allerdings ein jiinsjes von nur 3 Zoll Länge und es dürfte vielleicht die Gliederung und Theilung der Strahlen häufig erst mit den: Alter iiinehmen und ebenso ein Ausdruck der Weiterbilihiiig sein als oft anderseits das Verschwinden der Gliederung durch Verschmelzung der Glieder in continuirliche Üher «len Flosscnbau der Fische. 143 Gliederstrahlen der Dorsale und Anale sämmtlich blos anderthalbmal, d. h. der vordere Gabelast nicht mehr, der hintere jedoch abermals ein- oder selbst zweimal; die Endstrahlen der Caudale sind polytom, die inneren dreifach gespalten. Bei Nooacnla (pentadactyla) finde ich alle Strahlen der Rücken- und Aftertlosse, mit Ausnahme der letzten, wieder ungetheilt. Die Scariden stimmen bezüglich der Theilung der Dorsal- und Analstrahlen dagegen im Wesentlichen mit Julis überein i)- PoinacentrinI s. Ctenolabroidei. Die dieser Familie eingereihten Gattungen können auch in An- betracht ihres Flossenbaues mit Recht Verwandte der Labroiden genannt werden; sie sind ausgezeichnet liomacantheFischeund so- wohl der Bau ihrer Stacheln als auch deren Verbindung mit den Trägern bleibt sich bei allen Gattungen wesentlich gleich. Der Unterschied besteht nur darin, dass an der Rückenseite der Stacheln die mediane Längsfurche, in welcher 6\e Membrana propria radioruni sich festsetzt, bis gegen die Spitze gleich schmal bleibt und nicht wie bei Labroiden sich zu einer löffelartigen Vertiefung ausbreitet; auch fehlt daselbst ein Fähnchen. Der Stachel zeigt übrigens einen bis nahe zur Spitze reichenden Hohlraum im Innern, der theilweise von bräunlicher oder röthlicher Masse ausgefüllt ist, aber mit dem die Basis des Stachels durchdringenden Loche nicht communicirt. In dieses Loch greift eine verhältnissmässig lange Spitze ein, welche vom Hinterrande eines kleinen vom Träger isolirten Schaltstückes sich fortsetzt und fast bis an den Höcker reicht, in welchen der Strahlenträger sich hinter dem Stachelloche erhebt; ein dieses Loch durchsetzendes Ligament konnte ich hier, wenigstens j-^g^ 46. bei Poniacentrus , nicht wahrnehmen. (Fig. 46 a Schaltstück mit der eingreifenden Spitze; b Gelenk- theil eines Stachels von Glyphisodon 7 — fasciatus, & von vorne; c von der Seite. Jederseits über dem Loche « Knochenplatten z. B. bei alten Siluroiden. Characinen ii. A. als Folge einer im Alter vorschreitenden Verkalkung und Rückbildung erscheint. Für diese Verniuthung sprechen auch noch andere Tliatsachen, wie z. B. bei Cottus, in dessen Biustflossen das Verhaltniss und die .\nzahl der einfachen und getheilten Strahlen ebenfalls nicht constant bleibt. 1) In Betreu' anderweitiger Verhältnisse, die für die Systematik von Belang sein können, verweise ich auf meinen Aufsat/.: „Über die Charakteristik der Labroiden-' in den Silzb. der kais. Akademie 1860, Märzheft. 144 K n e r. tritt ander Vorderseite des Stachels ein Knorren vor, und seitlich ist eine Furche daselbst sichtbar, sodass es scheint, als trete zu den einen hinteren seitlichen Hälften dieser Stacheln auch noch ein vorderes Belegstück hinzu.) — Bezüglich der gliedcrstrahligen Flossen Helen mir keine erwähnenswerthen Eigenheiten auf. Untersucht wurden nebst den bereits genannten Gattungen noch Heliases, Amphiprion, Premtias und Etroplua. Was die Seh luridknochen anbelangt, so erweisen sich zwar alle als pharyngognath im strengsten Sinne, da die untern in ein einfaches Stück ohne Spur einer Nath oder Trennungsfurche ver- schmolzen sind, doch ist die Form und Grösse desselben nicht blos nach den Gattungen, sondern selbst öfters nach den Arten verschieden, und ich glaube einige der auffallenderen Unterschiede hier angeben zu dürfen. Bei Glyphisodo7i stellt das Os pharyng. inf. ein fast gleichseitiges Dreieck vor, dicht mit Zähnen besetzt, von denen öfters nur die der letzten Reihe die Benennung von Heclielzähnen verdienen, während dagegen die weiter vorne und in der Mitte stehenden dicker sind und nach rückwärts in eine stumpfe Spitze Fig. 47. sich erheben, wie dies bei Glyph. 7 — fasciatus der Fall ist, dessen Schlundknochen Fig. 47 in etwas vergrössertem Maasse zeigt *). Verhält- nissmässig längere und spitzere Zähne besitzen hingegen Glyph- rahti, bengalensis und coclesti- nus; bei Glyph. trifasciatiis , woselbst der Schlundknochen am kleinsten ist, sind alle Zähne nahezu gleich hoch und enden in gerade Spitzen; ebenso verhält sich Heliases. Bei Pomacentrtis bildet aber der untere Schlundknochen zwei hohe und schmale bogenförmige Leisten, die nur eine Doppelreihe von Spitzzähnen tragen und blos in der Mittellinie, wo sie verwachsen sind, kommen mehr als zwei Fig. 48. Reilien hinter einander zu stehen, wie Fig. 48 zeigt. "^^^y,!-^ Amphiprion, Premnas und Etroplus seliliessen sich ^'' hingegen in Form und Bezahnung des Schlundknochens wieder an Glyphisodon an. — In Betreff der Bezahnung des Mundes hebe ich nur die Gattung Pomaceiitrus\\ev\o\' , um eine *) Fast geiüiii mit diesem stimmen Sclilundliiiochpn überein, ilie ich unter den verfallenen Uesten einer yän/.lieh veriniy^luckten Zusendini-j von kalii'ornisclieii Fischen vorland, und die ohne Zweifel einem Uolconolen au^ehörten. Ül)er ilen Flo.ss( nbau der Fische. 145 irrige Angabe zu berichligen, welche sich hieiiiher in der IJist. des po/ssows vorliudel. Ks hoisst nämlich diiselhst: „nne seule rangee des dents serres"' und von den Seilenzähnen des Unlerkiefers wird bemerkt, dass sie „?/« cchancrure'' besitzen; auf pl. 134 sind zwei solcher Zäiine von Pom. fasciatus dargestellt; von denen der eine zwei, der andere drei Einkerbungen zeigt. Dies beruht jedoch auf Täuschung; es steht nämlich in beiden Kiefern eine Doppelreihe stumpfspilzer Zahne, von denen aber die hintere kürzere Zähne ent- hält und so fest an der vorderen Heihe anliegt, dass kein Zwischen- raum bleibt. Beide Reihen stehen überdies alternirend, so dass von vorne angesehen die Täuschung sehr nahe liegt, als wäre nur eine einfache Reihe dreikerbiger Zähne vorhanden. Alle von mir unter- suchten Arten stimmen in dieser Hinsicht überein und sind nur darin verschieden, dass bei einigen die Zähne zweiter Reihe spitz, bei anderen, z. B. Pom. katunko Blk. gleich den vorderen geradlinig ab- gestutzt sind. — Die Rechenzähne der Kiemenbögen sind bei allen Gattungen von massiger Länge und keiner fehlt eine gut aus- gebildete fransige Nebenkieme. (Erwähnung verdienen noch die Beschupp ung und das System der Seiten- und Kopfcanäle. Die Schuppen sind zwar allermeist ctenoid, und das freie Ende trägt mehrere Reihen allmäh- lich gegen den Rand sich mehr ausbildender Zähnchen, doch sind diese oft erst unter der Loupe erkennbar und die Schuppen erschei- nen nicht selten ganzrandig. Namentlich ist dies bei Premnas der Fall und zwar an der vorderen Körperhälfte, erst hinter dieser wer- den sie ctenoid, und dies zunächst die Schuppen längs der Seiten- linie, am Schwänze hingegen alle ringsum. Dieser schon mit freiem Auge wahrnehmbare Unterschied in den Schuppen tritt besonders unter dem Mikroskope sehr auHallend hei-vor. £'^?-ojü/«s besitzt gleicli- falls ganzrandige Schuppen, deren freie Oberfläche aber rauh gekiJrnt erscheint. — Die stets unterbrochene Seitenlinie mündet gewöhnlich durch einfache aufgesetzte Röhrchen (selten senden diese, wie z. ß. bei Glyph. ruhti radiäre Nebenzweige ausj; unterhalb der Stelle, wo sie abbricht, setzt sie sich in halber Schwanzhöhe noch bis zur Caudale fort, mündet jedoch daselbst ohne aufgesetzte Röhrchen, nur durch einfache Poren an den einzelnen Schuppen, so namentlich bei Pomacentrus und Amphiprion. Bei diesen beiden Gattungen zeigen auch die Kopfcanäle eine eigenthümliche Verzweigung, besonders Silzb. (l.mittlieni.-niiturw. CI.XLUI.ßd. !. Abtli. 10 146 K n e r. vom Hinterhaupte bis zur Stirngegeud uud am Suborbitalriiige. Zwi- schen den Selun»[)en tieten daselbst Hauthippeti vor, die von kurzen parallelen oder schw ach radiären Endröhi'chen der Hauptästc durch- setzt sind, wodurch es bei tlüchtigcr Betraclilung scheint, als lägen hier stark ctenoide Schuppen; auch die nackte Schnauze vor den Augen ist mit rundlichen Foren diciit übersäet.) Cliromides und Pscudocliromidcs. Die mit Recht von den vorhergehenden Pharyngognatlien zu- folge ilirer blos durch Nath vereinigten unteren Schlundknochen und des Mangels fransiger Nebenkiemen getrennten Chromiden sind zwar sämnitlich Stachelflosser, nur wenige jedoch homacanth, die jneisten heteracantli. Zu ersteren gehören Chromis (^casfanea), Cichlannd Crenicichla^ zu letzteren hingegen Acara, Heros, Uarti, Chaetobranchus, Geop/uigus und Chromis (nilotica) i)- Bei ersteren verhalten sich die Stacheln völlig wie bei den typischen Lahroiden und auch ihre Verbindung mit den Trägern ist die gleiche; bei letz- teren hingegen sind sie in der Weise heteracanth, wie bt^i Chaefodofi u. dgl. Die meisten, aber insbesondere die bomacanthen Chromiden, welche durch gestreckte Totalgestalt und Mundbildung den Lahroi- den zunächst stehen, theilen mit diesen auch das Merkmal der von den Stacheln abstehenden, mit Faserstrahlen durchwebten Haut- lappen oder Fähnchen und die lölTelartige Vertiefung der Stachel- spitze über denselben 2). Was die gegliederten Flossen anbelangt, so glaube ich hervorheben zu dürfen, dass gerade die so häufig fadig verlängerten Strahlen der Rücken- und Afterflosse durch ihre Thei- lung auffallen, die stets nur einfach bleibt, über bereits vor halber Strahlenlänge erfolgt, so dass die alsbald divergirenden langen Gabelzweige mit ihren Spitzen noch über die Flossenhaut hinaus- reichen. Die Strahlen der Caudale sind mindestens dreimal gabiig getheilt. ') Chromin casfaiwa und nilotica erweisen sicli »iicli in anderen Beziehungen so ver- schieden, d:iss sie nichl rii<>li('h in einer (ialtung^ lieisaninien i)leihen küntiteii. ^) nie Asymuielrie dei- Staclieln diiifle niiliinlcr erst mit d<'ni Aller ziiiieliinen, l)ei kleinen lixeniplaren von Moros \.\\h\ Acara, die ich dureli v. Ts c li u d i's fiiilc erhielt, ist sie mindestens kanni lieincrkhar, während alle grösseren Exemplare dieser Gattungen ausgezeichnet lieloracaalh sind. über «Ion Flossonliiiu dor Fisclip. 147 Fig. 49. (Die unteren Schhindknochen bilden hei allen Chroniiden lu>rt an einander iiec^ende, meist durch Nath vereinigte Dreiecke von ver- schiedener Gestalt und Grösse, deren Zähne fast alle bei Lahroiden Yorkommenden Formen wiederholen. Nur um zum Behüte der Ver- gleichung ein Beispiel zu geben, füge ich hier in Fig. 49 die Abbildung der unteren Schlundknochen von Acarn in vergrösser- tem Maasse bei und verweise übrigens auf HeckeTs Abhandlung über die Chroniiden im II. Bande der Annalen des Wiener Mu- seums 1840 1)- — 1^'e Schuitpen verhalten sich wie bei der Mehrzahl der Pomacen- trinen, sie sind mehr bewimpert als ctenoid zu nennen, sehr häufig ersclieinen sie ganzrandig und können bei obei-flächlicher Betrachtung leicht für cykloide gelten, von denen sie jedoch ihre Siructur ausschliesst und der Umstand, dass die weichen feinen Wimpern des freien Bandes nicht seilen zu steiferen Zälinehen werden und auch die Oberfläche der Schuppen körnig rauh sich aus- nimmt. — Die wie bei Pomacentrinen unterbrochene Seitenlinie mündet auch am Schwanztheile allermeist durch aufgesetzte einfache Böhrchen.) Die Pseudochr om iden unterscheiden sich von den vorigen so vielfach und wesentlich, dass sie allen Anspruch haben, von ihnen als eigene Familie gesondert zu werden 2). Ich konnte jedoch bis- her nur die beiden Gattungen Pseudochromis und Cichlops einer näheren Prüfung unterziehen. In Betreff der Flossenstrahlen sind beide kaum mehr Stachelflosser zu nennen und stehen jedenfalls hart an der Grenze zwischen acantho- und arthopteren F'ischen. 1) Daselbst werden auch die Gattungen Plerophytlum und Symphysodon besehrieben, die jedoch meines Eraciitens nicht bei den Chroniiden zu belassen sind, wie ich deainächst nachzuweisen beabsichtige, bei welcher Gelegenheit icii auch meine Ansieht über die Stellung der im Anhang zu obiger Abhandlung beschriebenen Gattung Monocirrhus (bisher noch ein Unicum) auszus|>rechen gedenke. ■■ä) Canestrini gibt in seiner eben erschienenen Abhandlung: zur Charakteristik und Systematik der Anabatinen (Verhandl. der k. k zool. bot. Gesellsch. in Wien 1860, Nov.) eine tabellarische Übersieht der natürlichen Reihenfolge einiger den Anabatinen zunächst verwandten Familien und stellt daselbst die Chromiden zwischen die Poma- centrinen und Anahaliuen, ohne aber aulFallender Weise der Pseudoehromiden irgend- wie zu gedenken. 10» 148 ?< n e r. Wälireiitl die Chi'onuden in der Rücken- und Afterflosse ziemlich zahlreiclie und gut ausgebildete Stacheln l)esitzen, sind liier nur die ersten 2—3 Strahlen der Rücken- und Aftei'flosse ungegliedert und können insoferne für homocanthe gelten , als ihre Verbindung mit dem Träger im Wesentlichen die gleiche wie bei Stacheln ist, doch sind sie zart und viel kürzer als die folgenden Gliederstrahlen. Von diesen sind bei Pseudochromis die meisten fadig verlängert und un- getheilt , nur die letzteren sowohl in der Ddrsule als Anale gabelig gespalten; bei Ciclilops hingegen llieilt sich gleich der erste Glie- derstrahl gabelig und auch die folgenden sind theils einfach, theils 1 i/a"'*'l gabelig getheilt und zwar ist der hintere Gabelzweig ge- wöhnlich etwas verlängert. Bezüglich der Basis verhalten sich die Gliederstrahlefi, wie dies bei Scarus dargestellt \ 51- zwar auch asynmielrisch, jedoch von keinem Loche durchbohrt und stellt daher nicht mehr wie ein Stachel mit dem Träger in Verbindung (Fig. öl 6). Die ein- zigen zwei ungegliederten Strahlen, welclie die After- flosse enthält, verdienen noch weniger den Namen von Stacheln; sie bestehen der ganzen Länge nach aus deutlich getrennt bleibenden, völlig symmetrischen Hälften, die sich auch am Gelenkende nicht durch ein Querstück vereinigen, so dass daselbst kein abge- schlossenes Loch entsteht (Fig. 51 c). Die gliederstrahligen Flossen sind von beschuppter Körperhaut dicht überkleidet; die Theilung der Strahlen ist mindestens doppelt diehotom oder geradezu polytom, die Endstrahlen der Caudale sind in gebrochener Querlinie , öfters fast stufenförmig gegliedert. — Sowolil im Fiossenbau, wie in anderen Beziehungen schliessen sieh im Mugil an iWeGnitung Ccstrus, Nestis und Dajaus, nur ist bei letzter der erste Strahl der zweiten Dorsale ebenfalls ein Stachel, und bei Cestrus der letzte der ersten Dorsale verlängert. \öllig den gleichen Bau wie die beiden ersten Anal- strahlen bei Mugil zeigen sämmtliche sogenannte Stacheln von Atherina und der ihr nahe stellenden californisehen Gattung Athe- rinopsis, sie sind einfache Strahlen (anarihropter) und vielleicht nur als Übergangsglied zu gegliederten anzusehen. Sie bestehen aus völlig symmetrischen Hälften, deren mediane Trennuiigsfurcbe deut- lich sichtbar bleibt, sind gegen die Spitze weieh und biegsam und verhalten sich an ihrer Ba^iis wie der in Fig. c abgebildete Anal- strabl \oi\ Mugil. In der Afterflosse bei Atherina ist bereits der zweite Strahl gegliedert, aber noch ungetheilt, bei Atherinopsis sind hin- gegen alle gegliedert, gleich jenen der 2. Dorsale, und einfach oder 150 K » •■ '•• doppelt dicholoni. Die Strahlen der paarigen Flossen und der Caudale sind vielfach gelheilt, die Ghedcruiiy der letzteren ist fast stufenförmig. (Den mehrfachen Übereinstimmungen der Mugiliden und Athr- rinen, die sich namentlich durch die so hoch eingelenktcn Brnst- tlussen, das Vorhandensein von zwei gesonderten Dorsalen, den breiten Kopf und fUieken, wie auch durch schwache Bezahnung der Kiefer kund geben, stehen andere für die Systematik nicht minder wichtige Unterschiede entgegen, von denen ich folgende hier hervor- hebe. Bezeichnend für Mugil sind: die ganz eigenthümliche Mund- bildung, die äusserst schwache oder niangelnde Bezahnung, das charakteristische, meist nach den Arten verschiedene vordere Suborbitalstück, die stark gewölbltMi Deckelstücke, die merkwürdige Bildung der Schlundknochen und die so dicht wie die Kiemenblätter stehenden und ähidich aussehenden Rechenzähne der Ki( inenbogen ; endlich noch von inneren Merkmalen: der stark musculöse Vormagen und die kurzen aber weiten Appendices pyloricoe. — Atherina zeichnet sieh hingegen aus: durch weit vorstreckbaren Zwischen- kiefer, Zähne am Vomer, mit kürzeren Spitz- oder längeren Ilecliel- zähnen besetzte, obere und untere Schhindknochcn und durch abweichende Rechenzähne, die am ersten Kiemenbogen lange schmale Blätter, an den folgenden rauhe spitze Hocker vorstellen. — Atherinopsis iiält fast die Mitte zwischen beiden, der Mund ist nicht vorstreckbar. Zwischen- und Unterkiefer tragen aber schmale Binden kurzer krummer Spitzzähne, der Gavmien ist zahnlos, Scheitel und Stirn beschuppt (wie bei Mugil), Schlundknochen und Rechenzähne verhalten sich wie bei Atherina. — Die stets weichen Schuppen sind zwar meistens nicht wirklich ctenoid (^Dajmis allein aus- genommen), aber auch bei Mtigil und Atherinopsis nicht ganzrandig, sondern eingekerbt oder bewimpert. Nur Atherina besitzt ganz- randige Schu[)pen, die jedoch eine eigenthümliche Form und Structur zeigen, indem das festsitzende breitere Ende statt mit Radien wie gewöhnlich, mit dem Rande parallelen groben Querstreifen geziert ist, die erst gegen das Centrum verschwinden (Fig. J>2 von Ath. ^^ ^c^hepsetus, vergrössert). — Alle drei Gattungen besitzen eine fransige Nebenkieme, die aber bei Atherina am |1]| grössten und bei Atherinopsis am kleinsten und leicht zu über- sehen ist. Allen endlich mangelt eine deutliche, die Schuppen durchbrechende Seitenlinie und es wird vielmehr jede Schuppenreihe Üher den Flosseiiliau der Fische. lol in der Höhe hie und da von ein i)is zw ei düniieu Röin-chen durehselzt, namentlich hei Atherbwpsis und Mugil ; der Verlauf der Kopfcanäle ist wie gewöhnlich; der suhoibitale Ast mündet hei Mugil an jeder Schuppe meist mit zwei Rölirclien.) Bezüglich der so äusserst interessanten Gattung Telragomirus, von der sich leider in den hiesigen Museen bisher nur ein einziges Exemplar vorfand, kann ich zunächst mein Befremden nicht unter- drücken, dass selbe noch in der Ilistoire des poissons den Mugiloiden angereiht wurde, von denen sie ohne Zweifel durch eine noch grössere Kluft als von den Scomberoiden getrennt ist. Ich beschränke mich jedoch hier vorläufig nur auf folgende Angaben. Die gesonderten, die Stelle der ersten Dorsale einnehmenden Stacheln sind insoferne betcracanlh, als abwechselnd die rechte oder linke Hälfte mehr vor- tritt. Doch sind sie nicht ausgebildete oder fertige Stacheln zu nennen, da ihr Gelcnkenile dem widerspricht; es fehlt nämlich daselbst das penetrirendeLoch, und diese der Länge nach tief gefurchten Staclieln gewähren überhaupt das Ansehen , als gingen sie nur aus der Ver- schmelzung einzelner faseriger Strahlenelemente hervor. Die Strahlen der übrigen Flossen erinnern an jene der Gattungen Xiphias, Tliy)inns uudCybiimi; sie sind vielfach getheilte faserähnliche Strahlen, die theils keine, theils nur spärliche und kaum bemerkbare Gliederung zeigen (mit Ausnahme der deutlich gegliederten Hauptstrahlen der Caudale). — Dieser Flossenbau allein schon schliesst die Gattung von den Mugiloiden geradezu aus, weniger scharf allerdings von den Scombroiden und Notacanthinen. Doch stehen einer etwa zu ver- suchenden Vereinigung mit einer dieser Fatnilien andere nicht minder wiclitige Bedenken entgegen. Die auffallende Höhe und Form des Unterkiefers macht Riss o's Idee, diesen Fisch anfänglich als „Chn7ios" zu bezeichnen, begreiflich, wenn gleich die Bezahnung desselben völlig abweichend ist, und eher noch an den Gyrntiarchtis des Nils erinnert. Fasst man die Beschuppung in's Auge, so mahnt die Lagerung der Schuppen in der That völlig an jene so vieler Ganoiden, doch schliesst die ganz abweichende Befestigung, wie auch die Structur derselben (Fig. 53) jeden Gedanken an eine nähere Verwandtschaft mit Ganoiden an sich schon aus, abgesehen davon, dass die bis zu „. _„ . . , . Flg. 53. Ende knöcherne Wirbelsäule gerade hier in seltener Weise -^^ geradlinig ausläuft. — Wenn ich schliesslich noch des Vor- |^3 handenseins einer grossen fransigen Nebenkieme und des Ver- \^^ 152 K 11 e I". Über den Flossenhau der Fische. laufes der Kopfcanäle, namentlich des mit zahlreichen gedrängt stehenden Poren mündenden SnboihiliiliLstes gedenke, so iilaiihe ich in Kürze die vielfache Coinltinalion von Merkmalen geniigend ange- dciitt't zu haben, zufolge deren die systematische Stellung dieser Gattung so äusserst schwierig ist, dass keine, die sie bisher fand, völlig befriedigend erscheint, und ich meinerseits ebenfalls nicht im Stande bin ihr einen gesicherten Platz anzuweisen. SITZUNGSBERICHTE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. MATHEMATISCH - NATURWISSENSCHAFTLICHE CL ASSE. XLIII. BA^D. ERSTE ARTHEILUNG. Enthält die Abhandlungen aus dem Gebiete der Mineralogie, Botanik, Zoologie, Anatomie, Geologie und Paläontologie. 11 153 V. SITZUNG VOM 7. FEHRUAR 1861. Das liohe k. k. Staats-Ministerinm übermittelt mit Znsclii-ift vom 31. Jänner 1. J., Z. -^, eine von Dr. D. J. Co st er in holländischer Sprache veröffentlichte Broschüre, über die Gefährlichkeit der Mischung von Schirling mit Aniskörnern. Das Mitglied des Institut de France, Herr J. B. Biot, dankt mit Schreiben vom 3. Februar 1. J. für seine Wahl zum aus- wärtigen Ehrenmitgliede; dessgleichen sind von den Herren, Prof Dr. J. Czermak und Dr. M. Hörn es, Director des k. k. Hof-. Mineralien-Cabinetes, für ihre Wahl zu correspondirenden Mitglie- dern der Akademie Dankschreiben eingelangt. Herr Hofrath W. Haidinger macht folgende Mittheilungen: „1. Das Doppelmeteor von Elmira und New Haven ; 2. der Meteor- steinfall von Parnallee bei Madura in Hindostan; 3. vorläufige Nach- richten über Vorbereitungen zu einem zweiten meteorologischen See- und Land-Congress; 4. der Fortgang der Reise des Herrn Th. Y. H engl in". Herr Regierungsrath Prof. Hyrtl überreicht eine Abhandlung: „Über das epigonale Kiemenorgan von Lutodeira Chanos". Dieselbe wird in den Denkschriften erscheinen. An Druckschriften wurden vorgelegt: Astronomische Nachrichten, Nr. 1293. Altona, 1861; 4»- Au Stria, XHI. Jahrgang. V. Heft. Wien, 1861; 8o- Biot, J. B., Etudes sur l'astronomie indienne. (Extr. du Journal des savants.) 18S9;4o- — Translation of the Sürya -Siddhänta etc. Traduction du Surya-Siddhänta, traite classique de l'astro- nomie indienne, avec des notes et un appendice par le Rev. 11* 154 E. B. li II i'5j;ess, iiiiciiMi inissiuuiiaire haptiste daiis l'Iiule, avec l'assistance du Comite de puhlication de la Societe Orientale d'Ameriqiie. (Extrait du Journal des savants.) Paris, 1861; 40* — Introiluction aux reclierclies de mecanique cliiinique, daiis lesquelles la liiiniere polarisee estemployee auxiliairement comme reactif. (Extr. des Annaies de Cliiniie et de Physique, 3"' Serie, t. o9.) Paris; 8o- Cos mos, X^ Annee, 18" Volume, ti" Livraison. Paris, 1861; 8"- Coster, D. J., Het Versehil tussehen de Anijsplant en de gevlekte Seheerling, voor Oningewijden in de Plantkunde beschreven. Met 2 gekleurde Steendrukplaten. Amsterdam, 1860; 8»- Duval, Emile, La medecine contemporaine. (3""' serie de THydrothe- rapie.) IIP Annee, Nr. 2 & 3. Paris, 1861; 8o- Istituto, R., Lombaido di scienze, lettere ed arti, Atti. Vul. II. Fase. IV, V & VI. Milano, 1860; 4o- — I. R., Veneto di scienze, lettere ed arti, Atti, TomoVP, serie 3% disp. 1" & 2\ Venezia, 1860—1861; 8o- Land- und forstwirtlischaftliche Zeitung, XL Jahrgang, Nr. 4. Wien, 1861; kl. 4o- 155 Über das epigonale Kiemenorfian der Liitodeira, mit einer Tafel und einer osteologischen Tabelle der Clupeiden Cuviera. Von dem w. M. Professor J. Hyrtl. Die kurze Abhandlung, welche ich der kaiserl. Akademie zur Verüffentlichung in den Denkschriften übergebe, enthält die genaue Beschreibung eines accessorischen Athmungsorganes der Lutodeirn, welclies ich als Kiemen sc h necke benenne. Die flüchtigen Worte ,1. Müller'si) haben die Natur dieses Organes nicht aufgeklärt. Im Gegeiitheile legten sie demselben die Bedeutung einer doppelblätterigen Kieme bei, indem die doppelte Kammreihe an der äusseren Wand des schneckenähnlich gekiümmten Organes verkannt, und für eine doppelte Reihe von Kiemenblättchen genommen wurde, während sie als Verlängerung der an der oberen Fläche der unteren Schlundkiefer, und des unteren Segmentes des vierten Kiemenbogens, aufsitzenden, feinen und langgezähnten Kämme etwas für die Athmung ganz Unwesentliches ist. Die Abhandlung weist nach, dass das epigonale Kiemenorgan derLutodeira in Form und Bau, somit auch in Verrichtung, wesentlich mit jenen accessorischen Kiemenorganen übereinstimmt, welche der Verfasser bei einigen Gattungen echter Clupeen gefunden, und in den akademischen Denkschriften, 10. Band, pag. 47 sq. beschrieben und abgebildet hat. Das Organ ist eine respiratorisclic Kiemenschnecke, d. i. ein 1 I/o mal Spiral aufgedrehter, iiäutig musculöser Gang, gestützt von ■>) Raii und Grenzen der Ganoiden, pag'. 74 iiiid 7a. löß J- " y '■ t I. Cher das epig-onale Kiemenorgan der A^forfc/ra. einer dreieckigen Knochenplatte ;im oberen Segment des vierten Kiemenbogens, mit einem respiratorischen Gefässnetz versehen, wel- ches schwarzes Blut vom Herzen erhält, und rothes zur Aorten- wurzel sendet, und überdies noch vom Viigus mit ansehnlichen Plexus ausgestattet wird. Das Vorkommen der Stützplatte am oberen Segment des vier- ten Kiemenbogens bei einigen Characinen, deren Skelete mit jenem der Lutodeira verglichen wurden , macht es sehr wahrscheinlich, dass die Kiemenschnecke auch dieser, den Clupeen so nahe ver- wandten Familie nicht fremd ist, und scheinen es vorzugsweise die Genera Proc/illodus und Citkarhms zu sein, welche sie besitzen. Fernere, bisher unerwähnt gebliebene Eigenthümlichkeiten der Lutodeira-Ki^vciQn sind folgende: 1. Jede Kiemenspalte wird durch ein, die mittleren Gelenke je zweier Kiemenbogen verbindendes Band, in eine obere und untere Spalte abgelheilt. Je zwei Kiemenbogen können somit nur soweit von einander entfernt werden , als es die Breite dieses sehr kurzen Ban- des erlaubt. 2. Die auf der concaven Seite der Kiemenbogen aufsitzenden, biserialen, langen Hornfäden (Kiemenrechen) schliessen, von je zwei Kiemenbogen, so an ihren Spitzen zusammen (durch wahre und innige Verwachsung), dass jede Kiemenspalte, gegen die Rachenhöhle zu, wie durch ein feines Visir überbrückt erscheint, welches selbst die feinsten Gemengtheilchen des die Kiemenspalten passirenden Wasser- strahles aufzufangen und zurückzuhalten vermag. Eine osteologische Tabelle über die Cuvier'sche Ordnung der Chipeaceen (welche noch etliche, seither ausgeschiedene Characinen- geschlechter enthält) bildet eine kleine Zugabe des kurzen Aufsatzes. Diese Tabelle wird, wenn auch nicht dem Zoologen, doch gewiss dem Anatomen gelegentlich gute Dienste leisten. Stoliezliü. ÜI)Pr Jle Gasiropodon iiiid Acppliiilpn der llierlatz-ScliiflidMi. 157 Über die Gastropoden und Acepitalen der Hierhdz-Schicliten. Von Fcrdinaud Stoliczka. (Mit 7 Tafeln.) (Vorgelegt in der Sitzung vom 5. Juli 1860.) Man pflegt mit dem Namen Hierlatz-Schichten verschie- dene, aber immer licht gefärbte Kalksteine zu bezeichnen, die im Gebiete der österreichischen Alpen dem Dachsteinkalke (Salz- kammergut) oder den Kössener Schichten (Tirol) aufgelagert sind, ihren Namen erhielten sie von dem südlich von Hallstatt gelegenen 63ol Fuss hohen Berge Hierlatz, dessen Petrefacten-Reichthum zuerst im Jahre 1850 durch Prof. Simony i) bekannt geworden ist. Seither wurden diese Schichten von unseren Geologen an vielen Theilen der Alpen und Ungarns beobachtet und ihre Lagerungsverhältnisse und organischen Einschlüsse mehrfach erwähnt. 1851 beobachtete Bergrath M. Lipoids) die Hierlatz-Schich- ten in der Form von grauen, seltener rölhlichen Kalken, auf der Gratzalpe bei Aussee aufgelagert dem Dachsteinkalk und über- lagert von Adnether Schichten. Herr Lipoid bezeichnete sie vor- läufig als ,,Kalke mit Cassianer Petrefacten"; von ihm sind auch alle die in dieser Arbeit von der Gratzalpe angeführten Versteine- rungen gesammelt worden. Aber schon im Jahre darauf erklärte Herr Prof. Suess s) nach einer vorläufigen Untersuchung der Brachiopoden die Ablagerungen am Hierlatz, Gratzalpe, Schafberg und zwischen dem Schladininger Joch und Donnerkogel für gleich- zeitige Bildungen, welche dem mittleren oder oberen Lias gleich- *) .lahrbueh der k. k. geolog. Reichsaiistalf. \\. |>. ß.W. 2) r. d. III, p. IM. 3) r. d. II, p. 171. 158 Stoliczka. zustellen seien. Zugleich wies er auf einige wenige Arten hin, welche dieselbei» mit den Klaus -Schichten gernein haben sollten. Trotzdem meinte 1852 Herr Bergrath Lipoid *), dass die Hierlatz- Schichten noch von Isocardien führenden Schichten — Daclistein- kalk mit Megalodoii triqueter W n\L — überlagert werden. Ihre Parallelisirung mit den Starhemberg-Schichten, als echten Einlage- rungen im Dachsteinkalk, hat sich später als unrichtig erwiesen 2). In demselben Jahre beschrieb Prof. Reuss s) die ersten zwei Ga- slropoden ans den Hierlatz-Schichten, Euomphalus orbis und Eu. excavatus ; er bezeichnete sie ebenfalls als dem Lias angehörig. Im Jaiire 1803 lieferte Dr. M. Hörnes eine umfassendere Bearbeitung dieser Thiergruppe in F. v. Hauer's „Gliederung der Trias-, Lias- und Juragebilde der nordöstlichen Alpen" *) und wies mit Bestimmtheit die Identität mehrerer Arten mit denen aus dem mittleren Lias von Fonlaine-Etoupe-four nach. Hrn. Dr. Hörnes' Untersuchungen bestätigten vollständig jene, welche F. v. Hauer an den Cephalopoden gemacht hatte und von Hauer unterschied nun die Hierlatz-Schichten mit den Adnether Schichten und dem Flecken- mergel als oberen Lias im Gegensatze zum Dachsteinkalk, Starhem- berg- und Kössener Schichten als unteren Lias. Durch die Bearbeitung von Dr. Hörnes ist die Zahl der Gastropoden auf 25 gehoben worden. Bald darauf veröfTentlichte Dr. Schafhäutl^) ein Verzeich- niss von 5 Acephalen und 13 Gastropoden vom Hierlatz. Es sind darunter meist schon durch die früheren Arbeiten bekannt gewor- dene Formen, bis auf einige neue Arten, deren Beschreibung und Abbildung jedoch so kurz und unklar ist, dass sie eine Verglei- chung nur äusserst schwer zulassen. Selbst nach der Sammlung des Herrn Hofrathes Fischer aus München, welche Herr Schafhäutl ebenfalls benutzte, war es mir mit einer einzigen Ausnahme nicht möglich, die Arten des Verfassers mit Sicherheit auszumitteln. Herr Schafhäutl reiht die Hierlatz -Schichten in die Gruppe seiner Alpen-Oolithe ein. 1) Jahrb. d. k. k. geol. Reichsanst. Hl, p. 93. 2) r. ,i. |v. 18S3, p. 730. -) D un- ke r's Paläontogr. Bd. III, p. 113. 4) Jahrb. IV. p. 7ö2— 764. *) Bionirs Jahrb. i8ö4, p. 346—548. über die Giistropoden und Aceidialen der Hierlatz-Seliiehteii. 159 In den folgenden Jahren beobachtete diese Schichten Dr. Pe- tei-si) ;ui der Kukowa Spica (8000) und am TrigKiw (9037 Fuss) in Krain, Dr. A. Pich 1er (e. d. 1856, p. 733) an der Ostseite des Sonnenwendjoches gegenüber von Brixiegg, M. Lipoid (e. d. 1857, p. 219) in Oberkrain am Hochplateau der Jelouza und des Ratitouz, F. V. Hauer (e. d. 1857, p. 801) südlich von Vils und an dem Seferspitz zwischen Vils und Höfen in Tirol, D. Stur (e. d. 1858, p. 342) im Gebiete des Isonzothales. Am ausführlichsten sind die Lagerungsverhältnisse der Hierlatz- Schichten an der typischen Localität selbst, — am Dacbsteinplateau von Prof. Suess 2) geschildert worden. Die Kalke sind hier in hohem Grade krystallinisch , weiss, stellenweise mit rotligefärbten eingelagerten Partien. Am Hierlatz kommen Bänke vor, welche nur ein Agglomerat von Muschelschalen sind. Diese Schichten erlangen hier eine Gesammtmächtigkeit von etwa 150 — 200 Fuss, bilden jedoch keineswegs eine zusammenhängende Decke über den Dach- steinkalk, sondern nur die Gipfel einzelner Berge. Sie sind durch viele und bedeutende Verwerfungen in isolirte Partien geschieden worden und liegen desshalb in verschiedener Höhe. Am Hierlatz beträgt dieselbe 6351 Fuss, am Wege zwischen dem Ochsenkogel und Niederkreuz steigt sie auf 7800 Fuss. Fasst man nun die ganze Verbreitung der Hierlatz-Schichten zu- sammen, so sieht man sie sowohl am nördlichen als südlichen Ab- hänge der österreichischen Alpen vertreten; ausserdem sind sie in neuester Zeit von unseren Geologen auch in Ungarn beobachtet worden. Es sind hier wie auch in den baierischen Alpen s) nur Kalkablagerungen, währen-d die ihnen entsprechenden Schichten in Schwaben meist Mergel und Thone (Lias 7 und d von Prof. Quen- stedt) sind. In der Normandie sind es lichte Mergel. In Vorarl- berg scheinen diese Schichten zu fehlen. Was nun die organischen Einschlüsse der Hierlatz-Schichten betrifft, so ist bis jetzt nur an drei Localiläten im Salzkammergut ») .lahrb. d. k. k. geol. Reichsanst. VIF. 18Ö6, p. 686. -) F. V. Hauer, Geolog. Durchschnitt von Passau bis Duino. Sitzung-sberichte der kais. Akad. Bd. XXV, 1857, p. 306. 3) Schlag'in twei t, Neue Untersuchung'. Phys. Geograph, d. Alpen, 1834, p. 339 und Prof. Suess, Jahrb. d. k. k. geolog. Reichsanst. 1856, p. 379 und Gueinbel e. d. 1837, p. 147. 160 S t o I i c /. k a. (Hierlatz bei Hallstatt, Gratzalpe hei Aussee und Schafberg hei Isciil) eine grössere Menge von Petrefacten gesammelt worden. Es tritt uns aber hier eine Mannigfaltigkeit von Formen entgegen, wie sie kaum eine andere Lias-Kauna erreicht. Mit Ausnahme von zwei Arten grosser Cidariten und seltenen Fisch- und Saurierresten sind es aber fast durchaus Mollusken, welche man hier findet. Von letzteren haben bereits die Cephalo- poden an Heriii von Hauer *) einen trefflichen Bearbeiter gefunden; die Brachiopoden werden von Prof. Suess beschrieben werden. Die Aufgabe dieser Schrift soll es sein, die übrigen Molluskenreste dieser Ablagerungen zu schildern und so das Bild dieser reichhalti- gen Fauna zu vervollständigen. Durch die früheren Arbeiten wurde die Zahl sicher bestimmter Gastropoden auf 25 Arten gebracht, in Bezug auf die Acephalen war nichts geschehen. Fortgesetzte Aufsammlungen von Seiten der k. k. geologischen Beichsanstalt, des k. k. Hof-Mineralien-Cabinetes und des Hrn. Hofrathes Fischer aus München haben das Material sehr gehoben; namentlich hat das Mineralien-Cabinet noch in letzter Zeit eigene Sammhingen an der bis jetzt am wenigsten bekannten Lücalität, am Schafberge, anstellen lassen. Hierdurch wurde es mir möglich im Nachfolgenden 72 Arten 2^ zu beschreiben, von denen 54 auf die Gastropoden , 17 auf die Acephalen entfallen ; am Schlüsse ist die Beschreibung des einzigen Anneliden, einer Ser- jmla, beigefügt. Was den allgemeinen Charakter der Gastropoden anbelangt, so ist es auffallend, dass unter 54 Arten nur eine einzige: Alaria Fischeri, zu den Canaliferen gehört, während alle anderen eine ganzrandige Mündung besitzen. Eine Vergleiciiung dieser Fossilien mit ausseralpinen Vor- kommnissen bestätigt die schon von Dr. M. Hörn es ausgespro- chene grosse Übereinstimmung derselben mit einer weit entlegenen Gegend der Normandie. Die grosse Ähnlichkeit der Fauna der Hierlatz-Schichten mit jener des mittleren Lias vonFontaine-Etoupe- four ist gewiss eine höchst aufl'allende Erscheinung. 1) Cephalopoden des Lias der Alpen. Denksehrifleii der k. Akademie, Bd. XI, 18ö6. ^) Die Gesainintsumme dürfte jedenfalls die Zahl 80 erreichen, da mehr als 8 Arten we|j:eii sehr sclileclitcr Krlialliing' einer s|i;it(M<'ii lieinheilun'i vorbehalten wurden. über die Gastropoden und Acephalen der Ilierlalz-Sehiohten. 161 Zählt man von den liier angeführten 72 Arten 48 ausser den Alpon noch gar nicht hekannte ab, so bleiben 24 Arten übrig, von denen 18 sich als identisch mit denen des mittleren Lias der Nor- mandie, 12 mit denen in Süddeutschland herausstellen; von diesen kommen G Arten in den Alpen, Süddeutschland und Frankreich vor. Einige darunter sind höchst charakteristische Arten des mittleren Lias, wie z. B. Chemnitzia luidulata, TrocJius ejmlus, T. late- umbilicatns, T. Cupido, Pitonellus conicus, Pleurotomaria cx- pansa, PL intermedia, Pecten amaltheiis , Lima Deslongchampsi u. a. m. Aber auch unter den als neu angeführten Arten zeigen einige eine so grosse Ähnlichkeit mit solchen aus den liasischen Ablage- rungen anderer Länder und besonders der Normandie, dass man sie als vicarirende Formen betrachten kann, so zum Beispiel: in den Alpen: j ausser den Alpen: Chemnitzia striata t ! Turritella elongnfa So w. , „ fistulosa, i „ inaequicinda Münst., Trochus plectus, | Trochus Cirrns Ovh., „ trinodosus, \ „ trimonilis Orb., „ gramiliferns, „ Normanianus Orb., „ Averniis, : Turbo Nireus Ovh., Rotella macrostoina, \ Delphimda reflexilabrnm Orb., Pecten subreticidatus, i Pecten reticidatus Sc\i\o\.h., „ verticillus „ textorius Münst. u. s. w. Namentlich hat die Sippe Discolielix mehrere mit Fontaine- Etoupe-four auflallend ähnliche Arten aufzuweisen, die jedoch d'Orbigny noch nicht kannte und welche einer speciellen Bear- beitung von Hrn. Eng. Deslongchamps entgegensehen. Wirft man ausserdem einen Blick auf das Art -Vorkommen an den drei in der Schlusstabelle angegebenen Localitäten in Osterreich, so bemerkt man leicht, dass gerade jene Arten, welche an allen drei Orten vorkommen, gewöhnlich auch ausser den Alpen gefunden worden sind, oder dass sie dort wenigstens durch sehr ähnliche vertreten werden, die sich vielleicht durch unmittelbare Yerglei- chung mit Original-Exemplaren als identisch erweisen würden, wie 162 S t o I i c z k a. solche Fälle nur zu oft vorkommen. Beispiele hiervon liefern: Trochiis latilabrus, T. cupido, Rotella macrostoma , Discohelix orbis, PL heliciformis , PI. anglica, PL princeps, Clienmitzia undalata u. A. Überhaupt zeigt diese Fauna eine weitaus grössere Übereinstimmung mit ausseralpinen Vorkommnissen, als sie bei irgend einer älteren unserer secundären Ablagerungen in den Alpen zu finden ist. Schon im Jahre 1856 meinte Prof. Suess ') , es lägen noch nicht hinreichende Daten vor, um zu entscheiden, ob man die Hierlatz- Schichten als eine abgesonderte Ablagerung des Lias oder als eine locale Abänderung der Adnether Schichten betrachten solle. Aus den Gastropoden und Acephalen lässt sich da ebenfalls kein sicherer Schluss ziehen, weil dieselben, wie auch die Brachiopoden, in den Adnetlier-Schichten ungemein selten sind. Bis jetzt sind nur PL ex- paiisa, PL princeps und PL anglica bei Eiizesfeld gefunden worden. Es sind dies aber gerade Arten, welche in ähnlichen Formen durch den ganzen Lias wiederkehren und desshalb eine sichere Abgren- zung nur äusserst schwer und zweifelhaft zulassen; sie sind aber unzweifelhaft mit den Arten vom Hierlatz ident. Nach Herrn F. v. Hauer 2) haben die Hierlafz-Schichten unter 21 Arten von Cephalopoden 10 mit den Adnether gemeinschaftlich. Gewiss ist daher, dass beide Ablagerungen einander sehr verwandt sind , wofür auch die Lagerungsverhältnisse der letzteren am Dach- steinkalk oder den Kössener Schichten sprechen. Ausserdem kommt es nicht selten vor, dass, wo die eine Ablagerung auftritt, die andere fehlt. Das Material zu dieser Arbeit stellten mir die k. k. geologische Reiehsanstalt und das k. k. Hof-Mineralien-Cabinet zu Gebote, wo sich auch die Original-Exemplare fast ohne Ausnahme belinden. Die Beschreibungen sind im Locale und mit Benützung der Mitteides k. k. Hof-Mineralien-Cabinets entworfen. Namentlich konnte ich eine reiche Sammlung von Petrefacten aus dem mittleren Lias der Normandie, welche Hr. E. Deslongchamps eingesendet hat, zu Rathe ziehen. Ja ich kann sagen, dass es nur hierdurch möglich war, die Identität der Fauna zweier so weit entlegener Gegenden ') .lühilmch Vn. p. 380. ~) Cephalopoden der nordöstl. Alpen. Üenkscliriflen der U. Akad. XI. 183G, p. 78. Ül)er die (iasti'Diioden tiiiil Aceplialeii der llieil:it/.-Scliicliteii. 163 festzustellen. Ich sehe es daher für meine Pth'cht an, hier den Lei- tern genannter Anstalten: Hrn. Hofrath Dr. W. Haidinger und Dr. M. Hörn es meinen verhindlichsten Dank auszusprechen. Ebenso sehr fühle ich mich zum iierzlichsten Danke verpflichtet gegen meinen hochverehrten Lehrer Prof. E. Suess, der mich stets durch Rath unterstützt und die ganze Arbeit geleitet hat. I. Gastropoden. Chcmnitzia undalata Benz. sp. Taf. I, Fig. 1. 1832. Turrltclla undulata Benz, Zielen, Petrefacten Württemb. pag-. 43, t. 32, f. 2. — 1836. Tiirritclla triplicuta Römer, Oolith , pag-. 1S4. — {^äl. Chcmnitzia tiiiditlata und Periniana d'Orb., Pal. franc. terr. jur. toin. If, p. 3ö, pl. 237 u. p. 36, pl. 243. — Scalaria liasica Quenstedt, Handbuch t. 33, f. 27 und Opp el, Jahresh. mittl. Lias III. t. 13, f. 14. — 1833. Chcmnitzia Periniana (Hörn es), I. e. p. 737. — i8.')4. Chcmnitzia lumilata SchafhäutI, Leonhard und Bronn's Jahrbuch p. 347, t. 8, f. 13. — 18S6. Turritella undulata (Que nst.) Jura, p. 133, t. 19, f. 14, nicht f. 13. — Chcmn. id. Oppel, Juraf. p. 169. Das fast pfriemenforniige Gehäuse besteht aus 8 — 12 schwach gewölbten Umgängen mit sanft gebogenen Querrippen und feinen Spiralfurehen. Von ersteren kommen auf jeden Umgang 13 — 20, von letzteren meist 15. Längs der Basis jeder AVindung zeigt sich ein etwas stärkerer Spiraireifen , der an der Sehlusswindung einen deutlichen Kiel bildet. Die obersten zwei Windungen sind glatt. Manchmal ist die Schale dünner und dann nehmen sowohl die Querrippen an Stärke als auch die Spiralfurchen an Deutlichkeit ab. Die Mündung ist länglich-eiförmig, nach oben zugespitzt. Der äussere Mundrand ist scharf, der innere bedeckt als dünne Lamelle die ziendich weit vortretende Spindel. An der Basis sind die conceiitrischen Streifen meist etwas stärker als an der übrigen Oberfläche der Schale. Der Gewindewinkel beträgt fast immer 12 Grad. Von den vielen verwandten Arten, wie Ch. Bmigieriana Orb. (pl. 237), Tiirr. muricala Sow. (Quenstedt, Jura p. 38o, t. ij2, f. 5) und anderen unterscheidet sich diese Species durch ihre zweifache Verzierung und den Constanten Ge winde winkel. Sehr häufig am Hierlatz, selten am Schafberg bei Ischl, ausserdem im mittleren Lias von Breitenbach, Reutlingen, Weidbach, Heiningen, Aalen, (Zieten); Fontaine-Etoupe-four, Chalon sur Saone (Saone et Loire, Orbigny) im Lias y *on Schwaben (Quenstedt). Chenmitzla Saessi Stol. Taf. I, Fig. 2. Das Gewinde ist verlängert kegelförmig, gewöhnlich aus 10 becherförmigen Umgängen zusammengesetzt, die durch einen Kiel an der Basis von einander 164 S t l i c i k a. getrennt werden. Die zwei obersten Windungen sind glatt, die übrigen mit zahlreichen — 20 — 24 — schief von links nach rechts stehenden Rippen be- deckt, über welche am unteren Theil ein mehr oder weniger deutlicher Streif lauft, der jedoch meist nur in einzelnen Knötchen an den Rippen erhalten ist oder auch ganz fehlt. Die Schlusswindung ist gekielt, die Rasis Spiral gestreift, die Mündung ahgeriindet, nach oben zugespitzt. Der Gewiiidowinkol beträgt 20 Grad. Der Hauptunterschied zwischen dieser Art und der Ch, midntataB anz sp. liegt darin, dass erstere selbst bei gleicher Zahl der Umgiinge nie die Grösse der lelzteren erreicht, weil die Höhe jeder Windung fast nur die Hälfte ihrer Rreitt: beträgt, während sich bei Ch. undidala beide Dimensionen ziemlich gleich bleiben; ferner sind bei Ch. Sitessi Aie Querrippen zahlreicher und die Spiral- l'urchen fehlen ganz. Eine ähnliche Art beschreibt Münster als Melanin anniUala (Goldfuss p. HO, t. 198, f. 2) und Ouenstedt bildet in seinem Jura (iSö8, t. 19) meh- rere nicht näher bestimmte Stücke von Gaslropodenschalen aus dem Lias y ab, von denen namentlich Fig. 9 der Hierlatzer Art am nächsten verwandt zu sein scheint. Chetnniizia Suessi kommt sehr selten am Hierlatz vor. Aus dem mittleren Lias von Fontaine-Etoupe-four besitzt das k. k. Hof-Mineralien-Cabinet zwei Stücke. Chcuinitzia Hierlatzensis Stol. Taf. 1, Fig. 3. Das Gehäuse besteht aus zahlreichen, schwach gewölbten Umgängen _, die mit je 20—24 gebogenen, stärkeren Querrippen bedeckt sind und ausserdem mit sehr vielen Querstrelfen. Längs den beiden Näthen, so wie auch in der Mitte ist jede Windung etwas schmäler. Die stärkste Convexität befindet sich etwas unter der Mitte, und daselbst so wie in einiger Entfernung nach oben und unten befinden sich Reihen kleiner Knötchen an den stärkeren Querrippen, die vielleicht übriggebliebene Reste von Spiralstreifen sind. Der Gewindewinkel beträgt 10 Grad. Sehr selten am Hierlatz. Chcmnitzia multicostata Stol. Taf. I, Fig. 4. Die Schale ist spifz-4iiBgelförmig, die 10—12 Umgänge fast eben und durch einen Kiel an der Rasis von einander getrennt. Schiefe, von links nach rechts stehende Querrippen — 40 — SO an einem Umgange — bedecken die ganze Schale und lösen den Kiel an der Schlusswindung in einzelne, obwohl nur undeutliche Körner auf. Die Basis ist gewölbt und mit sehr zahlreichen Spiral- furchen versehen. Die Höhe jedes Umganges beträgt nur einen Drittheil der Breite. Die Mün- dung ist eiförmig und wird nach unten ziemlich breit. Der Gewindewinkcl beträgt 22 Grad. Sehr selten am Hierlatz. Von Chemnitiia Ä/c's«/ unterscheidet sich diese Art durch niedere Umgänge und viel zahlreichere Querrippen. Ülier die (iastropoileii iimi Auo|)lialcii iler Flierlutz-Schiclitcn. j 65 Cliemnitzia tupgida Stol. Taf. I, Fig. 5. Das tliurmföriiii'oi) Ch. striata Hörn es. Wiens Tei tiärmollusken I. Bd. ibö6, p. 541, t. 43. |()6 S t o 1 i c i k a. nur eine Breite von 3 Millim. an der Basis; diese ist dicht spiralgestreift. Die Mündung ist langiich-eiförmig. Der Gewindewinkel wechselt zwischen 5 und 7 Grad. Am Hierlatz kommt diese Art nicht sehr häufig vor, noch seltener aber am Schafberg, daselbst jedoch von bedeutender Grösse. Eine ganz ähnliche Sculptur besitzt Cerithium tortile Des long. (Mem, soc. Linn. de Normandie 1838, VII, pl. 9, f. 1^) von Fontaine-Ktoupe-four, so wie Turr. opalina Quenstedt (Jura 1858, p. 326, t. 44, f. iä). Turr. elongata Sow. (Zieten, p. 43, t. 32, f. S) unterscheidet sich nur durch etwas grösseren Gewindewinkel und geringere Zahl von Spiralstreifen an jedem Umgange. Sie kommt im Liasschiefer von Stuifenberg vor. Cheninitzia crenata Stol. Taf. I, Fig. 8. Das verlängerte Gewinde besteht aus 10 convexen Umgängen, deren Höhe zur Breite sich wie 3 : 7 verhält. Die ganze Sehale ist mit sehr zahlreichen feinen F'urchen bedeckt, über welche an den obersten Windungen schwache Querrippen verlaufen, so dass an den Durchkreuzungsstellen Knötchen ent- stehen. Zu oberst an der Nath befindet sich ein etwas stärkerer Spiralstreifen. Der Gewindewinkel beträgt 2S Grad. Sehr selten am Schafberge bei Ischl. Chemoitzia fistulosa Stol. Taf. I, Fig. 9. Das pfriemenförmige Gewinde setzen zahlreiche Umgänge zusammen, die durch tiefe Näthe von einander getrennt werden. Die Windungen sind fast so hoch als breit und jede derselben wird durch einen starken Kiel in zwei unter einem stumpfen Winkel zusammenstossende, ebene Hälften getheilt. Zwei gleich gebildete Kiele befinden sich auch längs den Näthen, und einer in der Mitte der unteren Hälfte jedes Umganges. Sonst bemerkt man an der glatten Schale ziemlich breite Zuwachsstreifen. Diese stehen am oberen Theile von links nach rechts, am unteren aber von rechts nach links, so dass sie die stärkste Krümmung an dem mittleren Kiel erleiden. Eine abgesonderte halbmondförmige Krümmung von Zuwachsstreifen an dem mittleren Kiel, die an die Sippe Murchisonia erinnern würde, ist jedoch nicht wahrnehmbar. Sandberger (Verst. d. Rhein. Schicht. 1850— I8S6, p. 203, t. 24, f. 18) beschreibt eine ganz ähnliche Form als Plcurotomaria Ncrinea Sandb. und vermulhet die Spaltdecke zwischen den zwei mittleren Kielen. Bei der Art vom Hierlatz könnte sie nur an dem mittleren Kiel liegen , denn unterhalb sind die Zuwachsstreifen nicht mehr unterbrochen. An der Basis befinden sich 3 oder 4 Spiralreifen. Die Mündung ist viel breiter als es gewöhnlich bei Chemnitzien vorkommt. Die Spindel ist glatt. Der Gewindewinkel beträgt 5 Grad. Diese Art kommt sehr selten am Hierlalz vor und zugleich mit ihr noch eine andere viel schlankere Form, deren Umgänge eben und mit zahlreichen über die Gastropoden und Acephalen der Hierl.itz-Schichten. 167 Körnerreihen geziert sind. Die wenigen Bruchstücke lassen jedoch keine wei- tere Destimmung zu; nur hat sich aus einem LängsschliflFe ergeben, dass es keine Ncrinea sei, obzvvar sie in der äusseren Form mit dieser Sippe sehr viel gemein hat. Sehr verwandt mit Chemnitzia fistiilosa ist Turr. inaequicincta Münst. (Goldf. p. 100, t. 196, f. 9) aus dem Lias von Pretzfcld, bei welcher der Gewindewinkel ein wenig grösser ist und an der unteren Hälfte jeder Windung sich vier Spiralreifen befinden. Chemnitzia margaritacea Stol. Taf. I, Fig. 10. Die Schale ist thurmförmig verlängert und besteht aus zahlreichen, kan- tigen Umgängen, welche durch tiefe Näthe von einander getrennt sind. An der unteren Hälfte jeder Windung befinden sich fast immer 4 gekörnte Spiral- streifen, mit denen oft schwächere abwechsein. Die obere Hälfte ist mit Spiral- und schiefen Querstreifen bedeckt, welche an den Durchkreuzungspunkten schwache Knötchen bilden. Öfters verliert sich die Sfreifung und man bemerkt blos zwei oder drei Reihen von Körnern; oder es verschwinden auch diese, in welchem Falle der obere Theil der Umgänge glatt ist und dem von Trochus Cupido Orb. ähnlich sieht. Diese Änderung in der Sculptur findet bald an den oberen, bald an den unteren Windungen Statt, so dass sie nur von dem zufälli- gen Erhaltungszustand abzuhängen scheint. Am längsten erhält sich gewöhn- lich eine Körnerreihe längs der oberen Nath. Die Basis ist stark gewölbt und mit sehr dicht stehenden, ungleich starken Spiralstreifen bedeckt. Die Mündung ist fast rund, nach oben nur wenig zuge- spitzt. Der Gewindewinkel beträgt 12 — 15 Grad. Selten am Hierlatz. Diese Art entfernt sich durch die eigenthümliche Bildung der Schale eben so sehr von Turritclla als durch die stark abgerundete Mündung von Chem- nitzia. Ich habe sie daher auch nur vorläufig hieher gestellt, da die wenigen Bruchstücke, welche mir vorliegen, nicht hinreichend scheinen, um die Sache festzustellen. Bezüglich der Form und Sculptur stimmt sie am meisten mit Turritella Ponti G oldf. (p. 103, t. 196, f. 2) aus dem Übergangskalk der Eifel überein. Schafhäutl führt (Leonhard u. Bronn's Jahrb. 18S4, p. S47) vom Hierlatz Turritella s?tb ff ramilata und subornata Sehn ih. an, deren kurze Dia- gnosen aber auf keines der mir vorliegenden Exemplare passen. Tpochos epulus Orb. Taf. I, Fig. 11. 18Ö2. Trochus epxlus Orbigny, I. e. p. 2ö3, pl. 307; 18ö3. Hörnes, 1. c. p. 738. Die Schale ist kegelförmig, aus 10 oder 12 glatten und ebenen Um- gängen zusammengesetzt, deren Höhe zur Breite sich wie 1:4 verhält. Die Schlusswindung ist an der Peripherie der Basis ziemlich scharf; die Basis selbst ist entweder fluch oder sehr sehwach gewölbt, nur in der Spindelgegend ist eine constante Vertiefung, aber kein Nabel vorhanden. Die obersten Windungen Sitzl). d. miillKMi.-niitursv. Cl. XMII. Bd. I. Ahlli. 12 108 S t (. I i c /. k a. sind jjewöliiilii'li in eini- zit/.enfüimi<;re Spilzc :ius<^e/of^en. Die Mündung' ist iiicdertjfdriic'kt viersoitif^, i'lwa um die Hälfte liroitcr als hoch. Der Oewiiide- winkol wecii.st'lt zwischen 33 und 4d Grad. Häufig am Hicrlalz, selten auf der Gratzalpe; ausserdem im mittleren Lias von Fontaine-Etoupe-four. Vom Schafbei-ff iietjt ein Stück von 24 Millim. Höhe und 17 Millim. Breite an der Basis vor, stimiiil aber in allen (ihrigen Merkmalen mit lien Exemplaren vom llierlatz iiherein. Vorliegende liesehreihung passt besonders auf die urs|»rüng!ieheOrbi gn y- sche Art, wie sie nur selten am Hierlalz vorkommt und zwar lediglieh in kleinen Exemplaren oder Bruchstücken. In Fig. 11 « ist ein Stück abgebildet, das längs den Nätben einen schwachen abgerundeten Kiel hat, so dass die Umgänge concav sind; bei Fig. 116 löst sich der obere Kiel an den höheren Windungen in schwache Körner auf, während die unteren vollkommen eben sind, Fig. 11 c ist ein grösseres Exemplar, bei dem die einzelnen Windungen gewölbt sind, so dass man allmähliche Übergänge zu stufenförmig abgesetzten Windungen findet, die sich von Trochns Acteon Orb. (1. e. pl. 306) nicht unterscheiden. In demselben Masse als die Umgänge, wird auch die Basis etwas gewölbt, deren Mitte aber stets mehr oder weniger vertieft ist. Trochns minimus Schafhäutl (Leonhard u. Bronn's Jahrb. 1834, p. 548) dürfte sieh auf eine abgebrochene Spitze von T. epulus Orb. beziehen. Es ist merkwürdig, dass in den Hallstätter Schichten eine ganz ähnliche Art, Troihus stroOiliforrnis Hörn es (Denkschriften d. k. Akad. d. Wissensch. zu Wien, XII. Bd. Ic^SO), vorkommt, welche sich nur durch flachere spiral- gestreifte Basis unterscheidet. Eben so kommt hier eine andere noch unbe- schriebene Art, die von Trocktis carinifer Hörn, ebenfalls nur durch concen- trische Streifung an der Basis verschieden ist. Diese Arten sind somit mit Beeht als vicarirende anzusehen. Trochas laeviuscaius 8 toi. Taf. II, Fig. VI, Die Schale ist kegelförmig, gewöhnlich aus 9 schwach gewölbten Umgän- gen zusammengesetzt, deren Höhe zur Breite sich beiläulig wie 1:4 verhält. Die Schlusswindung ist abgerundet, die Basis gewölbt. Die ganze Schale ist glatt und ungenabelt. Der Gewindewinkel beträgt 50 Grad. Die abgerundet vierseitige Mündung steht schief zur Axe des Gehäuses. Ziendich selten am Schafberg bei Ischl. Trochns ejjii/its unterscheidet sich stets durch ein viel höheres und schmä- leres Gewinde und viel (laciiere Basis. T. Ajax Orb. und T. Acis Orb. (I. e. 307 u. ;)13) iTaben viel höhere Windungen; ebenso auch Troch. nudus Goldf. p. 54, t. 180. Die Exemplare vom Schafberg stimmen vidlsländig mit der Abbildung des Trochns von Quenstedt (Jura t. 24, f. 9) aus dem Lias aK Stul. T.if. I, Fig. 10. Die Schule ist klein, kegelförmig und besteht aus 12 — 14 ebenen Windungen. Jeder Umgang wird von zwei scharfen Kielen begrenzt, von denen der obere sich nn den höheren Windungen in einzelne Körner auflöst. Durch diese Kiele erscheinen dann die Umgänge concav. Die Schlusswindung ist gekielt, die Basis schwach gewölbt und in der Mitte ein wenig vertieft. Die ganze Schale ist sonst glatt und ungenabelt. Die Mündung ist niedergedrückt vierseitig, etwas breiter als hoch. Der Gewindewinke! beträgt 2a Grad. Sehr selten auf der Gratzalpe. Dieser kleine Troc/iiis unterscheidet sich von T. carinifer durch seinen doppelten Kiel und n der IlierlaU-Scliielileii. 1 T 1 Trocims Aegion Orb. (I. c. p. 255, pl. 307) aus dem mittleren Lias von Coutard bei Saint-Amand hat eine ähnliche Ornamentik aber einen grösseren Windungswinkel und keinen oder wenigstens einen hei weitem nicht so starken Kiel längs der Basis jeder Windung. Ein einziges Exemplar von der Gratzalpe. Trochus plcctns Stol. T;if. 1, Fi^^ 19. Das kegelförmige Gewinde setzen 12 sehr niedrige und ebene Umgänge zusammen. Die Spitze des Gehäuses ist wie bei Trochus epnlus Orb. zitzen- förmig ausgezogen. An jeder Windung befinden sieh drei Reihen stumpfer Knoten. Die oberste Reihe trägt die stärksten Knoten und ist gewöhnlich durch eine feine Furche von den zwei unteren getrennt. Bei diesen letzteren stehen die Knoten schief unter einander und fliessen sowohl unter sich als auch mit den Knoten der obersten Reihe öfters zusammen, so dass an der Schlusswin- dung nur starke Rippen zu sehen sind. Die Basis ist flach und glatt, oder nur sehr fein spiral gestreift. Die Schale ist ungenabelt, die Mündung niedergedrückt vierseitig, noch einmal so breit als hoch. Der Gewindewinkel beträgt 45 Grad. Von dieser Art liegt mir nur ein einziges Exemplar vom Hierlatz vor, das bezüglich der Ornamentik grosse Ähnlichkeit mit Trochus Cirrus Orb. aus dem mittleren Lias von Landes (Calvados) zeigt. Bei diesem ist jedoch die unterste Knotenreihe die stärkste, die Schale genabelt und die Furchen zwischen den einzelnen Reihen viel tiefer. Von Trochus monilifer Sow. (Zieten, Petref. Württemberg t. 34, f. 4) dürfte jedoch die Orbig ny'sche Art nicht verschieden sein. Trochus atteuuatas Stol. Tat". II, Fig. 1. Das Gehäuse besteht aus 8 — 10 ebenen Umgängen, die ein glatter Spiralstreifen an der Basis jeder Windung von einander trennt. Über diesem befinden sich drei Reihen mehr weniger stumpfer Knötchen, von denen die unterste am stärksten auftritt, wodurch die einzelnen Umgänge zum Theile übergreifend erscheinen. Die Schale ist ungenabelt und die Mündung schief vierseitig. An der Basis bemerkt man nur eine undeutliche feine Spiralstreifung; sie ist gegen die Peri- pherie zu von einem stärkeren Reifen abgegrenzt und hierdurch schwach rinnen- förmig ausgehöhlt. Der Gewindewinkel beträgt 20 Grad. Diese Art kommt sehr selten am Hierlatz vor. Orbigny beschreibt von Fontaine-Etoupe-four mehrere auffallend ähn- liche Species, wie namentlich Trochus Gca Orb. und Trochus Normanianus Orb. Beide besitzen jedoch einen tiefen Nabel und dürften nicht wesentlich von einander verschieden sein. 1 72 S t o 1 i c z k a. Trochos grannlifcrus Stol. Taf. II, Fig. 2 — 4. Die Schale ist verlängert kegelförmig und zählt gewöhnlich 8 fast ebene Umgänge. An jeder Windung befinden sich vier Spiralreihen abgerundeter Körner, die an der Schlusswindung etwas weiter auseinander rücken und durch schief stehende Querrippen mit einander verbunden werden. Öfters schieben sich an den unteren Umgängen mehrere Körnerreihen ein, wobei alle bedeutend an Stärke abnehmen, so dass sie am letzten Umgänge oft nur die Stärke der Zuwachsstreifen besitzen. Selten werden die Windungen etwas mehr gewölbt, und in diesem Falle ist die Ornamentirung viel schwächer. Die Basis ist schwach gewölbt, conccntrisch gestreift und ungenabejt; die Mündung schief vierseitig. Der Gewindewinkel wechselt zwischen 30 und 3ö Grad. Häufig am Hierlatz. Bei der grossen Veränderlichkeit in der Schalensculptur erwähne ich vorzüglich eine sehr seltene Varietät dieser Art, die in Fig. 3 abgebildet ist. Die Umgänge sind eben und an ihrer Basis ein runder Kiel, über welchem sich eine starke Körnerreihe befindet, hierauf zwei sehr schwach, dann wieder eine etwas stärkere und endlich eine Doppelreihe, bei der die Körner je zwei schief unter einander stehen und zu länglichen Wülsten zusammengeflossen sind. Nur an der Schlusswindung ist eine Trennung der zwei Knotenreihen durch eine feine Furche angedeutet. Sämmtliche Stücke vom Hierlatz gleichen noch am meisten dem Trochns Emylius Orb. (1. e. Tab. 309) von Fontaine-Etoupe-four, der sich durch viel tiefere Näthe und einen grösseren Gewindewinkel unterscheidet, wie ich mich durch Vergleichung mit einem Originalstücke aus Frankreich überzeugte. Trochus Rneri Sto!. Taf. II, Fig. 5. Das Gehäuse ist verlängert kegelförmig, viel höher als breit. Die Umgänge sind schwach gewölbt, mit zahlreichen (bis 10) Spiralstreifen bedeckt. Die Schlusswindung ist durch einen stärkeren Reif, der sich längs der unteren Nath hinaufzieht, gekielt. Die Basis ist convex und spiralgestreift, die Mündung schief vierseitig, die Innenlippe flach und durch eine Furche von der Schale getrennt. Der Gewindcwinkel beträgt 36 Grad. Selten auf der Gratzalpe. Trochns Avernos Stol. Taf. II, Fig. 6. Das breit kegelförmige und zugespitzte Gewinde zählt gewöhnlich 7 schwach gewölbte Umgänge. Die ganze Schale ist mit zahlreichen, abwechselnd starken Spiralstreifen bedeckt, von denen der unterste Streif an jedem Umgänge am stärksten auftritt und an der Schlusswindung einen Kiel bildet. Die Basis ist gewölbt und ebenfalls Spiral gestreift. Die Mündung ist abgerundet, schief vier- seitig, nach oben zugespitzt. Der rechte Mundrand ist scharf, die Sj)indel glatt und bei ihrer Verlängerung etwas umgebogen. Ein Nabel fehlt. Der Gewinde- winkel beträgt 52 Grad. über die Gastroiniden uii s Note siir tc (jenre Eiirijr/iix, Bulletin (tc In nnc. IVorm. ISßO. Ül»er die Giistropotlen und Aeeplialeii der Ilierliitz-Scliiehteii. 177 Die Mündung ist rund und hat eine sehr schiefe Lage zur Axc. Die Innen- lippc logt sieh als eine dünne Lamelle an die Schale. Ein Nahe! fehlt. Der Gewindcwinkel hotriigt 50 Grad. Häufig am Schafherg. Diese schöne Art hat einige Ähnlichkeit mit Turbo Bertholeli Orb. (1. c. p. 337, pl. 328) aus dem oberen Lias von Verpillere (Isere); die Umgänge sind jedoch bei diesem viel weniger gewölbt und haben je zwei unter einander stehende Knoten in der Blitto und einen Kiel längs der Basis. Jedenfalls gehören aber beide, so wie einige andere Arten bei Orbigny, Goldfuss u. A. in eine abgesonderte Gruppe der Trochiden, mit linksgewun- dener Schale , die in dieser Beziehung sieh zunächst an die Sippe Cirrus Sow. anreiht, welcher ich auch diese Art beigefügt hätte, wenn die Knoten nicht gleichmässig stark verdickt wären oder wenn irgend eine Störung in der Ornamentik bemerkbar wäre, was doch vorhanden sein sollte, falls OiVnungen an den Knoten später geschlossen sind und vernarbt wären. Denn solche ver- narbte Öffnungen sind zum Beispiel bei Haliotis stets sehr gut zu erkennen. Phasiaaella (orbinata Stol. Taf. III, Fig. 1, 2. Die Schale ist verlängert kegelförmig, aus sechs bis acht fast ebenen Umgängen zusammengesetzt, von denen die Schlusswindung beinahe die Hälfte der ganzen Höhe beträgt. Der letzte Umgang ist gerundet, die Mündung läng- lich eiförmig, nach oben zugespitzt, die Aussenlippe scharf, die Innenlippe sehr dünn. Ein Nabel ist nicht vorhanden. Der Gewindewinkel wechselt zwischen 30 und 3S Grad. Die Basis ist sehr fein spiralgestreift. Diese Art kommt am Hierlatz häufig, seltener auf der Gratzalpe vor. Die Exemplare von letzterer Localität sind meist etwas kleiner; einige von ihnen zeigen an der Schlusswindung einen schwachen Kiel, wodurch sich die Mün- dung der einiger Trochus-Kvl^n eng anschliesst, so dass in der That die generische Bestimmung bei derlei Formen grossen Schwierigkeiten unterliegt. Eine sehr ähnliche Art beschreibt Dunker (Paläontogr. L Bd., p. 107, t. 13, f. 10) als Pnliidina Krmtsseana aus dem Lias von Halberstadt. loxoneina Haidingeri Stol. Taf. III, Fig. 3. Das schmale, verlängerte Gehäuse zählt gewöhnlich acht massig ge- wölbte Umgänge mit an den Näthen angedrückter Schale, welche nur die für dieses Genus charakteristischen, S-förmig gebogenen Zuwachsstreifen erkennen lässt. Die Schlusswindung ist abgerundet, die Basis gewölbt und ungenabelt, die Mündung ganzrandig, die Aussenlippe nach aussen zugesehärft, die Innenlippe ziemlich stark und abgeplattet, die Spindel glatt. Der Gewinde- winkel beträgt 20 Grad. Sehr selten am Hierlafz. Einige auflallend ähnliche Formen kommen im Lias von Halberstadt vor, welche Dunker n\s Paludina S7ibulata und solidula beschreibt (Paläout. L Bd. p. 108, t. 13, f. 8 n. 0). 178 S t o I i c z k a. Orljigny kennt von der Sippe Laxonemn Phil lips gegen achtzig Arten, die er sänmitlich auf die älteren Etagen mit Einschluss der 7>-/ös heschränkt. Obwohl seitdem zu dieser Sippe namentlich aus der Trias mehrere Arten hinzugekommen sind, so kann es doch kaum einem Zweifel unterliegen, dass sie bis in die jurasischen Ablagerungen hinaufreicht; wie man sich leicht aus den Abbildungen hei Dunker, Quenstedt, Buvignier u. A. über- zeugen kann. Pitonillos conicQS Orb. Taf. III, ¥\g. 4. 1852. Pitonellus eoniciis r b i g n y, I. c. p. 304, \>\. 321. * Die Schale ist spitz kegelförmig, gewöhnlich aus sieben convexen Umgän- gen zusammengesetzt , die sich nach oben viel stärker verschmälern als nach unten, so dass die stärkste Convexität unter die Mitte jeder Windung zu liegen kommt. Das ganze Gehäuse ist mit feinen Spiralfurchen bedeckt, die jedoch meist nur an der Basis und längs den Näthen sichtbar sind. Die Schluss- windung ist gekielt, die Basis nur in der Nähe der Peripherie gewölbt, indem ein zweiter Kiel die schüsseiförmig vertiefte Mitte derselben abgrenzt. Die Mündung ist rund. Die Spindel ist sehr stark und bildet eine Fort- setzung, welche mit einer knopfförmigen Verdickung endet. Die schüssei- förmige Vertiefung in der Mitte setzt sich als ein kurzer Canal zwischen der Spindel und der Innenlippe fort. Ein Nabel ist nur an Steinkernen sichtbar, wenn die callose Spindel entfernt ist. Der Gewindewinkel beträgt meist 60 Grad. Häufig am Hierlatz; Fontaine-Etoupe-four und May. Durch unmittelbare Vergleichung der Hierlatzer Art mit der französi- schen überzeugte ich mich davon, dass beide Arten vollkommen identisch sind. Orbigny zeichnet die knopfförmige Verdickung der Spindel als unmit- telbar der Basis aufliegend, die zugleich den Raum zwischen der Innenlippe und der Spindel ausfüllen soll; es kann dieser Irrthum nur darauf beruhen, dass das abgebildete Stück diese Stelle vom Gestein verdeckt hatte. Auch der Mangel der spiralen Furchung erklärt sich aus dem Erhaltungszustand, denn Spuren davon habe ich seihst an den Exemplaren von May beobachtet. Diese Art unterscheidet sich sowohl durch das hohe Gewinde als durch die abstehende Verdickung der Spindel von Vitonillus Montf. , als dessen typische Form Bronn die Rotelin nana Graleloiip (Conchyliologie fossile des terr. tert. du bass. de l'Adour.) anführt, während Hermannsen seine Bedenken gegen die Richtigkeit der Sippe Pilonillus ausspricht. Ich bin nicht in der Lage eine genaue Vergleichung der liasischen Formen mit lebenden anzustellen, glaube jedoch, dass sie beide eigene Gruppen bilden müssen. RotcIIa inacrostoma Stol. Taf. III, Fig. 5. 1853. Dclphinula reßcxUaljrum Hörn es, I. c. \\. 739. Die Schale besteht aus vier schnirkelförmig eingerollten, niedergedrückten Umgängen, deren QuersohniH ein Beclifcck mit ahgeriindefon Ecken gibt. An über die Gastropodcn und Acephalen der Ilierlatz-Sehichten. 179 der glatten Oberfläche nimmt man nur feine wellenförmige Zuwaclisstreifen wahr. Die Spindel ist sehr stark, so dass Steinkerne einen weiten Nabel be- sitzen, der jedoch bei vollständig erhaltener Sciiale fehlt, wodurch sich diese Art wesentlich von Delphinula Lam. unterscheidet. Die Mündung ist niedergedrückt vierseitig, nach aussen etwas breiter, gegen die Spindel zu mit einer Einbuchtung. Die Aussenlippe breitet sich stark aus, ist aber nie zurückgeschlagen wie hc\ Delphinula reflexilabrumOvh. (1. e. p. 3i7, pl. 323) aus dem Liasien von Fontaine-Etoupe-four. Letztere unterscheidet sich ferner durch ihre abgerundete Mündung, convexe Umgänge und höheres Gewinde; auch sie ist ungenabelt. Am Hierlatz kommt Rolella macrostoma häufig vor, etwas seltener auf der Gratzalpe. Eine nahe verwandte, wenn nicht identische Form bildet Oppel (Mittlerer Lias von Schwaben 18S3, t. 3, f. 11) als Margarita sp. Leach. aus dem oberen Lias Y von Hinterweiler ab. Neritopsis laevis Stol. Taf. III, Fig. 6. Das Gehäuse ist halbkugelförniig, aus vier convexen in einander gescho- benen Umgängen bestehend. Die Schale ist glatt und man bemerkt blos feine Zuvvacbsstreifen. Ein Nabel fehlt. Die Mündung ist rund, die Aussenlippe nach unten etwas vorgezogen und scharf, die Innenlippe sehr dünn. Die Spindel besitzt eine gleichmässige Einbiegung und ist glatt. Sehr selten am Hierlatz. Neritopsis elegantissima Hörn. Tnf 111, Fit». 7 (I. c. 1853, p. 763). 1834. Nalicella tiiba S e h a f h ä u 1 1 , L e o n h. und |{ r o ii n's Jahrb. p. 546, t. 8, f. 1 u. 2. Das Gehäuse ist länglich halbkugelförniig und besteht aus drei runden, an Grösse sehr rasch zunehmenden Windungen, in deren Mitte die glatten Em- bryonal-Umgänge liegen. Die Mündung ist fast kreisförmig mit einem seichten Canal am oberen Theile. Die Aussenlippe ist sehr scharf und breitet sich gewöhnlich flügelartig aus. Bei fortschreitendem Wachsthum der Schale bleibt der äusserste Rand stehen und bildet scharfe, gebogene Querrippen. Allmählich werden diese Rippen abgebrochen und abgerieben und die übriggebliebenen Mundwülste erscheinen nun aus zwei in der Mitte durch eine Furche getrenn- ten Hälften zusammengesetzt. In seltenen Fällen breitet sich der äussere Mundrand nicht so stark aus und dann sind auch die Rippen viel schwächer. Die Innenlippe ist glatt und bedeckt als eine sehr dünne Lamelle den kleinen Nabel stets vollständig. Die Spindel ist bei ihrem ganzen V'erlaufe an dem inneren Mundrand gleichmässig eingebogen, während sieh bei den ter- tiären Nerilopsis-Ai'ten ein starker Ausschnitt in der Mitte befindet, wesshall> man für erstere Formen den späteren Namen iVfl/ice//a S w a i n s. annahm. Beide Sippen unterscheiden sich nicht wesentlich von einander. 180 S t o I i c /. k a. Die ganze Schale ist ausserdem mit abwecliselnd stärkeren und schwä- cheren Spiralstreifen bedeckt, wodurch sich diese Art eng an Neritopsis He- bertana Orb. (I. c. p. 221, pl, 300) aus dem mittleren Lias von Fontaine- Etoupe-four anschliesst. Bei dieser sind jedoch die Streifen etwas weiter aus- einander und bilden an den Querrippen scharfe, spitzige Knoten, auch ist bei ihr ein schwacher unbedeckter Nabel stets vorhanden. Neritopsis elegantissiina gehört zu den häufigsten Vorkommnissen am Hierhitz und auf der Gratzalj)^ Discohelix D u n k. Die Sippe Discohelix wurde von Dunker im Jahre 1848 (Paläontograph. I. Bd. p. 132) für scheibenförmige, auf beiden Seiten gleiehmässig vertiefte Gastropodensehalen mit vierseiligen, vollkommen evolutcn Umgängen vorge- schlagen. Orhigny stellte die hierher gehörigen Formen zu Strapnrohis Montf. 1810, während fast alle anderen Conchiliologen dafür den Namen £'«/o??iy;Äö/«s Sow. 1814 annahmen, weil Sowerby zuerst sein Genus sicher charakteri- sirte. Goldfuss (Petref Germ, pars II) beschreibt sie i\]s Euompha/us , und seitdem sind viele dieser Sippe angehörige Arten unter Planorbis , Adeorhis, Solarium u. a. beschrieben worden. Sie stammen zum grössten Theile aus der Secundärformation. Auch Prof. Reuss glaubt zwei Arten vom Hierlatz, welche er in den Palaeonlographicis III. Bd., p. 114 so vortrefflich beschreibt, nicht von Eiwmphalus trennen zu dürfen, indem er sehr richtig bemerkt, dass die Schale nicht beiderseits gleiehmässig vertieft ist. Man kann in der That namentlich an Steinkernen ein sehr schwaches Aufsteigen der innersten Win- dungen in den meisten Fällen heobachten, wodurch es auch oft allein möglich wird zu bestimmen, ob ein Gehäuse links oder rechts gewunden ist. Dunker gab nun (Paläont. HI. Bd.) seinen Namen selbst wieder auf. Ich halte jedoch nicht so sehr die Lage als vielmehr die Form der Umgänge für charak- teristisch. Denn vergleicht man die rb ign y'schen Arten (Pal. franc. terr. jur.pl. 322 — o23j bezüglich ihrer Gesammtform in der Reihe Straparoliis sub- aciptalis, Sapplio, sinister, pulchcllus Orb. und St. tubemi/osiifi Thor ent. , so findet man einen allmählichen Übergang von hiconcaven zu planconcaven und von diesen zu convcx concavcn Gehäusen, ohne dass man wesentliche Verände- rungen im Bau der Schale bemerken würde. Die Umgänge bleiben vierseitig und legen sich mit der Innenfläche so aneinander an, dass sie beiderseits alle in ihrer ganzen Breite sichtbar bleiben. Bei dem ursprünglichen Genus Eiiom- pltalun sind die Bindungen nie von so constantor Form. Der wesentlichste Charakter dieser Sippe scheint mir jedoch in dem Waehsthum der Schale zu liegen, mit dem natürlich auch die Gestalt der Mündung zusammenhängt. Denn nur ein verschiedenes Waehsthum setzt auch ein von Eiioniplutlun in der Organisation abweichond gebautes Thier voraus. Bei allen Iixem|)larcii vom Hierlalz bemerkt man an der Bückenfläche sichelförmig noch rückwärts gebogene Zuwaehsslreifen, welclien eine Ein- Ülicr |Mi.lfii iiii.l Ac.'i)li:ik'ii .ler Hierlat/.-SeliicIitt'ii. |83 gehl, dass flie Schale links |,n>\viiiul('ii ist. Die Wiiidtingeii (9 — 10) sind vier- seitig, nach innen etwas schmäler und fast eben so breit als hoch. Seltener iibertrifl't die Höhe die Breite um die Ilulfte. Die gekörnelten Kiele, welche die Rückenfläche begrenzen, liegen Spiralfedern gleich, an der Oberfläche ein- gerollt. Die einzelnen Knötchen stehen auf der Schlusswindung entweder dicht neben einander (Fig. 8 c) oder schnüren sich zu einem vollständigen Kiel ab (Fig. 8rf) oder sie rücken daselbst weiter auseinander und bilden spitze Zacken, an welchen sich die Spiralstreifen wellenförmig auf und ab biegen (Eiiompfialiis ovnalus Hörn.^ Fig. 9 u. 10. Von den schnurförmigen Kielen bis zu einzelnen Zacken tinden sich all- niählige Übergänge, so dass offenbar beide Species einer einzigen angehören, da die Form der Gehäuse sich vollkommen gleich bleibt. Die Spiralstreifen sind gewöhnlich an den beiden concaven Seiten etwas schwächer als an der fast ebenen Rückenfläche. Ihre Zahl und Stärke ist je- doch grossen Veränderungen unterworfen. Das schwächere Auftreten oder fast gänzliche Verschwinden der Streifen rührt oft von dem Ablösen einer oder mehrerer Lagen der Schale her. Die Mündung ist nur zun) Thcile an einem Exemplar erhalten; sie ist wie der Querschnitt eines Umganges vierseitig, etwas erweitert. Der rechte Mund- rand ist an der Rückenfläche eingebuchtet, die Ecken der Kiele sind deutlich vorstehend und nach aufwärts gebogen. Der obere und untere Theil der Aussenlippe ist, den Zuwachsstreifen entsprechend, sanft ausgeschweift. Sehr häutig am Hierlalz, sehr selten auf der Gratzalpe und am Schafberg. Dunker (Paläontogr. 111. Bd. pag. 116) meint, dass sein Üiscohellx cal- culiforinis aus dem Lias vom Heinberge vielleicht mit der Hierlatzer Art iden- tisch ist. DIscohelix reticolata Stol. Tuf. III, Fig. 11. Die Form des Gehäuses ist kreisrund und an beiden Seiten gleichmässig, seicht schüsseiförmig verlieft, so dass man an den wenigen vorliegenden Exemplaren nicht zu entscheiden vermag, welche die obere Fläche und welche die Nabelseite ist und somit auch, ob das Gehäuse links oder rechts gewun- den ist. Die acht Umgänge sind vierseitig und umfassen einander vollständig, sie sind etwas breiter als höher. An der oberen und unteren Fläche sind die Zu- wachsstreifen schwach «förmig gebogen und nach vorne gerichtet; gegen die Kanten werden sie etwas stärker, so dass eine gekörnte Nuth die Umgänge von einander trennt. An der Rückenfläche sind sie schwach nach rückwärts gebo- gen und werden hier von beinahe gleich starken Spiralstreifen durchkreuzt, wodurch die Schale netzförmig gegittert erscheint (Fig. 11 r). Die Mündurg ist vierseitig, sehr schief zur Axe, mit dem Ausschnitt am rechten Mundrand , die Innenlippe ist sehr dünn. Sehr selten am Hierlatz und Schafberg bei Ischl. Sittb. a.inall.eiii.-iiHtiirw.CI.Xl.lli.H.i. I. Al.tlr. 13 184 S I o I i z k a. Discokelk excavata Reuss sp. Ttif. III, Fig. 12. 1832. Euomphalus excuvalus Reuss ( Paliiuiilogr. Il[. |i. IIa, t. 1(5, i.'l), — 1833 id. II ö r II e s . I. C-. p. 7Ü0. — 18.34. Euoinji/i. rvtundatus S c li a f h ii u t I. (Jahrb. von Leonharil u. It r o n n, p. 347.) Das Gehäuse ist scheibenförmig, rechtsgewunden, auf der Nabelseite tiefer ausgehöhlt. Die Umgänge sind vierseitig mit schwach gerundeten äusseren Kan- ten; ihre Breite verhält sich zur Höhe wie 1:2. Die stärkste Convexität der Rückenfläche liegt etwas über der Mitte gegen die weniger vertiefte obere Fläche und die Zuw;tchsstreifen sind auch daselbst am stärksten einwärts gebogen. Die einzelnen Umgänge sind durch einen knotigen Kiel von einander getrennt. Die Knoten rücken besonders an der Schlusswindung ziemlich weit auseinander oder werden fast ganz unkenntlich, wenn sich eine oder mehrere Lagen der Sehale ablösen. Die Mündung ist vierseitig und erweitert sieh etwas, so dass sie fast eben so breit als hoch ist. Eine Anfbiegung des äusseren Mundrandes konnte bei dieser Species nicht beobachtet werden. Der Ausschnitt ist jedoch vorhanden. Das Verliältniss der Höhe zum Durchmesser der Schale beträgt gewöhnlich \ : 2"5; die Exemplare erreichen nie die Grösse des D. orbis. Von diesem unter- scheidet sich D. excaiHita durch geringere Grösse, höhere Windungen, Mangel an Spiralstreifen und den gewölbten Rücken. Diese Art kommt sehr häufig am Hierlatz, seltener auf der Gralzulpe vor. Dlscohelix Renssi Hörn. sj). Taf. III, Fig. 13, 14. 1833. Enomphahis Ecussii Hörn es, I. e. p. 760. Die Schale ist abgerundet fünfseitig, rechtsgewunden, an der Nabelseite etwas stärker vertieft und wenig schmäler. Die grössten Exemplare haben nur einen Durchmesser von 20 Millim. bei einer Höhe von 6 Miliim. Das Verhält- niss der Breite zur Höhe jeder Windung ist 1 : 2. Die Zuwachsstreifen sind an dem schwach gewölbten Rücken einwärts gebogen. An der oberen und unteren Fläche lauft von jedem Knötchen des Kieles, neben mehreren feineren, ein etwas stärkerer, schwach * förmig gebo- gener Streifen. Die ganze Schale ist mit Spiralstreifcn bedeckt, welche an den concaven Flächen etwas entfernter stehen und durch Kreuzung mit den Zuwachsstreifen der Schale ein gegittertes Ausseben versebafien (Fig. 14 c). Manchmal fehlen die Spiralstreifen ganis, ohne dass einzelne Lagen der Schale abgelöst wären; vielleicht deutet dies auf einen Geschiecbtsuntersehied hin, denn die beiden Gehäuse stimmen sonst so vollständig überein, dass sie ohne Zweifel nur einer Art angehören. In der Jugend (Fig. 13) ist das Gehäuse abgerundet und man bemerkt nur fünf schwach gebogene Furchen an der Peripherie; allmählich werden diese Furchen tiefer, indem sich der daranstossemle Theil der Schale bedeutend erhebt, und gegen die nächste Furche wieder sinkt, hiedurch erlangt das Gehäuse eine fünfsi>i(ige Form, welche einem Pentacrinitenstiel nicht unähnlich Ulu'r die Gaslioiiodeii iiiid Acei>hnli'ii der Hierliüz-Sühifliteii. 185 ist (Fig. 14 rt). Wenn die Furchen das pei-iodische Waclistluim der Schale an- deuten, so folgt, dass die Mündung vor ihrem Ende eingeschnürt und hierauf -erweitert war, es würde dies ein zweites Beispiel einer Aiifhiegung des äusseren Mundrandes sein. Die Innenlippe stellt eine ziemlich starke, glatte Lamelle dar. Selten am Hierlatz und auf der Gratzalpe. Discohelix spinicosta Stol. Taf. III, Fig. 15. Das Gehäuse ist scheibenförmig, rechts gewunden. Die obere Seite ist ilach, d»e untere hat einen breiten, stufenförmig verengten Naitel. Die einzelnen Umgänge sind im Querschnitte quadratisch und so an einander gelegt, dass sie von oben und unten in ihrer ganzen Breite sichtbar sind. Die Zuwachsstreifen sind ziemlich stark, an der Rückenfläche einwärts gebogen (Fig. 15 d und 6). Zwischen je sechs oder sieben feineren Streifen liegt an der oberen und unteren Seite ein stärkerer, der sich an der Peripherie bei- derseits zu spitzen Knoten verlängert (Fig. IS c). DieNäthe sind ausgezackt. Da dieZuwachsstreifen denselben Verlauf haben wie bei den anderen Disco/ielix, so unterliegt es keinem Zweifel , dass auch diese Species in dieselbe Gruppe gehört. Spiralstreifen sind nicht bemerkbar. Sehr selten am Hierlatz. Durch die vollkommen vierseitigen Windungen, dem Mangel an Spiral- streifen und durch schwächere aber spitzere Knoten unterscheidet sich diese Species von Straparolus Sappho Orb. aus dem Oxfordien von Trouville (Cal- vados) (1. c. p. 313. pl. 323). Pleurotoniaria expansa Sow. sp. Taf. III, Fig. 16. 1821. Uelicina expunsa u. solarioides Sowerby, t. 273, f. 1 —4. — 1840. Ziet., Pelref. Württembergs, t. 33;— 1843. Rotellu id. Goldf. \>. 102, t. 193.— 1848. Pleurotomuria suturalis D e s I o n g c h a in p s , Pleurotomaires p. 147, pl. 17, f. 3. Mem. de la soc. Linn. de Normandie. — 18o3. Pleurotomat ia c.vpansa Hörn., I. c. p. 762; — id. C h a p u i s et D e \v a I q u e , Descript. d. foss. d. Louxbg. p. 97, t. 13, f . 3 ; — id. Orb. I. c. pl. 3Ö2; — 1836. id. p p I. Jniaf. p. 172; — 1838. id Q u e n s t. Jura, p. 193. Das kreiseiförmige Gewinde wird von sechs Umgängen gebildet, an deren Peripherie sich ein mehr oder weniger starker Kiel befindet, der das Band trägt. Der Spalt ist nicht tief. Die obere Fläche der Umgänge ist meist schwach gewölbt oder eben, die Basis ist convex. Die Mündung ist abgerundet, fast quadratisch, die Schale vollkommen glatt, der Nabel wird von einer starken Callosität bedeckt. Häufig am Hierlatz, nach DesI o n geh amps im Liasien von Landes, Curcy, Fontaine-Ktoupe-four, Saint-Amand (Cher); nach Chapuis und Dewalque im Lias von Jamoigne und Strassen, nach Zielen im Lias- schiefer von Boll und Schlatt, nachOppel häufig im ganzen mittleren Lias von Schwaben. Er fand sie auch in dem Maristone von Yorksliire. Oppel trennt mit Recht diese Art von der PI. polita Sow. sp. aus dem unteren Lias, welche kein wulstförmigcs-Band besitzt. Die Hierlatzer Vorkomm- 13» j 86 S t o I i o / k :.. nisse gehören jener glatten und niederen Varietät mit an der Oberfläche schwach convexen Umgängen an, welche im Chapuis und Dewalque abgebildet ist. Sie sind vollkommen identisch mit denen von Etoiipe-four und May, au denen die Sj)iriilstreifen auch selten erhalten sind, während sie bei den schwä- bischen Exemplaren meist deutlieb auftreten. PI. rotcllaeformis aus dem unteren Lias wird im mittleren Lias durch PL heliciformis, PI. polita durch PL expansa vertreten. Jedenfalls ist das ein auf- fallende.s Beispiel von echt vicarirenden Formen. PIcurotonini'ia heliciformis Deslon^. Taf. HI, Fig. 17.* 1848. Plcurofoinariii heticiformis D e s I o n g' c h a in p s, Pleurot. p. 149. pl. 17. f. 2. - 1853 id. C/iap.et Dew. p. 00, pl. XII, f. 13 1), c; 1836 id. ü p p e 1, Juraf. p. 172. — 18S3. l'leurotonuiiia roleüaefonnis O r I) i g ii y, I. c. p. 40Ü. pl. 348; — id. H ö r n 8 s, 1. c. p. 762. Das Gehäuse ist niedrig, kreiselförnMg gewunden und besteht gewöhnlich nur aus vier deutlichen Windungen, an deren äusserster Peripherie das breite Band sieh befindet. Die Kanten, welche die Spaltdecke begrenzen, sind zwar scharf, aber die Umgänge im Ganzen niedergedrückt abgerundet. Die Sehale ist vollständig glatt und selbst die Zuwaclisstreifen sind meist undeutlich sichtbar. Die Mündung ist abgerundet, viel breiter als hoch. Der rechte Mund- rand ist an der Unterseife ziemlich stark und trägt in der Mitte etwa einen liefen Spalt. Die Innenlippe bedeckt als eine massig starke Callosiiät den Nabel, der nur an Steinkernen sichtbar ist. Die Schale ist fast an beiden Seiten gleich stark gewölbt. An einem k^xemplare, welches da^. k. k. Hof-Mine- ralien-Cabinet derGüte des Hrn. D eslongchamps verdankt.sind an der oberen Fläclie noch die Farben erhalten; es sind unregelmässige, braunrothe Flecken. Diese Art kommt am Hierlatz häufig vor, seltener am Sehafberg, ausser- dem im mittleren Lias von Fontaine-Etoupe-four, Chalon-sur-Saone (Saöne et Loire), Jamoigne und Hinterweiler bei Tübingen. An letzterem Fundorte in Schwaben liegt sie naeli Oppel an der Grenze zwischen Davöi- und Margari- tatusschichten. Oppel (Juraforml. p. 172) und Ter quem (Memoires d. I. soe. geol. d. France X. ser. t. V. 1855, p. 273} liaben mit Beeht die untere liassiscbe Art PL rotcUaefovDiiN Dunker, Paläont. Bd. I. p. 111. t. 13. f 12) von der aus dem mittleren Lias getrennt. Denn erstere ist stets viel höher und schmäler. — Gewiss ist, dass die Vorkommnisse am Hierlatz mit den französischen voll- kommen identisch sind. Pleurotomnria foveolata De.slong. Taf. IV, Fig. 1. 1848. I'leurotoinuria foveolutu I) e s I o(len und Aeephalen der Hierlutz-Sohichteii. 18T eben oder sch\v;\cli ooncav. Zwischen Iteiden liegt die enge Spaltdecke mit zwei oder drei Spiralstreilen versehen." Über dem Bande stehen die Zuwachs- streifen schief von links nach reelils nnd sind stärker als an der übrigen Schale, welche ganz mit Spiralstreifen bedeckt ist. Die Streifung der Schale ist i'iberhaupt sehr veränderlich; manciinial treten einige Spiralslreifcn, nament- lich an den beiden Kielen, stärker auf, ein anderes Mal verschwinden sie fast ganz wie PI. foveolala car. suhlurrila D eslongc hanip s, pl. 15. f. 3 a. Die Basis ist stark gewölbt, die Mündung abgerundet vierseitig. Kin Nabel ist nur selten vorhanden. Der Gewindewinkel beträgt 68 — 70 Grad. Ziemlich selten am Hierlatz und auf der Gratzalpe ; ausserdem im mitt- leren Lias von Fontaine-Etoupe-four. Die Arten vom Hierlatz haben eine ziemlich stark verdickte Spindel, die an der Basis eine knopfförmige Verdickung trägt. Bei älteren Exemplaren ist entweder diescVerdickung ausgefallen oder es ist wirklich ein schwacher Nabel vorhanden. Weder D e sl on geh a mps noch rbigny erwähnt bei den fran- zösischen Arten eines Nabels. Die verdickte Spindel tindet sich aber auch bei ihnen vor, wie ich mich an den Originalstücken von Fontaine-Etoupe-four, welche das k. k. Hof-Mineralien-Cabinet Herrn Deslongchamps verdankt, überzeugte. Der Nabel ist somit dann nur an Steinkernen vorhanden. Hinsichtlich der mehr oder weniger verlängerten Form und der Orna- mentik wechseln die Hierlafzer Arten gerade in ähnlicher Weise, wie sie Deslongchamps angibt, daher er sie auch mit Recht blos als sechs Varie- täten unterschied, welche rbigny in seinem Prodrome zu sieben eigenen Arten erhob, die er in seiner Paleonlologie franfaise auf fünf reducirte. Pleurotomaria Uierlatzensis Hörn. Taf. IV, Fi), oder es sind starke Knoten, über welche 2 — 7 Spiralstreifen verlaufen (Fig. 9). Unter der Knoten- reihe befinden sich 1 — 3 Streifen jederseits der Spaltdecke. Liings der Basis jeder Windung läuft wenigstens ein stärkerer wellenförmiger Reif (Fig. 8 4. Patclla inaeqiticosfuta Scliafhäutl, Leonhard u. Bronn's Jalirb. p. S46. Die Schale ist breit kegelförmig mit excentrischcm nach vorne gekrümmtem Wirbel, von welchem starke Rippen ausstrahlen, die mit schwächeren abwech- seln; letztere reichen nicht bis zum Wirbel. Feine Querstreifen bedecken die ganze Schale (Fig. 3 a, Seitenansicht). Die Vorderseite ist stärker gewölbt und an ihr stehen die Radialrippen etwas weiter aus einander. In der Mittellinie dieser Fläche läuft eine elliptische Furche, deren Mitte von der Athemröhre durchbrochen wird. Von dieser geht dann eine scharfe Rippe bis an das Perisom (Fig. 3 b, ein Steinkern). Bei vollständig erhaltener Schale ist eine einfache sehr schmale Spalte vorhanden. Die hintere Seite ist etwas grösser und ein wenig concav. Die Mündung ist oval, mit gekerbtem Rande (Fig. 3 c, innere Ansicht). Ziemlich selten am Hierlatz und auf der Gratzalpe. Alaria Fischeri 8 toi. Taf. VI, Fig. 4. Das spindelförmige Gehäuse besteht aus etwa 10 convexen Umgängen, in deren Mitte sich eine Reihe von Knötchen befindet, von denen meist 20 auf einn Windung kommen. Die ganze Schale ist mit zahlreichen Spiralstreifen und 194 S t o I i c z k ». bogenCörmigen Zuwachsünien bedeckt. DieSehlusswindung breilet sich in einen Flügel aus, der jedoch hei den wenigen vorliegenden Stücken zum Theil abge- brochen ist. Der Canal ist dünn, schwach nach aussen gebogen und erreicht etwas mehr als ein Hrittel der Grösse der Schale; auch dieser ist bei keinem Exemplare vollständig erhallen. Der Gewindewinkel beträgt 20 Grad. Überhaupt hat diese Art eine grosse Ähnliehkeil mit Plerocera Dealong- champai Orb. (pl. 430, f. ü) aus dem Bajocien. Selten am Schal'berge und am llierialz. IL A c e p h a 1 e n. Cypricardia Partschi Stol. Tat". VI, Kig. 5. Das Gehäuse ist ai)gerundet parallelopipedisch, gleichklappig. Jede Klappe ist ziemlieh stark gewölbt, mit 10 — 16 breiten, durch tiefe Furchen getrenn- ten, concentrischen Umgürtungen, die an der Vorder- und Hinlerseite sehr schmal werden und am Wirbel meist ganz verschwinden. Ausserdem sind auf diesen Gürteln noch zarte Anwachsstreifen sichtbar. Die Wirbel sind stark nach vorne und unten gekrümmt. Die Lunula ist massig vertieft, verkehrt birnförmig, die Area lang aber sehr schmal und von einer scharfen Kante begrenzt. Die Schlosstläche ist halbmondförmig gebogen, die rechte Klappe trägt hinter dem Wirbel einen massig starken Zahn, für welchen sich in der linken eine entsprechende Grube befindet. Das Ligament liegt innerlich auf der hinteren Schlossfläche in einer schmalen Furche am Rande. Der vordere Muskeleindruck ist etwas kleiner, abgerundet und tiefer, der hintere grösser und weniger tief. Der Manteleindruck besitzt keine Ausbuch- tung. Der Rand der Schale ist gezähnelt (Fig. 5 c) und dies ist der einzige Grund, warum ich diese Art nicht der Sippe Cnrdinia zugezählt habe. Ziemlich häufig am Hierlatz. Einige Stücke, welche das k. k. Hof-Mineralien-Cabinet aus demOolithvon Moutiers undFeuguerolles besitzt, stimmenmit jenen vom Hierlatz fast vollständig überein. Eben so verwandt \&tAs1arte e.vcavafa und stihcarinata bei Goldfuss. Bei keinen von diesen Arten ist Jedoch der Wirbel so stark nach vorn gebogen. Auf diese Art oder auf Opis clathrata kann man den SchafhäutTschen Namen Ci/theruia itnhricata (hocardla Partsclii?) (Leonhard u. Bronn's .lahrb. 18.t4, p. 54()) beziehen. Nach den Originalstücken in der Sammlung des Hrn. Hofrathes Fischer zu urtheilen, hat dieser Autor beide Arten unter dem angeführten Namen begrifl'en. Opis clathrata Stol. Taf. VI, Fig. G. Die Schale ist herzförmig, sehr stark, gleichklappig, mit 12 — 24 breiten concentrischen Gürteln , welche durch tiefe feingezähnelte Furchen von ein- über die Gasti-opodi'u iiiid Ace|)liiilen der Hi«ilalz;-ScliicliteM. j t)i> ander getrennt sind. üieseZiilinelungderFurclien wird durch feine Hadialstreifen hervorjfebraclit, die sieh an den einzelnen Gürteln nicht entsprechen (Fig. i'tf'). Uie Wirbel sind stark nach vorne gekrümmt und eingebogen. Die vordere Abda- chung ist viel steiler als die hintere und die Lunula sehr tief. Die ümgürtungcn setzen sich an die Lunula und Area ununterbrochen fort, werden aber an diesen Flächen viel schmäler. Keine von den beiden Flächen ist äusserlicb durch eine Kante abgegrenzt. Man sieht nur in einiger Kntlernung von der l>nnula an der Innenfläche der Sehale eine mehr oder weniger tiefe !{inne vom Wirbel gegen den Rand laufen, wo dann am Steinkerne eine vorspringende Kante auftritt; ein wesentliches Merkmal dieser Sippe. Die rechte Klappe trägt etwas rückwärts unter dem Wirbel einen dicken Zahn und zwei nebenstehende tiruben, in welche zwei Zähne der linken Klappe hineinpassen; der vordere von diesen ist viel stärker als der hintere. Sowohl die Zähne als die Gruben stehen schief gegen die Längsaxe der Muschel. Das liigament liegt auf der hinteren, spitz auslaufenden Schlossfläche in einer feinen Furche am Rande. Das Ferisom ist fein gezähnelt. Der vordere Muskeleindruck ist viel tieferund kleiner als der hinlere; neben letzterem befinden sich nach innen und oben noch einige kleinere Eindrücke; beide zeigen concentrische Furchen. Der Manteleindruck besitzt keine Ausbuchtung. Sehr häufig am Hierlatz. Area a^iculina Schafliäutl. Taf. VI, Fig. 8 (I. c. p. Ö46). Das Gehäuse ist abgerundet, schief vierseitig, mehr als einmal so lang als hoch. Die Wirbel sind weit nach vorne gerückt, stark eingebogen und an der hinteren Seite mit einem abgerundeten Kiele versehen, wodurch sie besonders gegen die Spitze zu flachgedrückt erscheinen. Der vordere Flügel ist kurz, der hintere sehr gross. Die Sehale ist mit deutlichen Zuwachs- und sehr feinen Radialstreifen bedeckt. Das Bandfeld reicht bis unter die Wirbel hinauf, ist fein linirt und durch starke Leisten von der Schale abgegrenzt. Zähne sind an dem stets beschädigten Schlosse der wenigen Exemplare, welche mir vorliegen, nicht sichtbar; man bemerkt jedoch an einem Sieinkcrne einige schief stehende Leisten an dem hinteren Flügel, wie solclie bei Mucrodon vorkommen, das sich aber von Area nicht wesentlich unterscheiden dürfte. Selten am Hierlatz. Ich fand den vom Herrn Schafliäutl eigenhändig geschriebenen Namen lici einigen Stücken aus der k. k. geologischen Reichsanstalt und dies bewog mich, die treffend gewählte Benennung dieser Art beizubehalten. Ciiciillaea Münsteri Z\el. (Q uensted t, Jura 1858, p. 150 u. 185. t. 18 u. 23) aus dem Lias y und o von Schwaben ist sehr verwandt, aber viel höher und kürzer. Area solcosa StoL Taf. VI, Fig. 7. Die Schale ist länglich trapezoidisch , gegen vorn niedriger und massig gewölbt. Die Wirbel reichen weit nuch vorne und von ihnen lauft schief nach 196 S t o 1 i e i k a. Iiiiileii eine hn-ife nber selir flaelie Rinne. Die Anwachsstreifen sind besonders in der Nälic der Periplierie deiitlieli; sie werden von einer feinen etwas wellen- förniijjen Riidinistreifun^ l^ekreiizt. D.is Schloss ist sehr lang mit zaiilreichen kleinen Zälmen, welche namentlich gegen das hintere Ende in schiefe oder horizontale Leisten übergehen. Das Bandfeld ist fein, horizontal linirf. Ziemlich häutig am Hierlatz, selten am Schafberge. Area caprina Stol. Taf. VI, Fig. 9. Die Sehale ist schief trapezoidal, stark gewölbt, mit eingebogenen und ziemlich weit von einander entfernten Wirbeln, welche sehr weit nach vorne zu stehen kommen. Der hintere Flügel ist sehr gross und oft sogar etwas aus- gehölilt. Vom Wirbel läuft an der Vorderseite eine schwach vertiefte Rinne gegen das l'erisom. Der Schlossrand ist gerade, mit einem schmalen linirteii Bandfeld und abgerundeten Enden. Die ganze Schale ist mit concentri- schen Streifen bedeckt, welche durch fein punktirte Furchen getrennt werden. Diese Punktirung wird durch eine feine, wellenförmige Radialstreifung hervorgebracht, die auf der Höhe der concentriscben Streifen abgerieben ist (Fig.9i'>). Diese Art kommt am Hierlatz, Gratzalpe und am Schafberge vor, doch überall ziemlich selten. Die Exemplare vom Hieriatz sind meist etwas kleiner, kürzer und stärker gewölbt, so dass sie dev Area liiieata Goldfuss p. 147, t. 123 vom Lindenerberge sehr ähnlich sehen; doch fehlt dieser die charakte- ristische pjinsenkung vom Wirbel herab. Es ist möglich, dass sich auf diese Art, namentlich auf die kleinen Stücke vom Hierlatz, der Name Nuciila trigonclla Schafhäutl bezieht. Pecten subreticulatus Stol. Taf. VI, Fig. I, 2. 181)4. Pecten reticuhitus S e li a f h ä u 1 1 , I c. p. 546. Die Schale ist breit oval, fast gleichseitig, die linke Klappe stärker ge- wölbt, die vordere Abdachung ist sanft gebogen, die hintere etwas kürzer und gerade. Vom Wirbel strahlen zahlreiche Rippen aus, die mit schwächeren ab- wechseln, welche letzteren nicht bis zum Wirbel reichen. Ausser diesen ist die Schale mit concentriscben Streifen bedeckt und es bildet sich ein ziemlich weit- maschiges Gitternetz (Fig. 2 6), wie es bei P. rcltciilutus Goldfuss p. 43, t. 89, f. 2 aus dem Muschelkalk von Bayreuth vorkommt. Die Ohren sind ungleich gross, mit radialen und concentriscben Streifen; das hintere ist viel kleiner und schief abgestutzt, das vordere ist an der Deckelklappe mit einem tiefen Aus- schnitt für den Austritt des Byssus versehen. Sehr häufig am Hierlalz und auf der Gratzalpe. Pecten reüoulalus Schlot h e i m unterscheidet sich durch Mangel jeder Streifuiig an den Ohren und durch stärker gewölbfe Wirbel. i'lier die riaslruiioileii iiiid A('e|>lialeii der Ilierlatz-Sohicliteii. 197 Pecten Rollei Stol. Taf. VI, Fig. 5, G. Üie Soliale ist abgerundet, etwas höher als lang. Beide Klappen sind fast gleichmüssig gewölbt, mit starken concentrischen Wülsten, welche gegen die Peripherie breiter und niedriger werden. Vom Wirbel gehen radienartig Rippen aus, die von concentrischen, etwas schwächeren Streifen durchsetzt werden; zwischen denen sieh dicht an einander feine und schief stehende Leistchen (Fig. b) befinden, so dass die Sehale eine vierfache Ornamentirung zeigt. Die Ohren sind ungleich gross und durch doppelte Streifung gegittert. Das vordere grössere Ohr ist an der linken Klappe sanft ausgebucbtet, an der rechten besitzt es einen tiefen Ausschnitt für den Austritt des Byssus. Sehr selten am Hierlatz, sehr häufig am Schaf berge. Diese Art hat die grösste Ähnlichkeit mit Pecten culifovinis Hörn es (Denkschr. IX. Bd., p. .^3, t. 2, f. 20) aus den Hallstätter Schichten; dieser ist jedoch etwas schmäler, flacher und die Ohren sind im Verhältnisse zur Grösse der Schale viel kleiner. Ferner sind die radialen und die concentrischen Streifen gleich stark. Pecteu verticlilus Stol. Taf. VJ, Fig. 3, 4. Die Schale ist schief, abgerundet; die linke Klappe ist viel stärker gewölbt und zwar liegt die stärkste Convexität nahe an der vorderen Abdachung. Die Oberfläche ist mit zahlreichen Radialrippen von abwechselnder Stärke und con- centrischen Streifen bedeckt. Die Ohren sind ungleich gross und ebenfalls gegittert. Häufig am Hierlatz, selten auf der Gratzalpe und am Schafberge. Die Exemplare vom Hierlalz zeigen grosse Ähnlichkeit mit Pecten textoriiif Schloth. = P. subtextovius Münst., Goldfuss t. 89—90 und P. texturatus Münst. et Goldf. t. 90, f. 2 aus dem Lias von Amberg und Altdorf. Beide scheinen jedoch viel weniger gewölbt zu sein; ersterer ist viel weniger schief, letzterem mangeln die Rippen an den Ohren. Es wäre wohl möglich, dass sich Übergänge zwischen diesen Formen finden und sie würden dann alle mit der ursprünglichen Art von Schlot heim zu vereinigen sein. Von P. subretictdatus unterscheidet sich diese Art durch die stärker gewölbte Schale und eine viel dichtere Streifung (Fig. 4 b). Pecten palosus Stol. Taf. VI, Fig. 8. Die Schale ist spatenförmig , fast gleichseitig, etwa ein Fünflei höher als lang, schwach gewölbt, mit spitz auslaufenden Wirbeln, von welchen gegen 20 feine Rippen ausstrahlen. Ausserdem sind nur feine Zuwachsstreifen be- merkbar. L);is vordere Ohr ist etwas grösser, mit einer seichten Ausbuchtung das hintere kleiner und schliesst sich erst an eine wulstförmige Aufbiegung der Schale an. Beide Ohren sind glatt. Sehr selten am Hierlatz und auf der Gratzalpe. 198 S t o I i c 7. k a. Pectcn HiiiHltheos Oppel. Tat'. VI, Fig. 7. 18r>3. Oi)|>el, VVürtl.g. Jaliresb. X. Jaliig;. \>. 77, t. 4, f. 9. nie Schale ist last kreisrund und sehr schwach gewölbt. Vom Wirbel strahlen (gegen \'i — 20) ontternt siehende I{ii)pen aus, die gegen die Peripherie an Sliirke zunehmen und von selir zalilieiclien und äusserst feinen und eoncen- trischen Streifen durchschnitten werden. Am Wirbel so wie an den fast gleich grossen Oliren ist diese Streifung viel undeutlicher. Beide Ohren sind durch schwache Leisten von der Schale gesondert. Itie vordere Leiste ist von einer Furche begleitet. Diese Art wurde bisher nur in einigen Kxenijtlaren auf der Gralzalpe vor- gefunden, von denen keines das abgebildete an Grösse übertrifft; sie kommt daselbst hauptsächlich mit Amiu. hrevispimi, A.cylindricus u. A. vor. Auch im Lias 5 von Breitenbach, woher Hr. Oppel diese Art beschrieb, ist sie selten: es erwähnt der Herr Verfasser auch die Leiste an der rechten Seite zwischen der Schale und dem Ohre. Pecten umalthevn kommt in Schwaben mMAni. amul- iheus gigas und helerophyllus vor. Ausser diesen fünf Arten kommt am Hierlatz noch ein gewölbter Ptr/^/i mit entfernt stehenden Radialrippen vor, welcher einige Älmliehkeit mit Pecten tumidvs Hartmann (Zieten, t. 52, f. 1) aus Obergamma von Metzingen zeigt; doch lässt das einzige Bruchstück keine sichere Bestimmung zu. Avicula ioaequivalvis Sow. Taf. VI, Fig. 9. 1819. Avicula inaequivalvis Sow., Min. coiicli. t. 244, f. 2;— 1829. Phillips, id. Geol. Yoik.II.edit. pl. 14, f.4;— 1830. Ziel., id. , Wärt. t. 35, f. 2; — 183(J. Uoeriier, id. Ool. p. 86 ; — 1838. Gold f. t. 1 18, f. 1 ; — ISUS. Ar. sinemiiriennis C h a p. De w 1 q., I.c.pl.24, i.i; — Moiiolin inaeijiiira/ri.'iO i>i>\.\r\H\. Liast.4,f. 13;— 1836. Q ue iis t., id. Jura p. 49,79, 109;— Monotis interluci'iyuta g ii e ns t., Jura p. 149, 1. 18. f. 29 u. p. 239. — Avicula siuernuriensis Oppl. Jura p. 102. Die Schale ist schief eiförmig mit weit nach vorn reichendem und ein- gebogenem Wirbel. Von demselben huifen 10 — 14 Radiitlrippen, zwischen welchen sich meist (> successive feinere Kadialstreifen helinden, die durch Zu- wachsstreifen unterbrochen werden. Das hintere Ohr ist viel länger als das vordere; an beiden liegen blos die feineren Radialstreifen. Das hintere Ohr geht in eine mehr oder weniger starke Spitze aus. Von dieser weit verbreiteten Art haben sich bis jetzt nur drei Exemplare auf der Gratzalpe gefunden, von denen das grösste 40 Millim. lang ist; sie stimmen aber vollständig mit denen aus dem unteren und mittleren Lias von Deutschland, England und Frankreich. Ganz dieselbe Art kommt in denKössener Schichten vor. Ausserdem liegt von Gratzalpe ein unvollständiges Exemplar einer kleinen, glatten Avicula vor, welche in P^orm ganz ähnlich sieht der Plicatiila oxynoti Quensledt, Jura p. 112, t. 13, f. 29 aus Lias jS. über Jie Gastropoilen und Acophalen der Ilierlatz-Schicliten. 100 Lima Deslougcliampsi Sttil. Taf. YII, V\g. 1 a — h. DieScIialo ist fast Iialhkreisförinig, ziemlicli stark gewölbt, mit coiiceii- Irisclieii Anwachslinien und feinen Radialstrcifen, welche durch erstere oft eine schwache woilenförniige Biegung erleiden und an wohl erliallenen Exemplaren besonders gegen die Vorder- und Hinlorseite zu deutlich auftreten. Die Ohren sind ungleich gross, die Wirbel stark gewölbt, übergreifend und meist glatt. Die Lunula Pst tief und von einer abgerundeten Kante abgegrenzt, die nach unten scliwiieher wird. Die Schlossplatte bildet ein niedriges, ungleichseitiges Dreieck, welches in der Rielitung des hinteren grösseren Ohres verschoben ist. Die Ligamentgrube ist tief und nach rückwärts gerichtet. Häufig am Hierlatz. Nach den von Herrn Deslongchamps eingesendeten Stücken kommt diese Art etwas grösser im mittleren Lias zu Fontaine-Eloupe- four vor. Lima i)leheia Chap. et Dewalque, 1. c. pl. 28, f. 1 aus dem Lias von Jamoigne hat eine viel gröbere Radialstreil'ung, ist jedoch im Übrigen sehr verwandt. Überhaupt ist es nicht leicht, alle diese Formen, zu denen auch einige bei Goldfuss gehören, von L. gigantea Desh. zu unterscheiden. Lima scrobiculata Stol. Taf. VI, Fig. 10 a — c. Die Schale ist fast eben so hoch als breit und massig gewölbt. Von dem zugespitzten und ein wenig über die Schlosslinie vortretenden Wirbel gehen radienurtig sehr zahlreiche und feine Leistchen aus, welche von eben so feinen concentrischen Anwachsstreifen durchschnitten werden, wodurch die ganze Oberfläche ein grübchenartiges Aussehen erlangt. In der Nähe des Perisoms liegen die Zuwachsstreifen sehr dicht an einander und es fehlen daher hier die Grübchen. Die Ohren sind klein, ungleich gross. Die Lunula ist ziemlieh tief. Die Schlossplatte besitzt eine tiefe, schief nach hinten stehende Ligamentgrube; sie ist horizontal gefurcht (Fig. 10 ö). Ziemlich häufig am Hierlatz, seltener am Schafberge und auf der Gratzalpe. Lima densicosta Quenst. Taf. VII, Fig. 3 « — h. 18jG. Playiostonia dmnsitosta Quenstedt, Jura p. 148, t. 18, f. 24. Die Schale ist schief eiförmig, bald mehr, bald weniger, aber niemals stark gewölbt. Die Wirbel sind spitz und über den Schlossrand wenig vorstehend. Zahlreiche (gegen 28) abgerundete Rippen mit eben so breiten Zwischenräumen bedecken die ganze Schale, sie werden an den beiden Abdachungen viel schwä- cher und haben zwischen sich keine secundären Rippen. Die Ohren sind un- gleich gross und ebenfalls fein gerippt. Die Area ist schmal , die Lunula sehr wenig vertieft und nach unten spitz verlängert. Selten am Hierlatz, häufiger auf der Gratzalpe. In Schwaben konmit diese Art im Lias 7 vor. Es ist in der That schwer zu entscheiden, wo man diese Form hinstellen soll. Sie ist jedenfalls am näciisten verwandt der L. Ifau^ijuiiiiii l) iiwkev, SÜäIi. d. matlieiii.-iiatiirvv. Cl. XLIII, IM. I. Aljth. 14 200 S l o 1 i c z k a. l'aläont. I. Bd. t. (5, f. 2G, oder vielmehr der L. Huusmanui bei Chapuis et Dewalque, 1. c. p. i95, pl. 27, f. 3, wenigstens stimmt sie mit letzterer in der Gestaltung viel hesser üherein. Die Dunkersche Species, zu welcher auch A'ie Plagiostoma sp. Quenstedt, Jura, p. 47, t. 4, 1'. 4 — 6 aus Lias a zu zählen sein dürfte, gehört in den unteren Lias, und aus diesem Grunde nahm ich die erste sichere Angabe über diese Art bei Quenstedt an. Die Plac/. acidicosta Quenstedt, Jura, t. 18, f. 22 — 23 ist nächst verwandt mit L. falln.r Chapuis et Dewalque, 1. c. pl. 27, f. 4. Auf diese Art dürfte sich vielleicht der Name L. siniplex Schafbiiutl (Leonh. u. Bronu's Jahrb. 18ö4, p. 346) beziehen. Lima Haueri Stol. Taf. VII, Fig. 2. Die massig gewölbte Schale hat eine ovale Form und ist um mehr als die Hälfte höher als lang. Die Wirbel sind schwach gekrümmt, die beiden Ohren wenig in ihrer Grösse verschieden! Die Ligamentgrube bildet ein sehr niedriges Dreieck mit Lnnger Basis. An der vorderen Abdachung fällt die Schale ziemlich rasch ab; nach hinten verflacht sie sich nur allmählich. Vom Wirbel gehen zahl- reiche Rippen aus, die oft wellenförmig gebogen sind , wobei sie nur wenig in ihrer Stärke wechseln. Die Zwischenräume sind nicht überall gleich breit, am breitesten an der am meisten gewölbten Stelle der Schale; sie sind mit sehr feinen Radialstreifen bedeckt. Selten am Hierlatz. Von der weit verbreiteten L/w« //trwa«7u' Vo Uz unterscheidet sich diese Art durch ihre verhältnissmässig grössere Höhe, durch stärkere Wölbung und Mangel an den blätterigen und wulstigen Anwachsstreifen. Es wäre möglich, dass sich zwischen den zahlreichen Abänderungen der L. Hermanni Formen finden, die eine Identificirung beider Arten zulassen. Doch fehlt mir das nöthige Material zur Vergleichung. Carpenteria pectiaiformis Des long. Taf. VI, Fig. 4 a — h (I. c. 1860, p. 130, pl. 19, f. 2— 9). Die Schale ist abgerundet, gewölbt mit ziemlich geradem Schlossrand und stark aufgeblähtem Wirbel. Der ganze Rand ist nach oben umgebogen und mit zahlreichen blätterigen Radialfalten versehen, Fig. 4 a, welche sich gegen die Wölbung der Klappe hin verlieren. Das Perisom ist ausgezackt. Sehr selten am Hierlatz. Ich habe die Hierlatzer Art mit der erst jüngst von Herrn E. Deslong- champs veröffentlichten Art von Fontaine-Etoupe-four nur auf die grosse Ähnlichkeit der äusseren Form und auf die sonst so grosse Übereinstimmung beider Faunen hin identiticirt. Die Radialfalten stehen wohl etwas dicliter an einander als bei den französischen Exemplaren, es gibt jedoch in dieser Beziehung Herr Desiongchamps' keine bestimmte Grenze an. Das Schldss ist bei den alpinen Formen nicht sichtbar. An der Fig. 4 a sieht man jedoch die flügelartige Ausbreitung der Schale beiderseits vom Wirbel, wie es Herr Üi)er die Oastropoilen und .\ce|ilialeii der Hierlatz-Scliiehteii. 201 Deslonn^ch a m ps in Fig. 4, t. 19, I.e. darstellt; an der Fig. \h ist gerade der obere Schlosstheil der Schale weggebrochen oder wenigstens ganz undeut- lich , was mich eben am meisten beweg die Art vom Hierlatz zu identificiren. da ich hier die Anlieftiingsstelle der Schale vermulhe, wie sie Hr. Deslong- chanips an den vielen Stücken zeichnet. Hiiulig im mittleren Lias von Fontaine-Etoupe-lour, sehr selten im oberen Lias von May. Aooiniu numisiiialis Q neust. Taf, VII, Fig. 5 (Jura 1856, p. 311, t. 42, f. 9). Die Scliale ist kreisförmig, an dem Schlossrande sehr wenig abgestutzt, schwach gewölbt mit feinen Zuwachsstreiten und noch feineren Radiallinien. Die Wirbelgegend ist gewöhnlich etwas aufgeblasen. Das einzige gut erhaltene Stück vom Hierlatz zeigt auf einer Seite schiefe Falten; wahrscheinlich war es auf einem gefalteten Gegenstand aufgewachsen. Die von Qu enstedt abgebildete Art aus Lias 'i zeigt zwar keinen aufgeblähten Wirbel und auch die Streifung ist nicht näher angegeben, doch liegen mir ganz ähnliche Stucke auch von der Gratzalpe vor. Es ist überhaupt schwer bei der Masse von ganz ähnlichen .4woH/ c 1 1 e der Giistroiiodeii und Acephtden der Hierlatz-Schichten. Österreich Detilschland Friiiikreicil England llierlat/.- Adnelhei Scliirlitoii Seliiclitei i ^ -1 L i a s T k. t n i. Enzi'sfeld 1 -1 « ZI Chemnilzia nndidnla Benz sp S.h s. , 7 F.E. ,, Siiessi Sto 1 s. F. E. „ Ilierlatzoisifi Sto\. s. s. „ mullicostala S t o 1. . s. s. „ inrgida Stol s. „ acutissima Hörn . 8.h. s. „ striata Hörn s. S.S. „ crenata Stol s. s. „ fistulosa Stoi s. „ margaritacca Stol. s. • Troehus epulus r b. . h. F.E. „ laeviusciil/is Stol.. „ lateiinibiiicalttsOv 1). h. F.E. „ latifus Stol s. s. „ carinifer Hörn,. . . h. . „ Morpheus Stol.. . . s. s. „ Sitnonyi]\övn. ... s.h. „ torosus Stol „ plectus Stol s. s. „ attenuatus Stol... S.S. „ granuliferiis Stoi. h. „ Kiieri Sio\ . „ Avermis Stoi s. s. „ rotulus Stol s. „ aciculus Hörn. ... s.h. s. „ latilahrns S t ol. . . . s.h. h. h. r . ? F. E. ? „ C 1(1)1 do Orb s.h. s. F.E. Eucycliis atpinus Slol. . h. Turbo Orion Orb S.S. Lnd.Chal. s.S. „ Hörnesi Stol . s.h. Ph as ian diu lurh in a tu Stol h. 1 h. • (llier die (iiistropoili ii und Aocplinleii der liiei latz-ScIiicliteil, 203 Ö s ( p r r p i ." li Kpiitsolilitiiil Frailkrpirh England Hierlatx- .Adiictlier- Soliiulitcii Schicliton 1 1 r, ~ Kiizosfelil 1j i fl s Lo.vo/U'iiia II(iidiiii/eri Stol S.S. Piloncllus cotiicus rl). s.h. F.E.-May. Rolella macrostoma St. s.h. s.h. 7? F. E. ? Neritopsis laevis Stol. s. s. • „ eletjfDitissuna Hörn. s.h. s.h. Diticohelix orhis R e ii ss SP s.h. s. s. ?lleinbrg. „ relicitlata Stol. . . s. s. S.S. „ twenvata R e u s s. sp. s.h. h. . • „ lieiissi Hörn s. s. „ spiuicostn Stol.. . , s. s. Pleurotomaria expanna Sow. sp Ii. S. 7 u. F. E. Yorkshire „ lieliciforniis D e s 1. . h. s. . 7 11. fJ F. E. „ foveolata Dcsl. . . s. s. F. E. „ Hierlatzetisis Hörn. s.h. s. S. „ coarclata Stol. . . . . s. „ Biichi Des] s. 7 u. <) F.E.-May Fg. - Eur. „ inU'vinedia M ii n s t. s. s. Bayreuth u.Altclorf F.E. - Fg. . ,. priiiceps K ocli ol Diink h. s. s. Aniberg, ] F. E. Heinberg | „ anglica Sow. sp.. . s. s. s. y.-f) Idurch d. 'ganz. Lias unterer u. mittl.Lias „ Siiessi Hörn h. , s. Trochofoma stnatitm Hörn s. h. Riiniila austriaca H ö r n. s. s. , Alar'ia Fischeri Stol. . s. s. S. , , Cypricardia Partuclii Stol h. Opis clathvata Stol.. . s.h. . Area aviculina S e li f li. s. , „ sulcosa Stol h. S. • • 204 SloliczkH. Ober d. Oastioiiodeii u. Acephali'n il. Hierlatz-SchichtiM». Area caprina Stol. . . Pecteii subreticiila/iis Stol „ Rollei S (o 1 „ verticillus S ( o 1. . . „ palosus Stol „ amalthenn Opp el . .4 vicula in aequ ivalris S o w Lima Dealongchatnpsi Stol ,, scrohiculata Stol.. „ densicost. Q ii e n s t „ Haueri Stol Curpenteria pectiiiifor- mis E. Deslg. . . Anomia mimismalis Q u e n s t Serpula Hierlaliensis Stol Öslerrcicli llierlaU- Sohiolilen s.h. s.S. h. s. s. s.h, Adiietliei- Scliicliteii Drulsililiiiid Fraiikreirli l'jiglaiiil L i a s Kiizesfdil unterer u. niittl.Lias F. E. ? F. E. et May unterer u. niittl.Lias s. = selten; s. s. =^ selir selten; li. — ^ luiuHg-; s. h. z^ sehr häufig. F. E. =^ Fontaine-Etoupe-four: Chal. s. S. .^ Chalon-siir-Saone ; Fg. = Feuguerolles. Slolic/.ka (ia.s!ro|)n(lrn iiriil .\f cphalcii ilcr Kirrl/ilÄSchicIUen. Taf. I /O Cfi-ef/if/itzia /r;. loi/ti/.t ■ 'l'flll riirinifir Hörn . ^for/)/lflls S/o/ . Simon i/i fforn . /oro.ri/.r Stni . /!/. Trorhiis plrrtus Sto/ Sil7,uiij(sb.d W.Akad.dW. nialh naiurw fl.XLin Bd i.Abili. I8fil - ,, ,i H,,,t o>,, •i J-.tK / /"///■/// f///,-;/fi iinrM/rtfi ßrnx t/j // . /?. ^ „ mi///nosf{i/fi , ('//// . /.i. J „ ////•/////// ■ 'i'/of . It ß. ^ (iri//ixsif/iii ffor/i. /j. /. ^ stri/iffi /forn. /r,. X ^ crrna/o S/o/ . //. 9 # fis/H/osd S/ol /x ,SI(»li<"Ak,i .(l.isiroiiiKicri und .\cc|ilialon der llifrlatANchichlcn . Tarn. / 7'roe/ius ofteniifi/i/.? S/o/ A Tror/n/.<( /i.r/rri/iis /forn. :?.//_ , ffrafut/iffri/s S/o/ 9. „ /a/t/a/rrirs S/o/ j. , /t'firri 9fo/ /O//. „ Cti/j/tfo Or/j. /> « .Inrrf/HS S/o/ . /?.. £uri/r/t/s af/ft/ii/s Sto/ 7. „ ro/iz/iix S/n/ /.}. riirbo Orntn Or/> . /^ TiirZ/o Uor/irxi S/o/ . Silzuii»-sb.(l.k..Ak.ad.d.\\'. malh.uaturw Cl.XLÜI BcLl Al.tli I8K1 4 Stolic/.Kii. (Jii,';1 itipodfii null .\c-o|ili;il('ii ilcr llii'rUil'/.srIiicIil i'ii + a. b. T:,r.ni. .i.'N'a,tr.|eei.u.lttl!.. '.. Phasianrlla lurbinatn Stt/I i. Lojcftn^'/rift Vnirl innert' Stol. y Ptio/iil/t/s rftrn'rii^ Orh, " fiolfllii niiirroxlomri Sfn/, Jrr/fo/j,rix Urni.t -Vlo/. \ _, fh ^^iftfi-\'ximfi Hör//. i.-.iz l.k kHof.u Staats äru:Gker ei. ^'_//?. J?t.yrohe//\r o/^h/.r Reti^ir. 6'p. // , /■'■/,, -ti/nJa StoL I'' r.rrr/nrr/ff RrKsr.sp. /■3 /i ,^ fi'ri/Asi' Ht/rn. /•/ Sf/i//rfOSto Stol . /o /'f(u/vht//inr/'/t r.r//i/j/xfl Xom. xp- 17 P/ri//-nl"///or/ii lif//r/fo/-//ii.fPjelq. Sit/.iiM;isl...l K.AkiMliI W iii;illiri;.lin-H-.Cl,\l.lll Bd LAIilli liU;i Stolio7.kii ll!iMlii|iiiilcii 1111(1 Ad'iilcilcli ilfi llii-i lal/.srliicIiliMi. T.riv. Jim r^a i.av ge& -; .:: /. Pleurotnmariu fniunhita Drsli/. 2. . HirrlaHi-nsis Hör ■f. „ rmirrtnf'i Sloh in 7'lr,u„l„m„, .'t .>" Pffi/rotomarta Buthi Dexly. fj ^ inlrrmff/uf Jfu'nst. 7- .9. , iiri'ncr/'x Kiirli e.Mii/iA\ ,„/,r„ Sor„ ../. Sit7,uiiosl>..l.kAk.-.J aW M..iili..iaii.rwA'l.XLlII.ßiL. l.AbÜi.lölll. SUilic/.Ua. li;islr()|(()(lfii luid An'|>li;ilcii dci' llicrl.'il^iSH'liJcliU'n . / ,, T,.rv / f/fi/rofi>iiiii rill A'iiif.ii //■//•//. ''. Tr'or/ii>foiiiii .1/ 11/'/ um l/rrii . :i /iiiiiiilii iiii.v/ri'iirii /fiiiii. i. .l/iiri'ii /■'ixiIhti ÄVi?/ ■>. Clf/iririi i-i/iii Piir/.frlii Xfi)/ f>. Opis i/iil/iriifii .y/iit. /. Arm Aii/rni:' .*'/»/. iV. Jirii fi i>ir/i /i rill S'c/ni/'/i. fl. Arm 111/1/ /IUI ,'.'fii/ Sil y.iin-jsli.il.k .\ 1.1(1 il AV nialli. iialiirw.Cl.XLID.iid. 1,.U)Ül1«()I . 1 I 1 Sfolic'Aka . {laslrojiodcri und .\c('|iliiil(Mi der llicrl.il'/.schiclitc T.if \1. }::V^ ^:cäü^^ ^ii^ /■> 3 '/ ., !Jrr/,rf//„.s- .(/„/ ,c , /jt//ost/j- S/o/ ■J ff „ /if)//r/ S/o/ -9 .tf//f///// /,/f/'ry/////////J/.t Soiv /O /,////// ■s-r/-////ir///fi/f/ Sffj/ . Sil/,iiii^^-sl)(l k.Vk.id A\K iiialli iiatiinv Cl.XLflllid. I.lhlli. USIil. I Slolicstka. Ga.stn»(NMl('ii und .\<'C|»lialc(i der lliprlal/.scliichtcii Taf.VI ^.Ximri /Jrs/ortf/r//(i/ii/j.fi S/r,/ "/ rfir/j/-/i/rr//i per/u/ iformr^t Dfslg. 2. „ J//i>/rri S/,i/ j .lf>o/r/üi 7/iirr/i.r/nii/is Oiiiffisf. 3. „ f/f/fs/rosfft O.itrris/ ß Srr/>u//i //ifr/n/xr/if/x Sto/ Sitxung'sb d.k .\k.nd dW tti.illi ii.ilmw. Tl XLIJlBd. I,.\l)tli. l.M.'l. 20; VI. SITZUNG VOM 21. FEBRUAR 1861. Der Secretär liest eine, von dem c. M. Herrn Director MUdler in Dorpat, eingesendete IMittheilnng: „Üf»er kosmische Bewegungs- gesclnvindigkeiten mit Beziehung auf D op pl er's Hypothese der Entstehung der Farben". Das w. M., Herr Prof. Gottlieb, übersendet eine Mittheilung: „Der Forcherit, ein neues Mineral aus Steiermark", untersucht von Herrn R. M a 1 y. Herr Prof Unger überreicht eine Abhandlung: „Beiträge zur Physiorogie der Pflanzen". Herr Regierungsrath, Prof. Hyrtl, legt eine Abhandlung vor: „Über anangische (gefässlose) Netzhäute". Herr Bergrath Bitter von Hauer übergibt folgende, bereits in der Sitzung vom 7. Februar besprochene Mittlieihingen des Herrn Hofrathes Haidinger: 1. „Das Doppelmeteor von Elrnira und New Haven"; 2. „Der Meteorsteinfall von Parnallee bei Madura in Hindostan" ; 3. „Vorläufige Nachrichten über Vorbereitungen zu einem zweiten meteorologischen See- und Land-Congress"; 4. „Der Fortgang der Reise des Herrn Th. von Heu.glin." Herr Dr. G. Bizio legt eine Abhandlung vor: „Sopra Tolio della camomilla (M. Chamomilla)''. An Druckschriften wurden vorgelegt: Abel, Budolf, Pflanzen-Verzeichniss. Frühjahr 1861. — Sommer 1861. Wien, 1861; So- Akademie, Königl. Preuss., zu Berlin, Monatsbericht. November 1860. Mit 3 Tafeln. Berlin, 1860; So- Ann alen der Chemie und Pharmacie, herausgegeben von Fried. Wühler, J. Lieb ig und H. Kopp. N. R. Band XL, Heft 3. Leipzig und Heidelberg, 1860; 8o- .\nnales des mines. 5" serie, tome XVI, ö'' et 6" livraison de 1859. Paris. 1809; 8o- — Tome XVII, V livraison de 1860. Paris 1860; So- As tronomical Journal, The — , Nr. 141. — Vol. VI, Nr. 21. Cam- bridge, 1860; 4o- Astronomische Nachrichten, Nr. 1294. Altona, 1861 ; 4o Austria, XIII. Jahrgang, VI. und VH. Heft. Wien, 1861; 8o- 206 Uauzeitinig, Allgemeine, XXVI. Jahrgang, 1. Heft sanimt Atlas, Wien, 18G1;'4'> & Folio. Co snios, X" Annee, 18" Volume, ß' & 7" Livraison. Paris, 186t ; 8«- Eilangen, ruiversität. Akademische Gelegenheitsschriften ans den Jahren 18J)9 & 1860. Bamber«. IkM-lin, Erlangen, Leipzig, Neu- biirg und Neustadt, 1859 — 1860; 8o & 4o- Gazette medicale d'Oricnt, IV^ Annee, Nr. 11. Const. 1861; 4o- Gesellschaft, physikalisch-medizinische, zu Wiirzhurg, Würz- burger medizinische Zeitschrift. I. Band, 5. & 6. lieft. Würzburg, 1860; 80- — Würzburger naturwissenscliaflliche Zeitschrift. I. Band, 3. & 4. Heft. Würzburg, 1860; 8o- Greifswald, Universität, Akadenusche Gelegenhoitsscbriften für das Jahr 1860. Greifsvvald, 1860; 8° & 4o- Grüne rt, J. A., Archiv der Mathematik und Physik, XXXV. Theil, 4. Heft. Greifswnld., 1860; So- Halle, Universität, Akademische Gelegenheitsschriften aus dem Jahre 1860. Berlin, Göttingen, Halle, Leipzig & Weimar, 1830: 8«, 4o & Folio. Königsberg, Universität, Akademische Gelegenheitsschriften aus dem Jahre 1860. Königsberg, 1860; 8o & 4ö- Land- und forstwirihschaftiiche Zeitung, XI. Jahrgang, Nr. ö und 6. Wien, 1861; kl. 4«- Lnnd, Universität, Akademische Gelegenheitsschriften aus den Jahren 1859 & 1860. Cbristiania, Kopenhagen, Lund und Upsala, 1859 & 1860; 80 & 4o- Mittheilungen aus J. Perthes' geographischer Anstalt, Jahrgang 1861, HeftL Gotha, 1861; 4o- R'Dstock, Universität, Akademische Gelegenheitssehriften aus den Jahren 1859 & 1860. Rostock, 1 859 & 1860; 8o, 4o & Folio. Thomson, C G. , Skandinaviens Coleoptera. Haftet I. Carabici. (1857,) Tom. II. 1860. Lund, 1857 & 1860; 8o Wiener medizinische Wochenschrift, XI. Jahrgang, Nr. 6 & 7. Wien, 1861;4o- Wochen -Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts- Gesellschaft, X. Jahrgang, Nr. 8. Gratz, 1861; 4o- Zeitschrift für Chemie und Pharmacie, beratisgegeben von E. Erlenmeyer und G. Lewin stein. III. Jahrgang, Heft 23 & 24; IV. Jahrgang, Heft 1. Erlangen, 1860 & 1861 ; So- Zetterstedt, Job. Wilh., Diptera Scandinaviae. Tomus I. — XIV. Lundae, 1842 — 1860; So- Zillner, F. V., Die Pöscblianer oder betenden Bnider in Ober- Osterreich. (Separat- Abdruck aus der allgemeinen Zeiiscbrift für Psychiatrie. 17. B d., 5^ & 6. Heft.) Berlin, 1860; So- — Ein kurzes Vorwort zur Gründung der Gesellschaft fürj Salz- burger Landeskunde. Salzburg, 1860; S»- H y r t I. Über aiiangisclie (gefiisslose) Netzhiiiite. 207 Über anangische ff/i'fäss/o,se) Netzhäute. Von (lern w. M. Prof. Hyrtl. Ich habe nur ein paar Worte über einen neuen anatomischen Fund zu sagen; aber diese Worte enthalten das Ergebniss einer langen Reihe von Wahrnehmungen, welche vom Beginne meiner anatomischen Carriere und von meinen ersten Injections-Versuchen her datiren. Vor Kurzem wurde die Existenz gefässloser Herzen von mir nachgewiesen •). Über einen ähnlichen Fund, aber von weit grösse- rer Ausdehnung, kann ich heute berichten. Er betrifft die Gefäss- losigkeit eines Organes, welches, wie das Herz, ein Gegenstand der sorgfältigsten Detailuntersuchung war — die Netzhaut. Diese Unter- suchungen haben höchst merkwürdige Aufschlüsse über den compli^ cirten Bau der Retina geliefert, das Nächstliegende aber übersehen. Nur die Netzhaut der Säugethiere und des Menschen führt Gefässe; jene der drei übrigen Wir bei thierclassen ist voll- kommen gefässlos. Anatomische Entdeckungen, welche ganze Thierclassen betref- fen, ergeben sich nicht so leicht, wie jene an einzelnen Individuen. Zu letzteren genügt sehr oft ein zufälliger Fund. Den ersteren miiss eine sehr ansehnliche Menge von Einzeluntersiichungen voran- gehen. Dass dem Ausspruche: die Netzhaut der V^ögel, Amphibien und Fische, sei gefässlos, die möglichst grosse Anzahl von Special- untersuchungen von mir zu Grunde gelegt wurde, darf man einem Anatomen glauben, welchem mikroskopische Tnjectionen ein Lieb- lingsthema geworden. Durch 30 Jahre habe ich mich mit diesem Zweige der anatomischen Technik anhaltend und eingehend beschäf- tigt. Im Anfange meiner Arbeiten über Darstellung der Capillar- gefässe, hielt ich die sich immer und immer aufdrängende Gefäss- losigkeit der Netzhaut der drei genannten Thierclassen, für ein meine Injecfionen verfolgendes Missgeschick. Erst später kommt der *J Sitzungsberichte iler kaiseri. Akademie. 1838, Ü3. ßd. 208 Hyrtl. Math daran zu denken, dass eine für alle Classen der Wirbelthiere als geltend angenommene Regel, factisch für drei derselben ungiltig sein könne. Als daher mit der Zunahme meiner Gewandtheit in der Füllung der feinsten Blutgefässe des Auges, die Retina fortan gefässlos blieb, drängte sich nothwendig der Gedanke auf, dass es sieh nicht um misslingendo Injectionen, sondern um Absenz der Blutgefässe in der Netzhaut, um vollkommene Anangie derselben handle. Ich verdoppelte meinen Eifer, aber Tausende von Injectionen gaben immer und immer wieder dasselbe negative Resultat. Lange noch hielt ich mit der VerötTentlicbung dieser Erfahrung zurück. Die Zahl der injicirten Thiere sollte zur möglichsten Grösse anschwellen, um dem endlichen definitiven Ausspruch keine Aus- nahme anhängen zu müssen. Zahlreiche Aufträge um Injectionsprä- parate der Augen liefen in Folge einer, am 20. October, 1859, in der Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie, über den Bezug meiner mikroskopischen Gefäss-Injectionen erschienenen Ankündigung, von aus war tige n Augenärzten und Anatomen an mich ein. Fast alle verlangten unter den bestellten Augenpräparaten injicirte Retinae verschiedener Wirbelthiere. Da ich nur über Injectionen der Netzhaut von Säugethieren und Menschen verfügen konnte, so nahm ich die Augen der übrigen Wirbelthiere mit aller Gründlichkeit und Genauig- keit nochmals vor, vervollständigte die schon zu einer imposanten Höhe gediehene Anzahl meiner Augen- Injectionen durch jene der adriatischen Knorpelfische, und sehe mich, als auch bei diesen keine Spur von Gefässen in der Netzhaut aufzufinden war, veranlasst und berechtigt, die Zurückhaltung nicht länger währen zu lassen, und die Thatsache der vollständigen Gefässlosigkeit der Netzhaut aller Familien und Ordnungen der Fische, Reptilien und Vögel, hiermit vor der kaiserlichen Akademie auszusprechen. Die Gefässlosigkeit der Netzhaut erstreckt sich aber nicht auf den Nervus opticus. Dieser ist von seinem Abgange aus dem Vor- derhirn bis zur Eintrittstelle in den Bulbus gefässhältig; aber ohne eine Arteria centralis einzuschliessen. Seine grösseren Gefässe gehören dem Neurilemma an, und senden nur spärliche und äusserst feine Reiser in die Marksubstanz dieses Nerven. Niemals lässt sich am Querschnitt eines vollkommen injicirten Sehnei'vcn der drei genannten Wirbel thierclassen ein centrales Gefäss erblicken, wie es dem Sehnerv der Säugethicre und des Menschen ausnahmslos zukommt. Ülier iinaiigisclie (f^efüsslose) Netzhäute. 200 Unter diesen Unistäiulen kann ich die Anaiigie der Netzhaut nicht als gewagte Behauptung, sondern niuss ich sie als eine durch- greifende, ausnahmslose Wahrheit hinstellen. Diese Ausnahmslosigkeit mag unbedenklich gelten. Ich habe zwar, wie sich von selbst versteht, nicht alle Species und Genera der Fische, Reptilien und Vögel untersucht; aber aus jeder Ordnung die- ser Classcn die mir zugängliche Anzahl von Individuen verschiede- ner Gilttungen mit gleichem negativen Ergebniss injicirt. Alle Donau- fische, alle Rochen und Haie des adriatischen Meeres, eine grosse Anzahl Amphibien vom Python und Alligator bis zum Laubfrosch, alle Familien der Vögel vom Strauss bis zum Zaunkönig, kamen an die Reihe. So lange Induction und Analogie in der vergleichenden Ana- tomie von Wertli sind, wird auch die Ausnahmslosigkeit der für die Retina gefundenen anatomischen Regel anerkannt werden müssen. Wer aber anderer Meinung ist, der möge für eigene Rechnung Aus- nahmen suchen. Hiezu können ihm folgende praktische Regeln hilf- reiche Dienste leisten. So schwer selbst für den Geübten die Injection des Auges der Säugethiere ist, d;i, um eines vollständigen Erfolges gewiss zu sein, die Einspritzung nicht von der Carotis, sondern von der Ophthal- mica aus vorgenommen werden soll, so leicht gelingt jene der drei übrigen Wirbelthierclassen, wenn man sich an folgende Methode hält. Bei grossen Knorpel- und Knochenfischen suche man die Caro- tis auf, wo sie von der ersten Kiemenvene abgebt. Man fübre zu die- sem Zwecke von den beiden Mundwinkeln aus mit der Knochen- schere zwei Parallelschnitte nach hinten, lang genug, um die Kiemenbogen, und, wenn nöthig, auch den Schultergürtel durchzu- schneiden. Ist der von diesen Schnitten begrenzte und aushebbare Boden der Mund- und Rachenhöhle nach hinten umgelegt, so lüfte man dicht vor dem oberen Segment des ersten Kiemenbogens die leicht abnehmbare Schleimhaut des Gaumens, nahe an der Seiten - wand der Gehirnkapsel, und präparire sie über die Rasis dieser Kap- sel so weit los, bis man in der Medianlinie auf die Vereinigungsstelle der rechten und linken vorderen Kiemenvene stösst. Verfolgt man die erste Kiemenvene der präparirten Seite gegan den ersten Kiemen- bogen hin, so wird man nicht weit zu gehen haben, um auf den Ursprung der Carotis zu stossen , welches Gefäss isolirt gegen das Auge zu injicirt wird. 210 "y"- Mag eine Pseiulobi'iuicliie vüi'liaiiden sein oder iiielit, immor erhält man bei geliöriccer Subtilität der Masse, worüber in meinem HandbiR'he der praktischen Anatomie, Wien, 1860, 6. Hnch, genü- gende Unterweisung zu finden, eine solche Füllung der Augenhäute, dass die Injection durch die Venen zurückkehrt, somit in alle Capil- largefässnetze des Auges eingedrungen ist. Keine Spur von Gefässen in der Retina. Kleinere Fische müssen von der Arteria coeliaca aus rückläu- fig, d. h. gegen die Aorta injicirt werden, mit noch mehr verdünnter Masse, da sie auf ihrem in diesem Falle bedeutend längeren Weg zum Auge, auch mehr von ihrem flüssigen (volatilen) Menstruum verliert. Erfolg derselbe. Bei grossen beschuppten Reptilien (wohin ich noch alle Schild- kröten VOM der Grösse der Eniys, und alle Schlangen von mehr als 2 Fuss Länge rechne) ist an der Schnittfläche des Halses die ein- faciie i) oder doppelte^) Carotis leicht zu finden und isolirt zu inji- ciren. Massiger, fortgesetzter Iiijectionsdruck macht die Masse durch die Jugulares zurückkehren. Retina leer. Bei den kleineren Ophi- diern und Sauriern muss die Aorta abdominalis blossgeiegt und ge- gen den Kopf zu injicirt werden, da die beiden aus dem Herzen entspringenden Aortenbogen nur für ein sehr feines Kaliber der In- jectionsröhrchen Raum haben. Bei den nackten Amphibien Mird der Bulbus arteriosus dicht über dem Herzen, wie zur Injection des ganzen Thieres, behandelt. Selbst dickere Massen kehren alsbald durch alle Venen zurück, da die Capillargefässe dieser Amphibienordnung an W^eite alle übrigen übertreffen." Eine unvollständige Injection des Auges kann desshalb nicht leicht vorkommen. Hat man Ranae oder Bafoucs") gewählt, wird man selbst die schon vor langen Jahren von mir aufgefundenen^) ') Clieloiiier imd Ophidier. ") Saurier. > 3) Aber keine S;ilain.TiHlriiieii. *) Med. .Ialiri)iicher des österr. KaisersUiales, 1838, 13. Band. Präparate injicirter Glas- h.iiite bezogen, schon im Jahre 1833, Retzius und J. Müller von mir. Die erste Injection dieser Haut verleibte ich noch als Student, 1830, dem Wiener anatomischen .Museum ein. — loh (ülire dieses nur an", daQuekett in den Trausactions of Ihe .Microscopical Society, Vol. III, l'art. I. 18ä0, eine Abhandlung publicirte: Observations on tlie Vascnlaridy of the Capsule of tliu Cristaliine Lens, especially tliat of eertain über aiiiia-^isclie (fj-eliisslose) iXetzhiiiite. 211 Capillanietze der Hyaloidea vollständig injicii't vor sich haben, aber eben so gewiss eine anangische Retina'). Von grösseren Vögeln (wohin noch die Taube gehört) werden nur die Carotiden injieirt. Man findet sie, einfach oiler doppelt, tief nnter der auf der vorderen Fläche der Wirbelsäule auflagernden llalsmusculatur, und in der Furche zwischen den unteren Bogenele- menten der Halswirbel gelegen. Man injieirt die doppelten mit einem Gabeltubus. Unerlässlich ist die Verkeilung des Canals der Quer- fortsälze und des Rückgratcanais, da, wenn sie unversorgt gelassen werden, der zur Füllung der Augengefässe nöthige Druck, durch das Ausströmen der Masse aus den Arteriae vertebrules und spinales, sich zu sehr abschwächt. Kleinere Vögel müssen von der Aorta, oder von einer oder beiden Anonymae aus injieirt werden. Sehr leicht regurgitirt eine vollständig gelungene Injection durch die Venen. Alle Augenhäute und das Marsupium der Linse voll, die Retina aber zuversichtlich leer. Ich halte diese kurzen technischen Bemerkungen nicht für über- flüssig. Histologische Untersuchungen, welche, wie jene des Auges, bei grossen Vergrösserungen vorgenommen werden, haben eine Klippe weniger zu fürchten, wenn man sie an injicirten Organen pfle- gen möchte. Wie leicht uninjicirte Gefässe für etwas genommen werden, was sie nicht sind, hat vor Kurzem der Lapsus eines Mikro- logen bewiesen, welcher die auf- und absteigenden, sich kreuzenden Schenkel einer Gefässschlinge , als doppelt contourirte Körperchen eigener Art beschrieb, und die jammerreiche Geschichte der Lymph- drüsenanatomie hat gezeigt, was man alles für Gefässe halten kann, wenn man an uninjicirtenOhjecten auf Entdeckung von Neuigkeiten ausgeht. Die Anangie der Retina macht ihre Ernährung nur durch Imbi- bition möglich. Bei den Vögeln kann das zur Nutrition der Netzhaut- schichten zu verwendende Plasma nur aus den Gefässen der Ruy- schiana kommen, und muss sich durch die Zellen der Pigmentschicht in die Retina imhibiren. Bei den ungeschwänzten Batrachiern und allen Familien derOphidier, bei welchen ich ebenfalls zuerst zeigte, dassdie Reptllia, in welcher er die Gefässe der Hyaloidea (welche er für Kapselgefässe nimmt) zuerst aufgefunden zu haben behaui)tet. 1) Unerwähnt geblieben in jener Schrift, welche den mikroskopischen Bau der Netzhaut des Frosches specieH iit-liandelt : Lersch, de retinae structura muroscupica, Berol. 1840. 2 j 2 H y r l I. Über aiiangische (gefässlose) Netzhäute. Hyaloidea ein höchst oigeiithümlich geformtes Blutgefässnetz besitzt, wird auch dieses zur Kniährmig der hei diesen Thiercn besonders dicken Netzhaut coutribuiren. Auch unter den Knochen- und Knoi-- pelfischen kenne ich kein Genus, dessen Hyaloidea keine Blutgefässe führte. Da ich noch nicht im Reinen bin, in wiefern die Gefass- hältigkeit der Glashaut mit dem Vorhandensein oder dem Mangel einer Pseudobranchie und somit einer Pfortader des Auges (im unrich- tigen Sinne .1. MüUer's) coexistirt, kann ich mich in die Frage über Zu- und Abzug der Blutgefässe der Hyaloidea hier nicht näher einlassen. Es genügt zu erwähnen, dass alle Familien von Fischen durch die- selbe Vascularität der Glashaut sich auszeichnen, wie sie den Batra- chiern und Ophidiern zukommt. Später mehr davon. Mag die Anangie der Netzhaut ihren Grund darin haben, dass die Hervorstülpung der Augen aus der Hirnblase zu einer Zeit Statt hat, wo letztere noch keine Blutgefässe besitzt, oder mag diese Her- vorstülpung an einer Stelle des Augenliirns geschehen, welche gefässlos ist, oder mag selbst die Retina einst Blutgefässe besessen haben, welche in späteren Zeitläuften eingingen, immer ist es schwer, ja, frei gesagt, unmöglich, sich mehr über diese Eigen- thümlichkeit der Netzhaut zu sagen, als dass sie, weit entfernt der Ausdruck eines unvollkommenen Zustandes des Sehorgans zu sein, zur Formirung der Netzhautbilder eher günstig wirken muss, da bei den Säugethiereu die Gefässschichte der Retina, welche den bre- chenden Medien des Auges näher liegt als die nervösen Elemente dieser Membran, ein Gitter über die sensitive Netzhautsphäre breitet, durch dessen Maschen nur das Licht auf letztere gelangen kann. Es mag dieses eine Unvollkommenheit des Sehens bedingen, welcher wir uns nicht bewusst werden, da sie immer fortdauert, welche aber im Vogel-, Reptilien- und Fischauge, der hier mitgetheilten anato- mischen Regel wegen, nicht vorhanden sein kann. Das Gefässnetz der Hyaloidea im Auge der ungeschwänzten Batrachier, der Schlangen und der Fische, ist in einem solchen Grade weitmaschig, dass die durch dasselbe bedungene Beirrung des Weges der Lichtstrahlen zur Retina eine ungleich geringere sein wird , als sie im Säugethier- auge durch das engmaschige Gefässstratum der Netzhaut gegeben ist. Nur die Allantois der Reptilien besitzt ein weitmaschigeres Gefässnetz als die Hyaloidea, SITZUNGSBERICHTE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. MATHEMATISCH - NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. XUII. B4\D. ERSTE ABTHEILUNG. Entliält die Abliandlung-en ans dem Gebiete der Mineralog-ie, Botanik, Zoolog-ie, Anatomie, Geologie und Paläontolog"ie. 15 213 VII. SITZUNG VOM 7. MÄRZ 1861. Prof. Schrötter zeigt Carre's Apparat zur Erzeugung von Eis und erläutert den Gebrauch desselben. Das c. M., Herr Dr. Hornstein, übergibt eine Abhandlung: „Über die Bahn der Concordia" von Herrn R. Sonndorfer. Das e.M. , Herr Prof. Dr. Suess, überreicht eine Abhandlung des k. k. Oberstlieutenants, Herrn K. v. Sonklar, betitelt: „Der grosse Schuttkegel von Wiener-Neustadt". Ferner übergibt Prof. Suess, eine von ihm verfasste Abhand- lung: „Über die grossen Raubthiere der österreichischen Tertiär- Ablagerungen". Herr Dr. G. Tschermak spricht über die Beziehungen zwi- schen der Verbrennungswärme und dem relativen Volumen chemischer Verbindungen. Derselbe legt ferner vor: „Analyse eines dem Hydrophan ähn- lichen Minerals von Theben", und: „Die Krystallformen des schwefel- sauren Hydrokali" (KH SO4). Herr Zenger, Gymnasiallehrer zu Neusohl, überreicht eine Abhandlung: „Theorie der Krystallisation der Grundstoffe". Die königl. physikalisch-ökonomische Gesellschaft zu Königs- berg übersendet das 1. Heft ihrer „Schriften" und wünscht mit der Akademie einen Schriftentausch einzuleiten. An Druckschriften wurden vorgelegt: Accademia Pontilicia de" Niiovi Lincei, Atti. Anno XIII, Sessiouo \\ Roma, 1860; 4o- 214 Akademie tiei" Wissenschaften, König). Schwedische, zu Stock- hohn, Hand Ungar, Ny Följd. 11^ Bandet, 2" Haftet. 18»8; 4o- — Ofversigt af Köngl. Vetenskaps-Akadeniiens Körhandlingar. XVI''* Ärgängen, 1839; S«* — Meteorologiska .lakttagelser i Sverige, af Er. Edlund. P Bandet, 18Ö9. Stockholm, 1860; 4o. — Eugenies Hesa. Zoologi. IV. Stockhohii, 1859; 4o- — Mitgliedervei'zeichniss. Maj 1860; 8'*- — Friesen, Johann Otto von, Ofversigt af Sveriges Ornithologiska Litteratur. Akademisk Afhandling, Stockholm, 1860; 8»' Annalen der Königl. Sternwarte bei München. XII. Band. IMünchen, 1860; So- Annales des mines, ö'"^ serie. Tome XVII, 2* Livraison. Paris, 1860; 8o- Astronomische Nachrichten, Nr. 1295 und 1296. Altena, 1861; 4o- Austria, XIII. Jahrgang, VIII. und IX. Heft. Wien, 1861; 8«- Belloti, C, Risultato delle osservazioni microscopiclie fütte suUe uova di bachi da seta dal settembre 1860 a tutto gennajo 1861. (Estr. dal Nr. 455 del Giornale „La Perseveranza".) Carl, Ph. , Untersuchungen über die thermoelektrischen Ströme. Mit 1 lithogr. Tafel. München, 1860; S»- Cornalia, Emilio, Sui caratteri che presenta il seme sano dei bachi da seta e come qiiesto si possa distinguere dal seme infetto. (Estr. dagli Atti della Societä italiana di scienze natiirali. Vol. n.) Milano, 1860; 8o- Cosmos, X'' Annee, 18* Volume, 8* und 9* Livraison, Paris, 1861 ; 80. Credit minier, Le, Journal des intercts Melallurgiques et Manii- facturiers. l" Annee, Nr. 6, 7 & 8. Paris, 1861; 4«- Gesellschaft, k. k. mähr, schles., zur Beförderung des Acker- baues, der Natur- und Landeskunde in Brunn, Mittheilungen, Jahrgang 1860. Brunn; 4o- — der Wissenschaften, Königl. zu Götlingen, Göttingische ge- lehrte Anzeigen. Band I— III auf das Jahr 1860. Göltingen; 8"- Nachrichten von der Goorg-August-Universität und der König!. Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen. Vom Jahre 1860, Nr. 1—29. Göttingen; 8»- 215 Gesellschaft, k. Ic. zoologisch-botanische, in Wien, Verhandlun- gen. Jahrgang 18G0. X. Baiitl. Mit 13 Tafeln. Wien, 1860; 8«- Graham, J. D., A Lunar Titlal W'ave in Lake Michigan. Philadel- phia, 1860; So- Jahrbuch, Neues, für Pharmacie und verwandte Fächer. Heraus- gegeben von G. F. Walz und F. L. Winckler. Band XV, Heft 1. Heidelberg, 1861; 8o- Land- und forstwirthschaftliche Zeitung, XI. Jahrgang, Nr. 7. W^'en, 1861; Kl. 4o- L i WC z ak, Joseph , Einige Worte in Angelegenheit eines neuent- deckten Grundprincipes für den allgemeinen Gebrauch der bewegenden Kräfte in der praktischen Mechanik. Lemberg, 1861; 80- Löwenthal, Eduard, System und Geschichte des Naturalismus, oder: Neueste Forschungsresultate. I. System des Naturalismus. Leipzig. 1861; So- Mittheilungen aus J. Perthes' geographischer Anstalt. Jahrgang 1861, Heft II. Gotha, 1861; 4o- Sallenave, Traite theorique et pratique sur l'epuisement de l'eco- nomie liumaine, ainsi que sur les nialadies chroniques, qui ont cette origine. Avec un formulaire special. 2* edilion. Bordeaux & Libourne, 1860; So- Schmidt, Gustav, Die Gesetze und die Kräfte der relativen Bewe- gung in der Ebene. Mit Holzschnitten. Wien, 1861 ; 8"- Societe Imperiale des sciences naturelles de Cherbourg, Memoires. Tome VII, 1859. Paris et Cherbourg, 1860; 8o- — de Physique et d'Histoire naturelle de Gencve, Memoires. Tome XV, 2'"'' partie. Geneve et Paris, 1860; 4«- — Royale des sciences de Liege, Memoires. Bruxelles et Paris, 1860; 80- Volpicelli, Paolo, Teorica della compensazione de'pendoli. (Estr. dagli Atti delia accademia de'Nuovi Lincei Tomo XllI ) Roma, 1860; 4o- — Di uno stereoscopio diaframmatico. (Estr. dagli Atti della accademia de' Niiovi Lincei, Sessione IV, dell' Anno IX, del SOaprile 1854.) Roma, 1854; 4o- — Formules electrometriques. Paris; 4o- — ■ Intorno ad Alessandro Barone di Humboldt necro- logico cenno. (Estr. dagli Atti della accademia de' Nuovi Lincei, 216 Sessiüiie 1, delP Aiiiiu XIII. dell 4 liicembi-e 18S9.) Koma, 1860; 40- Wiener niedizinisohe Wochenschrift, XI. .Uhrgang, Nr. 8 und 9. Wien, 1860; 4»- Wo eben -Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts-Geseilschaft. X. Jahrgang, Nr. 9. Gratz, 1861 ; 4"- 217 Über die grossen Rauhthiere der österreichischen Tertiär- Ablagerungen. Von Prof. Eduard Suess. (Mit 2 Tafeln.) Nicht erst seit dem Erscheinen von Darwin 's berühmter Schrift, sondern seit einer langen Reihe von Jahren beschäftigt viele Paläontologen die Frage, ob wohl die wiederholten Verände- rungen im Thierreiche und im Pflanzenreiche durch Veränderungen der äusseren Lebensverhältnisse veranlasst worden seien. Da nun eine Lösung dieser Frage nur in jenen Ablagerungen zu suchen ist, deren Fauna sich bereits der heutigen so weit nähert, dass wir uns von den etwaigen Lebensbedingungen der damaligen Wesen eine genauere Vorstellung machen können, habe ich seit langer Zeit die Materialien zu einer Geschichte der Wiener Tertiärbildungen zu vereinigen gesucht, um nach Baco's Vorschrift „non dispiitando adversarium, sed opere naturam vincere". Meine Aufgabe zerfällt nun in zwei Theile, nämlich in einen stratigraphischen, welcher die Veränderungen behandelt, die in den äusseren physischen Verhältnissen vor sich gegangen sind, und in den paläontologischen, welcher ihren Einfluss auf die jeweiligen lebenden Wesen untersucht. Ich habe bereits Gelegenheit genom- men, mehrere Resultate, welche theils der einen und theils der andern Richtung dieser Arbeiten zufallen, zu veröffentlichen i) und rechne zu den wichtigsten die Trennung des Wiener Beckens in ein alpines und ein ausseralpines, den Nachweis der wiederholten Hebungen, der Gleichzeitigkeit der scheinbar verschiedenen marinen ') Insbesondere in Sitzungsberichte 1860, Bd. XXXIX, S. 138—166. 218 S « e s s. Bildungen von Nussdorf, Grund, Baden ii. s. w., und endlich die rntersc'heidiing mehrerer, von einander verschiedener Faunen von Landsängethieren. Seit jenen Veröffentlichungen ist in beiden Bichtungen weiter gearbeitet worden. Durch die Mittel, welche mir von Seite des k. k. Oberstkämmereranites zu diesem Zwecke zugewiesen wurden, bin ich in den Stand gesetzt worden im Laufe des letzten Sommers die ganze Westküste des Beckens genauer zu bereisen, als dies bisher geschehen ist, und durch Höhenmessungen den Anfang zu einer Tabelle der bathymetrischen Vertheihing unserer tertiären See- thiere zu machen. — Durch gütige Vermittlung des Herrn Hofrathes V, Schwaben au in Ödenburg auf das Vorkommen eines tertiären Knochenbettes zu Baltavär im Eisenburger Comitate aufmerksam gemacht, bin ich von Seite des k. k. Hof-Mineralieii-Cabinetes dahin gesendet worden, und es ist durch lange fortgesetzte Grabungen möglich geworden, hier an einem Punkte, den ich in das Niveau unseres Belvedere-Schotters stelle. Beste von Machairodus cnltri- dens, Hyaena hipparionnm, Dinotherinm, Rhhiocei'os, Sus eryman- thius, Antilope hrevicornis, Helladotherium Duvernoyi, Hippofhe- ritim gracile, kurz die bezeichnendsten Arten der bekannten Fauna von Pikermi in Griechenland aufzufinden. Um so erwünschter musste meinen Arbeiten eine reiche Sen- dung von Knochen aus Pikermi kommen, welche im Laufe dieses Jahres vom Freiherrn von Brenner- Felsach , damals kais. Ge- sandten in Athen, als ein Geschenk an das k. k. Hof-Mineralien- Cabinet gelangt ist. Ich kann im Augenblicke nicht mehr daran zweifeln, dass die Fauna von Pikermi mit meiner zweiten Säugethier- fauna des Wiener Beckens, mit Inzersdorf und dem Belvedere, mit Eppelsheim und dem miochie superieur des Herrn Lartet (Cucu- ron, Vaucluse) übereinstimmt i). Andererseils habe ich durch die Vereinigung zahlreicher Säugethierreste, welche mir von den Vorständen der ülTentlichen Museen und die Gefälligkeit vieler Besitzer von Privatsammlungen anvertraut worden sind, die Überzeugung gewonnen, dass unsere marine Stufe ganz dem miocene nioyen L artet's entspricht, da in derselben z. B. 3Iasiodon anyiistidens, M. taphoides und Änchi- 1) Bullet, soc. geol. 1839, Bd. XVI, S. 476. über die syrosspii Rinihthiore n. 2 I therium Aurelianense neben Listriodon splendens vorkommen. Die- sem selben Niveau aber fallen, wie mich die von Hrn. Prof. Aich- born aus dem Joannoo in Gratz freuiullicbst mitgetbeilten Stücke lehren, die Kohlen von Parscblug, Eibiswald , Wies und Aflenz bei Turnau zu, welche dieselbe Fauna umschliessen. — Ein tieferes Niveau nimmt dann z. B. die Kohle von Zemlye bei Totis unweit Raab ein, welche Äulhrncotherium mngnnm enthält und daher mit Zoveneedo und Cadibona, mit dem miochie inferieur des Herrn Lartet, den Vorkommnissen von Rocbette im Canton Waadt, der Aquitanischen Stufe der Scliweizcr Paläontologen, übereinstimmt. Diese Fauna ist älter als die Bildung des eigentlichen Wiener Beckens. Es ist jedoch meine Absicht nicht, hier diese und noch andere allgemeine Ergebnisse , welche aus der Vergleichung der Land- sängethiere hervorgegangen sind, ausführlicher darzulegen. Bevor dies geschieht, halte ich es füi' nothwendig, die Arten eitizelner der wichtigsten Familien genauer zu bestimmen und abzugrenzen und so für das Studium unserer Säugetbiere wenigstens theilweise eine ähnliche Basis zu scbaffen, wie sie uns für die Seethiere durch die Werke von Hörne s, Reuss, Orbigny u. A. in so ausgezeichneter Weise geboten sind, und beginne sogleich mit den Ranbthieren. Die Individuenzahl der grossen Fleischfresser ist aus begreif- lichen Gründen stets viel geringer als jene der gleichzeitig lebenden Pthiuzenfresser. Daher rührt auch die. Seltenheit fossiler Fleisch- fresser. In den Diluvialablagerungen freilich zählt man die Indivi- duen des Höhlenbären, welche in einer einzigen Höhle begraben sind, auch bei uns zuweilen nach Hunderten, und fast eben so häufig soll in Höhlen des nördlichen Böhmens der Dachs vorkommen. Aus einer einzigen Höhle bei Theissholz im nördlichen Ungarn konnte ich Bär, Wolf, Fuchs, Marder und Hyäne anführen i) 5 eine andere ungarische Höhle zeichnet sich durch ihren Reichthum an Felis spelaca aus. Aber diese Menge von Resten rührt ofTenbar daher, dass hier die einstigen Sehlupfwinkel dieser Thiere zugänglich sind, in denen dieGebeine vieler Generationen aufeinander gehäuft liegen. In dem Löss der Ebenen sind Raubthiere bei weitem seltener, ja ») Jalul). der k. k. geol. lieichsaiist. I8ö8, Veili. S. 147. 220 S " e s ,. alles was ich von Spuren derselben ans dem Löss kenne, beschränkt sich auf einige wenige Bruchstücke. Abgesehen von einer Anzahl loser Zähne, die in den marinen Küstenhildungen von Neudorf getroffen wurden, und M'elche, wie Herr von Meyer schon vor Jahren bemerkte, zwar auf vier ver- schiedene Arten hindeuten, unter denen ein Insectenfresser sein mag, aber zu einer näheren Definition nicht ausreichen, — und ab- gesehen von der vorderen Hälfte des Unterkiefers eines wahrschein- lich zu den Hunden gehörigen Thieres aus der Kohle von Eibiswald in Steiermark, das mir Prof. Aichhorn gütigst mittheilte, — sind mir im Ganzen nur drei Arten tertiärer Raubthiere aus Österreich bekannt, und zwar 3Iachairo(lus cultridens, Hyaenu hipparionmn und Amphicyon intermedius. Die erste und die letzte Art sind bisher nur durch je ein, die Hyäne durch die Reste von zwei Individuen vertreten. Machalrodus cultridens. Taf. I, Fig. 1. l'rsiis cttUfidens Ciiv. , Agnotherlvm anti(piiim und Felis aphanisla Kaup, Machairodiis leouinns Wagn. (Kaup in Leonh. u. Bronn's Jalirb. 1850, S. 270.) Von diesem grossen und furchtbaren Raubthiere ist bisher meines Wissens in Österreich erst ein einziger Rest, nämlich ein oberer Eckzahn, und zwar zu Baltavär gefunden worden. Es stimmt dieser Eckzahn mit den von Eppelsheim und von Pikermi beschrie- benen so vollständig überein, dass ich mich darauf beschränken darf hier eine Eigenthümlichkeit hervorzuheben, welche in den bis- herigen Schilderungen unerwähnt geblieben ist. — Die äussere gezähnelte Kante wird unterhalb des oberen Endes der Krone stark gegen die Innenseite des Zahnes abgelenkt, wie dies auch beim Eckzahne des Mach, latidens in Owen's Figur (^Brit. foss. Mnnwi. p. 180, Fig. 69, reciifs) angedeutet ist. Auf der anderen Seite der Mittellinie stellen sich erst einzelne Wärzchen ein, die sich gegen oben zu einer zweiten gezähnelten Kante vereinigen, endlich bemerkt man weiter oben noch eine leichte Spur von Zähnelung nahe der Mittellinie selbst. Prof. Wagner war so freundlich, auf meine Bitte die Zähne aus Pikermi, welche sich in der Münchner Samm- lung befinden, zu vergleichen, und hat an denselben die nämliche über die giü.sseii Riuihlliicre ik-r .islerr. Teitiiiriil)lrtgeniiigen. 22 1 Erscheinung gefunden. Taf. I, Fig. 1 wird sie besser versinnlichea als Worte. Mach, cultridens ist bisher zu Eppelsheim, Pikermi und im Arnoth«le getroffen worden. Der Zahn von Baltavar befindet sich in der Sammlung des Herrn Hofrathes v. Schwabenau in Üdenburg. Hyaena hipparionuni Gerv. Taf. I, Fig. 2, 3. H. hipparionum Gervais, Zool. Pal. franc. p. 121, t. XII, f. 1, t. XXIV, f. 2—5. H. eximia Roth u. AVagn. Foss. Knoch. 1834, p. 26, T. II, Fig. 6, und Wagner, Neue Beilr. 18Ö7, p. 12, T. III, Fig. 9. Auch von diesem Raubthierc, dem ältesten Vertreter der Sippe Hyaenu, hat bisher nur Baltavar Spuren geliefert; diese bestehen aus zwei Unterkieferhälften, von denen eine sieh im kaiserlichen Mineralien-Cahinefe, die andere in der Sammlung des Herrn von Schwabenau befindet. Ausser diesen beiden Stücken liegt mir aber noch ein merkwürdiges Exemplar vor, den linken Oberkiefer eines jungen und eben im Zahnwechsel begriffenen Individuums darstellend, welches in Pikermi bei Athen gefunden wurde und einen Theil der oben erwähnten, vom Freiherrn von Brenner -Felsach an das kais. Mineralien-Cabinet geschenkten Sammlung ausmacht. Da durch dieses Stück die Identität der H. exijiiia mit H. hippa- rionnm Gerv. so ziemlich ausser Zweifel gestellt und eine genauere Vergleichung mit den lebenden Hyänen und mit H. spelaea möglich wird, will ich dasselbe etwas genauer schildern. Dieser Oberkiefer zeigte, als er in meine Hände kam, nur den vollkommen entwickelten ersten Lückenzahn, eine Strecke weit hinter demselben ein Bruchstück eines stark abgenützten Milch- zahnes und noch weiter hinten sah man eben die Spitze des mitt- leren Zackens des Reisszahnes durch den Kiefer brechen. Es sind nun die im Kiefer steckenden Kronen blossgelegt worden und nur ein Streifen von Knochenmasse bei a an der Innenseite des Reiss- zahnes belassen worden , um die Krümmung des Gaumens zu zeigen. In diesem Augenblicke zeigt das Stück Folgendes: Der erste Lücken zahn, der, wie gesagt, bereits ganz aus dem Kiefer hervorgetreten war und auch bereits die zarten Längs- runzeln durch Abnützung fast ganz verloren hat, welche die Kronenkeime der anderen Zähne bedecken, ist von etwa pyramidaler Gestalt. Eine Kante zieht sich der Länge nach über den ganzen 222 S » e 8 s. Zahn und bildet am Vorderendc einen kleinen deutlichen, am Hinter- ende einen undeutlichen Ansatz. Der Keim des zweiten L ücke nzahnes sitzt etwas schräg im Kiefer, so zwar, dass sein Vorderrand unter einen Theil der starken, pfeilerförmigen Wurzel des ersten Liiekenzahnes liegt. Er ist 10-5 Millim. lang, sein vorderer Ansatz gegen Innen runzelig, mit einem stärkeren Zäpfchen dort, wo er sich an die Innenseite des mittleren Ilauptzackens anschliesst und von wo eine stumpfe Kante gegen die Spitze dieses Hauptzackens hinaufläuft. Der hintere Ansatz besieht aus zwei Zacken und es läuft eine Kante von der Spitze des Hauplzackens über beide der Länge nach bis zum llinterende des Zahnes hinab. Die Höhe des Hauptzackens beträgt 12 Millim,; die rückwärtige Hälfte des Zahnes ist innen von einem Basalwulst um- geben, der durch so starke Kerbungen unterbrochen ist, dass der Zahn hier wie von etwa sieben Tuberkeln umsäumt scheint. Der Keim des dritten Lückenzahnes, knapp hinter dem zweiten im Kiefer steckend und mit seinem Vorderrande an die Innenseite des hinteren Ansatzes desselben sich anschliessend, konnte nicht ganz blossgelegt werden; er hat wie bei allen Hyänen eine dem vorhergehenden Zahne sehr ähnliche Gestalt, ist jedoch dabei beträchtlich grösser; seine Länge mag 26, die Höhe des mitt- leren Zackens 16 Millim. betragen. Der hintere Ansatz liegt zum Theile unter dem Reisszahne. Der Reisszahn besitzt bereits einen Theil seiner Wurzeln, was bei dem dritten und zweiten Lückenzahne noch nicht der Fall ist; er ist an seiner Basis 36'5 Millim. lang; an der Aussenseite beträgt die Höhe des ersten Zackens 14-5, jene des zweiten 19 Millim.; der dritte ist zu sehr gegen innen geneigt, um eine ähnliche Messung genau sein zu lassen. Am Talon ist die Breite des ganzen Zahnes 17-S. Mit dem ein wenig grösseren Reisszahne der //. spelaea vergWchen, zeigt sich aussen bei der tertiären Art der vordere Ansatz etwas weniger entwickelt, der vordere Theil des hintersten Zackens stärker nach innen geneigt und durch eine etwas deutlichere Senkung vom hinleren Theile gesondert. AufTaJlender noch sind die Verschiedenheiten an der Innenseite, indem hier die ganze Fläche, welche hinter der Mitte des Hauptzackens liegt, tlach convex ist, während sie bei der Höhlenliyäne eher etwas ausgehöhlt ist; auch zieht sich hier vom Talon an ein schnurförmiger, fein über die grossen Raiihlliiere der österr. Terti;iral)l;ig:eriiiigen. 223 gekerbter Basulwulsl bis nahe au das hintere Zahnende, während bei H. spelaea kaum eine Spur eines solchen Basalwulstes wahr- genommen wird. Der Tuberkel zahn ist 17 5 Millim. breit, und daher auffal- lend gross; sein hinterer Ansatz ist leider beschädigt; er ist hier schräge an das Hinterende des Reisszahnes angeleimt. An der Aussenseite ist er abgerundet, an der Innenseite kegelförmig und älnilich gebaut wie der Talon. Die der Aussenseite des Kiefers zu- gewendete Seite des Kegels ist ausgehöhlt und eine scharfe Kante trennt die concave von der convexen Fläche. Diese Kante setzt sich als eine gerundete Leiste auf der Höhe des Vorderrandes bis zum Aussenrande fort und gibt gegen die ausgehöhlte Mitte des Zahnes hin noch zM'ei verzweigte ähnliche Leisten ab. Der hintere Ansatz ist, wie gesagt, beschädigt. Im Allgemeinen ist einige Ähnlichkeit mit dem letzten oberen Backenzähne gewisser Caniden nicht zu verkennen. — Dieser Zahn besitzt zwei stark divergirende, kräftige Wurzeln, die bereits vollständig ausgebildet sind, und in der Mitte seiner hinteren Seite trägt die innere Wurzel sogar einen weiteren, nicht ganz abgesonderten Theil, welcher dem beschädigten, hinteren Ansätze der Krone entspricht. Es kann keinem Zweifel unterliegen, dass die beiden in Baltavär gefundenen L n terkiefer wirklich der Hyäne von Pikermi ange- hören. Sie besitzen die beiden Kieferlöcher, den starken vorderen Ansatz des dritten (resp. vierten) Lückenzahnes, und alle die weiteren von Hrn. W^agner angeführten Merkmale. Der im Besitze des Herrn v. Schwabenau befindliche ist in seinem hintersten Theile vollständig erhalten und zeigt (Fig. 3 «) vorne innerhalb der beiden Wurzelenden des zweiten Lückenzahnes auch die Wurzel- spitze des ersten, einwurzligen, den Gervais ausnahmsweise bei einer Hyäne aus Algier als persistirend beobachtet, und bei seiner H. hipparionum vermuthet hat. H. hipparionum Gerv. stimmt nach den ersten Angaben dieses Autors (S. 121, t. Xil) vollständig mit dem eben geschilderten Oberkiefer von Pikermi überein, doch war es ein kleineres Individuum, das dem französischen Autor damals vorlag, indem die Breite des Tuberkelzahnes nur mit 15 angegeben wird, da jedoch in Taf. XXIV und in der Erläuterung zu dieser Tafel ein anderes Individuum dieser Hyäne „von der Grösse der Ilyaena spelaea und croctita" bekannt 224 S u e s s. gemacht wird, zweifle ich nicht, dass die Art von Pikermi und Baltavar mit jenei* von Cucuron (Vaiicliise) identisch sei und dass der Verhreitungsbezirk dieser Art sich über ganz Mitteleuropa erstreckt habe. //. hipparioiium übertrifft durch die Grösse ihres Tuberkelzahnes alle linderen lebenden und fossilen Hyänen, und da, wie die Form der Wurzel zu verstehen gibt, an der beschädigten Hinterseite des- selben ein selbstständiger Fortsatz vorhanden war, so näherte sich dieser Zahn merklich der Gestalt des Milchtuberkelzahnes der heu- tigen //. fuscu (Blainv. t. VI). Ebenso kann man in der Persistenz des einwurzligen Lückenzahnes im Unterkiefer und den Spitzen des hinteren Theiles des unteren Reisszahnes Anmahnungen an das Milchgebiss heutiger Hyänen sehen. Amphycion intermedias Mey. Taf. II. Im Jahre 1851 erwähnte Herr von Meyer i) ein kleines Zahiifragment aus dem Süsswasserkalke von Tuehoritz im nördlichen Böhmen, welches, von einem Wiederkäuer iierrührend, an Grösse etwa dem Pnlaeomeryx minor Myr. gleichkam. Es war dies, wenn ich nicht irre, der einzige bekannte Säugthierrest aus diesem Süss- wasserkalke, bis im vergangenen Jahre Prof. Reuss in einer Anmerkung zu seiner Abhandlung über „Die fossilen Mollusken der tertiären Süsswasserkalke Böhmens" *) das Vorkommen zahlreicher solcher Reste in einem weicheren Mergel an einer beschränkten Stelle südöstlich bei den letzten Häusern des Dorfes Tuehoritz erwähnte. Prof Reuss hat die Güte gehabt, mir diese Reste anzuver- trauen s); sie bestanden aus einem beschädigten Wirbel, einem Fingergliede, und aus 42 Zähnen und Zalinfragmenten, unter denen ich die nachfolgenden Arten unterscheiden konnte: 1. Rhinoceros oder Aceratherium , 14 Fragmente, darunter die Krone eines oberen und die Wurzel eines unteren Schneide- zahnes, sonst durchaus Bruchstücke von oberen und unteren Backen- 1) Palaoontog^rapliicn IF, p. 72. 3) Sitiiingsber. 1S60, Bd. XMI, p. 36. ^) Sie waren von xwei ßlaltiibilriickeii in weissem liilTälinlichein Gesteine begleileU welche Prof. Unger tVeundlichsl als /»/dupi/rox hrac/ti/srpfila A. B r. n. [.eipniii- nosites Proserpinac? Heer bestimnife. über die grossen Raubt liiert' der österr. Tertiäriibliigerung'eu. 225 Zähnen. Sie scheinen alle einem und demselben, und zwar einem noch nicht ganz ausgewachsenen Individuo anzugehören. 2. Choerotherium Sansaniense Lart. Note sur la coli, de Sansans, p. 23; Sus choerolherium Blainv. Ost. Sus, p. 19ö, pl. IX (nicht zu verwechseln mit der gleichnamigen Sippe von Cautl. und Falc). Von diesem Thiere wurde ein letzter und ein vorletzter oberer Backenzahn gefunden, also genau dieselben Ziihne, welche Lart et und Blainville kennen lehren, und mit der Abbil- dung bei Blainville ganz und gar übereinstimmend. Die aulTallende Kleinheit des letzten Backenzahnes und seine dreieckige Gestalt sind leicht kennbar. 3. Palaeomeryx Scheuchzeri Myr. in Leonh. u. Bronn's Jahrb. 1844, S. 305; hieher rechne ich fünf Zähne von Tuchoritz, welche vom selben Individuum herrühren mögen, und zwar den Keim'' des dritten Prämolars und den ersten und zweiten Molar rechts oben, und der Keim des zweiten Prämolars und den ersten Molar links unten, ferner die vordere Hälfte eines zweiten oder dritten Molars rechts oben. — Es sind ferner noch ein linker oberer und ein linker unterer Backenzahn da, die möglicher Weise zu Pal. medius gehören könnten. Zähne von noch geringeren Dimen- sionen waren nicht dabei. 4. Zugleich mit allen diesen Stücken fanden sich achtzehn lose Zähne und Zahnfragmente von einem grossen Raubthiere, weiche durch ihre gleichmässige Abnützung, ihr gleiches Aussehen und insbesondere dadurch, dass sich kein einziger Theil wiederholt, als ein und demselben Individuo angehörig sich darstellen. Ich beginne mit der Schilderung derjenigen Stücke ^ welche zunächst geeignet scheinen einiges Licht auf die systematische Stellung die- ses Thieres zu werfen. Der Reiss zahn des linken Unte rkie fers (Fig. 8) weist sogleich auf die Familie der Hunde, und ist von dem entsprechen- den Zahne bei den Katzen, Hyänen oder Bären ganz und gar ver- gchieden. Er besteht wie beim Wolf aus einem vorderen, schneidi- gen Theile, der durch einen Spalt von dem mittleren Hauptzaeken getrennt ist, — aus dem Hauptzaeken, an den sich innen hinten ein kleinerer Zapfen anschmiegt, und aus dem selbstständigeren hinte- ren Theile, welcher von zwei Zapfen gebildet wird, deren äusserer der stärkere und höhere ist. Auch in Bezug auf die Länge der 226 S u e s s. Krone (27 Millim.) stimmt dieser Zahn fast mit dem erwachsenen Wolfe (28 Millim.), er unterscheidet sich jedoch von demselben durch seine viel bedeutendere Breite, indem z. B. die Breite des hinteren Theiles statt 10 Millim. nicht weniger als 14 Millim. be- trägt, durch den Mangel einer Kante an der Hinterseite des Haupt- zackens, durch die viel bedeutendere Enlwickelung des Zapfens, der sich innen hinten an diesen Hauptzacken anschmiegt, mit einem Worte durch die auffallend stärkere Enlwickelung des Omnivoren Charakters. Auch ist an der Aussenseite der Krone eine Andeutung eines Basalwulstes vorhanden, welche dem Wolfe fehlt. Diese Merkmale reichen hin, um den Zahn auch von dem am meisten Omnivoren unter den lebenden Hunden, so wie von Ccmis Neschersensis, C. hsiodorcnsis und anderen fossilen Arten zu unterscheiden, die er zugleich an Grösse weit übertrifft, und führen unmittelbar zur Sippe Amphicyon. Man findet in der That bei Blainville (^Subursus, Taf. XiV) zwei ganz ähnliche Zähne abgebildet, die auch die Andeutung eines äusseren Basalwulstes haben und etwas mehr Omnivoren Charakter zeigen als der Wolf, aber doch in dieser Beziehung diesen Zahn noch nicht erreichen, ßlainville's Tafel gibt bei einer Kronenlänge von 31-5 die grösste Breite des hinteren Theiles nur mit 13-ö; das Verhältniss der Breite des omnivoren Hintertheiles zur ganzen Kronenlänge sind vom carnivoren Wolf zum weniger carnivoren Ampkycion ßlainville's und zu diesem Raubthiere wie 135: 162 : 196. Es ist auch eine fragmentarische Krone dieses Zahnes aus dem rechten Unterkiefer vorgefunden worden. Der He isszahn des linken Oberkiefers (Fig. 1) ist dreiwuraelig und erinnert ebenfalls lebhaft an Canis m\A Amphicyon. Er bestellt aus einem Hauptzacken, der nach vorne in einen nicht deutlich gesonderten, nach innen jedoch in einen wohl abgetrennten, auf eigener NA'urzel ruhenden Ansatz ausläuft, gegen hinten aber durch einen Schnitt von dem schneidigen Blatte geschieden ist, das den rückwärtigen Tiieil dos Zahnes bildet. Ein Hasalwulst läuft an der Innenseite vom rückwärtigen Ende des Zahnes bis an das entferntere Ende des inneren Ansatzes, bildet hier eine undeutliche Erhöhung und zieht sich von da an der Vorderseite des Zahnes in mehrfach 1 über die grosstMi naul)lhiere der österr. Terliiirablageniiig'en. 227 unterbrochener Ijinie gegen die stutiipfe Kante hin, welche vom Haiiptzacken gegen den vorderen Ansatz herabläuft. An der Aiissen- seite ist der Hasahvulst minder deutlich. Dieser Zahn, dessen Kronenbasis 22 Millini. niisst, ist im Verhältnisse zum unteren Reisszahne viel kleiner als beim Wolf (27 Millim.); die Kleinheit dieses Zahnes ist in der That eine der auHallendsten Eigenthümlichkeiten dieses Thieres, welche durch das bedeutende Hervortreten der Omnivoren Theile, nämlich des inneren und des vorderen Ansatzes noch bemerkenswerther wird. In der Tliat wird ein Blick auf den oberen Reisszahn des Wolfes oder der Abbildungen von Amphicyon bei Blainville hin- reichen, um die wesentlichen Unterschiede zu verrathen, welche trotz der Übereinstimmung der allgemeinen Zahnform in dieser Beziehung bestehen. — Amphic. mhior (Blainville, Taf. XYl) nähert sich noch am meisten. Das Fig. 6 abgebildete Bruchstück eines Prämolars ist in mancher' Beziehung lehrreich. Es ist dies eine dreieckige Spitze mit einer convexen Aussenseite; die Innenseite ist flach bis auf eine Einsenkung, welche längs der vorderen Kante herabläuft und welche auch bei Caniden vorzukommen pflegt. Man bemerkt an dem Ver- laufe der Basis der Aussenseite, dass die beschädigte rückwärtige Hälfte des Zahnes bedeutender war als die vordere Hälfte; vermuth- lich trug sie also Nebenzacken. Der erhaltene Theil der rückM'ärti- gen Schneide ist gegen innen abgenützt, folglich ist der Zahn von links, oben, und aus der bedeutenden Grösse des Zahnes und dem Grade der Abnützung, welche nur um weniges geringer ist als am Reisszahne, schliesse ich, dass er der vorletzte Prämolar, d. h. der unmittelbar vor dem Reisszahne (Fig. 7) stehende sei. Diese Krone hat innen eine Höhe von 14 Millim., während der nur ein klein wenig mehr abgenützte Hauptzacken des Reisszahnes nur 12 Millim. misst; es steht also vor dem Reisszahne ein Prä molar, dessen Krone um 2 Millim. höher ist. — Dieser Zahn ist spitziger als beim Wolf und viel grösser und hölier; seine Verhältnisse zum Reisszahne sind ganz und gar verschieden, auch steht der Zacken viel mehr aufrecht. Blainville lehrt keine Lückenzähne von Amphlcifon kennen; das L'nterkieferfragment von St. Gerard le Puy bei Gervais (t. XXVIII, f. 11) zeigt ähnliehe Verhältnisse wie Ccmis. Sitzb. a. iiiallieiii.-iiiitiii w. Cl. XLIll. Bd. I. Ablli. 16 228 S u e s s. \()ii den eigentlichen Ma li Izii Im eil sind leider nur sein- un- vollständige und kleine Bruchstücke gefunden worden. Das Fragment Fig. 9 mochte ich für den äusseren vorderen Theil eines rechten oberen Backenzahnes halten. ChereiListimmend mit dem weniger carnivoren Charakter der Reisszähne ist auch dieser Theil bei weitem grösser als beim Wolf und steht dem Zahne von Amphicyon bei Blainville, t. XIV, oberste Reihe so ziemlich an Grösse gleich; es fällt mir jedoch auf, dass sich die Ahnützungs- fläche hier ein wenig nach aussen neigt. Auch der muthmassliche Vorderrand ist stark abgenützt. Das Fragment Fig. 10 ist noch unvollständiger; es kann der äussere, i' ü c k \v ä r t i g e Theil eines rechten oberen Backenzahnes sein, passt jedoch nicht an das eben geschilderte Bruchstück, und es müssten dann schon wegen der geringeren Ab- nützung des Hanptzapfens in Fig. 10 mindestens drei Backenzähne wie bei Amphicyon vorhanden gewesen sein. Der Zahn Fig. 11 ist ohne Zweifel der letzte Backenzahn oben links; dieser Zahn ist kleiner und einfacher gebaut als der letzte (zweite) Backenzahn des Wolfes, der bekanntlich drei Wur- zeln und an seiner Aussenseite zwei Höcker hat, indess hier nur eine Wurzel und an der Aussenseite nur ein Höcker vorhanden ist. Da nun gar nicht zu vemuitlien steht, dass bei dem vielmehr Omni- voren Charakter der Reisszähne unseres Thieres der mahlende Theil des Gebisses weniger entwickelt gewesen sei als beim Wolfe, muss dieser letzte mindestens ein dritter Backenzahn, d. h. muss hier mindestens um e i n e n B a c k e n z a h n mehr vorhanden gewesen sein als bei den Hunden. Dies ist .nun wirklich bei Amphicyon der Fall, und lehrt das Schädelfragment von Amph. major auf der öfters angeführten Tafel bei Blainville zwar nicht die Krone dieses dritten Mahlzahnes kennen , aber es zeigt die Alveole , dass dieser Zahn in der That nicht dreiwurzelig wie der letzte Mahlzahn der Hunde, sondern eiiiwurzelig gewesen sei. Dabei stimmt die Gestalt dieser Krone in ihrem Umrisse und der eigen- thümlichen Umwallung der Innenseite so sehr mit dem zweiten Backenzahn \o\\ Amphicyon, dass der bei Blainville fehlende dritte Zahn wohl von dem unserigen nicht seiir verschieden sein mochte. Der einwurzelige Zahn Fig. 11 ist der letzte (oder vor- letzte) des Unterkiefers; seine Krone hat durch Corrosion Üher die grossen Kaulithiere der österr. Tertiiiralilaijeniii^en. 229 gelitten; er ist viel zu gross für den Wolf, stimmt jedoch in der Form seiner Krone eher noch mit diesem als mit dem einwurzeligen Zahne aus dem Unterkiefer \on Amphicyon, welchen Blainville ahgehildet hat, denn er trägt einen einzigen, starken Höcker nahe an seinem Rande, der wohl vorne und aussen stehen wird, und daher den Zahn auf die linke Seite weist. Ich übergehe als allzu unvollständig ein Bruclistiick einer Krone mit starker Wurzel, welches dem ersten unteren Backen- zähne angehören wird. Es sind mehrere Bruchstücke von Eckzähnen gefunden worden, welche alle eine leichte Krümmung und einen ovalen Quer- schnitt zeigen, der gegen die Kronenspitze hin mehr und mehr kreisförmig wird. Zwei starke und an den einander zugekehrten Seiten besonders scharf markirte Kiele laufen an jedem derselben herab; der eine von ihnen liegt an der concaven Rückseite, während der andere der Innenseite entsprechen wird; sie sind, wie bei so vielen Raubthieren, durch einen flacher gewölbten Raum von ein- ander geschieden. Das Bruchstück Fig. o ist vom rechten unteren Eckzahn; die starke Abreibung (Fig. 56) rührt vom oberen Eckzahn her, jene an der vorderen Aussenseite (Fig. 5 a) verräth einen eckzahnartigen äusseren oberen Schneidezahn. Der grössere Durchmesser an der Kronenbasis beträgt 21, beim erwachsenen Wolfe aber nur etwa 16 Millim. Der linke obere Eckzahn (Fig. 4) ist durch zwei Bruch- stücke vertreten; er ist schlanker als der untere Eckzahn und zwar in höherem Masse als dies beim Wolfe vorzukommen pflegt , dabei etwas mehr cylindrisch und seine beiden Verticalleisten stehen ein wenig näher bei einander. Bemerkenswerth ist die schwache, läng- liche Abniitzungsfläche an dem hinteren Theile seiner Aussenfläche, die nur von einem verhältnissmässig hohen ersten Prämolar her- rühren kann, der knapp hinter dem unteren Eckzahne stand. Der geschlossene Rachen von Cynogale Bennetti bei Blainville, Yiverra, pl. XII, erläutert dies am besten; es stimmt diese Erschei- nung wohl überein mit dem, was bereits über die Grösse der Lücken- zähne gesagt wordon ist. Obwohl also die Eckzähne im Vergleiche zu den Reisszähnen bei weitem stärker, und ihre Verticalleisten schärfer marldit sind als 16** 230 S u e s s. beim Wolfe, ist ihre Gestalt doch im Allgemeinen dieselbe und ins- besondere der obere Eckzahn ganz verschieden von dem langen, Mcnigor gekrümmten, gefurchten oberen Eckzahne des Amphicyon major, dessen Verticalleisten überdies viel weiter aus einander gerückt sind. Die mir vorliegenden Hruchstücke verrathen keine Spur von verticalen Furchen, doch ist es freilich immerhin möglich, dass sich nahe au der Spitze welche einstellen. Von Schneidezähnen liegen mir drei sehr verschiedene Formen vor. Das erste Stück (Fig. 2) wird den äusseren Schneidezahn rechts oben darstellen, auf dessen verlängerte Gestalt schon die Abnützungsstelle in Fig. ö a hinwies; er ist spitz kegelförmig, leicht gekrümmt, mit merklich flachgedrückter Wurzel, schlanker als beim Wolfe, ohne ßasahvulst an der Innenseite und ohne die Spur eines Ansatzes am Ende der Verticalleiste; in sofern nähert er sich also mehr den bei Blainville abgebildeten kegel- förmigen Incisiven von Amphicyon. Von einem anderen Schneidezahne (Fig. 1) ist nur die Krone vorhanden; diese ist kegelförmig, kurz, ohne Kiel oder Basal- wulst, an einer Seite flach und an der andern gewölbt, was vielleicht auf die rechte Unterkieferhälfte hindeutet, und nach zwei Seiten abgenützt. Das dritte Stück (Fig. 3) ist ein sehr auffallendes; dieser Schneidezahn ist so ausserordentlich flachgedrückt, wie bei keinem mir bekannten grösseren Raubthiere ausser bei Amphicyon ; in der That trifft man auf Blainville's Taf. XIV links unten einen (als oberen abgebildeten) Schneidezahn, der auch in Bezug auf seine Grösse, Mangel des Basahvulstes u. s. w. ganz und gar mit dem unserigen übereinstimmt. Auch hier wage ich nicht mit Sicherheit zu bestimmen, welcher von den mittleren Schneidezähnen dies sei, da die Abweichung von den mir vorliegenden Typen zu gross ist. Die grosse Compression deutet eher auf den Unterkiefer, die etwas ungleiche Wölbung und Abnutzung der Seiten auf die rechte Seite desselben, und da das mittlere untere Incisivenpaar kaum eine so starke Abnutzung nach zwei Seiten hin zeigen kann, mag dieser Zahn wahrscheinlich der zweite Schneidezahn rechts unten gewesen sein. Es gibt dies alles zusammengenommen etwa folgendes Bild von der Bezahuung dieses vorweltlichen Raubthieres: Die mittleren Ühiii' ilio grossen Raul)(hiero thw ösIlmt. Tertiai-iililageniiifjeii, 231 Schneideziihiie waren sein* ihch, ohne inneren Ansatz, der äussere obere eckzahnartig; die Eckzähne waren stark, massig gekrümmt, von ovalem Querschnitte, mit je zwei starken Verticalleisten; die Lückenzähne sehr hoch, von unbekannter Zahl ; die Reisszähne im Verhältnisse zum übrigen Gebisse und insbesondere oben klein, oben und unten mit stark ausgeprägtem Omnivoren Charakter; die oberen Backenzähne mehr als zwei an Zahl, der letzte einwurzelig; — von den unteren Backenzähnen ist nur ein einwurzeliger (der letzte oder vorletzte) bekannt. Diese Daten reichen hin, um ein Thier erkennen zu lassen, welches, obwohl der Familie der Hunde angehörig, sich doch durch sein weniger carnivores Gebiss von der typischen Sippe Canis ent- fernt und in dieser Beziehung demselben sogar noch ferner steht, als die wenigen bisher durch Blainville u. A. näher bekannt gewordenen Arten der tertiären Sippe Amphicyon. Ja die Höhe der Lückenzähne deutet schon auf das am wenigsten carnivore Glied der heutigen Caniden, nuf Otocyo)i hin, ohne dass doch, wie ich meine, eine generische Trennung von Amphicyon gerechtfertigt wäre. Es sind theils auf Blainville's Figuren, theils auf meistens ziemlich unvollständige neuere Erfunde hin mehrere tertiäre Arten in der Sippe Amphicyon unterschieden worden 9; unter den erste- ren befindet sich keine Art, welche mit der böhmischen überein- stimmt, und was die auf neue Erfunde gegründeten Arten betritTt, so sind von ihnen leider weder hinreichende Beschreibungen, noch Zeichnungen veröffentlicht worden. Der Wunsch zu ermitteln , ob dieses Raubthier des böhmischen Süsswasserkalkes nicht Andeutun- gen über das geologische Alter desselben geben könne, hat mich veranlasst, Zeichnungen der Zähne an Herrn von Meyer zu senden, welcher in den süddeutschen Tertiärbildungen bereits früher einige Arten von Amphicyon unterschieden und benannt hat. Die freund- liche Antwort lautet: „Die Species, deren Zähne Sie die Güte hatten mir in Abbildungen mitzutheilen, halte ich für meinen Am- phicyon intermedius. Der Querzahn entspricht einem vollständigen, den ich von besagter Species aus dem tertiären Süsswasserkalke ') Pomel zählt im Ciital. mcl/i. etc. p. 69 — 73 nicht weniger als 11 Arten hieher. 232 S II e 8 9. über die g:ro«9fn Ranbthlere der ttsterr. Tertiäralilapeniiifren. von Kirchberg hei Ulm kenne; ein niriit ganz vollstiindiger oberer und unterer Reisszahn und ein äusserer oberer Sehneidezahn aus der Molasse von Ermingen und Hcpphaeh sind nur unbedeutend grösser; bosser noch entsprechen die in der Braunkolile von Käpfnach in der Schweiz gefundenen, beschädigten Zähne in Fragmenten des Unter- kiefers und des Oberkiefers von A. intertnedius , welche Species auch in der Mohisse von Günzburg aufzutreten scheint." Die Sippe Amphicyon ist bisher nur in solchen Bildungen getroffen worden, welche Herr L artet zu seinem i7iioce)ie t)wyen und superieur zählt ; vielleicht ist sie auf das erstere beschränkt. In dem eigentlichen Wiener Becken ist sie aber dennoch meines Wissens noch nicht angetroffen worden. Supfs'. (Irorse Ihuibtliifrc. Taf.I. ^1 J Strohmar/eriith. Ajk ä.k.k.HorTf. Staatsäruckerei F/>/. /. Jfirr//n/'fiO////.v iiilt riilrin- h'ft, Fiif.2 . 7fi/(fenfi 1ii/)fuu-ioiiiiiii frprn. Sif/Jiii^sb.il.kAkiiil.il.Wiiiatii n.itiirw.Cl.XLniBilAliUi.l.sr.I. Siiclx Crolsf 11 .iiililliiciM' T;.rll. 3" Stroniaa-yer Zieh. -tt- i. >. > Hof .u. Staats irucitei ei Arn/>/iiei/o// i ii/rriiurliii.s' Jfrif, Sir7,iili"sl).(l.k..\ka(I..I\riiintliiKiliir»-.('l.AI,HI.Fnl.rAl)tli löCI. V. So II li Irt r. Der i;i'osse Scliultki'gi-I von Wieiier-Xeiislailt. 2o3 Der (/rosse Schultkegel von Wiener- Neustadt. Von Karl t. Sonklar, k. k. Oberstlieuteiiant. (Mit einer Karte und einem Durclischuitle.) Wer immer auf der Eisenbahn die Strecke zwischen Vöslau und Wiener-Neustadt befahren, und seine Augen dabei der Betrach- tung des umliegenden Terrains nicht verschlossen hat, dem wird es ohne Zweifel aufgefallen sein, dass sich der Schienenweg, von Leo- bersdorf angefangen, auf eine breite, sanft abgedachte Bodenwelle erhebt, bei Theresienfeld die Höhe dieser Welle erreicht und von da wieder, in eben so sanftem Abfall, gegen Wiener-Neustadt nie- dersteigt. Auch wird es ihm nicht entgangen sein, dass der Boden auf dieser weit in die Thalebene vorspringenden Schwelle sich durch eine mit der Üppigkeit aller tieferen Theile des Wiener Beckens stark contrastirenden Unfruchtbarkeit auszeichnet. Überall ist die Humusdecke so dünn, dass sie das weisse Kalkgerölle nicht zu ver- bergen im Stande ist, und wo immer längs der Bahn ein tieferer Einschnitt die Beschaffenheit des Bodens deutlicher enthüllt, da zeigt es sich, dass er ausschliesslich aus Gerölhnassen zusammengesetzt ist, deren Bestandtheile meist abgerundet, zuweilen aber auch kantig sind. Aus diesem Grunde kommen hie und da völlig unange- baute Stellen vor, oder es deuten die Saaten augenfällig die geringe Bereitwilligkeit des Bodens an, den aufgewendeten Fleiss durch einen entsprechenden Ertrag zu lohnen. Noch grösser aber ist diese Steri- lität dfs Bodens in einigen Theilen, die der Blick von dem Eisen- bahnwagen nicht näher zu erkennen vermag. So ist er z. B. dort wo das sogenannte Raketendörfchen unfern Wöllersdorf steht, und mehr noch auf der weiten Fläche nördlich von Eggendorf und Ebenfurt mit ihren sechs grossen Pulverthürmen, beinahe eine Wüste, die den Namen des Steinfeldes, mit den man sie belegte, vollkommen 234 ^'' s«>' •<•"'■• verdient. Es ist terner aulValleiul, dass überall an der Basis dieses flachen Hügels, besonders aber an seiner östlichen, nordöstlichen und nördlichen Seite der Übergang zu grösserer Frucl)lbarkeit ein fast plötzlicher ist, so dass die Oi-Ischal'ten Eggendorf, Fjicliteiiwerth Ebenfurt, Pottendorf und Schönau bereits in einem ziemlich produc- tiven Striche liegen. Eine nähere Betrachtung lehrt nun, dass diese breite Terrain- vvelle einen grossen Schuttkegel darstellt, der aus dem Piestingthal entstammend, seine Spitze bei Wöllersdorf hat, mit seiner Mittel- linie zwei Meilen weit bis gegen Pottendorf vordringt, zwischen Leobersdorf und Wiener-Neustadt anderthalb Meilen breit ist und einen Umfang von zwei und einer halben Meile besitzt. Die ungewöhnlichen Dimensionen dieser kolossalen Schuttmasse, ihre grosse Bedeutung für die ökonomischen Verhältnisse der Gegend in der sie liegt und insbesondere die geologischen Seiten ihrer Erscheinung haben mich veranlasst sie etwas näher zu untersuchen. Ich erlaube mir in Nachstehendem die Besullate dieser Untersuchung vorzulegen. Der Wiener -Neustädter Schuttkegel ist offenbar ein Gebilde der Diluvialzeit und entstand durch die Ablagerung der aus dem Piestingthale herabgeführten Geschiebe. Es wird uns also zuerst obliegen, einen Blick auf dieses Thal zu werfen, aus welchem die hier aufgehäuften Trümmermassen hervorgebrochen sind. Das Piestingthal ist das grösste unter allen Nebenthälern der Leitha und hat seinen Ursprung am sogenannten Gschaid, dort nämlich, wo die Fahrstrasse von Guttenstein nach Beichenau den Höhenzug überschreitet, der das Piesting- von dem Schwarzathale scheidet. Der Übergangspunkt oder die Sattelhölie liegt 2730 W. F."^ über Meer. Da nun die ganze Länge des Thaies 4-75 Meilen, die Seehöhe seiner Mündung bei Wöllersdorf 98J> und seine Fallhöhe demnach 1745 W. F. beträgt, so berechnet sich der mittlere Gefälls- winkel des ganzen Thaies mit O« ö2' 37". Die Thalstrecke vom Gschaid bis Guttenstein wird das Kloster- thal genannt und ist eine walderfülKe, ziemlich enge, häufig von felsigen Gehängen umschlossene Schlucht, die der Bach rauschend durcheilt. Zum Anbau ist hier wenig Baum vorhanden; das Klima ist kalt und rauh und der llau[iterwerb der wenigen in armseligen llülzhüttcn hausenden Bewohner ist die Kohlenbrennerei. Nahe vor Der g'i'osse Si'lmttkeg'el von Wiener-NeiistatU. 238 Guttenstein verengt sieh das Thal zu einer tiefen Spalte, welche rechts von den al)rnpten Felswänden des Klosterherges, links von jenen des Schlossherges gebildet wird nnd die dnnkelgotarbten, petre- factenreichen Gnltensteiner Kalksehichten zeigt, die der Triasgruppe zugezählt worden sind. — Das Klosteithal ist 1-6 Meilen lang, und da Guttenstein die Seehöhe von 1485 W. Fuss hat, so ergibt sich sein Fallwinkel mit 2« 31'. Der Markt Guttenstein liegt in einem kleinen Thalbecken, das ohne Zweifel durch das Zusammentreten von drei Thalspalten, u. z. des Kloster-, des Steina-Piesting- und des Lenga-Piestingthales entstanden ist. Das Thal der Steina-Piesting kömmt links vom Habernkogel herab und mündet in das Hauptthal dicht unter der Schlossruine vermittelst einer Klamm aus, in welcher der Fahrweg, um in das Thal zu gelangen, über eine nach der Richtung des Wasserlaufes gebaute Brücke setzen muss. Das Gefäll der Thalsohle ist bedeutend und beträgt im Mittel 3» 47'. Das rechts einfallende, 0-83 Meilen lange Thal derLenga- Piesting entspringt am Öhler und vereinigt sich mit dem Gntten- steiner Becken inmitten des gräflich Hoyos'schen Parkes. Durch dieses Thal führt über den Öhler ein bequemer Steig von Guttenstein in drei Standen nach Buchberg. Der Gefällswinkel dieses Thaies beläuft sieh auf 4« 22'. Das Guttensteiner Becken ist etwa 400 Klafter lang und 300 Klafter breit und zeichnet sich durch landschaftliche Anmuth aus; namentlich ist es der vielbesuchte Klosterberg, der mit seinen sciiönen Fernsichten die geringe Mühe seiner Ersteigung reichlich lohnt. Abwärts Guttenstein schliesst sich das Hauptthal wieder zu einer engen Schlucht zusammen, um sich jedoch bald wieder zu dem schönen, circa eine halbe Meile langen und halb so breiten Becken von Pernitz zu erweitern. Der Boden dieses Beckens ist sehr eben und lässt eine einstmalige Seebildung an dieser Stelle vernuithen. Hier mündet das von der linken Seite mit einem mittleren Gefäll von 20 33' herab kommende, anderthalb Meilen lange Laim wegthal aus, in welchem das Dorf Mnggendorf liegt. Auch führt von Pernitz ein wohlerhaltener Fahrweg über den sogenannten „Hals" nach Pottenstein. Die Seehöhe von Pernitz beträgt 1400 Fuss und die Entfernung von Guttenstein OTo Meilen, wornach sich für dieses Thalstück ein mittlerer Gefällswinkel von nur 0" 16' 14" ergibt. 236 '■■ So ..klar. Nim schliesst sioli d'.is Thal abei'mals zu einer rauhen felsit!;en Sclilucht, die beinahe eine halbe Meile lanff anhält und sieh an einer Stelle sogar bis zu einer von prallen Felswänden eingeschlos- seneu Klamm verengt. Diese Enge dauert bis zur Mündung des Miesenthaies, das von der rechten Seite einfällt, und melirfach gegliedert bis zu den Höhen des Ohler, des Glendherges, der langen und der dürren Wand emporsteigt. Das mittlere Gefäll des Thaies Hess sich mit 3o42' ermitteln. Durch lange, steil abstür- zende und scharf ausgezahnte Kalkwände, durch einige im Thale nunmehr isolirt dastehende und der Zertrümmerung entgangene Theile der Gebirgsmasse und durch den besonders tiefen Sattel bei Aichberg zwischen den zwei hohen und nahen Kuppen des übler und Glendherges, zeigen die Umgebungen des Miesenthaies deutlich die gewaltsame Weise an, in der die Thalbildung vor sich ging. Der Hauptzweig dieses Thaies ist das Thal von Weid- mannsfelden mit dem Dorfe gleichen Namens , das mit Pernitz durch einen ebenfalls sehr niedrigen Sattel zusammenhängt, dessen Höhe am Schweingartriegel die auf einer niedrigen Terrasse liegende Ortschaft um höchstens 300' überhöht. Gleich unterhalb der Mündung des Miesenthaies erscheint im Hauptthale jene schmale Weitung, in welcher das zerstreute Fabriks- dörfchen „in der Oed" liegt und von den mächtigen Kalkmassen des Mandling und Kressenberges eingeschlossen ist. Hier hat sich augen- fällig die Na(ur des anstehenden Gesteines verändert; denn anstatt der dunkeln Kalke bei Guttenstein und Pernitz zeigen hier die steilen Felsgehänge der Mandling das weisse, mehlige Aussehen dolomiti- schen Gesteines. — Das Gefäll der ^,\ Meilen langen Tlialstrecke von Pernitz bis hieher beträgt 0» 22' 55", die Seehöhe der Oed 1 280 W. F. Unterhalb der Oed macht das Thal sofort eine rasche Krüm- mung gegen Osten und bricht nun in einer auf das Streichen der Schichten senkrechten Richtung die Bergmasse durch , die vom Kressenberge nördlich zur Mandling zieht. Die Schichten streichen hier von Süd gegen Nord , und fallen unter Winkeln von 50 — GO Graden gegen Osten ein. Das herrschende Gestein ist der ältere Alpenkalk, dessen Schichtenköpfe zu Tage treten und von dessen hoch- aufgerichteten Wänden breite Trümmerhalden in's Thal herabhängen, die mit ihren leicht beweglichen Massen die Strasse nur zu oft über- schütten. Noch liegen mächtige Remanenzen der jemaligen Felsfüllung Der !?rossc Sclnittkeei'l von Wioner-Neusljidt. 237 des Thalos in Form von Riffen, Treppen und vorspringenden Fels- rippen im Thale sowohl als auf den Bergliängen umher, und durch eine dieser Folsrippen mu.sste die Strasse hohhvegartig eingesclmiiten werden. Bei Waldegg mündet auf der rechten Seite das D ii r r e n b a c h t h a 1 in dasHaupttha! ans. Dasselbe ist etwa ^/l^ Meilen hing und entsteht an einem niedrigen Sattel unterhalb der sogenannten „kleinen Kanzel", einem Felsvorsprunge der langen AVand. Über diesen Sattel geht eine bequeme Verbindung von Waldegg nach Scheuchenstein im Miesenthai. Unterhalb Waldegg folgt nun die letzte bedeutendere Thalenge, worauf sich das Thal nördlich von Wopfing wieder öffnet und bis zu seiner Mündung bei Wöllersdorf eine gewisse Breite behält, die im Mittel 80 Klafter betragt. Nahe vor Piesting springt auf der rechten Thalseite eine kegelförmige Erhöhung vor^ auf welcher die Schlossruine von Starhemberg steht, nach welcher bekanntlich eine hier auftretende Folge von Schichten den Namen erhielt, die seither als identisch mit dem Dachsteinkalk erkannt und in den unteren Lias eingereiht wurde. Doch zeigen sich nun auch, u. z. sowohl im Thale auf beiden Seiten, als auch in der Höhe bei Dreistetten Kalke und Conglomerate, die zur Kreideformation gehören und nördlich von Wöllersdoi'f Tertiärconglomerate. — In den plastischen Verhält- nissen des Gebirges aber ist eine Neigung zur Plateaubildung merk- bar, was in auffallendem Masse an der langen Wand und bei Drei- stetten und mehr noch bei jener Bergmasse der Fall ist, welche östlich des Lindkogels zwischen dem Piesting- und dem Triesting- thale liegt und deren oberer Rand aus der Ferne betrachtet sich als eine gegen Osten sanft abfallende gerade Linie darstellt. Die Höhenzüge, welche das Becken des Piestingthales einschlies- sen, übersteigen in vielen ihrer Gipfelpunkte die Seehöhe von 3000' und erreichen mit einigen derselben selbst 4000 W. F. Und selbst innerhalb der Uinrandung des Beckens gibt es einige Punkte von mehr als 3500' absoluter Höhe. Beträgt nun die mittlere Sattel- höhe dieses Gebirges 2400', so wird man wenig irren wenn man 3000' als mittlere Kammhöhe annimmt. Überblicken wir nochmals alle geographischen und geologischen Verhältnisse: die allgemeine, nicht ehen unbedeutende Höhesowohl der Thalumrandung, als auch der innerhalb der letzteren aufsteigenden 238 V. So 11 klar. Gipfel, die deutlich hervortretende jedoch gestörte Plateaubildiing, den Wechsel von Thaleiigen und Thalweiten, die isoklinale Lage der Schichten in den gegen das Innere der Gebirgszone aufeinan- der folgenden parallelen Höhenzügen, die von dem Streichen der Schichten häufig unabhängige Richtung der Thalfurchen u. s. f. — so gelangen wir zu dem Schlüsse, dass die Hebung des Gebirges, wodurch es seine gegenwärtige Gestalt erhielt, eine gewaltsame war, an mehreren Orten ein einseitiges Zurücksinken der gehobe- nen Theile, und ein vielfältiges Zerreisscn der spröden Kalkgebüde zur Folge hatte, das den transportirendcn Kräften des Gewässers jene gewaltigen Trümmermassen zur Verfügung stellte, die sie vor- erst aus dem Thale herausschafften und dann dort deponirten, wo sie bei der plötzlichen Ausbreitung des Rinnsales eine eben so plötz- liche Schwächung erfuhren. Fragen wir aber um die Zeit in der diese Hebung vor sich ging, so werden wir erwiedern, dass eine grössere Hebung unmittelbar nach der Ablagerung der Kreideschichten vor sich ging, da wir wohl diese aber keine tertiären Gebilde in bedeutenderen Höhen, und in einer mit den Schichten älterer Formationen parallelen Lagerung antreffen. Solche aus der Kreidezeit stammende Schichten finden sich am Glendberge bei Lanzing, auf der dürren Wand im Miesen- thaie, bei Dreistetten, Hörnstein u. a. 0. Die durch solche Hebun- gen, die zugleich auch das Massiv des Schneeberges emporhoben, entstandenen Schuttmassen wurden von den Gewässern in das Ter- tiärmeer herabgeführt und hier zur Ausebnung des Meeresgrundes verwendet. So entstand die Ebene des Wiener Beckens, oder wenigstens derjenige Theil derselben, der damals den Grund des zur Miocenzeit bis zum Schneeberge vordringenden Golfs bildete, das heisst die vollkommen nivellirten Flächen von Neunkirchen angefangen bis über Ebreichsdorf hinaus, deren Boden unter einer oft sehr fruchtbaren Humusdecke, bis in nicht bekannte Tiefen hinab hauptsächlich aus lockerem Geröll besteht i)- Später folgte J) Die Tiefe, die liier liislier eiscliiosseii worden, ist freiiieli nicht sehr l)edeiitend: sie beträgt etwa 3 — G Klafter. Unter der 1 '/j — 2 Fuss dicken niiinu.sschiclite fol-jt zuerst lockerer Schutt , dann kommt Tegel , der eine Mächtigkeit von 3 — 6 Fuss besitzt, worauf wieder lockeres mit etwas Leiten vermischtes (leröll folgt; nun erscheint in einer Tiefe von heiläiifig: lö Fuss unter der Oberfläche eine Zoll dicke FJank eines festen Conglonierates , welches so hart ist, dass es nur unter Anweiuluiijj Der grosse Sclni(tkeg-pl von Wiener-Neustadt. 239 eine zueite, jedoch weit geringere Hebung, welche die älteren Tcrtiärconglomerate von Wöllersdorf, von Brunn hei Fischau, von St. Ägidi u. s. f. und vielleicht auch jene des Pernit/.er Beckens, iihei' das Meeresniveau heraushob, worauf endlich eine dritte und letzte continentale Hebung stattfand , die den gänzlichen Rück^.ug des Tertiärmeeres bewirkte, und nun erst die Bildung des grossen \Mener- Neustädter Schuttkogels möglich machte. Es sind Gründe zur Annahme vorbanden, dass die beiden letzterwähnten Hebungen nur sehr allmählich vor sich gingen. Es verdient bemerkt zu werden, dass weder das Triestinglhal, noch das bei Baden ausmündende Helenenthal, noch auch die Thäler der Brühl , von Kaltenleutgeben und Kalksburg zur Bildung ähnlicher Schuttkegel Veranlassung gaben; man erkennt dies schon aus der Karte deutlich durch den Lauf der Bäche in der Ebene, welche sämmtlich parallel mit dem Fusse des Gebirges und ohne Ausbeu- gung vor den genannten Thalmündungen vorbeifliessen. Von den südlich liegenden Thälern ist das bei Ternitz mündende Sirningthal ebenfalls ohne Schuttkegel, und nur der von Grünbach herab- kommende Schrattengraben scheint die diluvialen Schuttanhäufungen von Urschendorf veranlasst zu haben. Der Hauptantheil an der Ausfüllung und Einebnung der breiten Thalfurche von Gloggnitz abwärts muss jedoch den oberen Zweig- tbälern der Leitha, die einestheils in die krystallinischen Schiefer des Wechsel - Stockes und anderentheils in die wildzerborstenen Kalkmassen des Schneeberges und der Rax energisch eingreifen, zugeschrieben werden. Dies wird nicht blos aus den Grössenver- hältnissen dieser Thäler, sondern auch durch die einfache Wahr- nehmung klar, dass auf der ebenen Thalfläche bei Wiener-Neustadt stets Kalk- und Kieselgerölle durcheinander gemengt vorkommen, während der Schuttkegel des Piestinglhales beinahe ohne Ausnahme aus Kalkfragmenten besteht. — des Meisseis durclibrochen werden kann. Diese Scliichte ist die wasserführende, und bis 7.U ihr liinab reichen alle Brunnen mit besserem Wasser. Unter ihr liegt abermals lockerer Schutt. Besser steht es mit der Kenntniss des den g'rossen Schuttkegel zusammensetzenden Bodens, der gelegenheitlich eines beim sog. Raketendörfchen gegrabenen Brunnens bis auf eine Tiefe von IS** erforscht werden konnte. Er besteht durchaus nur aus Kalkgeröll, meist loekei- aufgeschüttet , jedoch einige Male mit festeren Schichten wechselnd. Der Tegel fehlt hier gänzlich. Das dichte wasser- führende Conglomerat erscheint jedoch erst in der oben benannten Tiefe von 13°. 240 V. S o I) k I n r. Zur genaiion Ausmittelung der horizontalen und verticalen Dimensionen des Wiener -Neustädter Schuttkcgels habe ich die ahsohiten Höhen von 20 Punkten, die über demselben zerstreut liegen, auf eine verlässliche Weise zu bestimmen gesucht. Diese liölienbostiinmung geschah auf trigonometrischem Wege, durch Beobaclitung der Zenithdistanzen, vermittelst eines Theodoliten, von der Gallerie des Thurmes am Gebäude der k. k. Militär-Akade- mie zu Wiener-Neustadt, deren absolute Höhe, durch die k. k. Militär - Triangulirnng, mit 157.4:i3 Wiener Klafter oder 944.71» Wiener Fuss gefunden worden ist. Die horizontalen Entfernungen der collimirten Punkte vom Standorte wurden bei dem grössten Theile aus den Kataster-Mappen, und nur bei zwei allzu weit entfernten Punkten aus der Specialkarte des Generalstabes abgenommen. Ich lasse hier ein Verzeichniss der pointirten Punkte sammt AngaT)e der entsprechenden Elemente der Höhenrechnung folgen. Die Licht- brechung wurde berücksichtigt und die gefundenen absoluten Höhen überall, wo dies nothwendig war, auf den natürlichen Boden corrigirt. Coliiiiiirle Piinlite ßeobaolUete Zenithilistanzen Hör. Eiil- iVnning' vom Aka- ilemie- I liii I' in e Aifsolute Höhe auf den uconigirt Horizont corrigirt Standpunkt: Gallerie des Akademiethurmes, absol. Höhe 137°4ä3 1. Wv. Neustädter Batinhof. Unterer Fensterrand des 2. Stockwerkes. 2. K. k. Untererziehungsliaus zu Fi- schau ; untere Dachkante 3. Knallpulver - Magazin, Raketen- döri'clien; natürlicher Boden .... 4. Waclihütte auf der südlicLen Seite des Hakctendörfcliens; nat. Bod. 0. Südlichstes Raketen - Magazin ; Luftlöcher G. Mittleres Raketen-Magazin; Luft- löcher 7. Nördlichstes Raketen - Magazin; Luftlöcher 8. Grosses Depositorium ain Wege^ nach Wöllersdorf. Oherer Thor- rand 91 -48 -31 "7 S3-7 20 -s 29-2 25 '0 lü-Ü 5ÖM) 90- 90- 90- 90- 90- 90- 90- l-IO-ü 432- 3280 2798 2G08 2774-4 2028- 4 2730 2876-8 143-79 131-17 132-38 131-69 434-77 132-7 1 134-09 137-44 W. Fuss 1833-9 882-0 914-3 910-2 919 912-0 913-0 930-0 Der grosse Siliullkpuel von Wjener-Neustadl. 241 Colliinirtc Piiiikic Iioul>aclitoto Zenithilistanzeii Hol-. Ent- fern lins vom .\ka- (Ipiiiic- thurme Absoluie Hcihe | uiieoiriijirt auf ileii Horizont eorritrirl 9. Comniandiuiten-Gchaiide der Ru- koleiir - Anstalt. Sims zwischen 1 und 2 Stock 89-S6- 4-3 90-14-33-ü 90- 6-47-t 90- 8-22-0 90- 9-48-3 90-27-33-0 90-16- 2-3 90-29-42-0 90-17-51 3 90-21-13 90- 6-43-G 3880 2280 3733 • f. 2980-4 4086 1970 6240 2336 4372 6060 4834 163-0 4 148-38 150-41 131-23 147-74 142-11 132-86 136-13 136-13 124-26 143-17 934-0 890-3 902 - .1 907-4 874-4 832 • G 797 - 1 816-8 810-8 723-1 871-0 10. Kisorncs Kreuz im Felde, links vom Wege nach Wöilersdorf. . . . 1 1. Pulverstampfe, am kalten Ganj^ östl. von Steinahiiickl ; nat. Bod. 12. Steinerne Brücke über den Thert- sienfelder Canul. Natürl. Boden. . 13. Westlichstes Hnus von Felixdorf. Unterer Dachrand 14. Kreuz auf dem Felde, südöstlich von Theresienfeld; natürl. Boden 13. Blumauerhof, nordöstl. von Soleii- 16. Brücke über den Wiener- Neu- stiidter Canal zwischen There- sienfeld und Eggendorf. Bogen- kämpfer 17. Westlichster grosser Pulverthurra auf dem Steinfelde. Luftlöcher . . 18. Östlichster grosser Pulverthurm auf dem Steinfelde; unterer Dachrand 19. Südlichstes Haus von Matzendorf. Natürlicher Boden Südlicher Mandjing-Gipfel 87-34-43-7ä 10430 330-32 4 3301-«. Nördlicher Mandling-Gipfel ..... 87-36-4730 9240 498-671 2992-0 Durch die Bestimmung der absoluten Höhe des Wiener -Neu- städter Bahnhofes ergaben sich die Höhen auch für den Theresien- felder, Feli.xdorfer, Solenauer und Leoborsdorfer Bahnhof, deren Niveauunterschiede aus den schön gezeichneten Durchschnitten des Baiinkörpers zu ersehen sind , welche auf jedem grösseren Stations- hause unter Ghts und Rahmen eine würdige Ausschmückung des 242 V. S o n k I a r. Wai'tsaals bilden i)- ^^ waren sonach zur Darstellung der Reliefver- hältuisse des Scluittkeg^els nicht weniger als 24 Punkte bekannt. Die Höhen von Ebenfurt und Pottendorf, die jedoch schon säinmtlich ausserhalb des Schuttkegels liegen, sind ebenfalls von der k. k. IMilitär-Triangulirung bestimmt worden. Das beigegebene Kärtchen (Taf. I) zeigt die Configuration des Schuttkegels; seine Länge reicht von Wöllersdorf bis in die Nähe von Pottendorf, und beträgt , nach der leichten Krümmung der seine Axe folgt, gemessen, 8200 Wiener Klafter = 2*05 öster- reichische Meilen. Diese Axe, die zugleich die Linie des geringsten Falles und die Hauptrichtung des Stosses der Gewässer bezeichnet, welche, aus dem Piestingthale hervordringend, die Schuttmasse ablagerten , geht anfänglich, wo das Gewässer noch eine Weile lang seine Geschwin- digkeit beibehielt, in der geradlinigen Verlängerung des Piesting- thales bis Theresienfeld , wo sich nördlich des Stationshauses eine 3550 Klafter lange vollkommen horizontale und auf dem natürlichen Boden fortlaufende Bahnstrecke befindet. Von hier angefangen krümmt sich die Axe und folgt dem allgemeinen Gefälle der Thal- ebene in der Art, dass sie das Ende des Schuttkegels beiläufig bei dem Ebenfurter Meierbofe erreicht. Der östliche Pulverthurm des Steinfeldes liegt beiläufig in dieser Linie. Durch die bezeichnete Krümmung der Axe folgt von selbst, dass die Abdachung des Schutt- kegels auf der convexen Seite, d. h, gegen Wiener-Neustadt, Lichtenwerth und Ebenfurt etwas steiler werden musste als gegen Leobersdorf, Schönau und Ginseisdorf. Der Lauf des Piestingbaches oder des „kalten Ganges" bestätiget das Gesagte. ^) Die gefundenen absoluten Höhen dieser Bahuliöfe sind: Theresienfeld 8867 \V. F. Felixdorf 862-7 „ „ Solenau 848-3 „ „ Leobersdorf 803-3 „ „ ferner: Kottingbrunn 786-S „ „ Vöslau 763-7 „ „ Ausserdem wurde durch directes Nivellcmcnl der natiirliclie Coden hei der Wöllersdorfer Miilile um 30*2 ^"•'"' '"'''f ^^^ •l'"" natürliche Boden hei dem Commaudanten-Gehiiude der llakelouranstalt , demnach (nit der absoluten Höhe von 98j \V. f. ermittelt. Der grosse Schiittkegfel von Wiener-Neustadt. 243 Was die Breite des Scliiittkegcls anbelangt, so kann sie ofTen- bar die senkrecbte Entfernung des Triestingbacbes von der Fiseba nicbt überscbreiten; ja es ist der Lauf dieser Bäcbe tbeilweise durcb diese Scbuttwelie bedingt. Ibre Breite beträgt zwischen Wiener-Neustadt und Lcobersdorf bei 6000, zwischen Ebenfurt und Scbönau über JiOOO Wieticr Klafter. Vergleicht man die in der Karte angesetzten Höhencoten, so ergibt sich, dass die Spitze des Schuttkegels bei Wöllersdorf, das untere Ende desselben bei Pottendorf um 305 Fuss über- höbt; dies stellt für die längste Ausdehnung des Schuttkegels das mittlere Gefäll auf O" 22' 20". Nachfolgende kleine Tabelle weist die Gefällswinkel für mehrere andere Theile des Schutt- kegels nach. Bezeichnung der Strecken Länge Fallhöhe Abfallswiiikel der Streck e in W. F. Von Wöllersdorf l)is Theresienfeld 15000' 100 '22 55" Von Theresienfeld bis zum Ende des SchiittkegeiS 341)00 212 21 8 Von Wöllersdorf b. z. Brücke über den Ttie- rcsienfeldor Canal, westl. Theresienfeld 11600 78 23 7 Von dieser Brücke bis Theresienfeld .... 3400 16 16 11 Von Theresienfeld bis zur Canalbrücke bei Esrgendorf 9500 83 30 2 Von dieser Brücke bis zum östlichsten Fulverthurm am Steinfcld 14750 63 14 40 Von diesem I*ulverthurm bis zum Ende des Schuttkegels 10250 66 22 9 Von Wöllersdorf bis Fischau 12000 103 29 31 Von Wöllersdorf bis zum Eiscnbahn- Durchlass der Fischa. bei W. Neustadt. 19750 185 32 12 Von Wöllersdorf bis Feiixdorf 18500 20600 122 137 22 22 40 52 „ „ „ Solenau „ » ' » Leobersdorf 28800 182 21 43 „ Theresienfeld „ Leobersdorf 23770 98 14 10 „ „ „ W. Neustadt 14040 92 22 32 Sitzl.. il. mathem.-nalurw. Cl. XI, Ut. Bd. I. Al.lli. 17 244 *'• S o n k I a r. Zur Vei'doiiflichiing (Um* Geslalt des Schutfkegels gibt die Zeichiiiing Tiif. II Diirclisclniitte desselben nach verschiedenen Richtungen, Die gelieferten Daten zeigen , dass auch hier das Gefäll an der Spitze des Kegels stärker ist als in seinen unteren Tlieilen, doch kommen dafür Unregelmässigkeiten vor, die hei Schiittkegclri im Hochgebirge selten oder vielleicht niemals zu bemerken sind; ich meine das stufenartige Abfallen der hier behandelten Schuttmasse, wie es sich aus den nicht unbedeutenden V^u'iationen des Gefälls- winkels längs der Axe des Kegels deutlich herausstellt. Hieran trägt ohne Zweifel der, vielleicht nur nach Hunderttausenden von Jahren messbare Zeitraum, der seit Entstehung dieses Schuttkegels ver- strichen ist, Schuld — ein Zeitraum der lang genug ist, um selbst die kleinsten doch stetig wiederkehrenden Einwirkungen zu geologisch wichtigen Summen anzuhäufen. Im Übrigen ist das Gefäll des Schuftkegels, im Vergleiche mit jenem analoger Bildungen im Hochgebirge nur ein geringes. Bei letz- teren erreicht der Neigungswinkel zuweilen 20 ja selbst 30 Grade und darüber. Doch das sind recente, in fortwährender und rascher Vergrösserung begriffene Trümmermassen, die bei der Steilheit der Thaleinschnitte aus welchen sie hervorbrechen , und bei dem häufig vorkommenden todten Winkel vor der Mündung solcher Furchen an der Thalwand , sich leicht mit steilen Böschungen anhäufen. Zur approximativen Berechnung des kubischen Inhaltes unseres Schultkegels habe ich folgendes Verfahren angewendet. Durch Benützung von 22 Höhendaten, die so ziemlich gleich- massig über der Oberfläche des Kegels vertheilt sind , hat sich nur die miltlere absolute Höhe des Schuttkegels mit 836 Fuss ergeben. Der ganze auf den Horizont projicirte Flächeninhalt desselben beträgt 2-1133 österreichische Quadratmeilen. Die Basis des Schuftkegels ist jedoch ebenfalls eine u. z. nach Nordost abgedachte Fläche, welche, wie die Kavte lehrt, nicht un- bedeutende Höhendifferenzen aufweist. Durch Benützung von 7 Basis- punkten ci'gibt sich die mittlere absolute Höhe der Grundfläche des Schutikegels mit 750 Fuss. Der Unterschied von 80 Fuss stellt dem- nach die Höhe der gleichmässig über die Area des Kegels vertheilten, das heisst als Prisma gedachten, Schuttmasse dar. Ilir kubischer Inhalt ist also : Der grosse Scliiilfkegel Iiei Wieiiei-Neusfadt. 245 g. AI. F. V= 2-1133 X 80 = 00070273 Kubik-Meilcn. = 4I)0'387 Kuhik- Klafter. Findet man ans den nach ihren absoluten Höhen bekannten Thalpnnkten die niiltlere Höhe aller Thäler des Piestingbeekens zu iöOO Fuss, die Gesammtlänge des Hauptthals und aller Seitenthälei* zu 121VIeilen; nimmt man ferner, wegen der etwas niedrigeren Seiten- kämme, die mittlere Kammhöhe zu 2800 Fuss an, wodurch sich die mittlere Tiefe der Thäler zu 1200 Fuss ergibt; hat sich ferner, nach meinen eigenen Beobachtungen, der mittlere Gefällsvvinkel der Thal- hänge mit 12o herausgestellt, so sind alle Elemente zur Volumen- Berechnung der bei der Thalbildung aus dem Piestingbecken heraus- geschafften Gebirgstheile gegeben. Das Volumen derselben beträgt: M. y = 1200' cotg 12» X 1200' X 12. = 9033' Kubik-Klafter. Vergleicht man mit diesem Werthe das oben gefundene Volu- men des Wiener-Neustädter Schutfkegels, so zeigt es sich, dass letzteres nicht ganz den zwanzigsten Theil von dem körper- lichen Inhalte des Piestingthales ausmacht. Erwägt man ferner, dass da's specifische Gewicht der derben Gesteinsmasse (Kalk 2-7 — 2-8), das des mehr oder minder lockeren Gerölls (1'6 — 2 0) durch- schnittlich um mehr als die Hälfte übertriHt, so reducirt sich der wirkliche Massengehalt des Schuttkegels, ungeachtet seiner gewiss sehr bedeutenden Grösse, beiläufig auf den dreissigsten Theil jener Gesteinsmasse, welche bei der Bildung des Piestingthales aus dem Gebirgskörper entfernt wurde. Die Schlüsse, zu welchen diese Zahlen berechtigen, sind: 1. dass weitaus der grösste Theil der durch die aufeinander folgenden Hebungen von dem Gebirge abgesprengten oder nachher durch Ver- witterung und Erosion abgelösten Massen zur Ausfüllung und Ein- ebnung des Wiener Beckens verwendet wurde; 2. dass schon vor der letzten Hebung zu Ende der Tertiärzeit der grösste Theil des abge- trümmerten Gesteins aus dem Thale bereits herausgeschafft war, und dass also seither keine beträchtlichen Veränderungen in der Gestalt des Gebirges und in der relativen Tiefe der Thäler mehr vor sich gegangen sein können. 17* 246 ^'- Sonklai"- Der grosse Schutlkegel von Wiener-Neustadt. Die grosse Ausln'eitung des Wiener-Neustädtor Schuttkegels aber thut der Gegend der er angehört, den empfindlichsten Abbruch an culturfahigem, fruclitbarem Boden, ein Abbruch der so gross ist, dass, wäre er niclit vorhanden. Tausende von Menschen sich auf einfache Weise vom Ackerbau eriiäliren könnten , und nicht nöthig hätten durch ungesunde und unergiebige Fabriksarbeit ihr Dasein zu fristen. Kl-, SonkUr. Der g'rorsr Srliullkrgrl von Wii-iici NVii.vlAil des ^rofsen Schuttke|els von ^ Wr.Xfiisladl Siliuugsb. d kAkadd.Wmath nnlur»- Cl XLfll Bd Ulilli ISOl, \Jn/sstnr, / /r Zoll - /J/V/ /f /lYtt/Yrr Aus ikltHjf u St.iatsiwAti'i ^ ü ü •joq.iaT3i^ •J^^-J^J'onC'l •joquicEg laj.iopgiaqooi =3 =3 :0 .tan^ua[og •.»oqaH'Ea ■joiinqEg •AX aapiajnaisajaTij. "«i jap ss-BHPJna ■joinmEg 43p[3jnais3.iaiix a)pt;}snaN--JAS. JajJopsjaijOjW ÖD =3 413 M S3 5Z5 o 02 Üi X es a fclD P5 S3 o 247 VIII. SITZUNG VOM 14. MÄRZ 1861. Der Secretär liest folgenden Erlass des hohen k. k. Stiiats- Ministeriums vom 12. März I. J. , Z. ^—rr : j,An Seine, des Herrn Pi'täsidenten der kais. Akademie der Wissen- - schalten, P. T. Freiherrn v. Baiiragartner Excellen?;." „Seine k. k. apostolische Majestät haben mit allerhoehstei' Ent- schliessung vom 10. März d. .1. Seiner kaiserlichen Hoheit dem durchlauchtigsten Herrn Erzherzog Rainer die Stelle eines Curators der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien zu übertra- gen und mich zum Curator-Stellvertreter allergnädigst zu ernennen geruht." „Ich gebe mir die Ehre Eurer Excellenz von dieser allerhöch- sten Resolution mit der Versicherung die Mittheilung zu machen, dass es mir zur besonderen Ehre und Auszeichnung gereicht, durch die allerhöchste Gnade Seiner k. k. apostolischen Majestät an der Seite Seiner kaiserlichen Hoheit des durchlauchtigsten Herrn Erzher- zogs Rainer und an der Spitze der ersten wissenschaftlichen Anstalt des Reiches, welche unter der erleuchteten Leitung Eurer Excellenz einen so erfreulichen Aufschwung erhielt , und ihre Aufgabe in so glänzender Weise zu lösen verstand , — für die Interessen der Wis- senchaft wirken zu können." 248 „Indem ich mir vorbehalte rücksichtlich der küiifligen diejist- licheii Beziehungen der Akademie der Wissenschaften die Befehle Seiner kaiserliehen Hoheit einzuholen, werde ich nicht ermangeln Eurer Excellenz seinerzeit die weiteren Eröffnungen zu machen." Wien, den 12. März 18GÜ. Schmerling m. p.'^ Vorgelegt wurden ferner folgende eingesendete Abhandlungen: „Über eine massanalytische Methode zur Bestimmung des Alkoholgehaltes in alkoholischen Zuckerlösungen" von Herrn B. Günsberg, Assistenten am chemischen Laboratorium der k. k. technischen Akademie zu Lemberg. „Beiträge zur topographischen Anatomie des Beckens" von dem k. k. Disfricts-Physiker , Herrn Dr. A. Schwegel, zu VVip- pach in Kruin. Herr Bergrath Ritter v. Hauer überreicht eine Abhandlung des Herrn Hofraths W. Haidinger: „Über die Natur der Meteoriten in ihrer Zusammensetzung und Erscheinung". Herr Prof. Ludwig theiit die Resultate einer von Herrn Dr. Politzer in Pest ausgeführten Arbeit: „Beiträge zur Physiologie des Gehörorgans" mit. Die betreifenden Untersuchungen wurden im physiologischen Institute der k. k. Josephs-Akademie angestellt. Herr Dr. A. Bauer legt eine im chemischen Laboratorium des k. k. polytechnischen Institutes ausgeführte Arbeit: „Über einige Reactionen des ßrumamylens CäHmBra" vor. An Druckschriften wurden vorgelegt : Akademie der Wissenschaften, Königl. Bayer., zu München, Quellen und Erörterungen zur Bayerischen und Deutschen Geschichte. Herausgegeben auf Befehl und Kosten Sr. Majestät des Königs Maximilian II. Quellen, YIH. Band. München. 18G0; S«- 249 Aincriciin Journal of Science luid Arts, Vul. XXX, No. 88 — 90, Vol. XXXI, Nr. 91. New Haven, 1860 & 1801; 80- An II al es forestieres et metallurgiqiies, XX" Auiiee, No. 1. Paris. 1861 ; 8«- Astronomische Nachrichten, Nr. 1297—1299. Altona, 1861; ¥- Austria, XIII. Jahrgang, X. Heft. Wien, 1861; 8o- Cosmos, X* Annee, 18" Volume, 10' Livraison. Paris, 1861; S"- Credit minier, Le, Journal des interets Metallurgiques et Manu- facturiers, T" Annee, Nr. 9. Paris, 1861; i»- I s t i t u 1 , R., Lombardo di scienze, lettere ed arti, Memorie. Serie II. Vol. VllI, Fase. IV. Milano, 1861; 4«- Istituto, I. R., Veneto di scienze, lettere ed arti, Memorie. Vol. IX. Parte II. Venezia, 1861 ; 4o- — Atti. Serie 3% tomo 6", disp. 3"' Venezia, 1860—61; 8"- Jahresbericht und Mitglieder - Verzeichniss der Deutschen Gesellschaft der Stadt New-York, am 16. Januar 1860. Nevv- York. 1860; 8«' Kreutzer, Karl Joseph, Zeitschrift für Photographie und Stereo- skopic. I. Jahrgang. Nr. 1 — 12, II. Jahrgang. Nr. 1 — 4. Wien, 1860 und 1861 ; 8"' — Jahresbericht über die Forlschritte und Leistungen im Gebiete der Photographie, 1855. Wien, 1858; 8"- — Jahresbericht über die Fortschritte und Leistungen im Gebiete der Photographie und Stereoskopie. 1856 und 1857. Wien, 1858 und 1861; 8«- Land- und forstwirthschaftliche Zeitung, XI, Jahrgang, Nr. 8. Wien, 1861; Kl. A«- Maury, M. J., Strom and Rain Chart of the North Pacific Sheet I. Sei-ies E. Washington, 1860; Gr. Folio. Mittheilungen aus F'. Perthes' geographischer Anstalt, Jahrgang 1861, IL Heft. Gotha, 1861; 4«- V ierteljahres Schrift für wissenschaftliche Veterinärkunde, XV. Band, 2. Heft. Wien, 1861; 8<>- Wiener medizinische Wochenschrift, XI. Jahrgang, Nr. 10. Wien, 1861; 4»- 230 Wochenblatt der k, k. steierm. Landwirthsehafts- Gesellschaft, X. Jahrgang, Nr. 10. Gratz, 1861; 4o- Zeitschrift für Chemie und Pharmacie, herausgegeben von E. Erlenmeyer und G. Lew in stein. IV. Jahrgang. 4. Heft. Erlangen, 1861; 8"- Wankel. Beitrüge zur österreichischen Grotten-Fttunii. 251 Beiträge zur österreichischen Grotten-Fauna. Von Dr. Heinrich Wankel. (Mit 4 Tafeln.) (Vorgelegt in der Sitzung vom 31. Jänner 1861.) Ungleich ärmer als flie ungarischen inirl Karsthöhlen sind an Mannigfaltigkeit der den Grotten eigenthümlichen Fauna jene des devonischen Kalkes in Mähren. Nur wenige Vertreter finden sich in ihnen und manche Thier- classen, die den Karstgiotten eigen sind, scheinen jenen ganz zu fehlen: so konnte der Hypochthon, dem in den imterirdischen Seen unterhalb der Hochebene von Ostrov, in den Seen der Hugohöhlen etc. hinreichend Gelegenheit zum Fortbestehen gegeben ist, bisher noch nicht aufgefunden werden und die meisten augenlosen Kerfe und Ciustaceen fehlen darinnen gänzlich. Dennoch aber hat die Natur auch hier die Thierwelt gedeckt und ihr Mittel gegeben das Fjeben daselbst zu fristen. Die Mollusken w erden durch die an feuchten und dunklen Orten \w\iiQVi\\x\\inAe\\ Heli.v cellnria vertreten, zahlreiche Arachniden und vorzüglich Milben breiten sich übei' alle Räume aus, um in Gesell- schaft mit Poduren und Myriapoden die finstere Nacht der feuchten Grotte zu theilen. Vor Allen kann als wahres Höhlenthier der mährischen Höhlen der von mir aufgefundene und von Camill Heller beschriebene Bra- chydesmus snbterrnneus ^) gelten und die Trachysphaera Schmidti-^ ist durch eine von ihr verschiedene Form repräsentirt. 1) Heller, Camill Dr., Beiträge zur österreichischen Grotten-Fauna. Aus den Sitzb. d. math.-naturw. Section d. k. Akad. d. Wissensch. 18S7. Bd. XXVI, p. 318. ^) Ebendaselbst, pag. 313. Das Genus Tritmnmus ') der Tliysanuren findet in den von Külenati beschriebenen Tritomurus macrocephalus ^^ seine Ver- treter und ihnn reiht sich :in, der von mir gefundene Heteromurus. Aueh Schioedte's Amirophorus (inden wir in dem von Müller beschriebenen Amirophorus gracilis 3) wieder und eine neue Anura *) in s(;hw;iry.er und weisser Abänderung gesellt sieh ihm bei. Wenn uns auch das Obisium mangelt, so kann das, obwohl nicht blinde, doch schneeweisse Leiobuiinm troglodytes ihm entgegen- gestellt werden und nebst mehreren noch unbestimmten Spinnen lebt in der Bijci skdla, der Kalharinen- und Slouper Höhle, ein Bekannter südlicher Grotten: der Eschutocephaliis gracilipes s) und an die Notaspis Kolenat'd «), die Porhostaspis" laniiliUa''), und den Gtunasus pyfjmneus^} reihen sich neue Arten, die in diesen Blättern ihre Beschreibung finden mögen. Neben dieser, unseren Höhlen eigentbümlichen Thierwelt, hat noch eine eingewanderte ihren Sitz hier aufgeschlagen. Die Reste reissender Säugethiere und die Verhältnisse, unter welchen die- selben gefunden werden, zeigen dentlich, dass der grimmige Höhlen- bär eine lange Reihe von Jahren hier gelebt, bis ihm durch die Höhlenhyäne, den Höhlenlöwen und denHöhlenvielfrass dieser Wohn- sitz streitig gemacht wurde. An die Stelle dieser längst erloschenen Geschlechter treten der Fuchs, der Dachs und die Fischotter, und eine grosse Menge Chi- ropteren fand sich ein, um Schutz und ein warmes Winterquartier zu linden. In Form von gros-en Klumpen, dachziegelförinig an einander hängend, schläft Vespertilio murinas an unzugänglichen Stellen, während niedrige Strecken, der in sein Patagium gehüllte Rhitiolo- pliiis hyposiderus und sein Stammgenosse, der liliinoloplms f'errum equinum grosse abseits gelegene Hallen wählt. ') Frauenf eld, G., Verhaiidluiigeii deszool. bolaii. Vereins in Wien 18ö4. SiUl). p. 17. ^j Kolenati, F., Prof., Zwei neue österr. Poduren. Aus den Sit/.b. d. math.-ualurw. Section d. k. Akad. d. Wissensch. 18S8, Bd. XXIX, p. 241. «) Müller, Jul., Beiträge lur Höhlen-Fauna .Mährens. Lotos, 1839, p. 30. 4) Ebendaselbst. Sj Frauenfeld, G., Verhandlung des zool. bot. Vereins in Wien. Bd. Ul, p. S7. 6) Müller, Jul., Beiträge zur Höhlen-Fauna Mährens. Lotos, 1859. '') „ ebendaselbst. 8) „ ebendaselbst. Beitrüf^e /.ui- österieicliisclieii GroKeii-Faiiiiii. 253 Die engen Spalten und kleinen Löcher werden von Vesperugo Nilsonii und discolor',\u\\ Vespertilio Nattereri, mystacinus und da^ syaieme aufgesucht, und in kleinen niedrigen Domen hängt einsam Vespertilio ciliatus, während Vesperngo pipistrellus in ganzen Colonien sich in enge Spalten der kalten, nahe dem Eingang gele- genen Strecken zwängt, wo auch hinter Tropfsteinfalten und in engen Felsenkliiften theils paarweise, theils allein, der Plecoius auritus und SynoUis barbastellus überwintert. Durch diese grosse Anzahl Chiropleren werden auch viele ihnen anhängende Parasiten hineingeschleppt und abgestreift, um vage herum zu irren; auch lockt zur Sommerszeit die Dunkelheit und der feuchte Moder zahlreiche Insecten herbei; ganze Heere von, theils hier erzeugten , theils verirrten Dipteren durclischwirren die Luft und von Coleopteren sind es vorzüglich die Carabi, Cryptophagi, Silphae und Stuphylini, welche diese Räume liehen. Bevor ich nun zur Beschreibung einiger Höhlenthiere übergehe, sei es mir noch erlaubt meinen D;ink dem Herrn Doctor Ludwig Redtenbacher für die fieundliche und bereitwillige literarische Unterstützung auszudrücken, die er mir angedeihen Hess. Traehysphaera Hyrtlil nov. sp. Taf. I, Fig. 1—3. Die Galtung gehört nach Heller zu den Glomeriden, in die Abtheilung der Chilognathen und fharakterisirt sich durch die geringe Anzahl der Körpersegmente, Form und Anzahl der Augen und Beschaffenheit der Oberfläche. Die neue in unseren Höhlen lebende Art zeichnet sich durch folgende Charaktere aus. Der Körper ist länglich, zum Zusammenrollen geeignet, besteht wie die Trachisphaera Schmidtii aus 11 auf einander folgenden Segmenten und sechzehn Fusspaaren. Das erste auf den Kopf fol- gende Segment besitzt einen convexen, in der Mitte etwas hervor- tretenden Rand; das zweite hinter denselben gelegene und grösste Segment hat vollkommen abgerundete Vorderecken und ist mit unregelmässig zerstreut liegenden Höckern besetzt; die übrigen Segmente mit Ausnahme des letzten, das so beschaffen ist, wie bei der von Heller beschriebenen Art, besitzen alle eine gleiche Länge. 254 W a II k e I. Der Kopf, die Fühler, Augen und Mundwerkzeuge sind wie bei Trachysphaera Schmidtii beschaffen. Länge des Thieres = 003 Par. Meter. Breite „ „ = 000 13 „ Von der Trachysphaera Schmidtii unterscheidet sich diese Art durch die bedeutendere Grösse, die verschiedene Beschaffenheit der Leibesringe, namentlich der zwei vorletzten Segmente, durch die grössere Anzahl der Fusspaare und durch die zerstreut liegenden incrustirten Höcker, die dem Thiere ein eigenthümliches Aussehen geben. Es kömmt sehr selten in der Slouper Höhle Vor und liebt vor- züglich trockene Travertin - Stellen entfernter wenig besuchter Stieckcn. Bei der geringsten Annäherung rollt es sich zusammen, \\m kaum wiedor aufgefunden zu werden. Heterouiuras nov. gen. Tat. I, Fig. 4—11. Gehört zu den Thysanuren, in die zweite Zunft, die Poduriden: und zur zweiten Gruppe, (^ste Unterabtheiluiig mit geneigtem Kopfe: Podurellen. Der Körper ist cyliiidrisch, etwas platt gedrückt, fein behaart, mit sieben deutlichen Segmenten, W(tV(»n das erste, füiitte und sechste die längsten, das dritte und Analglied die kürzesten sind. Der Kopf ist länglich rund, etwas geneigt, unter dem Vorder- rande des ersten Segmentes eingefügt. Die Fühler fast noch einmal so lang, als der Kopf, halb so lang, als der Körper, viergliederig, von denen das erste kürzeste Glied in einer lellerföi-migen Vertiefung sitzt, das zweite und dritte gleich lang und das vierte spindelförmig und unbedeutend länger ist, als die zwei vorhergehenden. Alle Glieder sind mit kurzen Borsten reihenweise besetzt. Die Spritiggabel ist dieigliederig, das letzte Gelenk jedoch schwer wahrnehmbar und nur durch den Ansatz stärkerer Borsten kenntlich, die Rückenkante der Gabelschenkel gezähnt und durch- zogen von einem breiten Band zikzakartig gewundener Muskelfasern. Die Füsse sind dreigliederig mit zwei Klauen an der Spitze, wovon die äussere und grössere beweglich ist. Augen sind nicht wahr- nehmbar. Die Mundwerkzeugi; bestehen aus einer dreieckigen Beiträge zur österreieliischen Grotten-Fauna. 2o5 beweglichen borstigen Oberlippe, ans einer mit den Palpen verwach- senen Unterlippe, die ebenfalls in ihrem Ende stark geborstet ist und zwei nach innen hakenförmigen Mandibeln, die an ibrer inneren Kante mit fiinf Zähnen bewaffnet sind, von denen der änsserste stärker und durch eine grosse Lücke von den übrigen getrennt ist. Die Maxillen versteckt und ebenfalls gezähnt. Der am Bauche zwischen den Schenkeln des letzten Fusspaares befindliche Cylinder ist dicht behaart und lässt beim grösseren Drucke unter den Deck- gläschen eine fleischige Masse hervortreten. Länge des Körpers sammt dem Kopfe ■= 0-0015 Par. Meter, „ „ „ „ Kopf, Fühlern und Sprunggabel = 0-0028 „ Von den vier, dem Heteromariis am nächsten stehenden Gat- tungen: dem Tomoceriis, Cypltoderns, IJypogastrnra und Trito- miirns unterscheidet er sich durch die geringe Zahl seiner Körper- segmente, Beschaffenheit der Fühler und Sprunggabel , von den ersteren drei noch ferner durch den Mangel an Augen, nähert sich durch dieses Kennzeichen dem Tritomuriis, von dem ihm die Be- schaffenheit der Fühlerglieder und die dreitheilige Sprunggabel trennt. Dnrch seinen walzenförmigen, etwas plattgedrückten behaarten Körper und die Ähnlichkeit der Fühler, ist er mit dem Cyphoderus verwandt, welcher jedoch nebst der kapuzenartigen Erweiterung des ersten Segmentes noch eine zweigliedrige Sprunggabel besitzt'). Heteromurus margaritarius nov. sp. Diese Species ist im Leben perlmutterglänzend, mit einer schwachen gelben Färbung, ww Tode blass rosenroth und besitzt zwischen den Fühlern und in der Mitte der Leibessegmente unregel- mässige Haufen hell brauner Pigmentzellen. 1) Ich kann es nicht unterlassen, hei dieser Gelegenheit, einer Ahnorniität /.u erwähnen, die ich hei den meisten dieser Thiere vorfand. Ich habe nämlich heobuchtet , dass gewöhnlich der reciite Fühler der Art verliildet ist, dass die zwei letzten Glieder zu einem langen Gliede verschmolzen erscheinen. An einem Exemplare fand es sich so- gar an beiden Fühlern; dieselben bestanden daher in diesem Falle aus drei Gliedern, von denen das dritte im Veihältniss zu den anderen sehr lang war. Dasselbe gilt auch von der Spruuggabel und zwar in der Art, dass das vorletzte Glied sehr häuligmit dem letzten so sehr verschmolzen erscheint, dass eine Trennung kaum wahrgenommen wird, während bcii anderen Exem|ilaren dieselbe sehr deutlich ist. 21U) \V n II k p I. Sie lebt in der SloupiM- Hölilo iirid licwolinl die tiel liegenden Uiiiinie, hält sich meislens un sehr fcuehlen Stellen unter Ildiz, Kohle oder auf dem Travertin auf. Auch trifft man sie häufig auf der Oberfläche der Tropfbrnnnen, auf der sie behende umherspringen. Sie ist es, die riebst den Annrophorufi und der Anura den meisten hier lebenden Arachiiiden und vielen Aearinen als Nahrung dient. DIcyrtoMia pygmaea nov. sp. Taf. I, Fig. 12—1;;. Diese elienfalls zu den Thysanuren , in die zweite Zunft, die Poduriden und erste Gruppe, die Sminthuren gehörige Art, ist eine der kleinsten der bisher bekannten. Der Körper ist oval, von der Seite zusammengedrückt, nach hinten etwas verlängert, mit sechs Segmenten und blassbrauner Pigmentzeichnung. Der Kopf ist länglichrund, geneigt, hinter den Fühlern mit zwei dreieckigen, scJuvarzen Flecken, die glon>erii-te Augen zu sein scheinen. Die Fühler sind achtgliedrig, nach dem dritten Gliede knieförmig gebogen, spärlich behaart ; das erste (Wurzel-) Glied kurz, in einer tellerförmigen Vertiefung sitzend, das zweite etwas länger, das dritte und vierte gleiclilang, tli. 18 2G0 Wank Ol. An der Seite des Vorderleibes befindet sieh jederseits, nahe der Schiilterstelle, ein zusammengesetztes glänzendes lichtes Auge. Die Kieferfühler sind konisch verlängert, an der Basis verwach- sen und schnabolartig gestaltet, mit einem oberen an der Spitze getheilten, gewölbten, an beiden Seiten fein gezähnten und einem unteren flachen spitzigen Schenkel. Die verhältnissmässig kurzen Taster sind fiinfgliederig, haben kurze breite Glieder, von denen das lelzte büschelartig getheilt ist. Alle Füsse haben sechs Glieder, das erste Fusspaar ist sehr dünn und dreimal so lang als der Körper, die übrigen sind kurz und dick, und sämmtlich sparsam mit Borsten besetzt. Das Tarsenglied trägt eine doppelte vorstreck- und zurückziehbare Klaue. Auf der Bauchfläche befindet sich hinter der Anheftung des letzten Fusspaares ein halb- rundes weisses , aus runden kleinen Schüppchen bestehendes Schildchen. Länge des Körpers = O'OOOT Par. Meter. „ „ „ sammt ausgestreckten Vorderfüssen = 00021 „ „ Die meiste Ähnlichkeit hat diese Art mit Linop. longipes Koch seiner Wölbung und Gestalt wegen. Abgesehen dass der Körper dieses dunkler gelb ist und die vorderen Füsse viermal so lang sind , als der Körper, so unterscheiden ihn noch die zwei Schulterborsten, welche beide stark nach vorwärts gebogen sind. Von Linop. lutescens unterscheidet ihn die Zeichnung, ersterer hat zwischen den Schultern einen kurzen Querstreifen und von da einen Längsstreifen nach rückwärts ziehend. Der bleichgelbe /y/;«o^. obsoletns Ko c\\ ist nach hinten verengt, hat bedeutend hervorragende Schultern und zwei olivenfarbige Flecke, verbunden durch ein etwas helleres Querband, Der gelblich- weisse gestreifte Lin. flexuosus Koch, der kaffeebraune flavipes Koch, der gelbbraune rubiguiosus Koch und der schwefelgelbe oder grünliche decoloratus Koch haben -deutlich hervorragende Schultern, sind hinter denselben mehr weniger eingebogen und haben einen abgestutzten Hinterrand. Es ist ein sehr zierliches, mit unbewaftnetem Auge kaum wahrnehmbares Thierchen, das beim Gehen die langen Vorderbeine als Taster benützt und colonienweise die kleinen Grübchen der Stalagmiten der Slouper Höhle bewohnt. Beitrüge zur ösferreichisclien Grotten-Fauna. 261 (liaiiiasus loricatus nov. sp. Taf. IV, Fig. 1 — 6. Gehört zu den Gamasiden in die Abtheiluiig der Laufinilben K o e li's. Der Körper länglich oval mit deutliehen Sehulterwinkeln , zwei gelbbraunen Rückenschildcrn und einem Bauchschild. Das vordere Schild endet vorn mit drei Spitzen und geht in das Brustschild über, das auf der Bauchseite den Kopf, die Taster und Vorderbeine umschliesst. Das hintere Rückenschild ist hoch gewölbt; isolirt, bedeckt den Körper nicht ganz und zeigt einen vorderen geraden und einen hinteren convexen Rand. Das Bauchschild ist nach vorne etwas abgestutzt und bildet nach rückwärts eine Spitze, die den After umschliesst. Die Rückenschilder sind mit zerstreut liegenden gekerb- ten Borsten besetzt, worunter zwei lange Stirnborsten nach vorwärts und zwei Schulterborsten nach aussen und etwas nach rückwärts gerichtet sind. Sämmtliche Schilder sind mit unregelmässigen Chitin- Schuppen bedeckt, die um jede Borste concentrisch angeordnet sind. Die zurückziehbaren Kieferfühler, die in Form von zwei dünnen und schmalen Scheeren unterhalb des Kopfschildes hervorragen, bestehen aus einem oberen längeren hakenartig nach abwärts gekrümmten und einem dicken kurzen abziehbaren, unteren Schenkel, welche beide an ihrem innern Rande gezähnt sind. Hinter und unter- halb dieser Kieferfühler ist die Unterlippe, die in eine lange zwei- theilige Spitze ausläuft, und an beiden Seiten mit langen abgeplat- teten Barthaaren besetzt ist. Von beiden Seiten derselben entspringen zwei stark gekrümmte, horizontal bewegliche, hornartige Haken, welche die Maxillen repräsentiren. Die Taster sind fünfgliederig, dünn beborstet, neben ihren Ursprungsstellen sind zwei halbrunde, lichte Punkte wahrzunehmen, die Ähnlichkeit mit Augen besitzen. Die zwei langen, dünnen, nach vorn gerichteten, an den vorderen Theil der Brust, von den übrigen Füssen separirt, eingelenkten Vorderfiisse sind sechsgliederig, mit einem gekrümmten dritten Gliede und einem doppelten Haken am Ende. Die übrigen Füsse sind dick, kurz, geschient, mit einem doppelten Haken und einer scheibenartigen Pelotte am Endgliede. Alle Füsse sind mit langen Borsten besetzt. Länge des Körpers = 0-0012 Par. Meter. „ „ „ mit ausgestreckten Vorderfüssen . . = 0-008 „ „ Breite „ „ =00008 „ 18* 262 Wankel. Y on Porrliostasjris lunulata Müller unterscheidet sieh vor- stehende Art durch die Abwesenheit der vier mondförmigen Gruben, der Analborsten, durch die langen Vorderfüsse und geschienten übrigen Fusspaare. Während der Körper der lunulata eiförmig ist, ist der des loricatus elliptisch. Die starke Erweiterung des hinteren Theiles des Körpers, die Abwesenheit der zwei langen Schulterborslen und die \\ eniger langen Vorderfüsse, so wie das hinten ausgeschnittene Rüekenschild des Gamasus emarghuitus Koch unterscheiden ihn von unserer Art, der er durch die rostgelbe Färbung und dicken Beine näher tritt. Der Gamasus luteus besitzt hinten einen weissen Fleck. Der Garn, elimatus ist kurz, eiförmig, init einem kegelförmigen Vorder- leib und einer Schulterborste, der Garn, tcstudinarius besitzt keine Schulterborsten und ist mit feinen Härchen besetzt. Viel Ähnlichkeit hat diese Art mit der Garn, interruptus, dessen Vorder- und Hinterscliild viel kleiner und vom Körperrande stark entfernt ist, während die Füsse dick und die Vorderbeine wenig länger sind, als die übrigen, besitzt derselbe auch keine Schulter- borsten. Es ist ein sehr träges Thier, das, wie die meisten Gamasiden, die langen Vorderbeine als Fühler benützt und in der Sloupcr Höhle sehr selten ist. Gewöhnlich bewohnt es trockene Stellen, und kommt auf trockenem Holz und Kohle vor. Oaaiusus uivcus nuv. sp. Tat. IV, Vi>r. 7—10. In die Abtheilung des vorigen gehörend. Der Körper ist weiss, lang gestreckt, mit deutlichen Schultern und etwas hinter denselben eingedrücktem Hinterleib. Die zwei über den ganzen Rücken sich hinziehenden Schilder sind durch eine kaum wahrnehmbare Furche in ein vorderes nach vorn und seitlich wellenförmig ausgerandetes, grösseres und ein hinteres, am hintern Rande abgerundetes Schild getheilt. Das vordere Schild, das zwei nach hintet» gerichtete Schulterborsten trägt, von denen die vordere dick und kurz, die hintere lang ist, besitzt drei blassgelbe Flecken. Beide Schilder gehen in die Bauchhaut über und sind mit feinen langen Borsten dicht bedeckt. Die Kieferfühler bilden Beiträge zur österreicliischen Grotten-Fauna. CoS zwei sehr weit vorstreckbare Zungen, die Unterlippe ist kurz, mit einer Spitze in der Mitte, aber ohne nadelartige Verlängerung mit sehr kurzen Seitenborsten. An der Seite derselben entspringen zwei liurze, dicke hakenartige Maxillen, Die Taster sind massig lang. Die Vorderfüsse, die dem Tbiere ebenfalls als Taster dienen, sind um ein Sechstel länger als der Körper; die übrigen Fusspaare geschient und dick. Das zweite Fusspaar besitzt an dem breiten und dicken Schenkelgliede nach innen einen stark gekrümmten Zahn, der an der Wurzel seiner concaven Fläche, einen doppelt gespaltenen Höcker trägt; einen etwas kleineren Zahn trägt das dritte und einen noch kleineren das vierte Glied an seiner inneren Seite. Das Tarsen- glied dieses Fusspaares ist lang und S-förmig gekrümmt, mit einer doppelten Kralle, wie die anderen Fusspaare bewaffnet. Die Hüften des letzten Fusspaares sind bedeutend stärker und dicker als die der andern Füsse. Alle Füsse sind mit langen Borsten spärlich besetzt. Länge des Körpers = 0-0015 Par. Meter. „ „ „ mit ausgestreckten Vorderf. = 0003 „ „ Durch den Höcker am Sehenkel und den Zahn am Schienbeine des zweiten Fusspaares hat dieser Gamasus viel Ähnlichkeit mit dem Gamasus hamatus Koch, unterscheidet sich aber wesentlich von diesen durch das getheilte Rückenschild und die langen Vorder- füsse von Garn, equestris ; durch seine Zeichnung und Farbe und durch den bei letzteren am Kniegelenke stehenden, dornartigen langen Fortsatz; dasselbe gilt auch von dem kurz eiförmigen crassipes. Der Gamasus calcaratus hat einen ähnlichen Höcker am Schenkel des zweiten Fusspaares und ein getheiltes Rückenschild , aber eine fast runde Gestalt und verhältnissmässig kurze Vorderfüsse, auch ist das hintere Rückenschild grösser als das vordere. Durch die vor den Schultern vorhandenen Einbuchtungen und die durch eine schmale Furche getheilten Rückenschilder tritt er dem Gamasus sphilpes nahe, jedoch unterscheidet ihn die Zeichnung und Farbe, die kurzen Vorderfüsse und das sehr lang gezälmte zweite Fusspaar, so wie das mit zwei langen Borsten besetzte dritte Fusspaar des ersten hinrei- chend von demselben. Es ist ein schnelles sehr bewegliches Thier, lebt vorzüglich in grösseren Anhäufungen der Fledermausexcremente derSlouper Höhle und nährt sich hauptsächlich von den daselbst vorkommenden Poduren und Oribaten. 264 \V a n k fi I. Beiträge zur österreichischen Grotteii-Fiiuna. Erklärung der Tafeln. Taf. I. Figur 1. 7'rachi/sphaera ffi/rilii. Niitürliche («rosse. „ 2. „ „ Vergr(issort. „ 3. „ „ Contour-Ansicht von unten. „ 4. Ileleromitrus maryarilarhis. Natürliche Grösse. „ 5. „ „ Vergrössert. 6. „ „ Fühler. „ 7. „ „ Mundwerkzeuge. „ 8. „ „ Mandibel-Knde. „ 9. „ „ Tarsenglied. „ 10. „ „ Sprunggabel. „ 11. „ „ Ein Stück der Sprunggabel -Sehenkel sehr vergrössert. „ 12. üicyrtotna pygmaea. Natürliche Grösse. „ 13. „ „ Vergrössert. „ 14. „ „ Fühler. Taf. II. Figur 1. Leiobnnian troglodytes. Natürliche Grö.sse. „ 2. „ „ Vergrössert. „ 3. „ „ Kieferfühler und Mund. „ 4. „ „ „ „ Augenhügel von oben. „ 3. „ „ Tarsenglied. „ 6. „ „ Taster. „ 7. „ „ Tasterborste. Taf. III. Figur 1. Linopodes sultevraneus. Natürliche Grösse. Fiffur 2. n » Vergrössert. 3. 5> » Contour-Ansicht von unten. 4. n 5> Tarsenglied. 5. ScyphUis spei aeui Natürliche Grösse. 6. 5j 3J Vergrössert. 7. « » Contour-Ansicht von unten. 8. » » Tarsenglied. 9. n » Kieferfühler von der Seite Taf. IV. 1. GamasHS loricalns. Ni türliche Grösse. 2. )5 » Vergrössert. 6. » » 7. « niveus 8. n 9. n '' 10. n » Contour-Ansicht von unten. Fressorgane von unten stark vergrössert zu sehen. Vorletzter rechter Fuss; stark vergrössert. Rückenborste mit Chitin-Schüppchen, stark vergrössert. Natürliche Grösse. Vergrössert. Der rechte Fuss des zweiten Fusspaares stark vergrössert. Contour-Ansicht von unten. Waiikfl BeiträgV aur oe-sferrcicltisclien Groltcnfauna Taf.I. aatsdiucTcerei. SiUiingsb.'ä..k.Aka(l.d.W:inalli. iialurw Cl XLIE B(l.IAbth.l861. "Kicjfi der Kax^ar Vii:tfjr,r.'TX jeTi y, H.,Wiiir:-l Au-s d.lc.i: Jiof.u, Staats diuckerei SitJiuiig'sb.d.k.iikad.d.W math. naturw. CL XLIE Bd.l.Abtli.1861. W/inkPl. ncilr/nj't' 7,iir ot'slerrciclii.srlu'ii (irottpiiCa T.if m. ?.cr^ aer -■ ätuT veri^ros.-'!?' ^p?; v F. A ■'/■:_ As.u.M'..;. :■ ./".^«.:>.''.iu../:?rn .Sit-Aiiii!>'.sT).dk.Aka(l (i W matli. iiaturu-, Cl XLIII Bd.I A>th 1861. WaiikeLBeilrasfe aur opsterreichischen (irottciiraiiim Tai'. IV SifAuiio'sbd.k. Alcad. d.W. niaUi. iifttur»- Cl. A'Lül BdJjtbth.1861. 265 IX. SITZUNG VOM 21. MAP.Z 1861. Der Präsident, Freiherr von Baumgar tu er, eröffnet die Sitzung mit der Lesung folgender an ihn gerichteten Zuschrift Sr. kais. Hoheit des durchlauchtigsten Herrn Erzherzogs Rainer, Cnrators der kaiser- lichen Akademie : ,,Eiii'e Exeellcnx ! Durch das allerhöchste Handschreiben von 10. d- M. zum Curator der kais, Akademie der Wissenschaften ernannt, drängt es Mich vor Allem Ihnen als dem verehrlichen Vorstande dieser gelehr- ten Körperschaft Meine Freude darüber auszudrücken, dass Ich nunmehr in die Lage komme, mit einem Kreise so hervorragender Männer in nähere Berührung zu treten. So sehr Ich stets den hohen Werth der Wissenschaft gewürdi- get habe, so sehr muss Ich ihre ßedeuUing unter den jetzigen Ver- hältnissen als gesteigert erkennen, und denjenigen freudig die Hand bieten, welche als ihre Träger berufen sind, an ihrer Fortentwicke- lung zu arbeilen. Indem Ich Eure Excellenz bitte den verehrten Herren Akade- mikern gegenüber der Dolmetsch dieser Meiner Gesinnungen zu sein, ergreife Ich diese Gelegenheit zur Versicherung der besonderen Hochachtung, womit Ich verbleibe Eui'er Excellenz wohlgeneigter E. H. Rainer m. p." Wien, am 15. März 1861. Der Secretär legt folgende, von dem c. M., Herrn Prof. Hlasiwetz, eingesendete Abhandlungen vor: 1. „Über das Phloroglucin." 2. „Über die Guajakharzsäure und das Pyroguajacin." 3. „Über eine neue Säure aus dem Milchzucker." 260 Vorstehende Abliandlungeu haben lleirii Prof. Hhisiwetz seihst zum Verfasser. 4. „Über die Acetyl-Qiiercetiiisäiire" von Herrn L. P fa n n d I e r. 5. „Über die Einwirkung des Chlors auf den Asnyhilkohol" von Herrn Dr. L. Barth. 6. „Über das Galhanum" von Herrn P. Mi)ssnier. Herr Unferdinger, Privatlehrer in Wien, übermittelt eine Abhandlung: „Über die einhüllende Curve, welche eine constante Länge zwischen zwei sich schneidenden Geraden beschreibt". Herr Prof. Piilter v. Zepharovich überreicht eine Abhandlung: „Über die Krystallformen des zweifach ameisensauren Kupferoxydes und des ameisensauren Kupferoxyd-Strontian". Prof. Seh rotte r spricht über K i r c h h o f fs und B u n s e n ' s Verfahren der Spectralanalyse und zeigt den hiezu dienenden, aus der optisch-astronomischen Werkstätte von Steinheil in München hervorgegangenen Apparat, sowie auch die Versuche mit demselben. Herr J. C. F. Otto, königl. preussischer Oberst, übersendet zwei von ihm veröffentlichte Druckwerke: a) „Neue ballistische Tafeln" in 2 Abtheilungen. h^ „Hilfsmittel für ballistische Rechnungen." An Druckschriften wurden vorgelegt: Astronomische Nachrichten, Nr. 1300. Altona, 1861; 4o- Austria, XHI. Jahrgang, XI. Heft. Wien, 1861; So- Land- und forstwirthschaftliche Zeitung, XL Jahrgang, Nr. 9. Wien, 1861; Kl. 4^- Otto, J. C. F., Neue ballistische Tafeln, L u. IL Abtheilung. Berlin, 1858; 4"- — Hilfsmittel für ballistische Rechnungen, I. — IV. Lieferung. Berlin, 1855— 1859; 8o- Ramsing, \\. M. Memoire pour servlr de correction et de Supple- ment a la theorie mathematique du mouvement des fluides. CopenhaguG, 1861; 8"- Verein, physikalischer zu Frankfurt a. M., Jahresbericht für das Rechnungsjahr 1859 — 1860. Frankfurt a. M.; So- Wiener medizinische Wochenschrift, XI. Jahrgang, Nr. 11. Wien, 1861 ;4o- Wolf, Rudolf, Mittheilimgen über die Sonnenflecken. XI. und XII. Zürich, 1860 und 1861; So- Zeitschrift des österreichischen Ingenieur- Vereins, XIII. Jahrgang, I. Heft. Wien , 1861; 4o- SITZUNGSBERICHTE DER KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. MATHEMATISCH - NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. XLllI. BAIVD. ERSTE ABTHEILUNG. Entliält die Abhandlungen aus dem Gebiete der Mineralogie, Botanik, Zoologie, Anatomie, Geologie und Paläontologie. 19 267 X. SITZUNG VOM 11. APRIL 18G1. Der Secretär liest eine Zuschrift Sr. Excellenz, des Herrn Curator-Stellvertreters, vom 5. Apiil I. J., Z. ^^ , der zufolge die königlich niederländische Regierung das von der Akademie heraus- gegebene Archiv für Kunde österreichischer Geschichtsquellen so M'ie die Sitzungsberichte der phil.-hist. und der mathem.-naturw. Classe zu erhalten wünscht. Derselbe legt ferner eine Abhandlung des Herrn Regierungs- rathes Dr. A. Pleischl vor: „Über verschiedene Legirungen des Zinnes mit Blei, und insbesondere über die Auflöslichkeit des Bleies durch Essigsäure aus dem mit Blei versetzten Zinne". Herr Dr. Diesing legt eine Abhandlung: „Kleine helmintholo- gische Mittheilungen"" vor. Herr Dr. A. Boue liest eine Abhandlung: „Über die Karst- und Trichter-Plastik im Allgemeinen". Herr Dr. E. Reitlinger, Assistent am k. k. pliysikalischen Institute, überreicht eine Abhandlung: „Erläuterungen über Lichten- berg'sche Figuren'^ Die bezüglichen Versuche wurden im k. k. physikalischen Institute angestellt. An Druckschriften wurden vorgelegt: Accademia, Regia, di scienze,lettere ed arti in Modena, Programme pel concorso ai premii d'onoredell'anno 1861. Modena, 1861 ;4»' Akademie der Wissenschaften, Königl. Preuss., zu Berlin, Monats- bericht. December 1860. Berlin, 1861; So- Ann al es des mines, 5" serie. Tome XVII, S*" livraison de 1860 ; et Tome XVIII, 4^ livraison de 1860. Paris, 1860; So- Ast r onomisch eNachrichten, Nr. 1301 und 1302. Altena, 1861; 4o- Austria, XIII. Jahrgang, Nr. XII — XIV. Wien, 1861; So- Bau zeitung. Allgemeine, XXVI. Jahrgang, 2. & 3. Heft sammt Atlas. Wien, 1861; Folio und 4o- 19' 268 Cos mo.s,X''Annee,J 8* Volume, 11''— 14''LiviMison. Paris. 1861 ;8<>- Cybulz, G. , Anwendung der Plaslik beim Unterricht im Terrain- zeiclinen. 2. vermehrte u. verbesserte Auflage. Leipzig, 1861 ; 8o- Gazette medicale d'Orient,IV''An.,Nr. 12. Constimlinople, 1861 ; 4o- Gewerbe- Verei n , nieder-österreichischer, Verhandhingen und Mittheihmgen. Jahrgang 1860. 9. und 10. Heft. Wien. 1861 ; 8o- Islitulo, I. R., Veneto di scienze, lettere ed arti, Atti. Serie 3», tomo6", disp. 4^ Yenezia, 1860—61; 8o- Land- und forstwirthschaftliche Zeitung, XI. Jahrgang, Nr. 10 & 11. Wien, 1861; kl. 4o- M itt h eilungen aus J. Pertli es' geographischer Anstalt, Jahrgang 1861 , Heft III nebst Ergänzungsheft Nr. 4. Gotha, 1861; 4o- Omboni, Giovanni, Cenni sulia carta geologica della Lombardia. Milano, 1861; 8o- Radcliffe Cata'ogue, The, — , of 6317 Stars, chiefly circumpolar, reduced to the Epoch 1845.0; formed from the observations made at the Radcliffe Observatory under the superintendence of IVlanuel John Johnson. With introduction by the rev. Robert Main. Oxford, 1860; 8«- Society, Asiatic, ofßengal, Journal of the, — Nr. CCLXXVIIL Nr. 3, 1860. Calcutta, 1860; 8o- — chemical, The quarterly Journal of the, — Vol. XIII. 4. Nr. LII. London, 1861; 8o- — Royal, Proceedings of the, — Vol. X, Nr. 41 & 42. London, 1860; 8o- — Royal, Geographica!, The Journal of the, — Vol. XXX. London, 1860; 8o- Weinland, D. F., Der Zoologische Garten. II. Jahrgang, Nr. 1 — 6. Frankfurt a. M., 1860—61; 8o- Wiener medizinische Wochenschrift, XI. Jahrgang, Nr. 12 — 14. Wien, 1861; 4o- W^ochen-Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts- Gesellschaft, X. Jahrgang, Nr. 11 & 12. Gratz, 1861; 4o- Zeitschrift für Fotografie und Stereoskopie, herausgegeben und redigirt von K. J. Kreutzer. II. Jahrgang, Nr. 6 & 7. Wien, 1861; gr. 8»- 2ß9 Kleine helmintholog ische Mitthelluii gen. Von dem \\. M. Dr. H. K. Diesiug. Diese kleinen helmintliologischen Mittlieilungen enthalten die Besehreibung einer neuen Art von Trachelobdella und Nachträge zu der ganz kürzlich erschienenen Revision der Nematoden. Herr Franz S teind achner, bereits durch seine ichthyolo- gischen Arbeiten vortheilliaft bekannt, fand am k. k. zoologischen Cabinete bei Untersuchung der Kiemenhöhle zweier Individuen von Dajaus monticola C. V. aus Mexico mehrere Exemplare einer noch unbeschriebenen Art der Gattung Trachelobdella , welche sich der Track. Mülleri durch die Farbe und Ganzrandigkeit des Leibes, der Track. Kollari durch i\Qn kurzen Hals nähert, von beiden jedocii durch die Form des Leibes sich unterscheidet. Dei- Körper der neuen Art ist halbeiformig, oberhalb gewölbt, unterhalb flach, mit ur)gekerbten Rändern, von schmutzig gelber Farbe. Der Hals misst etwas über ein Drittel der Körperlänge. Der Saugnapf ist kreisrund. Leider konnte weder der After noch die Lage der Geschlechtsöffnungen ermittelt werden. Die Art mag heissen: Trachelobdella seniioTaHs. Corpus semiovale supra convexum, subtus planum, marginibus integris, sordide flavum. Collum breve, Longit. tot. ultra 2^/o"', latit. max, 2'"; longit. colli ultra s/^'", latit. 1/2'". diam. acetabuli ad Vi'"- Trachelobdella semiovalis Dicsing in Collect. Icon. Zoogiaph. Ferdi- nand] I. H a b i t a c u 1 u m : Dajaus monticola : in cavo branchiali (S t e i n- dachne r). 270 Diesin^. Einige mir erst nachträglich zugekommene literarische Bei- träge konnte ich meiner im XLII. Bande der Sitzungsherichte der kaiserlichen Akademie erschienenen Arbeil: Revision der Nematoden nicht mehr anschliessen, weil die VerötTcntlichuiig des betreiTenden Heftes bereits drängte; ich erlaube mir dalier sie zur Vervollstän- digung hier nachzutragen, und bemerke dabei, dass in diesen Zu- sätzen dieselbe systematische Reihenfolge, wie in der Abhandlung, w eiche sie ergänzen, beobachtet worden ist *). Characteri essentiali ordinis pag. 598 adde: rarissime andro- gyna 2). SUBORDO I. NEMATODA APROCTA. Characteri huius subordinis pag. 598 adde: Sexus discretus. Gordius Seta MÜLLER pag. 600, adde: Gerstfeldt : in Mem, des savants etrang. de i'Acad. de St. Petersbourgh VIII. 267. Habitaculo adde: In Sibiria et praecipue in lacu ßaikalensi, gregarie (Gerstfeldt). Pag. 605, post Gordium littoreum adde: 16. eordias folgar BAlllD. Longit. 3%'— 4'A'. Ineolis: Ular. Gordius fulgur Baird. in Proceed. Zoolog. Soc. London t860 et in Ann. nat. bist. 3. ser. VII. (1861) 229. ') l):i es mir nicht möglich war, mir die Tagesblätter über die neuerliche Versamm- lung- iler Naturforscher und Ärzte zu Götting-en zu verschaffen und ein amtlicher Be- richt noch nicht erschienen ist, so bin ich nicht in der Lage, die darin enthaltenen Mittheilungen S ch I ottha u b er"s über Filarien aus Insecten und unter Baumrinde, sowie auch desselben Beschreibung der neuen Galtung und Art Piijuris reticulata für meine Arbeit zu benützen. 2) Durch die Untersuchungen Schneider's an der von ihm aufgestellten neuen Gat- tung Pclocbjtcs, wahrscheinlich aus der Familie der Anguillulideen, ergibt sich der erste Ausnahmsfall eines Nemaloden mit vereinten Geschlechlern. Vgl. darüber die tiefer unten folgende Beschreibung der genannten neuenCattung. Eine zweite Beob- achtung über einen androgynen Bundwurm, welcher wohl zur selben Familie gehört, hat Carter mitgelheilt und denselben mit Unrecht F//«/-/« J/i(sra<^ genaunt. Hier wird dieser Heluiinth unter dem neuen Gattungsnamen Habronema aufgeführt. Kleine helmintholog-isclie Mittheilungen. 271 Habitaculiim. Supra terram intei* folia exsiccata sylvarum insulae Batchian (Wallace). Mermis nigrescens Diijardin, pag. 606 j^dtle: Schneider: in Reichert's Archiv 1860. 243 — 232 (anatom.) Tab. VI . SÜBORDO IL NEMATODA PROCTUCHA. Characteri liuius subordinis pag. 612 adde: Sexus discretus, rarissime aiidrogyiia. — Evoliitio direetii, i-arius per rnetaniorphosin incomiiletam. De musculis et nervis animaiculorum buius subordinis ef. Schneider in Reichert's Archiv 1860. 224 — 241. Tab. V. SECTIO I. HYt'OPHAMjLI, TRIBLS I. ACLIDOPHORA. Characteri familiae Atiguillulideormn pag. 624 adde: Sexus discretus, rarissime aiidrogyna. Post characterem genericuin Anguillulae pag. 627 adde : Claus: in Sitzungsber. der physikal.-medizin. Gesellsch. Würzburg 1859, X, pag. LIII (de structura praesertiin organoruin genitalium etc.). Pag. 633 adde: XII* ALLOIOXEMA SCHNEIDER. Corpus eapiliare, extremitate caudali maris papiliis duabus marginalibus retro et una ventraii ante anum. Caput corpore coiiti- nuum. Os terminale. Ocelli nulli. Penis vagina dipetala. Apertnra genitalis feminea in medio corporis sita; uterus .... Animalcula interdum metamorphosi subjecta, statu perfecto in substantiis orga- nicis, praesertim liquidis, statu larvae ibidem obvia vel in Moiluscis terrestribus endoparasita. Status larvae: (?or/9?KLl/?Z>/iy, pag. 643 adde: Moiin, ibid. 291. Cosmocerca commutata DIESING, pag. 645 adde: Ascaris cominiitala M o 1 i n , ibid. 278. Hedruris androphora NITZSCB, pag. 646 adde: M 1 i n , ibid. 292 — 293. Tab. X. 3, ä - 8, 19. Kleine helniiiithologisclie Miltheiluiigeii. 2 73 Daonitis globosa DUJARDIN, pag. 649 adde : Spencer Co b 1)0 1(1: in Tiansact. Linii. Soc. London XXII, P. 111(1838) 159 Tab. XXXI, 20 — 23. Ha bi taculo adde: Lota Mulva: in inlcstinis, Marlio, Edin- burglii (Spencer C o b b o 1 d). Dacnitis attennata MOLIN, pag. 650 adde: Älolin, I. c. 305. Steluiius praecinctos DUJARDIN, pag. 651 adde: Molin, ibid. 309 — 311. Tab. XIII, 1 — 4. Pag. 652 adde: 2. Cheiracantlius socialis LEIDY. Corpus cylindricum antrorsum lamellulis trispinosis , siibsequis bispinosis, ultimis siinplicibiis sensim obsoletis, in series alter- nantes dispositis dense obsessum, postice obtusuni. Caput discoi- deum aciilei'iuiTi recurvatonim seriebns transversalibus annatum. E.vtremitus caiidalis maris attennata, limbo postico bippocrepifornii, papillis nibris ntrinqiie quatnor. Longit. max. 1", fem. 1" 3'"; eias- sit. mar. ^/a'", fein. ^4'". Cheiracanihus socialis Le/Wy : in Proceed. Accad. Pliilad. 1858 (Biolo- gical Departom.) 25 (cum nolit. anatoni.) — Woodward ibid. 25 (de tuberculis niorbosis ventriciili Mustelae). Habitaculum. Mustela vison: in ventriculo, parietibus ad- haerens, in Pennsylvania (Leidy). Aeanthocheilns quadrideotatus MOLIN, pag. 654 adde: Mol in, 1. c. 313. Tab. XIII, 10 — 12. Generi Ascaridi pag. 655 adde: A. GYMNOASCARIDAE: Corpus inerme. Asearis dactyluris RUDOLPHI, pag. 656 adde: Molin, ibid. 278. Asearis inicrocephala RUDOLPHI, pag. 657 adde: Mol in, ibid. 279. 276 D i e s i II g. Ascaris depressa RUDOLFHl, pag. 657 adele: Mol in, ibid. 280. Äscaris rugosa MOLIN, pag. 658 adde: Mol in, ibid. 281. Ascaris spicaligera RUDOLPH/, pag. 658 adde: Spencer Cobbold: in Transact. Lin. Soc. London XXII, P. III, 16'>. Habita culo adde: Uria iroile: erratice in aiiriciiia cordis, semel individua duo, Edinburghi (Spencer Cobbold). Ascaris attenuata MOLIN, pag. 659 adde: Mo lin, ibid. 282. Piig. 659 adde: 19.* Ascaris ohcoaku BAIRD. Corpus antrorsum valde attenuatiim , demiim subito increscens. Caput midmii, labiis parvis promineiitibiis. E.vtremitas caudalis atte- nuiitii pariirn inflexa, papilla tenninaii. Longit. mar. ad 2". Ascaris obconica 5«/rrf in Proceed. Zoolog. Soc. London 1860 et Ann. nat. bist. 3. ser. VII (1861) 229. Habitaculum. Uranops angulatus, e Brasilia in intestinis (Gerard). Ascaris acuta MÜLLER, pag. 659 adde: Mo lin, ibid. 282. Ascaris niinota MOLIN, pag. 659 adde: Mol in, ibid. 283. Ascaris rigida RUDOLPH!, pag. 659 adde: Mol in, ibid. 283. Ascaris iocrescens MOLIN, pag. 660 adde: Molin, ibid. 283, Tab. X, 4. Ascaris ecaadata DUJARDIN, pag. 660 adde: Mol in, ibid. 284. Ascaris bioncinata MOLIN, pag. 660 adde: Mol in, ibid. 2S5, Tab. XL Kleine helniintholog-isclie Mittheiliinj'fin. 277 Ascarls incrassata MOLIN, pag. G60 adde: Mol in, ibid. 280. Pag. 660 adde: 29. * Ascaris Salvini BAIRD. Corpus subcylindricum utrinqiie, retrorsum tarnen magis atte- nuatiim. Caput nuduin obtusum, labiis valde prominentibus. Longit. fern. 2^/^". Ascaris Salvini Baird: in Proceed. Zool. Soc. London 1860 et Ann. nat. hist. 3. ser. VII (1861) 229. Habitaculu m. Oreophasis Derhianus, e Quatimala: extus intestino adhuerens, speciinen unicum (Salvin). Ascaris Halicoris OWEN, pag. 662 adde: Baird: in Proceed. Zool. Soc. London 1839. 148, Tab. LVL Ascaris inflexa RUDOLPHI, pag. 663 adde: Molin, 1. c. 286. Ascaris compar SCHRANK, pag. 663 adde : Mol in, ibid. 287. Pag. 663- adde: 38.* Ascaris Boddaerti BAIRD. Co7'pus utriiique attenuaturn. Caput nudum, labiis distinctis, magnis, subtriangularibus. Longit. fem. 4". Ascaris Boddaerti Baird: in Proceed. Zoolog. Soc. London 1860, etAnn. nat. hist. 3. ser. VII (1861) 229. H a b i t a c u 1 u rn. Herpetodryas Boddaertü, ex India occidentali, in intestinis (Günther). Ascaris adanca RUDOLPHI, pag. 664 adde : Molin, 1. c. 288. Ascaris circamflexa MOLIN, pag. 664 adde: Molin. ibid. 279. Ascaris claTata RUDOLPHI, pag. 664 adde: Molin, ibid. 288. 278 Diesing. Ascarls collaris IWDOLPHI, Dies. Syst. Helm. II, 177 adde: Spencer Cobbold: in Transact. FJnn. Soe. London XXII, I*. 111, 160 (cum (lescr.), Tab. XXXI, 27. Habitaculo adde: Hippoglossus vulgaris, in et ad ineinhra- nam inueosam intestiiiorum in cystidibiis, Majo, Edinburglii (Spen- cer Cobbold). Ascaris triquetra SCHRANK, pag. 666 adde: Mol in, 1. c. 288. Ascaris seiiüteres RUDOLPH!, pag. 666 adde: Molin, ibid. 289. Ascaris Acus BLOCH, pag. 666 adde: Mölln, ibid. 289. Ascaris nigroTcnosa RUDOLPH!, pag. 666 adde: Mol in, ibid. 289. B. ECHINOASCARIDAE. Corpus v. cauda armata. 95 * Ascaris acanthocaadata SPENCER COBBOLD. Corpus antrorsiim sensim increscens, retrorsum subito attenu- atum. extremitate eaudali ecbinata. Longit. 10 — 15'", crsissit. yV"- Ascaris acantbocaudata Spencer Cobbold: in Transact. Linn. See. London XXII, P. III, 1Ö9— 160. Tab. XXXI, 24-26. Habi tacu ium: Lota molva: in intestinis, Martio, Edinburgh (Spencer Cobbold). lecanocephalus KoUari MOLIN, pag. 668 adde: Mol in, 1. c. 31S. Tab. XIV. 1—6. Cosuiocephalos Diesingii MOL!N, pag. 672 adde: Mol in, ibid. 296. Tab. X. 9 — 12. Tropidocerca gynaccopkila ü/öi/iV^ pag. 674 adde: Mol in, ibid. 297-299. Tab. X. 13 — 18 Kleine lielmintholog^ische Mittheiliingen. 279 Tropldocerca fissispiiia DIESING, pag. 674 adde: Astomuni poricola Schi o 1 1 lia u ber : in Tngesbl. d. Naturforscher- Versamrnl. Güttingen 129. Tetrameres spec. R. Leuckart in Troschel's Archiv 1860. II, 13a. Habitaculo adde: Anas Boschas: in glandulis ventriculi (Schlotthauber). Spiroptera strumosa RUDOLPHI, pag. 677 adde: Mol in, !. c. 300. Geiieri DISPHARAGO pag. 680 adde: Dispharagüs ellipticus MOLIN, I. c. 300. Tab. XII, 1. Dispharagas spiralis MOLIN, ibid. 301. Tab. XII, 2, 3. Dispharagüs contortas MOLIN, ibid. 302. Tab. XII, 4, 6. Hystrichis orispinns MOLIN, pag. 682 adde: Mol in, ibid. 306 — 308. Tab. XII, 7. XIII, 13, Hystrlchis Cygnii/OZ/A^, pag. 682 adde: Echinocephalus Cygni Molin, ibid. 312. Tab. XIII, 9. Echinoceplialas unciuatas MOLIN, pag. 683 adde: Mol in, ibid. 311. Tab. XIII, S — 8. Trichocephalus dispar RUDOLPHI, pag. 688 adde: Eberth: in Zeitschr. f. wissenschaftl. Zool. XI, 96 (de musculis et de lineis lateraiibus) — Molin, 1. c. 326. Calodium Plica DUJARDIN, pag. 689 adde: Mol in, ibid. 328 — 329. Tab. XV, 11 — 15. Calodinm macronatnm MOLIN, pag. 690 adde: Mol in, ibid. 329. Tab. XV, 16. Calodiam »XsLinm MOLIN, pag. 690 adde: Molin, ibid. 327. Tab. XV, 9, 10. Calodinui candinflatum MOLIN, pag. 690 adde: Molin, ibid. 330. Tab. XV, 17, 18. 280 Diosin Thominx gratilis MOLIN, pag. 690 adde: Trichosoimim (Tliominx) gracilo. Mol in, ihid. 322 — 32I>. Tab. XV, 3-8. Trichosomani rcsectom DUJARDIN, pag. 091 adde: Mol in. il)i(l. 321. Trichosomoiii aniiDlatum MOLIN, pag. 692 adde: IMoiin, il.i.l. 320. Tai). XV, 1, 2. Triehosonium spirale MOLIN, pag. 692 adde : Mol in, ibid. 321. Draconculas Persaram KAEMPFER, pag. 696 adde: Filitria niedinensis Carter ^) in Ann. nat. bist. 3. ser. IV (18S9) 28 — 44 et 98 — H4. Tab. I anatom.; Exeerpt. cum adnotationibus R. Leuckart in Tr osehel's Arcbiv 1860. 11, 121 — 126. — Benoit: Du Dragonneau ou Filaire de Medine ä rooeasion d'une nouvelle Ob- servation de cet helmintbe cbez riiomme. Montpellier 1809. Filaria perforans MOLIN, pag. 700 adde: Mol in, c. 1.316 — 318. Tab. XIV, 7, 8. Filaria attenoata RUDOLPHI, pag. 702 adde : Molin, ibid. 316. Filaria quadrispina MOLIN, pag. 703 adde: Mol in, ibi.i. 318 — 320. Tab. XIV, 9 — 12. Filaria eoronata RUDOLPHI, pag. 703 adde: Mol in, ibid. 318. Dipetaloncnia mucronatuui DIESING, pag. 704 adde: Filaria mucronata M o 1 i n , i.e. 318. 1) De Urolabe paluslri et de speciebus aliis Urolabis coiifer Carter: ibid. 40 — 44. Tab. II et III. Kleine heliniiilholdg'ische Mittheilungeii. 281 THIBLS II. CLinOPHOP.A. Cucallus elcgans ZEDER, pag. 712 adde: Köberle: in Institut. 18S9. i04 (anatom. et evoliitio). * Juveneula cum faecibus Pereae gregarie expulsa in aqua pura vivunt. Cucullanus papilliferas MOLIN, pag. 713 adde: Molin, ibid. 304. Cacallanus niicrocephalos DUJARDIN, pag. 713 adde: Molin, ibid. 304. SECTIO II. ACROPHAIjI.1. Dochmius trigonocephalas DUJARDIN, pag. 716 adde: Molin, ibid. 330. Pag. 717 post Sclerostomum monostichum adde: 6.* Sclerostomniu siponcaliforme BAIRD. Caput cylindricum, magnum, truncatum; oris iimbo interno denticulis densis, externo aculeis majoribus numerosis armato. Corpus rectum, utrinque attenuatum, sipunculiforme, bursa maris triloba, lobo intermedio producto, radlis septem (quorum quinque bifurcati) instructo; lobis lateralibus radiis quatuor instructis; extremitate cau- dali feminae oblique truncata, subulata, apertura genital! supra caudae apicem. Longit. mar. 1'', fem. 10'". Sclerostoma sipunculiforme Bairdi in Proceed. Zool. Soe. London 18S9. 423 — 427. Habitaculum: Elephas indicus: in intestinis crassis, Londini (Gerard) Mus. Brit. Generi STEPHANÜRO, pag. 718 adde: Stephanuras dentatus DIESING, Syst. Helm. II, 296 adde: White: in Proceed. Boston. Soc. nat. bist. VI, 428. Sitib. d. mathem.-naturw. Cl. XLIII. Bd. I. Abtl». 20 232 D i e s i n g. Kleine helmiiithologische Millheiliinsoii. Habitaculo adde: Sus Scrofa dorn.: in acciimulationibus adiposis, prope renes, in caveniis pure repletis, marem et feminam ovulis rcplelani includentibus, euiiiculis adipeni permeaiitibiis in- structis, Bostoniae. (White.) Strongylas aorieularis ZEDER, pag. 721 adde: Molin, 1. c. 331. Genera Nematodum hnjus loci memorata vel prinium exposita: Acanthocheiins 275, Alloionerna 271, Ascaris 275 — 278, Calodium 279, Cheiracanthus 275, Cosmocephaliis 278, Cosmoeerca 274, Cucullanus 281 , Daenitis 275, Dipetalonema 280, Dispharagus 279, Dochmius 281, Dracunculus 280, Ecliinocephalus 279, Filaria 280, Gordius 270, Habronema 273, Hedruris 274, Hete- racis 274, Hystriehis 279, Isacis 272, Lecanocephalus 278, Mermis 271. Oxyuris 274, Pelodytes 273, Piguris 270 et 274, Sclerostomum 281 , Spiroptera 279, Steimius 275, Stephanurus 281, Strongylus 282, Tlioniinx 280, Triehocephalus 279, Tricho- somum 280, Tropidocerca 278. I B o ti e. ijlier die Karst- und Triclileipliislik im AllgemiMiien. 283 Über die Karst- und TricJiterplastik im Allgemeinen, Von dem w. M. Dr. Ami Bou6. Als Terrainplastik ist die der Karstgegenden eine der eigen- thümlichsten, da sie in Vertiefungen fast das Gegentheil des kleinen vulcanischen Reliefs darstellt. In ihrer grössten Allgemeinheit ver- steht man unter Triehterplastik eine Gegend, welche mehr oder weniger trichterförmige Vertiefungen zeigt; doch die verschiedenen mit solchen Naturproducten gesegneten Länder zeigen sehr aus ein- ander gehende Formationstypen, indem selbst die Ursache dieser Erscheinung höchst verschieden sein kann. Im vulcanischen Gebiete ist die Trichterplastik en relief allein das Resultat einer eigenen Naturthätigkeit, welche von innen nach aussen Steinmassen um eine plutonische Sicherheitsklappe mit mehr oder weniger geometrischer Regelmässigkeit anhäuft. Diese Art der vulcanischen Terrainhildung ist gewiss die häufigste, doch ganz und gar nicht die einzige; denn wie es Trichter auf Kalk- oder Sandsteinplateaus manchmal in Menge gibt, so haben wir ähnliche Beispiele im vulcanischen und besonders im trachytischen oder doleritischen Gebiete. Die Bildung letzterer, manchmal sehr schöne Trichter, ist viel schwerer zu erklären als die der en relief oder der sogenannten vulcanischen Kegel, Halbkegel oder Kegelschichten verschiedener Arten, wenn erstere später durch verschiedene Ursachen theilweise zerstört Murden. Man hat sie durch die Namen Einstür zungs- oder Zerplatzungskrater charakterisiren wollen, obgleich in beiden Fällen man über die öfter sich einstellende Regelmässigkeit solcher konischer Vertiefungen wirklieh staunen muss. Doch in diesem Falle wenigstens zeigen uns die Trichter der Karst- und anderer Flölzbildungen, dass die Natur- kräfte als Grundursache solche geometrisch regelmässige Löcher ebensowohl wie die Bienen ihre hexagonaien Zellen zu machen ver- stehen. In den Vuleanen wirkt eine Kraft nur auf eine gewisse verti- » 20» 284 B o u e. cale oder geneigte Linie und schlendert verschiedene Massen in einem unzusammenhängenden Zustande oder selbst nur Asche und Staub in die Luft, diese fallen dann als Regen herunter und bilden um das Kraterloch eine regelmässige Wulst, wenn die Kraft vertical war, aber eine unregehnässige, wenn sie in schiefer Richtung sich offen- barte. Diese naturgetreue Schilderung lehrt uns, dass man in der Bildungsbeurtheilung der Form eines vulcanischen Trichters nicht zu voreilig sein müsse, da Unregelmässigkeiten, selbst grosse Lücken oder Einfurchungen, so wie förmliche Kegelschnitte an selben sich auf diese Weise ohne alle andere Voraussetzung erklären. Geognosten waren bis jetzt nämlich zu selir geneigt, solche Abnormitäten der Regelmässigkeit späterer vulcanischer Vorgänge, wie neue Lava- ausbrüche, Zerberstungen, Wegschleuderungen u. s. w. zuzuschreiben. Ein anderes Verhältniss ist es mit denjenigen vulcanischen Trichtern, welche man als Explosionsresultate ansehen möchte, wie der von Pavin in der Auvergne u. s. w. In den meisten Fällen kann man solche Kraft nicht mit derjenigen des Pulvers vergleichen, weil letztere wohl Maulwurfshügeln ähnliche Erhöhungen, aber auch gewöhnlich Spalten verursacht. Nun stellt sich aber scheinbar nur bei den wenigsten solcher Explosionstrichter der Fall von Spalten, sowohl leerer als durch vulcanisches Gestein angefüllter ein. Wäre es selbst möglich, sich eine gewisse kubische Masse vulcanischer Felsarten durch unterirdische Hitze erwärmt, erweicht und in kleine Stücke gespalten vorzustellen, welche später durch eine plötzliche grössere Gasentwickelung gehoben, zersplittert und weit hin geschleu- dert worden wäre, so bleibt immer das übriggebliebene konische Loch ohne sichtbare Spalten eine höchst merkwürdige und darum auch verhältnissmässig seltene Erscheinung, von welcher wir, w^enn ich mich nicht irre, im St. Anna Trachyt-Seekrater im Szcklerlande ein Beispiel besitzen. Die obere tertiäre Bimssteinablagerung der nächsten nördlichen Umgebung war vielleicht aus diesem Schlünde gekommen. Viel leichter ist noch zu begreifen , wie die Gaskraft auf einem vulcanischen Plateau durch lange geübten Druck plötzlich mehr Spalten- und Kegelbildungen, wie am Jorullo z. B., hervor- ruft. Die Expansionskraft hat sich durch den Widerstand zertheilen müssen. Ehe ich weiter gehe, erlaube man mir die Bemerkung, dass diese letztere auch schon von Fichtel getheilte Ansicht mit der- über die Karst- und Trichterplastik im Allgemeinen. 28») jenigen eines unserer werthesten Collegen scheinbar nicht zusammen stimmt. Da aber Controversen den akademischen Sitzungen nur mehr Reiz verleihen können, so wäre es wünschenswerth, die ganze Mei- nung dieses Collegen darüber ölTentlich zu vernehmen. Meine Erfah- rungen haben mich nämlich dahin geführt, wohin einige alte Geo- gnosten schon gekommen waren, obgleich sie möglicherweise ihre Muthmassungen zu weit trieben. Ich meine die Möglichkeit, alte Kraterbilduiig nicht nur in Trachyt- und Doleritgegenden, sondern auch in Porphyr- und besonders in Sienit- und Granitgegenden wie- derfinden zu können. Gewisse alte sogenannte Chore im Urgebirge, sowie gewisse Emporhebungskrater im Neptunischen, die auffallend trichterförmige Endung einiger Thäler, wie z. B. bei Recoaro im Vicentinischen u. s. w., könnten selbst als der ehemalige Sitz pluto- nischer Kraft angesehen werden; doch meistens erlahmte letztere vor dem Ende der überdeckenden neptunischen Gebilde oder die Verwitterung verwischte die Urformen. Auf diese Weise muss man nur froh sein, daselbst plutonische oder vulcanische Felsarten, Gyps- stöcke oder Mineralwässer noch beobachten zu können. Die voll- ständige Trichterform kann man nur selten erhalten sehen, wie z. B. im Centralgranit des Cairangorumgebirges im schottischen Mocii- lande, wo ein kleiner See die tiefste Stelle des Trichters noch füllt. Um diese alten Merkmale der Erdthätigkeit noch bemerken zu kön- nen, müssen zu viele Nebenumstände zusammentreffen; so z. B. kann man solches in den Granit- oder Porphyrgegenden hoffen, welche seit ihrer Erhebung nicht mehr oder nur für eine sehr kurze Zeit unter das Meer gekommen sind und auf diese Weise vor der Zer- störung geschützt wurden. Viel häufiger aber sind nur mehr Bruch- stücke solcher Krater vorhanden, welche wie diejenigen des Mondes scheinbar theilweise noch grössere Ausdehnung als die grössten jetzigen hatten, ein Umstand, welcher mit der ehemaligen allgemein angenommenen grösseren vulcanischen Thätigkeit und geringen star- ren Erdkruste innig zusammenhängt. Das wäre nun meine Ansicht, welche aber Andere möglicherweise nicht theilen. Doch ehe ich weiter gehe, muss ich noch bemerken, dass die Erhebungstheorie auf den heutigen Geognosten manchmal wie eine falsche Brille wirkt, um den wahren Zusammenhang zwischen der jetzigen Erdplasfik und der älteren erkennen zu können; denn in vielen Fällen lassen sich die jetzigen neptunischen Becken nur in 286 Boue. grösserem Massstabe und mit einigen Veränderungen in den tertiären Fiütz-Beeken wieder erkennen, so z. B. im Vergleich der Gascogner Bucht mit dem tertiären Becken der Garonne u. s. w. Die Ursachen der Formen beider bestehen ja noch jetzt. Gehen wir von der vulcanischen Trichterplastik zu der im nep- tunischen Gebiete über, so finden wir daselbst mehrere solcher Bil- dungen , welche doch nicht alle dieselbe Ursache zu haben scheinen. Bei fast allen grossen Steinkohlenwerken, wenn sie lange Zeit getrie- ben wurden, stellten sich mehr oder wenigere Einstürze ein, welche ganz naturgemäss nur selten eine regelmässige Trichterform annah- men. Es sind ungenügend unterstützte Stein- oder Erdmassen, M'elche unregelmässig in die Tiefe stürzten, um manchmal nur Spalten, zackige Löcher oder nur eckige, hohle Bäume, wie eine Truge, zu lassen. In manchen Bergwerken, besonders in Salzbergwerken, seltener in ieferen Erzgruben, geschehen durch Unvorsichtigkeit im Grubenbau, durch spätere Wasserdurchsinterungen oder durch das Vermodern von Stützhölzern Einstürze, durch welche auch solche unregelmässige Trichter und Bäume an der Erdoberfläche sich heranbilden. In allen Kalk- und Sandsteingebilden, von den ältesten bis zu den jüngsten, bemerkt man Ähnliches; aber diese Vertiefungen, ganz vorzüglich Wassereinsickerung als erste Ursache zählend , haben meistentheils keine regelmässige Form. So z. B. hat man Vieles über die Trichter, sogenannte Brunnen, Höhlen und unterirdische Gänge, der älteren Formation sowie der Kreide und tertiären Kalke geschrie- ben; doch diese hohlen Räume sind alle ohne eigentliche Symmetrie im Grossen, ausser dass man eine solche für ehemalige Wasserleitung, wie Röhren, in Anspruch nehmen will, was doch die genaue Geo- metrie nicht gestattet. Diese sind die so reichen Lagerstätten gewor- den, in welclien man so viele Thierartenknochen fand, die schon beschrieben wurden. Nach der Formationsreihe durchforscht, bemerkt man die ersten regelmässigen Tricliterbildungen in den Schichtenreihen, welche in paleozoischcn oder Flötzgebilden Salz oder Gyps enthalten. Sie scheinen wirklich dadurch entstanden zu sein, weil unterirdische Auswaschungen in letzteren Gesteinen geschehen sind, und die im Zeehsteine unterirdisch getroflenen sogenannten Kalkschlotten sprechen dafür. So lindet man solche ebensowohl im nordamerika- nischen Paläozoischen, wo Salz im Überflusse ist, als im deutschen über die Karst- und Triehterplastik im Allg'emeinen. 28T und besonders in dem harzer oder mansfelder Zeclisteine und bunten Sandsteine, In manchen stellt sich schon geometrische Regelmässig- keit ein, bei anderen ist es weniger der Fall, und einige ovale oder unregelmässige, mit steilen Rändern umgebene See'n haben eigent- lich ganz dieselbe erste Genesis gehabt, wie der Salzsee bei Halle an der Saale. Doch bleibt es hie und da zweifelhaft, ob der Einsturz allein solche regelmässige Trichter hervorbringen konnte; so gibt es im bunten Sandsteine Pyrmonts mehrere solche, in deren nächster Nähe nicht nur eine Saline sich befindet, sondern auch sehr reichhaltige Gasquellen. Wie könnte man beweisen, dass Gasanhäufung in diesem Falle nicht Theil an der Hervorbringung solcher Trichter gehabt habe, Avenn man besonders erwägt, dass noch im Grunde eines solchen Trichters eine grosse Gasentwickelung stattlindet. Ausserdem erkennt man an der verschiedenartig geneigten Lage der Muschelkalk- schichten auf dem bunten Sandsteinbuckel, dass letztere in der Mitte der letzteren etwas gehoben und von der Seite geschoben wurden. Im Jura gibt es aber schon eine Masse von Trichtern, von den kleinsten Spalten oder dreieckigen Löchern, den Brunnenaushöhlun- gen u. s. w. an bis zu den grössten Mulden, den Combes der Fran- zosen, denen man theilweise es gar nicht ansehen möchte, dass diese ovalen Vertiefungen eher durch Einstürzungen von aussen nach innen als von Erhebungen in entgegengesetzter Richtung und durch Ver- schiebung der Nebenfelsenschichten entstanden sind. Im Kreidekarst vervielfältigensich diese Einstürze in's unend- liche, besonders wenn das Gestein gespalten und locker geblieben ist, so dass endlich die Oberfläche eines solchen Gebirges einer ebenen Felsenpartie gleicht, in welcher man Material zum Kalkbren- nen gesucht hat und die dadurch ein maulwurfshügelartiges Ansehen erhielt. Felshaufen wechseln mit steinigen Löchern aller Form und Grösse, von denen viele gänzlich oder nur theilweise mit mehr oder weniger eisenhaltigem Thone gefüllt sind. Ein anderes Mal stellen sich schon regeliüässigere Trichter dar, wie z. ß. auf dem Berge Pobienik zwischen Prijepolie und Plevlie in Bosnien oder auf dem Burenos im südwestlichen Macedonien. Da aber der eisenhaltige Thun nach allem Bekannten nur als ein Niederschlag der Mineralwässer und besonders der kohlensauren gilt, so muss man auch einräumen, dass wenigstens der Ausfluss solcher Wasser die primitive grosse Uin-egel- 288 Boue. mässigkeit der Spaltentrichter mehr oder weniger verwischt haben kann. Solche Karstbildiing erstreckt sich mit jenen Formationen Krains durch die ganze westliche Türkei bis nach Griechenland, sowie auch in minderer Weise in's westliche und östliche Serbien. In ersteren Ländern findet man sie nicht nur in dem Kreide- und Hippuritenkalke insbesondere, sondern auch in den so mächtigen Eocenengebilden jener Gegenden, wie in der Herzegowina, im Epirus u. s. w. Doch sind mir keine so schönen Beispiele jener Trichter vorgekommen als in Bosnien zwischen den grossen Ugra- und Vrbanjathälern. Die Gegend südlich von Kotor, wo die durch Zufluss vergrösserte Verba- nitza den Namen Verbanja bekommt, ist bis gegen Vratsche so voll tiefer, höchst regelmässiger Trichter, dass, wenn man sich nicht von Kalk- oder Mergelschiefer umgeben sähe, man sich in die plegreischen Felder versetzt glauben würde. Sie sind selbst so gross, so nahe neben einander, dass man in der Nacht sehr auf seiner Hut sein muss, um nicht in dem einen oder anderen sein Leben einzubüssen; denn ihre Tiefe übersteigt manchmal SO — 60 Fuss. An einer ähn- lichen Partie im grössten Massstabe hatte ich auch meine Freude in dem ungeheuren Tannen- und ßuchen-Urwalde der Suva -Planina (trockenes Gebirge), zwischen Vitolia und Dervent Karaul, auf der Strasse von Travnik nach Banjaluka. Die Einwohner benützen diese tiefen Mulden manchmal zur Aufbewahrung ihres Heu's und bauen Flechtwerke dazu, weil der Wind daselbst sein Unwesen nicht so wie auf dem ebenen Lande treiben kann. Wenn man aber als wahrscheinlich annimmt, dass solche Trich- ter nur durch Felsenspalten, Einstürze und Einsickerungen derRegen- und Quelhvasser sehr allmählich entstanden sind, so muss später der Schnee und das Schmelzen desselben, um ihre Unregelmässigkeit zu vermindern, auch viel beigetragen haben. Die primitive Ursache aber der Karstbildung scheinen mir die vielen kleinen vorhandenen Höhlenräume und Spalten zu sein, welche nach meiner Meinung durch Gasentwickelungen besonders entstanden sein mögen. In jenen Karstformationen, sowohl secundärer als eoce- ner, wurden eine Menge thierischer Materien, vorzüglich von Weichthieren, Infusorien u. dgl., in kalkigen Schlamm eingehüllt, und durch ihre Verwesung mag eine Menge von Gas sich entwickelt haben. Doch alle diese Ursachen erklären schwer allein die geo- Ülter die Knrst- und Trichterplaslik iin Allgemeiiion. 289 metrisclie Regelmässigkeit niancher dieser Trichter, welche mich an diejenigen durch den Ameisenlöwen oder Myrmeleon formicariiim aufgeworfenen lebhaft erinnerten. Letztere zeigen namentlich nicht nur eine gew'isse geregelte Proportion zwischen ihrer Tiefe und ihrem oberen Durchmesser, sondern die 10, 20 — 60 und 80 Fuss langen Durchmesserlinien bleiben sich gleich, wenn der obere Rand der Trichter kreisförmig ist. Rei ovalen Trichtern von mittelmässiger Grösse hatte ich keine Gelegenheit so tiefe Mulden zn bemerken, doch, bei jenen im grössten Massstabe stellten sich auch bedeutende Tiefen ein. Diese besonderen Merkmale machen es wahrscheinlich, dass solche regelmässige Trichter nur in ihrer Natur sehr gleich- massigen Kalkfelsenschichten vorkommen, wo das Loch oder die Spalte der Wassereinsickerung immer in der Mitte der Trichter sich befinden musste, und wo die weitere Gesteinverwitterung und Abnutzung gleichförmig vom Centrum zur Peripherie stattfand. Die ovalen Trichter im Gegentheile entstanden wohl durch zwei oder mehrere Felsenlöcher und Spalten, wo dann allmählich zwei ursprüng- lich vereinzelte Trichter sich vereinigten oder wo von Anfang an die Verwitterung von den zwei Foci einer Ellipse eingriff. — Wie in der Rildung der sogenannten natürlichen Rrunnen und Höhlengänge muss die auflösende Kraft der Kohlensäure der Luft mit derjenigen im Wasser enthaltenen gegen den Kalkstein in diesem regelrechten Yer- witterungsprocesse thätig sein. Natürlicherweise verstopfen sich manchmal die Löcher oder Spalten, und dadurch entstehen besonders im Frühjahre Pfützen oder kleine Lacken, oder selbst See'n, welche unwillkürlich zu der Frage führen, ob nicht nur gewisse See'n, wie z. R. bei Imosch und der Jesero Dalmatiens bei Rupe, nördlich der Narenta, sondern auch so viele geschlossene Mulden mit nur unterirdisch enden- den kurzen W^ass erlaufen, nicht denselben Ursprung im Grossen haben könnten. Diese Behauptung hat namentlich Manches für sich in vielen Fällen, wenn man z. R. die Menge solcher über einander etagirter Kessel von Croatien bis nach Griechenland durch die ganze westliche Türkei verfolgt, sie wieder im südöstlichen Macedonien, am Fusse des Rhodopus, so wie reichlich in Kleinasien und Syrien wiederfindet. Man kann mit dieser Anzahl von grossen und kleinen Mulden eine vollständige Grössenscala herstellen, so dass man eigent- lich nicht die Möglichkeit sieht, die Entstehung kleiner Trichter ohne 290 Boue. Wasser von derjenigen solcher zu trennen, welche durch grössere Ausdehnung als ein Teich, ein kleiner Bach, selbst als ein Fluss und ein oder mehrere Ponori oder Katavotra charakterisirt erschei- nen. Dieses aber einmal angenommen, kommt es einem nicht mehr schwer an, dazu auch solche grosse Kalkbecken zu rechnen, welche, wie die von Trebinje, Gatzko oder Niksitsch, mehrere Wasserläufe enthalten, oder selbst ungeheuere Becken mit See'n und mehreren Katavotra, wie die von Janina und selbst die von Scutari. Die Einwendung, dass in letzteren Fällen oft Sand- und Mergelschichten- abwechslungen mit Kalk im Spiele sind, und die Schlüssel zu der Hauptursache dieser grossen Muldenplastik geben, lasse ich nicht gelten, weil, so viel ich gesehen habe, sie wirklich durch Thatsachen entkräftet wird. In anderen Flötz- und tertiären Schichten gilt völlig als Axiom, dass die Quellen ganz vorzüglich längs der Berührungs- flächen des Kalks und Sandes sich bewegen; auf dieses Princip bohrte man oft mit vielem Glücke; aber in unserem Falle sind es die Kalk- spalten, welche eine so grosse Rolle spielen, indem die winzige Auf- lösungskraft der Kohlensäure in Wasser und Luft von der langsam arbeitenden, aber nie ermüdenden Natur gebraucht wird, um aus einer Haarspalte einen Wassertunnel auszuhöhlen. Endlich wird man von diesem grössten Beispiele auf die ehe- maligen geologischen Zeiten geführt, wo gewiss noch viel mehr geschlossene See'n als jetzt vorhanden waren, wie besonders die verschiedenen tertiären, wenn nicht schon die Flötzablagerungen durch ihre Ausbreitung, Stellung und Versteinerungen uns genügsam andeuten. Ich weiss sehr wohl, dass die neueren Geognosten, durch die Erhebungstheorie allein geleitet, jetzt viel weniger als ehemals solche Mengen von mehr oder weniger geschlossenen Landseen annehmen zu müssen glauben. Doch in Allem ist Mass zu halten und nicht zu vergessen, dass auf ähnliche Weise, wie bei den mit Katavotra versehenen Mulden, das Ausleeren solcher Wasser- massen durch besondere Umstände sehr leicht ermöglicht wurde, und dieses vorzüglich, wenn man dazu zufallige Spaltenbildungen annimmt. Wer aber von Erhebungen spricht, muss letztere zugeben, denn nach den mechanischen Gesetzen kann die eine Naturerscheinung kaum ohne die andere Veränderung des Vorhandenen stall finden. Wenn ich aber die Trichterplaslik vom Kleinen im Grossen so beispielsweise Iheoreliseh verlolgt habe, so bleibt mir noch übrig. über die Karst- uiul Trichterplastik im Allgemeinen. 291 von jenen kleinen Formen zu den kleinsten den Übergang zu ermit- teln, namentlich jene gewisse eigenthümiiche Struetur der Oberfläche der Karstfelsengebilde. Man bemerkt oft auf letzteren eine Unzahl von kleinen Vertiefungen und Höckern, so dass endlich das Ganze nicht besser als mit einem sehr unregelmässigen Netzwerke ver- glichen werden kann, in welchem die härteren Theile das Garn und die ausgehöhlten, durch Regen und Schneewasser herausgefressenen Theile die Maschen vorstellen würden. Manchmal sieht das Ding wie ein durch Viehheerden zertretener, sonderbar ausgehöhlter Boden aus. Solches Terrain werden wohl nicht nur diejenigen kennen, welche auf hochgelegenen Kalkplateaus, wie das steinerne Meer, der Dachstein, die Omolje- Planina im östlichen Serbien u, s. w., gewandert sind, sondern auch durch den krainischen Karst oder Istrien, wie zwischen Carbona und Pisino u. s. w. gegangen sind. Die schönsten Beispiele davon fehlen auch nicht in der westlichen Tür- kei, sowohl auf hohen als auf niedrigen Gebirgen, wie z. B. ganz besonders auf der Strasse über den Truschina zwischen Nevesinie und Blagaj in der Herzegowina, wo das schnelle Reiten zur Unmög- lichkeit wird und die Schneckenpost die einzige Aufgabe der übel- gelaunten Reisenden ist. Ein merkwürdiges Zusammentreffen mit manchen Karsten bilden die Ablagerungen der Bohrerze oder überhaupt der Eisenhydrate mit vielem thonigen, eisenschüssigen Mergel. Wenn ein Theil dieser Ablagerung auf der Oberfläche des Kalksteins nur ein Product der Zersetzung des Mergelkalkes und seiner Kiese zu sein scheint, so deuten die grösseren Eisenstöcke und Gänge auf mächtigere Ursachen, welche der verewigte Herr Alexander Brongniart wohl richtig in ehemals mächtigen Säuerlingen gesucht hat. Doch bleibt zu erklären, warum gerade bei Erschütterungen und Spaltungen der Erde diese Wässer besonders aus jenen Karsfgegenden hervorschos- sen. Erstlich mussten viele dieser karststructurführendenFormatioiien als die let/.tabgelagertei) das Meeresufer bilden, wo wie in heutigen Tagen Vulcane mehr brannten als im Innern der Continente; ein geologischer Umstand, der zu gleicher Zeit das Herausbrechen vieler Säuerlinge bedingte. Waren die Karstgebilde nur in der Mitte der Inseln , so war es auch natürlich, dass dieselben Wasser- und Gas- eruptionen auf ihren Seiten oder an den Küsten stattfanden. Dann eignete sich gerade dieses Karstterrain durch seine theilweise poröse 292 Roue. und gespaltene Urnatur zu der Bildung von grösseren Spallen, aus welchen dann die unterirdischen Wasser höherer Regionen nach ihrer geologischen Lage wie aus artesischen Brunnen herausquellen konnten und selbst inussten. Andererseits soll man wohl erwägen, dass in der Bildung der Karstab'ageruiigen wahrscheinlich schon früher ein Theil des kohlen- sauren Kalkmaterials durch Mineralwasser an der Oberfläche der Erdkruste, ober oder unter den nicht sehr liefen Theilen des IMeer- bodens, heraus gekommen war und auf diese Weise die ungeheuien, von Mollusken und Infusorien ausgeschiedenen Kalk- und Kiesel- anhäufungen verkitten halfen. Wegen der Kieselmaterie möchte man auch noch, wenn nicht warme, doch lauwarme Quellen voraussetzen. Endlich gibt die angeführte genetische Bildungsart der Karstfornia- tionen den Schlüssel zur Ursache der meisten Anhäufungen von Land- thierknochen in Höhlen und Spalten der Karste; denn diese niusste stattfinden, da letztere die Küstenstriche bildeten, wo die Knochen durch Flüsse und Waldbäche oder als Folge der Hebungen und Sen- kungen ganzer Küsten, Inseln oder Continenitheile, durch grössere locale Überfluthungen leichter als anderswo nach und nach angehäuft werden konnten. Zum Schlüsse noch Einiges über das V e r h ä 1 1 n i s s de r K a r s t- bildung zum Menschen, welches man zu oft ihm ebenso ungün- stig als Sandwüsten irrthümlich schildert. Eistlich wenn auf der Ober- fläche dieses Terrains genug Tbon liegt, so hindern die Löcher die Vegetation keineswegs, wie es der über H — 6 Stunden lange dichte Buchen- und Tannenwald auf dem Gebirgsrücken östlich von Jaitza bis zum Viasichgebirge, nördlich von Travnik, hinlänglich bew^eist. Nur bleiben die meisten grossen Trichter von Bäumen befreit, wo dann diese gewissen Vertiefungen in, dem Belveder-Garten nicht sehr unähnliche Oasen, in einem Urwalde um so mehr auffallen. Wenn sie durch felsigen und dürren Boden ihrer Ansiedlung feind- selig entgegenzustehen scheint, so hat gerade die Natur durch ihre gewöhnliche Abwechslung mit Mergel und thonigen Schichten oder Gebieten, durch ihre localen tertiären oder nur alluvialen thonigen Bedeckungen, sowie durch ihren unterirdischen Wasserrelchthum die Mittel an die Hand gegeben, solches Terrain sich mit einigem Fleisse nutzbar zu machen. Die Erde selbst bietet ihnen Beispiele genug, wo anstatt solchen sterilen Wüsteneien die Felsen mit Nutzhölzern über die K;iis(- iiiul Tiiehlcrplaslik im Allgemeinen. Icer dreieckiger Zahn vor, der an seiner vordem Seite stark ausgchölilt ist, nach hinten aber eine Lamelle zur Bildung der Scheidewand für die Gruben der inneren Antennen aussendet. Das erste Glied der äusseren Antennen ist breit, nach vorn in zwei Zacken gespalten, wovon die innere kürzere unmittelbar unter der Insertion des zweiten Antennengliedes liegt, die äussere hingegen in Form eines langen, am Rande leicht gezähnelten Stachels gegen die Augenhöhle gerichtet ist. Zwischen beiden ist der Vorderrand dieses Gliedes tief ausgebuchtet. Das zweite Glied entspringt ziemlich weit nach innen über der Innern Zacke des ersten Gliedes, es ist lang und cylindrisch, gegen das Ende hin massig verdickt, das darauf folgende dritte Glied ist dagegen äusserst kurz. Das dritte Glied der äusseren Kieferfiisse ist ähnlich wie bei Micippe gestaltet. — Der vordere Seitenrand ist hinter den Augen mit einem zweispitzigen Zahne besetzt, hinter ihm schwingt sich die Cervicalfurche zur ünterfläche hin und von hier geht der vorn etwas verengte Seiten- rand unter convexer Krümmung nach aussen und hinten und ist hier mit vier spitzen, von einander ziemlich in gleicher Entfernung stehenden Zähnen bewaffnet. Dem letzten schliessen sich nach innen gewöhnlich beiderseits noch zwei kleinere Zähnchen an. Die grösste Breite des Cephalothorax fällt auf den zweiten Seitenzahn. Der Hinterrand ist leicht abgerundet, in der Mitte etwas vorspringend und hier mit zwei scharfen, nach hinten gerichteten Zähnchen besetzt. An der wenig gewölbten, mehr abgeplatteten Oberfläche sind die einzelnen Gegenden durch vertiefte Linien ziemlich deutlich getrennt und überall mit grösseren und kleineren spitzen Tuberkeln besetzt. Die grössten unter ihnen finden sich auf der regio gastrica und cnrdiaca. Zu beiden Seiten der Hinterrandszähne beginnt eine Reihe feiner spitzer Höcker, die längs des untern Randes nach aussen und vorn sich erstreckt. Die Füsse sind im Allgemeinen ziemlich lang, cylindrisch, die vorderen nackt, die hinteren mit einzelnen feinen Haaren besetzt. Die ßrachiaiglieder der Vorderfüsse sind abgerundet^ 2'''8 lang, am Vorderende mit einem kleinen spitzen Zahne besetzt, die Carpal- glieder 2'" lang, wie die vorigen an der Aussenfläche mit einzelnen rauhen Körnern bedeckt, die Handglieder sind 4"6 lang, leicht 306 Heller. eompress, glalt. Die Finger sind leicht nach innen gekrümmt, beide am iniiprn Rande der Länge nach ausgehöhlt, während die äussere Wand dieses Handes etwas vorspringt und fein gekeibt ist; vor der Mitte ragt am obern beweglichen Finger überdies noch ein stumpfer, ziemlich breiter Höckerzahn vor. Das zweite Fusspaar ist etwas länger als das erste, die Schenkel haben eine Länge von 4", Tibien 1"8, Tarsen 2'''8. Die folgenden sind etwas kürzer. Die Femoral- giieder sind abgerundet, gegen die Spitze hin mit einem kleinen Zahne versehen, die Tibien etwas abgeplattet und mit einer Längs- furche in der Mitte, die Endklauen spitz. — Die Slernalplalte ist fast kreisrund, der Hinterleib des Männchens siebengliederig, das erste Glied am schmälsten, die übrigen fast gleich lang und breit, das letzte am Ende abgerundet. Menaethius M. Ehward. jn» tnonoceros (L.afr.) Ifl. Etlvv. Diese Art wurde von Latrcille (Encycl. t. X. p. 139) zu dem Geschlechte Pisa gestellt, mit welchem sie allerdings einige Ähn- lichkeit hat, doch unterscheidet sie sich davon durch mehrere wesentliche Merkmale, die M. Edwards (Hist. nat. d. Crust. t. I, p. 338, t. 15, f. 12) veranlassten, eine besondere Gattung darauf zu gründen. — Der Köiper hat eine dreieckig eiförmige Gestalt mit abgerundetem Hinterrande und vorn stark convergirenden Seitenrändern. Der Stirnrand ist bei dieser Art in Form eines spitzen, schmalen und langen Schnabels nach vorn verlängert, mit einem starken dreieckigen spitzen Zahne an der Basis, der nach oben die Augenhöhlen überdacht. Nach aussen und hinter demselben findet sich am äusseren Augenwinkel ein kleinerer und stumpfer Höcker- zahn. An dem vordem Seitenrande bemerkt man zuerst einen klei- nern und grössern Zahn, hinter dem letztern deutet eine tiefe Ein- buchtung die Stelle an, wo die Ccrvicalfurche von der obern Fläche auf die untere übergeht. Nun folgen wieder drei Zähne, welche von vorn nach hinten an Grösse zunehmen und wovon der hinterste stachclartige von den beiden vorderen etwas weiter entfernt ist als die zwei ersten von einander. Von hier ans verlaufen die hinteren kurzen Seitenränder unter leichter Concavität nach innen und hinten und gehen allmählich in den kurzen, stark vorspringenden, convex BeitrS^e zur Cnisfaeeeii-Faimn des rnthen Meeres. 30T ziigerundeteii Hinterrand über. Die im Ganzen wenig gewölbte Ober- fläche ist mit rundlichen Höckern besetzt, die besonders in der Mitte auf der refiio f/asfrlca und card'iaca eine bedeutendere Grösse haben und nach ihrer Lage die einzelnen Abschnitte jener Gegenden bezeichnen. So finden sich nach vorn hinter der Stirn zwei kleine Epigastricalhöcker, denen nach aussen zwei sehr grosse, abgerun- dete Protogastricaiwülste folgen, sowie hinter und zwischen diesen sieh ein grosser, vierlappiger Mesogastricalwulst erhebt. Auf der regio cardiaca findet sieh eine vordere grössere und eine hintere kleinere Tuberosität. Die Hepaticalgegend ist klein, innerhalb des zweiten Randzalines mit einem kaum ancedeuteten kleinern Höcker, auf der Branchialgegend sind dagegen mehrere Tubercula vorhanden, zwei liegen innerhalb der kleinen Randzähne, zwei andere neben dem hintern grossen Randzahne nach innen. Überdies ist die Ober- fläche, besonders an den erhabenen Stellen mit feinen Haaren besetzt. Die Augenstiele sind kurz. Das erste Glied der äussern Antennen ist ziemlich lang, nach vorn ausgerandet, mit nach innen gegen die Augenhöhle zahnartig vorspringendem Aussenwinkel, ihr zweites und drittes Glied sind cylindrisch, gleich lang. Die Mundöffnung ist breiter als lang. Das dritte Glied der äusseren Kieferfüsse ist drei- eckig mit vorderm geraden Rande. Die Vorderfüsse sind beim Männchen länger und stärker als beim Weibchen, wo sie kaum das Rostrum überragen. Die Brachial- glieder sind ziemlich lang, cylindrisch, an der Oberfläche mit ein- zelnen kurzen Dornen besetzt, die Handglieder oblong, compress, die Finger kurz, ihr Innenrand nach aussen hin zugeschärft und fein gezähnelt. Die übrigen Füsse sind cylindrisch, die Glieder an der obern Seite mit kurzen Dornen besetzt, rauhfilzig, die Klauen- glieder gekrümmt, an ihrer Unterseite mit zwei Reihen feiner Zähnchen bewaffnet. Länge 10 — 11'". Hiienia Debaan. H» pyrainitUiltt n. Taf. I, Fig. 9. Das mir vorliegende einzige Exemplar ist ein Männchen und zeichnet sich durch die langgestreckte pyramidale Körperform aus, n08 Heller. Es hilf oiniffe Äliiiliclikoit mit dor von Dati;» (Unit. Sfnf. Ecvplor. E.x'ped.: Cnist. p. 133, tab. 6, f. 3) beschriebenen und abgebildeten U. Simplex, doch nnterscheidet sie sich davon durch die verschie- dene Fornri der Vorderfüsse, sowie durch die abweichende Beschaf- fenheit der Körperoberfläche. Die Stirn ist nach vorn stark verlängert und verschmäcbtigt sich allmählich gegen das Ende hin. Die Seitenränder der Stirn gehen ohne Unterbrechung in die Seitenränder des Brustschildes über und bilden mit diesen die langen Seiten eines gleichschenkligen Dreiecks, dessen hintere Seitenecken in Form eines spitzen Zahnes beiderseits stark vorspringen. Der hintere Seitenrand ist kurz, concav und schief nach innen gerichtet. Der hintere Band verläuft gerade und wird beiderseits durch einen kleinen Höcker von dem hintern Seitenrande getrennt. Die Länge des vordem Stirn- und Seitenrandes beträgt hei 8"', die Breite der Stirn zwischen den Augen 1"5, die Länge des seitlichen Hinterrandes l"6, des Hinter- randes l"'4. Die Bänder selbst sind ausser den genannten Vor- sprüngen ohne Fortsätze. Die Oberfläche der Stirne ist fein punktirt, von einer Seite zur andern leicht convex, der Cephalothorax auf der regio gastrica mit einem grössern, nach vorn breitern, nach hinten schmälern, fast dreieckigen Buckel versehen, dem nach hinten auf der Cardiacalgegend etwas vor den seitlichen Bandzähnen ein einzelner, stark vorspringender stumpfer Höcker folgt. Die Vorderfüsse sind etwas länger als der Cephalothorax, mas- sig dick. Ihr Femoralglied ist cylindrisch, nach vorne beiderseits mit einem stumpfen kurzen Fortsatze versehen. Das Carpalglied ist kurz, konisch, oben abgerundet, nach innen mit einem kleinen zahnartigen Vorsprunge, das Handglied ist länglich, compress, mit oberem schar- fen Bande, die innere Fläche mehr convex, als die äussere, fein punktirt. Die Finger sind schmal, leicht gekrümmt, ihrer ganzen Länge nach klaffend und blos an dem abgestutzten, lölTelartig aus- gehöhlten Ende an einander schliessend, der Pollex an seiner Innen- seite vor der Mitte mit einem einzigen stumpfen Zahne besetzt. Die Längenverhältnisse der einzelnen Glieder sind folgende: Brachium 3", Carpus V", Manus 3"'3, Finger l'"3. Ganze Länge des Fusses = S'''^. — Das zweite Fusspaar ist das längste, und überragt selbst das erste Fusspaar etwas. Es erreicht eine Länge von 9 2 und ist mit den Vorderfüssen gewöhnlich nach vorne gerichtet, während die Beiträge zur Criistaceen-Faiina des rothen Meeres. 309 anderen Fusspaare nach hinten gewandt sind. Das Femoralglied des- selben niisst 3"'6 in der Länge, ist cylindrisch; das i A: lange Tibialglied vor seinem Ende auf der Obertläche mit einem kleinen Höcker, hinter dem eine leichte, grubige Vertiefung sich bemerken lässt, der Tarsus 3'" lang, cylindrisch, gegen das Ende hin nach unten erweitert und mit einigen Zähnchen und Borsten besetzt. Das letzte Glied ist ebenfalls ziemlich lang, gegen das vorhergeiiende gekrümmt und am unteren Rande mit feinen Stacheln und am Ende mit einer spitzen Klaue versehen. Die folgenden Fusspaare sind bedeutend kürzer, namentlich durch geringere Ausdehnung der Femoral- und Tarsalglieder, letztere sind überdies am obern Rande höckerig und an der Spitze mit einem breiten, den Anfang des nächst- folgenden Gliedes umfassenden ohrförmigen Fortsatze versehen. Das Klauenglied ist wie an dem zweiten Fusspaare gebildet. Der Hinter- leib ist siebengliederig, das zweite Glied breiter als die übrigen. Familia Cyclometopa. Atei'gatis Dehaan. A, roseits (ilüppell) Dehaan. Diese Art unterscheidet sich von A. integerrimus Lam. aus dem indischen Ocean hauptsächlich durch den ununterbrochenen, unge- iappten vordem Seitenrand , durch die abgerundeten Seitenwinkel am hintern Ende desselben sowie durch Aeix Mangel des faltigen Vorsprungs an der Oberfläche. Auch ist die Rückenseite des Cepha- lothorax viel glatter, die einzelnen Gegenden sind durch besondere Grenzlinien fast gar nicht bezeichnet. Nur in der Mitte, beiläufig in der hintern Magen- und der vordem Cardiacalgegend findet sich zu beiden Seiten eine kurze, nach aussen leicht concave Längslinie, zwischen deren Vorderenden in der Mitte zwei neben einander stehende tiefe punktförmige Eindrücke sieh bemerklich machen. Aus- serdem ist die ganze Obertläche fein punktirt. Der bei 3'''5 breite Stirnrand ist stark abwärts gebogen, etwas über die Augenhöhlen vorspringend, in der Mitte leicht eingeschnitten und nach aussen hin etwas ausgeschweift, wodurch z\\ei kleine stumpfe Seitenläppchen entstehen, die durch eine seichte Ausbuchtung von dem etwas vor- 310 Heller. springenden Anfangsthcil dps Siipprcilian-andos gotroiint sind. Die ganze fjänge des Ceplialothorax beträgt bei dem mir vorliegenden \voil)lichen Exemplare 10"5; die grösste Breite = 17'". Die Vorderfüsse sind ziemlicb kräftig, ihr dreikantiges, 3"'8 langes, den Seitenrand des Cephalothorax kaum erreichendes Bra- eliialglied ist nach oben mit einem kielartigcn Rande versehen, glatt» blos am V\)rderende leicht behaart. Das konische bei 4'" lange Car- palglied ist nach aussen stark gewölbt, oben abgeplattet, nach vorn und innen mit zwei stumpfen Zähnen besetzt, wovon der obere grös- ser ist und von dem untern durch eine leichte Ausbuchtung getrennt wird, in welcher gewöhnlich ein Haarbüschel sichtbar ist. Die G" lange Scheere ist beiderseits gleich entwickelt. Das Handglied ist stark comprimirt , 4"'2 lang und ebenso hocii, nach innen llach, nach aussen leicht convex, fein querrunzlig, unter der Mitte mit einer etwas vorspringenden Längslinie, nebstdem mit einzelnen gröberen Punkten, die ebenfalls in 2 — 3 Längsreihen angeordnet sind, besetzt. Der obere Rand ist scharf und springt nach innen etwas kielartig vor, der untere ist stumpfkantig. Die Finger sind kurz, auf der Oberfläche längsgefurcht, am Innenrande mit vier stumpfen Zähnen, braun- schwarz, — Die acht hinteren Füsse sind kurz, bis an das Klauen- glied comprimirt, das dritte, vierte und fünfle Glied nach oben mit scharfem Kiele, das dritte unten mit einer concaven, von scharfen Rändern begrenzten Furche, in welche die beiden folgenden Glieder sich zurücklegen. Das Klauenglied ist mehr konisch, oben und unten stark behaart, mit kurzer brauner Endklaue. Rüppell fand diese Art, welche er 1. c. p. 13 beschrieb und auf Taf. 3, Fig. 3 abbildete, ziemlich häufig im rothen Meere, besonders an Stellen mit schlammigem Grunde. Das eine vorliegende Exemplar des kais. Museums stammt aus dem persischen Meerbusen, wo es von Herrn Dr. Kotschy bei Karak gesammelt wurde. A, scvohiculatus n. Der Cephalothorax dieser neuen von Frauonfeld im rothen Meere aufgefundenen Art misst in der Länge nur 8'"2, in der gröss- ten Breite 11'". Er ist nach vorn und gegen die Seilen hin viel stär- ker abfallend als in der vorigen Art, die Form queroval. Der Stirnrand ist 3'" breit, springt vor der Augenhöhle ebenfalls etwas vor, ist in der Mitte leicht eingeschnitten, jedoch nach aussen hin nicht deutlich Beitrüge zur Ciustaeeen-Fauna des rolhen Meeres. 311 gebuchtet, daher keine hesoiidei'en Seitenliippchen gebildet worden. Die Ausbuchtung, welche die Sh'rn von dem Superciliarrande der Orhita trennt, ist ferner viel tiefer als bei jener Art Der lange vordere Seilenrand springt ebetifalls stark vor, jedoch ist er durcli drei seichte Einschnitte in vier Lappen undeutlich getrennt. Der Übergang des vordem in den hintern Seitenrand geschieht allmählich mit einem ab- gerundeten Winkel, ohne falligen Vorspung an der Oberfläche. Die ganze obere Fläche ist mit groheii, tief eingestochenen Punkten heselzt, dazwischen ausserdem auch noch fein punktirt. Bios der hinterste Abschnitt vor dem Hinterrande ist frei voti dieser groben Punktirung. Die Füsse sind ähnlich gebaut wie in der vorigen Art , an ihrer Fläche ebenfalls grob punktirt. Ebenso ist die Aussenseite der Hand viel rauher, stärker gerunzelt, die Punkte in Längslinien geordnet. Finger wie in der vorigen Art. Stimmt in Färbnng und Grösse mit dem von R ü p p e 1 1 (1. c. p. 1 5, Taf. 3, Fig. 4) beschriebenen A. mar(ji.~ natus überein, doch wird von jenem ausdrücklich hervorgehoben, dass die Oberfläche des Caphalothorax hier nicht punktirt sei, was dagegen bei unserer Art in so ausgezeichnetem Grade sich vorfindet. A. Fvanenfeldi ii. Taf. I, Fig. 10. Bei dieser Art ist der vordere Seitenrand zwar zugeschärft, aber wenig vorspringend und durch drei Einschnitte in eben so viele Lappen getbeilt, hinter der Mitte mit einem stumpfen Zahne, der an der Oberfläche sich als kurze Falte nach innen fortsetzt. Der Cephalothorax izt 1'" lang, 10'" breit; der 3'" breite Stirnrand deutlich zweilappig, nach aussen mit ganz geringer Ausschweifung in den Superciliarrand der Augenhöhle nach aussen und oben über- gehend. Eine mittlere Längsfurcbe verläuft von dem mittlem Ein schnitte auf der Oberfläche zur Spitze der Mesogastricalgegend hin, während zwei seitliche flache Furchen vom äussern Ende der Stirn um den Augenhöhlenrand nach aussen hin verlaufen. Die Augenhöhle ist rund und klein, der obere und untere Rand concav ausgeschweift, der Superciliarabschnitt des erstem nur wenig nach oben vorge- wölbt, der untere an seinem Innern Ende mit einem stumpfen Zahne versehen. Der innere Augenhöhlen palt wird von dem t. Gliede der äussern Antennen nur theilweise geschlossen. — Die Oberfläche ist glatt, jedoch sind durch mehrere seichte Linien die einzelnen 312 Heller. Gegenden schon deutlicher angedeutet als in den hcidcn vorher- gehenden Arten. Die Cervicaifiirchc bildet besonders zu beiden Seiten der Mesogastricalgegend so wie nach aussen gegen den mittlem Randeinschnitt hin einen ziemlich tiefen Eindruck. Eine schiefe Fur- chenlinie verläuft auch vom Ende der Eckzahnfalte nach vorn und mündet in die Cervicalfurche. Die Gastrohepatiealfurche ist eben- falls, wenn auch sehr schwach angedeutet. Ausserdem ist die ganze Oberfläche fein punktirt mit einzelnen zerstreuten grösseren Punkten. Die Vorderfüsse sind kräftig, der obere Rand des Handgliedes abgerundet, die äussere Seite in der obern Hälfte leicht gerunzelt, nach unten hin mehr glatt, die kurzen Finger stark compress, beide tief gefurcht und am Innenrande mit 3 — 4 kleinen Kerbzähnen ver- sehen. Die vier hinteren Fusspaare sind kurz, die fünf inneren Glieder comprimirt und am obern Rande zugeschärft, jedoch nicht kielartig vorspringend, der untere Rand des Femoralgliedes abgeplattet und am Ende tief ausgerandet. Das letzte Glied ist konisch, oben und unten stark behaart, mit kurzer Endklaue. Diese Art nähert sich im Wlgeme'mendemCnncerocyrüeH erbst (Taf. 54, Fig. 2), unterscheidet sich davon jedoch durch den mehr abgerundeten obern Rand des Handgliedes und die ungekielten Fuss- glieder. A, anaglyptus n. Taf. I, Fig. 11, 12. Der Cephalolhorax ist 6'" lang und 9"' breit, der Stirnrand zweilappig und geht nach aussen hin unter leichter Ausschweifung in den Superciliarrand über. Dieser ist etwas mehr als in der vorigen Art nach oben vorgewölbt. Der vordere Seitenrand ist ziemlich scharf, etwas vorspringend und durch drei leichte Einschnitte gelappt, am Hinterende mit einem kleinen Zahne versehen, von dem nach innen eine auf der Fläche vorragende Querfalte entspringt. Die Oberfläche ist glatt, wTuig gewölbt und durch breite, tiefe Furchen in deutliche Felder getheilt. unmittelbar hinter dem Stirn- rande gewahrt man die zwei kleinen, durch die mittlere Stirnfurche von einander getrennten Fronlalfeldchen, auf sie folgen die zwei rundlichen Epigaslricalfi-lder. Die Protogastricalfelder sind gross, nach vorn ausgobuchtet, fast herzförmig, das Mesogastricall'eld ragt mit seinem vordem verschmälerten Theile zwischen den vorigen bis zu den Epigastricalfeldern hin. Das HepaliiallVId ist ungelliciit, Beitrage zur Criistaceeii-Faiin.') iles rotiien Meeres. 313 dagegen die vordere Braiichialgegeiid durch zwei schief verlaufende Furchen in drei kleine Feldchen getheilt. Die Cardiacal- und hintere Seitengegend /.eigen keine deutlichen Trennungslinien. Die ganze ühertläche ist ührigens fein punktiit. Die Vorderfüsse sind ähnlich wie bei A. Frauenfeldi gestaltet, der Carpus ebenfalls nach vorn und innen mit zwei stumpfen llöcker- zähnchen bewehrt, an der Ausseiitläche jedoch grobrunzelig, die Hand nach oben ziemlich seliarfiandig, fast kieiartig, an der äussern Fläche ebenfalls grobrunzelig, in der obern Hälfte mit einer Längs- furche, nach unten mit einer vorspringenden Längslinie. Die Finger wie in der vorigen Art, tief gefurcht, braunschwarz. — • Die Hinter- fiisse sind stark coraprimirt, am dritten, vierten, fünften Gliede mit obern gekielten Rande, der untere Rand des dritten Gliedes ist aus- gehöhlt, jener des vierten und fünften Gliedes abgerundet, das fünfte Glied zugleich gegen das Ende hin am untern Rande mit einem tiefen Ausschnitte verseilen. Das sechste Glied schmal, oben und unten behaart, während das vorhergehende blos am untern Rande mit kurzen Härchen besetzt ist. — Die Körperfarbe des in Weingeist aufbewahrten weiblichen Exemplars ist gelblich mit ein- zelnen zerstreuten dunkelbraunen Flecken. A, semigranosus n* Eine schöne Art, die sich besonders durch den stark zugeschärf- ten und vorspringenden vordem Seitenrand und die granulöse Beschaffenheit der Oberfläche an der vordem Hälfte des Ceplialo- thorax auszeichnet. Der zarte Seilenrand ist mit 4 — 5 ungleichen, stumpfen Zähnen versehen. Der Stirnrand ist in der Mitte und nach den Seiten hin ausgeschweift, der Superciliarrand wenig nach oben vorspringend. An der Oberfläche sind durch tiefe glatte Furchen die einzelnen Gegenden von einander getrennt und bilden flache Erhöhungen. Besonders ausgeprägt sind ähnlich wie in der vorigen Art die beiden Frontal-, zwei kleine Epigastrical- und zwei grosse dreieckige Protogastricalfelder , denen sich nach hinten noch ein schildförmiges Mesogastricalfeld anschliesst. Die ersteren sind an ihrer Oberfläche gleichmässig gekörnt, das letztere hingegen ist nackt, fein punktirt. Nach aussen auf der Auterolateralgegend findet sich beiderseits ein dreieckiges gekörntes Hepatical- und hinter ihm ein gleichfalls körniges vorderes Branchialfeld. Das letzt<'re ist durcli Sit/.!). (1. iiiatlu'm.-iiaiiirw. Cl. XIJII. iid. I. AMIi. I'l 314 Heller. eine Linie in eine äussere grössere und in eine innere kleinere Portion getlieilt. Die Cartliacalgegend ist von der Posterolateral- gegend weniger deutlich abgeschieden und zeigt keine deutliche Körnung an der Oberfläche. Die Füsse sind ähnh'ch wie bei A. limbatns beschafl'en, der Index der Vorderfiisse ist au der Basis seines Zahnrandes mit einem grossen vorspringenden Höckerzahn versehen. Die Länge des Cepha- lothorax beträgt 5'", die Breite 7"'5. Von A. Hmhatas unterscheidet sich unsere Art durch das Fehlen der Körnung au der hiiiteru Körpoihälfto, durch den ungleich gezähnten Seitenrand, sowie durch die ungetheilte Hepaticalgegend, die bei jener in drei Lateralfelder getheilt ist. Actaea Debaan. A» hirsntissiinn (Rüppell) De ha an. Diese Art wurde zuerst von Rüppell (I, c. p. 26, tab. 5, f. 6) beschrieben und zu der Gattung Ä7ie Fmger sind kurc. aeitlieL las^mmeugedt ückt, _ : hce KöFBerlaieB, üir InDesraiBd zieoibeL seLarf, jedoch blo5 c : Lasis loä riMgfB Eerbühfiebeu rersehen. Ihre Füibe ist Wäiutlicfa&c^« an, gegen die Spitze hin etwas lichter. — Die übrigen F«£se simd äknlk^ geAtast «ai zottig behaart, wie Lei ^. hir^utU- g i ma , 4^eh am üia-er OkeH&ehe weniger gekörnt — Die Länge des Cephai<4h««ti beträgt 8' , die Breite 11' . A» Schmiardae n. Tal I, Fig. 13. Diese Art hsti ewige Ähaliehkeit mit A. Sarignyi M. Edw., mäem ihre Oho&iehe »ie dort mit iahlreieben , dicht gedräüorteD. UrsdCM'itart^ef) GraocI^&Beii bedeekt ist, jedoch ist sie verschieden T«« jeser d«%k £e gmhig^, wahesartigen Eindrücke an der Ober- fläefae der Fasse. Der Körp^er ist nach hinten bedeutend abgeplattet. D«" al^er^B4ete bei 2'2 breite Stimrand springt über die Augen- hÄklea lei^ Tor, ist massig abwärts geneigt, io der Mitte darch ^•ea EiBM^uiitt in zwei nach ansj^en hin ieieht aasgeschweifte Lap- pea getheiit aed dareh dne seichte Ausbaehtung rom Sapereiliar- raade getrennt. Dieser ivl nach oben etwas wulstig vorgewölbt und setzt sifeh sa^ aussen nnd onten ohne Unterbrechung in den Infra- •dbitalraad fort, der an seinem Innenende mit einem kleinen Zahne versAem ist Der vordere Seiterjrand übertriflFt den hinteren bedea- fea^ aa LÄnge, ist jedoch mehr stumpf, nach vorn hinter den Augen enfteav vertieft, im weitem Veriaufe mit drei zahnartigen Vorsprün- gen versehen. Her hintere Seiteorand ist stark concav ausgeschweift. I>je Oberfläche ist besonders in der vordem Hälfte in zahlreiche, i>öckej artig vorspringende Felder getLeilt, die sämmtlich mit birse- kornartigeii Granulationen dicht besetzt sind. Die Zwisehenfurchen sind sehmaJ und ebenfalls gekörnt — Auf der Anterolateralgegend finden sieh an der Stelle des ersten Latemlfeldes auf dem stark ab- wärts gekrümmten Seitenrande, dessgleichen an den drei Randzähneu «ud auf der autem Hepatieal fläche einzelne grubige Vertiefungen. Die seitliehe Mundgegend ist fein gekörnt und leicht behaart. Die Vorderfüsse sind fast gleichgross, ihr Brachialglied ist kurz, dreikantig, der Carpus 2*2 laug, nach innen abgeplattet, an der Aussenfläcbe jedoch sehr gewölbt, aneben mit netzartig vorspringen- den Körnerlinien, zwischen denen grubige, ebenfalls mit Körnern BiMlrSge zur Oru.st:ii'i'eii-Fiuiii;i des ioIIrmi Mei'ies. 319 aiisgefiillte Vertiefungen sich vorfinden; djis Handglied fast gleich- lang, an der Innenseite flach, leicht gekörnt, an der gewölbten Aus- senseite nach oben mit ähnlichen Netzlinien und grubigen Vertie- fungen wie am Carpus, während sich an der untern Hälfte dieser Fläche blos i-unde, in Längslinien gereihte Höcker zeigen. Der untere Rand ist abgerundet, der obere dagegen etwas abgeplattet und nach innen eine scharfe Kante bildend. Die konischen , spitzen Finger sind an ihrer Oberfläche bis zum Ende hin mit feinen, in Längsreihen stehenden Körnern besetzt, die Innenränder wenig ge- zähnt. — Die Länge des Cephalothorax beträgt 4"5, die grösste Breite = 7'". Carpiliiis Leaco. C convexus (Forskai) Rüppell. Eine prachtvoll gezeichnete Art, in der Mitte mit vielen dunkel- rothen, scharf begrenzten Flecken auf gelblichem Grunde. Die Füsse sind an der Oberseite gelhlichroth, an der Unterseite lichter gefärbt. Die Länge des vorliegenden männlichen Exemplares beträgt 2" 3'", die grösste Breite 2" 11'". Das Abdomen desselben ist sechsgliede- rig, das dritte und vierte Glied sind mit einander verschmolzen. Das erste Glied ist breit, jedoch kurz, das vorletzte quadratisch, das letzte spitz dreieckig. Uypocoelits nov. gen. Von Savigny wird in seinem Werke (Description de TEgypte, Crustaces pl. 6, f. 2) eine Krabbe abgebildet, die durch den Besitz grosser ovaler Gruben zu beiden Seiten der Mundgegend sich aus- zeichnet. Audouin (Explication des phmches de Savigny) hält sie identisch mit dem Cancer exsculptus Herbst (I. c. t. I, p. 265, t. 2! , f. 121), doch wird von diesem über die charakteristischen Verliefungen auf der unteren Fläche nichts angegeben. Milne Edwards beschreibt dieselbe schon ausführlicher in seinem Werke (bist. nat. des Crust. t. I, p. 376) nach Exemplaren, die ebenfalls aus dem rothen Meere stammen , er hebt das Vorhandensein jeuer Gruben auf der Gesichtsfläche besonders hervor und stellt sie zu dem Genus Cancer. Diese Gattung wurde jedoch in neuerer Zeit namentlich von Debaan und Dana in mehrere Subsjenera zerfällt. 318 Heller. fast giinz gialt. Die Finger sind kurz, seitlich zusiinimeiigedrüekt, glatt, ohne Körnerlinien, ihr Innenrand zicnilicli scliarf, jedoch hios an der ßasis mit einigen Kerhzähncheii versehen. Ihre Faihe ist bräunlichschwarz, gegen die Spitze hin etwas lichter. — Die übrigen Füsse sind ähnlich gebaut und zottig behaart, wie bei A. hh'suds- simit , doch an ihrer Oberfläche weniger gekörnt. — Die Länge des Cephalothorax beträgt 8"', die Breite 11'". A, Schniardae n, Taf. I, Fi},-. 13. Diese Art hat einige Ähnlichkeit mit Ä. Savignyi M. Edw., indem ihre Oberfläche wie dort mit zahlreichen, dicht gedrängten, hirsekornartigen Granulationen bedeckt ist, jedoch ist sie verschieden von jener durch die grubigen, wabenartigen Eindrücke an der Ober- fläche der Füsse. Der Körper ist nach hinten bedeutend abgeplattet. Der abgerundete bei 2'"2 breite Stirnrand springt über die Augen- höhlen leicht vor, ist massig abwärts geneigt, in der Mitte durch einen Einschnitt in zwei nach aussen hin leicht ausgeschweifte Lap- pen gelheilt und durch eine seichte Ausbuchtung vom Superciliar- rande getrennt. Dieser ist nach oben etwas wulstig vorgewölbt und setzt sich nach aussen und unten ohne Unterbrechung in den Infra- orbitalrand fort, der an seinem Innenende mit einem kleinen Zahne versehen ist. Der vordere Seitenrand übertrifft den hinteren bedeu- tend an Länge, ist jedoch mehr stumpf, nach vorn hinter den Augen concav vertieft, im weitern Verlaufe mit drei zahnartigen Vorsprün- gen versehen. Der hintere Seitenrand ist stark concav ausgeschweift. Die Oberfläche ist besonders in der vordem Hälfte in zahlreiche, liöckerartig vorspringende Felder getheilt, die sämmtlich mit hirse- kornartigen Granulationen dicht besetzt sind. Die Zwischenfurchen sind schmal und ebenfalls gekörnt. — Auf der Anterolateralgegend finden sich an der Stelle des ersten Lateralfeldes auf dem stark ab- wärts gekrümmten Seitenrande, dessgleichen an den drei Randzähnen und auf der untern Hepaticalfläche einzelne grubige Vertiefungen. Die seitliche Mundgegend ist fein gekörnt und leicht behaart. Die Vorderfüsse sind fast gleichgross, ihr Brachialglied ist kurz, dreikantig, der Carpus 2"2 lang, nach innen abgeplattet, an der Aussenfläche jedoch sehr gewölbt, uneben mit netzartig vorspringen- den Körnerlinien, zwischen denen grubige, ebenfalls mit Körnern Beiti'Sg'e zur Orii.st;ici'eii-l''iiiiii;> des rolheii Meeres. 310 ausgefüllte Vertiefungen sich vorfinden; das Haiidglied fast gleich- lang, an der Innenseite flach, leicht gekörnt, an der gewölbten Aus- senseite nach oben mit ähnlichen Netzlinien und gruhigen Vertie- fungen wie am Carpus, während sich an der untern Hälfte dieser Fläche blos runde, in Längslinien gereihte Höcker zeigen. Der untere Rand ist abgerundet, der obere dagegen etwas abgeplattet und nach innen eine scharfe Kante bildend. Die konischen , spitzen Finger sind an ihrer Oberfläche bis zum Ende bin mit feinen, in Längsreihen stehenden Körnern besetzt, die Innenränder wenig ge- zähnt. — Die Länge des Cephalothorax beträgt 4"S, die grösste Breite = T". Carpilius Leacb. C» convexus (Forskai) Rüppell. Eine prachtvoll gezeichnete Art, in der Mitte mit vielen dunkel- rothen, scharf begrenzten Flecken auf gelblichem Grunde. Die Füsse sind an der Oberseite gelblichroth, an der Unterseite lichter gefärbt. Die Länge des vorliegenden männlichen Exemplares beträgt 2" 3'", die grösste Breite 2" 11'". Das Abdomen desselben ist sechsgliede- rig, das dritte und vierte Glied sind mit einander verschmolzen. Das erste Glied ist breit, jedoch kurz, das vorletzte quadratisch, das letzte spitz dreieckig. Mypocoelus nov* gen* Von Savigny wird in seinem Werke (Description de l'Egypte, Crustaces pl. 6, f. 2) eine Krabbe abgebildet, die durch den Besitz grosser ovaler Gruben zu beiden Seiten der Mundgegend sich aus- zeichnet. Audouin (Explication des planches de Savigny) hält sie identisch mit dem Cancer exsculptus Herbst (I. e. t. I, p. 265, t. 21 , f. 121), doch wird von diesem über die charakteristischen V^erliefungen auf der unteren Fläche nichts angegeben. Milne Edwards beschreibt dieselbe schon ausführlicher in seinem Werke (bist. nat. des Crust. t. I, p. 376) nach Exemplaren, die ebenfalls aus dem rothen Meere stammen , er hebt das Vorhandensein jener Gruben auf der Gesichtsfläche besonders hervor und stellt sie zu dem Genus Cancer. Diese Gattung wurde jedoch in neuerer Zeit namentlich von Dehaan und Dana in mehrere Subffenera zerfällt. 320 Heller. Tiitcr diesen zclijt die voi-lifgiMide Art durch die convexe Oherfläche, durch die Länofe des vorderen Seitenrandes und die Gestalt der Füsse einige Ahnliehkeit mit dern Genus Aierf/ntis Dehaan, sowie sie anderseits durch die Form des ersten Basalgliedes der äussern Antennen mit dem Genus En.vanthm^ übereinstimmt, doch weicht sie von allen bisher bekannten Gattungen durch die erwähnte starke Aushöhlung der Pterygostomialgegenden so auffallend ab, dass es gerechtfertigt erscheint, eine eigene Gattung darauf zu gründen, für welche ich den oben angeführten Namen vorschlage. Der Cephalothorax ist sowohl von vorne nach hinten , als auch von einer Seite zur andern gewölbt. Die Stirne springt über den Augeiihöhlenrand weit vor, ist deutlich zweilappig, die Lappen sind am Endo breit abgerundet. Eine tiefe Furche verläuft von dem mitt- leren Einschnitte auf der Oberfläche der Stirn bis zu dem Anfange der Mesogastricalgegend hin, eine zweite Furche zieht gekrümmt zwischen Stirn und dem nach oben stark vorspringenden Superciliar- rande der Augenhöhle nach hinten und aussen, im weiteren Verlaufe die Orbitalgegend begrenzend. Der vordere Seitenrand ist sehr lang, bogenförmig gekrümmt, scharf und dabei wellenförmig leicht auf- und abwärts gebogen. Der hintere Seitenrand ist fast um die Hälfte kürzer als der vordere, ähnlich wie bei dem Genus Actaea concav ausgebuchtet, der Hinterrand ziemlich gerade verlaufend. Die Ober- fläche ist uneben, die einzelnen Gegenden sind durch tiefe Furchen von einander getrennt und springen in Form zahlreicher Buckel und Wülste hervor. Die Augenhöhlen sind klein und rund, nach vorn und aussen gerichtet. Der innere oder Superciliarabschnitt des obern Augenhöhlenrandes bildet zu beiden Seiten der Stirn, von ihr durch die schon oben erwähnte Seitenfurche getrennt, zwei grosse abgerundete Vorsprünge, wodurch die Stirn, von oben angesehen, vierlappig erscheint. Der äussere mit zwei tiefen Nathlinien versehene Abschnitt geht ohne Unterbrechung in den untern Augenhöhlenrand über, der über den obern bedeutend vorragt und nach innen mit einem starken höckerartigen Zahne endet. Die inneren Antennen liegen in schiefer Rielitung in tief ausgehöhlten Gruben unter der Stirn, der von dem Epistomalfelde nach vorne zur Stirn tretende Fortsatz, welcher die Scheidewand zwischen beiden Fühlergruhen bildet, ist sehr breit, länglich viereckig. Das erste Basalglied der äusseren Antennen ist festgewachsen, an seinem Ursprung breiter, Boi'riin-p zur rnishiopoii-Fnnnq dos lotlion Meerps. ^21 ^egen das Ende liiii verschmälert es sich etwas und schickt einen Fortsat7- nnch aussen, mit welchem es die innere Angenhöhlenspalte schliesst. Die beiden folgenden Glieder sind sehr klein und ent- springen mehr nach innen aus einer Ausbuchtung des Vorderrandes, ebenso ist die mehrgliederige Endborste sehr kurz. Die MundölTnung ist viereckig, fast quadratisch , nur wenig breiter als lang. Der vordere Rand derselben ist beiderseits aus- geschweift und bildet in der Mitte einen kleinen, nach hinten gerichteten Vorsprung, der sich nach innen in Form einer Kante fortsetzt. Das dritte Glied der äusseren Kieferfüsse ist viereckig, sein Vorderrand schief abgestutzt mit etwas vorspringendem Aussen- winkel, das folgende Glied inserirt sich am ausgeschweiften Innen- winkel. Der erste Kieferfuss hat einen dreieckigen Aussenlappen mit gajiz geradem Vorderrande und spitz vorspringendem inneren Winkel, die Innenlappen sind klein und schmal, der Palpus mit langem Basalgliede und einer mehrgliederigen borstenförmigen End- geissel. Das Epistomalfeld ist ziemlich breit. Zu beiden Seiten der Mundgegend ausserhalb des Endes der Cervicalfurche finden sich zwei tiefe ovale Gruben. In ihrem vor- deren Drittheile ist ihr Rand mehr abgerundet und wird auf eine kurze Strecke nach aussen vom Seitenrande desCephalothorax selbst gebildet, in den hinteren zwei Drittheilen aber werden sie durch einen eigenen, nach innen etwas vorspringenden, ziemlich scharfen, mit Haaren bedeckten Rand begrenzt. Die Vorderfüsse sind ziemlich kräftig, beim Männchen stärker entwickelt als beim Weibchen. Sie legen sich an den vordem Sei- tenrand innig an, sind mit den Scheeren nach innen gewendet und dienen hiebei als Deckel für die hintere grössere Hälfte der Seiten- gruben. An ihrem Vorderrande besitzen sie eine tiefe Ausbuchtung, welche mit dem vordem frei bleibenden Ende die ovale quere Ein- gangsötfnung herstellt. An der Innenseite sind die einzelnen Glieder meist stark abgeplattet und glatt. Das Brachialglied ist dreikantig und ragt blos mit seinem äusseren, am Rande körnigen Ende über den Seitenrand des Cephalothorax etwas vor. Der Carpus ist an seiner äusseren gewölbten Fläche mit einigen grösseren Wülsten und Höckern besetzt und am Ende seines obern Randes tief aus- gebuchtet. Eine ähnliche Ausbuchtung findet sich am Anfange des anstossenden obern Randes des Handgliedes, im weiteren Verlaufe dZ'4 Heller. ist er, besonders gegen das Ende hin, mit einer scharfen Kante ver- sehen. Der untere Rund des Handgliedes isl hreit abgerundet, die äussere Fläche convex, grobhöckerig, die einzehien Höcker nach oben zu unregelmässigen Netzlinien, nach abwärts zu zwei deut- lichen f^ängsreihen vereint. Die konischen dunkelbraunen Finger sind an ihrer Oberlläche ebenfalls mit Läugsreihen von Höckerchen, und an ihren Innenrändern mit stumpfen Zähnen bis gegen die Spitze hin besetzt. Die folgenden Fusspaare haben eine mittlere Länge, sind stark comprimirt, mit einem scharfen, fast kielartigen obern Rande versehen, nur das letzte Glied ist mehr abgerundet- Die Femoralglieder ragen über den Seitenrand nicht vor, ihre untere schmale Seite ist gegen das Ende hin concav vertieft, die folgenden beiden Glieder sind breit und an ihrer Aussenfläche mit einigen vor- springenden Wülsten und Körnern besetzt, ihr oberer Rand höckerig gezähnt, das letzte Glied schmal und fein behaart, mit kurzer Eiidklaue. Der Hinterleib des Männchens ist lang und schmal, dreieckig und aus fünf Gliedern zusammengesetzt, indem das dritte, vierte, sowie das fünft«' und secliste mit einander verwachsen sind. Das letzte Glied ist dreieckig, am Ende abgerundet. Der Hinterleib des Weibchens ist länglich oval, deutlich siebengliederig, in der Mitte mit einem stumpfen Längskiel versehen. Das sechste Glied ist hier das längste, das letzte stumpf dreieckig. H» sculptus (iVI. Eflw.)* Die Länge des Cephalothorax beträgt 18", die grösste Breite 25'", die Entfernung der beiden Augenhöhlen von einander 8'". Unter den Vertiefungen an der Obertläche sind am stärksten dieCervicalfurche, die mittlere Stirnfurche so wie eine hinter di'n Epigastricalhöckern und den Augenhöhlen quer nach aussen ziehende Furche ausgeprägt. An der regio gastrica sind die Protogastricalfelder ziemlieh ent- wickelt und durch eine Längsfurche beiderseits in zwei Längswülst«; getrennt. Die Oberfläche ist überdies gekörnt, namentlich tritt die Körnung an der Obei'fläclie der vorspringenden Wülste und Buckel deutlicher hervor und bildet hier kleine Qnerreihen. Ebenso ist die Körnung am vorderen und hinteren Seit^nrande , an der Oberfliiche der Kautüsse und am Abdomen zu beiden Seiten des Mittelwulstes ausgeprägter. Die Füsse sind am Rande fein behaart. Die Länge Beitrüge zur Criiätncei'ii-Fiiiiiirt des rolhen Meeres. 323 dos Brarhialjj'liedes im den Vorderfüssen beträgt 6"'4, seine grössfe Höhe 7"'2, der Carpns ist 8'"6 lang, die Scheere 14'"S, das Hand- glied 10'" lang und T" hoch. Am zweiten Fusspaar misst das Femo- ralglied in der Länge 6"'8, Tibia 3'''6, Tarsus 3'"6, Dactylus sammt Klaue 4'". Im kaiserlichen Museum befinden sich drei Exemplare dieser Art aus dem rothen Meere. Xantho Leach. Jir* distinquendus D e h a a n. Obgleich bedeutend kleiner als die von Dehaan (1. c. p. 48, t. XIII, f. 7) beschriebene Art stimmt sie doch mit dieser in den wichtigsten Merkmalen überein. Der Cephalothorax ist 4'" lang und 5""'4 breit. Die Oberfläche ist wie dort durch tiefe Furchenlinien, besonders in der vorderen Körperhälfte, in deutlich vorspringende Feldchen getheilt. Die Protogastrical-, Mesogastrical-, Hepatical- und vorderen Bratichialfelder sind einfach und au ihrer 01)eifläche mit rauhen Querlinien bezeichnet, die Cardiacal- und hintere Lateral- gegend erscheinen glätter. Der Stirnrand ist vorspringend, in der Mitte tief eingeschnitten, gegen die Seiten hin leicht ausgeschweift. Der vordere Seitenrand ist vierzähnig, scharf. Die Vorderfüsse haben ebenfalls eine körnig rauhe Aussenseite, die Ilandglieder sind neben dem oberen Rande mit einer Längsfurche versehen. Die Finger sind schmächtig, schwarz, an den Innenrändern fein gezäh- nelt, an der Oberfläche mit mehreren Längsfurchen und dazwischen liegenden Furchenlinien. V^on X parvulns Edw. unterscheidet sich unsere Art durch den Mangel des grossen Höckerzahnes an der Basis des Pollex, von X w I'. Öffnung nach vorn zu der Innern Augenhölilenspalte hinlaufende ziem- lieh tiefe Liinrsfurche ausgezeichnet. Die Länge des Cephalothorax heträgt 6"', die grösste Breite lO". Die Stirn ist 3'" breit, wenig vorspringend, der vorderste Rand fast senkrecht abwärts gebogen, vierzähnig. Die Zälinchen sind stumpf, in gleicher Linie stehend; die äusseren von den inneren etwas weiter enifernt, als diese von einander. Unmittelbar nach aussen und üben beginnt mit einem kleinen Zahne der obere Augenhöhlenrand, der leichl ausgeschweift und ungetheilt ist, er geht ohne Unter- brechung in den untern Augenhöhleniand über, der nach innen mit einem kleinen spitzen Zahne endet. Die Augenhöhlen selbst sind rund und nach vorn und aussen gerichtet. Die vorderen Seitenränder über- treffen die hinteren an Länge, sind zugeschärft, bogenförmig gekrümmt und durch vier Einschnitte in eben so viele Lappen getheilt, wovon die beiden hinteren an ihrem Vorderende leicht zahnartig vorspringen. Die Oliertläche ist sehr abgeplattet, blos nach vorn hin etwas gewölbt, durch Furchenlinien oder Unebenheiten fast gar nicht unter- brochen. Das erste Glied der äusseren Fühler ist ziemlieh breit, kantig, an der Innenseite concav vertieft, nach vorn schief abgestutzt, hier nach innen mit dem untern seitlichen Stirnforfsatze verbunden, nach aussen bin aber mit einem schmalen Fortsatz in die innere Augenhöhlenspalte hineinragend und dieselbe zum Theile ver- schliessend. Die beiden folgenden Fühlerglieder sind äusserst kurz und liegen ganz in der Augenhöhlenspalte. Die inneren Antennen erscheinen quergelagert in den Höhlen unter dein Stirnrande. Das Epistomalfeldchen ist zwar breit, aber sehr kurz, dessen Vorderrand und mittlerer dreieckiger Fortsatz mit einem vortretenden körnigen Saume eingefasst. Die Mundölfnung ist viereckig, vorn und hinten gleich breit, der Vorderrand zu beiden Seiten des Mittelzahnes leicht ausgebuchtet und weiter nach aussen mit einem klaffenden, tiefen dreieckigen Spalt versehen. Das 3. Glied der äusseren Kieferfüsse viereckig, mit geradem Innen- und Hinterrande, der Aussenrand etwas schief nach aussen gewendet und unter etwas vorspringendem abgerundeten Winkel mit dem leicht gekrümmten vordem Rande znsammenstossend. Die äussere Fläche zeigt in der Nähe desVorder- und Hinterrandes einen länglichen, ziemlich tiefen Eindruck. Das 4. Glied entspringt von der kurz abgestutzten Innenecke. Der Schaft des Palpus erreicht nicht ganz das Vorderende des 3. Gliedes. Keitriige zur Cnistaoeen-Fainia Hos rotlien Meeres. 32ti Der äussere Lappen des 1. Kieferfusses hat eine längTieh dreieckige Gestalt mit leicht gekrümmtem Vorderraiide und etwas vorgezogener Innenecke, am Innenrande mit einem schmalen fingerförmigen An- hange, der beiläufig bis zum letzten Drittheil des Hauptlappens hin- reicht. Die nehen der Mundgegend liegenden Pterygomialgegenden sind stark gewölbt , eine an den vordem Mundwinkeln beginnende Längsfurche läuft nach vorn zu den inneren Augenhöhlenspalten nnd schliesst beiderseits die Gesichtsfläche ein. Die Vorderfüsse sind ziemlich kräftig, die Scheeren rechterseits gewöhnlich mehr entwickelt als auf der entgegengesetzten Seite. Das Brachialglied erreicht mit dem Aussenende kaum den Seitenrand des Cephalothorax und hat einen sehr scharfen obern Rand; der Carpus ist nach aussen stark gewölbt, nach vorn und innen aber mit zwei kleinen Höckerchen besetzt, das Handglied der Scheere leicht compress, die Aussenfläche mehr als die innere gewölbt, der obere Rand breit abgerundet, der untere schärfer. Die Finger sind spitz, ander grössern Scheere konisch, an der kleinern fast pfriemförmig am Innenrande gezähnt, die Zähne an der kleinen Scheere sehr fein und entfernt stehend, an der grössern Scheere dagegen höcker- artig, besonders zeichnet sich der erste am oberen beweglichen Finger durch seine Grösse aus. Die folgenden Fusspaare sind mittel- mässig, leicht compress, jedoch mit abgerundeten Rändern versehen; das vorletzte Glied gewöhnlich am breitesten, viereckig und vor sei- nem Ende nacli unten ausgebuchtet , das letzte Glied abgerundet, oben und unten stark beliaart, mit kurzer Endklaue. Der Hinterleib des Weibchens ist länglich oval, aus sieben Gliedern zusammen- gesetzt, das erste und zweite Glied schmäler als die übrigen, das sechste am längsten, das letzte abgerundet dreieckig. Beim Männ- ehen ist der Hinterleib ebenfalls siebengliederig , hier das dritte Glied am breitesten. E, Kotschii n. . , yU^Q-t^^ Taf. I, Fig-. 14. ' ' Die Oberfläche ist ganz glatt, Mos gegen den Vorder- und Sei- tenrand hin leicht gerunzelt und in der Anterolateralgegend mit einer vom hinteren Randeinschnitte ausgehenden, nach innen zie- henden leicht geschwungenen Querlinie ausgezeichnet. Die Hand- glieder der Scheereniusse sind an ihrer Oberfläche, namentlich 326 Heller. gegen den obern Rand hin mit einzelnen, undeutlich in Längslinien geordneten, gröheren Punkten besetzt. Die Farbe ist rothbraun, mit dimkleien Querbiuden an den einzelnen Fussgliedein. Die Scheerenfinger sind hoi-nfarbig, an der Busis und gegen die Spitze bin meist lichter gefärbt. Diese Art wurde von Herrn Dr. Kotscby auf der Insel Karak im persischen Meerbusen gesammelt. Im rothen Meere wurde sie bis nun noch nicht beachtet. Zozymus Leach. Wi, ueneus (Liun.) Leach. Diese schöne Art, bisher blos aus dem indischen Ocean bekannt, wurde nun von Frauenfeld auch im rothen Meere aufgefuudeu. Sie ist gelb mit braunen Flecken an der Oberfläche. Die Eintheilung der stark ausgeprägten, an der Oberfläche glatten Felder ist fol- gende: Hinter dem Stirnraude zwei querliegende schmale Frontal- felder, hinter diesen zwei viereckige, stark vorgewölbte Epigastri- calfelder, die Protogastrica Ifelder im Ganzen dreieckig, durch eine Längsfurche, die bis zum hinteren Drittheil geht, in zwei Abschnitte getheilt; hievon ist vom inneren durch eine Querfurche ein vorderes viereckiges Segment abgeschnitten, die äussere Hälfte durch einen vorderen und inneren Einschnitt gelappt. Das Mesogastricalfeld ist fünfeckig, nach hinten vomUrogastricalfeld nicht vollkommen getrennt, die Trennung ist blos durch zwei seitliche Einschnitte angezeigt. Die vordere Spitze ist stumpf und reicht beiläufig bis zum hinteren Drittheil des Protogastricalfeldes. Die vordere Cardiacalgegend ist vierlappig, die zwei vorderen Lappen grösser als die liiuteren. Die Cardiaca posteriorhMaiQixv kleines, rundliches Feld. Der Orbitalrand ist in fünf Abschnitte deutlich abgetheilt , hinter dem Präorbitalab- schnilte linden sich noch zwei kleine, accessorische Läppchen. Auf der regio hepntlca gewahrt man drei grössere Lateralfelder und zwei kleinere gegen den Rand hin, die vordere Branchialgegend ist in vier Felder zerfallen, wovon das äussere wieder durch einen Ein- schnitt bis zur Hälfte getrennt ist, eben so sind die übrigen stark gelappt. Die Posterolateralgegeiul ist mit zahlreichen kleinen war- zenartigen Erhabenheiten bedeckt. — Die grösste Länge unseres Exemplares beträgt 2" 1'", die grösste Breite 2" 10'". Beiliiige zur Criislaceeii-Faiina des rotheii Meeres. 327 Xozytnodes nov. gen* Till'. I, Fig. lü- 18. Während diese Gattung durch ihren ganzen äusseren Hahitus mit Zozymus übereinstimmt, unterscheidet sie sich liievon anftallend durch die Form der äusseren Maxiliarfüsse, deren drittes Glied am vorderen Rande mit einem tiefen Ausschnitte versehen ist. Sie nähert sich hiedurch der Gattung Daira Üeh., obgleich sie mit dieser sonst gar keine Ähnliclikeit besitzt. Der Cephalothorax ist wie bei Zozy- mns nach oben convex, der bei 2'" breite Stirurand stark abwärts geneigt aber wenig über die Augenhöhlen vorspringend und in der Mitte durch einen ganz leichten Einschnitt in zwei breite, massig geschweifte, am Ausseuende etwas zahnartig vorspringende Lappen getheilt, hinter welchen , durch eine kleine Ausbuchtung getrennt, der obere Augenhöhlenrand ebenfalls mit einem kleinen Zahne beginnt. Der vordere, zugeschärfte, etwas vorspringende Seitenrand geht unmittelbar ohne Unterbrechung von der äusseren Augenhöh- lenecke aus, wird aber im weiteren Verlaufe durch drei Einschnitte in vier Lappen getheilt, wovon die beiden vorderen mehr abgerun- detsind, die hinteren aber am Vorderende etwas zabnartig vorsprin- gen. Der hintere Seitenrand ist kurz, leicht concav. Die Augenhöhlen sind rundlich, die Augenstiele sehr kurz. Dos erste Glied der äusse- ren Antennen ist ziemlich breit, reicht bis zum unteren Stirnfortsatz, der noch frei bleibende Raum der inneren Augenhöhlenspalte wird durch das kurze zweite und dritte Glied ausgefüllt, die Fühlerborste hat die Länge der Augenhöhlen. Die Mundfläche ist etwas breiter als lang, das dritte Glied der äusseren Kieferfüsse breit vier- eckig, am Vorderende nach aussen abgerundet, nach innen vor dem Innenwinkel tief ausgeschnitten, wodurch auch bei geschlossenen Kantussen eine OtVnurig für die Ausführungsgänge der Kiemen übrig- bleibt. An der Oberfläche sind die Proto- und Mesogastricalgegend durch eine Furche deutlich umgrenzt, weniger sind die Hepatical- und vorderen Rranchialgegenden von einander gesondert. Vom hin- teren Seitenwinkel zieht eine rauhe Querfurche nach innen, über- dies ist die ganze Fläche sowohl oben als unten mit zahlreichen kleinen Körnern dicht besetzt. An den vorderen Exfretnitäten ist die linke in den zwei mir vorliegenden Exemplaren grösser; die Hinter- füsse sind kurz, compress, stark gekielt. Der Hinterleib des Männ- chens ist fünfgliederig wie bei Zozymiis. 328 Heller. 'Mi, curiniites n. Taf. I, Fig. 16—18. Der Cephalotliorax niisst in der Läno^e 4'", in der Breite 6'". Das Brachialglied der \'orderf\is.se ist l"ö lang und erreicht mit seinem Ans^enende kaum den Seitenrand des Cephalotliorax, sein oberer scharfer Rand ist am Ende mit zwei Zähnen besetzt, die Flä- chen sind ziemlich glatt. Das fast 2" lange Carpalglied ist nach aussen stark vorgewölbt, runzlig gekörnt; die Scheere misst 4 2 in der Länge. Das Handglied ist 3"2 lang, an der Aussenfläche ziemlich gewölbt, körnig; die Körner l)il(len an dem breiten, obern Rande eine Läiigslinie und eine nach innen etwas vorspringende Kante, zwischen beiden ist eine Längsfurche angedeutet; der untere Rand ist schärfer, die Innentläehe flach und glatt. Die Finger sind am Innenrande gezähnelt, an der Basis des oberen Randes vom Daumen sitzt ein körniger Höcker. Das Femoralglied des zweiten Fusspaares ist 2'" lang, stark compress, mit oberem kielartigem Rande und glatten Seitentlächen , die beiden folgenden Glieder (Tibia und Tarsus) jedes 1" lang, ziemlich breit, am obern und untern Rande kielartig, nebstdem erhebt sich auch auf der äussern (hintern) Fläche dieser Glieder ein zarter, schief vorspringender Kiel. Das letzte Glied ist konisch, mit kurzer Eiidklaue. Die folgenden Fusspaare sind ähnlich gebaut, nur etwas kürzer. Sie sind ferner sämmtlich namentlich an den äusseren Gliedern fein behaart. Actaeodes Dana. Diese Gattung unterscheidet sich von Actacu, mit welcher sie in der äussern Körpergestalt übereinstimmt, hauptsächlich dadurch, dass die Scheerenfinger gegen die Spitze hin löftelartig ausge- höhlt sind. A, tomentosus (Ifl. Etlw.) Dana. Der Körper hat ebenfalls nach vorne stark abwärts gekrümmte Wandungen, sowie nach hinten einen concaven, tief ausgebuchteten Seitenrand wie Actaeu. Die Oberfläche ist durch viele breite und tiefe Furchen in zahlreiche, regelmässige, vortretende Feldchen Beiträge zur Cnistaceeii-Fauna ties rollieii Meeres. 329 ^etlieilt, die sämmtlicli an ihrer Oberfläche mit kleinen runden Kör- nern besetzt sind. Die Epigastricalgegend ist fast viereckig, die Protogastricalg(»gend beiderseits durch eine mittlere Längsfui-ehe in zwei gleiche oblonge Hälften getheilt, die Mesogastricalgegend ist sogar in drei Theile zerfallen. Auf der Hepaticalgegend finden sicii drei, auf der vorderen Kiemengegend ebenfalls drei Lateralfelder vor. Auch auf der Posteroiateralgegend bemerkt man drei mehr oder weniger deutlich getrennte Feldcheii, die vordere und hintere Cardiacalregion sind durch eine Querfurche vollständig von einander geschieden, ihre Gestalt, namentlich die vordere, ist breit viereckig. Die Füsse sind kurz, angezogen, die vorderen stark aufgebläht, die hinteren compress. Die ganze Oberfläche des Körpers so wie die Füsse sind mit einem dichten dunkeln Toment bedeckt. Färbung braun. A. nodipes u. Tai'. 1, Fig. 19. Der Cephalothorax des Weibchens ist S'" lang und 7"' breit, beim Männchen 4'" lang und 5"'3 breit, der Stirtirand bedeutend abwärts gekrümmt, bei 2'" breit und in der Mitte durch einen Ein- schnitt in zwei stark vorspringende mittlere, abgerundete Lappen getrennt, die nach aussen hin stark ausgeschweift sind. Der obere Augenhöhlenrand ist durch Einschnitte deutlich in drei Theile zer- fallen, der innere oder Superciliarabschnitt nach oben vorgewölbt. Der vordere Seitenrand ist vierlappig, die einzelnen Lappen fast von gleicher Grösse. Die Oberfläche wird durch deutliche Furchen in regelmässige Felder abgetheilt, die an ihrer giuizen Oberfläche mit dicht gedrängten miliaren Granulationen besäet sind. Die Proto- gastricalgegend ist durch eine Längsfurche in zwei Hälften geschie- den; die innere steht nach vorn mit dem Epigastrical- und Frontal- felde fast in unmittelbarer Verbindung, indem die Trennungslinien kaum angedeutet sind. An dem Mesogastricalfelde ist das vordere spitze Ende von dem hintern durch eine Querfurche getrennt, letz- teres mit dem Urogastricalfelde verschmolzen. Die beiden Cardiacal- gegenden bilden ebenfalls ein zusammenhängendes Ganze in Form eines länglich viereckigen Feldes. An der Hepatical- und vordem Branehialgegeiid kann man je drei Luteralfelder unterscheiden, die Posteroiateralgegend ist nicht weiter abgetheilt und begrenzt als einfaches Feld den Seitenrand. Sit/.li. .1 niiiUicm.-nahirw. n XLlll. IM I. Al)(h. 'l'i 330 Heller. Die Vorderfüsse sind gegen den Vorderrand des Cephalothorax angelegt, ziemlich dick nnd beiderseits fast gleich entwickelt. Der obere Rand des Fcnioralgiiedes springt gegen sein Ende bin kiel- förmig vor. Das Carpal- und Flandglied sind nach aussen hin sehr stark gewölbt und mit knotenförmigen, an der Oberfläche gekörnten Erhabenheiten besetzt. Die Finger sind bis zu ihrer Mitt(; hin an der Oberlläche gekörnt, an der Spitze löfl'elartig ausgehöhlt. Die übrigen Füsse sind kurz, coinpress an ihrer Aussenseite, besonders gegen den obern Rand hin ebenfalls mit solchen gekörnten, kno- tigen Höckern besetzt wie an den Vorderfüssen. Das letzte Fuss- glied ist kurz, konisch und mit einer sehr kurzen Endklaue ver- sehen; an der Oberfläche zeigt es ebenfalls Körnung, am untern Rande ist es fein behaart. Am zweiten Fusspaare wird die kurze End klaue von einem pinsolartigen Büschel feiner gelber Härchen ganz umhüllt. Der Hinterleib des Weibchens ist länglich oval, das erste, zweite und dritte Glied verschmälert und von da bis zum siebenten allmälilich zunehmend, dieses abgerundet. Der Hinterleib des Männchens ist fünfgliederig, das erste und zweite Glied sehr sehmal, das dritte zuerst nach aussen hin stark erweitert, dann wie- der allmählich sich verengend, das letzte dreieckig. A. rugipes n. Taf. I, Fig. 20. Diese kleine Art ist ausgezeichnet durch die deutlich in vor- springende Felder getheilte Rückeniläche, sowie durch die unebene mit vorragenden Runzellinien und narbigen Vertiefungen zwischen denselben versehene Fläche der Füsse. Die grösste Länge des Cephalothorax beträgt 5'", die grösste Breite fast 8". Ihr bei 3"' breiter, leicht abwärts geneigter Stirnrand ist durch einen mittleren Einschnitt in zwei abgerundete Lappen getheilt, die nach aussen hin stark ausgeschweift sind und an ihrem Ende zwei kleinere runde Seitenläppchen bilden, die gerade unter und etwas vor dem Anfange des oberen Orbilalrandes liegen. Der Orbilalraiid selbst ist bedeutend verdickt und aufgeworfen und durch Einschnitte deutlich in 5 Ab- theilungen zerfällt, unter denen der Superciliarabschnilt der grösste ist. Der Postorbitalabschnitt bildet am inneren Augenhöhlenwinkel einen starken zahnartigen Vorsprung. Die innere Augenhöhlenspalte ist eng und wird von dem verlängerten ersten Basalgliede der Beiträge zur Criisfaceen-Faiina des rothen Meeres. 38 I äusseren Antennen fast ganz ausgefüllt. Der vordere Seitenrand wird durch drei starke Euibuclitungen in drei grosse stumpfe Höeker- ahschnitte abgetheilt, ein vierter, welcher am meisten nach vorne, unmittelbar neben der Augenhöhle liegt, ist sehr klein und von oben fast gar nicht sichtbar. Unter den, durch tiefe breite Zwischen- furchen deutlich von einander getrennten Riickenfeldern unter- scheidet man zuerst nach vorne hinter dem Stirnrande die beiden Frontal- und hinter ihnen die Epigastricalfelder. Sie haben eine fast viereckige Gestalt. Den letzteren schliessen sich nach aussen nocb zwei kleine accessorische, dreieckige Feldchen an, die weniger als die übrigen vorspringen. Die Protogastricalfelder sind beiderseits dui'ch eine Längsfurche in zwei Hälften getheilt, das Mesogastrical- feld ist nach vorne mit schmaler Spitze bis zwischen dieEpigastrical- feldchen verlängert, nach hinten am breiteren Ende das Urogasfrical- feld als schmaler Streifen angedeutet. Die vordere Cardiacalgegend ist zwar von der hinteren durch einen tiefen querverlaufenden Ein- druck abgesondert, jedoch ist die Trennung von der Posterolateral- gegend kaum angedeutet. Unter den Anterolateralfeldern ist das vor- dere auf der Hepaticalgegend liegende einfach, in Form eines runden grossen Wulstes ausgeprägt, jene der vorderen Kiemengegend aber sind zu dreien von aussen nach innen gelagert. Die Posterolateral- gegend wird durch eine schiefe Furche in einen vorderen und hin- teren Abschnitt getheilt. Die Oberfläche aller dieser Feldchen ist mit kleinen zarten Körnchen bedeckt, die sich stellenweise zu feinen Netzlinien verbinden , eben so ist die Unterseite des Körpers fein- körnig. Das Brachium ist am oberen Rande gegen das Ende hin zwei- zähnig, an der Fläche runzelig körnig. Die äussere Oberfläche des Carpus ist stark gewölbt, das Handglied massig compress , der obere Rand abgeplattet, der untere abgerundet, Carpus und Hand an der Aussenfläche und am oberen Rande mit stark vorspringenden, netz- förmig sich verbindenden körnigen Runzellinien bedeckt, zwischen denen kleine narbige Vertiefungen übrig bleiben; ferner bemerkt man noch an der Aussenseite der Hand in der Mitte eine rauhe Längslinie. Die zindicb verlängerten, an der Oberfläche stark gefurcliten Finger, an der Spitze lölFelartig ausgehöblt und nicht blos längs des Innenrandes, sondern auch an den Löfl'elräiulern gezähnt. Die folgenden Füsse sind kurz, massig compress, an den 23" 332 Heller. Rändern abgerundet, an der Oberfläche ebenfalls mit feinen Runzel- linien und kleinen Grübchen versehen. Das letzte Glied ist schmal, üben und unten mit feinen Börstchen in einer Reihe besetzt, die Endklaue kurz und spitz. Die Weingeistexemplare besitzen eine blassröthliehe Färbung, während ein im getrockneten Zustande auf- bewahrtes Exemplar sich durch schöne gleichmässige korallenrothe Farbe auszeichnet. Die Finger sind lichtbräunlich. Etisus MiLNE Edwards. E, tnaculatus n. Der Cephalothorax ist ziemlich breit, leicht convex. Die Stirn rafft zwischen den Aui'enhöhlen ziemlich hervor, ist in der Mitle durch einen kleinen Einschnitt in zwei Lappen getheilt, die nach aussen mit senkrechtem Rande gegen die Augenhöhlen abfallen. Der obere Augenhöhlenraiid ist ziemlich dick und nach aussen hin dop- pelt eingeschnitten, der äussere Augenhöhlenzahn nur wenig vor- springend, vom unteren Rande durch einen deutlichen Einschnitt getrennt. Dieser verläuft unter leichter Concavität nach innen und endet hier mit einem stumpfen Zahne. Zwischen ihm und dem Anfange des oberen Orbitalrandes bleibt eine Qwya Augenhöhlen- spalte, die von dem äusseren Fortsatze des ersten Gliedes der äusseren Fühler vollkommen verschlossen wird. Der vordere Seiten- rand ist ziemlich lang, bogig gekrümmt und mit vier kleinen dreieckigen Zähnen besetzt, wovon die zwei hinteren spitz, die zwei vorderen dagegen mehr abgestumpft sind. Die Oberfläche erscheint fast eben, da die einzelnen Gegenden nur wenig vor- springen und durch äusserst seichte Grenzlinien von einander getrennt werden. Die Protogastricalgegend ist mit der Epigastri- ealgegend nach innen und vorne verschmolzen, die Hepatical- gegend einfach und die vordere Kiemengegend nur undeutlich in zwei Feldchen getheilt. Vom hintern Seitenzahne zieht nach innen ein schmaler Wulst. Die ganze Oberfläche ist überdies mit feinen flachen, an einander gedrängten Körnchen bedeckt und dazwischen zerstreut punktirt. Die inneren Antennen liegen in schiefer Richtung unter der Stirn; das 2. Glied der äusseren Anteriuen entspringt ziemlich weit uiich innen von der Augenhöhlenspalte entfernt und ragt nach vorn neben dt-m seillichen Stirnrande etwas vor. Der Vorderrand der Mund- Beitrüge zur Criisfapeen-Faiinn des rothoii Meeres. 33S ölTnung zeioft in der Mitte ein vorspringendes Doppelzähnchen , zn beiden Seiten aber nach anssen hin einen klaffenden Ausschnitt. Das 3. Gh'ed der äusseren Kieferfiisse ist viereckig, mit gerade abgestutz- tem Vorderrande. Die Vorderfüsse sind hmg und kräftig, in dem vor- liegenden männlichen Exemplare ist der linke etwas stärker als der rechte entwickelt. Die Braehia überragen mit ihrer äussern Hälfte den Seitenrand des Ccphalotliorax, seine Ränder sind mit Ausnalime des innern abgerundet; das konische, aussen stark gewölbte Carpal- glied ist nach vorn und innen mit einem stumpfen Höckerzahne bewaff- net. Das dicke, leicht compresse, oblonge Handglied besitzt abgenm- dete Ränder und glatte Flächen, während die vorhergehenden Glieder leichte Körnung zeigen. Die Finger sind glatt, M^enig gefurcht, dunkelbraun, am Innenrande mit einigen stumpfen Höckerzähnen, an der Spitze löffeiförmig ausgehöhlt, der Löffelrand ganz, halbmond- förmig. Die folgenden vier Fusspaare sind massig lang, das 4. und 5. Glied etwas comprimirt, kurz, letzteres an der Aussenf]äche mit einem Längseindruck versehen; das letzte Glied ist länger als das vorhergehende, abgerundet und an der Oberseite mit rauhen, spitzen Höckerchen, die sich auch schon an den vorhergehenden Gliedern jedoch kleiner vorfinden, besetzt, die Unterseite stark behaart und kurz vor der Endklaue mit einem weissen , spitzen zahnartigen Fort- satze. — Ebenso finden sich an den Rändern der übrigen Glieder einzelne Haare, auf den Flächen feine Körner. Die Grundfarbe ist gelblich, an den Vorderfiissen mehr in's Röthliche ziehend, überall mit lichteren oder dunkleren braunen Flecken besetzt, die besonders an der Rückenseite des Cephalothorax stark hervortreten. Die Länge des Cephalothorax beträgt 8"'2, die Breite 12'". Etisodes Dana. E, scnlptilis n. Diese Art hat grosse Ähnlichkeit mit dem von H erbst (tom. HI, p. 36, Tab. 34, f. 13) beschriebenen und nhgi^hWdeten Cancer metis. Doch hat die Herbst'sche Art ein glattes Rückenschild und glatte Schetren, während hier beide eine stark gekörnte Obertläche auf- weisen. Die Länge des Cephalothorax beträgt 5'''5, die grösste Breite 7 5. Die Stirn ragt nach vorn über die Augenhöhlen stark vor, ist horizontal und durch einen mittlem und zwei seitliche Ein- 334 Heller. . sclinitle in vier Lappen getheilt , wovon die mittleren grösser und l)reiter sind als die äusseren. Der obere Augenliöhlenrand beginnt nach innen mit einem spitzen Zahne, in der breiten Ausbuelitiing zwischen ihm und dem äussern Stirnläppehen ragt der äussere Fühler hervor, er ist nach aussen hin mit zwei Einschnitten versehen. Dess- gleiclien ist der äussere Augenhöhlenzahn vom untern Augenhohlen- rande durch einen tiefen Einschnitt getrennt. Dieser ist ausgeschweift und wie der obere fein gekerbt, er beginnt nach aussen mit einem kleinern und endet nach innen mit einem grössern Zahne. Der vor- dere Seitenrand ist bedeutend länger als der hintere, durch vier Ein- schnitte in eben so viele Lappen getheilt, die in Form kurzer, spitzer Zähne vorspringen. Die Oberfläche ist hochgewölbt, die einzelnen Gegenden sind durch tiefe Furchen von einander geschieden. Beson- ders sind die drei Stirnfurchen sowie die Cervicalfurche sehr ausgeprägt. Die Mesogastricalgegend ragt mit der vordem Spitze bis zur Mitte der Protogastricalgegend hin , diese ist durch eine Längsfurche unvollkommen in zwei Lappen getheilt, wovon der innere mit dem höckerartig vorspringenden Epicastricaifcld ver- schmilzt. Die Hepaticalgegend ist undeutlich in zwei, die vordere Branchialgegend in drei Felder abgetheilt. An der liintern liälfte sind die einzelnen Gegenden weniger deutlich nachweisbar. Die ganze Oberfläche ist überdies gekörnt, die Körner in vorspringende rauhe Querlinien gereiht. Nehstdem erstreckt sich vom hintern Seiten- zahne noch eine besondere Querfalte nach innen. — Das 1. Glied der äussern Antennen ist fast viereckig, es verschliesst am Vorderende mit einem äussern Fortsatze die innere Augenhöhlenspalte, während die beiden folgenden Glieder ausserhalb dieser Spalte nach innen entspringen. Die MundöfTnung ist viereckig, breiter als lang, der Yorderrand in der Mitte mit einem vorspringenden Zahne, nach aussen jederseits mit einem schmalen und einem mehr klatfenden Einschnitte versehen. Das 3. Glied der äussern Maxillarfüsse ist viereckig, vorn schief abgestutzt. Die ungleich grossen Vorderfüsse sind an der Aussenseite ihres Carpal- und Handgliedes rauh und dicht gekörnt, ersteres ist nach vorn auch mit 3 stumpfen Höckern versehen. Der obere Rand der Hand bildet eine rauhe Höckerlinie, nach aussen mit der Andeutung einer Furche, der untere Rand ist abgerundet. Die Länge der grös- sern Scheerc beträgt 4'"5, jene des Handgliedes allein 3"'2. — Die Beilrügo zur CriistacetMi-Fauiin dt's rothöii Meeres. 335 Finger sind hornfarbig, an der Spitze weisslich und löffelarlig ausge- höhlt, an der Oberfläche gefurcht. — Die übrigen Füsse sind ziemlich kurz, leicht compress, die ersten Glieder glatt, am Rande fein behaart, das fünfte und sechste Glied am obern und das letztere auch am untern Rande mit einer Reibe feiner Stacheln besetzt und behaart. Das Abdomen des Weibchens ist länglicli oval, siebengliederig, das 2. und 6. Glied am längsten, das letzte abgerundet. Das Abdomen des Männchens fünfgliederig. Die Farbe gelblich mit röthlichen Flecken an den Füssen, Chloi'odius Leacb. Ch» niger (Forskal) Rüppell. Die Körperfarbe ist an getrockneten Exemplaren bräunlich- schwarz, an den F'emoralgliedern der acht Hinterfüsse mit kleinen weissen Makeln, an den beiden folgenden Gliedern mit weissen Querbinden und an dem letzten Gliede mit ebenso gefärbten Längs- streifen versehen, die kurze Endklaue aber gelblich gefärbt. Auch an dem Abdomen verläuft längs der Mittellinie ein weisser schmaler Streifen. Die Finger sind ganz schwarz, nur am Lötfeirande weiss gesäumt. An Spiritusexemplaren ist die Farbe mehr licht, hornartig. Die breit zweilappige Stirn ist an ihrem Vorderrande gefurcht und nach aussen hin geschweift. Die vier Zähne des kurzen, wenig ge- krümmten vordem Seitenrandes sind kurz, höckerartig; innerhalb des 2. und 3. Zahnes findet man beiderseits zwei, ziemlich vorspringende grössere Höcker. In der Mitte ist die Oberfläche fast ganz eben und glänzend, blos die Mesogastricalgegend durch eine seichte Furche umgrenzt, überall fein punktirt und mit einzelnen zerstreuten, grös- seren flachen Grübchen bedeckt. Die äusseren Glieder der Hinterfüsse sind fein behaart, das Klauenglied am untern Rande mit einer Reihe feiner Stacheln und unmittelbar vor der Endklaue mit einem spitzen zabnartigen Fortsatze versehen. Die Vorderfüsse sind ungleich gross, der rechte gewöhnlich mehr entwickelt, die Scheerenfinger tragen an ihrem Innenrande vor dem löffelartigen Ende unten gewöhnlich einen, oben zwei grössere Zähne. Abdomendes Männchen iüni-, des Weib- chen siebengliederig. Der Cephalothorax misst in der grössten Länge 5"'4, in der grössten Breite 8"'2. 336 Helle.-. Ch, MSdwitvdsii u. fftA^AuMAjUA^ tYw. v^utH*. Von (lieser Ait findet sieh in dein oben citirten Werke von"? '\ Savigny Crust. pl. ö, fig. 7 eine sehr gute Abbildung vor, welche mit den vorliegenden Exemplaren vollkommen stimmt. Da eine Be- schreibung dieser Art bisher mangelte, so füge ich dieselbe hier bei. Der Cephalothorax ist queroval, vorn massig gewölbt, nach hinten abgeplattet. Die Stirn springt über die Augenhöhlen etwas vor, ihr Vorderrand ist in der Mitte massig eingeschnitten, die beiden Hälften leicht geschw eift und am Ausseneiide in Form eines stumpfen Zähn- chens über die Augenhöhlen vorragend. Der Zwischenraum zwischen dem äussern Stirnende und dem zahnartig vorspringenden Anfange des Superciliarrandes tief ausgebuchtet. Der obere Augenhohlenrand etwas aufgeworfen, nach aussen hin zweimal eingeschnitten, der äussere Äugenhöhlenzahn klein, vom untern Augenhöhlenrande durch einen Einschnitt getrennt. Die innere Augenhöhlenspalte wird fast ganz von dem 1. Basalgliede der äussern Antennen ausgefüllt. Die vorderen Seitenränder sind stark gekrümmt, scharf und mit vier gros- sen spitzen Zähnen besetzt; unter und vor dem ersten steht an der untern Fläche ein fünfter kleiner und stumpfer Zahn. Die hinteren Seitenränder sind kurz, leicht ausgeschweift. Die Obertläche ist tief gefurcht, die einzelnen Felder mehr flach. Die Protogastricalfelder sind nach vorne und innen von den Epigastricalfeldern nur wenig getrennt; das schildförmige Mesogasfricalfeld nach vorne bis zu den letzteren verlängert und nach hinten durch eine quer verlaufende punktirte Linie von dem Urogastricalfelde getrennt. Sowohl die Hepatical- als auch die vordere Kiemengegend sind in drei Abschnitte zerfallen. Vom hintern Seilenzahnezieht eine rauhe, leicht gekrümmte Faltenlinie nach innen bis zur Cardiacalgegend hin und trennt die Anterolateral- von der Posterolateralgegend. Die hintere Hälfte des Rückenscliildes ist abgeplattet, eben. Die Oberfläche ist besonders gegen die Ränder hin deutlich gekörnt, in der Mitte und nach hinten körnig punktirt. Die Vorderfüsse sind ziemlich stark, auf einer Seite gewöhn- lich mehr entwickelt. Ihr 4'"ö langes Braehialglied ragt mit dem Aussenrande nur wenig über den Seitenrand des Cephalothorax hervor und ist am Vorderende des obern Randes mit einem kleinen Zähnchen besetzt. Der Carpus ist nach aussen staik gewölbt , am Bi'iti'äuc /Alf rfüilaCfen-Fiiiina des rothen Meeres, 3B7 iimcrii Vordei-ende mit eiiiom .spitzen Zälinelieii bewaffnet. Das Hand- glied ist bedeutend comprimirt, nach oben mit einem etwas vorsprin- genden stumpfen Kiele, der untere Rand schärfer, Carpus und Hand an ihrer Aussenfliiche und am obern Rande mit runzligen, gekörnton und zu Netzlinien verbundenen Erhabenheiten. Die abgerundeten, gegen den äussern Rand hin deutlich gefurchten und am Innenrande mit 3 — 4 kleinen Zähnchen besetzten Finger sind an ihrem Ende ab- gestutzt und lötTelartig ausgehöhlt, schwarz. Die Hinterfüsse sind bedeutend kürzer, die Glieder leicht compress, am obern und untern Rande behaart, das letzte Glied schmäler als die übrigen und aui obern Rande grobgekörnt. Länge 9"'6, grösste Breite 2^'". C/i. Dehnanii (Kratiss). Diese Art charakterisirt sich besonders durch die verlängerten Scheerenfüsse, welche mit ihrem Brachialgliede den Seitenrand des Cephalothorax bedeutend überragen, durch den vierlappigen Stirn- rand, durch den mit zahlreichen kleinen Feldchen bedeckten Cepha- lothorax, durch die rundlichen Höcker am Carpus »uid Handgliede sowie die starke Behaarung der Hinterfüsse. Die Art wird ebenfalls von Savignyl. c. pl. 5, Fig. 6 abgebildet und von Krauss, südafrika- nische Crustaceen p. 29 als Xantho Dehaauii näher beschrieben. — Das Rückenschild ist an der Oberfläche sowohl in der vordem als hintern Hälfte in deutlich vorspringende kleine Feldchen getheilt. Zwei quere Stirnfeldchen liegen unmittelbar hinter der Stirne, ihnen folgen zwei viereckige Epigastricalfeldchen; die Protogastricalfelder sind durch eine Längsftirche fast vollständig in zwei Hälften getheilt; das Mesogastricalfeld reicht nach vorn bis zu den Epigastricalfeldern hin und ist nach hinten durch eine feine Querfurche von dem Uro- gastricalfelde getrennt. Auf der Hepaticalgegend ragen 3 Lateral- feldchen in Form warzenartiger Höcker vor, die zwei kleineren liegen nach aussen innerhalb des ersten und zweiten Randzahnes, der dritte mehr nach innen; an der vorderen Branchialgegend lassen sich drei Lateralfelder unterscheiden, von denen das äusserste höcker- förmig, die beiden innern aber mehr flach sind. Die mittlere Kie- mengegeud beginnt neben dem hintern Randzahne und zeigt drei Höcker, die in einer Reihe von aussen nach innen liegen und von der hintern Kiemengegend durch eine besondere Furche getrennt wer- den. Sie entsprechen der in der vorigen Art erwähnten rauhen, vom 338 Heller. hintersten Seiten/ahno entspringenden Faltenlinie. Die hintere Kie- mengegend ist einfach. Die vordere Cardiacalgegend ist hreit, die hintere heiderseits concav verlieft. Alle diese Gegenden nnd Felder sind an ihrer Oherfläehe sowie in den Grenzfurchen fein gekörnt und punktirt. Ch* depressus n. C » ^^-^^A-^ /Uc^~ Diese Art nähert sieh in ihrer Gestalt Ch. longimanus M. E d \v. Sie hat ebenfalls wie diese einen stark abgeplatteten, an der Ober- fläche ziemlich ebenen Cephalothorax mit breiter zweilappiger Stirn, ziemlich verlängerte Vorderfüsse und die Femoralglieder der übrigen Füsse am Vorderende mit kleinen spitzen Stacheln besonders gegen das Ende hin versehen, doch unterscheidet sie sich von ihr haupt- sächlich dadurch, dass das Brachialglied der Vorderfüsse am innern (sordern) Rande blos mit einem einzigen spitzen Stachel und am obern Rande mit 3 — 4 kleinen Zähnchen versehen ist. Überdies ragt es bedeutend über den Seitenrand des Cephalothorax hinaus. Der Carpus ist nach innen und vorn ebenfalls mit einem spitzen Zahne bewaffnet, das Handglied oblong, compress, an der Aussenfläche fein- körnig punktirt, der obere und untere Rand etwas abgerundet, die Finger braun, am Innenrande gezähnt, gegen das Löffelende hin lichter. Die folgenden Füsse sind ziemlich 1 ang, massig comprimirt, nach aussen behaart. Das im Verhältniss zu den übrigen stark verschmä- lerte Endglied ist an seiner Unterseite vor der Endklaue mit einem spitzen weissen Zahnforlsatze bewaffnet. Die vorderen Seitenränder sind kürzer als die hinteren, fast gerade, mit vier Zähnen besetzt, wovon die drei hinteren spitz und stachelartig sind, während der vordere, unmittelbar hinter der Orbita befindliche, stumpf und höcker- artig ist. Die Oberfläche ist sehr flach convex, die einzelnen Gegen- den fast gar nicht abgegrenzt, sehr fein körnig punktirt; gegen den Rand hin innerhalb des zweiten und dritten Zahnes findet sich bei- derseits ein rundlicher Höcker. Die Farbe der trockenen Exemplare, von denen sich einige im hiesigen Universitätsmuseum befinden, ist röthlichbraun, an den Vorderfüssen dunkler, mit gelblichen Flecken, bei Weingeistexemplaren gelblich, an den Vorderfüssen gelblich- braun. — Länge = 4"', Breite =-5"'. Beiträge zur Criistaceeii-I<"auiiii des rotlicn .Meeres. 339 Ch, polyncanihus n. Tiif. H, Fig. 21. Eine sehr ausgezeichnete Art, deren Stellung bei Chlorodius aber nur eine provisorische sein kann, da sie durch mehrere Eigenthüm- lichkelten sich von dieser Gattung unterscheidet. Mir steht nur ein einziges Männchen zu Gebote, von welchem ich die Beschreibung hier folgen lasse. — Der Cephalothorax misst in der Länge 3", in der grössten Breite 4'", er ist massig gewölbt, auf der Oberfläche sehr uneben, die einzelnen Gegenden durch Grenzfurchen ziemlich deutlich von einander gesondert. An der Gastricalgegend kann man von den einzelnen Feldern 1 M., 2M. und 3M, deutlich von einander unterscheiden, letzteres mit sehr kurzer Spitze. Die Anterolateral- gegend wird durch die Cervicalfurche in einen vordem und hintern Abschnitt getheilt, welche der Hepatical- und vorderen Kiemenge- gend entsprechen. Die vordere Cardiacalgegend ist von der hinteren zwar durch eine tiefe Querfurche geschieden , jedoch seitlich mit der Posterolateralgegend ganz verschmolzen. Der grösste Theil der Oberfläche ist namentlich in der Vorderhälfte des Cephalothorax mit rundlichen, nach aussen hin mehr konischen grossen Höckern dicht besetzt, auf der Mesogastrical- und Cardiacalgegend fehlen dagegen diese Höcker und finden sich an ihrer Stelle narbige Vertiefungen. — Die vorderen Seitenränder bilden mit dem Stirnrand eine fast voll- kommene Bogenlinie. Der etwas über die Augenhöhlen vorspringende, stark abwärts geneigte Stirnrand ist in der Mitte tief ausgebuchtet, die beiden Lappen fein gezähnelt und nach aussen hin durch einen leichten Ausschnitt das zahnartig vorspringende Eckläppchen abge- sondert. — Die vorderen Seitenränder haben mit den hinteren fast gleiche Länge und sind mit fünf spitzen Zähnchen besetzt. — Das erste Glied der äusseren Antennen ist kurz, es erreicht blos den seitlichen unteren Stirnfortsatz, die beiden folgenden, kurz cylin- drischen Glieder entspringen in der innern Augenhöhlenspalte. Das dritte Glied der äussern Kaufüsse ist breit viereckig, der Vorder- rand ziemlich gerade und mit dem Aussenrande einen fast rechten Win- kel bildend. Die seitliche Mund- und untere Kiemengegend glatt. Die Vorderfüsse sind dick, die rechte Scheere etwas mehr entwickelt als die linke. Ihr Brachialglied reicht mit seinem Ende bis zum Seiten- rande des Cephalothorax und ist an der Spitze seines obern Ran- 340 Helle I'. des mit zwei grösseren und einem kleinern Zaline besetzt; die bei- den folgenden Glieder sind stark gewölbt und an ihrer Aussenseite mit grossen Höckern dicht besetzt, die gegen den obern Rand hin schärfer, nach abwärts jedoch mehr abgerundet sind. Die Finger sind kurz, hornfarbig, am Innenrande bis zur Spitze hin fein gezähnt, am Ende leicht ausgehöhlt, das P'ingerende des JJaumens etwas ver- breitert, jenes des Zeigefingers mit stumpfer Spitze. Die übrigen Füsse sind massig lang, das dritte, vierte und fünfte Glied am obern Rande und an der äussern Fläche mit langen spitzen dornartigen Forlsätzen versehen, das vei'läiigerte Endglied am obern und untern Rande mit kleinen Stacbelzähnen besetzt, die Endklane ziemlich lang und spitz. — Der Hinterleib des Männchens ist fünfgliederig, schmal, an der Unterseite des dritten Gliedes mit einem runden, beiderseits vorragenden häutigen Anhange. Pilodius Dana. P, spinipes n* Tiif. II, Fig. 22. Der Körper dieser Art ist ziemlich breit, wenig gewölbt, die Stirn, die ifn Ganzen kaum über die Augenhöhle vorragt und stark abwärts geneigt ist, an ihrem Vorderrande durch eine mittlere und zwei seitliche tiefe und breite Ausbuchtungen in vier Lappen ge- theilt; die inneren sind breiter, an ihrem abgerundeten Rande mit 3 — 4 feinen Zähnchen besetzt, die äusseren Lappen bestellen aus einem einfachen, spitzen, nach vorn ragenden Zahne. Von ihm durch eine tiefe Einbuchtung getrennt, beginnt nach aussen der obere Augenhöhlenrand , dessen Superciliarabschnitt etwas nach oben gewölbt und am Rande fein gekerbt ist, während der Präorbital- abschnitt in einen kürzern, der Extraorbitalabschnitt in einen spitzem Zahn ausläuft. Der untere Augenhöhlenrand , vom vorigen durch einen tiefen Einschnitt getrennt, beginnt mit einem spitzen Stacliel- zahne, ist im weitern Verlaufe mit einzelnen kleineren Zähnchen be- setzt und endet nach innen nn"t einem breiten, nach vorn ebenfalls mit einigen spitzen Zähnclien bewehrten Lappen. Die zwischen die- sem und dem Anfange des obern. Augenhöhlenrandes übrig bleibende Spalte ist sehr eng. Der vordere Seitenrand ist wenig gerundet, fast so lang wie der hintere, mit 3 spitzen, nach vorn gerichteten stachel- Beitriig-e zur CiiistüoetMi-Faiiun des rotlien Meeres. 341 förmigen Zähnen besetzt, vor ilem ersten stehen zwei ähnlich ge- staltete Zähnehen über und unter dem Rande, unmittelbar hinter der Augenhöhle. Die obere Fläche ist besonders in der vordem Hälfte durch einige Furchen in deutliche, jedoch flache, wenig vorsprin- gende Gegenden getheilt. An der Gastricalgegend unterscheidet man 1 M,, 2 M. und 3 M., letzteres mit der Spitze bis an das Vorderende von 2 M. reichend, auf der Hepatical- und vordem Branchialgegend finden sich nach aussen gegen den Rand mehrere kleinere Stacheln. Ferner ist die ganze Oberfläche feinkörnig und filzhaarig. — Das 2. und 3. Glied der äusseren Antennen entspringt ausserhalb der Augenhöhlenspalte, aus einer Ausbuchtung des Vorderrandes vom 1. Gliede, das 2. Glied ist kürzer, aber etwas dicker als das 3,, sie ragen mit der ziemlich langen Endborste in der Einbuchtung zwischen Stirn und Augenhöhlenrand nach vorn vor. Das 3. Glied der äusseren Kieferfüsse ist nach vorn leicht concav. Die Vorderfüsse sind lang, ziemlich dick, auf der einen Seite stärker entwickelt. Das Brachialglied überragt mit seiner Aussen- hälfte den Seitenrand des Cephalothorax und ist hier am obern und innern Rande mit mehreren spitzen Stacheln besetzt. Das Carpal- und längliche Handglied sind an ihrer ganzen Aussenseite mit spitzen, dicht stehenden Stacheln bewaffnet, sie stehen an dem Handgliede in Längsreihen und werden gegen den untern Rand hin kleiner und mehr höckerartig. Die Finger sind schwarz, stark gefurcht und an den vorspringenden Längsleistchen bis gegen die Mitte hin staehel- höckerig, am Innenrande mit mehreren einzelnen Zähnchen, an der Spitze löflelartig ausgehöhlt. Die folgenden 4 Fusspaare sind mas- sig lang, dielGieder leicht compress, am obem Rande des 3., 4. und 5. Gliedes mit starken spitzen Stacheln besetzt, überdies sparsam behaart. Das Klauenglied ist ziemlich lang, abgerundet, stark behaart, unten mit einer Reihe kleiner Zähnchen besetzt, die Klaue selbst spitz und dünn. Farbe bräunlich. Länge = 4'", Breite = 6'". Actumnus Dana. A. globulus II. Taf. n, Fig-. 2;j. Der Cephalothorax ist bei dieser Art stark convex gewölbt, fast kugeiförmig, der Stirnrand nach abwärts geneigt, scharf, wenig 342 Heller. vorspringend und durch einen mittlem Einsfhnitt in zwei breite Lappen getlieilt, die iiaeli aussen fast ohne rnteihrechung in den ohern leicht aufgeworfenen Augeiihöhlenr;ind übergehen. Dieser ist nach aussen hin durch Einschnitte in einen Präorbital- und Extraor- bitahd)schnitt getheilt, wovon der erstere auf der linken Seite deut- licher ausgeprägt ist, als auf der entgegengesetzten Seite. Der untere Augenhöhlenraiid ist nach aussen leicht geschweift, am innern Ende in einen grossen, breiten und spitzen Zahn ausgehend. Die innere Augenhölilenspalte ist ziemlich lang. Die vorderen Seilenräiider sind gekrümmt und bilden mit dem Stirnraiide eine regelmässige, halb- kreisförmige Bogenlinie, hinter dem Orbitalrande findet sich eine kleine Ausbuchtung, weiter nach hinten bilden die Seiten einen dün- nen, blattförmigen Vorsprung, der durch einen seichten Einschnitt in zwei Lappen getheilt wird und nach hinten fast plötzlich endet. An der Oberfläche sind durch tiefe , breite Furchen die einzelnen Gegenden stark ausgeprägt und springen schildförmig vor. Beson- ders deutlich sind die Hepatical- und Gastricalgegend und an letzte- rer die Felder: t M., 2 M. und 3 M. Letzteres reicht mit seiner Spitze bis zur Mitte von 2 M., nach hinten ist es durch eine Längslinie un- vollkommen in zwei Lappen getheilt; 2 M. ist nach aussen und vorn mit einem kurzen Einschnitte versehen. Die Hepaticalgegend ist beiderseits einfach, die vordere Kiemengegend aber durch eine schwache Längsfurche in ein äusseres grösseres und ein inneres kleines Feld getheilt. Die Cardiacalgegend ist von der Posterolate- ralgegend nur sehr undeutlich getrennt, die ganze hintere Hälfte ziemlich convex von einer Seite zur andern. Die Oberfläche ist nach vorn und gegen die Ränder hin leicht gekörnt, feinfilzig, nach hin- ten mehr glatt. Das 1. Glied der äusseren Antennen, mit der Umge- bung nicht fest verwachsen, reicht nach vorn bis zum untern seit- lichen Stirnfortsatze, das 2. und 3. Glied kurz cylindrisch, entsprin- gen von dem Vorderende des vorigen in der innern Augenhöhlen- spalte, die Endborste ist länger als die Augenhöhle. Das Epistomal- feldchen ist in der Mitte seiner Breite nach tief gefurcht. Vom Vor- derrande der MundöiTnung läuft jederseits am Prälabialfeld eine erhabene Linie nach innen und hinten. Die Muiidön'nung ist breiter als lang, an der Basis etwas verschmälert; das 3. Glied der äusseren Kieferfüsse quadratisch mit vorderem, quer abgestutztem Rande, das Beitriig'e zur Ciustnceen-Faiina des rothen Meeres. 343 Schaftglied des Palpus überragt mit seiner Spitze nach aussen den Vorderrand etwas. Die Vorderfiisse sind dick, der h'nke etwas grösser als der reeilte. Das dreikantige Brachialglied ist sehr kurz, indem es mit seinem Ende kaum den Seitenrand des Cephalothorax erreicht, die Kanten sind leicht bewimpert, die Flächen ziemlich glatt; das drei- eckige Carpal und oblonge Handglied nach aussen stark gewölbt und am vorigen mit kleinen, an diesem mit grösseren rauhen Höckern besetzt, der obere Rand scharf, der untere abgerundet, die innere Fläche glatt und eben. Die Finger äusserst kurz und dick, an ihrer Basis noch mit Höckern besetzt, an der stumpfen, undeutlich ausge- höhlten Spitze glatt und heller gefärbt. Das Daumenglied zeigt ferner an seiner Basis nach innen einen grossen runden , vorspringenden Höckerwulst. Die folgenden Fusspaare sind massig lang, die Glieder leicht compress mit abgerundeten Rändern, das letzte Glied stiel- förmig mit spitzer Endklaue, alle Glieder massig behaart. Der Hin- terleib des Weibchens, welches ich allein beobachtete, ist länglich oval, siebengliederig, das letzte Glied am längsten, breit abgerundet. — Farbe der Weingeistexemplare bräunlich. Länge = 55 — Breite = 7-2. Pilumnus Leach. Von dieser Gattung liegen mir drei verschiedene Arten aus dem rothen Meere vor, nämlich P. vespertilio, bisher blos aus dem indi- schen Ocean bekannt, und zwei andere Arten, die zwar von Savigny abgebildet, aber bisher noch unbeschrieben sind. 1*. vespertilio Lreach. Diese Art, welche im Allgemeinen mit der von M. Edw. 1. c. t. I, p. 418 gegebenen Beschreibung übereinstimmt, hat ein ziemlich stark gewölbtes Rückenschild, das besonders nach vorn sehr abwärts geneigt ist. Der Stirnrand ist deutlich zweilappig, der obere Augen- höhlenrand unbewafTnet, in seiner Mitte mit der Andeutung eines Einschnittes, der äussere Augenhöhlenzalm klein, der untere Augeti- liöhlenrand fein geziihnelt mit einem kleinen Postorbitalzahne. Die Überfläche zeigt einige flache Feldchen, die sämmtlich mit langen gelbbraunen Haaren, und auf der Anterolateralgegend auch mit 344 Helle 1-. einij^en spitzen Höckern besetzt sind. Die Vorderfüsse sind stark, gewiWmlich der rechte mehr entwickelt. Der obere und innere Band dos dreikantigen Armgliedes ist schiirfkantig, der äussere hingegen abgerundet, ersterer an seinem Vorderende mit zwei spitzen, hinter einander liegenden Zähnen bewaffnet, der äussere hingegen mit einer bogenriirmig verlaufenden Reihe runder Körner besetzt. Das Carpal- und Haiidglied sind an der Aussenseite mit groben grossen Höckern besetzt, die an jenem rauher, an diesem mehr abgerundet und in Längsreihen mehr oder weniger deutlicli geordnet sind. Der untere Hand ist glatt. Die Finger sind kurz, beide an ihrem Innenrande mit slumpten Zähnen besetzt, jene des Zeigefingers etwas grösser. Farbe gelblich mit braunen Flecken am Rückenschild. Länge ^^ 6'", Breite = 8". J*. Vauquelini Audouin. Ich finde diese Art vollkommen übereinstimmend mit der von Savigny (1. c. pl. V, f. 3) gegebenen Abbildung. Ihr Rückenschild ist 36 lang und 5'" breit, nur massig gewölbt. Die Stirn ist ziem- lich breit, durch einen mittlem und zwei seitliche Einschnitte in vier Lappen getheilt, wovon die beiden mittleren breit und stumpf, die beiden äusseren aber klein und zahnartig sind. Der obere Augen- höhlenrand ist in seinem Superciliarabschnitte etwas aufwärts gebo- gen, nach aussen hin der Präorbitalabschnitt durch zwei Nathlinien angezeigt; der äussere Augenhöhlenzahn springt wenig vor, setzt sich aber nach hinten in eine vorspringende scharfe Kante am vor- deren Umfange des Seitenrandes fort, vom untern Augenhöhlen- rande ist er durch einen Einschnitt abgegrenzt. Dieser ist einfach und nach innen mit einem sehr kleinen und stumpfen Zahne ver- sehen. Die vorderen Seitenränder sind etwas kürzer als die hinteren, zugeschärft und mit drei spitzen, vorwärts geneigten Zähnen besetzt. Die Oberfläche ist fast ganz eben und glatt, blos einige wenige rauhe, mit Härchen besetzte Querlinien ziehen von den Seitenrändern nach innen, eine kürzere findet sich hinter der Stirn. Die Vorder- füsse sind kräftig entwickelt, der rechte gewöhnlich etwas stärker als der linke. Das dreikantige Brachialglied reicht bis zum Aussen- rande desCephalothorax ; es ist ain obern scharfen Rande gegen das Ende hin mit einem spitzen Zahne bewaffnet, eben so bemerkt man am Vordeieiide des nächst f»dgenden Gliedes nach innen einen vor- Reitriig^e zur Criistaceen-Fauna «Ips lotlien Meeres. 345 springenden Höcker; nach aussen ist dieses Glied stark gewölbt. Die Hand ist oblong, compress, der obere Rand mehr abgerundet als der untere, die innere Fläche glatt und tlach, die äussere gewölbt, unten glatt, gegen den oberen Rand hin runzelig gekörnt wie am Carpus. Das Handglied an der kleinen linken Scheere ist mehr com- press, die Ränder sind schärfer, die äussere Fläche ist rauher gekörnt. Die Finger sind am Innenrande gezäbnelt, an der Oberlläche gefurcht. Die übrigen Füsse sind mittelmässig lang, bis auf das Klauenglied massig compress, mit einzebien langen Haaren besetzt. Farbe rötblichbraun (an VVeingeistexemplaren). jP. Savignyi n* Diese Art unterscheidet sich von P. Forskali M. Edw. durch den mehr abgeflachten Cephalotborax, so wie die feinere weichere Haarbekleidung, von P.s/>«wi/(?r aber durch den Mangel der Stacheln an dem oberen Augenhöhleiiraude. Übrigens stimmt sie mit beiden darin überein, dass an den Vorderfüssen Carpal- und Handglied mit spitzen Stacheln besetzt ist. Die von Savigny (I. c. pl. V, f. 4) gegebene Abbildung bezieht sich auf diese Art. Ihr Cephalotborax ist 4'" lang und 5"'4 breit, von vorne nach hinten massig gewölbt, an der Oberflache, die ziemlich eben ist, mit dünnen langen Haaren besetzt. Der Stirnrand ist durch einen tiefen mittleren Einschnitt und zwei starke seitliche Einbuchtungen in vier Lappen getheilt; die inneren sind schmal und abgerundet, die äusseren spitz und dreieckig. Der Superciliarabschnitt des oberen Augenhöhlenrandes springt an seinem Ursprung ebenfalls zahnartig vor, in dem Sinus zwischen ihm und dem äussern Stirnlappen liegt die Fühlerborste. Der obere Augenhöhlenrand verhält sich sonst ähnlich wie in der vorigen Art, der untere Augenhöhlenrand ist mit 6 — 7 kleinen Zähnchen besetzt und endet nach innen mit einem scharfen spitzen Zahne. Der vordere Seitenrand wird von dem hinteren an Länge übertroffen; er ist mit drei spitzen Zähnen bewatfnet; vor dem ersten steht noch ein anderes kleines Zähnchen, jedoch schon unterhalb des Randes. Die Vorderfüsse sind ziemlich stark, nicht ganz gleich- massig entwickelt auf beiden Seiten. Das l"8 lange Brachium ist am obern und Innern Rande gezäbnelt, der vorderste Zahn am obern Rande ziemlich stark. Die grössere Scheere ist 3'" lang, das Handglied ziemlich compress, Carpus und Hand am obern Rande Sit/.b. (). malluMii.-iiHtiirw. Cl. XLUI. lid, i. Ablh. 'i4 346 Heller. und in der oberii Hälfte der äu.» breit, an der glatten Oberfläche flach. Die Stirn springt nur wenig vor und besitzt in der Mitte zwei kleine, drei- eckige, ziemlich genäherte Zähnchen, nach aussen aber zwei einfache breite rundliche Hervorragungen, die an ihrem Rande fein gekerbt sind. Der obere Augenhöhlenrand bildet an seinem Ursprünge gar keine Hervorragung, die seitliche Einbuchtung zwischen ihm und der Stirn ist daher auch sehr gering, dagegen ist der Postorbital- zahn um so länger und spitzer, der äussere Augenhöhlenzahn klein. Der ziemlich scharfe Seitenrand geht gekrümmt nach hinten und innen und wird durch keinen Zahn in der Mitte unterbrochen. Die Armglieder der Vorderfüsse überragen den Seitenrand des Cephalo- thorax nur wenig, ihr Vorderrand ist mit 5 — 6 feinen Zähnchen besetzt, am Carpus gewahrt man nach vorn und innen zwei über ein- ander stehende ziemlich stumpfe Zähne. Das Handglied der grössern Scheere ist länglich, compress, am obern Rande stumpf, am untern scharf, während an der kleinern Scheere beide Handräiider scharf sind. Die Hinlerfüsse gestillten sich wie bei den anderen Arten. Die Körperfarbe ist dunkelbraun, an den Vorderliissen sind die Scheeren an der Innenfläche und am untern Rande der Hand sowie die Finger lichter, gewöhnlich grünlichgrau gefärbt. Die Hinterfüsse zeigen gegen das Ende der Glieder hin eine röthliche Färbung. Die von Rüppell (1. c. p. 28) als T. leucodactyla beschriebene Art ist von der eben erwähnten kaum verschieden. Boitiüge zur Ciusliitecii-Faiina des roftien Meeres. 3o3 Tetralia Dan*. Diese Gattung hat ganz die Kürpergestalt von Trapezia und unterscheidet sich hauptsächhch durch die Bildung der Stirn, welche mit zahlreichen kleineren Zähnchen besetzt ist. Der Seilenrand des Cephalothorax ist gewöhnlich unbewatTnet und das Brachialglied der Vorderfüsse ziemlich verkürzt. Zu diesem Geschlechte gehören fol- gende zwei neue Arten aus dem rothen Meere. T. cavhnnna n. Taf. II, Fig. 24, 23. Sieht T.glaberrima (Herbst) nahe, doch unterscheidet sie sich davon durch den Besitz einer tiefen, runden, mit Haaren ausgeklei- deten Grube an der Basis der giössern Scheere in der Nähe des obern Randes. Der Cephalothorax ist 6'''5 lang und 7'" breit, an der Oberfläche, besonders nach hinten stark abgeplattet. Der Stirn- rand ist bei 3'" breit, kaum vorspringend, undeutlich dreilappig, mit vielen kleinen Zahnchen besetzt, nach aussen hin unler leichter Aus- schweifung in einen Superciliarzahn übergehend, der gewöhnlich mit 3 — 4 grösseren Zähnen versehen ist. Der obere und untere Augen- böhlenrand ausgeschweift, ersterer ganzrandig, der letztere fein ge- kerbt, am Innenrande ohne Zahn. Die Seitenränder, welche mit einem spitzen Zähnchen beginnen, sind leicht zugeschärft, bogenförmig gekrümmt, ohne Mittelzahn. Das 3. Glied der äusseren Kieferfüsse ist nach vorn und aussen stark abgerundet, der Schaft des Tasters kürzer als der Aussenrand dieses Gliedes. Das Scheerenfusspaar ist ungleich entwickelt, die grössere Scheere findet sich bald rechts, bald links vor. Das Brachialglied überragt den Cephalothorax nur massig und ist am vorderen scharfen Rande fein gezähnelt und springt zugleich am Vorderende in Form eines abgerundeten Winkels vor. Das kurze, konische Carpalglied ist nach aussen stark convex und glatt, ebenso nach innen unbewehrt, am vordem und äussern Gelenk- rande fein behaart. Die über 6'" lange, grössere Scheere nacheinwärls gekrümmt, das Handglied 5" lang, wenig compress, mit obern an der Basis abgeplatteten, nach vorn hin abgerundeten Rande. Hier be- merkt man nun nach hinten und aussen die schon oben erwähnte runde, mit feinen Härchen besetzte Grube. Der untere Rand anfangs scharf, wird gegen sein Ende hin ebenfalls breiter und stumpfer. 334 Melle.'. Die Flächen sind gewölbt und glatt. Die Finger sind nach innen gewendet, spitz, am Inrienrande fein gezähnelt. Das Haiidglied der kleinei'ii Scheere ist mehr cornprimirt, die beiden Ränder sind daher auch schärfer, die charakteristisciie Vertiefung fehlt hier. — Die folgenden Fu^spaare sind kurz. Ilire Femoralglieder sind seitlich sehr zusammengedrückt, doppelt breiter als die folgenden, oben zugekielt, unten gegen das Ende hin ausgehöhlt. Die beiden folgenden Glieder sind zwar auch compress, jedoch haben sie mehr abgerundete Ränder, das letzte Glied ist dünner, wie die vorhergehenden fein behaart, die Endklaue wenig entwickelt. — Der Hinterleib des Weibchens ist siebengliederig und wie bei Trapezia gestaltet, der Hinterleib des Männchens aber auch siebengliederig, indem das dritte, vierte und fünfte Glied nicht Verwachsen sind. Das dritte und vierte Glied ist breiter als die übrigen, das fünfte und sechste viereckig, das letzte abgerundet. Die Farbe ist bei Weingeistexemplaren am Rückenschild bläulichgrau, die Füsse sind mehr bräunlich gefärbt. T, heterotlactyla n. Bei dieser Art sind die Scheerenfüsse beiderseits in der Grösse sehr verschieden und zwar fand ich unter sechs untersuchten Exem- plaren viermal die rechte und zweimal die linke Scheere vcrgrössert. Der Cephalothorax misst in der Länge 4"'5 und in der Breite S'". Seine Obcrfläcbe ist tlach convex, glatt. Der Stirnrand springt nicht über die Augenhöhlen vor, ist fast gerade, gleichmässig fein gezäh- nelt. Der Superciliarrand entspringt fast in gleicliem Niveau mit dem Stirnrand, der untere Augenhöhlenrand ist am Innenrande mit einem spitzen Zahne bewaffnet. Die Seitenränder sind ohne Mittelzahn. An dem Scheerenfusspaare überragt das Brachialglied kaum den Seiten- rand des Cephalothorax, der Vorderi'and ist scharf, gegen das Ende hin fein gezähnelt, jedoch ohne vorspringenden \\ inkel. Der Carpus ist kurz, aussen gewölbt, nach innen ohne Höcker oder Zahn. Die Scheere ist bei 4'" lang, davon kommen auf das Handglied 2"8, es ist compress mit obern abgerundeten und untern, in seiner ganzen Länge scharfen Rande; die äussere Fläche mehr convex als die innere und wie der Carpus feinkörnig punktirt, nebstdem mit ganz kurzen Härchen sparsam besetzt. Die hinteren Fusspaare verl)alten sich wie bei der vorigen Art, und sind an den äusseren Gliedern fein behaart. Die Körperfarbe ist bräunlichroth, die Unterseite der Beiträge zur Crustiioeeii-FHima Jes rotheii Meeres 3üO Scheereii sowie die Fingei* etwas lichter gefärbt. Eine Abänderung in der Färbung zeigt sich bei einigen Thieren dadurch, dass die einzelnen Fussglieder mit dunkleren (^uerbinden versehen sind. Lupa Lkach. Ij» pelngicn (liiniie) Iveach* Die Miltelzähne der Stirn sind bei allen Exemplaren sehr klein oder fehlen ganz; an ihrer Stelle findet sich dann eine mittlere rund- liche Hervorragung, die nach abwärts geneigt ist und sich an den starken, vom Epistomalfeld entspringenden Stachelzahn anlegt. So verschiedenartig auch die Färbung an der Oberfläche ist, so findet sich doch constant an der Innenseite der Hand vor der Insertion des Daumengliedes ein dunkler rother Fleck. — Die aus dem rothen Meere stammenden von v. Frauen fei d und Laurin gesammelten Exemplare des zoologischen Museums sind gewöhnlich an der Rück- seite und an den Armen grünlich gefleckt und gehören zu der Varietät: glauca und livido virescens De ha an. Doch findet sich auch eine ganz schön rosenroth gefleckte Varietät vor, die aus dem persischen Meerbusen stammt, wo sie von Kotschy bei Karak gesammelt wurde. Thalamita Latr. Th. (idniete (Herbst) L/atr. Gehört zu den Arten mit fast ganzrandiger Stirn. Diese springt etwas vor, ist in der Mitte nur leicht eingeschnitten, die beiden Aussenseiten der Stirn verlaufen fast senkrecht. Zwischen diesen und der Augenhöhle bleibt beiderseits noch ein bei 2'" breiter Raum, der nach oben durch eine stark vorspringende scharfe Falte begrenzt wird, die nach innen und etwas vor dem seitlichen Stirnrande beginnt und schief nach aussen und vorn zur Augenhöhle verläuft. Der obere und untere Augenhöhlenrand leicht ausgeschweift, ersterer nach aussen hin mit zwei Einschnitten versehen, der äussere Augen- höhlenzahn sehr gross und spitz, von dem untern Rande durch einen tiefen Ausscluiitt getrennt, letzterer nach innen mit einem abgerun- deten, leicht vorspringenden Zahne endend. Der vordere Seitenrand ist fast gerade, kürzer als der hintere und mit vier spitzen Zähnen bewaflfnet, der vorletzte kleiner als die übrigen. Die Oberfläche ist flach 356 Heller. an der Aiitero- und Posterolateralgegend etwas vertieft, die einzelnen Gegenden nicht abgegrenzt, mit feinen Körnchen überall besetzt; eine starke Querlinie auf der Regio gnatrica, die sich auch auf die Seitengegenden fortsetzt, hier nach vorn leicht geschwungen ist und an dem letzten Seitenzahne endigt, ist ebenfalls mit solchen sehr dicht gedrängten Kiirnchen besetzt, ebenso zwei kürzere Querlinien, die nach vorn auf der Proto- und Epigastricalgegend stehen. Das ßasalglied der äusseren Antennen ist mit einem langen Fortsatze ver- sehen, der die innere Augenhülilenspalte vollkommen ausfüllt und an seiner Oberfläche einen körnigen länglichen V'orsprung trägt. Die beiden folgenden Glieder entspringen ziemlich weit nach innen von der Augenhöhle entfernt neben dem Stirnrande. Die Scheeren sind sehr kräftig, die Arme am vordem scharfen Rande nebst einigen klei- neren, auch mit drei grösseren spitzen Zähnen bewaffnet, der Carpus mit in Reihenlinien geordneten Körnern besetzt, nach vorn mit vier Stacheln, unter denen besondeis der innerste sehr stark ist. Die Hand am obern Rande mit sechs in zwei Reihen stehenden Stacheln, nebstdem körnighöckerig, die Höcker nach unten und aussen in Läwgsreihen geordnet, die sich theilweise auch auf die Finger fortsetzen und dort durch Verschmelzung der Körner kleine voi- springende Leistchen bilden. Der Hinterleib des Männchens ist fünf- gliederig, jener des Weibchens siebengliederig. Th, cretifita Latr* Die Oberfläche dieser Art ist ähnlich wie bei admete mit Quer- linien besetzt, fein behaart, der vordere Seitenrand mit vier spitzen Zähnen besetzt. Der Stirnrand ist breit, fast ganz gerade, mit sechs abgerundeten Zähnen bewaffnet. Der obere Orbitalrand beginnt über dem äussern Stirnzahne, bildet nach aussen einen breiten Präorbital- zahn, der zwar so lang aber breiter und weniger spitz ist als der Extraorbitalzahn. Der untere Augenhöhlenrand endet mit einem spitzen Zahne nach innen. Das ßrachium der Yorderfüsse ist am Vor- derrande mit vier spitzen Zähnen bewaffnet, wovon der erste unmit- telbar am Vorderwinkel liegt. Die übrigen Tlicile wie bei admete gestaltet, nur fand ich im Widerspruche mit der Angabe M. E d w a r d s an den Hinterfüssen auch das Tarsalglied am untern Rande gegen das Ende hin mit feinen Stacheln besetzt. — • Die Länge unseres Exemplares beträgt 18'", die grössste ßreite 2" 5'". Beilräg-e zur rrustiioeeii-Fauna des rollieii Meeres. 357 Charybdis Dehaan. Diese Gattung unterscheidet sich von der vorigen durch den schmälern Körper, durch den kurzern Stirnrand, den mehr gekrümm- ten vordem Seitenrand, ganz vorzüglich aber durch die Beschaffen- heit des ersten Basalgliedes der äusseren Antennen, welches nur einen kurzen Fortsatz zur Augenhöhlenspalte sendet, wesshalb auch die beiden folgenden Glieder nur wenig von der Augenhöhle entfernt sind. Ch, sexdentatus (Herbst) Rüppell. Diese Art wurde schon von Forskai und später von Rüppell im rothen Meere vorgefunden, letzterer beschreibt sie (1. c. p. 4, t. I, f. 1) ausführlich, v. Frauenfeld sammelte gleichfalls ein Exemplar. Die von M. Edwards (h. nat. d.Crust. t. I, p.463) hierher bezogene Art Ch. cmnulatus, welche im indischen Ocean vorkömmt, soll nach Dehaan's Angabe (1. c. p. 42) von unserer Art verschieden sein. Cutnptonyx nov. g;eii. Taf. li, Fig'. 26—32. Der Cephalothorax ist breiter als lang, die vorderen Seitenrän- der sind kürzer als die hinteren, leicht gebogen und mit vier kleinen Sägezähnen bewaffnet. Die Stirn ist ziemlich breit, beiläufig ein Drittheil der ganzen Breite des Cephalothorax einnehmend, vor den Augenhöhlen horizontal vorspringend, ihr Vorderrand gerade und hier mit vier stumpfen Zähnen besetzt, denen sich nach aussen bei- derseits noch ein kleineres , weiter rückwärts stehendes Zähnchen anschliesst. In der Einbuchtung zwischen ihm und dem innern massig vorspringenden Augenhöblenzahn ragen die äusseren An- tennen über den Vorderrand vor. Die Augenhöhlen sind rundlich, nach vorn und aussen gerichtet. Der obere Augenhöhlenrand ist concav ausgebuchtet, nach aussen mit zwei kurzen , nicht klaffen- den, linienartigen Einschnitten versehen. Ihr unterer Rand ebenfalls ausgeschweift , die innere Augenhöhlenspalte durch das Basalglied der äusseren Antennen vollkommen ausgefüllt und dadurch die Augenhöhlen von den Antennengruben deutlich getrennt. Die Ober- fläche ist sowohl von vorn nach hinten als auch von einer Seite zur andern stark gewölbt und glatt. Die einzelnen Gegenden sind gar 3S8 Heller. nicht abgesondert und blos eine einzig'e, von dem hintersten Seiten- zahiie quer nach innen laufende, leicht vertiefte Linie an der Ober- fläche sichtbar. Die inneren Antennen liegen quer in unmittelltar unter dem Stirnrand ausgehöhlten Gruben. Das schmale Septum der- selben ist nicht stachelartig nach vorn verlängert. Das erste Glied der äusseren Antennen ist viereckig, nach vorn schief abgestutzt, mit der innern Kcke an den untern Stirnfortsatz angelagert, die äussere Ecke in einen dreieckigen Zahn verlängert, der etwas in die Augenhöhlen hineinragt. Die beiden folgenden Glieder sind kurz, cylindrisch und entspringen neben dem Zahnvorsprunge des vorher- gehenden Gliedes gerade am innern Augenwinkel und ragen nach vorn zwischen dem äusseren Stirn- und inneren Augenhöhlenzahn vor. Die MundöfTnung ist viereckig, viel breiter als lang, an dem vorspringenden Vorderrande beiderseits concav ausgeschweift, in der Mitte mit einem stumpfen VV inkel nach hinten vortretend. Das dritte Glied der äusseren Maxillarfüsse ist bedeutend länger als breit, vorn am Innenwinkel schräg abgestutzt. Der äussere Lappen von dem ersten Kaufusse länglich dreieckig, dessen Vorderrand fast gerade, gegen das innere Ende hin mit einem Ausschnitte versehen. Die zur Seite der Mundöffnuiig gelegenen Flächen sind stark ge- wölbt und glatt. Das Epistomalfeldchen ist fast viereckig, ziemlich breit. An der Sternalplatte sind die drei letzten Segmente in der Mitte durch eine Nathlinie bezeichnet. Die Füsse sind massig lang, die vorderen übertreffen die übri- gen an Länge, sind etwas compress und in beiden Geschlechtern mit einer ansehnlichen Scheere versehen , deren Handglied länglich viereckig, die Finger kurz und etwas einwärts gerichtet sind. Die folgenden drei Fusspaare sind cylindrisch, glatt und unbewaffnet, mit verlängertem, abgerundeten Tarsus und spitzem Nagelgliede, das gewöhnlich gegen das vorhergehende stark eingeschlagen ist. Am letzten Fusspaare, welches etwas gegen den Rücken hin in einem tiefen Ausschnitte an dem Hinterende des Seitenrandes vom Cepha- lothorax entspringt und auch gewöhnlich (ähnlich wie bei Porcel- lan(i) an dem Seitenrande nach vorn geschlagen erscheint, ist das Tibialgüed kurz und so wie das darauffolgende, von seinem untern Rande entspringende Tarsalglied stark comprimirt, an beiden Rän- dern bewimpert und bildet mit dem ebenfalls zusammengedrückten gegen das Ende hin spitzen Nagelgliede einen wahren Scliwimmfuss. Beilräg'e zur Crustareen-Fanna des roHieii Meeres. 339 Der Hinterleib des Weibchens ist rundlich , breit und bedeckt die ganze untere Fläciie des Sternums seith'ch bis an die Coxalglie- der der Fiisse und nach vorn bis an die Basis des Kauapparates. Es besteht aus sieben Segmenten, von denen die drei ersten kurz, die vier letzten aber ziemlich lang und breit sind. Der Vorderrand, namentlich des vierten und fünften ^Segmentes zeigt in der Mitte eine starke Ausbuchtung lind entsprecliend am hinteren Rande der nächst- folgenden Glieder einen convexen Vorsprung. Das letzte Glied endet mit abgerundetem Rande. Alle haben eine glatte Oberfläche. Der Hinterleib des Männcliens ist fünfgliederig, viel schmäler und kürzer, länglich dreieckig. Das erste Glied ist kaum sichtbar, das zweite kurz und schmal, das dritte sehr lang und breit, gegen das Ende hin etwas verschmälert, das vierte kürzer als das vorige und fast viereckig, das letzte spitz dreieckig. Das zweite Abdominalfusspaar des Männchens besieht aus einem breiten Basalgliede, welchem sich ein längeres, etwas gekrünwntes, ausgehöhltes und gegen die Spitze hin ohrförmig verbreitertes Glied anscbliesst. Vergleicht man nun dieses Genus nach den aufgezählten Kenn- zeichen mit den bisher bekannten Gattungen aus der Familie der Portiinidae, wohin es jedonfalls gehört, so findet man, dass es mit keiner derselben übereinstimmt. Von dem Genus Portumis unter- scheidet es sich wesentlich dadurch, dass die Nathlinie am Sternum die drei letzten Abdominalsegmente trennt, von Lupa durch den stark über die Augenhiihlen vorspringenden Stirnrand, durch das breite Epistomalfeld, durch die einfache, nicht stachelartig vorsprin- gende Scheidewand der Fühlergruben, durch die geringe Anzahl der Zähne am vordem Seitenrande, von TJudamita und Charybdis aber durch die ganz anders gestalteten Hinterfüsse und die abweichende Form des erslen Gliedes der äusseren Antennen, eben so hat auch das Genus Lissocarcinus eine ganz andere Körpergestalt und ver- schieden geformte Fiisse. C* politus u* Taf. II, Fig. 2G. Der Cephalothorax des Weibchens misst in der Länge 3"'6, in der Breite 4'", beim Männchen beträgt die Länge 2"'6 und die grösste Breite 2'"8. Die mittleren vier Zähne des Stirnrandes sind fast gleich gross, der hinter ihnen stellende äussere ist spitzer als 360 II o I I e r. die übrigen. Die Oberfläche ist sehr gewölbt, glatt und glänzend. Die Vorderfüsse sind beim Männchen verhältnissniässig lätiger und stärker als beim Weibehen. Die Briichiiilglieder ragen nur mit ihrem äusseren Ende iilter dt-n Seitenraiid des Cephalothorax iiervor. Es ist beim Weibchen bei 1'5 lang, dreikantig, am innern und äussern Rande gezähnt, am obern Rande bogig gekrümmt. Die Zähn- chen des Aussenrandes, 4 — 5 an Zahl, sind sehr spitz und finden sich bh)s in der ersten Hälfte, während sie gegen das Ende des Randes liin fehlen; am innern Rande dagegen stehen gerade gegen die Spitze hin 2 — 3 grössere Zähne. Der 1'" lange Carpus ist nach Vorn und innen mit einem spitzen Stachel bewehrt. Die Scheere ist 2"8 lang, hievon misst die Hand t"8. Diese erweitert sich gegen ihr Ende hin allmählich, der obere Rand ist scharf und mit zwei Zäh- nen versehen, einem in der Mitte, einem am Ende. Der untere Rand ist abgerundet, die äussere Fläche mehr gewölbt als die innere, welche abgeflacht ist, die Oberfläche glatt. Die Finger sind com- primirt, leicht nach innen geneigt, die Ränder an einander schiies- send, fein gezähnelt, die Spitzen hakig gegen einander gekrümmt, kurz. Beim Männchen ist die rechte Scheere etwas länger als die linke. Am zweiten Fusspaare ragen die Schenkelglieder bedeutend über den Cephalothorax vor, ihre Länge beträgt l"4, sie sind mehr cylindrisch, nur wenig comprimirt, eben so das 0'''8 lange Tibial- glied. Der Tarsus ist 1*^2 lang und cylindrisch, das spitzkonische, leicht gekrümmte Klauenglied ist am untern Rande leicht behaart und wird gewöhnlich gegen das vorige eingeschlagen. Die zwei fol- genden Fusspaare sind ähnlich gebaut, nur verhältnissniässig kürzer. Das letzte Fusspaar, welches nach oben mehr gegen den Rücken hin entspringt und auch zu beiden Seiten des Cephalothorax nach vorn gelagert ist, zeichnet sich durch die Abplattung der letzten Glieder aus. Das Femoralglied ist noch cylindrisch und l"'2 lang, die Tibia blos 0"6 lang und schon comprimirt, von der untern Seite entspringt mit einem länglichen Gelenksfortsatze das 1'" lange, schmale, blattförmige Tarsalglied , welches an beiden Rändern fein behaart ist und am Ende mit dem gleichfalls seitlich compriniirten, nach aussen hin spitzen Klauengliede sich verbindet. Beiträge zur Cnistaceen-Fauna des rothen Meeres. 361 Familia Catometopa. Ocypoda Fab. O. €ieyypti€tca Oersf. Wurde von Frauenfeld besonders häufig zu Rasmohnnuiied an sandigen Uferstellen gefunden. Stimmt in ihrer Gestalt ganz mit dervon Gerstaecker I. c. p. 135 gegebenen Beschreibung überein, O. corditnana Desm. Das mir vorliegende männliche Exemplar stimmt am meisten mit der von D eh a an (I. c. p. 57, 1. 15, f. 4) gegebenen Beschreibung überein. Der Cephalothorax ist 8'" lang, 9'" breit, viereckig, stark gewölbt und an der Oberfläche deutlich gekörnt. Die Cornea ist gross, der Augenstyl nach aussen nicht verlängert, der äussere Augen- höhlenzahn ist ziemlich spitz. Die Vorderfüsse sind sehr ungleich entwickelt , der rechte grösser. Das Brachialglied ist dreikantig, die zwei untern Kanten sind gezähnelt; die Hand sehr flachgedrückt, unterer Rand schärfer als der obere gezähnelte, die äussere Ober- fläche gekörnt, die innere flach, Finger mit einigen vorspringenden Längsrippchen. Die Füsse sind ziemlich lang, das dritte und vierte Fusspaar länger als das zweite. Ihre Schenkelglieder sind stark com- press, alle Glieder mit Querreihen kleiner Höcker besetzt. Der Tarsus ist an den äusseren Flächen der ganzen Länge nach, an der Innern blos gegen das Ende hin mit einer Längsfurche versehen. Das Klauenglied ist lang, lineal, deutlich gerippt und an der obern Seite gewimpert. Füsse und Rückenseite mit dunklen Flecken bedeckt. Doto Dehaan. Dm sulcatus (Forskai} Dehaan. Diese kleine, durch tief eingegrabene Furchen an der Oberfläche ausgezeichnete Art wurde ziemlich bäufig bei Tor gefunden. Der Körper ist klein, kugelig, an der obern Seite ist blos die hintere Mittelgegend (Cardiaca) eben und glatt und bildet ein dreieckiges, mit der breiten Seite nach hinten gekehrtes Schild. Die Mesogastrica Silib. il. mathem.-naturw, Cl. XLIII. Bd. I. Abtli. 23 362 Heller. ist dreilappig, die Lappen rundlich, der vordere nicht verlängert; die ganze Lateralgegeiid ist durch drei tiefe, breite Längsfurchen in drei schmale, mit scharfen Höckern besetzte Längsfelder getheilt. Der Seitenrand am Ende des ersten Ürittheiles mit einem zahnartigen Vorsprang versehen. Die Stirn ist schmal, stark abwärts geneigt und mit einer tiefen breiten Furche an der Oberseile. Die Unterseite ist an den Pterygostomialgegenden sowie an der Oberfläche der äusseren Kaufüsse mit darmartig gewundenen vorspringenden Wülsten besetzt, körnig rauh. — Eine gute Abbildung dieser Art findet sich in dem oft erwähnten Werke von Savigny (Descript. de TEgypte pl. 1, f. 3). Macrophthalmus Latr. Jf . depregsus R ü p p e 1 1. Wurde blos in einem einzigen Exemplare vorgefunden. Metopograpsus M. Edwards. Jfl. messor (Forskai} HI. Edu'ards. Diese Art wurde schon von Forskai (Deseriptio anim.p. 88)im rothen Meere beobachtet und als Cancer messor beschrieben, ebenso wird sie von Savigny (I.e. pl. 2, f. 3) abgebildet und ihrvon Audoui n in der Explication des planches de Savigny p. 258 der ^ume Grapsus Gaimardi beigelegt. M. Edwards gründete in neuerer Zeit (Annal. des cienc. nat. t.XX, p. 165) darauf das Genus Metopograpsus. Wurde von F r a u e n f e I d in einem Exemplare für das zool. Museum gesammelt. Grapsus (Laiw.) M Edwards. Cr. Pharaonis ]fl. Edwards. Der Cephalüthorax dieser neuen von M. Edwards in den Ann. d. scienc. nat. t. XX, p. 168 aufgestelllen Art ist 2" 4'" lang und 2" 6"' breit, der Körper fast viereckig, die Stirn 11'" lang, fast senkrecht abwärts geneigt, der Stirnrand leicht bogenförmig gekrümmt, fein gekerbt. Der äussere Augenhöhlenzahn sehr spitz, unter ihm steht ein zweites kürzeres Zähnchen, d^r untere Augenhöhlenrand ziemlich scharf geht ohne Unterbrechung bis zur Vorderecke der MundötVnung hin. Die innere Augenhöhlenspalte wird dadurch sehr lang und breit Beiträge zur Cnistaceen-Fauna des rolhen Meeres. 363 und durch die äusseren Antennen theiivveise geschlossen. Der Ceplia- lotliorax ist an der Oberfläche mit kurzen, queren, etwas vorsprin- genden Schuppenlinien bedeckt und an den Epigastricis mit zwei vorragenden Höckern besetzt. Die hintere Mittelgegend ist länglich, bedeutend vorgewölbt. Die Branchialgegenden zeigen zahlreiche schief von der Mitte gegen den Rand hinziehende Streifen. Der Seitenrand ist scharf, vorn zweizähnig, der erste der äussere Augen- höhlenzahn, der zweite der Epibranchialzahn, vor ihm geht die Cervicalfurche zur untern Fläche. Das Ischialglied der Vorderfüsse ist mit drei spitzen Stacheln, das Brachium am Vorderrande mit drei hinteren und zwei vorderen Zähnen besetzt, der Carpus trägt einen stark einwärts gerichteten, an der Basis platt gedrückten Stachel und ist an der Oheifläche mit einzelnen Höckern und feinen Schuppenlinien bedeckt. Die keilför- mige Hand am obern kurzen Rande mit einem starken Zahne und einigen kleinen Höckern besetzt, solche finden sich auch an der Fläche und bilden gegen den untern Rand hin zwei Längsreihen. Die Finger sind kurz, am Innenrande mit einigen Höckerzähnen, an der Spitze löfl'elartig ausgehöhlt. — Die Schenkelglieder des 2., 3. und 4. Fusspaares sind am unteren Rande gegen das Ende hin gezähnt, am 5. Fusspaare dagegen abgerundet, die Klauenglieder oben und unten mit spitzen Stacheln besetzt. Die Längenverhältnisse der einzelnen Glieder an den Fusspaaren sind folgende: Femiir Tibia Tarsus Dactylus 1. Fusspaar 8"' 6'" 8" T" 2. „ 12 3. „ 16 4. „ 17 5. „ 14 Plagusia Lata. JPf. squatnosa (HerbsO L. Durch das an der Oberfläche höckerige Rückenschild charakte- ristisch. Der Hinterleib des Männchens ist fünfgliederig, das J. Glied sehr schmal und kurz, das 2. etwas breiter, dreilappig, das 3. Glied am längsten, durch die Verwachsung des 3., 4. und 5. Segments ent- standen, die einzelnen Glieder noch sichtbar, das vorletzte quadratisch, das letzte länglicb dreieckig, zugespitzt. Beim Weibchen ist der Hinterleib siebengliederig, länglich, die einzelnen Glieder nehmen vom ersten bis zum letzten allmählich an Länge zu. Matuta Fab. iW. Victor Fab. Der Hinterleib des Männchens fünf, der des Weibchens sieben- gliederig, beide spitz dreieckig, jener beim Weibchen mit etwas breiterer Basis. Das 2. und 3. Glied besitzt in beiden Geschlechtern am Vorderrande eine vorspringende scharfe Querleiste. Das letzte Glied ist beim Weibchen am Ende stumpfer als beim Männchen. Beilräg'e /.ur Crustaceeii-Fauiia des rotheii Meeres. 3 T 3 Erklärung der Abbildungen. Tafel I, Fig. 1. Micippe miliaris. Linke, vordere Seite des Cephalothorax von unten gesehen, a äusserer Fühler, b Augenstiel. „ 2. Micippe platipes. Männchen. Linke Hälfte des Cephalothorax von unten gesehen, a äusserer Fühler, b Auge, c äusserer Maxillarfuss, cl Palpus desselben, e Abdomen. „ 3. Psetidotnicippe nodosa. Weihchen. Natürliche Grösse. „ 4. Stirntheil des Cephalothorax derselben, von vorn und oben gesehen. „ S. Unterseite des Cephalothorax. a innerer, b äusserer Fühler, c Auge, d äussere Maxillarfüsse, e weiblicher Hinterleib. „ 6. Klauenglied eines Hinterfusses derselben. „ 7. Cyclax spinicinctiis. Männchen. Natürliche Grösse. „ 8. Linker Vordertheil des Cephalothorax desselben, von unten gesehen. a äusserer Fühler, b Auge, c äusserer Maxillarfuss mit seinem Palpus. „ 9. Huenia pyramidata. Männchen. 1 Vamal vergrössert. „ 10. Atergatis Frcmenfeldi. Männchen. 2mal vergrössert. Tafel II. „ 11. Atergatis anaglyptus. Weibchen. 2mal vergrössert. „ 12. Weiblicher Hinterleib desselben. • „ 13. Actaea Schmardae. Männchen. 2mal vergrössert. „ 14. Epixanthus Kotschii. Weibchen, ly^mal vergrössert. „ 13. Linke Vorderseite des Cephalothorax desselben von unten gesehen. a innerer, b äusserer Fühler, c Auge, d äusserer Maxillarfuss. „ 16. Zozymodes carinipes. Männchen, li/gmal vergrössert. „ 17. Äusserer Kieferfuss desselben. „ 18. Tibia eines Hinterfusses desselben. „ 19. Actaeodes nodipes. Männchen. Natürliche Grösse. „ 20. Actaeodes rugipes. Männchen. Doppelt vergrössert. Tafel III. Fig. 21. Chlorodins polyacantJms. Männchen. Doppelt vergrössert. „ 22. Pitodius spinipes. Weibchen. Doppelt vergrössert. „ 23. Aciunmus globulus. Weibehen. 2mal vergrössert. „ 24. Tetralia cavimana. Vordertheil des Cephalothorax, von oben gesehen. „ 2S. Grösserer Scheerenfuss derselben, „ 26. Campfonyx politus. Weibchen. 2mal vergrössert. „ 27. ßauchansicht desselben. „ 28. Rechte Vorderseite des Cephalothorax, von unten gesehen, a äusserer Fühler, b Auge. 374 Heller. Beiträge zur Ortistaceen-Fanna des rothen Meeres. Tafel IV, Fig. 29. Männlicher Hinterleib desselben. „ 30. Äusserer Maxillarfuss von demselben. „ 31. Erster Maxillarfuss. „ 32. Zweiter Abdominal fuss vom Männchen. „ 33. Cryptochinis coraUiodytes , Weibchen, zweimal vergrössert. „ 34. Weibchen, Seitenansicht. „ 35. Männchen, doppelt vergrössert, von unten gesehen. „ 36. Rechte Vorderseite des Cephalothorax von unten gesehen, a Auge, b äusserer, c innerer Fühler. „ 37. Äussere Maxillarfüsse desselben, a mittlere Kinnplatte, h Geisselanhang (Epignallie), e T'A%ievAn\\2iX\^(Exognalhe), d Kaustück (Endognathe)- „ 38. Zweiter Maxillarfuss mit dem Palpus. „ 39, Erster Maxillarfuss. a innerer Lappen (Endognathe) , h äusserer Lap- pen (Mesognathe) , e Taster (ExognatheJ , rfGeisselanhang (EpignatheJ. „ 40. Trapezia ferruginea. Natürliche Grösse. Cephalothorax mit dem rech- ten Scheerenfuss. Hollpf . Bi'ilrri'Ji' 7.ur Crusl aioiMi Kaiiua iIcs votheii Moitps Taf.I. SU7.unä.sl).il.k.Akai\.d.W.math.natinH-.ri..\LIll. Bd,IAT)lh.l861 . Heller . Beiträge zur Cruslacepii Fauna iles Tollieii Meeres Taf.n. /?. Vl /4. Vff.' /^. //. /s. ?0. Vff.^2. Ans A.kk.HofuSlaa.lsäruckerei i.Wiai. Sitzunösb.d.k.Akail.d.W. matk.iiatunv. Cl.XLlIL li(l.lj\btk.l861. UpUim'. Ufil riiric y.vir ("riisl Kii'i'u l'iiuun des rothcii Meeres. Tl. Fgr?. I'af.ffl. -l-'-i;^ ':.^ fv-A A % 'i-,. ?. Fj^'.'f. ^-iv' /-^ V /.v^; :?<5". r^.=2. f7. /«.=,». SiUuuds\>.a.k,Aka.l.d.\V.malU.i.aliiiw.ri.XLlH. Ba.iAldi.l861, llfllfi-. Bi'itrafic ziiv Cvustaieen Fauna des rolhi'ii Mpcres 3/. Taf.lV. 30. 3^. 3S. Gci.v.D: HelU A-:" d.len der anderen und die säulenförmigen Stücke, welche man beim Zerzupfen des Lebergewebes zu erhalten pflegt, entsprechen den Füllungen der länglichen Zwischenräume zwischen den Bltitcapillaren. In ihnen und somit in der ganzen Leber gibt es keine einzige Leberzelle, welche nicht mit einer Seite einem Blutgefäss anläge. Hiervon überzeugt man sich am besten an Lebern, deren Blutgefässe injicirt sind, durch Durchschnitte, welche der Oberfläche des Lobulus parallel gehen, weil auf ihnen immer eine grosse Menge von Capil- laren quer durchschnitten ist, so dass man die Anordnung der Leber- zellen um dieselben gut übersehen kann. Bei der Beschreibung der Gallencanäle werde ich rückwärts gegen den Lauf der Galle fortschreiten, indem ich mit den zwischen den Lobulis verlaufenden gröberen Gängen den Anfang mache. Es wird häufig so dargestellt, als ob man auf dem Durchschnitte stets einen Gallengang wahrnähme, welcher sich auf der Grenzlinie zwischen zwei Läppchen hinzieht. Dies ist aber durchaus unrichtig. Es ist schon an und für sich klar, dass wenn hier nur ein Gang vor- handen wäre, er nicht gerade immer in den Schnitt fallen würde. In der That und Wahrheit nun sieht man immer mehrere Gänge, von denen sich in der Regel zwei, einer dem einen, der andere dem anderen Lobulus angehörend, durch ihre Grösse auszeichnen: sie sind natürlich bald der Länge, bald der Quere nach, bald schräg durchschnitten, so dass bald grössere, bald kleinere Stücke zur Ansicht kommen. Sie verlaufen keineswegs gerade, sondern oft in starken Krümmungen und theilen sich schon in den Interlobular- räumen dichotomisch. Von diesen Gefässen nun dringen Äste von allen Seiten in den Lobulus hinein, welche ihren baumförmig verzweigten Charakter bis zu einer grösseren oder geringeren Tiefe beibehalten , und dann in ein feines Netz zerfallen, welches sich durch den ganzen Lobulus erstreckt und dessen Fäden da, wo ich ihre Lage ermitteln konnte, den Ülier (Ich feiiHTeii Bau der Leber. 381 Kaulen, die KiKtffNipnnkte den Kcken der Leberzellen anlagen. Es verlanfen jedoch nicht auf allen Kanten der Zellen Gallencanäle. An den Kanten, welche einem Blutgefässe unmittelbar anliegen , finden sich keine, indem jeder kleinste Gallengang ohne Ausnahme ringsum von Leberzellen eingeschlossen ist. Ebenso habe ich niemals einen Gallengang gegen ein Capillargefäss verlaufen und an demselben blind endigen sehen. Zwischen den Flauten also, welche senkrecht auf die Wand eines Blutgefässes stossen, liegen auch keine Gallen- gänge. Hiermit hängt das charakteristische Aussehen zusammen, welches einerseits Schnitte zeigen, welche parallel mit der Ober- fläche eines Lobulus geführt sind, anderseits solche, deren Schnitt - richtung senkrecht dagegen gestellt ist. Wegen der länglichen Ge- stalt der Blutgefässmaschen sind in den Schnitten ersterer Art bei weitem die m.eisten Blutgefässe quer durchschnitten, so dass sie als runde rothe Flecke erscheinen, welche von den zierlichen blauen Kränzen der Gallengänge umkreist werden. Bei den Schnitten da- gegen, welche man senkrecht auf die Oberfläche des Läppchens gegen die Vena intralobularis hingeführt hat, sind die meisten Blut- gefässe der Länge nach geschnitten. Man sieht sie hier Avie parallele rothe Balken und zwischen ihnen die Leberzellen mit den polygona- len Maschen der blau injicirten Gallencanäle. Diese feinsten Gallen- canäle haben eine Dicke von i/gso bis i/ßßo Millimeter. Obgleich ihre Lage ganz der der Intercellulargänge eines Pflanzenparenchyms entspricht, so haben sie doch keineswegs die unregelniässige kantige Gestalt eines solchen Systems von Inter- cellularräumen; sie sind im injicirten Zustande vollkommen drehrund und meist von durchweg gleicher Dicke; selbst an den Knoten- punkten nimmt man keine Anschwellungen wahr. Wenn dies alles nun auf das Vorhandensein einer Membrana propria schliessen lässt, so muss ich doch andererseits erwähnen, dass es mir niemals gelun- gen ist, dieselbe isolirt darzustellen. So weit die Gallencanäle das baumförmig verzweigte Ansehen zeigen, sieht man ihre Wand recht gut, aussen am Lobulus auch das Bindegewebe, worin sie einge- bettet sind. An den feinsten netzförmigen Gängen aber, welche wie beschrieben, zwischen den einzelnen Leberzellen liegen, lässt sich nicht mehr mit Sicherheit eine besondere Membran unterscheiden. Ich habe versucht die Zellen mittelst VerdauungsflüssjHeit aufzu- 382 A n d r ej e V i ö. l'l>er «len feineren liau der Lelier. lösen, habe aber auch dann an den einzelnen frei herumschwim- menden Stückchen von bhuiem Geäst zwar vollkommen scharfe Begrenznn;;, aber keine Membrana propria erkennen können. Bei der ausserordentlichen Zartheit des zu untersuchenden Gegenstandes beweist dies alles keineswegs die Abwesenheit einer Membrana jwopria der feinsten Gänge, und die Frage, ob dieselbe existire oder nicht, muss als eine olTene betrachtet werden. Alles, was man darüber sagen kann, ist: Ihre Existenz hat viel Wahrschein- lichkeit für sich, aber der directe Nachweis fehlt. SITZUNGSBERICHTE DRR KAISERLICHEN AKADEMIE DER WISSENSCHAFTEN. MATHEMATISCH - NATURWISSENSCHAFTLICHE CLASSE. XLIII. M\d. ERSTE ABTHEILUNG. Enthält die Abhandlungen aus dem Gebiete der Mineralogie, Botanik, Zoologie, Anatomie, Geologie und Paläontologie. 27 383 XIII. SITZUNG VOM 10. MAI 1861. Herr Dr. .1. T. Koziel übersendet eine Abhandlung: „Die Physiologie des Blutkreislaufs, ein Beitrag zum Verständniss des organischen fjebens aus physikalischen Gesetzen". Herr Prof. Bedtenbacher macht im Namen der Herren Kirchhoff und Bunsen eine Mittheilung „Über zwei neue durch die Spectralanalyse aufgefundene Alkalimetalle, das Caesium und Rubidium" . Herr Dr. A. Bollett, Assistent am physiologischen Institute der Wiener Universität , überreicht eine von ihm in Gemeinschaft mit Herrn Dr. 0. Becker durchgeführte Arbeit: „Beiträge zur Lehre vom Sehen der dritten Dimensionen". Herr Dr. A. Bauer legt „Kleine chemische Mittheilungen" vor. An Druckschriften sind eingegangen: Akademie der Wissenschaften, Königl. Preuss., zu Berlin, Register für die Monatsberichte vom Jahre 1836 — 1858. Berlin, 1860; 8"" — Übersicht der Witterung im nördlichen Deutsch- land nach den Beobachtungen des meteorologischen Instituies zu Berlin. Jahrgang 1859 und 1860; 4o- — Das Klima des Preuss. Staates und des angrenzenden Norddeutschlands. Von H. W. Dove. (Zeitschrift des Königl. Preuss. statistischen Bureaus. Nr. 6. März, 1861.) 4o- Astronomische Nachrichten, Nr. 1305—1308. Altona, 1861; 4«- Au Stria, XIII. Jahrgang, XVII. und XVIil. Heft. Wien, 1861; 8o- Bauer, A., Sur l'oxyde d'Amylene (Ann. d. Chim. et d. Phys. 3^ Serie, t. LV). Paris; 8»- Cosmos, X^Annee, 18" Volume, 17* et IS-^ Livraison. Paris, 1861; 8«- 27» 384 Freiburg i. Br., Universität, Akademische Gelegenheitsschriften aus dem Jahre IS^Vei- Berlin, Kreiburg, München und Stutt- gart, 1860 und 1861; 4» und S»- Gazette medicale d'Orient, V* Annee,Nr. 1. Constantinople, 1861 ;4»- Gesellschaft, Wetterauer, für die gesammte Naturkunde zu Hanau. Jahresbericht über die Gosellschaftsjahre von August 18ö8 bis dahin 1859 und von August 1859 bisdahin 1860. Hanau, 1861 ; 8»- Istituto, R., Lombardo di scienze, lettere ed arti , Atti. Vol. II, Fase. VII, VIII e IX. Milano, 1861 ; 4<>- — I. R. Veneto de scienze, lettere ed arti, Atti. Tomo VI°, serie 3", disp. 5\ Venezia, 1860—61; So- Jahrbuch, Neues, für Pharmacie und verwandte Fächer. Herausge- geben von G. F. Wa I z und F. L. VV i n c k 1 e r. Heidelberg, 1861; 8»- Hoek, Recherches astronomiques de l'Observatoire d'Utrecbt. 1" livraison. De Tinfluence des mouvements de la terre sur les phenomenes fondamentaux de I'optique dont se sert Tastronomie. La Haye, 1861; 4»- Land- und forstwirthschaftliche Zeitung, XI. Jahrgang, Nr. 13. Wien, 1861; Kl. 4''- Mittheilungen aus J. Perthes' geographischer Anstalt, Jahr- gang 1861, IV. Heft. Gotha, 1861; 40' — des k. k. Genie-Comite, Jahrgang 1861, VI. Band. 2. Heft. Wien, 1861; So- Petition adressee au Senat sur l'affaire de M. Libri avec une iiote ä Tappui. Paris, 1861; S»- Societe Imperiale des Naturalistes de Moscou, Bulletin. Annee 1860, Nr. IV. Avec 3 planehes. Moscou, 1860; So- Wiener medizinische Wochenschrift, XI. Jahrgang, Nr. 16 und 17. Wien, 1861; 4o- Wochen-Blatt der k. k. steierm. Landwirthschafts-Gesellschaft, X. Jahrgang, Nr. 14. Gratz, 1861; 4o- Zeitschrift für Chemie und Pharmacie, herausgegeben von Dr. E. Erlenmeyer und Dr. G. Lewinstei n. IV. Jahrgang, 186t, Heft 6 und 7. Erlangen, 1861 ; So- — für Photographie und Stereoskopie. Herausgegeben und redigirt von Dr. K.J. Kreutzer. H. Jahrgang, Nr. 8. Wien, 1861; So- — des österr. Ingenieur-Vereines, XIII. Jahrgang, 2. und 3. Heft. Wien, 1861 ; 4»- 385 Geologische und mineralogische Studien aus dem südöstlichen Ungarn^ insbesondere aus der Umgegend von Rezhänga. Von Rarl F. Peters. (Mit einer geognostischen Karte und einer Profiltafel.) (Vorgelegt in der Sitzung vom 8. Juni 1860.) ') Die geologische Erforschung der Karpathenländer hat nach langem Stillstand in den letzten Jahren wieder bedeutende Fort- schritte gemacht. Nicht durch die That Einzelner, denn was ver- mag der Privatgelehrte heutzutage in kurzer Frist auf einem so um- fangreichen Terrain erhebliches zu leisten? — wohl aber durch das Zusammenwirken vieler erprobter Arbeitskräfte, wie sie die k. k. Reichsanstalt in's Feld zu stellen vermag. Ihnen gelang in einem Jahre die Ühersichtsaufnahme des ganzen nördlichen Ungarn, in einem zwei- ten Jahre haben sie den grössten Theil von Galizien und die östliche Hälfte Siebenbüi'gens zu Papier gebracht. Bald wird es zwischen den Schweizer Alpen, den böhmisch-schlesischen Gebirgen und den Üonaufürstenthümern keinen Fleck Landes mehr geben, der sich nicht auf Grundlage von zusammenhängenden Beobachtungen und durch geschickte Verbindung derselben mit zahlreichen, vereinzelt unbe- deutenden Localstudien in das geologische Gesammtbild Österreichs einbeziehen Hesse. Um dieselbe Zeit als die Staatsgeologen zu ihrer ersten Cam- pagne in Ungarn rüsteten, wurde einigen Professoren an den Pest- ') In dieser Schrift, welche ursprünglich für eine umfassende Monographie des ßihar- gebirges bestimmt war und seit mehr als l^^'j Jahren druckfertig liegt, konnten weder alle Arbeiten der k. k. geologischen Reichsanstalt in den Jahren 1839 und 1860 noch andere, in neuester Zeit erschienene Abhandlungen benutzt werden. 386 Peters. Ofiier Lehranstalten die Ehre zu Theil, vom hohen Gouvernement mit der wissenschaftlichen Untersuchung eines Theiles von Ungarn betraut zu werden. Die Herren Dr. A. Seh midi und A.Wastler als Topographen und Ersterer als Leiter der ganzen Unternehmung, Dr. A. Kerner als Botaniker und ich als Geolog traten zusammen um die uns frei gestellte Wahl des Arbeitsgebietes zu tretfen. Da nun die Staatsgeologen das nördliche Ungarn so eben in Angriff nahmen, die Untersuchung des Bakonyer Widdes und seiner Adnexen von Kern er in botanischer Beziehung, von mir (im Auftrage der geologischen Reichsanstalt) geologisch bereits begonnen war, einige Theile des Banats durch Kudernatsch erst in neuester Zeit stratigra- phisch sehr genau und vortrefflich erforscht worden sind (Sitzungs- berichte d. kais. Akademie, Bd. XXIII, S. 39), anderseits HerrBergrath Franz v. Hauer das Gebiet der reissenden Koros, zwischen Gross- wardein und der siebenbürgischen Grenze, kürzlich besucht und beschrieben hatte (vgl. Jhrb. d. geol. Reichsanstalt 18S2, I. S. 15), schien mir und meinen Collegen die Untersuchung des B i h a r g e b i r- ges und seiner Verzweigungen im Gebiete der schwarzen und der weissen Koros, der Szamos- und Aranyos- Ursprünge am meisten empfehlenswerth. Ein zwischen 5000 und 6000 Fuss hoher Bergwall , weit ver- breitete Mittelgebirge, tief eingeschnittene Thäler, der Bergbau von Rezbanya und Körösbanya, eine voraussichtlich sehr reiche Vegeta- tion, endlich ein eben so interessanter als — in Ungarn — übel- berufener Volksstamm, das alles wirkte so anziehend, dass wir uns bald über diese Wahl einigten. Sie wurde vom hohen Gouvernement gut geheissen und der Herbst 1858 zur Ausführung bestimmt. Unser Gebiet war — nicht nur uns, sondern überhaupt — so gut als unbekannt. W^as wir aus den wenigen in der Literatur vor- findigen Daten und aus den, mein Fach anbelangenden Materialien von dort entnehmen konnten, war sehr geeignet unsere Begierde zu spannen, nicht aber uns hinlängliche Anhaltspunkte über geolo- gische oder pflanzengeographische Verhältnisse zu bieten. — Beu- daut, um nur vom Geologischen zu sprechen, kam nicht nach Osten, erfuhr auch nichts wesentliches über jene Gebirge, Fi cht 1 ander- seits war nicht so weit herüber gegen Ungarn vorgedrungen, die älteren Reisenden gingen in der Regel aus dem Banat in's südliche Siebenbürgen und betraten die ungarische Grenze erst bei Kapnik. Geologische iiiicl miiieralogisclie Studie» aus dem südöstlielien Ungarn. 38 T Nur unser verewigter Partsch, dessen Manuscriptkarte von Sieben- bürgen mir Herr Director Hörnes freundlichst anvertraute, hatte seine Tour über Rezbanya genommen, aber dort nicht länger verweilt. Auf Haidinger's Übersichtskarte der österreichischen Monarchie wurde dieses Terrain nach den Aufzeichnungen von Partsch, nach einigen Angaben der Bergämter und den reichhaltigen Gesteinssuiten ausgeführt, welche der ehemalige k. k. ßergmeister Szajbölyi in Rezbanya, leider ohne Angabe der Lagerungsverhält- nisse und ohne deutliche Versteinerungen , an dask. k. montanistische Museum eingeliefert hatte i). Ähnliche Sammlungen kamen zur selben Zeit dem ungarischen Nationalmuseum und der Pester Universität zu und wurden von mir schon vor der Reise benützt. Dagegen suchte ich vergeblich im Archiv der Reichsanstalt nach monta- nistischen Rapporten oder Grubenkarten aus dem Gebiete von Rez- banya (wie dergleichen von den meisten Bergrevieren der Monarchie dort aufbe\\ahrt werden), was im vorhinein keine günstige Aussicht auf etwaige Vorarbeiten eröfTnete, die des altberühmten Bergortes würdig gewesen wären. Noch muss ich erwähnen, dass mir Herr Dr. Julius von Koväts, Custos am Nationalmuseum, der in Gesell- schaft seines Collegen, des Entomologen Emr. v. Fridvaldsky Rezbanya und seine Umgebungen vor wenigen Jahren besucht hatte, einige Auskünfte über das Ziel unserer Reise gab, die sich allerdings mehr auf die Betriebszustände des Bergbaues als auf geologische Verhältnisse bezogen und wahrlich nicht geeignet waren, mich zu ermuthigen. Nach allem dem vermeinte ichiniBihargebirge einen syenitischen Gebirgsstock mit einem Mantel aus Gneiss, Glimmerschiefer und Thonschiefer zu finden, an seinem Fusse eine reichliche Folge von Kalksteinschichten (die Heimat der bekannten Tropfsteinhöhlen Fonacza, Onceasa u. s. w.) mit den rothen Schiefern und Sandsteinen die den Werfener Schichten der Alpen zum Verwechseln ähnlich sahen. Den Mangel an Versteinerungen glaubte ich eher der, unseren Mon- tanistikern eigenen Art zu sammeln als einer grenzenlosen Armuth der Schichten an organischen Resten zuschreiben zu dürfen und so ') Die Übersichtskarten Siebenbürgens von Acknei- (Mineralogie Siebenbürgens, Her- mannstadt, 1853) und Dr. Knöpf ler (.\intlicher Bericht über die 32. Versammlung d. Naturf. u. A.) kommen, obwohl sie die Landesgrenzeu überschreiten, für dieses Gebiet nicht in Betracht. 388 Peters. I»egyb ich mich in bester Huffnuiig auf die Reise, obgleich ich mir nicht verhehlte, dass die geologische Erforschung eines umfangrei- chen, stratigraphisch noch ganz unbekannten Gebietes mit den Studien des Botanikers und der Topographen kaum würde gleichen Schritt halten können. Die Interessen sämmtlicher Fachmänner unserer Reisegesell- schaft, insbesondere die des Botanikers erheischten zunächst den Bestich des Hochgebirges, also des eigentlichen Bihar. Wir begaben uns desshalb über Grosswardein und Belenyes zunächst nach Rezbanya (am 2. August), von wo wir unsere Excur- siurien bis nach Scherisciora am Aranyos ») und in das Gebiet des Galhinaflüsschens ausdehnten, welches bei Petrosz aus dem Gebirge in die Diluvialebene des oberen KörösthaJes austritt. Die zweite Station iiielten wir in V^asköli (ungar.) am Fusse eines interessanten Kalk- steinmitlelgebirges, eine Meile westlich von Rezbanya, setzten dann über nach Halmagy an der weissen Koros und kamen bis Körösbanya. Hatte uns das Wetter schon in der Umgebung von Rezbanya übel mitgespielt und das Lagern im Freien einigermassen verleidet, so wurde durch die anhaltenden Regengusse das Terrain um Vasköh und Halmagy völlig unpraktikabel. Zudem war Schrnidl durch ein bedenkliches Unwohlsein genöthigt von Körösbanya nach Belenyes, dem politischen Hauptorte des Siidbiharer Berglandes und später gar nach Ofen zurückzukehren, wodurch unsere Reise eine bedauerliche Störung erlitt. Die projectirten Quertouren von der weissen Koros bis an die Märos oder wenigstens bis an die Wasserscheide wurden durch das Anschwellen der Gebirgsbäche vereitelt. Eine einzige konnten wir auf der Weiterreise entlang der weissen Koros von Bonczesd aus unternehmen bis in das Dorf Szlatina nächst dem A Punkte Drocia und von dort zurück nach Buttyln. Mit einer sehr tlüchtigen Kenntnissnahme von den Verhältnissen dieses Flussgebietes uns begnügend, gingen wir nordöstlich über Dezna nach dem freund- lichen Eisenwerks- und Badeorte Moniäsza (rom. Monesa), von wo ans wir die Südostseite der Gebirgsgru{)pe zwischen der schwarzen und weissen Koros mit ihrem Haiiptkammc (Pless-Kodru) besuchten ') Die lein riiinänisohen Orts- und Ber^'nampii schreibe ii-h iii'iiriimBnisi'h-itnlienisih, «tie /.weifelhHften uiui m«f;yiiri.sirlpn ungarisch , wie sie auf den ganffhiiien Karlen Terzeichnel .sind. Geologische und mineialogisclie Studien aus dem südöstlichen Ungarn. 389 und kehrten dann über das Gebirge nach Vaskoh zurück. Mittler- weile hatte sieh das Wetter gebessert und verstattete, dass wir die zweite — nördliche — Partie des Hochgebirges, die Muntje von Pe- trosz in Angriff nahmen, deren schrofTe Abstürze gegen die Ebene längst Gegenstand meiner Sehnsucht waren, die aber als ein völlig unbewohntes Terrain von etwa 10 Quadratmeilen und einer Meeres- höhe von vier- bis fünftausend P'uss für eine langsam vorsclireitende Caravane von Naturforschern mit dem unvermeidlichen Lagerzeug und dem oft mühsam herbeizuschafTenden Proviant für 3 — 6 Tage nur unter günstigen Umständen zugänglich war. Wir wurden auch hier einige Male vom Wetter arg gefoppt, doch konnten wir die noth- wendigsten Duichschnittslinien bis in die obersten Thäler des Szämos und der wilden Koros ziehen. Gern wäre ich den Zuflüssen der letz- teren, insbesonders dem Jadbache bis an die Poststrasse von Gross- wardein nach Klausenburg gefolgt, um meine Beobachtungen mit denen v. Hauer's (1. c.) inniger zu verknüpfen, doch war mir der Abschluss des Gebietes der schwarzen Koros noch wichtiger und unerlässlich zur Abrundung des kleinen Ganzen, welches auf der beiliegenden Karte dargestellt ist. Ich nahm desshalb für die letzte Woche des Septembers Station in Belenyes, untersuchte den Nordabhang der Plessgruppe, kam wesllich bis Urszäd, wo die schwarze Koros in's Niederland austritt, und nördlich bis Szohodol- Lazur, von wo das Kalksteingebirge in nordwestlicher Richtung mit Einschluss des A Punktes Magura bei Bukorväny fortstreieht, um sich dann zur reissenden Koros zu wenden. Endlich reiste ich über Venter und Tenke auf der niedern Diluvialterrasse, welche das tertiäre Hügelland von der unabsehbaren Alluvialebene scheidet, nach Gross- wardein zurück. Diese kurze Andeutung über unsere Reiseroute glaubte ich voranschicken zu müssen, um einen beiläufigen Massstab für die Genauigkeit meiner Beobachtungen zu geben, insofern sie auf der Karte ausgedrückt sind. Als Übersichtskarte eines Gebietes von nahezu 100 Quadratmeilen, in welchem doch nur einzelne Punkte und Linien mit Sorgfalt untersucht, ganze Regionen nur aus der Entternung beurtheilt werden konnten, möge sie weder über- noch unterschätzt, mit einem Worte als eine Vorarbeit aufgenommen werden, als ein brauchbares Substrat für dereinstige Detail- studien. 390 P e l e I s. Einzelne Lücken in dieser Karte wären noch bedenklicher geblieben, hätte ich nicht auf nnserer Reise einen Mann kennen gelernt, den sein Beruf im ganzen Comitat herumführt, und der mit einer glücklichen Beobachtungsgabe einen schätzenswerthenSammel- fleiss verbindet. Es ist dies der k. k, Forsttaxationscommissär, Herr Thomas Ambros in Grosswardein, ein wissenschaftlieh gebildeter Beamter, der unter anderen Verhältnissen wohl im Stande wäre zu leisten, was der Staat von einem rationellen Porstmanne erwartet. Indem er mir sein ganzes Materiale freundlichst vorlegte mit ge- nauer Angabe der Localitäten und etwa aufgeschlossenem Lagerungs- verhältnisse, erhielt ich eine Menge von Thatsachen über die von uns nicht besuchten Örtlichkeiten, insbesondere aus dem Gebiete der weissen Koros. Auch dem k. k. Bergamte in Rezbänya, dem gräflich Waldstein'schen Hüttencontrolor Herrn KinzI in Moniasa , den gewerkschaftlichen Beamten in Petrosz, Herren Director Niederle und Verwalter Koväsznai, dem Herrn Bezirksactuar von Koszstin in Belenyes u. A. bin ich wegen freundlicher Förderung meiner Arbeiten, vielen Personen für theilnehmendes Interesse zu Dank verpflichtet. Die aus meinen Vorstudien geschöpften Vermuthungen über die geologische Natur des Bihargebirges fnnd ich in der Natur keines- wegs bestätigt, weder die Verhältnisse so einfach, wie ich sie mir gedacht hatte, noch die Aufschlüsse so instructiv. Der eigentliche Bihar (neuromanisch Biharia) ist ein nach NNW. bis N. streichender Schiefergebirgskamm, dessen Sattelhöhe (la Jocu) 4757 Fuss über d. M. beträgt, dessen Hauptgipfel, die Cucürbeta 5840 Fuss hoch ist. Sowohl der ziemlich jähe südwest- liche Abhang, als auch der minder steile Abfall nach 0., welcher das fächerförmige Gebiet des Aranyos bildet, ist tief durchfurcht von ziemlich complicirten Querthälchen. Die der ungarischen Seite haben einen zur Axe des Gebirges beinahe rechtwinkeligen Verlauf von lYi — 1^2 Meilen Länge, bevor sie das offene Hauptthal zwischen Kristyor und Belenyes erreichen; an der siebenbürgischen Seite sind sie als Quergräben sehr kurz und gehen alsbald in tief eingeschnittene Längenthälchen über, die erst nach einem Verlaufe von 1 Meile und darüber in complicirte Spalten eintreten und dann wieder den Cha- rakter von Querthälern annehmen. Die Thalsohlen liegen bei nahezu gleichen Abständen von der Kammlinie auf der siebenbürgischen Seite um 7 — 900 Fuss höher als im Gebiete der schwarzen Koros, (ieologisclie und iriiiieriilogisclie Studien aus dem südöstlichen Ungarn. 391 was insbesondere dem massigen Gefälle der Läiigenthäler zuzu- schreiben ist. Das Bergstädtchen Rezbänya liegt im unteren Drittheil des nördlichen Querthaies, dessen Bach im Widerspruche mit dem hydro- graphischen Vorrang des (südlichen) Pojanathales (Pojena, neurom.) die Ehre hat, schwarze Koros zu heissen. — Ungefähr V* Meilen nordöstlich davon beginnt der Kamm des Bihar. Bis zur Cucürbeta %^/iz Meilen lang, geht er mit einer leichten S-förmigen Krümmung (auf siebenbürgisches Gebiet) in die gleichstreichende und fast eben so lange Gaina (4697 Fuss) über, die zwischen dem südlichen Flügel des kleinen Aranyos und den Zuflüssen der weissen Koros allmählich absinkt, bis sie in der Nähe der gut gebauten und bevölkerten Ort- schaften Ober- und Unter-Vidra (2064 Fuss), als einfacher Rücken ihr Ende erreicht. An die beiden Enden stossen ziemlich verwickelte Gebirgsmassen. Obgleich dieselben Schiefergebilde in sie fortsetzen und der Höhen- unterschied nicht sehr beträchtlich ist, erlangen sie doch einen, vom Biharkamm völlig verschiedenen Charakter durch mächtig auf- gelagerte und zum Theile das Terrain beherrscliende Kalksteine. Im Südosten tritt der Unterschied weniger scharf hervor , denn da be- ginnt das Kalksteingebirge in der Form von einzelnen, einseitig schroffen Gräten, die wir auch viel zu wenig kennen gelernt haben, um uns über ihre Natur entschieden aussprechen zu können ; nördlich dagegen breitet sich über eine Zwischenlage von Sandstein ein mächtiges Kalksteinmassiv aus, welches einen Flügel bis gegen Rez- bänya und das Hauptthal hereinwerfend , von Massengesteinen, namentlich von Syenit und Porphyr durchsetzt, umlagert und eingeengt wird. Zahllose Kessel beherbergend, von unterirdischen Wasserläufen durchwühlt, bedeckt dieses Massiv einen Flächenraum von mehr als 3 Quadratmeilen, 2 Meilen breit von den Kämmen der Batrina (Betrana), welche in die Schiefergründe des Szämos abstürzen, bis zu dem , theilweise aus Schiefern und Sandsteinen, zum Theil aus Syenit bestehendem Westrand. Diesen Rand durchbricht das Galbinaflüsschen, nachdem es den ganzen Wasserreichthum des Kalksteingebirges gefasst hat beim Eisenwerk und Dorf Petrosz (103ä Fuss Meereshöhe), um unter gleichen Verhältnissen, wie die oberen Zuflüsse der schwarzen Koros, das heisst, in einer vom Diluvium erfüllten Seitenbucht des 392 Peters. tertiären Hügel- und Terrassenlandes zur Hauptbucht von Belenyes (628 Fus.s) zu gelangen. Weiter nördlich weicht das Kalksteingebirge mächtigen Porphyr- (Porphyrit-)massen, welche in den Sandstein und Schieferschichten bis zu einer Meereshöhe über 5000 VV. Fuss ansteigen und gegen die Ebene von Belenyes einen imposanten Absturz kehren, dessen malerische Wirkung die vorliegenden Syenit- und Sandsteinberge nicht abzuschwächen vermögen. Diese Porphyre erstrecken sich zwischen dem Jadbacb und dem Draganthal nördlich, also in der Richtung von Rezbanya gegen Feketelö (an der Klausenburger Strasse) als ein gewiss 1^/^ Meilen langer und stellenweise fast 2 Meilen breiter Stock, welcher an sei- nen Einschnünmgen wohl ein und das andere Mal tief einsinkt (wie an der Stina de Valle zwischen dem Vurvul Pojeni und der Piatra Babi), im Übrigen aber eine beinahe ebenflächige Plattform besitzt i). Gegen die ungarische Ebene hin, zunächst gegen das tertiäre Hügelland, welches zwischen der Linie Tenke-Grosswardein und dem Gebirge eine 3 — 41/3 Meilen breite Zone bildet und eine Meereshöhe von 110 — 150 Klafter einhält, behaupten die-Eruptiv- gesteitie nicht lange ihre Herrschaft. Schon bei Meziad (Mediadn) nordöstlich von Belenyes, einem wegen seiner schönen Tropfstein- höhle in neuester Zeit oft genannten Ort, legt sich wieder das Kalk- steingebirge vor, mit einem ziemlich steilen Bruchrand aus den ter- tiären Ablagerungen aufsteigend, erlangt aber bei weitem nicht die Höhe, welche die gleichen Schichten östlich von Petrosz inne haben, sondern gestaltet sich in seiner Ausbreitung gegen Norden — wie Hauer (1. c.) es beschreibt — zu einem karslartigen Phiteau, dessen ziinächt am Hochgebirge sich erhebenden Kuppen nicht über 350 Klafter erreichen, dessen am weitesten gegen das Hügelland vor- s[)ringen(ler Gipfelpunkt, die oben genannte Magura, nur 263 Klafter Si'ehöhe einnimmt. Das Gebirge zwischen der schwarzen und weissen Koros, wel- ches auf einigen älteren Übersichtskarten ganz übersehen, das heisst mit der Farbe der Mioceiiablagerungen überstrichen wurde, ist eine ') fib die vom .laHliach durehschnUtenp Porphyrmasse, die Prof. Schmidl auf seiner /.vvfileii Heise im Herlisl I8;)9 passirtp, initdem Haii|itst()ck direel zii.sammenlian{ft, i«l mir nicht hekannl. Am wahrscheinlichsten und den jenseitigen Beobachtungen von Hauer'« aui hexten enl.spiechend ist die auf der Karte verzeichnete Korni. fieologische und niiiieralogische Studien aus dem südöstlichen Ungarn. 39»? sehr ansehnliche Masse von ziemlich verwickeltem Bau. Es bestellt aus einem schroffen, nach Süden hin bis in's Niveau der Neogen- ablageruiigen blossgelegten Hauptkamm von geschichteten Porphyr- gesteinen, der wie der Bihar in nordwestlicher Richtung streicht und eine Meereshöhe von ö23 — 586 (Pless A) Klafter einnimmt. Seine Länge beträgt nach einer beiläufigen Schätzung nicht über 1 i/a Meilen. An und auf ihn lagern sich nördlich und östlich mäch- tige Schiefer und Sandsteinmassen, die mehr als zwei Drittheile des ganzen rundlichkuppigen Wald -Gebirges ausmachen und von Vaskoh bis Urszäd (Ursadu) der Koros ihren Lauf vorzeichnen. Aus ihnen erheben sich die ältesten Schiefergesteine des Gebietes noch einmal zu einer kanimförmigen Masse, zwischen dem Ponkoiberg (ungefähr 500» M. H.) und der Ruine Deva, auch glaube ich dass sie weiter westlich und näher am Hauptkamm noch ein zweites Mal auftauchen. Von Kalksteinschichten fand ich am nördlichen Rande nur die ältesten, d. h. unmittelbar auf den Sandstein folgenden Gebilde in grösserer Verbreitung, ohne dass sie auf die Physio- gnomie des Gebirges einen wesentlichen Einfluss übten. An der Koros seihst, welche durch eine Längenspalte im Nordrand des Gebirges aus der Bucht von Belenyes im Flachland ausbricht, bilden sie einige schroffe Felsmassen, die aber alsbald unter das Niveau der Tertiärablagerungen tauchen. Dagegen ist zwischen dem Hauptkamme und dem Ponkoizuge, nördlich von Moniäsza, eine beträchtliche Kalksteinpartie versenkt, die nicht nur die älteren Schichten, sondern ziemlich junge Gebilde in sich schliesst. Sie erlangt, von Moniäsza gegen Vaskoh umbiegend, die ansehnliche Breite von etwa 1 1/3 Meilen und lehnt sich, theils auf Sandstein, theils unmittelbar auf rothe Schiefer gelagert, an eine Zone von Thon-(Grauwacken-)sehiefer, die bei Dezna mit nordwestlichem Streichen beginnt, dann aber nach 0. und NO. umschwenkt, um in einem kegelförmig gipfelnden Grat, dem Moma (429-17 Klafter A Wastler) südlich von Vaskoh die Wasserscheide zwischen der schwarzen und weissen Koros zu gewinnen und sich alsbald durch den 331 Klafter (barom W.) hohen Djalu (Dealul) inare zwischen Kristyor (Crisciora) und Läzur mit den gleichartigen Schieferge- bilden des Bihar in Verbindung zu setzen. Diese Kalksteinpartie innerhalb Moniäsza und Vaskoh in östlicher, zwischen den Eisenhütten Restirato und Brieny in nördlicher Rieh- 394 Peters. tung sich ausdehnend, hat wieder eine karstartige Natur. Nicht dass sie eine eigentliche Plattform besitze, soll damit gesagt sein, denn sie beherbergt zwischen Höhen von mehr als 400 Klafter über dem Meere ziemlich tiefe Thaleinschnitte, diese selbst sind aber nichts anderes als reihenweise angeordnete und in einander verfliessende Kesselstürze mit ärmlichen Tagwasserläufen, zwischen denen es eine zahllose Menge von trockenen kleinen Kesselthälchen und Dollinen jedweder Grösse und Tiefe gibt. Das stratigraphische Gegenüber dieser vieldurchnagten Kalk- steinmasse — jenseits desBihar — hat einen andern Charakter. Es ist ein solides, ohne Dazwischentritt von Sandstein, unmittetbar auf den rothen Schiefern ruhendes Kalksteingebirge, zu unterst ein wenig dolomitisch, von geräumigen Spaltenthälern durchfurcht. Es setzt aus dem Aranyosthal bei Scherisciora (oder Scarisciora) bis zu dem Kamme Kaliniasza fort , der die südlichen Thäler von den letzten Ursprüngen desSzämos scheidet. Hier tritt es nun freilich ganz nahe an die Batrina heran, an den Grenzkamm des oben beschriebenen Kesselterrains östlich von Petrosz, es ist desshalb wahrscheinlich, dass es in seinem nördlichen Theile sich Jenem auch dem Baue nach nähert. Wir lernten eben nur seine südliche Hälfte kennen, als wir vom VValdhause Distidiul aus die wundervolle Eishöhle besuchten. Doch so viel ist gewiss, dass es in der Hauptmasse kein Dollinen- terrain ist. Überhaupt herrscht ein ziemlich aufTallender Gegensatz sowohl in der GesteinsbeschalTenheit als im Bau offenbar gleicher Schichten auf der siebenbürgischen und ungarischen Seite, ein Gegensatz, der schliessen lässt, dass an der Stelle des heutigen Bihargebirges schon in frühen Perioden der Erdgeschichte eine Grenzscheide bestand. Eben so verschieden ist auch die Culturentwickelung der beiden Länder, insbesondere was den heimischen Volksstamm betrifft. Hüben kraftvoll, rauh, urwüchsig schön wie die Urwälder seines Bodens; drüben am jähen Abfall in"s Niederland, im Hügelland und gar in der Ebene ohne die nöthige Bildung zur Landwirthschaft gezwungen und doch in ihr nicht recht heimisch, ist er im Contact mit dem herrschenden Volk der Steppe sichtlich verkümmert! Der Bihar ist also eine natürliche Grenze im vollsten Sinne des VS'^ortes. Im Gebiete der weissen Koros, vornehmlich am südlichen Gehänge treten ganz andere geologische Elemente auf und ist Geologisclie und mineralogische Studien aus dem sndöstlichen Ungarn. 391> desshalb auch der Bau und alles was davon abhängt, wesentlich ver- schieden vom Thale der schwarzen Koros. Einnnal ist das Grund- gebirge, welches als Wasserscheide der Koros und der Maros bei- nahe rein westöstlich streicht, nicht ein Schiefergebirge von schwan- kendem und problematischem Cbarakter, als welches wir den Bihar im Folgenden kennen lernen werden, sondern allem Anscheine nach gemeiner Glimmerschiefer, der im äussersten Westen, in der Umgebung des Hegyes, von granitischen Gesteinen durchsetzt wird 1). Rothe Schiefer, ältere Sandsteine und dgl. scheinen (an der Südseite) gänzlich zu fehlen, dafür thut sich im Osten, in der grossen Mulde von Körösbänya der — wenigstens zum Theil — tertiäre Karpat he n Sandstein auf und reicht, von Neogengehilden grossen Theils überlagert, vermuthlich bis an die Abhänge' der Gaina und südlich bis an den Hegyes. Das Mittelstück des Thaies, — seine ganze Länge vom Ursprung der weissen Koros bis zu ihrem Austritt in die Ebene unterhalb Butt- yin gerechnet — , wird beherrscht von einem mächtigen vulcanischen Gebirgsstock, dem wohl schon die Magura südwestlich von Körös- bänya angehört und der im directen Zusammenhange mit ihr oder doch nur auf eine kurze Strecke unterbrochen, vom Badeort Also- Väcza an über Halmagy bis Talacs fortsetzt. Zwischen beiden letztgenannten Orten fasst er den Fluss in eine mehrfach gekrümmte Spalte, die auffallender Weise nur ein kleines, mit massig hohen Neogenablagerungen verbundenes Segment von der grossen Masse abschneidet. Auf der Haidinger'schen Karte ist dieser vulcanische Stock als Augitporphyr und Melaphyr" bezeichnet. Ich kann nun freilich nicht leugnen dass in der südwestlichen Umgebung von Körösbänya etwas dergleichen vorkommt. Ich selbst fand Geschiebe davon in einem aus Karpathensandstein hervorbrechenden Bache, die Hauptmasse aber bei Väcza, Halmagy u. s. w. istTrachyt und der ganze Stock, dessen wenig prominirende Gipfel die Meereshöhe von 500 Klafter wohl kaum überschreiten , hat die grösste Ähnlichkeit mit dem Trachytstock in Mittelungarn, welchen die Donau zwischen Gran und Waitzen durchsetzt. 1) Mittheiliing des Herrn Tli. Amlnos. 390 P e l .. r ,. Ausserhalb der Körösenge bestimmt der TracliyltiilT die Physio- gnomie des Thaies, insbesondere zwischen Talaes und Joszas, wo der Fluss auf einer 100 — 500 Klafter breiten Aluvialsolile zwisclien sr^hroffen, oft überhängenden Wänden aus trefflieh geschichtetem Tuff dahingleitet. Beim Dorfe Baltyele gibt es in demselben noch einen kurzen, mit massiger Stromschnelle verbundenen Engpass, dann bricht das südliche Gehänge ab und auch das nördliche sinkt zerrissen bei Joszäs auf eine Höhe von wenigen Klaftern herab. Doch damit hat der Tuff das Thal noch niclit verlassen. Vieltnehr begleitet eine, im Maximo eine Meile breite Zone das südliche Gehänge des offenen Thaies von Szakäcs bis Taucz nach Westen, wohl nicht mehr schroffe Wände, aber doch mitunter jähe Abstürze bildend, wo er unmittelbar vom Alluvium erreicht wird. Nicht viel weniger verbreitet ist der Tuff am nördlichen Gehänge. Hier bildet er allerdings nur zwischen Joszas und Laaz eine continuir- liche Zone, geht aber dafür um so weiter vom Flusse ab, einn Insel- berggruppe bei Buttyin — Boros-Sebes zurücklassend, bis an die Thonschieferberge von Dezna, aufweichen er sich in einer beträcht- lichen Höhe von mindestens 60 Klafter über der Thalsohle terrassen- förmig abgelagert hat. Noch weit draussen in der Niederung bildet er , einen Berg von 200 Klafter Meereshöhe, den Mokra südlich vonBoros- Jenö (Ambros), der von weitem gesehen sich wie ein dreifacher Maul- wurfshügel aus der Ebene erhebt. Im Thale der weissen Koros ist auch das magyarische Element weiter und mehr bestimmend, cultivirend vorgedrungen. Wir haben im unteren und mittleren Theil gutgebaute Marktflecken und schöne Edelsitze mit ziemlich guter Landwirthschaft kennen gelernt; auch das rumänische Landvolk ist, obwohl seiner Natur mehr entfrem- det, dafür auch besser gezogen. Selbst in der Mulde von Halmagy und Körösbanya herrscht ungarisch-deutsche Cultur. Doch fanden wir ebenda die auffallendsten Spuren des traurigen Racenstreites, der hier einen starken communistischen Beigeschmack annahm, die Ruinen der Markthäuser und Edelhöfe, sogar die einer Todtengruft, welche das fanatisirte Bergvolk sengend und mordend erstürmt hat. So viel zur geographischen Orientirung. Auf eine detaillirte, auch das landschaftliche Moment berück- sichtigende Beschreibung konnte und musste ich verzichten, indem Vieologische und niiiieraloyiselie Studien niis dem südöstlichen Ung;rirn. 397 meine Collegen vom topographischen und pflanzengeographischen Standpunkte aus den Gegenstand behandeln <). Der schon oben beklagte Mangel an Versteinerungen in diesen Gebirgen, dann unsere für stratigraphische Untersuchungen nicht ganz geeignete Art zu reisen, endlich der Umstand, dass ich die Verhältnisse des Banater Gebirgshtndes, welches mit unserem Gebiete innigst verwandt und viel besser entwickeit-ist, nur aus derLiteratur, insbesondere aus den Schriften von Kudernatsch und aus einigen Musterstücken kannte, haben mich über mehrere Glieder des Scbichten- complexes lange im Unklaren gelassen. Die Annahme, dass der rothe Schiefer sammt dem darauf gelagerten Sandstein den „VVerfener Schichten"^ der Alpen entspreche, hatte sogar einen bedeutenden Jrrthum in der Deutung der darauf liegenden Kalksteine zur Folge, einen Irrthum, der erst durch eine genaue Untersuchung meiner geringen Ausbeute an Petrefacten und durch sorgfältige Vergleichung derselben mit den entsprechenden Suiten aus den Alpen und aus den unteren Donauländern berichtigt wurde. Die geringe Befriedigung, welche mir unser Gebiet hinsicht- lich des Schichtenstudiums gewährte, so wie auch die praktische Tendenz, welche unsere Untersuchungen dem Plane gemäss leiten sollte, machten, dass ich mich schon während der Beise mit beson- derer Aufmerksamkeit den Erzlagerstätten zuwandte. Sowohl die in weiter Verbreitung und grosser Mächtigkeit vor- kommenden Eisensteine als auch die edlen Erze von Bezbänya wurden sorgfältig und so genau als der Mangel an montanistischen Vorar- beiten und die Kürze der Zeit es erlaubten, studirt. Insbesondere über die Lagerstätten von Bezbänya, auf denen der Bergbau seit einigen Jahren in den letzten Zügen liegt und durch L^ngunst der 1) Prof. VVastler's praclitvoll ausgeführte kartographische Arbeiten kommen elien noch zurecht um mir die Benützung der für meine Zwecke wichtigen Höhenmessungen zu gestatten. Da ich jedoch dem Werke meiner Collegen nicht vorgreifen will, andrerseits die raschen Fortschritte der Arbeiten der k. k. geologischen Reichsanstalt die Pnblication meiner Schrift nicht länger verschieben lassen, benutze ich die Fluss- netze der Biiitter XII und XVI „Admiuistrativkarte von Ungarn" zur Anfertigung der beiliegenden geognostischen Übersichtskarte. Sie zeichnen sich vor den „Comitals- karten" aus durch eine richtigere Ueduction aus den Origrnalaufnahmskarten (des Josephinischen Oeneralstabes), die zu copiren uns von Seite des k. k. militärgeogra- phischen Institutes freundlichst gestattet war und auf die alle meine Detallbeobacb- tungen eingetragen wurden; auch bieten sie den wesentlichen Vorlheil, dass sie nicht mit der Landesgrenze abbrechen. (Peters, im Mai 1860.) Sitzb. d. mathem.-nalurw. Cl. XLIII. Bd. I. Abth. 28 398 P .- t e r s. Z('itv(Ml;;;ltnisse vielleicht gar aiifffelassen wird, hielt ich mich für verpflichtet alles, wiis vun wissenschaftlieh interessanten Daten noch zu ermitteln war, zusammen zu tragen. Da mussfe denn freilich das Studium in den Mineraliensammlnngen aus früherer Zeit das Meiste thiin, denn in Rezhanya seihst fand ich sogar die Erinnerung an die schönen und instructiven Mineralvorkommnisse der vorletzten Jahrzehnte erloschen. Die, Sammlungen des k. k. Hnfmineralien- Cabinets, des Pester Nationalmuseums und der Pester Universität, deren Rezhanyaer Materiaie grossentheils aus Szajbelyi's Händen stanmit, zum Theil wohl auch durch die k. k. Ministerialbeamten, welche Rezhanya als Commissäre besuchten, direct oder im Wege des iVlineralienhandels bereichert wurde, habe ich denn gewissenhaft durchgemustert und die daraus gezogenen Notizen mit meinen Beob- achtungen an Ort und Stelle vei-arbeitet. Über ein bisher gänzlicii unbekanntes Gebiet, auf das die VViss- begierde der Fachmänner, die Mineralien von dort besitzen, längst gerichtet sein musste, gegenüber sehr bedeutsamen und in ihren praktischen Folgen bedauerlichen Iirihütnern über die geognostischen Verhältnisse der Erzreviere, zudem kurz vor dem wahrscheinlichen Erlöschen eines ausgedehnten Bergbaubetriebes, der leider niemals für die Wissenschaft in anderer Wei.se als durch die zu Tage geför- derten Mineralexemplare nutzbringend wurde, anderseits im Beginne einer von Natur aus ungemein begünstigten Eisenindustrie, wird auch das wenige, was ich über die geologischen und mineralogischen Verhältnisse des Landes zu bieten vermag, willkommen sein und mit Nachsicht aufgenommen werden. Die Natur des Stoffes erfordert es, dass ich meine Arbeit in zwei Abschnitte bringe , deren erster — in sich abgeschlossen — die geognostischenVerhältnisse im Allgemeinen, der Andere die wich- tigsten Erzlagerstätten und Mineralvorkommnisse speciell behandelt. Ge<)lo((isclie iiii(1 iiiiiiei'i)li)<>'isc'lu' Stuilieii iiiis dem siidöstliclieii Uiig'nrn. 399 Allgemein geognostiseher Theil. A. Stratigraphie. I. Gliiunierschiefer, als allkrystallinisches Gestein, tritt, wie ich dies schon in der geographischen Einleitung angedeutet habe, nur im Gebiete der weissen Koros auf und bildet da den ganzen Gebirgszug zwischen der Koros und Märos , soweit er im Be- reiche des Ürocia die tertiären Ablagerungen überragt (Fig. 1 und 2). Es ist das ein quarzreicher liehtfaibiger Glimmerschiefer, dünnblätterig und ausgezeichnet geschichtet, oft mit starken Krümmungen seiner Blätter. Diese Krümmungen wiederholen sich häufig, theils im kleinen Massstabe, Aus- scheidungen von (Juarz umfangend, theils als wirkliche Falten. Nichtsdestoweniger fand ich auf den zwei, leider nahe benachbarten Durch- querungen (von Szakacs, südlich nächst Joszas, nach Szlatina und von dort zurück nach Kissindia und Butfyin) das Verflachen ziemlich constant nach Norden unter einem Winkel von 6 — 20". Die Erhebung der rein östlich strei- chenden Gebirgsmasse erfolgte also, wie im vorhinein zu erwarten, von Süden her, dem Spaltencharakter des Marosthales entsprechend. Eine entgegengesetzte Lagerung zeigte sich wohl unmittelbar am Rande des aufgelagerten Trachyt- tnffes südlich von Kissindia, wo der Glimmerschiefer unter 10<> in Süd ein- fällt. Doch möchte ich das nur als eine locale Ausnahme betrachten und einer kleinen Trachytmasse zuschreiben, die wahrscheinlich unter dem hier sehr mächtigen und zum Theil grob breccienartigen Tuff verborgen ist. Die zu oberst liegenden Schichten dieses Glimmerschiefers, namentlich in der Umgehung des Drocia nähern sich wohl einigermassen dem Thonschiefer durch ihre feinschuppige Textur und grauliche f^arbe, auch führte er nirgends Granaten. Dagegen schliesse ich aus dem Habitus des Gesteines, aus dem völli- gen Mangel klastischer Einlagerungen und dem seiir auffallenden petrogra- phischen Unterschied von den später zu beschreibenden Gesteinen des Biliar, dass wir es hier mit einer wirklich altkrystalliniscben Schichte zu thun haben. Von accessorischen Geniengtheilen fand ich nur kleine Ausscheidungen von schuppigem Chlorit und Spuren von blätterigem Hämatit in den Quarzknoten. Wir hätten also hier das krystallinische Grundgebirge berührt, welches sich zu den darauf folgenden Formationen etwa so verhält wie der Gneiss des Almäsbeckens, bei Drenkowa u. a. ü. des Banats zu der Steinkohlenformation (vgl. Kudernatsch, Geol. des Banaler Gebirgszuges, 1. c. Seite 38 u. f.). 28* 400 Peter s. Auch wild dieser Glininierschicfer an seinein wesliiclien Ende von granitischon Gesteinen durchsetzt, die, wie ich mich in der Sammlung des Herrn Amhros üherzcugfe, mit dem Banaler Granit de grösste Ähnlichkeit haben. Nördlich kommt ccliter Granatenglimmi-rschiefer in der Umgohiing von Feketetö an der reissenden Koros vor (von Hauer). 2. Thonscliiefer mit klastischen Gesteinen („Graowacke^'), wahrschein- lich Steinkohlenformation, oud die dazn gehörigen metaniorphischen Felsarten. Diese Gebilde erlangen im eigentlichen Bihar, der beinahe ganz aus ihnen besteht, und im Gebiete des Aranyos eine erstaunlich grosse Mächtigkeit. Im Mittelgebirge (zwischen dem schwarzen und weissen Koros) kommen sie nur am südliciien Rande und in einigen Höhenzügen des nördlichen Abfalles zu Tage (vgl. Seite 393). Für den Alpengeoiogen haben sie nichts überraschendes, denn er ist gewöhnt an solche Thonschiefer- und „Thonglimmerschiefer"-Gebirge, die man so lange rein petrographiseh behandeln muss, als man nicht einCharakteri- sticum für eine der paläozoischen Formationen darin entdeckt. Hier im Bihar konnte ich nicht lange im Zweifel darüber bleiben ob und in wiefern der „Urthonschiefer" zu diesen Gebirgsmassen contribuirt. Sein Antheii ist, wenn überhaupt etwas von ihm vorhanden, gewiss sehr geringfügig, denn wahrhaft klastische Gesteine, zum Theil Grauwacken, zum Theil Sandsteine, wohl auch Gesteinsmassen, die zwischen Letzteren und dem sogenannten Thongiimmer- schiefer die Mitte halten, findet man ailenthaiben darin eingelagert. Ein Anderes ist es um die Bestimmung der Formalion. Einen directen Nachweis darüber vermag ich eben sowenig zu geben, als er voraussichtlich andern, gründlicher forschenden Geognosten gelingen dürfte. Wenn ich nichtsdestoweniger eine Vermuthung an die Spitze dieses Capitels stelle, so gründet sich dies auf die nahe Verwandschaft dieser Gebirge mit dem Banale, die sieh aus allen meinen Beobachtungen ergab und die ich in Ermangelung besserer Gründe herbeizu- ziehen nicht Anstand nehme. Den Sleinkohlenschiefern von Ruszkberg, welche wohlerhaltene Pflanzenreste führen, gleichen die Biharthonschiefer zum Ver- wechseln. Petrographischen Bedenken aber glaube ich überhaupt durch Hin- Aveisung auf die alpine Steinkohlenformation an der Grenze von Kärnten und Steiermark, auf die metamorphischen Gebilde der Radstätter Tauern, gar nicht zu gedenken der Steinkohlenformation in Nordungarn, leicht zu begegnen. Ich lernte diese Schichten zuerst in der nächsten Umgebung von R e z- ban ya kennen. Graue, grünliche und rölhlichbraune(«rauwaekensehiefer, welche glimmerig oder talkschieferartig, bald feinbiätterig, bald ziemlieh grohknotig sind und reichliche Quarzausscheidungen enthalten, wechseln mit einem grauen Quarzsandstein von sehr ungleichmässigen Korn. Wirkliches Grauwackengestein mit etwas Eisenspath in seinen Quarzknoten und mit armen Limonitlagern in den begleitenden Schiefern fand ich südlich von Rezbänya in Valle Boe (roma- nischer Sehriftspr. Val bau) und der weiteren südlichen Umgegend. Geologische iind iniiieralogisclie Studien aus dem südöstliclien riigarn. 401 Ganz ithnlich verhalten sich die Gesteine in dem niichst südlichen grossen Querthal Pojana (Poiena), chenso bei Kristyor nnd an anderen Punkten des westlichen Biharfusses. Diese Thäler zeigen klar ihren Qnerspaltencharakter in dem rechtwinklig gekreuzten, seltener in Nord nnd Süd entgegengesetzten Verfluchen der Schich- ten ihrer Gehänge. Hie und da fallen dieselben wohl auch wiedersinnisch, d. h. gegen Morgen ein, welche Richtung sie in den höheren Partien des Gebirges beständig einhalten. Dennoch steht die ganze Zone der Grauwackenschiefer am Fusse des Bihar, so weit sie von dem Unter-Rezbanyaer und Pojanathal durch- schnitten wird und den Mittellauf der Bäche zwischen ihren 300 — 600 Fuss über den Thalsohlen emporragenden Abschnitten beherbergt, nicht im directen Schich- tenzusammenhang mit den höheren Gehängen, sondern ist ein durch Verwer- fung niedergesessener Theil, der nicht die ältesten, sondern gerade die jüng- sten Schichten des ganzen Complexes enthält. So kommt es denn, dass die nächst jüngere Formation, der charakteristische rothe Schiefer und Sandstein mit allem was auf ihn folgt, bei Fonacza (Fenatia), bei Rezbanya, so wie auch etwas weiter nordöstlich mit nördlichem Einfallen in normaler Lagerung darauf ruht (Fig. 6), die ältesten Schichten dagegen erst im engeren Theil der Spaltenthäler , oberhalb der Ortschaften, erscheinen. — Diese sind ein sehr dunkler, dickgeplatteter Th onschiefer, der sich über einen A phanitstoek herüberwölbt und mit dem Eruptivgestein auf's Innigste verbunden ist (Fig. 5). Wenn ich von einem Aphani(stocke spreche, so meine ich damit jene stockförmige konische Masse, die zwischen der Bergstadt und den Hütten auf- setzt und am nördlichen Gehänge in einer Breite von etwa 30 Klaffern bloss- gelegt ist. Einen ganz ähnlichen Stock gibt es an der correspondirenden Stelle des Pojanathales, wo sich der Bach, nachdem er bereits einen weiten Älluvial- boden passirt hat, dem Dorfe nähert (Fig. 1). Ich glaube desshalb in der Tiefe eine grosse in nord-südlicher Richtung streichende Gangmasse voraussetzen zu dürfen, die auf den ganzen Bau des Gebirges den entscheidendsten Einfluss nahm von der aber nur einzelne Apophysen, eben jene beiden Stockmassen sichtbar wurden. An diesem verborgenen Aphanitgang also beginnt das steilere Gehänge und die normale S chi chten fol ge mit dem erwähnten schwarzen Thon- schiefer, der hart an dem Massengestein seine Schichtung beinahe gänzlich ver- loren hat und einen, in unregelmässig keilförmige Stücke zerklüfteten Mantel um dasselbe bildet. Bemerkenswerth ist in einer Schichte desselben sehr nahe an dem erwähnten Schiefermantel das Vorkommen von unzähligen bohnenförmi- gen Concretionen aus einem concentriseh schaligen feinblätterigen Chlorit, welche, oberflächlich ausgewittert, ziemlich glattwandige Hohlräume zurück- lassen, stellenweise auch von einer dünnen Rinde aus Schwefelkies überzogen sind. Um an etwas allgemein Bekanntes anzuknüpfen füg& ich bei, dass sie in morphologischer Beziehung mit dem Korallenerz von Idria viel Ähnlichkeit haben. Doch erinnerten sie mich noch mehr als dieses an organische Formen, besonders im verwitterten Zustande, so dass ich in der Schichte selbst und in den höher gelegenen Partien des Schiefers lange nach deutlicher erhaltenen Resten dieser etwaigen Brachiopoden- oder Acephalensclialen suchte. Leider verpeblicli. Doch hin ich suhjoctiv iiherzeii^'t, (l;iss diese Cniicrelidiieii wiikücli Petrcfacten sind *). .Je weiter inun in's Hancfende vordrintjt in der Uni;^ehun4, Seite 13-;. 2) Dieser Pistiizitschiefer des Bitiar ist zum Ttieile ein stänn;elijf-schiet'erii>es Gestein. welches nur iiiis Kpidot hesleht , /,uin rtieiie ein Kpidot l'iilireiider schwarzer Thon- seliiel'er. fieolDjjisch»- iiiiH iiiiiifralogische Studien aus dem südöstlichen t'ngarii. 403 genHen seeiinfliiren Kämmen, die beide sich zu ähnlichen Gipfein wie die Kukur- beta erheben (Rezbanyaer und Pojaner Tomnatik, ersterer 812 Klafter). Ich konnte wohl gleich bei der Betrachtung dieser, aus den Verwitterungs- zuständen krystailinischer Schiefer und den, hier allenthalben so einfachen Lagerungsverhältnissen kaum erklärlichen Gipfelformen vermuthen, dass hier die abnormen Gesteine zu finden sein müssten (vgl. Fig. 12). So war es auch in der That. Schon in der Nähe der ersten Kammkuppe , die wir von unserem Lager- platz (Stina Stierve) aus erreichten, kam mir eine Schutthalde von einem dioritähnlichen Gestein entgegen und kündigte mir eine quer über den Kamm ausstreichende Gangmasse an, die ungefähr 15 Klafter mächtig ist. Eine zweite Masse der Art, aber stockförmig fand ich am nordwestlichen Absturz der Kukurbeta entblösst. Mehrere von ähnlicher Beschaffenheit und aus der gleichen Felsart bestehend stecken in den beiden Tomnatikgipfeln, doch zumeist von gewaltigen Block- und Schutthalden bedeckt (Fig. 1). Alle diese Massen haben auf die noch immer beinahe horizontale Lage der Schiefer, welche sie durchsetzen, keinen merklichen EInfluss, selbst nicht in ihrer näch- sten Umgebung, von kleinen Faltungen und Aufkrümmungen der Schieferblätter selbstverständlich abgesehen. — Von besonderem Interesse war es mir, durch eine recht genaue Begehung dieses Terrains die petiographischen Zustände der Schiefer zu ermitteln. Da zeigte es sich denn, dass im ganzen Bereich dieses IWassengesteines, welches wir vorläufig Syenitporphyr nennen wollen, kein Puss breit reiner Glimmerschiefer mehr vorkommt, sondern dass allenthalben zwischen die Glimmerlamellen, zu denen sich hie und da ein wenig grüner Ainphibol gesellt hat, Feldspath in der Form von Körnchen und von ganzen, feinkörnigen Parallellagen eingemen<<-t ist. Eine schwache Feldspathfiihrung tritt schon in mehr als 300 Klafter Seigerteufe unter der Kukurbeta in der Nähe der Stina Stierve und Stina Sepose auf, welche beide Alpen an der Wurzel des rasch absinkenden Zwischenkammes innerhalb der Thäler von Uiizbanya und Pojana liegen, das ist ungefähr 100 Klafter unter dem Horizont 'Icr Marginafelsen , wo dort noch nicht einmal deutlich entwickelter Glimmer- schiefer, geschweige denn ein Feldspathgestein ansteht. Im Pojanagebiet, das heisst, auf dem Zwischeiikamme, der südlich gegen den Rezbanyaer Tomnatik aufsteigt, fand ich die grünen, gn eis sa rtigen Schiefer gar schon in einer Meereshöhe von 376 Klaffer, unmittelbar auf Glimmerschiefer, der hier nur wenige hundert Fuss mächtig ist und concordant auf grauem glänzenden Thon- schiefer ruht. Diese letzteren gneissartigen Gesteine enthalten verhältniss- mässig wenig Feldspath, aber viele Körnchen und knotige Ausscheidungen von Quarz, welcher den ersteren, in der Nähe der Massendurchbrüche Liegenden völlig abgeht. Nur jene Varietäten, welche durch eine feinkörnige Feldspath- masse mit Glimmermembranen sfrafificirt sind, führen wieder etwas mehr Quarz in linsenförmigen oder kugeligen Körnchen, die von Geschieben schwer zu unterscheiden sind. Man könnte die Namen „Glimmergneiss" , „Amphibolgneiss", „Syenit- schiefer" u.dgl. auf diese Gesteine anwenden, doch dürfte wegen der fort- währenden Übergange und Unbeständigkeit des petrographischen Charakters 404 Peters. innerliiill) derselben Schichte keiiu'in (iieser Namen seine «^owölinliche (üellun«^ eingeräumt werden. Nun gibt es aber noch eine Gesteinsvarietiit, die ich wie alle vorher hescliriebenen hier nur hinsichtlich ilirer Lagerungsverhültnisse betrachten will, lu der Kukurbata, in beiden Tomnatikgipfeln so wie in der südöstlichen Fort- setzung des Hauptkammes gegen Vidra liegen auf und zwischen den Schiefern mächtige Bänke eines körnigflasrigen Gesteins, welches alle Gemengtheile des „Syenitporphyrs" enthält, das ist: grünlichen Glimmer mit kurz und feinstäng- ligem Amphibül, opaken mikrokrystallinischen Orthoklas und helle Oligoklas- körnehen. Solcher Bänke von etwa ö — 7 FussMächligkeit gibt es mehrere über- einander, die durch schwache gneissartige Schiefermittel getrennt sind. Sie bilden zumeist die grossen Trümmerberge, welche die Kuppen und die von ihnen ausstrahlenden Kammpartien bedecken. Aber gerade diese Trümmermassen ver- hindern, dass man die Beziehungen zwischen den Bänken und den Syenitpor- phyrstöcken recht gewahr wird, was um so mehr zu bedauern ist, als die Gang- masse unterhalb und der kleine Stock in der Kukurheta, die ich umgreifen konnte, in einem tieferen Querschnitt entblösst sind, also mit keiner solchen Bank in Berührung stehen. Obwohl ich nun einen directen Zusammenhang beider ßesfandmassen, gleichsam die Wui'zelstöcke dieses körnigflasrigen Gesteines aufzudecken nicht im Stande war, so glaube ich doch die ausgebreiteten Bänke desselben als Lagerstöcke und als Ergebniss wiederholter Eruptionen auffassen zu dürfen, Ihnen oder vielmehr den von ihnen aus in die Tiefe dringenden Lösungen wird man denn auch vorzüglich die höchst ungleichmässige und gerade nur in ihrem Verbreitungsbezirke sehr tief greifende IM e ta m o rphos e zuschreiben dürfen, welclie dem l'rofil Fig. 5 URch zu schliessen nicht nur die Schiefer und Sandsteingebilde der (fraglichen) Steinkohlenformation, sondern auch die nächst jüngeren rothen Schiefer erfasst hat. (Manche petrographische Details, welche sich hier nicht wohl unterbringen Hessen , werde ich weiter unten, in der Beschreibung der Massengesteine nachtragen; vgl. Seite 450—452.) Die Grauwackengebilde im Ar a nyo sthal betreffend erlaube ich mir ein paar Stellen aus meinem Tagebuche h(-rzusetzen, wie sie nach Durchquerung des Gebirges von Bezbänya bis Scheriscivra niedergeschrieben wurden. Der rothe Schiefer bildet, beständig in West einfallend, einen grossen Theil des Bihargehänges. Erst tief unten (464 Klafter M. H.) kündigt ein dem Aranyosthal parallel laufender dicht bewaldeter Riegel einen Gesteins- wechsel an und in der That kommt man da auf eine schöne grobkörnige, zu oberst röthlichhraun gefärbte Grauwacke mit Quarz und Glimmerschiefer- brocken. Die Bänke derselben unterteufen eoncordant den rothen Schiefer, an welchem mir schon höher oben eine sandige Beschaffenheit aufgefallen war. Diese Grauwacke, in ihrem Korn öfters wechselnd und mindestens 800 Fuss mächtig, hält an bis in die Nähe des siebenbürgischen Dorfes Niagra, welches aus etwa 20 weitzerstreuten Wirthschaften besteht mit einer malerischen kleinen Kirche aus Holz. Da folgt unter der -Grauwacke ein düruiblätteriger grünlich- grauer Schiefer, welcher sieh bis unterhalb des Dorfes verbreitet und dann in den grauen, an der Nordseite des Biliar weit verbreiteten Thonschiefer über- Geologische iiiul miiiL'ialog'i.sphe Studien ans dem .stiilöstliclieii riigarn. 40S peht. In diesem wird die Lagerung uniegelnnissig; starke Faltungen stellen sich ein, bis endlich das Verflachen in Süd, in Südost, später doch wieder in Südwest umschlägt. Der Flnss setzt unhekümmert um diese Schwankungen seinen hin und her gekrümmten Lauf nacii Süden fort bis er bei einer jähen Wendung mit einem Male wieder durch den grünlichgrauen feinen Schiefer in die Grauwaeke gerät!) (Fig. 1), das heisst, in den antikünen Flügel der vor- beschriebenen Schichte, die nun in schroften, malerischen Felsgehängen bis nach Scherisciora oder vielmehr bis in die Nähe des Waldhauses und Gens- d'armeriepostens Distidiul anhält, wo wir Station nahmen und das Vergnügen hatten mit dem wackeren Bergverwalter v. Fangh aus Abrudbänya, einem Reisegefährten Part sch's im Jahre 1827, zusammenzutrefTen. Der alte Herr hatte, durch einen Brief Schmidl's von unserer Ankunft verständigt, die Freundlichkeit gehabt, 7 Stunden weit heraufzureiten um die Eishöhle mit uns zu besuciien. Die Grauwackenschiefer bilden nun die ganze südliche und westliche Umgebung des weit auf den Geliängen zerstreuten Rumänendorfes Scherisciora, eine Menge von secundären Rücken und Zügen , und setzen, wie mir seheint, ununterbrochen bis Vidra fort, avo ich sie auf einer zweiten, mit Kerner von Vaskoh und Kristyor aus unternommenen Excursion wiederfand. Dieses zweite Mal beabsichtigte ich den Hauptkamm weiter südlich zu überschreiten, um zugleich die interessante Bleigrube Dolea zu besuchen, die am Übergang des Bihar in die Gaina bereits auf siebenbürgischern Gebiete liegt. Nachdem wir uns mit unseren stets nahrungsbedürftigen Grasfressern von Ober- Kristyor durch mehrere Seitengräben hindurch gearbeitet hatten, und oft pfad- los an den dichtbewaldeten Gehängen emporgekicttert waren, kamen wir zur Einsicht, dass alle Wege aus Ungarn in's obere Aranyosgebiet über den Biliar führen, und steuerten nun geduldig der Kukurbeta zu, aus deren südlicher Umrandung der Pfad gegen Vidra einlenkt. Hinsichtlich der Grauwacken- und metamorphischen Gebilde bot dieser Weg nirnat.scli (I. c. S. 47 — 34). Bunter Saiiilstein, von Hauer (I. c. Seite 34), an der reissenden Köriis. Die Li egend gre nze derselben und ihre V er hrei tung ist iin vorigen Abschnitt vielfach erwähnt worden, eine neuerliche Angabe der Örtlichkeiten in «lieser Beziehung wäre somit überflüssig. Die Mächtigkeit, in der dieser Schichtencomplex im Biliar und zwi- schen der schwarzen und weissen Koros erscheint, ist sehr ungleichmässig. Am grössten wohl am östlichen Abhänge des Bihar, wo der rothe Schiefer mit un- tergeordneten Sandsteineinlagerungen innerhalb der früher angedeuteten Gren- zen wohl mehr als 1000 Fuss ausmacht und im Gebiete der nördlichen Aranyos- zutlüsse sehr breit ausgelegt ist. Er bildet die Gehänge des Val ponerasciului und des Val criminisciului bis gegen die Hochmulde Vertopu (im Dialekt Vur- top), welche an das Kalksteinterrain des Galbinagebietes grenzt. Die genannten Tbäler verlaufen im Streichen seiner Schichten, die bald in West, bald in Ost, unter Winkeln von höchstens 30 einfallen. Stellenweise erhebt sich über ihm noch die knollige Grauwacke, das Grat der Scheiderücken bildend. Sehr ver- schmächtigt ist er dagegen, wie wir wissen, im nordöstlichen Absturz des Pless. In der Tiefe gegen Vaskoh und Belenyes nimmt er wieder beträchtlich zu und erscheint da zufolge einer minder steilen Lagerung noch mächtiger als er in der That ist (Fig. 2). Eine schmale Zone begleitet auch den Westrand des grossen Porphyrstockes nordöstlich von Petrosz, wie es scheint, bis in's Jadthal , und gibt ihm, steil in West abfallend, gewissermassen den Charakter eines Lager- stockes (Fig. 2, 3). Die Hangend grenze dieser Etage ist ebenso schwierig zu boslimmen als die Abgrenzung gegen die Thonschiefer- und Grauwaekengebilde an allen Ört- lichkeiten, wo sich nicht nietamorphische Gesteine einmischten, leicht war. Die rothe n Schiefer an und für sich heben sich freilich in petro- giapliischer Beziehung prägnant genug heraus. Fein-lamellar, thonschiefVr- artig und in der Regel reich an mikroskopischen Glimmerschüppchen , von Quarz, stellenweise auch von klein körnigem Kalkspath durchzogen oder knotig und in diesem Falle stets sandig, sehr eisenreich, geben sie sich selbst in Ermangelung genügender Aufschlösse schon durch die intensive Färbung ihrer Verwilterungsproducte zu erkennen. Auch die stellenweise vorkommenden Sandsteine von grobem oder feinerem Korn, immer «juarzig, roth oder roth- braun gefärbt, machen, insofern sie dem Schiefer eingelagert und durch Über- gänge mit ihm verbunden sind, keine besonderen Schwierigkeiten. — Ganz Geolo^isplie und miiieriilogische Studien aus dem siidöstliclien Ungarn. ^OJ^ anders stellt sicli aber die Sache, wenn über dem lotben Schiefereomplex eine mächtige Schiciite von rothem Sandstein folgt, wie dies südlich von Belenyes und stellenweise in der ümgend von Rezbanya der Fall ist. Es sind dies Sandsteine, die von feinen Psammiten bis zu grobkörnigen, graiiwacken- artigen Conglomeraten und Brecciengesteinen variiren , und ausser ibrer Farbe schlechterdings kein Kriterium für ihre Abgrenzung von dem darauf liegenden Liassandstein einerseits und den älteren Grauwackengebilden andererseits an sich tragen. Sie erreichen, ungerechnet den rothen Schiefer, eine Miichtigkeit von meh- reren hundert, ja vielleiciit tausend Fuss und verlaufen allmählich in den grauen Liassandstein. So z. B. im Thal von Tarkaicza — Tarkany, SSO. v. Belenyes, wo sie von dem rothen Schiefer durch eine ausgiebige , einzelne Kalkmassen tragende Partie bräunlich grauen Sandsteines getrennt werden; ähnlich im Fenesthal , welches zuerst den Liassandstein mit etwas grauen Mergelschiefer (Verflachen h. 3, unter einem Winkel von 10"), dann concordant unter ihm den rothen Sandstein, ferner einen Complex von rothem Sandstein und Schiefer durchschneidet. Weit hinten, wo die aus einander reichenden Gehänge ziemlich breite, von reichlichem Graswuchs bedeckte Alluvialböden zwischen sich fassen und die Lagerung schier horizontal wird, kommen im Liegenden der Schiefer noch einmal grobe, dem Verrucano der Alpen sehr ähnliche Quarz- breccien mit rothbraunem Cement zu Tage und unter ihnen ein, wenige Klafter mächtiger, grauer Kalkschiefer , der allem Anscheine nach von dem rothen Schiefer des nordöstlichen Plessgehänges unterteuft wird. Eine so reiche und ziemlich klar aufgedeckte Schichtenfolge bieten nur wenige Punkte des von mir untersuchten Gebietes. In der Regel vereinigen sich mit dem Mangel an Ver- steinerungen , den petrographischen Übergängen und Gesteinsmetamoiphosen auch alte und neuere Schichtenstörungen, um die strafigraphisciie Auf- fassung vollends zu verwirren. So folgt z. B. bei Vaskoh unmittelbar über dem rothen Schiefer von pelitischer (thonschieferartiger) Natur, ein sicher dem oberen Jura angehöriger Kalkstein, der durch Ausbleiben der rothen Pelite, vermuthlich auch durch starke Verdrückung derselben, bis auf einen Seiger- abstand von etwa 20 Klafter an die vorbeschriebenen grauwackeähnlichen Gesteine gedrückt ist. Nördlich von Rezbanya trennen rothe Schiefer, kaum 100 Fuss mächtig, denselben Kalkstein von der glimmerigen Grauwacke. Zwi- schen dem Aranyosgebiet und den Tbälern der Galbina am vorgenannten Vurtop folgt auf die weitverbreiteten rothen Schiefer eine geringe Schichte von rothem Sandstein, dann grauer Sandstein, zum Theil ein beinahe wasserheller Quarz- psammit, darauf Dolomit (des Lias) und jüngere Kalksteine, während kaum Va Meile weiter westlich zwischen dem Stierbinaberg in der Umrandung des Galbinagebietes gegen Rezbanya zu und dem Valle Sacca unter ähnlichen Terrainverhältnissen auf eine grobe Quarzbreccie von brauner Farbe (wohl Lias) ein Complex von steil abschiessenden Bänken aus dichtem und krystallinischem Kalkstein ruht, der sich zum Theil als untere Kreide erwies (Fig. 6, Mitte). Solcher Beispiele könnte ich noch mehrere aufzählen, doch wird das bisher Gesagte hinreichen zur Entschuldigung des oben (Seite 397) beklagten Irr- thums. Wie dort erwähnt . trlaubte ich sämmtliche Psammite, den lichtfarbigen 410 l' K t e I- s. und braunen, sowie den rotlien Sandstein mit den rothen Schiefern zusamnien- gefasst, den „Werfener Schichten" der Alpen parallelisiren zu dürfen. Hinsicht- lich der beiden Letzteren war diese Ansicht vielleicht die richtige, wenigstens gibt es keinerlei petrographisehen Unterschied zwischen ihnen und den typi- schen Triasschiefern der Alpen. Jene grauen und grünlichgrauen Kalkschiefer des Fenesthales zeigen sogar Spuren von organischen Resten, manche wie schlecht erhaltene myacites , andere wie naticelta costata anzuschauen. Ebenso verführerisch gleicht der rothe Sandstein von Tarkaicza dem Sandstein mancher alpinen Punkte, z. B. des Ullrichsherges bei Klagenfurt, würde sich auch, bei- läufig bemerkt, ebenso gut zu Ofengestellen eignen, wie dieser. Andererseits kommt in dem bräunlichen Psammit desselben Thaies ein grünliches Gestein vor, welches der Fietra verde der Südalpen zum Verwechseln ähnlich sieht. Ein dem braunen Psammit stellenweise eingelagerter, insbesondere aber der ihm zunächst aufgelagerte Kalkstein steht den sogenannten „Guttensteiner Schichten" in allen petrographischen Charakteren und wenn er dolomitisch ist, ihren Dolo- miten so nahe, dass vei mutiilich jeder Alpengeologe ihn vorläufig dafür an- sprechen würde (vgl. v. Hau er 1. c. Seite 33). Aber gerade dieser Kalkstein, von dem im nächsten Capitel ausführlicher die Rede sein wird, löste den Bann. Er sowohl als die mit ihm verknüpften Psammite gehören einer jüngeren Schichte an und die ganze Schichtenfolge ist mit der des Banats in allem Wesentlichen identisch, freilich viel stärker zerrüttet und petrographisch vielfach verändert. So weit gelang die Unterscheidung; welche Formation aber die rothen Schichten repräsentiren, das steht für alle südöstlichen Donauländer noch in Frage. Denn auch für ihre Auffassung als R o t h I i e gend es gibt es sehr beachtenswerthe Gründe. Einmal haben sie mit den Gebilden des Rothliogcnden im nordöstlichen Böhmen und in anderen Ländern eine kaum geringere Ähnlichkeit wie mit den Werfener Schichten. Die untersten Schichten dieses Complexes führen im Karaschthal und bei Goruja im Banat (vgl. Kudernatsch, L c. Seite 50 — 31 ) Kohlenflötze mit pecopterisartigen Pflanzenresten. Ich selbst fand eine Spur von wulstig blätterigen leider völlig unbestimmbaren Pflanzenresten in den sandigen Schiefern unweit Niagra, wo sie an die vorbeschriebene Grauwacke stossen, was freilich nichts beweist aber in Werfener Schichten doch eine höchst auffallende Erscheinung wäre. — Die rothen Schiefer enthalten sowohl am siebenbürgischen Abhang des Bihar , als auch in der Umgegend von Rezbänya kleine Ausscheidungen von Malachit, manchmal einen spangrünen Hof um Körner aus Kupfer-Eiseuoxydgomengcn, oft'enhar ehemalige Kupfer- kieseinschlüsse. — So verführerisch die Überlagerung des jüngeren Sandsteines durch dunkle Kalke lür die Zusanuuenfassung desselben mit den rothen Schichten als Triasgebilde sprach, ebenso entschieden spricht die jetzt erwiesene Isolirung der letzteren von ähnlichen Kalksteinen gegen ihre triassische Natur. Ich wenigstens kenne kein Beispiel aus den Alpen, wo von der ganzen Trias bios die sogenannten Werfener Schichten (im engeren Sinne) vorhanden wären, und nun gar in so beträchtlicher Ausdehnung! Alles erwogen, scheint mir die Annahme, dass diese Gebilde dem Roth- liegenden entsprechen, mehr wahrscheinlich. Darüber Gewissheit zu erlangen Gtolcigisi'lie und inineialogisi'hc Sliidicii «iis dem südöstlichen Ungarn. 4- 1 1 wäre für dieStratigraphio der südösllielien Donauliindor von grosser Bedeutung. An welchem Punkte der IJeweis auch geliefert werde, er darf gelten für das Banat sammt den Grenzländern, für die Bihurgehirge bis über die reissende Koros hinaus, soweit v. Hauer den rothen Sandstein verfolgen konnte und für das angrenzende Siebenbürgen , wo diese Schichte vielleicht eine noch grössere Rolle spielt als am westlichen Abhang des Gebirges. 4. Liassandstein and Kalk. „Grestener Schichten" in Österreich (v. Hauer u. Suess im Jahrbuch der k. k. geol. R. 1833, 4,739). — K e u p er-S a n d s t ei n , Schieferthon u. s. w. im Banaler Gebirge (Kuilernatsch, I.e. S. 34 — 78). — G r est e n er Schi eh t en bei Drenkova und Bersaska an der Donau (v. Hauer u. v. Zepharovich im Jahrb. der k. k. geol. R. 1836, 3, 607). Den schwankenden Boden der Conjecturalgeologie für eine Weile ver- lassend treten wir hiemit auf eine feste, wohl begründete Stufe in derSchichten- folge unseres Gebietes (vgl. Fig. 1, 2, 3, 6). Der oft erwähnte graue oder bräunliche Quarzjjsamroit liegt bekanntlich entweder auf dem rothen Sandstein oder unmittelbar auf rothem Schiefer, irgendwo vielleicht sogar gleich auf den Grauwackengebilden, denn stellenweise wird die rothe Zwischenschichte ausser- ordentlich schmächtig. Im mittleren Tiialabschnitt der schwarzen Koros, dann zwischen Venter und Robogany auch östlich und nordöstlich von Belenyes erhebt er sich, ohne seine Unterlage sehen zu lassen, aus den neogenen Abla- gerungen. In petrographischer Beziehung ist darüber nicht viel zu sagen. Er zeigt eben alle Varietäten, die einQuarzpsammit vom feinsten Korn bis zum Übergang in grobe Breccien darbieten kann. Die braunen oder braungrauen Varietäten, die stets die unterste Schichte bilden, enthalten nebst Quarz auch ein wenig Feldspath, dessen kaolinisirte Körnchen sich von dem durchscheinenden Quarz und seinem dunklen Bindemittel scharf abgrenzen. Glimmerschüppchen kommen in allen Horizonten vor. Durch lagenweise Anhäufung derselben in sehr fein- körnigen Sandsteinen entsteht sogar hie und da eine Anlage zur schieferigen Structur, welche bei sehr inniger Verschmelzung der Quarzkörnchen dem Ge- stein das Ansehen eines Quarzitschiefers aus den Grauwacken- oder Glimmer- schiefercomplexen geben kann, oder, bei lockerer Verbindung derselben mit vorwaltend erdiger Zwischensubstanz, den Charakter eines pelitischen, sohiefer- thonartigen Gesteines. Die Psephite enthalten in der Regel neben groben Bruchstücken von Quarz und Hornstein eine überwiegende Menge von kleinen und sehr feinen Quarz- körnchen , welche innig verschmolzen oder durch erdig-thonige Substanzen verkittet, gewisserraassen eine Grundmasse darstellen, in welcher sich die grö- beren Elemente scharf abzeichnen. Das verleiht solchen Gesteinen einige Ähn- lichkeit mit Porphyren, die — selbstverständlich nur für den ersten Anblick — noch gesteigert wird durch Beimengung von halbzersetzten Feldspathtrümmer- chen. Diesen Psephiten kann ich, obwohl sie ohne Zweifel bestimmte Hori- zonte ihres Formationsglicdes bezeichnen, doch keinen festen Platz in der wenig 412 I' e l e r s. eonstanlen Scliiclileiifoisje des Liussandsleins anweisen. Im Allgemeinen gehö- ren sie den höheren Abtiieilungen desselben an , werden jedoeh stets von fei- neren klastischen Gesteinen überlagert. Die Schichtung ist in der Regel sehr deutlieh ausgedrückt, seihst dann noch, wenn in einzelnen Bänken von G — 8 Fuss Mächtigkeit eine kuhische Zerklüftung eiiitrilt. In den Psammiten kommen, wahrscheinlich constant, kleine Kalkstein- lagcr vor, iJ — 12 Fuss mächtig, aus einem sehr dunkelgrauen, beinahe schwarzen Kalkslein bestehend, der reichlich von Calcifadern durchsetzt ist, und wie schon erwähnt, mit dem „Gultenstoiner Kalk" die grösste Älmlichjieit besitzt. Im Liegenden sowohl als im Hiingonden pflegt der Sandstein einen peli- tisch-schicferigen Habitus anzunehmen , entsprechend manchen Schichten der „Werfener Schiefer", wo sie mit ihren schwarzen Kalksteinen wechsellagern. Eine eigenthümliche, der alpinen Trias fremde Erscheinung ist dagegen ein petrographischer Übergang zwischen dem Kalk- und dem Kieselgestein, ein sehr auffallender Reichthum des ersteren an Kieselerde, welcher sich stellen- weise bis zur Ausbildung von bräunlich-grauen, sandig-kalkigen Zwischenschich- ten steigert i). Die oberste Schichte, durch ihre schrofferen Formen im Hochgebirge schon von weitem angekündigt, und wäre das nicht, durch ihre Flora gleich verrathen, besteht aus d em sei he n dunkelgrauen, oft weissgeaderten Kalk- stein und hängt mit dem Sandstein durch eine der erwähnten Zwischenschich- ten zusammen. Ihre Mächtigkeit schwankt zwischen 100 und 300 Fuss. Ihre Verbreitung ist auf der Karte ersichtlich, wo ich jede, irgend erhebliche Partie verzeichnet habe. Sonderbarerweise tritt sie selbst in Gegenden auf, wo der Sandstein sehr untergeordnet oder gar nicht vorkommt, wo dagegen die jüngeren, weiss und rothgezeichnetenKalksteinetagen ziemlich mächtig entwickelt sind, so z. B. nächst Rezbänya im ersten nördlichen Seiten- graben, dem Valle mare, wo ich in den sehr zerrütteten, von den Grauwacken- gehilden abgerutschten, bräunlich graue Kalksteinmassen unweit von der Mün- dung des Grabens Valle negra (Fig. 6) das erste Petrefact, a'xne C/adocora fand. Es ist dies dieselbe Art, welche in den typischen Grestener Schichten des Ypsgebietes vorkommt, Thierreste und Gestein identisch mit Exemplaren von Hinterholz in Niederösterreich (Petrefactenaufstellung der k. k. geologischen Reichsanstalt). Am meisten Regelmässigkeit zeigt der ganze Schichtencomplex da , wo man sie am wenigsten erwarten sollte, in dem Gehirgsstock östlich von Petrosz dessen karstartige Natur ich schon oben (Seite 391) angedeutet habe. Es gibt kaumeinen grösseren Kessel in diesem Dollinenterrain, keinen offinen Wasser- lauf, der nicht den Sandstein zur Sohle und den dunklen Kalkstein wenn nicht ringsum, so doch an der Einbruchseite zur Umrandung hätte. Man kann 1) Solche Kallisteine brennen sich weiss, brausen schwucli in kalter Sal/.säure, lösen sich in heisser Säure langsam mit merklichem Gelatiniren und mit Hinterl.issung eines Rückstandes von Quarz, braunen Silicalkörnclien (firanat?) und einer namhaften Menge von Kohleniheilrhen. Die Lösung: enthält Alkalien und etwas Tlionei-de. (Jpiilogisphe uuil inineralogisclie SfiidiL'H aus dem sii423 Körösbilnya, einst der Mittelpunkt eines schwunghaft betriebenen Gold- bei'gbaues, liegt in einer ziemlich weiten Mulde, die von 3 — 500 Fuss über der Thalsohle sich erhebenden Vorhergen eingefasst wird. Diese Vorberge steigen zum Theil unterbrochen, zum Theil continuirlich an gegen das ferne Hoch- gebirge, den Kamm der Gaina im Norden, den Gehirgsstock der Magura im Westen und gegen den, vom Kalksteingebirge Vuican gekrönten Rücken, der die Wässer der Koros vom Aranyos scheidet. Sie bestehen wohl zum grössten Theil aus sogenanntem Karpathensandstein, der sieh hier auszubreiten beginnt, um, jenen Rücken übersetzend, im Rezirke von Abrudbanya und Sza- lathna zur herrschenden Formalion zu werden. Das Innere der Körösbänyaer Mulde ist erfüllt von Neogenablagerungen, welche (zu oberst Schotter, darunter Sand, dann Thon) ein von tiefen Schrun- den durchfurchtes Hügelland bilden und dem Alluvium der Koros eine ziemlich beschränkte Thalsohle eingeräumt haben. Diesen Neogenablagerungen gehört die seit längerer Zeit bekannte Conchylienlagerstätte von Ribitze (östlich von Körösbtinya) an, eben so der an Holzresten reiche und in alten Sammlungen stark vertretene Halbopal von Rasserabassa, südlich von Halmagy im Bereiche des Trachyttuffes , auch die Braunkohle von Mesztiakeny und Valle Bräd, süd- östlich von Körösbanya <). Diese Localitaten, so wie den neuerlich aufgenommenen Goldbergbau Ruda, 3 Stunden südöstlich von Körösbanya, der nach Neugeboren 3) auf „edlen Klüften im Grünsteinporphyr", also im grünsteinartigen Trachyt (?), umgehen soll, hätte ich gerne besucht, aber die schon Eingangs erwähnten Hindernisse vereitelten die projectirten Excursionen. Nachdem der grösste Theil unseres 8 — 9stündigen Aufenthaltes im Marktflecken in vergeblichen Bemühungen, eine Fahrgelegenheit zu erhalten, darauf gegangen war, lief ich in südsüdwestlicher Richtung bis über das Dorf Karacs hinaus, um die Vorberge wenigstens an einem Punkte gesehen zu haben. Ich fand da einen deutlich geschichteten, gelblich grauen oder bräunlichen Sandstein, fein oder doch kleinkörnig, durchaus quarzig mit Feldspathkörnchen und sparsam eingestreuten Glimmerschuppen, sehr arm an kohlensaurem Kalk und, im Gegensätze zum „Wiener Sandstein", fast ohne Bindemittel. Nach langem Suchen war ich so glücklich, eine Spur von Nummuliten darin zu entdecken. Das Gestein gleicht vollkommen dem Sandsteine der oberen Nummulitenetage in der Umgegend von Gran, z. B. vom Wachberg, der auch nur in einzelnen Schichten Nummuliten führt. (Jahrb. d. geol. Reichsanst. 18S9, 499 u. f.) Einen ganz ähnlichen, aber nicht so festen Sandstein traf ich am Gebirge zwischen der weissen Koros und der Maros an beiden Gehängen (Fig. 1). über dem Niveau der Neogenablagerungen mächtig erhoben, fällt er beiderseits gegen den Gebirgskamm (Glimmerschiefer) ein, wendet sich aber, wenigstens an der Südseite, nächst dem Grundgebirge rasch in's entgegengesetzte Ver- *) Mittlieilungen des siebenbür«-. Vereines für >'atuiwiss. IV. 183, S. 140, VII. S. 2(»S. IX. S. 33 — 36. 2) Elienda, VII. S. 210 u. I. 424 Peter s. flächen. Zwischen Szla ( i na und dem Drocia erreicht er die Meereshöhe von 281 Klaftern. Eben da enthält er sparsame Pflanzentheilelien und in einzelnen Schichten beachtenswerthe Mugeln von Sphärosiderit. Seine Beziehungen zu den Neogenschichten sind an der Nordscile, wo ich ihn nächst Szakacs kennen lernte, durch eine schmale Zone von Trachyltuft' verdeckt, weiter westlich ver- schwindet er ganz unter mächtigen Tuffmassen, kommt aber, wie mich Herr Ambros versichert, an dem mehrfach zertheilten Gehänge bei Krestamenes und Taucz wieder zum Vorschein. Da unter diesen Umständen die Frage über das Alter dieses Sandsteines nur zwischen Kreide- und Eocenformation gestellt werden kann, muss ich mich in Hinweisung auf den vorigen Artikel wohl für die letztere entscheiden. überhaupt glaube ich die Vermuthung aussprechen zu dürfen, dass der grösste Theil des Karpathensandsteins im westlichen Siebenbürgen dieser For- mation angehört *). 8. INeogen-Schichten. Ich habe schon in der geographischen Einleitung auf den verschiedenen Charakter hingewiesen, der sich in den Ablagerungen der jüngeren Tertiärzeit in beiden Körösgebieten ausspricht. Wir wissen, dass diese Verschiedenheit im Wesentlichen in den massenhaften und weit verbreiteten Tu ffgebi 1 d e n beruht, welche den Trachytstock zwischen Halmagy und Talacs begleiten und sich, weithin an den Gehängen der nach Westen divergirenden Grundgebirge bis in's Flachland erstrecken. Wir werden auch bald erfahren, dass dieser Trachyttuff zu den „Cerithiensch ichten" und den darunter liegenden le i th a ka Ikä h n- lichen Gebilden in nahe Beziehungen tritt und dass die ganze Trachyterhebung in dieser Periode der Neogenzeit stattgefunden hat. Die äl ter en Miocenablage- rungen sind demnach ganz unabhängig von dieser Eruptivmasse. Die jüngsten, zumeist aus grobem Sand und Schotter bestehend, werden davon, selbstver- ständlich nur in petrographischer Beziehung afficirt, indem sie- aus strömenden Gewässern abgelagert wurden, welche sich in westlicher und nordwestlicher Richtung in's ungarische Niederland verbreitend, den TrachyttutV zuerst über- fluthet und nivellirt, später tief durchfurcht haben. Hinsichtlich dieses Schotters tritt nun freilich die schon oft discutirte Frage wieder auf, ob er als neogcn tertiär oder als altes Diluvium zu betrachten sei. Um die Übereinstimmung mit den Alpenländern nach Möglichkeit zu erhalten, wohl auch in Würdigung des Umstandes, dass sich diese Absätze hier sehr innig ihrer neogenen Unterlage anschmiegen, dagegen vom (jüngeren) Diluvium scharf abgrenzen, entscheide ich mich für die erstere Auffassung. Wäre ich nicht durch frühere Studien mit der ungarischen Neogenforma- tion aus der Umgegend von Ofen, Gran u. s. w. ziemlich vertraut gewesen und ') Herr H. Wo Iff, welcher iin Sommer 1860 das Mjirosthal untersiiclit hat, fand in der- gleichen Sandsteinen dieselben Kalkschieferlager wie sie bei Wien vorkommen , es jfibt also auch hier eine, dem Neocotn angeliörip^e AbtheiliinfT des Wiener oder Kar- palheri-.Sandsteins. (u'ologische und luiiuMiilogisclie Studien fnis dem siidöstiit'heii L'iigarii. 42'> liiiüe ich nicht hier im Gebiete flcr Kürösflüsse die genaueste Übereinstimmung mit jenen Localitiiten gefunden, so könnte ich mich wohl kaum auf eine Gliede- rung dieser Schichten auch nur andeutungsweise einlassen. Denn ein längerer Aufenthalt, ein Hin- und Herkreuzen auf jungtertiärem Boden war bei einer Forschungsreise wie die unserige schier unmöglich. Da jedoch jene günstige Bedingung obwaltete, darf ich mir die Entwicklung einer Schichtenreihe wohl erlauben und die wichtigeren Notizen stratigrapliisch geordnet mittheilen. Es folgen von unten nach oben: a) grauer Meerestegel; b) Sand, darüber gelblicher Tegel; c) ein fester sandiger Kalkstein, zum Theil Nul I ip o ren k a I k; d) C e r i t h i e n k a 1 k ; e) Trachyttuff; f) b r a c k i s c h e r T e g e 1 und Mergel ; g) Süsswassertegel; h) grober Sand und Schotter. Li gnit kommt vor \n f m\A h, Braunkohle in (?) a, b — ; a, b, e sint! nur im Gebiete der weissen, g nur im Gebiete der schwarzen Koros bekannt. a) und b) Erst auf der Heimreise erfuhr ich von Herrn Anibros in Gross- wardein, dass man im Dorfe Gurahonz nächst Joszäs an der weissen Koros durch eine (etwa 15 Klafter tiefe) Brunnengrabung unter lichtgelbem Sande auf einen grauen Meerestegel gekommen sei. Ein Stück davon, welches Herr Ambros aufbewahrt, enthält Cerithiian margaritaceum Lam. und Nerita picta Fer., beide häufig und genau so wie im Tegel von Pomaz bei Ofen entwickelt. (Vgl. Jahrb. d. geol. Reichsanst. 1857, 2., S. 308, 320.) Der in der Gegend von Bonczesd, Ifcnczisor, Szakacs u. s. w. unter dem Schotter (A) und weiterhin unter dem Tuffe (e) zu Tage liegende Tegel ist gelblich von Farbe und scheint ziemlich arm an Versteinerungen zu sein. Augenscheinlich gehört er einer höheren Schichte an, welche durch den Sand (i) von dem Tegel («) gelrennt ist. cj und dj Der Cerithienkalk mit dem darunter liegenden festen, aber lei- der an den besuchten Localitäten versteinerungsarmen Kalkstein ist identisch mit den Schichten von Promontor, Teteny, Tinnye bei Ofen und von der Hernalser Türkenschanze bei Wien, allenthalben erfüllt von Steinkernen und Abdrücken des Cerithiiim pictum Bast. Stellenweise wird er auffallend grob und sandig durch Aufnahme von Quarzgeröllen bis zur Grösse einer Haselnuss, enthält dann auch weder Cerithien noch andere Schalenreste. — Die Schichte c ist ein compacter weisser oder grauer, oft sandiger Kalkstein, der zumeist Spuren von Turritellen, Conus, Turbo und grossen Pecten enthält, aber nur höchst selten genügend erhaltene Schalenreste umschliesst. Bei Herrn Ambros fand ich eine Suite von Versteinerungen aus dieser Schichte, gesammelt bei Krestamenes und Felmenyes, südwestlich von Buttyin: Cassis saburon Lam., Ancillaria glandiformis h-Ava., Area Noce Brocchi, Pectunculus polyodonta, vielleicht auch pulvinatKS, Pecten flabellifonnis u. s. w. Darunter steht Sand an mit Ostrea gnjphotdes Schlottli. (non Zieten, lang, mit langer Schlossrinne), der unmittelbar auf Glimmerschiefer ruht, darüber Trachyttuff. 426 Peters. Diese Schichten nehmen hier niemals ).,M-osse Flächen ein. An der weissen Koros, wo sie sich vielleicht besser entwickelt hahen, bedeckt sie der Trachyt- luff, im Gebiete der schwarzen Koros der allenthalben verbreitete Schotter. Doch scheinen sie auch, abgesehen von ihrer Bedeckung, nirgends sehr nalie an das Hochgebirge heranzutreten. Östlich von Butlyin sind sie, ausser bei Kossuba (Ambros), nicht mehr zu finden, an der schwarzen Koros nur bei Örvcnycs am rechten Ufer, wohin sie mit Umgehung der Kalkstein- inassen gelangen konnten; am Hollodbache reichen sie wohl bis Lunkaszprie, welches Dorf etwa V4 Stunden vom schroffen Ktilksteinterrain entfernt ist, zeigen sich auch östlich von Robogäny. Draussen im Hügelland wurden sie zwischen Grosswardein und Rippa (östlich von Teuke) an mehreren Punkten unter dem Schotter, umlagert von brackischem Tegel, angetroffen. Die Mächtigkeit beider Schichten zusammen mag 10—12 Klafter erreichen. So in der Nachbarschaft von Buttyin, bei Rippa u. a. a. 0. Ein interessantes Profil (Fig. 13) theilte mir mein ehemaliger Schüler, der k. k. Bergpraktikant Herr von Jugovitz, mit, der bald nach meiner Heimkehr zu einer Braunkohlenunternehmung nach Grosswardein berufen wurde und so freundlich war, sich vor und nach seiner Reise mit mir zu berathen. Es bezieht sich auf das schon oben (Seite 420) erwähnte Kalksteinriff im Vadaszthale bei Alma-Mezö. Der roth in grau gezeichnete Kalkstein, der hier mit rothem und bräunlichem Mergelschiefer zu wechsellagern scheint, etwa wie bei Sche- risciora in Siebenbürgen, streicht h. 7 und fällt unter 450 jn Süd. An ihn stösst beinahe horizontal, höchstens unter 10" in Nord verflächend, ein Nu 1 lipo ren- kalk, der nebst Korallenfragmenten Pecten bnrdigalensis Lam. und Pecten flabelliformls Brocchi enthält. Im Hangenden folgt übergreifend ein gelblich- grauer Tegel mit Congeria Partschi C«izek und einem neuen, auch im Wiener Becken vorkommenden Cardium (Dr. Rolle), welcher Tegel nach oben zu in Sand übergeht. Endlich wird Alles von grobem, bräunlichgrauem Sand und, Schotter bedeckt. Wir haben also hier unmittelbar auf dem Grundgebirge die Schichte c (d fehlt), darauf /" und h. Derselbe Nulliporenkalk erscheint am Pozorberg nächst dem Dorfe Alma-mezö, hat aber hier einen groben Sand- stein, wie er bei Rippa vorkommt, unter sich, der mehrere Klafter tiefer in Tegel übergeht und einige 2 — Szöllige Kohlenflötzchen enthält. Was die Beziehungen dieser Schichten zum Tra chyttu ff anbelangt, so sind zwei Stellen in der Nähe von Buttyin ziemlich instructiv. Die eine befindet sich an der Mündung des Kiszindiathales, an dessen östlichem Gehänge der Trachyttuft' von den Höhen allmählich bis auf SO Fuss über der Thalsohlc herabsinkt, während er an der Westseite schon höher oben, nahe am Dorfe steil abbricht. Mitten im Tuft'gehänge erscheint mit einem Male eine weisse Kalksteinwand (Fig. 2, vergrössert Fig. 9), aus gut geschichtetem Cerithienkalk bestehend. Die Schichten fallen etwas gekrümmt gegen das Hauptthal ein, unter den letzten Vorsprung des Tuffes, der sich noch einmal zu einer Höhe von etwa 80 Fuss erhebt. Thaleinwärts reicht der Trachyttuff bis zur Alluvialsohle, so dass die Cerithienschichten zwischen beiden Partien desselben eingeklemmt sind. Da nun im ganzen Kiszindiatiiale, welches den Tuff fast eine Meile lang durch- (Geologische und miiieralogisclic Sliulieii aus dem siidöstliclien Ungarn. 42 T schneidet und 2 — 400 Fuss hohe Ahstürze darhiotet, keine Spur von Cerithien- kalk zu bemerken ist, andererseits jener Vorsprung wahrscheinlich durch eine jüngere Eruptivmasse emporgestossen wurde, so erklärt sich das Profil leicht durch eine Verwerfung, respective eine Versenkung der Cerithienschichten, die ihre normale Lagerung über dem Tuffe haben müssen. Dass dem wirklich so ist, zeigt der zweite Punkt zwischen Buttyin und Boros Sebes (Fig. 10). Hier liegt der Cerithienkalk auf einer mächtigen Tra- chyttuftmasse und fällt mit ihr, gehoben durch ein später zu besprechendes Eruptivgestein (vgl. unten: Rhyolith), ziemlich steil in Süd (Südwest). Ich hatte mich davon schon im Vorüberfahren überzeugt und erhielt später von Herrn Ambros die Bestätigung dieser Thatsache. Die Eruption des grauen Traehyts hat also vor Ablagerung der Cerithienschichten stattgefunden gleichzeitig mit der Bildung des mittel- ungarischen Stockes, dessen Sedimentärtuft' (bei Szt. Endre nördlich von Ofen) dieselben Versteinerungen führt, welche die leithakalkartige Schichte im Lie- genden des Cerithienkalkes charakterisiren. (Vgl. Jahrb. der geol. Reichsanst. 1857, 4, S. 778 und 1859, 4, S. 805 u. f.) e) Über die Verbreitung des Trachyttuffes, insbesondere im unteren Körösthale, wurde schon in der geographischen Einleitung das Nöthige gesagt. Zwischen Halmagy und Körösbanya nimmt er am linken Ufer grosse Flächen ein und bildet steile Abstürze gegen die Alluvial- ebene, am rechten Ufer dagegen ist er grösstentheils weggewaschen und lässt bei Ots die nackten Trachytmassen sehen oder hat dem sehr verbrei- teten Schotter und anderen Neogengebilden Platz gemacht. Einzelne höhere, dem Flusse parallel streichende Berge und Hügel zwiehen Ternava und Bortin (Brotuna) scheinen auch nicht aus Tuff, sondern aus massivem Trachyt zu bestehen. Dieser Tuff ist, so weit ich ihn an der Koros gesehen habe, sedimentär, sehr vollkommen geschichtet und zum Theil so fein, dass er unter dem Drucke der darauf lastenden Massen zu einem schwer zersprengbaren thonig-sandigen Gestein wurde, mitunter auch wieder grob, mit grossen Blöcken, welche halb ausgewittert in den überhängenden Wänden stecken. Der Wechsel jener pelitischen Schichten mit dem groben, nur durch lockeren Gruss verkitteten Haufwerk hat in den Felsmassen und Abstürzen eigenthümlich grotteske Formen hervorgebracht; Strebepfeiler, Pyramiden und Säulen, die sich an der Einmündung von Quergräben bis zu nadeiförmigen Aufsätzen gestalten. (Siehe Fig. H.) In der nächsten Umgebung der Trachytmassen gibt es auch ungeschich- teten Tuff, in Gruss und Blöcken zusammengehäuft, plumpe klumpige Mas- sen, wie sie sich an den Steilgehängen theils unter, theils über dem Meerespiegel bilden mussten, während in grösserer Entfernung die geschichteten Absätze entstanden. An genaue petrographische Studien konnte wohl nicht gedacht werden, doch so viel ich mich von der Natur der Einschlüsse zu überzeugen Gelegenheit fand, traf ich in dem Tuft' nur jene zwei Tr ac h y tv a ri etä ten, die ich weiter unfon beschreiben werde. 428 1' " ' - •• s. Bei Aosiicza, westlich von Halmagy, kommt rotlier J a s p i s und graiKM' Clialeedon in Adern und Nestern darin vor. leii konnte den Anhrueli nicht untersuchen, weil wir durch die Jämmerlichkeit unserer Fuhrwerke und die vom Hochwasser angerichteten Verwüslungen iiher alle Flrwartung verspätet in dem schlechten und üherdies halh überschwemmten Wirthshause zu Pleskucza anlangten. Doch sah ich heim Wirtlie und früher schon in Halmagy Stücke, die über die Natur dieses Mineralvorkoiumens keinen Zweifel zuliessen. f) Der hrackische Tegel und Mergel ist von allen Schichten, den Schotter etwa ausgenommen, am meisten verbreitet. Ihm gehören alle Tegel - ausbisse an bei Grosswardein (ausser dem Bereich der Karte) , entlang des Gebirges von Rossia bis Petrosz und Ricny, der Tegel der Umgebung von Hal- magy, wohl auch die bei Gross, nordwestlich von Monidsza, angegebenen Stelle. Überhaupt kann er nicht leicht fehlen, wo die Cerithienschichten ent- wickelt sind. Das gilt nach mehrfachen Erfahrungen als ein Gesetz für die ungarische Neogenformation. Nicht dass er diese Schichten regelmässig über- lagerte, im Gegentheil er liegt in ihrer nächsten Umgebung tiefer als sie, zumeist am Flusse der Hügel und Terrassen, welche sie bilden, und ist bedeckt von den jüngeren Absätzen, welche das Niveau jener Terrassen nicht überall erreiclit haben, aber dem Alter nach steht er im unmittelbaren Zusammenhange mit ibnen. So gut als er die Sohle der mittleren Donauebene bildet um Pest und südlich von Ofen, wo mächtige Alhivien ihn bis an die Ränder der Neogen- hügel bedecken, so kleidet er auch die Mulden aus, in denen sich die Körösflüsse in's Flachland begeben. Sein lacustres Becken hat jedoch die, gleichzeitig um iOO — 300 Fuss gehobenen, Küstenbildungen bergvvärts überschritten, denn wir treften ihn unmittelbar am Hochgebirgsrande, von dem sich die Cerithien- schichten, gebunden an ihreleithakalkartigeßasis.mehroderweniger fernhielten. Am besten entwickelt fand ich ihn bei Halmagy, wo er das Becken ober- halb der Körösenge, selbstverständlich nach Erhebung des Tracliytgebirges erfüllt haben mag. Was davon noch erhalten, das heisst von den nördlich ent- springenden Gebirgswässern nicht weggeschwemmt ist, lehnt sieh in sanft an- steigenden Hügeln und Böschungen (zum Theil unter einer Decke von Schotter) an den Rand der Trachytmasse. Wenige Minuten nordwestlich vom Marktflecken ist er innerhalb, der Ein- friedung des Kirchhofes ziemlich gut entblösst. Die Schotterdecke und darunter etliche Fuss tief Sand sind abgetragen und ein wohlgescbichteter, etwas blätte- riger Thon liegt zu Tage. Darin sind Millionen von Melanopsis Martiniana Fer. in allen Grössen und Entwickelungsstadicn eingebettet, Melanopsis Bouei Fer. minder häufig, zum Theil sehr schlank; M. pigntwa Partsch selten; Nerita GrafeloiipanaFev. häufig und Spuren von Cerithien, deren Erhaltungs- zustand eine Bestimmung nicht zuliess und die sich hier vermuthlich auf secun- dürer Lagerstätte befinden. Weiter nordwestlich, im sogenannten Valle Liasza, fand ich nahe am Tra- chyt in einem grauen fetten Tegel wohlerhaltene Exemplare von Congeria sub- globosa Partsch mit Trümmern eines Pccten. Nachgrabungen an beiden Orten ') Des Opiilliiyers von Ba.sseral)ass:t wurde sclion ol)en geihiclil. (ipologisclie und miiieialog-isclie Studien ans dem siidöstlichen Unf^-arii. 420 sowie aiioli südlich von Acsuva würden interessante Aiifselilüsse über die Hori- zonte der Melaiiopsiden, der (^ongerien u. s. \v. liefern. Der Sand und Schotter (h), ein Geniengsel von den verschiedenartigsten Gesteinen des Bihar-Gainagebirges mit bei weitem vorwiegendem Quarzge- rölle, erreicht bei Halmagy und Valle Liäsza die bedeutende Meereshöhe von 490 Klaftern, während Halmagy nur 133, Pleskucza 105, selbst das Dorf Lazur am Nordrande des Beckens, nordnordwestjich von Halmagy nur 151 Klafter hoch liegen. So bedeutend war die vom Hochgebirge her gegen